CIMT – eine Therapie, die nur auf den ersten Blick einseitig ... - ASbH

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CIMT – eine Therapie, die nur auf den ersten Blick einseitig ... - ASbH

CIMT eine Therapie, die nur auf den ersten Blick einseitig scheint

Bei Halbseitenlähmung auch Spina bifida und Hydrocephalus eine

geeignete Therapie

Dieser Beitrag konnte aus Platzgründen nicht ins ASBH-Brief 2/2012 erscheinen. Wir

veröffentlichten nur die Einleitung und stellen den vollständigen wie angekündigt auf

die Homepage zum Weiterlesen und Weitersagen.

Kinder mit Halbseitenlähmung - besonders wenn sie von Geburt an betroffen sind

entwickeln ein großes Geschick, fast alles mit einer Hand zu bewältigen. Ein relativ

neues Behandlungskonzept mit vielen Namen - Forced Use ( FU) oder Constraint

Induced Movement Therapy (CIMT) oder auch ‚Taub’sches Training’ verspricht neue

Möglichkeiten des Einsatzes der ‚Assisstenzhand’.

In diesem Artikel möchte ich ihnen die Methode vorstellen und von unseren

Erfahrungen mit CIMT-Kursen im Heinrich-Piepmeyer-Haus in Münster berichten.

Und dabei auf die von den Eltern häufig gestellten Fragen eingehen.

Was passiert in der CIMT Therapie mit meinem Kind?

Zunächst erklären wir dem Kind was passieren wird: die Hand, die normalerweise

alles macht, bekommt eine Pause. Sie wird mit einem Tuch an den Bauch gebunden.

Die andere Hand wird so aktiver, denn sie muss jetzt viel mehr tun.

Allerdings reden wir nicht lange sondern handeln: die Hand wird in die Pause

geschickt und sofort bieten wir eine Spielaktivität an, die mit der Assistenzhand zu

schaffen ist und die Spaß macht. Das kann das Wühlen im Bohnenbad sein, das

Umwerfen von Türmen oder Gesellschaftsspiele: je nachdem, was für das einzelnen

Kind passt.

Unsere Erfahrung zeigt, dass die Kinder in den ersten Minuten irritiert sind.

Erstaunlich schnell finden sie sich dann in die neue Situation ein und ‚schalten um’.

Nur wenige Kinder wehren sich länger als 5 Minuten gegen die ungewohnte

Situation.

Wir verabreden vorher mit den Eltern, dass wir an drei Tagen jeweils mindestens 20

Minuten durchhalten. Sollte ein Kind nach der dritten Stunde immer noch

protestieren, brechen wir diesen Behandlungsansatz ab und suchen eine andere

Methode. Das ist allerdings bisher noch nicht vorgekommen.

Für welche Kinder ist CIMT geeignet?

Wir bieten das CIMT Intervall für alle Kinder mit Halbseitenlähmung an. Auch kleine

Kinder profitieren unserer Erfahrung nach von dem Training. Die Theorie hinter der

Methode arbeitet mit dem Begriff des ‚Erlernten Nichtgebrauchs’: die von der

Lähmung betroffene Hand wird weniger eingesetzt als sie könnte, weil die andere

Hand immer geschickter und schneller ist.

Wir denken, dass es gut ist, wenn die schwächere Hand früh trainiert wird und das

Kind erfährt, was möglich ist. Unsere Erfahrung ist auch, dass Kinder mit kognitiven

Einschränkungen von der Methode profitieren können.

Wir finden es entscheidend, dass die Kinder die Zeit mit dem eingebundenen Arm

nicht als Tortur empfinden, sondern auch in dieser gehemmten Situation gern mit der

schwächeren Hand spielen. Wobei wir nicht erwarten, dass sie freudig danach

verlangen, die Hand in die Schlinge zu legen ....


Was passiert in dem dreiwöchigen Kurs?

In dem CIMT Kursen kommen Kinder zusammen, die unterschiedlich stark betroffen

sind das Spektrum reicht von der Regelschülerin, bei der die Klassenkameraden

kaum merken was anders ist bis zu dem Dreijährigen, der noch nicht läuft und der

den Arm mit großer Anstrengung bewegt.

An jedem Tag wird der Arm zwei Mal immobilisiert einmal in der Einzeltherapie und

einmal in der Gruppe. Gerade die Gruppe ist für die Kinder eine sehr schöne und

wichtige Erfahrung. Dort sind alle ungeschickt, es ist nicht so schlimm, wenn etwas

nicht klappt - und in der Gruppe gibt es immer etwas zu lachen, so dass die Zeit wie

im Flug vergeht.

