Technik ist auch weiblich - HKM Hüttenwerke Krupp Mannesmann ...

hkm.de

Technik ist auch weiblich - HKM Hüttenwerke Krupp Mannesmann ...

02 • 2013

Magazin für die Mitarbeiter der HKM

Magazin für die Mitarbeiter der HKM

Frauen bei HKM:

Technik ist

auch weiblich

Seite 3


2 02 • 2013

02 • 2013

Magazin für die Mitarbeiter der HKM

Magazin für die Mitarbeiter der HKM

Kunden und Partner

Kollegiale Unterstützung

BP-Rosneft-Werkfeuerwehr zu Gast 23

Reden – Vertrauen – Helfen

Safety First geht in die nächste Runde 26

Der Hüttenspatz 25

Im Dialog bleiben

Nachbarschafts-Forum

mit hoher Beteiligung 31

Besser werden

KVP-Einführung bei TI 28

Mitarbeiter

Mach mit – bleib fit!

Technik ist auch weiblich

Frauen bei HKM 3

100 Jahre Deutsches Sportabzeichen –

HKM ist dabei 30

Frauen bei HKM:

Technik ist

auch weiblich

(K)Eine heile Welt

Kolumne des Betriebsrats 9

Seite 3

#Kompetenz

Einfach, schneller und besser

Best Practice – Überprüfung

elektrischer Betriebsmittel 14

Der Blick ins Innere

Mehr Transparenz durch

neue Techniken im Hochofenprozess 18

Die (Arbeits-) Welt mit

anderen Augen sehen

Neue Wege der Arbeitssicherheit

im Hochofenbereich 10

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Ein Praktikum bei HKM 13

Von der Instandhaltung zum

Umweltschutz

Mitarbeiter stellen ihren

Arbeitsalltag vor 16

Rentenberatung vor Ort

Angebot des Personalservice 19

Weil Innovationen nicht vom

Himmel fallen

Innovationszirkel bei TI eingeführt 32

Integriertes Hüttenwerk –

eine völlig neue Dimension

Gewerkschaftsboss Jürgen Kerner

besucht Hütte 35

Ein Treppengeländer für den

Stadtsportbund

Die Azubi-Kolumne 36

Vertrauen ist gut …

Qualitätskontrolle feuerfester

Baustoffe in der Pfannenwirtschaft 24

30 Millionen Tonnen Roheisen

an Hochofen B erzeugt

Bei der bisher längsten Ofenreise 38

Vorträge & Veröffentlichungen 39

Auch Beteiligung will gelernt sein

Projekt „Mitarbeiterbefragung

in der Lagerwirtschaft“ 20

Fuchs & Bärmann 21

Bei der Flut mit angepackt

HKM-Mitarbeiter leisteten

tatkräftige Hilfe 22

Erstmals Umweltschutz einbezogen

Kreativtraining der Azubis 36

Alle kamen durch

Rhein-Ruhr-Marathon

mit HKM-Beteiligung 37

Jubilare 38

Austritte, Altersteilzeit, 39

Freistellungsphase

Wir gedenken 39


1,3 1,8 3,2 2,9 2,6 2,3 2,6 0,0 0,0 1,7 5,1 5,1 4,3

Neues

Ziel

2013:

3,5

JUNI JULI AUG SEP OKT NOV DEZ JAN FEB MÄRZ APRIL MAI JUNI

[ 4,3* ] Verletzungshäufigkeit bei HKM bis Juni 2013!

* Anzahl/Häufigkeit der Betriebsunfälle ab 1 Ausfalltag

pro 1 Mio. verfahrener Arbeitsstunden

Auf dem Podium: Zum Thema „Frauen und Technik“ diskutierten mit Moderatorin Stephanie Hajdamowicz

(Mitte) unter anderem (v.l.) Roswitha Becker, Anja Best, Doris Freer, Annette von Brauchitsch-Lavaulx,

Sabine Rolofs und Gabriele vom Ende. Die ebenfalls eingeladene Elektronikerin Denise Kappes konnte

aus Termingründen leider nicht teilnehmen.

Mitarbeiter Frauen bei HKM:

Technik ist auch weiblich

Frauen und Technik – das passt nicht zusammen.

Heißt es jedenfalls. Und der Blick in

den betrieblichen Alltag scheint diesem Vorurteil

Recht zu geben. Zwar gelten Frauen

in technischen Berufen heute nicht mehr als

Exotinnen, in der Minderheit sind sie aber

weiterhin. Und zwar deutlich, allen Aktionen

und Förderprogrammen zum Trotz.

Woran also liegt es, dass Frauen und Technik

zumindest auf beruflicher Ebene nicht

zusammenkommen? – Für HKM war diese

Frage Grund genug, sie weiterzugeben. An

jene Frauen, die auf der Hütte in technischen

Berufen tätig sind. Und weil dieses

Thema nicht nur aktuell, sondern auch gesellschaftsrelevant

ist, hatte man daraus

gleich eine Podiumsdiskussion gemacht.

Für die Hütte war die Situation eher untypisch:

Deutlich mehr Frauen als Männer

drängten sich am 2. Juli 2013 am Eingang des

Infocenters, um live bei der Veranstaltung

„Frauen und Technik“ dabei zu sein. Wobei

der Andrang auch zeigt, von welch großem

Interesse dieses Thema generell, aber auch

speziell auf der Hütte ist.

7,4 Prozent Frauen in

Stammbelegschaft

Stellt sich natürlich die Frage, warum HKM

eine solche Veranstaltung überhaupt durchführt.

Zumal es in der Stahlindustrie und

damit auch auf der Hütte nicht besser als in

anderen Industriezweigen aussieht – zumindest

was Frauen angeht. Von den insgesamt

knapp 2.800 Beschäftigten der Stammbelegschaft

von HKM sind gerade einmal 205

oder 7,4 Prozent weiblich, wobei dieser Prozentsatz

auch noch äußerst unterschiedlich

verteilt ist. Im AT-Bereich kommen die Frauen

auf 16,5 Prozent und bei den Angestellten

auf knapp 18 Prozent. Nur im Lohnbereich

dümpelt der Frauenanteil bei eher kümmerlichen

knappen zwei Prozent dahin. Einsamer

Spitzenreiter in Sachen Frauenquote ist

übrigens im Personalwesen der Bereich Personalführung,

wo mit knapp 55 Prozent die

Frauen sogar die Oberhand haben – allerdings

auch hier nicht in Spitzenfunktionen.

Angesichts der Zahlen müßig zu bemerken,

dass der Spitzenreiter zugleich auch die

rühmliche Ausnahme ist.

Einen Stein ins Wasser

werfen

Für Arbeitsdirektor Peter Gasse gab es daher

vor allem einen Grund für diese Veranstaltung,

zu der er auch die Frauenbeauftragte

der Stadt Duisburg, Doris Freer, sowie die

Beauftragte für Chancengleichheit der Duisburger

Agentur für Arbeit, Annette von


4 02 • 2013

Arbeitsdirektor Peter Gasse eröffnet die Veranstaltung:

Frauen und Technik – geht das bei HKM?

Unter Frauen im Podium:

Stahlwerksleiter Dr. Arnd Köfler und Jens Loock

Brauchitsch-Lavaulx, begrüßte: „Weil sie

ungewöhnlich ist.“ Sinn macht das Thema

aber auch, weil HKM Frauen zur Zukunftssicherung

braucht und sie zudem bei der

angestrebten Kulturveränderung sehr hilfreich

sein können. Die Diskussion über die

Frauenquote, die er lieber einige Ebenen

tiefer hätte, sieht Peter Gasse allerdings

zwiespältig: „Als Anfang gut, als Alibi

schlecht.“ Frauenförderung, so der Arbeitsdirektor

weiter, setze Akzeptanz voraus und

diese wiederum eine Debatte. „Heute wollen

wir hier einen Stein ins Wasser werfen

und hoffen, dass daraus ein ganz dicker

Brocken wird“, sagte er und übergab

Stephanie Hajdamowicz das Mi krofon.

Unterschiedliche Biografien …

Gabriele

vom Ende,

Leiterin

Berufsbildung

Die WDR-Journalistin, die an diesem Tag die

Podiumsdiskussion moderierte, holte zunächst

Roswitha Becker, Anja Best, Gabriele

vom Ende und Sabine Rolofs nach vorne und

stellte sie kurz vor (s. auch Steckbriefe). Obwohl

alle vier als verbindendes Element ein

frühzeitiges Interesse an Technik vorweisen,

sind ihre Biografien und Erfahrungen doch

sehr unterschiedlich. Die Diplom-Ingenieurin

der Werkstoffwissenschaften, Roswitha

Becker, etwa hat nach der Geburt ihrer inzwischen

drei Kinder jeweils lediglich drei bis maximal

zehn Monate Pause gemacht und dann

sofort wieder gearbeitet. Weil sie es so wollte,

wie sie sagt. Den Frauen rät sie, Zutrauen

im Job zu zeigen und die vorhandenen Hürden

im Kopf zu überwinden. Diplom-Bauingenieurin

Anja Best hat erlebt, dass es Frauen

und erst recht Anfängerinnen auf Baustellen

schwer haben. Aber: „Das gibt sich später.“

Allerdings gibt sie auch zu, dass es noch immer

eine Männerwelt sei, „rein Weibchen

sein, geht da gar nicht.“ Sie empfiehlt HKM,

mehr Werbung zu machen, aufzuzeigen, wie

viele Frauen bereits auf der Hütte arbeiten

und dass sie sich dort wohl fühlen.

… unterschiedliche Erfahrungen

Für Diplom-Ingenieurin für Werkstoffwissenschaften

im Hüttenwesen Gabriele vom

Ende – heute als Leiterin der Berufsbildung

einzige Frau im ersten Führungskreis bei

HKMist wichtig, dass sie die Chance bekommen

hat zu zeigen, was sie kann. Und

dass sie diese Chance ergriffen hat. Mangelnde

Selbstvermarktung sieht sie als

Grund dafür, dass Frauen nicht nach oben

kommen. „Man muss die eigenen Erfolge

auch verkaufen – Männer können und machen

das.“ Chemielaborantin Sabine Rolofs

hat die Erfahrung gemacht, dass nach der

Geburt ihrer Kinder der Wiedereinstieg

schwer war. „Weil es damals in der Kokerei

keine Vollstelle für mich in der Frühschicht

gab.“ Heute hat sich das geändert, arbeitet

sie wieder. Doch so wie es ihr manchmal

bei den Arbeitgebern an Flexibilität fehlt,

mahnt sie das gleiche auch bei den Frauen

an. „Einfach mal technische Berufe anschauen

und sich das dann auch zutrauen.“

Keine Angst vor

Schwangerschaft

Jens Loock,

Personalchef

Auch Personalchef Jens Loock hat für mehr

Frauen in technischen Berufen kein Patentrezept,

weiß allerdings, dass die Wirklichkeit

für Wünsche keinen Raum lässt. „In

den MINT-Berufen ist die Zahl einstellbarer

Frauen immer noch sehr gering, liegt

beispielsweise bei Metallurginnen im einstelligen

Prozentbereich.“ Nur so lässt sich

auch erklären, warum der Frauenanteil bei

HKM in Verwaltung, IT oder Controlling

ganz in Ordnung, im gewerblichen Bereich

hingegen immer noch sehr niedrig ist. Ein

Problem sieht er aber auch darin, Frauen zu

halten. Denn viele hätten Angst, bei einer

Schwangerschaft ihren Job zu verlieren.

Quatsch, sagt der Personalchef. Ob es künftig

allerdings mehr Frauen speziell in technischen

Ausbildungsberufen geben wird,

wagt er zu bezweifeln. „Wir haben es mit

massiv sinkenden Bewerberzahlen zu tun

und darunter ist nur ein ganz bestimmter

Anteil Mädchen. Ich befürchte, dass die Bereitschaft

und auch die Neigung zu technischen

Berufen eher abnimmt.“ Ein anderes

und anscheinend ewiges Thema sind die

fehlenden Sanitäranlagen für Frauen in den


02 • 2013 5

Betrieben. Jens Loock: „Wenn wir die endlich

mal haben, ist schon viel erreicht.“

Arbeit an Lebenssituationen

anpassen

Stahlwerkschef Dr. Arnd Köfler ist es wichtig,

dass Frauen angesichts des drohenden

Facharbeitermangels künftig mehr denn je

gebraucht werden. Um das zu realisieren,

bedarf es seiner Meinung nach vieler

Mo saik steinchen. „An den Sanitäranlagen

werden wir sicherlich nicht scheitern. Viel

wichtiger ist da schon ein verändertes Rollenverständnis

der Männer.“ Statt so genannte

Karriere-Überstunden zu schieben,

sollten sie lieber frühzeitig nach Hause gehen.

Speziell Führungskräfte, denn bei denen

zählt nicht die Zeit, sondern die Aufgaben,

die sie erledigen. Wichtig sei allerdings auch,

dass man flexibler werde, etwa was Schichten

oder auch Teilzeit angeht, denn: „Wir

werden es uns kaum leisten können, auf die

Hälfte der Menschheit zu verzichten.“ Sabine

Rolofs ergänzte, dass die Arbeit an die

verschiedenen Lebenssituationen angepasst

werden muss. In diesem Zusammenhang

vielleicht ganz wichtig, dass HKM in dieser

Richtung schon viel tut. Weniger in Bezug

auf flexible Arbeitszeit modelle und -zeiten,

dafür umso mehr bezüglich der Vereinbar-

Frank Tegtmeyer,

Leiter

Personalservice

keit von Beruf und Familie. Laut Personalservice-Leiter

Frank Tegtmeyer, der selbst nicht

an der Diskussion teilnahm, gibt es bereits

ein umfassendes Angebot, das neben Kinderbetreuung

und anderen Maßnahmen

erstmals auch die Pflege von Angehörigen

einbezieht. „Ein wichtiger Punkt“, wie er

meint, „schließlich hängt die doch noch stark

an den Frauen.“

Vorbilder gesucht

Karin Aust,

Leiterin

Kommunikation

und

O r g a n is at i o n s-

entwicklung

Als Frauenbeauftragte der Stadt Duisburg

begrüßt Doris Freer dieses Angebot, warnt

jedoch zugleich auch davor, Frauen- und

Familienförderung in einen Topf zu werfen.

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft

Männer wie Frauen, die Förderung von

Frauen ist etwas anderes.“ Ihre Anregung:

Vielleicht ja mal in den Broschüren über

Ausbildungsberufe nicht nur männliche,

sondern auch weibliche Azubis abzubilden.

Annette von Brauchitsch sieht das ähnlich.

„Junge Frauen brauchen Vorbilder“, sagt die

Beauftrage für Chancengleichheit der Duisburger

Agentur für Arbeit und weiß zugleich

auch, dass Eltern und Lehrer die möglichen

Chancen für Mädchen noch nicht richtig

im Blick haben. Mehr Öffentlichkeitsarbeit

sei nötig oder – mit Blick auf HKMauch

verstärkt Schnupperkurse oder Praktika für

Mädchen. Sowohl Doris Freer als auch Annette

von Brauchitsch sind sich aber auch

einig darin, dass die Rahmenbedingungen

stimmen müssen. Um festzustellen, woran

es fehlt und was noch verbessert werden

kann, raten beide: „Genau hinschauen.“

Förderprogramme

eher nicht

Bei der abschließenden Frage in die Runde

ging es dann noch um den Sinn und Zweck

von Frauenförderprogrammen. Und zu denen

gibt es ganz unterschiedliche Meinungen.

Roswitha Becker hat eher ein Problem

damit und rät dazu, das gesamte Thema

„Frauen und Technik“ nicht zu verkrampft

anzugehen. Auch Anja Best steht solchen

Programmen ablehnend gegenüber, möchte

viel lieber die Akzeptanz bei Männern

und Frauen verändern und verlangt ein Umdenken

auf beiden Seiten. Für Doris Freer

kommt es hingegen auf die Programme

an, glaubt sogar, dass es ohne Quotierung

nicht geht. Annette von Brauchitsch würde

eher Informationsveranstaltungen bevorzugen,

auf denen HKM dann etwa Frauen

den Beruf einer Kranfahrerin schmackhaft

machen könnte. Weniger auf Programme

als auf die Förderung von Frauen setzt dagegen

Gabriele vom Ende, schließlich gibt

es keine männlichen oder weiblichen Berufe.

Jens Loock will Frauen künftig vielleicht

bestimmte Bereiche wie etwa den Umweltschutz

näher bringen, glaubt aber auch,

dass eine gewisse kritische Masse an Frauen

erforderlich ist, um die Bewegung nach

vorne zu bringen. Nicht zu immer neuen

Programmen, sondern zum Abgucken rät

Dr. Arnd Köfler. Schließlich gibt es genügend

Initiativen von den man lernen und die man

Journalistin Stephanie Hajdamowicz moderiert die Talk-Runde im gut gefüllten Infozentrum


6 02 • 2013

Frauen und Technik – Geht das bei HKM?

Besprechung von Zahlen, Daten, Fakten vor

der Veranstaltung

auf HKM übertragen kann. Auch Sabine Rolofs

hält wenig von speziellen Programmen,

weil mit Zwang nichts funktioniert.

Berufen Gesichter geben

Blieb letztlich die Frage, was sich ändern

muss, dass Frauen und Technik mehr oder

besser zusammenkommen. Und hierzu gab

es reichlich Vorschläge. Etwa dass Ingenieure

oder Chemiker aus den Betrieben in die

Schulen gehen und ihre Gebiete interessant

und spannend vorstellen. Dass bestimmte

Themen frauengerechter und weiblicher angesprochen

werden. Dass bei HKM arbeitende

Mütter mit Kindern in die Schulen

gehen und von ihrem Job und dem Spaß

dabei erzählen. Oder dass es solche Veranstaltungen

wie die aktuelle öfter geben sollte.

Letztendlich, so der allgemeine Tenor,

geht es um Information, Vorbilder, Beispiele

und Vernetzung. Oder, wie es Anja Best auf

den Punkt brachte, Berufen Gesichter zu geben.

Allerdings sind auch die Frauen nicht

aus der Verantwortung entlassen. Es gilt,

ein bestimmtes Selbstverständnis zu haben,

sagte Roswitha Becker. Und das besteht

darin, einen bestimmten Job bekommen zu

wollen, und zwar nicht weil man Frau ist,

sondern darin arbeiten will. Allerdings:

„Wenn Frauen sich für solche Berufe und

Jobs interessieren, sollten sie auch gleiche

Chancen haben.“ Genau daran muss weiter

gearbeitet werden – auch bei HKM.

Sie finden auch, dass „Frauen und Technik

ein wichtiges Thema ist? – Dann diskutieren

Sie mit uns. Per Mail oder Leser brief. Denn

wir wollen die Debatte weiterführen.

Mail-Adresse: leserbriefe@hkm.de

Post-Adresse:

Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH,

Redaktion Leserbriefe,

Ehinger Str. 200, 47259 Duisburg

Interne Briefe: Redaktion Leserbriefe

Als Leiterin der Berufsbildung bei HKM ist

Gabriele vom Ende dicht dran am Geschehen.

Und sieht, dass sich im Hinblick auf Bewerberinnen

für technische Ausbildungsberufe

nur wenig tut. Zurzeit sind die Zahlen

Steckbrief

Name: Gabriele vom Ende

Alter:

55 Jahre

Familienstand: ledig, ein Sohn (28 Jahre)

Ausbildung: Diplom-Ingenieurin für

Werkstoffwissenschaf ten

im Hüttenwesen

Bei HKM seit: 1990

Heutige Leiterin

Tätigkeit: Berufsbildung

STECKBRIEFE

Frauen fehlt es am Self-Marketing

sogar wieder rückläufig, sagt sie. Woran es

liegt? – Vielleicht daran, dass die Industrie immer

noch eine Männergesellschaft ist, vermutet

sie. Deshalb fördert sie Mädchen und

Frauen, wo es nur geht. Ein aus ihrer Sicht notwendiges

Unterfangen: „Frauen fehlt es oft

an Selbstbewusstsein und am Self-Marketing“,

sagt sie und sie weiß, wovon sie spricht.

Schließlich ist sie die einzige Frau in der 35-köpfigen

ersten Führungsebene der Hütte. Nicht,

weil HKM dort keine Frauen haben will. „Es

gibt sie einfach nicht“, sagt Gabriele vom Ende.

Weil für solche Leitungsfunktionen ein

Profil erforderlich ist, was Frauen zumindest

derzeit nur begrenzt vorweisen können. Der

Frauenquote erklärt sie daher auch eine klare

Absage. Alibi-Frauen, sagt sie, brauchen wir

nicht, vielmehr solche, die durch Qualifikation

auf Augenhöhe mit den Männern sind. Sie

selbst hat gezeigt, dass das möglich ist, auch

wenn das nicht immer einfach war. Denn mit

ihrem Studium der Hüttenkunde war sie auf

der Hochschule wie auch später im Beruf eigentlich

immer eine Exotin. Aber sie hat sich

durchgesetzt. „Wenn man sich erst einmal den

Respekt erarbeitet hat, läuft es auch.“ Zugleich

hat sie lernen müssen, als Frau doppelt so gut

zu sein, da die Entscheider in der Regel Männer

sind. Und die lassen Frauen nur hochkommen,

wenn sie besser sind. Dennoch hat Gabriele

vom Ende durchweg gute berufliche Erfahrungen

gemacht. Etwa mit Arbeitgebern, die

mit einer ledigen Mutter als Ingenieurin kein

Problem hatten. Auf der Hütte ist sie direkt als

Betriebsleiterin eingestiegen und hat gleich

neue „Sitten“ eingeführt. Etwa dass Termine

nach 16 Uhr nicht gehen, weil der Sohn aus der

Kita muss. „Das war schon eine kleine Revolution“,

lacht sie. Weniger zum Lachen waren anzügliche

Blicke und sexistische Anmache. Viel

geändert hat sich daran nicht, sagt sie. Nur

dass langsam doch mehr Frauen in die Berufe

drängen und weniger Berührungsängste haben.

Hinsichtlich der erforderlichen Veränderung

ist sie dennoch skeptisch: „In meiner Generation

passiert das nicht mehr.“ Dafür sieht

sie die demografische Entwicklung als Chance

für Frauen. Allerdings nur dann, wenn sie nicht

warten, bis sie entdeckt werden. Und wenn

sich die Denke der Entscheider ändert, sie nach

Potenzial und nicht Geschlecht entscheiden.

Letztlich ist Gabriele vom Ende sich aber sicher:

„Immer mehr Frauen werden Spuren hinterlassen.

Nicht zuletzt deshalb, weil sich auch

die Männer ändern.“


02 • 2013 7

Steckbrief

Name: Anja Best

Alter:

46 Jahre

Familienstand: ledig

Ausbildung: Bankkauffrau,

anschließend Studium

Bauingenieurwesen

an der FH Bochum

Bei HKM seit: 01.04.2011

Heutige Bauingenieurin

Tätigkeit: Instandhaltung

Auf der Baustelle eine Exotin

Wer Anja Best nach dem Thema Frauen

und Technik befragt, bekommt Positives

zu hören. Zumindest was HKM angeht,

denn da fühlt sich die 46-Jährige wohl. Weil sie

akzeptiert wird, gleiches Geld wie die männlichen

Kollegen erhält und nach dem beurteilt

wird, was sie kann. Keine Selbstverständlichkeit,

wie die gelernte Bankkauffrau weiß. Die

sich erst mit Anfang 30 dazu entschied, einen

Neuanfang zu wagen und Bauingenieurwesen

zu studieren. Aus Vorliebe für Technik und der

Faszination, Gebäude entstehen zu sehen. Als

sie nach ihrem Diplom die ersten beruflichen

Schritte bei einem mittelständischen Bauunternehmen

unternimmt, macht sie dort als erste

Ingenieurin überhaupt gleich die Erfahrung:

Männer akzeptieren auf Baustellen keine

Frauen, die ihnen was zu sagen haben. Und sie

müssen mehr leisten, um anerkannt zu werden,

bekommen in der Regel aber weniger bezahlt.

Durchsetzen, das lernt sie schnell, kann

man sich nur, wenn man diesen Menschen auf

Augenhöhe begegnet. Was für sie als Anfängerin

und noch dazu als Frau nicht einfach ist.

„Da spielt das Diplom überhaupt keine Rolle“,

sagt sie. Nach ihrem Wechsel zu Hochtief, wo

sie den Bereich After-Sales-Management für

den Wohnungsbau aufbauen soll, sieht das

schon anders aus. Was auch damit zusammenhängt,

dass sie nach ca. acht Jahren Praxis ein

anderes Auftreten hat. Eine Exotin bleibt sie

trotzdem und auch später bei HKM wird sie

zunächst das Gefühl nicht los, als Frau nicht

ernst genommen zu werden. „Vielleicht weil

es auch Männern schwer fällt, aus alten Rollenklischees

auszubrechen, zumal Frauen jetzt

mit ganz anderen Forderungen und einem anderen

Selbstbewusstsein auftreten“, sagt sie.

Inzwischen fühlt Anja Best sich allerdings aufgenommen.

Zu Recht, wie sie meint. Schließlich

ist sie als Betreiberin von sechs Sozialgebäuden

und zwei Verwaltungen für alles

verantwortlich, was an Instandhaltungsarbeiten

anfällt – von der Ausschreibung über

die Planung bis zur Übergabe. Bei HKM, sagt

sie, wird sie danach beurteilt, was sie kann und

nicht danach, welches Geschlecht sie hat. Keine

Selbstverständlichkeit, denn sie hat auch

anderes erlebt. Gegen die Frauenquote ist sie

trotzdem. „Wenn Frauen gut sind, setzen sie

sich auch so durch.“ Ihr Vorschlag für mehr

Chancengleichheit: Bei Bewerbungen einfach

nicht aufs Geschlecht, sondern auf die Qualifikation

achten.

Es fehlt an Flexibilität

Dass Sabine Rolofs heute in der Kokerei

als Chemielaborantin eine Vollstelle in

der Frühschicht hat, ist keineswegs selbstverständlich.

„Noch vor Jahren war das unmöglich.

Da ist mir der Wiedereinstieg mangels

einer solchen Stelle verwehrt worden“, sagt

sie. Dabei hat sie sich immer ins Zeug gelegt,

schon zwei Jahre nach ihrer Ausbildung bereits

den Antrag auf Weiterqualifizierung zur

Technikerin gestellt. Chemielaborantin lernt

Sabine Rolofs aus Interesse an Technik und

Chemie. Und weil sie glaubt, auf dem damals

nicht gerade rosigen Arbeitsmarkt mit einem

technischen Beruf bessere

(Zukunfts-) Chancen zu haben.

Allerdings steht für sie

auch fest, einmal Kinder haben

zu wollen. Über die heute

viel zitierte Vereinbarkeit von

Beruf und Familie macht sie

sich noch wenig Gedanken

und geht daher auch in den

Mutterschutz mit dem festen

Vorsatz, wieder in den Beruf

zurückkehren zu wollen. Nach

einer gewissen Zeit jedenfalls,

denn: „Ich wollte meine Kinder

wissentlich aufwachsen

sehen.“ Allerdings gestaltet sich der berufliche

Wiedereinstieg schwer, da sie einen Halbtagsjob

sucht. Was bei HKM damals ebenso wenig

möglich ist, wie ausschließlich Frühschicht

zu machen. Als Alternative bleibt der Job am

Empfang einer Tierärztin. Erst sechs Jahre

später bietet man ihr dann im Rahmen der

Kokereierweiterung doch eine Vollzeitstelle

auf der Frühschicht von 6 bis 14 Uhr an. Obwohl

sich also etwas getan hat, sieht Sabine

Rolofs immer noch Handlungsbedarf. „Es fehlt

an Flexibilität der Arbeitgeber, sich durch entsprechende

Arbeits- und auch Zeitmodelle auf

Name:

Alter:

Familienstand:

Ausbildung:

die Bedürfnisse von Frauen und speziell Müttern

einzustellen.“ Vielleicht, so vermutet sie,

herrscht ja vor allem bei älteren Führungskräften

noch das alte Rollenklischee von Frauen am

Herd. Gleichwohl gibt sie zu, dass ein Umdenken

stattfindet, wie das zunehmende Angebot

an Krabbelplätzen zeigt. Ob eine Frauenquote

diese Veränderung beschleunigen kann, wagt

sie allerdings zu bezweifeln. Zumindest dann,

wenn es nur um die Quote geht. „Wenn nur

die Qualifikation zählt und dann im Zweifelsfall

Frauen bevorzugt werden, hielte ich das

für richtig. Aber auch nur dann.“

Sabine Rolofs

43 Jahre

Steckbrief

verheiratet, zwei Söhne (14 und 12 Jahre)

Ausbildung zur Chemie laborantin bei HKM,

Weiterbildung zur Chemotechnikerin

(Berufskolleg Glockenspitz Krefeld)

Bei HKM seit: von 1989-1998

(mit Unterbrechung wegen Weiterbildung)

und dann wieder ab 2011

Heutige Tätigkeit: Chemielaborantin in der Kokerei


8 02 • 2013

Jede Frau soll selbst entscheiden

Roswitha Becker ist eine Frau, die polarisiert,

an deren Lebensmodell sich auch

heute noch die Meinungen scheiden. Drei Kinder

hat die Diplom-Ingenieurin für Werkstoffwissenschaften

zur Welt gebracht, bei den ersten

beiden jeweils nur drei und beim dritten

zehn Monate lang pausiert. Dann hat sie eine

Kinderfrau engagiert. Sie weiß, dass sie damit

Klischees bedient. Bei denen, die Frauen wie

sie für Rabenmütter halten oder für karrieresüchtig.

Und die sagen, dass man das ja sowieso

nur machen kann, wenn das Gehalt stimmt.

Roswitha Becker kümmern solche Stimmen

wenig. Vor allem deshalb nicht, weil sie ihr

Lebensmodell keinem anderen aufdrängen

will. „Jeder muss schauen, auf welche Art er

glücklich wird“, sagt sie. Natürlich geht bei

einer Kinderfrau ein Großteil des Gehalts

drauf. Aber, so gibt sie zu bedenken, dafür

kann man den Beruf fortsetzen und zahlt unter

anderem auch die Rentenkasse ein. Was

sich – mit Blick auf Altersarmut bei Frauen –

später bezahlt macht. Ganz abgesehen davon,

dass man den Anschluss nicht verpasst. „Das

zum Teil längere Aussetzen ist sicherlich mit

ein Grund dafür, dass es vergleichsweise wenig

Frauen in Führungspositionen gibt.“ Dafür

sei natürlich auch Flexibilität seitens der Ar-

beitgeber erforderlich. Aber die erfährt sie an

ihrem Arbeitsplatz, arbeitet beispielsweise

teilzeit an vier Tagen in der Woche. Ob das nun

Steckbrief

Name: Roswitha Becker

Alter:

42 Jahre

Familienstand: verheiratet, drei Söhne

(3, 4 und 7 Jahre)

Ausbildung: Diplom-Ingenieurin

Werkstoffwissenschaften

Bei HKM seit: 1998

Heutige Leitung Fachgebiet

Tätigkeit: Qualitätssteuerung

an ihren Vorgesetzten liegt oder HKM-spezifisch

ist, kann sie allerdings nicht sagen.

Roswitha Becker ist jedenfalls glücklich in ihrer

Arbeitswelt. Denn in die Industrie wollte sie

schon immer. Auch wenn das eine Männerwelt

ist, in der gönnerhafte Chefs sie schon

einmal fragten, wie sie denn dieses oder jenes

so als Hausfrau sehe. „Von so etwas darf man

sich nicht beeinflussen lassen, darf nicht allzu

empfindlich sein“, meint sie. Bei vielen, so ihre

Meinung, fängt der Denk- und Wertewandel

sowieso erst an, wenn sie selbst eine Tochter

haben, die sich für einen technischen Beruf

interessiert. Echte Probleme habe sie jedenfalls

nie gehabt, nicht beim Mannesmann-

Grobblechwalzwerk, wo ihr beruflicher Werdegang

begann, noch bei HKM. Nicht zuletzt

deshalb steht sie der Frage der Frauenquote

zwiespältig gegenüber, beantwortet sie daher

mit der Gegenfrage, was dadurch besser wird.

„Zählt dann Quote oder Können?“ Wichtig sei,

das Thema im Fokus zu behalten, nur eben

nicht so verkrampft, wie das jetzt geschieht.

„Letztendlich sollte jede Frau so entscheiden,

wie sie es für richtig hält.“ Was nicht immer so

aussehen muss, wie bei ihr. Nur dass es für sie

genau das Richtige ist.

Steckbrief

Name: Denise Kappes

Alter:

24 Jahre

Familienstand: ledig

Ausbildung: Elektronikerin für

Automatisierungstechnik

Bei HKM seit: 2009

Heutige Maschinistin in

Tätigkeit: Kohlenwertstoffanlage

Allein unter Männern

Denise Kappes auf Schicht, das ist auch das

Spiegelbild der heutigen Arbeitswelt in

technischen Berufen. Neun Männer arbeiten

da mit einer Frau zusammen, ein Ungleichgewicht,

das Standard ist. Unwohl fühlt sich die

24-Jährige dennoch nicht, denn: „Ich habe eine

technische Ausbildung machen wollen und

schon damals gemerkt, dass es genau das Richtige

für mich ist.“ Benachteiligt gefühlt hat sie

sich in dieser Zeit nie, nur so manche Tätigkeit

wie Feilen oder Meißeln ist ihren eher zarten

Fingern nicht ganz so bekommen. Davon abschrecken

lassen, hat sie sich nie, im Gegenteil.