Dazu kommt die Physiotherapie, bei der es vor allem um Beweglichkeit und

Kräftigung des Arms geht wobei nach den klassischen physiotherapeutischen

Methoden und Bobath oder Vojta gearbeitet wird.

Unterstützt wird die Behandlung durch die Vibrationstherapie nach dem Galileo-

Konzept sowohl für den ganzen Körper als auch speziell für die Hand und den Arm

mit der Hantel.

Zu Beginn des Kurses stellen wir ganz konkrete Ziele mit den Eltern und / oder den

Kindern auf manchmal geht um so praktische Tätigkeiten wie das Öffnen und

Schließen des Hosenknopfs, manchmal soll das selbstständige Essen gelernt

werden und manchmal ist es wichtig, das Selbstvertrauen zu stärken.

In der Freizeit können wir Segelstunden auf dem nahe gelegenen Aasee vermitteln,

Schwimmbäder sind in der Nähe und Radtouren auf speziell für die Kinder

angepassten Rädern gehören im Münsterland sowieso dazu.

Für die Kinder ist das Zusammensein mit anderen Kindern, deren Hand und Fuß

ähnlich ‚aus der Reihe tanzen’ wie bei ihnen, eine wertvolle Erfahrung. Viele Kinder

mit Hemiparese besuchen ganz normal in Kindertagesstätten oder Regelschulen

und sind dort die einzigen, die ‚anders’ sind. Für sie ist es eine große Erleichterung

und Bereicherung, wenn sie andere kennen, die sich ähnlich bewegen und die sich

auch im Alltag behaupten müssen. So trauen sich die Jungs viel eher Fußball zu

spielen, wenn die anderen Spieler auch ungewöhnlich bewegen.

Entscheidend ist die Intensität des Trainings: Es ist erwiesen, dass das tägliche

Training über einen begrenzten Zeitraum effektiver ist als die Therapie, die ein Mal in

der Woche stattfindet.

Hat mein Kind auch wirklich etwas von dieser Therapie ?

Vor dem Beginn der Therapie führen wir einen speziellen Test durch, der den Einsatz

der Assistenzhand beschreibt. Dieser Test ist sehr spielerisch und in der Regel

stressfrei für die Kinder.

Wenn wir am Ende des Kurses die Tests wiederholen zeigt sich bei allen Kindern ein

Fortschritt. Das allein ist natürlich nicht Ausschlag gebend: Die Eltern berichten

immer wieder, dass den Verwandten und Freunden zu Hause auffällt, dass die Hand

im Alltag mehr eingesetzt wird, dass sie beweglicher wurde und stärker im

Bewusstsein zu sein scheint. Diese Veränderungen bemerken wir Kinder, Eltern

und Therapeuten - im täglichen Zusammensein natürlich viel weniger.

Nach dem Kurs, zurückgekehrt in den Alltag, schwächt sich der Effekt ab aber ein

Teil des Fortschritts bleibt erhalten besonders, wenn die Hand sich im Alltag als

nützlich erweist.

Uns ist besonders wichtig, dass das vermeintlich so einfache Training nicht zu Hause

in der Familie fortgesetzt wird: die Behandlung sollte unserer Einschätzung nach in

einer therapeutischen Beziehung erfolgen und nicht in der Familie durchgeführt

werden. Die Kinder brauchen Ihre Eltern als Eltern.


Wie kommen wir in den CIMT-Kurs?

Wenn ihr Kinderarzt sie in Ihrer Entscheidung an einem Trainingsintervall

teilzunehmen bestärkt, stellen sie mit seiner Unterstützung den Antrag auf eine

Rehabilitationsmaßnahme bei ihrer Krankenkasse.

Informationen zur CIMT-Therapie im Heinrich-PiepmeyerHaus

Frau Gudra-Nutt im Sekretariat des Eltern-Kind-Kurses im Heinrich-Piepmeyer-Haus,

die sie unter 0251 / 9810229 oder eltern-kind-kurs@heinrich-piepmeyer-haus.de

erreichen.

2012 Jahr findet ein Kurs in den Sommerferien statt.

Gute Erfahrungen hat Lukas Göring gemacht. Seine Mutter Anne ist nicht nur ASBHund

Vorstandsmitglied, sondern kann die Kurse empfehlen. Wer sich zu CIMT

austauschen möchte, kann gerne Kontakt aufnehmen: goering.anne@web.de

www.asbh.de

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