Sie hat ihre Ausbildung durchgezogen, wurde

von den anderen Azubis akzeptiert und hat sogar

ein Angebot als Elektronikerin abgelehnt.

Weil sie als Maschinistin tiefer in die Materie

reinkommen, neue Bereiche und Abläufe kennen

lernen kann, wie sie sagt. Und deshalb

geht sie nun auf Schicht, macht Rundgänge,

kontrolliert Messwerte, zieht Proben und

schaut, dass alles funktioniert. Allein unter

Männern, was sie aber nicht stört. „Die meisten

sind nett. Nur Ältere sticheln manchmal,

weil eine Frau auf Schicht eben doch noch keine

Selbstverständlichkeit ist.“ Denise Kappes

ist selbstbewusst genug, so etwas zu überhören

und sich zu behaupten. Zumal sie mit ihren

männlichen Kollegen durchaus mithalten

kann. Allerdings, sagt sie, muss man als Frau

mehr mit dem Kopf machen und oft besser

sein als die Männer, um mit ihnen auf einer

Stufe zu stehen. Nicht bei den jüngeren, darauf

legt Denise Kappes Wert. Aber bei manchen,

sagt sie, „steckt einiges an Vorurteilen

wohl immer noch in den Köpfen drin.“ Zumindest

am Anfang, bis sie dann sehen, dass

Frauen auch gut sind. „Und von der Qualifikation

manchmal sogar besser“, lacht sie. Wie

viele ihrer Kolleginnen hält auch sie deshalb

nichts von der Frauenquote, verlangt vielmehr

Gleichbehandlung. „Wenn Frauen besser sind,

sollen sie auch aufsteigen können.“ Bei HKM

sieht sie diese Möglichkeit gegeben, fühlt sich

in gleichem Maße gefördert wie die männlichen

Kollegen. Und will deshalb auch bleiben.

Über Familie und Kinder und ob sich dann etwas

ändert, hat sie noch nicht nachgedacht.

Nur dass das mit der Schicht dann wahrscheinlich

nicht mehr klappen wird, ist ihr schon klar.

Aber vielleicht hat sich bis dahin ja noch mehr

verändert.


02 • 2013 9

Mitarbeiter Kolumne des Betriebsrats:

(K)Eine heile Welt

Es rumort derzeit bei HKM. Grund für die

eher ungewohnte Unruhe ist das AÜG-

Thema. „Es wird momentan ziemlich heftig

über die Übernahme diskutiert“, weiß Betriebsratsvorsitzender

Uli Kimpel, der das

Ausmaß der Diskussion nicht ganz verstehen

kann. „Wir sind ja bestrebt, so viele wie

möglich zu übernehmen“, sagt er. Nur dass

das alles nicht so einfach ist. Schließlich sind

da auch noch die Azubis und die Konzernübernahme.

Trotzdem ist bereits viel geschafft

worden, betont Norbert Keller. Und

der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende

kann dazu auch Zahlen nennen. „Rund 170

AÜGs haben wir in den letzten Jahren schon

übernommen, einige werden auch in diesem

Jahr noch hinzukommen.“ Keine Kleinigkeit,

wenn man bedenkt, dass seit 2012 auch die

Übernahme von Inoxum-Mitarbeitern gestemmt

wird. Insgesamt 200 sollen bis 2014

bei HKM unter kommen. 100 sollten bereits

2012 übernommen werden, wobei allerdings

nur etwa 60 von Krefeld gekommen

sind. Weitere 50 stehen für das laufende

sowie auch für das kommende Jahr auf dem

Plan. Eine Alternative dazu gibt es nicht,

wissen die beiden, „denn wir sind zu der

Konzernübernahme verpflichtet.“

Trotzdem will man in Zukunft bei der Vorgehensweise

für die Übernahme von AÜGs,

Azubis und auch von Konzernmitarbeitern

eine klare Linie fahren. „Wir arbeiten gerade

zusammen mit den Arbeitgebern an einer

Betriebsvereinbarung über Grundsätze zum

Einsatz von Leiharbeitern, in der von Azubis

über Leiharbeiter bis hin zu befristet Beschäftigten

alles enthalten und geregelt

ist“, sagt Uli Kimpel. Bei den befristeten Kollegen

soll sogar recht schnell etwas geschehen.

Noch in diesem Jahr, so verspricht Norbert

Keller, will man versuchen, die befristet

beschäftigten Kollegen zu entfristen. Und

zwar jene, die vor der Übernahme als Leiharbeiter

bei HKM gearbeitet und jetzt insgesamt

eine Beschäftigung von 54 Monaten

hinter sich gebracht haben.

Mal abgesehen von der Unruhe an der

Übernahmefront, scheint die Welt auf der

Hütte ansonsten in Ordnung zu sein. Es

herrscht nahezu Vollauslastung, die Stimmung

ist gut. Also alles eitel Sonnenschein?

– Nur scheinbar, denn derzeit ist HKM nach

Ansicht der beiden Betriebsräte eine Insel

der Glückseligen. Und dass ihr Betonung

dabei auf „Insel“ liegt, hat seinen Grund.

„Wenn wir mal zu unseren Müttern, aber

auch auf die Gesamtsituation in der Stahlindustrie

schauen, dann müssen wir zugeben,

momentan wirklich gut dran zu sein“, sagen

sie. Was nicht unbedingt heißen muss, dass

sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern

muss. Aber denkbar ist es eben doch. Zumal

sich Dinge wie die Energiepolitik und ihre

Auswirkungen kaum beeinflussen lassen.

Gleiches gilt für die Rohstoffpreise. „Es ist ja

eigentlich absurd, dass bei fallenden Stahlpreisen

Rohstoffe wie Erz auf höchstem Niveau

verharren oder sogar weiter steigen“,

schüttelt Uli Kimpel den Kopf. Wobei er nur

zu gut weiß, dass der schier unstillbare Rohstoffhunger

der Chinesen die treibende

Kraft dafür ist.

Da an diesen und anderen Themen aus

eigener Kraft wenig getan werden kann,

nimmt man sich anderer Dinge an. So finden

die beiden es beispielsweise ausgesprochen

gut, dass in dieser Ausgabe von „Wir

bei HKM“ das Thema „Frauen und Technik

zur Sprache kommt. „Ich hoffe, dass dadurch

auf der Hütte eine Diskussion zustande

kommt, wie wir mit dem Thema weiter

umgehen und dabei weiterkommen können“,

meint Norbert Keller. Denn angesichts

der demografischen Entwicklung wird man

es sich kaum leisten können, auf gut ausgebildete

Frauen zu verzichten. Und da besteht

auf der Hütte vielleicht doch noch etwas

Nachholbedarf.


10 02 • 2013

Mitarbeiter Neue Wege der Arbeitssicherheit im Hochofenbereich:

Die (Arbeits-) Welt

mit anderen Augen sehen

Der Titel des neuen Arbeitssicherheitskonzepts

im Roheisenbereich Hochofen ist doppeldeutig.

Aber das hat Roheisenchef Dr.

Peter Eisen wohl auch so gewollt. Denn „Mit

Sicherheit in Führung gehen“ kann zum einen

bedeuten, dass nur durch sicheres Arbeiten

Spitzenpositionen bei Kosten und

Qualität erreicht werden können. Zum anderen

kann es aber auch heißen, dass Sicherheit

ein Thema ist, mit dem man an die

Führungstruppe ran muss. Und zwar nicht

nur an die Prozess- und Teilprozessleiter,

sondern auch an die Vorarbeiter, Schichtleiter

und Meister. Weil dort die alltägliche

Kommunikation mit den Mitarbeitern stattfindet.

Und die sind es letztlich, die „anpacken“,

wobei daraus auch Gefährdungen

entstehen können. Die Kommunikation

sollte dabei am besten auf Augenhöhe und

ohne erhobenen Zeigefinger erfolgen. Und

genau darauf zielt das neue Konzept ab.

Auslöser für die Aktion war Ende 2011 im

Hochofenbereich die immer wiederkehrende

aktuelle Frage, was zur weiteren Verbesserung

der Sicherheit denn noch getan werden

könnte. Oder anders ausgedrückt: Wie

lassen sich die Mitarbeiter am besten ansprechen,

wie können sie aus der Routine

herausgeholt und ihr Blick für neue Sichtweisen

geöffnet werden? Kurz: Wie sind die

Mitarbeiter in Sachen Sicherheit am besten

zu erreichen? Die Antwort auf all diese Fragen:

Durch einen Perspektivwechsel.

Theorie und Lerngänge

Es war Organisationsentwicklungs- und

Kom munikationschefin Karin Aust, die für

diesen Perspektivwechsel die Frage „Was

könnte mich und andere gefährden?“ vorschlug

und zur Umsetzung eines entsprechenden

Konzepts das Beratungsunternehmen

t&t Organisationsentwicklung empfahl.

Ausgangspunkt für dieses neue

Kon zept ist die Erkenntnis, dass bislang eigentlich

nur Führungskräfte über USO-

Rundgänge geschult worden sind. Dem entgegen

steht jedoch die Tatsache, dass Unfälle

zumeist in gewerblichen Bereichen

passieren. Es geht also darum, die Köpfe der

handelnden Personen zu erreichen, ihnen

bewusst zu machen, in welcher Situation

sie sich befinden, was sie gefährden könnte

und was diese Gefährdung auslöst. Das Beratungsunternehmen

schlug dafür einen

zweitägigen Workshop vor, der sich in Theorie

und sogenannte Lerngänge gliederte.

Nachdem das Konzept zunächst in einem

ausgewählten Kreis aus Führungskräften

einschließlich Roheisenchef Peter Eisen sowie

Meistern und Vorarbeitern in einer Art

Workshop begutachtet und letztlich als

passend und richtig für den Roheisenbereich

bewertet worden war, fand im März

2012 der erste Pilot statt – mit Mitarbeitern

aus der Produktion und Instandhaltung. Anschließend

wurde es noch einmal weiter

verfeinert und im November dann auf die

erste Bewährungsprobe geschickt.

Zunächst gedämpfte

Begeisterung

Insgesamt 64 Vorarbeiter, Meister, Ingenieure

und Prozessleiter starteten in sechs

Gruppen in das zweite Pilotprojekt. Schon

das übrigens eine Neuerung, da bei ähnlichen

Schulungen bislang auf Teilprozessleiter-Ebene

Schluss gewesen war. Ein Fehler,

wie Dr. Henning Schneider meint.

„Schließ lich fängt der Einfluss auf die Mitarbeiter

bei den Meistern und Vorarbeitern

an“, sagt der Prozessleiter Instandhaltung

Hochofen. Und Jürgen Gertz, Prozessleiter

Produktion Hochofen, ergänzt: „Wir haben

diese Kollegen ganz bewusst dazu genommen,

weil wir uns davon eine ganze Menge

versprechen.“ Die solchermaßen „Geehrten“

allerdings waren von der bevorstehenden

zweitägigen Schulung zunächst alles andere

als begeistert. „Schon wieder etwas

Neues. Wir wissen doch längst alles“, schil-


Wolfgang Paschmann und Cihan Yeniay

am Steuerpult Schrägaufzug;

Durchsprache des Arbeitsablaufes

dert Frank Ott, Teilprozessleiter Produktion,

die damalige Reaktion auf die frohe Botschaft.

„War so“, bestätigt Peter Geilen, Teilprozessleiter

Instandhaltung Elektrik. „Vor

allem deshalb, weil wir nur den neuen Titel,

aber nichts über die Inhalte erfahren haben.“

Umso überraschter waren die beiden und

mit ihnen viele andere, als es schließlich zur

Sache ging. Schließlich wurde Arbeitssicherheit

auf einmal ganz anders vermittelt.

Nicht nur locker und in Form von Diskussionen,

wie Produktionsschichtleiter Thomas

Steil sagt, sondern vor allem praxisnah, mit

Beispielen aus dem Alltag.

unwesentlich höher als die anderen, und

doch strauchelten und stolperten jede Menge

Passanten über das kaum wahrnehmbare

Hindernis. Für Prozessleiter Gertz sind

diese Beispiele auch theoretisch bestens dazu

geeignet, auf Gefahren aufmerksam zu

machen und für Gefährdungen die Augen

zu öffnen. „Weil sie den Menschen und seine

Verhaltensweisen in den Vordergrund

stellen.“ Das sieht auch Wolfgang Paschmann

so. „Gerade das Beispiel mit der Eisenstange

zeigt, dass man gewisse Gefahren

nicht richtig einschätzt“, sagt der Teilprozesskoordinator

Instandhaltung Elektrik, der

dabei Unterstützung von Teilprozessleiter

Instandhaltung Mechanik, Paolo Pizzolato,

02 • 2013 11

der Zeit einnahm. Noch deutlicher wurde

der neue Ansatz bei den sogenannten Lerngängen,

die die Teilnehmer gemeinsam mit

einem Trainer absolvierten. Denn da ging es

zunächst einmal darum, sozusagen mit den

Augen des Trainers Alltäglichkeiten aus

einem anderen Blickwinkel heraus wahrzunehmen.

Ganz im Sinne der Aust’schen Frage,

was einen selbst oder andere gefährden

könnte.

Der zweite Schritt bestand darin, die

Mitarbeiter auf solche Dinge anzusprechen

und aufmerksam zu machen. Und zwar ruhig

und gelassen. Was zumindest für Thomas

Steil eine gewisse Umstellung bedeutete.

„Ich bin sonst eher immer laut ge -

Peter Geilen und Henning Schneider;

Vorbereitungen zum Lerngang in der Granulierung

Marco Hermans und Thomas Steil auf der Gießbühne;

Beobachtungen zum Lerngang

Beispiele aus dem Alltag

So ließ der Trainer die Gruppe, als sie an

einem an der Wand angelehnten Rohrstück

vor beikommt, beispielsweise schätzen, wie

hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein

Unfall passiert, weil ein kleines Rohrstück

auf dem Boden liegt. Wobei die tatsächlich

erreichten 100 Prozent keiner auf seiner

Schätzliste hatte. „Ganz einfach deshalb,

weil jeder davon ausgeht, dass dieses Rohr

stehen bleibt und keine Gefahr von ihm ausgeht“,

sagt Christoph Konieczny, Vorarbeiter

Hochofen Service Feuerfest, der sich daher

bestens erklären kann, dass keiner etwas

getan hat. Hätte er selbst auch nicht, wie er

zugibt. Wie schnell sich allerdings eine vermeintliche

Kleinigkeit zu einer waschechten

Gefährdung entpuppen kann, zeigte das

Beispiel einer Rolltreppe. Nur eine Stufe war

erhält. „Wenn einen jemand anders auf so

etwas aufmerksam macht, sieht man erst,

wie betriebsblind man ist.“ Nicht zuletzt

deshalb bleibt für Cihan Yeniay Arbeitssicherheit

auch ein wichtiges Thema, über

das man nicht oft genug sprechen kann.

„Erst recht, wenn einem vor Augen geführt

wird, was aus Kleinigkeiten so alles entstehen

kann“, sagt der Schichtleiter Störungsdienst.

Was Fachgebietsleiter Produktion

Sebastian Tauchert und den anderen aber

vor allem gefallen hat: „Dass bei der neuen

Lehrmethode viel diskutiert und nicht einfach

nur ein Konzept durchgezogen wurde.“

Lerngänge mit den Augen

des Trainers

Das zeigte sich nicht nur in der Theorie,

auch wenn die insgesamt rund 70 Prozent

worden, habe aber schnell gelernt, dass ein

ruhiger Ton besser rüber kommt“, räumt er

ein. Frank Ott hingegen findet gut, dass

endlich wieder „Hüttensprache“ angesagt

ist. Denn das bislang favorisierte Vorgehen

bei USO-Rundgängen war nun gar nicht

sein Ding. „Die Leute so lange zu fragen und

zu löchern, bis sie selbst auf ihren Fehler

kommen, liegt mir nicht. Und den Mitarbeitern

übrigens auch nicht“, ist er sicher. Eine

klare Ansage hingegen schon, zumal das

neue Konzept ausdrücklich auch Lob vorsieht.

So wie Frank Ott ist auch Sebastian Tauchert

von der neuen Vorgehensweise überzeugt,

„weil sich jetzt niemand mehr verstellen

muss.“ Und weil die Sichtweise nun

etwas genauer ist und die Kommunikation

mit den Kollegen auf Augenhöhe stattfindet,

fügt Christoph Konieczny hinzu.


12 02 • 2013

Jürgen Gertz und Christoph Konieczny

auf dem Weg zur Gießhalle;

letzte Abstimmung zum Lerngang

Kein Einmal-Effekt

Damit das alles nun auch in die Belegschaft

getragen wird, sollen die Inhalte der Schulung

künftig sowohl in den SGAs als auch

bei den SOS-Rundgängen vermittelt werden.

Schließlich geht es darum, dass auch

die anderen die Dinge so sehen und umsetzen

wie die Schulungsteilnehmer. Hilfreich,

so Henning Schneider, ist da sicherlich, mal

Fotos zu machen und den jeweiligen Zustand

darzustellen. „Und natürlich Vorbild

zu sein und den herum liegenden Schlauch

auch mal selbst aus dem Weg zu räumen.“

Für die meisten ist das genauso wenig ein

Problem, wie die neue Form der Mitarbeiteransprache.

„Denn das deckt sich sowieso

mehr mit meiner eigenen Denkweise“,

meint Wolfgang Paschmann. Oder wie Paolo

Pizzolato es ausdrückt: „Man muss sich

doch immer die Frage stellen, wie man

selbst gern angesprochen würde. Für mich

ist daher diese Ich-Ebene besser.“ Auch

Cihan Yeniay will künftig eher einen Gang

zurückschalten, wenn es um das Ansprechen

der Fehler geht. „Weil manches auch

aus Stress heraus geschieht und dafür können

die Mitarbeiter ja nun mal nichts.“ Am

besten aber ist, dass die Sache bei den Mitarbeitern

anscheinend ankommt. „Erst kürzlich

hat mich ein Kollege auf eine lose Treppenstufe

hingewiesen und sie dann gleich

selbst festgeschraubt“, nennt Wolfgang

Lang ein positives Beispiel. Nicht nur er ist

deshalb davon überzeugt, dass sich die neue

Sichtweise durchsetzen wird. „Das ist kein

Einmal-Effekt“, glaubt er.

Der Erfolg ist entscheidend

Allerdings mahnt Peter Geilen auch Kontinuität

an. “Wir müssen jetzt auch mal dabei

bleiben und nicht immer wieder etwas

Neues einführen.“ Dass in anderen Betrieben

ganz andere Projekte und Konzepte laufen,

hält er dagegen nicht für schlimm. Weil

jeder Betrieb schauen muss, was für ihn

selbst am besten passt. Im Hochofenbereich

zeigt das durchweg gute Feedback der Mitarbeiter,

dass das neue Konzept ankommt.

Weil sich Sichtweise und Ansprache geändert

haben, weil auch Lob ausgesprochen

wird und weil es bei eventuellen Eskalationen

nicht persönlich wird. Die wesentliche

Veränderung aber besteht darin, Arbeitssicherheit

von einer anderen Perspektive her

zu betrachten. Nicht zuletzt deshalb, sollen

die Lerngänge für Führungskräfte systematisiert

und fortgesetzt werden. „Der Erfolg

ist entscheidend“, ziehen Henning Schneider

und Jürgen Gertz eine vorläufige Zwischenbilanz,

und die sieht durchaus positiv

aus. Denn die Mitarbeiter agieren inzwischen

aus sich selbst heraus, vieles ist buchstäblich

sichtbar besser geworden. Das

heißt übrigens nicht, dass nun alles geändert

wird. Die USO-Rundgänge wird es auch

weiterhin geben, nur dass sie im Bereich

Hochofen inhaltlich jetzt durch die neue

Philosophie ersetzt werden. Gegen eine

Wiederholung der Schulung oder eine Auffrischung

der Inhalte hätte übrigens keiner

etwas einzuwenden. Schließlich besteht aus

Sicht der Teilnehmer immer die Gefahr, dass

sich das Gelernte mit der Zeit abflacht. Ein

Feedback-Gespräch fänden die meisten

ebenfalls nicht schlecht, auch wenn dies

teilweise schon regelmäßiger Bestandteil

der SGAs ist. Ansonsten aber sind die Teilnehmer

mit dem Konzept und der Schulung

zufrieden. „Das Beste, was wir je gemacht

haben“, wie die meisten sagen. Nicht zuletzt

deshalb, weil es dazu beigetragen hat, die

(Arbeits-) Welt mit anderen Augen zu sehen.

Und das wollen sie alle beibehalten. Jetzt

und in Zukunft.

Frank Ott und Sebastian Tauchert auf der Gießbühne;

Beobachtungen zu den Arbeiten beim Abstich

Paolo Pizzolato und Wolfgang Lang in der Halle O;

Maßkontrolle einer Düsenspitze im Rahmen eines Lernganges


02 • 2013 13

Mitarbeiter Ein Praktikum bei HKM:

Win-Win-Situation

für alle Beteiligten

Die Bedeutung von Praktika wird oft unterschätzt.

Schließlich lassen sich dabei nicht

nur erste Erfahrungen in möglichen Berufsfeldern

sammeln. Sie ermöglichen auch,

Kon takte zu knüpfen, Netzwerke zu bilden

und erleichtern so oftmals den späteren Einstieg

ins Berufsleben.

Ein Praktikum ist zudem wichtig, um zu erkennen,

ob der angestrebte Beruf auch wirklich

Spaß macht und die Erwartungen, die

man an den Beruf hat, auch so erfüllt werden.

Ganz abgesehen davon, dass sich wichtige

Erfahrungen in der Selbsteinschätzung

machen lassen. Etwa ob man besser als Einzelarbeiter

oder im Team arbeiten kann und

wie man sich in ein Team einbringt.

Jährlich 300 Praktika

Was viele nicht wissen: HKM bietet im Jahr

rund 300 Praktika für Schülerinnen und

Schü ler sowie für Studierende an – neben

dem Tagesgeschäft oft eine große Herausforderung

für die Betriebe, die die Praktikanten

betreuen. Nicht selten stellt sich jedoch

eine Win-Win-Situation sowohl für

den Praktikanten als auch für HKM ein, da

sich der Praktikant gewinnbringend ins Tagesgeschäft

einbringen kann.

Dass ein Praktikum interessant sein kann

und auch Spaß macht, macht das Beispiel

der Praktikantin Lea Otto deutlich. Die Studentin

des Bauingenieurwesens im 3. Semester

an der Universität Duisburg Essen bedankte

sich mit ihren Eindrücken in einem

Brief bei ihrer Betreuerin Anja Best von der

Immobilienwirtschaft.

Liebe Frau Best,

während meines vierwöchigen Praktikums bei HKM war ich der Abteilung PI-BO

in der Immobilienwirtschaft zugeteilt und wurde dort von Ihnen betreut. Hierfür

möchte ich mich bei Ihnen recht herzlich bedanken!

Zu dieser Zeit wurden gerade die Sanitäranlagen mehrerer Gebäude saniert. Es

war sehr spannend, die Haustechnik kennenzulernen, ein Bereich im Bauwesen,

über den ich bis dahin noch gar nichts erfahren habe. Toll fand ich, dass ich schon

in der ersten Woche eigenständig losziehen durfte, um die Räume aufzumessen

und Mengenermittlungen durchzuführen. Zusammen mit den Mitarbeitern der

Abteilung konnte ich für diese Räume dann neue Ausführungsvarianten

entwerfen. Sehr interessant waren die Baustellenbegehungen und ein Höhepunkt

die Abnahme, die ich mit Ihnen durch geführt habe. Besonders gut gefallen an

dem Praktikum hat mir, dass auch abtei lungs übergreifend eine sehr angenehme

Ar beits atmosphäre herrschte und ich viele ver schiedene Bereiche und Tätigkeiten

kennengelernt habe.

Sehr interessant waren natürlich das Stahl werk, die Kokerei und die Hochöfen,

durch welche ich „persönliche Führungen“ durch Sie im Rahmen der Abwicklung

der Baustellen bekommen habe.

Aber auch an Aufgaben, an die man als Studentin, die die Hütte nicht kennt, gar

nicht denkt, wie z. B. die Überarbeitung des Verkehrsleitsystems, der Abriss

ungenutzter alter Gebäude oder die Kontrolle von Feuerlöschern habe ich teils

aktiv und eigenständig mitarbeiten können – vielen Dank dafür!.

Alles in allem hat mir mein Praktikum ausgesprochen gut gefallen und ich kann es

nur weiterempfehlen. Nächstes Mal bewerbe ich mich gerne wieder bei HKM.

Viele Grüße Lea Otto

Praktikantin Lea Otto

beim Inspektionsrundgang


14 02 • 2013

Kompetenz Best Practice – Überprüfung elektrischer Betriebsmittel:

Einfach, schneller und besser

Im Sinne der Arbeitssicherheit müssen betriebliche

Hilfsmittel regelmäßig überprüft

und diese Überprüfungen auch entsprechend

dokumentiert werden. Das fordern

gesetzliche Regelungen, wie etwa die Betriebssicherheitsverordnung.

Auch und gerade,

wenn es sich dabei um elektrische

Betriebsmittel wie eine Bohrmaschine oder

einen Winkelschleifer, aber auch Kabeltrommeln

und vieles mehr handelt. Was früher

in mühsamer Kleinarbeit erledigt werden

musste, klappt heute dank neuer Prüfgeräte

und Software praktisch im Handumdrehen.

Zumindest in den Bereichen TI-M und TR-IE.

Einmal jährlich oder nach einer Instandsetzung

kommen die so genannten ortsveränderlichen

Betriebsmittel messtechnisch unter

die Lupe, während die ortsgebundenen

nur alle vier Jahre an der Reihe sind. Mussten

dazu noch bis vor wenigen Jahren die

entsprechenden Ident-Nummern von den

Geräten abgelesen, handschriftlich notiert

und in dicke Ordner abgelegt werden, reicht

heute ein simples Prüfgerät. Und je nach

Software-Ausstattung dieser Prüfgeräte befinden

sich die Daten dann sogar im SAP-System

der Hütte.

Prototyp bei TI-M

Die Abteilung Medien (TI-M) im Bereich Energie,

Infrastruktur und Anlagentechnik verfügt

derzeit noch über eine Art Prototyp.

Zwar stehen auch dem zuständigen Team

mit Meister Bernd Hofmann, Vorarbeiter

André Backes und Facharbeiter Christopher

Welling zwei Prüfgeräte für ortsveränderliche

und ortsgebundene Betriebsmittel zur

Verfügung, doch sind diese mit der Software

„Protokollmanager“ noch nicht an das

SAP-System der Hütte angebunden. Eine

Erleichterung sind sie trotzdem, wie

Christopher Welling berichtet. Er ist für die

elektrischen Betriebsmittel zuständig, hat

Meister Team Gase:

(v. re.) Bernd Hofmann mit

Vorarbeiter Andrè Backes


02 • 2013 15

deswegen sogar einen entsprechenden

Lehr gang bei der Berufsgenossenschaft besucht.

Seitdem kümmert er sich um die

Überprüfung von Bohrmaschinen, Winkelschleifer

und was sonst noch Stecker und

Kabel hat. Zur Überprüfung der elektrischen

Geräte gibt es zwei Wege: Sie kommen zum

Prüfgerät oder das Prüfgerät wird dorthin

gebracht. „Dann brauchen wir nur die an jedes

Hilfsmittel vergebene interne Ident-

Nummer einzugeben, und das war’s dann

auch schon“, erklärt André Backes die Vorgehensweise.

Die Software erkennt nämlich

an der Nummer das jeweilige Gerät und

ordnet die neuen Messdaten dem im System

hinterlegten Gerät zu.

Ein Stück mehr

Arbeitssicherheit

Damit das funktioniert, mussten im Vorfeld

natürlich die spezifischen Daten eines jeden

Geräts mit Typ und Artikelnummer erfasst

und auf der Datenbank des Programms gespeichert

werden. Erst dann können die

neuen Messdaten exakt zugeordnet werden.

Mehr als 1.000 Geräte überprüft TI-M

heute schon auf diese Weise und der Effekt

ist enorm. „Wir haben nicht nur eine bessere

Übersicht. Wir verfügen jetzt auch über

Vergleichsmöglichkeiten, da wir auf dem

Sys tem die Protokolle der letzten drei Prüfungen

speichern können“, sagt Bernd Hofmann.

Und: „Das Ganze ist auch ein Stück

mehr Arbeitssicherheit, da Mängel schneller

und besser erkannt und entsprechend beseitigt

werden können.“

Umfassendere Software

bei TR-IE

Bei der elektrischen Instandhaltung Hochofen

funktioniert die Überprüfung der dort

rund 1.400 Geräte auf die gleiche Weise, nur

besitzt das dafür zuständige Team mit Teilprozessleiter

Peter Geilen sowie den beiden

Vorarbeitern Marco Rini und Stephan Zipfl

bereits ein schlaueres Gerät. Zusammen mit

Udo Gläsel vom Team TI-S und der Firma IT-

Motive haben sie die Schnittstelle zur Software

„ELEKTROmanager“ realisiert, die eine

Vielzahl an Vorteilen bietet. Denn damit lassen

sich nicht nur Arbeitsmittel, Maschinen

und Installationen messen, bewerten und

dokumentieren sowie eine rechtssichere

Team IH Elektrik Hochofen: (v.l.) Peter Geilen, Stephan Zipfl und Marco Rini

Dokumentation von Prüfungen erstellen.

Die Schnittstelle zur Software ermöglicht

innerhalb des SAP-Moduls PM (Produktionsplanung)

auch die Prüfungsplanung. Mehr

noch: „Durch die Integration von SAP und

ELEKTROmanager ist auch eine Zusammenführung

der Wartungsplanung in SAP mit

der Prüfungsdurchführung und Prüfdokumentation

von Arbeitsmitteln im ELEKTROmanager

möglich“, sagt Peter Geilen.

Zahlreiche Vorteile

Was für den Laien auf den ersten Blick nicht

ganz klar ist: „Es handelt sich dabei um eine

denkbar einfache Lösung, da die Datenerfassung

immer nur in einem System stattfindet

und zudem ein automatisierter Datenaustausch

zwischen SAP und der Prüfsoftware

gewährleistet ist“, weiß Udo

Gläsel. Für die beiden Vorarbeiter ist hingegen

die Praxisnähe ein ungeheurer Vorteil.

„Durch die Verwendung der Wartungsplanung

von SAP verfügen wir zum einen über

eine hohe Planungssicherheit bei der Wartung,

zum anderen besteht eine hohe Kostentransparenz

durch Abrechnungsvorschriften“,

betont Marco Rini. Und Stephan

Zipfl fügt hinzu: „Aufgrund der Prüfdokumentation

in der Software stehen jederzeit

abrufbare Prüfberichte bereit, so dass wir

auch die Vorschriften aus der Betriebssicherheitsverordnung

locker erfüllen.“ Ganz

abgesehen davon, dass durch die Integration

der beiden Systeme eine sichere und

noch dazu archivierbare Datenablage besteht.

Zur Nachahmung empfohlen

Ein weiterer Unterschied zum TI-M-Team:

Bei der Instandhaltung Elektrik Hochofen

werden die Daten der Geräte über vorher

zugeordnete und abgespeicherte Barcodes

per Scanner eingelesen. „Später sollen vielleicht

auch mal QR-Codes und RFID Chips

zum Einsatz kommen“, sagt Peter Geilen.

Übrigens hat das ganze Projekt vom ersten

Angebot bis zur Freischaltung gerade mal

sechs Monate gedauert. Seit dem 1. März

2013 wird es regelmäßig im produktiven Bereich

eingesetzt, seit dem 1. Mai auch für

automatische Wartungs- und Inspektionsdienste

genutzt. Dazu „guckt“ SAP praktisch

in die Prüf-Software rein, stellt fest, welche

Geräte wann und an welchem Ort zu warten

und zu überprüfen sind, und erstellt automatisch

einen entsprechenden Plan. Für

die Instandhaltung Elektrik im Bereich

Hoch ofen jedenfalls eine echte Arbeitserleichterung.

Und eine mit der Empfehlung

zur Nachahmung. Schließlich gibt es zu prüfende

elektrische Betriebsmittel in vielen

Betrieben auf der Hütte.


16 02 • 2013

Datenauslese aus dem Anlagenkataster

Mitarbeiter Mitarbeiter stellen ihren Arbeitsalltag vor:

Von der Instandhaltung

zum Umweltschutz

Als Melanie Nöllen im September 1996 bei

HKM ihre Ausbildung zur Prozessleitelektronikerin

anfing, da war von Girls‘ Day oder

Frauenquote noch keine Rede. Auch die heute

immer selbstverständlicher werdende Präsenz

von Mädchen in technischen, sprich:

Män ner berufen, war damals noch nicht gegeben,

so dass die heute 33-Jährige in der

Ausbildung und auch später im Berufsleben

an fangs oft das einzig weibliche Wesen war.

Geschadet hat ihr das nicht und auch die Berufswahl

hat sie zu keinem Zeitpunkt bereut.

Doch der Reihe nach.

Der Einstieg ins Berufsleben lief für Melanie

Nöllen eher ungeplant ab, wie sie heute zugibt.

„Ich habe mich sozusagen großflächig

beworben und dabei von der Chemielabo-

Steckbrief

Name: Melanie Nöllen

Alter:

33 Jahre

Familienstand: in fester Partnerschaft

Ausbildung: Prozessleitelektronikerin

Heutige Sachbearbeiterin TU

Tätigkeit:

Bei HKM seit: 1. September 1996

rantin über die Industriemechanikerin bis zur

Groß- und Außenhandelskauffrau nichts ausgelassen.“

Von technischer Vorprägung kann

also ebenso wenig die Rede sein wie von Abneigung.

„Ich war damals für alles offen, weil

es auf dem Lehrstellenmarkt nicht gerade rosig

aussah“, sagt sie.

Bewusst für Beruf entschieden

Der Tipp, es doch mal bei HKM zu versuchen,

kam von ihrem damaligen Freund, der selbst

auf der Hütte arbeitete. Ein eigentlich naheliegender

Vorschlag, denn Melanie Nöllen

kannte HKM bereits von zahlreichen Besuchen

am Tag der offenen Tür und mit der

Schule. Bei dem damaligen Bewerbungsbogen

konnte man zwischen verschiedenen Berufen

wählen. Sie kreuzte Energieelektronikerin

und Industriemechanikerin an. Nach

dem Einstellungstest folgte das Vorstellungsgespräch,

wo sie mit dem Satz begrüßt wurde:

„Sie haben sich also als Prozessleitelektronikerin

beworben.“ Hatte sie natürlich

nicht. Vielmehr war sie entsprechend der

Test ergebnisse anscheinend in diesen Topf

gefallen. Was sie aber nicht abschreckte. Sie

machte sich im Gegenteil zuerst einmal

schlau, informierte sich über Ausbildung und

Beruf und sagte dann zu. „Sehr bewusst und

aus Überzeugung“, wie sie unterstreicht.

Sich selbst etwas beweisen

Archivierung von technischen Unterlagen in der Ablage

Im September 1996 begann Melanie Nöllen

ihre Ausbildung zur Prozessleitelektronikerin

und machte dabei sehr schnell die Erfahrung,

dass sie einen gewissen Exoten-Status besaß.

In der gesamten gewerblichen Ausbildung

gab es damals gerade einmal eine Handvoll

Mädchen, auf der elektronischen Seite war

sie in ihrem Ausbildungsjahr sogar das einzige.

Was Vor- und Nachteile hatte. Denn

während sie die einen freundlich und zuvorkommend

behandelten, ließen sie andere

wiederum spüren, dass sie wohl doch eher

fehl am Platze war. Melanie Nöllen hat sich

von all dem nicht beeindrucken lassen. „Im

Zweifelsfall muss man halt ein wenig unsensibler

sein und nicht alles an sich ran kommen

lassen.“ Deutlich im Gedächtnis ist ihr

aber geblieben, dass sie als Frau oft mehr als

ihre männlichen Kollegen tun musste, um

Anerkennung zu ernten und Vertrauen zu erwerben.

Ihr damaliger und auch späterer

Antrieb: „Ich wollte nicht anderen, sondern

mir selbst beweisen, dass ich das kann und

schaffe.“

Auf Messungen spezialisiert

Die Ausbildung selbst absolvierte sie wie

auch die männlichen Azubis. Mit Metallgrundkurs,

Elektrik und viel Schleppen von

Regelventilen und Werkzeugkästen. Insgesamt,

so sagt sie, hat ihr das Ganze aber Spaß

gemacht. Zumal ihr Ausbilder ein zwar

manchmal etwas sperriger Typ war, sie andererseits

aber zum Querdenken anregte und

ermunterte. Und so war es nach bestandener

Prüfung Anfang 2000 für sie keine Frage, in

dem erlernten Beruf weiterzumachen. Eingesetzt

wurde sie bei der Instandhaltung Elektrik

der Brammenanlagen, zu tun bekam sie

es mit allem, was einen Stecker oder ein Kabel

hatte. Und obwohl die täglichen Arbeiten


02 • 2013 17

Rubrik a Subheadline:

Headline

Vergleich der Dokumentation mit den Anlagendaten

Begleitung des TÜV`s (Sachverständigen) bei einer Anlagenabnahme

mit Reparaturen, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten

sowie Neuinstallationen und

Störungsbehebungen ein äußerst breites Betätigungsfeld

boten, hatte die Arbeit schnell

einen Schwerpunkt: Messungen. „Ich habe

von der Kontrolle bis zum Kalibrieren eigentlich

alles gemacht und war darin zum Schluss

richtig gut“, strahlt sie. Vielleicht auch deswegen,

weil sie inzwischen Teil eines Teams

war, das sie akzeptierte.

Besuch der Vorarbeiterschule

Obwohl die Arbeit Spaß machte wurde Elektrik

und Elektronik nie zu einer wirklichen Leidenschaft.

„Mein Ehrgeiz bestand nicht darin,

nun auch zuhause alles zu elektrifizieren

und etwa elektronisch gesteuerte Rollläden

zu haben“, sagt sie. Was sie nicht davon abhielt,

im Jahr 2008 die interne Vorarbeiterschule

zu besuchen – für sie in mehrfacher

Hinsicht von Bedeutung. Zum einen, weil sie

dort Gerhard Pohl und mit oder über ihn das

Thema wassergefährdende Stoffe kennenlernte.

Zum anderen, weil die Vorarbeiterschule

sozusagen der Auslöser für weitere

Qualifizierungsmaßnahmen war. Nicht nur,

weil sie die Vorarbeiterschule richtig gut abschloss,

wie Melanie Nöllen zu Recht stolz

berichtet. „Mir war zu diesem Zeitpunkt auch

klar, dass ich nicht mit 50 Jahren noch durch

die Brammenanlage krabbeln wollte.“ Logische

Konsequenz dieser Erkenntnis: Besuch

der Meisterschule am Bildungszentrum der

Wirtschaft am Niederrhein mit abschließender

IHK-Prüfung.

Berufsbegleitende

Meisterschule

Ein Entschluss, der Kraft kostete. Schließlich

lief die zweieinhalb Jahre dauernde Meisterschule

berufsbegleitend ab. „Ich habe noch

nie so viel lernen müssen wie in dieser Zeit“,

stöhnt Melanie Nöllen noch heute, erinnert

sich zugleich aber auch an ein Highlight. Im

Rahmen der Ausbilder-Prüfung hatte sie sich

für das Fachgespräch das Thema „Umgang

mit wassergefährdenden Stoffen“ ausgewählt

und dafür höchstes Lob von der IHK

erhalten. Für sie eine Art Fingerzeig. Als sie

dann im Intranet auf eine für Meister und

Techniker ausgeschriebene Stelle im Gewässerschutz

stieß, war ihr sofort klar: Das ist

meine Stelle! Trotzdem zog sich die endgültige

Entscheidung etwas hin. „Ich wusste

einfach nicht, ob ich tatsächlich schon aus

der Bramme raus wollte, zumal wir zu der

Zeit ein wirklich Super-Team waren.“ Sie entschied

sich letztlich fürs Ausprobieren,

schrieb eine angstfreie Bewerbung und

harrte der Dinge, die da kommen könnten.

Die kamen in Form eines Vorstellungsgesprächs

bei dem bereits erwähnten Gerhard

Pohl und mündeten schließlich im

Herbst 2010 in einem Probe-Arbeiten. All das

geschah übrigens parallel zur Meisterschule.

Ganz abgesehen davon, dass sie und ihr Partner

sich gerade einen Labrador-Welpen und

ein sanierungsbedürftiges Haus angeschafft

hatten.

Tolle Einarbeitung

und Übergabe

Es war schließlich Gerhard Pohl, der sie anrief

und fragte, ob sie den Job noch wolle. Von

seiner Seite aus sei alles klar. Damit waren

die Würfel gefallen. Melanie Nöllen sagte zu,

konnte allerdings nicht sofort wechseln. Ihr

Meister wollte sie zwecks Einarbeitung ihres

Nachfolgers erst zum Juni 2011 gehen lassen.

Am 15. Juni 2011 war es dann soweit, der

Wechsel war perfekt. Was folgte war eine

lange Einarbeitungszeit mit ihrem Vorgänger

Peter Bock, von der Melanie Nöllen heute

noch begeistert ist. „Er hat mir alles gezeigt

und erklärt und eine tolle Übergabe samt begleitetem

Wissenstransfer gemacht.“ Ihr

heutiger Job: Begleitung der Betriebe bei allen

Fragen zum Gewässerschutz und zu Anlagen

mit wassergefährdenden Stoffen. Dazu

gehören die Datenpflege von Messwerten,

Analyse und Verbräuchen, Behördenkontakte

etwa zur Meldung von Messwerten oder

auch für Genehmigungen, sowie entsprechende

Vorbereitungen, dass die Betriebe die

gesetzlichen Vorgaben auch erfüllen können.

Fast angekommen

Zu 95 Prozent macht die 33-Jährige inzwischen

einen Schreibtisch-Job, was sie einerseits

freut. „Endlich keine schwere körperliche

Arbeit mehr und im Winter keine Kälte.“ Andererseits

vermisst sie manchmal die Arbeit

im Betrieb. Das Erfolgserlebnis, etwas Defektes

wieder zum Laufen gebracht zu haben,

ist eine schöne Bestätigung der eigenen Leistung.

Jedoch steht sie, wie sie sagt, kurz vorm

Ankommen in ihrem jetzigen Job. „Ich muss

mich in verschiedene Dinge noch mehr einarbeiten

und auch noch viel lernen“, gibt sie zu.

Zu schätzen weiß sie inzwischen den Blick

über den Tellerrand, schließlich muss sie nahezu

die gesamte Hütte kennen. Eine Herausforderung,

wie sie findet. Und die will sie

gerne weiter annehmen. Weil sie die Aufgabe

interessiert und sie Teil eines funktionierenden

Teams ist. In dem sie übrigens längst

nicht die einzige Frau ist. Auch privat ist die

hektische Hund- und Hausphase ruhiger geworden.

Zwar ist noch lange nicht alles renoviert,

aber das Wichtigste ist getan. Zeit genug

also, um sich auch anderen Dingen zu

widmen: Freunde treffen, Zeit mit ihrem

Partner verbringen, mal ein Buch lesen oder

fotografieren. „Ich bin eher eine Art Wellentyp“,

lacht Melanie Nöllen, „brauche mal hektische

und dann wieder entspannte Phasen.“

Und das macht sie dann auch. Denn kämpfen

muss sie nicht mehr. Das hat sie hinter sich.


18 02 • 2013

Rubrik Subheadline:

Headline

Kompetenz Mehr Transparenz durch neue Techniken im Hochofenprozess:

Der Blick ins Innere

Rein äußerlich hat sich nicht viel verändert.

Nach wie vor wird das Erscheinungsbild integrierter

Hüttenwerke von den bis zu

100 Meter hohen Hochöfen bestimmt, die

zumeist weit über die Werksgrenzen hinaus

zu sehen sind. Dies gilt insbesondere für

HKM, wo Hüttenwerk und Wohngebiet nah

beieinanderliegen, und die Produktionsanlagen

sicherlich von einer breiten Öffentlichkeit

wahrgenommen werden können.

Doch mag sich optisch auch relativ wenig

getan haben: Die Messtechnik und Datenerfassung

sind im Laufe der vergangenen 20

Jahre an beiden Hochöfen bei HKM auf ein

sehr hohes Niveau gewachsen, was den Betriebsverantwortlichen

große Sicherheit bei

der Prozessführung und der Früherkennung

von Abweichungen bietet.

Formenbühne: Schematische Darstellung

eines Düsenstocks mit Blasformkamera

Allerdings gehört zur Nutzung der umfangreichen

Bereitstellung von Betriebsdaten

immer noch eine langjährige Erfahrung der

Betriebsleitung, um auch komplizierte Diagnosen

richtigzustellen zu können. Ungefähr

so wie beim Arzt, der anhand von Daten erkennen

muss, ob es dem Patienten „gut

geht“ oder „was ihm fehlt“, weil er ja nicht in

ihn hineinsehen kann. Oder besser: Nicht in

ihn hineinsehen konnte, denn inzwischen

machen modernste Techniken den Blick ins

Innere zumindest begrenzt möglich.

Tieferer Einblick durch

HORA-Sonde

Letztendlich ist der Hochofen ein ebenso

ge schlossenes Gefäß, und auch bei den

Hochöfnern besteht der bisher noch unerfüllte

Wunsch, einen Blick in das „Innere“ zu

werfen. In jüngster Zeit haben die Entwicklungen

in der Radar- und Infrarot-Technik

hier Möglichkeiten eröffnet. Zwar sind diese

Anwendungen noch in einer gewissen

Entwicklungsphase, aber die bisherigen Ergebnisse

sind recht positiv. Vor einem Jahr

wurde am Hochofen B am so genannten

Ofenkopf – auch Gicht genannt – ein erster

Prototyp der Hochofen-Radarsonde der Firma

Zimmermann & Jansen eingebaut. Diese

HORA-Sonde liefert nun ein direktes Abbild

der Form und Geografie der obersten

Lage der Beschickung im Ofen. Anders als

die bislang nur an vier Punktmessungen mit

Sonden ermittelte „Teufenmessung“ erzeugt

die neue HORA-Sonde jetzt ein komplettes

Flächenabbild mit Informationen

über Höhen und Tiefen dieses Profils in verschiedenen

Schnittebenen.

Kontinuierliche Messfahrten

Hochofen-

Radarsonde

Aktuell muss hier noch Arbeit in die so genannte

Peripherie gesteckt werden. Will

heißen: Die Radarmessung erfüllt ihre Funktion

zwar wie gewünscht, und auch die

Qualität der gelieferten Informationen und

Bilder ist für die Hochofenmannschaft sehr

nützlich. Jedoch muss noch die elektronische

Speichermöglichkeit der vielen Messergebnisse

weiter ausgebaut werden. Die

Messfahrten mit der HORA-Sonde an Hochofen

B erfolgen kontinuierlich im Abstand

von je 10 bis 20 Minuten. Wenn es jetzt


02 • 2013 19

Kamerabild aus der Verbrennungszone

vor den Blasformen des Hochofen B

noch gelingt, zwischen den Scan-Abbildungen

der HORA-Sonde und wichtigen Betriebs

parametern Zusammenhänge und

Abhängigkeiten herzustellen, wird dies für

die Früherkennung und das Vermeiden von

metallurgischen Störungen ein bedeutender

Schritt nach vorne sein.

Infrarot-Technik

zur Beobachtung

Ebenso wie die beschriebene Anwendung

der Radartechnologie hat auch die Infrarot-

Kameratechnik neue Anwendungsgebiete

im Hochofenprozess gefunden. Das Beobachten

der Verbrennungszone im Hochofen

vor den Blasformen, dort wo bei etwa

2.150 Grad das so genannte Reduktionsgas

oder Formengas erzeugt wird, erfolgt bislang

noch durch „Beobachtung mit dem

Auge“ der Hochofenmannschaft. Dies sind

jedoch immer nur „Momentaufnahmen“, da

niemand 30 Blasformen am Hochofen über

24 Stunden beobachten kann. Zu Beginn

des Jahres wurden jetzt exemplarisch an

Hochofen B zwei Blasformenkameras installiert,

die kontinuierlich Online-Aufzeichnungen

der Blasformsituation in die Messwarte

übertragen. Hier besteht das Ziel darin,

rechtzeitig Unregelmäßigkeiten und

bisher unbeobachtete Phänomene der Vorgänge

vor den Blasformen zu erkennen und

der Mannschaft zu übermitteln.

Die Hochofen-Radarsonde mit einem typischen Messergebnis

Informationen online

und jederzeit

Das Hochofenteam erhält damit jederzeit

„online“ die wichtigsten Informationen über

diesen absolut „kritischen“ Bereich im Hochofen.

Die Kameratechnik und die spezielle

Software wurden in diesem Fall von der Firma

Paul Wurth entwickelt. Auch hier muss

noch an der Speichermöglichkeit dieser Fülle

an Informationen gefeilt werden, aber für

die Techniker der Produktions-und Instandhaltungsmannschaft

ist auch dieses Problem

lösbar. Wenn dann zukünftig alle 60

Blasformen der beiden Hochöfen kontinuierlich

mit den Kameras beobachtet werden

können, bringt auch diese Entwicklung für

HKM einen bedeutenden Gewinn an Betriebssicherheit

und damit auch Wettbewerbsfähigkeit

in unserem manchmal

schwie rigen Umfeld.

In Teamwork realisiert

Zu erwähnen ist noch, dass beide Projekte

gemeinschaftlich von TR-Hochofen und Instandhaltung

sowie TV-Roheisen gestartet

wurden und weiter bearbeitet werden. Die

weitere Anwendung der IR-Technik soll die

Installation einer Kamera sein, die unmittelbar

kontinuierlich Bilder über die Gasströmung

durch die Möllersäule liefert.

Mitarbeiter a Angebot des Personal-Service:

Rentenberatung vor Ort

„Die Rente ist sicher!“ Dieser wohl berühmteste

Ausspruch eines ehemaligen

Bundesministers für Arbeit begleitet

auch heute noch so manches Gespräch

zur Rente. Allerdings ist bei vielen auch

zunehmend die Sorge zu spüren, ob die

Altersbezüge reichen, um den Lebensstandard

zu halten. Und je näher der

Betroffene der Rente kommt, geht es

natürlich stets auch um die Frage, wie viel

Geld denn nun wirklich unterm Strich einmal

bleiben wird.

Um hier Antworten für die Belegschaft von

HKM geben zu können, bietet der Personalservice

ab Mitte August gemeinsam mit

Mitarbeitern der Deutschen Rentenversicherung

eine Rentenberatung vor Ort an.

Immer mittwochs werden dann Mitarbeiter

der Rentenversicherung hier bei HKM

für eine ganz individuelle Rentenberatung

anwesend sein. Das Angebot ist

vorwiegend für Belegschaftsmitglieder

der Jahrgänge 1949 bis 1958. Wir werden

im Vorfeld dieses Angebots zusätzlich

gezielt in einem persönlichen Anschreiben

informieren.


20 02 • 2013

Mitarbeiter a Projekt „Mitarbeiterbefragung in der Lagerwirtschaft“

Auch Beteiligung will gelernt sein

Mit den regelmäßig durchgeführten Mitarbeiterbefragungen

will HKM herausfinden,

wo der Schuh drückt und wo Verbesserungspotenzial

besteht. Deshalb ist das Ganze

auch so angelegt, dass Abteilungen und Bereiche

getrennt betrachtet werden können.

So stellte sich etwa bei der Mitarbeiterbefragung

2012 heraus, dass die Ergebnisse für

die Lagerwirtschaft – in Verbund mit der

Verkehrswirtschaft – zu einem kleinen Teil

im roten Bereich lagen. Da diese Ergebnisse

teilweise auf inhaltlich nicht ganz klaren

Rückmeldungen basierten, entschieden sich

die Verantwortlichen der Lagerwirtschaft,

in Dialog mit den Mitarbeitern zu treten.

Schließlich gab es einige Punkte, an denen

gearbeitet werden konnte. Und weil das

wegen der relativ dünnen Personaldecke

nicht in einem Workshop geschehen konnte,

wählte man ein anderes Format: Die moderierte

Arbeitsgruppe.

Karin Aust, Leiterin Kommunikation und Organisationsentwicklung,

erläutert den Vorschlag.

„Bei der moderierten Arbeitsgruppe

treffen sich die Mitarbeiter mehrmals jeweils

zwei Stunden außerhalb der Arbeitszeit,

um über ein selbst gewähltes Thema

zu sprechen und Verbesserungen zu diskutieren.

Bei diesen Stunden handelt es sich

um bezahlte Mehrarbeit, die Teilnahme

bleibt dennoch freiwillig.“

Externer Moderator

In der Lagerwirtschaft fanden diese Treffen

ungefähr sieben Mal statt, wobei jeweils

sechs bis sieben Mitarbeiter daran teilnahmen,

was in etwa 40 Prozent der gesamten

Gruppe entspricht. Die Moderation übernahm

der externe Moderator Rainer Hennig

(von Hennig & Partner). Zunächst einigte

man sich auf die Vorgehensweise, alle Abläufe

vom Wareneingang bis zum Warenausgang

unter die Lupe zu nehmen. Dabei

wurde alles abgefragt, was künftig besser

Karin Aust,

Leiterin

Kommunikation

und

O r g a n is at i o n s-

entwicklung

gestaltet werden könnte. Gleichzeitig waren

die Teilnehmer dazu aufgerufen, selbst

Lösungsvorschläge zu machen. Denn, so

Prozessleiter Wilfried Lahrfeld, der bewusst

an den Treffen nicht teilnahm: „Nur Kritik

zu üben ist einfach und auch destruktiv.“

Karin Aust verstärkt: „Die Idee und das Ziel

dieser Art von Mitarbeiterbefragung ist Beteiligung.

Also nicht still in der Ecke sitzen

und meckern, sondern aktiv Vorschläge zur

Verbesserung beitragen.“ Bei der Lagerwirtschaft,

sagt sie, hat das geradezu beispielhaft

funktioniert, wie eine Liste mit Vorschlägen

zeigt.

Alle kritischen Punkte

angesprochen

Diese Liste war nach und nach auf den Sitzungen

zustande gekommen. Alles kam dabei

auf den Tisch, jeder einzelne kritische

Punkt wurde abgearbeitet, anschließend

Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Für

jene Dinge, die nicht aus eigener Kraft

verändert werden können und bei denen

Unterstützung gebraucht wird, wurde eine

Liste mit so genannten „Kümmerern“ aufgestellt.

Etwa für Themen aus dem IT-Bereich

wie SAP, zu deren Umsetzung Geld, beispielsweise

für einen Programmierer, benö-


02 • 2013 21

tigt wird. Hierfür machte sich später Prozessleiter

Wilfried Lahrfeld stark. Schließlich

konnten er und die Mannschaft der Lagerwirtschaft

die Bereichsleitung CM von der

Notwendigkeit der Investition überzeugen.

Anderes, wie etwa der falsche Umgang mit

Restmengen, liegt hingegen sehr wohl bei

den Mitarbeitern und kann demzufolge

auch selbst geändert werden. Dass dies bei

solchen Themen bislang nicht geschehen ist,

hängt auch damit zusammen, dass es keiner

anspricht. Oder anders ausgedrückt: Es fehlt

das Bewusstsein, dass dieser oder jener

Missstand ein Thema für alle ist. Ein Aspekt,

dem bei der abschließenden Präsentationsrunde

vor versammelter Mannschaft einschließlich

Bereichsleiter Materialwirtschaft

Axel Kiepen alle zustimmten, auch wenn

vorher keiner etwas gesagt hatte.

Liste mit 21 Hauptpunkten

Wilfried

Lahrfeld,

Prozessleiter

Lagerwirtschaft

Aus Sicht von Karin Aust ist diese Sprachlosigkeit

kein Problem der Lagerwirtschaft an

sich. „Vielmehr drückt sich darin die Schwierigkeit

aus, sich als Gruppe mit etwas auseinanderzusetzen“,

sagt sie. Es brauche Training,

um dem Team zu zeigen, was es

machen muss, um zu Lösungen zu kommen.

Daher auch die „moderierte“ Arbeitsgruppe.

Und der Schritt nach draußen, raus aus der

Lagerwirtschaft. „Denn nur so können wir

auch (Frei-) Räume schaffen zur Weiterentwicklung“,

glaubt Rainer Börke, zuständig

für die technische Abwicklung in der Lagerwirtschaft,

der die Fortschritte live miterlebt

hat. Mit dem Ergebnis des neuen Projekts

ist er genauso zufrieden wie Wilfried

Lahrfeld und Karin Aust. Behandelt wurden

zunächst jene Punkte, die am meisten

Schmerzen verursachen. Vieles davon ist

bereits in Arbeit, einiges sogar schon umgesetzt,

für alles Listen erstellt. 21 Hauptthemen

sind dabei zusammengekommen, von

denen jedes wiederum zahlreiche Untergruppen

hat.

Teilnahme auch einfordern

Auf die Frage, ob sich denn schon spürbar

etwas geändert hat, müssen Wilfried Lahrfeld

und Rainer Börke allerdings passen. So

richtig viel, sagen sie, ist noch nicht passiert.

Vielleicht auch, weil derzeit vieles parallel

läuft. Erst wenn etwa 80 Prozent der Dinge

umgesetzt sind, tritt ihrer Überzeugung

nach ein gewisser Automatismus in Sachen

Verbesserung ein. Für Karin Aust angesichts

des Pilotcharakters des Projekts kein Beinbruch:

„Auch Beteiligung muss man erst

einmal lernen.“ Und: „Am besten lernt man

durch aktives Selber-Machen“.

Eine echte Alternative

Beim Blick nach vorne will man jetzt zuerst

einmal schauen, ob alle Vorschläge auch

den gewünschten Effekt erzielen. Und zwar

im Sinne einer qualitativen Überprüfung

nach dem Motto: Hat es etwas gebracht.

Wie auch immer. Mit der Gruppenarbeit, die

für viele absolutes Neuland ist, wurde etwas

angestoßen: Sich als Gruppe zu verständigen

und so gemeinsam Lösungen zu

erarbeiten. Keine einfache Sache, dennoch

aber eine Form, die Zukunft haben könnte,

glaubt Karin Aust. „Themenbezogene Anforderungen,

Projekt-Sitzungen über einen längeren

Zeitraum hinweg sowie die moderierte

Begleitung können der Weg für eine

Gruppe sein, die sonst nicht zusammenfindet.“

Der Mehrwert davon: Gerade weil es

über einen längeren Zeitraum dauert, können

die Inhalte sacken und werden in die

Belegschaft getragen. Die Liste, da sind sich

die drei einig, ist der Grundstein dafür, um

noch weiter nach vorne zu kommen und zu

sehen, ob das alles auch weiter führt. Und

das kann erst die Zukunft zeigen.

Rainer Börke,

Technische

Abwicklung

Lager wirtschaft


22 02 • 2013

Mitarbeiter a HKM-Mitarbeiter leisteten tatkräftige Hilfe:

Bei der Flut mit angepackt

Gesehen haben die Bilder alle. Im Fernsehen,

in Zeitungen oder Magazinen. Der Gedanke

zu helfen, kam vielen, einige haben ihn

auch umgesetzt. Manche privat, andere im

Dienste von Hilfsorganisationen. So wie André

und Marcel Verhag, die mit der Freiwilligen

Feuerwehr der Stadt Duisburg in die

Katastrophengebiete reisten. Oder wie Willi

Steigenhöfer und Tobias Blumberger, die

für das Deutsche Rote Kreuz vor Ort aktiv

wurden. Während HKM für diesen Einsatz

der besonderen Art Sonderurlaub gewährte,

wird der Verdienstausfall vom Land Nordrhein-Westfalen

getragen.

Die Bereitschaft der vier HKM-Mitarbeiter,

Menschen in Not zu helfen, ist kein Zufall.

Sie gründet vielmehr auf ihrem langjährigen

Engagement und spiegelt sich zum

Teil auch auf beruflicher Ebene wider. Die

beiden Verhag-Brüder etwa sind Brandmeisteranwärter

der Werkfeuerwehr bei HKM

und zugleich ehrenamtliche Mitglieder der

Freiwilligen Feuerwehr Duisburg. Willi Steigenhöfer,

beruflich im HKM-Betriebsarztzentrum

beschäftigt, engagiert sich genauso

wie Azubi Tobias Blumenberger schon

seit langem beim Deutschen Roten Kreuz in

Duisburg.

Keine Sekunde gezögert

Sie alle zögerten keine Sekunde, als die Anfrage

der Bezirksregierung zur Hilfe in den

überfluteten Gebieten mit Mensch und

Maschine bei Feuerwehr und DRK eintraf

und sie bezüglich einer Teilnahme gefragt

wurden. Gleiches gilt für HKM, das die vier

sofort freistellte. Während sich die Brandmeisteranwärter

André und Marcel Verhag

gemeinsam mit Kollegen der Freiwilligen

und der Berufsfeuerwehr am Samstag, den

8. Juni, mit Fahrzeugen und Geräten auf den

Weg Richtung Osten machte, musste Willi

Steigenhöfer zuerst noch den Rhein-Ruhr-

Marathon abwarten, für den er als Helfer

eingeteilt war. Dann ging es auch für ihn los.

Vor Ort angekommen, trafen die vier nicht

nur auf eine buchstäblich katastrophale

Situ ation, sie erlebten auch eine ungeahnte

Hilfewelle. „Aus allen Teilen Deutschlands

waren überörtliche Helfer, aber auch ganz

normale Menschen gekommen, um zu helfen“,

erzählt Marcel Verhag. So wie die Studenten

der Uni Magdeburg, wie Bruder André

ein Beispiel nennt. „Die hatten praktisch

die Mensa besetzt und versorgten von dort

aus rund um die Uhr die notleidenden Menschen

mit Essen und Getränken.“

In Spitzenzeiten bis zu

19 Stunden Einsatz

Sie selbst wurden vor Ort nach Bezug der

Bereitstellungsräume zunächst an einer

Stelle eingesetzt, wo ein Damm zu brechen

drohte und pumpten das Wasser mithilfe

der mitgebrachten Hochleistungspumpe

wieder zurück. Später leistete das Gerät

noch unschätzbare Hilfe beim Schutz eines

Umspannungswerks. Davor, dazwischen

und danach hieß es immer wieder Sand-


02 • 2013 23

von links: André Verhag, Wilhelm Steigenhöfer,

Wilhelm Schulte-Werflinghoff, Marcel Verhag

säcke füllen und bereitstellen. Auf 19 Stunden

Einsatz brachten es die Brüder Verhag

an manchem Tag, was körperlich nur dadurch

auszuhalten war, dass im Schichtsystem

gearbeitet wurde. Bereut haben die

zwei ihren fünftägigen Einsatz trotzdem

nicht, im Gegenteil. „Schließlich sind wir ja

auch zur Feuerwehr gegangen, um anderen

zu helfen“, so die lapidare Auskunft.

Betten und Essen

Willi Steigenhöfer hält es ähnlich. Er hat

sich unmittelbar nach dem Rhein-Ruhr-Marathon

gemeinsam mit anderen DRK’lern

sowie einem Rettungswagen auf den Weg

in das Katastrophengebiet gemacht, im Gepäck

reichlich Verpflegung und Schlafsäcke

für die unzähligen Helfer. Auch ihm ist die

große Hilfsbereitschaft vor Ort aufgefallen.

Und der Dank, den die Bevölkerung den vielen

Helfern entgegen brachte. Für ihn – so

makaber das auch klingt – nichts Neues.

Denn: „Ich war auch 2002 bei der damaligen

so genannten Jahrhundertflut vor Ort,

um zu helfen, kannte das alles also eigentlich

schon.“ Und wusste deshalb auch, was

am meisten benötigt wird: Betten und alle

sechs Stunden ein Essen aus der Feldküche

mit 5.000 bis 6.000 Kalorien.

Als Dank eine Einladung

zum Essen

Woran er sich nicht gewöhnt hat, sind die

vielen persönlichen Schicksale, die man bei

solchen Katastrophen erlebt. Umso größer

ist sein Lob an die Bevölkerung. An die vor

Ort, aber auch an die, die aus ganz Deutschland

zur Unterstützung gekommen ist. „Das

ist wahre Solidarität und das ist das, was wir

in solchen Situationen brauchen“, sagt Willi

Steigenhöfer. Sein eigenes Engagement und

das der Brüder Verhag sowie von Tobias Blumenberger

stellt er dabei hintenan. „Für uns

ist das eine Selbstverständlichkeit.“ Nicht

allerdings für den Leiter der Werksicherheit,

Wilhelm Schulte-Werflinghoff. Der nicht

nur stolz auf seine zwei Feuerwehr-Azubis

ist, sondern auf alle vier HKM-Mitarbeiter.

Und sie deshalb demnächst zu einem richtig

guten Essen einladen will. „Weil Einsatz und

ehrenamtliches Engagement auch belohnt

werden muss.“

Kunden und Partner BP-Rosneft-Werkfeuerwehr zu Gast

Kollegiale

Unterstützung

Einen großen Bahnhof der besonderen Art gab es am 2. Juli 2013

auf dem Parkplatz hinter der Verwaltung 1 zu sehen. Mit ihrem

erst seit sechs Monaten im Betrieb befindlichen Feuerwehrauto

demonstrierte dort die Werkfeuerwehr BP Rosneft Gelsenkirchen

ihren Kollegen von HKM, auf welch schwindelnde Höhen

sich die dazugehörige Teleskopmastbühne TMB 44 ausfahren

lässt.

Eben exakt auf jene 44 Meter, wie in der Abkürzung angegeben.

Allerdings war die Demonstration kein Zufall, sondern von HKM

initiiert. „Weil wir sehen wollten, was das Gerät kann“, erklärt

der Leiter der Werksicherheit, Wilhelm Schulte-Werflinghoff.

Nicht aus Neugier, sondern weil Handlungsbedarf besteht.

Denn der Renovierungsstau bei HKM umfasst neben Gebäuden

auch den Fuhrpark. Bezogen auf die Feuerwehr heißt das unter

anderem, dass eine Drehleiter ausgetauscht werden muss. „Die

vorhandene reicht nur bis 23 Meter und erreicht damit im Hallenbereich

nicht die dortigen Arbeitsbühnen“, weiß Personalchef

Jens Loock. Ein Sicherheitsmanko also, dass im Fall des

Falles schlimme Auswirkungen haben könnte. Die kollegiale

Unterstützung der Werkfeuerwehr BP Rosneft war insofern

also Anschauungsunterricht im besten Sinne, denn die TMB 44

wäre schon eine echte Alternative.


24 02 • 2013

Kompetenz Qualitätskontrolle feuerfester Baustoffe in der Pfannenwirtschaft:

Vertrauen ist gut …

Schon als die Hüttenwerke 1909 aus der Taufe

gehoben wurden, war sie dabei. Und sie

wird auch zukünftig fester Bestandteil des

Stahlherstellungsprozesses sein. Die Rede ist

von der Stahlgießpfanne. Obwohl die Verfahren

in Huckingen im Laufe der Zeit vom

Siemens-Martin-Prozess über die Hochofenroute

mit dem Thomasverfahren und dem

Elektrolichtbogenofen bis zum heute betriebenen

LD-Verfahren wechselten, hatten sie

alle stets eines gemeinsam: Die Stahlgießpfanne.

Früher als handbetriebene Stop -

fenpfanne für den Blockguss ist sie heute

mit einem hydraulischen Linear-Plattenschieber

für den Strangguss perfekt ge rüstet.

Während sie ursprünglich als reines Transport-

und Vorratsgefäß diente, sind ihre Aufgaben

kontinuierlich anspruchsvoller geworden.

Heute ist sie ein metallurgischer Reaktor,

der die Herstellung der 2.000 Stahlgüten

bei HKM erst möglich macht. Die Stahlgießpfanne

ist zu diesem Zweck, wie im Zustellschema

dargestellt, mit kohlenstoffgebundenen

Magnesiasteinen ausgemauert.

Folgende Ansprüche werden da bei an sie

gestellt: Abstichtemperatur bis 1.800 °C,

Re sistenz der basischen Ausmauerung gegenüber

Entschwefelungsschlacken im System

CaO-Al 2 O 3 und Raffinationsschlacken

im Sys tem Al 2 O 3 -SiO 2 -CaO, Vakuum be handlung

bis 5 mbar, 280 Tonnen Abstichgewicht,

Bodenspülung über zwei Spülgassteine,

alumothermisches Heizen, Legie rungs -

gehalte bis neun Prozent, Haltbarkeit größer

70 Schmelzen sowie bis zu 300 Minuten

Gießdauer pro Plattenpaar.

Hier bitte eine Bildunterschrift

Durchbruch vorprogrammiert: Ein Stück

Förderband im Wandstein der Stahlgießpfanne.


02 • 2013 25

Michael Moske kontrolliert die Maßhaltigkeit der MgO-C-Steine

Aufgedeckt bei regelmäßigen Schnittkontrollen:

Fremdmaterial im MgO-C-Stein.

Michael Moske hält die Reststeinstärken

beim Ausbruch der Stahlgießpfanne im

Protokoll fest.

Besondere Aufmerksamkeit

erforderlich

Um diese Aufgaben sicher bewerkstelligen

zu können, kommt der feuerfesten Zustellung

besondere Aufmerksamkeit zu. Schließlich

können Fehler bei der Zustellung sowie

mangelhaftes Feuerfestmaterial fatale Folgen

haben und müssen vermieden werden.

Zu diesem Zweck hat das Team Feuerfest,

Abteilung TS-SV, eine Qualitätskontrolle eingeführt.

Ziel ist die Sicherstellung einer reproduzierbaren

Qualität der Zustellung. Wie

im Schaubild dargestellt, wird für jeden

neuen Baustoff eine Referenzuntersuchung

durchgeführt, in der die relevanten Eigenschaftsmerkmale

festgestellt werden. Diese

ermöglichen den Vergleich zum einen mit

den Ergebnissen von einmal im Quartal

durch geführten „internen Untersuchungen“,

um schleichende Veränderungen im Material

aufzudecken. Zum anderen können im Schadensfall,

wie etwa einem Durchbruch, Abweichungen

vom Sollzustand leicht nachgewiesen

werden. Zusätzlich werden quartalsweise

Rückstellproben gezogen, um im Be -

darfsfall externe Untersuchungen an jungfräulichem

Material durchführen zu können.

Enormer Know-how-Zuwachs

In Kombination mit der Abnahme der Zustellung,

der regelmäßigen Kontrolle im Betrieb,

der Speicherung relevanter Betriebsparameter

sowie dem beim Ausbruch erstellten

Protokoll ergibt sich eine lückenlose

Dokumentation der gesamten Pfannen reise.

Diese bildet die objektive Grundlage für die

Abrechnung und im Bedarfsfall einer Reklamation.

Die Reststeinstärke wird am Pfannenplatz

mithilfe eines LACAM-Gerä tes ermittelt,

was zusätzliche Sicherheit bei der

Beurteilung bietet, da ein voreilender Verschleiß

leichter erkannt werden kann.

Das große Plus für HKM ergibt sich aber

durch die ständige Auseinandersetzung mit

der Zustellung. Das Team Feuerfest hat seit

Einführung einen enormen Know-how-Zuwachs

erfahren, den die Mitarbeiter konsequent

in die Weiterentwicklung und Beurteilung

der Stahlgießpfanne einfließen

lassen.

Hallo zusammen,

endlich ist es wieder ein bisschen wärmer

und der Aufenthalt auf der Hütte macht wieder

Spaß! Ist ja viel passiert bei Euch! Toll, wie

die Kokereierweiterung voranschreitet. Ein

anderer Spatz berichtete mir, dass auch ein

neues Seminarkonzept „Schau hin und sprich

drüber“ bei Euch bearbeitet wird. Kollegen

sollen sich untereinander auf Risiken ansprechen,

damit ein noch sichereres Arbeiten ermöglicht

wird. Bei meinem letzten Flug über

die Außenbereiche der Sozialhäuser und Verwaltungen

fiel mir dieser Titel „Schau hin und

sprich drüber“ wieder ein. An vielen Stellen

fand ich Plastikbecher und Müll neben den

Abfalleimern – das muss doch wirklich nicht

sein! Also wenn Ihr nächstes Mal einen seht,

der Abfälle in meiner Natur entsorgt: „Schaut

hin und sprecht drüber!“ Die Gegend zuzumüllen

und eigene Kollegen dann den Müll

wegräumen lassen, ist wirklich nicht kollegial.

Meint jedenfalls

Der Hüttenspatz

PS: Mir kann man auch schreiben.

E-Mails lese und schreibe ich unter:

huettenspatz@hkm.de


26 02 • 2013

Mitarbeiter Safety First geht in die nächste Runde:

Reden – Vertrauen – Helfen

Manchmal scheint es so, als ob die zahl reichen

Arbeitssicherheitsaktionen und -projekte

auf der Hütte einfach nebeneinander

her laufen würden. So nach dem Motto: Jeder

hat eine gute Idee und setzt sie sofort

um. Doch der Eindruck täuscht. Tatsache ist,

dass alle Projekte zum Thema Arbeitssicherheit

unter dem großen Schirm von „Safety

First“ ablaufen und alle ein Ziel verfolgen:

Gemeinsam sicher zu arbeiten. Dass dabei

in verschiedenen Bereichen unterschiedliche

Ansätze verfolgt werden, ist richtig und

auch gewollt. Schließlich gibt es keine Schablone

für Arbeitssicherheit, die auf alles und

jedes gleichermaßen zutrifft. Vielmehr muss

man schauen, was wo Sinn macht. Und das

gegebenenfalls übertragen. So wie das Seminar

„Schau hin und sprich drüber!“, das

jetzt in veränderter Form im Schmelzbetrieb

im Stahlwerk an den Start geht.

Bereits im Dezember vorigen Jahres war

ent schieden worden, dass gleichnamige Seminar

mit DuPont so nicht weiterführen zu

wollen. Vielleicht, weil es nicht hüttenspezifisch

genug war, vielleicht auch, weil es zu

viel Theorie und zu wenig Praxis beinhaltete.

Wie auch immer: Letztendlich ging es

En de vergangenen Jahres um die Frage, wie

es nun weiter gehen, wie das Seminar besser

auf die Hütte zugeschnitten werden

kann, wie Gabriele vom Ende, Leiterin Berufsbildung,

erläutert.

Interne Trainer

Inzwischen besteht Klarheit über die Frage:

Es soll auch weiter „Hingeschaut und darüber

gesprochen werden“. Nur eben anders.

Und damit das künftig noch besser als bisher

geschieht, werden Mitarbeiter aus den

Betrieben zu internen Trainern geschult. Sie

werden zukünftig die Seminare zusammen

mit Mitarbeitern der Berufsbildung von

HKM durchführen. Hauptgrund für diese

Konzeptänderung: „Diese Leute sind nah an

der Sprache des Betriebs und können später

mit den Mitarbeitern das Ansprechen in der

Praxis besser erarbeiten“, sagt Dr. Arnd Köfler,

Leiter Stahlerzeugung. Insgesamt 13 engagierte

Mitarbeiter aus dem Schmelzbetrieb

und der Instandhaltung des Stahlwerks

haben sich freiwillig gemeldet, um sich zu

Trainern ausbilden zu lassen. Und künftig ihren

Kollegen Hemmnisse bei der Ansprache

von Mitarbeitern zu nehmen und sie bei

Wortwahl und Spracheröffnung zu unterstützen.

Denn das Ansprechen steht bei

dem neuen Seminarkonzept eindeutig im

Vordergrund. Nicht nur das. Auch die Theorie

ist im Vergleich zu vorher deutlich weniger

geworden, hält sich jetzt mit dem praktischen

Teil in etwa die Waage. Ganz abgesehen

davon, dass das gesamte Seminar

nun deutlich „Hütten-geprägter“ ist.

Zum Ansprechen befähigen

Während die internen Trainer bereits im Mai

und Juni ausgebildet wurden, starten die ersten

Seminare für die insgesamt rund 580

Mitarbeiter des Schmelzbetriebs inklusive

Instandhaltung im Juli. Ziel der Workshops

ist es dabei, die Mitarbeiter dazu zu befähigen,

Kollegen auf unsichere Handlungen

und Zustände anzusprechen. Das erste Element

des theoretischen Teils beschäftigt

sich daher mit Fragen wie: Was ist eigent-


02 • 2013 27

von links nach rechts: Michael Esser,

Dirk Taglieber, Dr. Jens Reichel, Klaus Kremer,

Mario Milewski, Thomas Neubauer,

Deniz Guendoer, Claudia Bielok, Sven Holtz,

Israfil Tasci, Stefanie Flick, Peter Podstawa,

Thomas Frinken, Udo Heinrichs

lich meine eigene Haltung zum Ansprechen,

bin ich emotional bereit dazu? Unterstützung

hierzu gibt unter anderem der Film

„Freunde“, der bekanntlich die Diskrepanz

zwischen Privat- und Berufsleben aufzeigt.

Während der (Sports-) Freund privat direkt

auf sein Verhalten im Spiel angesprochen

und aufmerksam gemacht wird, funktioniert

das beim Kollegen im betrieblichen

Alltag noch lange nicht. Das zweite Workshopelement

dreht sich daher auch darum,

wie man den Kollegen richtig anspricht und

ihn nicht direkt angreift. Genauso wichtig

ist allerdings auch, wie man mit der Reaktion

des Angesprochenen umgeht. Auch das

lässt sich übrigens prima dadurch herausfinden,

dass man sich selbst in die Rolle des

Angesprochenen versetzt und überlegt, wie

man angesprochen werden möchte und wie

man eventuell auf eine „falsche“ Ansprache

reagiert.

Praktische Übungen

im Arbeitsumfeld

Das und noch viel mehr versuchen die Trainer

zum Teil auch in Rollenspielen zu vermitteln,

sammeln dabei Ideen und bauen

Struk turen und Mechanismen für die Anwendung

in der Praxis auf. Ob die auch

funktionieren, können die Seminarteilnehmer

dann im zweiten praktischen Teil des

Seminars ausprobieren. Im Arbeitsplatz um -

feld soll die Theorie in die Praxis umgesetzt,

sollen die Teilnehmer auf Mitarbeiter zugehen

und sie ansprechen. Die ihrerseits natürlich

nicht völlig ahnungslos sind, sondern

auf diese Situation vorbereitet werden.

Schließlich sollen sie selbst ja auch einmal

an dem Seminar teilnehmen. Begleitet bzw.

nachbereitet wird das Seminar mithilfe von

Fragebögen parallel zu der Veranstaltung

sowie sechs Wochen später. „Wir wollen damit

zum einen die Wirksamkeit der Maßnahme

überprüfen, zum anderen aber auch

ein Feedback darüber erhalten, was sich seit

dem Seminar verändert hat“, erklärt Dr. Jens

Reichel, Leiter TI und zugleich Leiter des

Safety First-Komitees den Hintergrund der

Fragebogenaktion.

Neue Plakataktion

Insgesamt soll die neuerliche Aktion in drei

Stufen ablaufen. Zunächst wird nach der

Trainerausbildung im Juni mit einer Information

in den betrieblichen SGA’s begonnen,

um ein vernünftiges Transferklima zu

schaffen, wie es Dr. Reichel ausdrückt. Ende

Juni startet dann hüttenweit eine Plakataktion

mit drei verschiedenen Motiven, die

unter dem Motto steht: „Beste Kollegen.

Mit Sicherheit. Reden-Vertrauen-Helfen“.

Als dritter Schritt folgen dann ab Juli die eintägigen

Seminare für die rund 580 Mitarbeiter,

die insgesamt bis Ende des Jahres laufen.

Damit keine Langeweile aufkommt, werden

in diesem Zeitraum die Plakatmotive durch

weitere ergänzt und auch die Ansprache darauf

verändert sich. Wie und wodurch, soll

an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

Ansprechen im Vordergrund

Eine ganze Menge also, was unter der Überschrift

„Safety First“ demnächst im Stahlwerk

und auch hüttenweit in Sachen Arbeitssicherheit

abläuft. Allerdings: „Was wir

mit dieser Aktion noch nicht ansprechen ist

die Frage, wie wir unsichere Handlungen

und Zustände besser erkennen können“,

räumt Dr. Reichel ein. Man habe zwar von

und mit DuPont bereits einiges an Hintergrund

und auch Hinweisen dazu erhalten.

Das Patentrezept, was gegen die sogenannte

Betriebsblindheit vorgenommen werden

kann, ist aber noch nicht gefunden. Und

vielleicht gibt es ja auch gar keins. Umso

wichtiger, dass jetzt zuerst einmal die Ansprache

im Vordergrund steht. Alles andere

wird sich schon ergeben. „Wir wollen unsere

Mitarbeiter ja auch nicht überfrachten

und zuschütten“, meint Dr. Reichel. Recht

hat er. Und deshalb wird jetzt zunächst einmal

mit Reden angefangen.

Beste Kollegen.

Mit Sicherheit.

Reden – Vertrauen – Helfen


28 02 • 2013

Mitarbeiter KVP-Einführung bei TI:

Besser werden

Auch und gerade im Vergleich im Wettbewerb

können HKM und damit die Mitarbeiter

zu Recht von sich behaupten: Wir sind

gut. Die Frage ist nur, ob das auch in Zukunft

ausreicht. Denn der Wettbewerb um uns

herum entwickelt sich stetig weiter und damit

ist Stillstand gleichbedeutend mit Rückschritt.

Das Gebot der Stunde lautet daher

auch für einen internen Dienstleister, sich

weiter zu entwickeln oder schlicht und einfach:

Besser werden. Nicht unkoordiniert

und planlos, sondern im Rahmen eines Kontinuierlichen

Verbesserungsprozesses (KVP).

Und weil es nicht ausreicht, einen Prozess

nur anzustoßen, ist man bei TI das Ganze

mit Methode und einer Organisation dahinter

angegangen.

Die kontinuierliche Verbesserung ist im

Grunde genommen nichts Neues. Bereits in

den 1940er Jahren startete der Automobilhersteller

Toyota einen Prozess, der unter

dem Begriff „Kaizen“ zunächst in der Automobilbranche

und später in vielen anderen

Industrien für Furore sorgte. Das Grundprinzip

besteht dabei in der Vermeidung jeglicher

Verschwendung. Und die versteckt sich

überall: In scheinbar bewährten Arbeitsabläufen,

überflüssigen Wartezeiten, zu großen

Warenbeständen, ungenutzten Produktionsflächen

oder auch zu langen Wegezeiten.

Das Gegenmittel dazu sind effiziente

Prozesse oder eben KVP. Zwar sind in der

Vergangenheit immer wieder erfolgreich

einzelne Verbesserungsprojekte umgesetzt

worden. „Es hat aber eine ganzheitliche Betrachtung

gefehlt, mit der einmal erzielte

Verbesserungen regelmäßig überprüft und

weiterentwickelt wurden“, erläutert Dr. Jens

Reichel, Leiter Energie, Infrastruktur und Anlagentechnik

(TI). Daher soll mit dem neuen

Entwicklungsschritt eine selbsttragende,

lernende Organisation zum Ausbau der

Wett bewerbsfähigkeit und Produktivität

von TI geschaffen werden.

Geschäftsführung und

Betriebsrat einbezogen

Vor diesem Hintergrund entstand vor etwa

zwei Jahren bei TI die Idee, mit KVP diese Lücke

zu schließen. Allerdings wollte man diesmal

etwas grundlegend Anderes machen,

nämlich das Vorhaben mit einer breiten Mitarbeiterbeteiligung

und ausreichend Zeit zur

Umsetzung anpacken. Gleichzeitig sollte der

Antrieb zur kontinuierlichen Verbesserung

aus den Mitarbeitern selbst kommen: Sie

sollten sich aktiv dafür einsetzen. Und zwar

nicht nur irgendwo oben in der Hierarchie,

sondern überall – vom Facharbeiter bis hin

zum Bereichs- oder Prozessleiter. Um dies zu

erreichen, wurden zunächst alle Mitarbeiter

in den sieben Einzelabteilungen von TI über

das Vorhaben informiert, gleichzeitig Henry

Kramp, Fachgebietsleiter Konstruktion Krantechnik,

und Udo Heinrichs vom Bildungswesen

mit der Umsetzung des Projekts beauftragt.

Aber was bedeutete das nun und

vor allem: Wie sollte das Ganze in die Mannschaft

reingetragen werden? Ganz klar: Mit

Methode und einer entsprechenden Organisation.

Für Dr. Reichel war zudem noch etwas

wichtig: „Wegen der Bedeutung des

Projekts für die Weiterentwicklung von TI

sollten auch die Geschäftsführung und der

Betriebsrat frühzeitig einbezogen werden.“

Organisation aufgebaut

Nicht nur das ist gelungen. Inzwischen ist

auch das gesamte Projekt deutlich voran gekommen.

Während Henry Kramp und Udo

Heinrichs beim Kaizen-Institut zu KVP-Managern

und damit in der Methodik ausgebildet

werden, wurde parallel die notwendige

Organisation aufgebaut. So gibt es einen

Lenkungskreis, in dem Betriebsrat und alle

TI-Prozessleiter vertreten sind. Hier werden

die durchzuführenden Umsetzungsschritte,

die notwendigen Ressourcen und der Zeitplan

abgestimmt. Ein KVP-Team mit den beiden

KVP-Managern, betrieblichen KVP-Koordinatoren

sowie Prozessbegleitern aus den

Teams plant und spricht die Maßnahmen

in den Betrieben ab, führt Workshops zur

Qualifizierung durch und sichert damit die

betriebsnahe Umsetzung. Ziel des Ganzen

ist, die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen,

wertschöpfende Tätigkeiten zu steigern,

Verschwendung zu vermeiden und die Identifikation

mit dem eigenem Arbeitsplatz zu

erhöhen.

5S-Methode eingeführt

Nach dem Aufbau der Organisation stand

als nächster Schritt die Qualifizierung der

Praktisches Training der 5S-Methode

Erste Ergebnisse der 5S-Aktion im Pilotbereich TI-F


02 • 2013 29

Potentiale finden bei der Verlustsuche

betrieblichen Führungskräfte in den KVP-

Grund lagen auf dem Programm, was im ersten

Quartal abgeschlossen werden konnte.

Nun geht es an die Umsetzung vor Ort. Allerdings

braucht eine erfolgreiche Umsetzung

nicht nur klare Ziele und eine entsprechende

Organisation im Rücken, sondern

auch eine Methode. Der erste Baustein von

KVP ist dazu die 5S-Methode, die im März in

der Gruppe Rollenlinie als erste Pilotgruppe

in der Hauptwerkstatt angegangen wurde.

Die fünf S stehen dabei für: Sortieren, also

Unnötiges aus dem Arbeitsbereich zu entfernen;

Separieren oder Aufräumen, das

heißt, die nach dem Sortieren übrig gebliebenen

Dinge ergonomisch zu ordnen; Säubern,

also den Arbeitsplatz sauber machen

und halten; Standards, Anordnung zur Regel

zu machen, sowie Selbstdisziplin, sprich alle

Punkte einzuhalten und immer wiederkehrend

zu überprüfen.

1.S, Sortieren in der Praxis, alles muss raus!

Theorie und Praxis

Natürlich wurde die Gruppe Rollenlinien (TI-

FH) genau wie die nachfolgenden Teams

Werkstatt (TI-E) und die Gruppe Rohrleitungsbau

(TI-FS) nicht einfach so ins kalte

Wasser geworfen, sondern in einem Workshop

auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet.

Zunächst noch von den externen Trainern

des Kaizen-Instituts. Diesen Job sollen

nach ihrer Ausbildung dann die KVP-Manager

Henry Kramp und Udo Heinrichs und die

KVP-Koordinatoren aus den Betrieben übernehmen.

Zwar geht es in diesen Workshops

auch um die theoretische Einführung in die

Grundlagen der 5S-Methode, aber nicht nur.

Genauso wichtig ist die Vorbereitung auf

die Aktivitäten vor Ort. Denn dort geht es

meist um die Frage, warum etwas beispielsweise

so ablegt wurde, wie es ist. „Wir zielen

dabei nicht auf zwanghafte Veränderung

ab, sondern wollen den Kollegen vor

Augen führen, was er da macht und ob das

so sinnvoll ist“, erklärt Udo Heinrichs. Viele,

so weiß er inzwischen, reagieren vor allem

in der Theorie zunächst einmal skeptisch

und abwartend. Aber: „In der Werkstatt

sind dann viele überrascht, wovon man sich

beim Sortieren alles getrennt und was sich

beim Separieren getan hat“, sagt er. Natürlich

bedarf es einer gewissen Selbstdisziplin,

das einmal erreichte Niveau auch zu halten.

Doch dafür sind Standards da. Die übrigens

nicht in Stein gemeißelt und für alle Zeiten

gültig sind, sondern hinterfragt werden.

„Erst wenn wir auch hier ständig fragen, wie

sich etwas verbessern lässt, kommen wir

weiter“, weiß Henry Kramp.

Alle machen mit

Nicht zuletzt deshalb appellieren die beiden

KVP-Manager auch an die Kollegen, „sich

einfach mal darauf einzulassen. Am Schluss

überzeugt dann schon das Ergebnis.“ Überzeugend

ist allerdings auch, dass bei der

KVP-Einführung und der 5S-Methode alle

mitmachen. Angefangen beim KVP-Team

über die beiden KVP-Manager bis hin zu den

Führungskräften einschließlich Bereichsleiter

Dr. Reichel. „Nur so können wir jene Akzeptanz

quer durch alle Ebenen schaffen,

die für einen Erfolg unabdingbar ist“, sagt er.

BESSER

GUT

SEHR GUT


30 02 • 2013

Alle mitzunehmen und Möglichkeiten zur

Verbesserung aufzuzeigen, ist allerdings nur

der eine Punkt. Darauf hinzuweisen, dass

dies für alle gilt, ein anderer. Will heißen:

Nicht nur die Werkstätten und die Vor-Ort-

Instandhalter sind zu Verbesserungen aufgerufen.

Auch die Bürobereiche müssen und

sollen sich beteiligen. Aktiv, denn am Ende

der 5S-Methode steht stets ein Audit. Erstmals

durchgeführt wurde es am 29. April für

die Pilotgruppe Rollenlinie. Und dem attestierte

das Kaizen-Institut mit 53,8 Prozent

der zu erreichenden Punktzahl ein überdurchschnittliches

Ergebnis. „Normal sind

bei einer ersten Auditierung zwischen 30

und 40 Prozent“, unterstreicht Udo Heinrichs,

der die nächsten Audits zusammen

mit Henry Kramp künftig in Eigenregie

durchführen wird.

Kein Ende in Sicht

Diese gemeinsam mit dem jeweiligen Team

und den Prozessbegleitern vorgenommen

Audits finden in Form einer Werkstattbegehung

statt, bei der dann einzelne Punkte

angeschaut und angesprochen werden. Das

Kaizen-Institut erteilt dafür eine Art Lizenz.

„Das ist im Prinzip ein Formblatt, auf dem

vermerkt wird, was geändert werden kann“,

erklärt Henry Kramp. Allerdings schauen die

Experten dann nachher auch noch einmal,

ob alles in Ordnung ist. Zunächst jedenfalls,

denn wenn Udo Heinrichs und Henry Kramp

den KVP-Ausbildungsweg vom Praktiker über

den Coach bis zum Manager durchlaufen haben,

wird vieles eigenständiger und selbstverständlicher.

Schon jetzt ist allerdings klar,

dass die KVP-Einführung konsequent fortgesetzt

wird. Noch in diesem Jahr sollen alle

TI-Abteilungen aktiv einbezogen werden,

in 2014 dann vielleicht überall schon die 5S-

Methode angewandt werden. Keine Kleinigkeit,

weder in Qualität noch in Quantität. Immerhin

wollen bei TI 450 Mitarbeiter in das

Programm einbezogen werden. Doch selbst

dann ist das Ganze natürlich nicht zu Ende,

das besagt allein schon der Begriff Kontinuierlicher

Verbesserungsprozess. Schließlich

ist stetig besser werden das Ziel. Weil das

Bessere der Feind des Guten ist.

Mitarbeiter 100 Jahre Deutsches Sportabzeichen – HKM ist dabei:

Mach mit – bleib fit!

Erstmals im Jahre 1913 verliehen, feiert das

Deutsche Sportabzeichen als höchste Auszeichnung

außerhalb des Wettkampfsports

in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum. Für

HKM Grund genug, mitzumachen und die

Mitarbeiter zur Teilnahme zu motivieren.

Zumal es eigentlich keine Entschuldigung

dafür gibt, nicht teilzunehmen. Denn mitmachen

können alle, die Mitgliedschaft in

einem Sportverein ist nicht notwendig.

Gut: Trainieren sollte man vorher. Und sich

davor am besten einmal medizinisch durchchecken

lassen. Zumindest dann, wenn man

die letzten Jahre eher als Passiv-Sportler,

sprich als Zuschauer von Sportveranstaltungen

durchs Leben gegangen ist. Denn

auch wenn die Teilnahme jedem offen

steht: Ganz leicht ist es nicht, das Deutsche

Sportabzeichen zu erringen. Schließlich ist

es der Nachweis für überdurchschnittliche

Leistungen und vielseitige Fitness.

Schwimmen muss man schon

können

Womit wir auch schon bei den Modalitäten

sind. Absolviert werden müssen Übungen,

die sich an den motorischen Grundfähigkeiten

Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und

Koordination orientieren. Diese Grundfähigkeiten

können in Einzeldisziplinen der Sportarten

Leichtathletik, Radfahren, Schwimmen

und Geräteturnen erbracht werden.

Apropos Schwimmen: Das muss man schon

können, wenn man das Deutsche Sportabzeichen

erwerben will. Dafür kann es je nach

persönlicher Fitness und Trainingszustand

in den drei Leistungsstufen Bronze, Silber

und Gold erworben werden. Wobei neben

dem Nachweis der Schwimmfertigkeit auch

alle vier Leistungen mindestens auf Bronze-

Niveau erbracht werden müssen. Falls das

nicht auf Anhieb gelingt, muss man es halt

erneut versuchen.

Interner Wettbewerb

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, erhält

jeder Teilnehmer eine Prüfkarte, auf der

die jeweiligen Leistungen von den Übungsleitern

eingetragen werden. HKM-Mitarbeiter

senden diese Karte dann zurück an die

Ansprechpartner auf der Hütte. Die werden

dann alles Weitere übernehmen und zudem

eine Auswertung nach Abteilungen und

Betrieben vornehmen. Denn das Ganze soll

auch eine Art interner Wettbewerb sein. Damit

der auf „höchstem sportlichen Niveau“

stattfinden kann, kümmert sich HKM auch

um Trainingsmöglichkeiten, bietet zudem

(nach vorheriger Anmeldung) auch einen

Deutsches Sportabzeichen bei HKM:

Karol Pawlinski (P-K) zeigt sein Plakat dazu.

Medizin-Check im Betriebsarztzentrum an.

Die Abschlussveranstaltung mit Überreichung

der Urkunden und Abzeichen durch

die Geschäftsführung soll im September

stattfinden. Noch viel mehr Informationen

über Rahmenbedingungen und Ansprechpartner

liefert ein Flyer, der demnächst erscheinen

wird. Außerdem können sich die

Mitarbeiter im Intranet rund ums Deutsche

Sportabzeichen schlau machen. Also denn:

Mach mit – bleib fit!


02 • 2013 31

Kunden und Partner Nachbarschafts-Forum mit hoher Beteiligung:

Im Dialog bleiben

Wer Interesse daran hat, mit seinen Nachbarn

gut auszukommen, redet mit ihnen,

informiert sie, bezieht sie mit ein. Das gilt

fürs private wie fürs industrielle Umfeld. Für

HKM eine Selbstverständlichkeit, wie die

regelmäßigen Treffen mit interessierten

Anliegern zeigen, zu denen vor allem auch

die Bezirksvertreter aus dem Süden, Landtagsabgeordnete

sowie Vertreter der Bürgervereine,

Kirche und Schulen zählen.

Am 19. Juni war es wieder einmal so weit.

HKM hatte zum Nachbarschafts-Forum

eingeladen und knapp 70 interessierte Bürger

waren dieser Einladung in die Salzgitter

Mannesmann Forschung gefolgt. Enttäuscht

wurden sie nicht, denn sie bekamen eine

Menge Neues und Wissenswertes zu hören.

Baufortschritte und

Umweltschutz-Investitionen

Nach der Begrüßung durch Arbeitsdirektor

Peter Gasse berichtete Technik-Geschäftsführer

Dr. Rolf Höffken zunächst von den

Fortschritten bei der Kokereierweiterung,

die voll im Plan liegt. „Derzeit sind etwa 75

Prozent umgesetzt, so dass wir davon ausgehen,

wie vorgesehen Ende des Jahres

in Betrieb gehen zu können.“ Fortschritte

machen auch die Arbeiten an einer neuen

Werkszufahrt am Tor 2, über die künftig der

gesamte Verkehr abgewickelt werden soll.

„Weil dort im Gegensatz zu Tor 1 keine Bahngleise

liegen“, begründete Dr. Höffken die

Maßnahme. Die langen, durch den Bahnverkehr

bedingten Wartezeiten bei der Ein- und

Ausfahrt dürften dann der Vergangenheit

angehören. Investiert wird bei HKM natürlich

auch weiterhin in den Umweltschutz,

wie der Leiter des gleichnamigen Bereichs,

Dr. Udo Kalina, darlegte. So können durch

Investitionen im Bereich der Sinteranlage die

Staubbelastungen um mehr als die Hälfte

verringert werden.

Erschwerte

Rahmenbedingungen

Arbeitsdirektor Peter Gasse, Franz Scheben

(Leiter Immobilienwirtschaft) und Rolf Peters

(1. Vors. Duisburger Bürgervereine)

Weitere Themen beim Nachbarschaftstreffen

waren die steigenden Rohstoffpreise

sowie die Auswirkungen der Energiepolitik.

Beides macht HKM schwer zu schaffen, wobei

die Situation bei der Energie fast schon

kurios ist. Da HKM selbst Gas erzeugt, davon

jedoch nur etwa die Hälfte selbst verbraucht,

geht der Rest in öffentliche Netze.

„Und dafür haben wir kürzlich erstmals sogar

Geld bezahlen müssen“, berichtete Dr.

Höffken. Im Gegensatz dazu hofft man auf

der Hütte, dass sich die Investitionen in die

Ausbildung irgendwann einmal bezahlt machen.

„161 Azubis sind derzeit bei HKM tätig,

134 davon kommen aus dem Duisburger Sü-

Peter Gasse begrüßt die Nachbarn der HKM

den“, sagte Berufsbildungsleiterin Gabriele

vom Ende. Um dieses Level auch bei rückläufigen

Bewerberzahlen zu halten, greift HKM

auch zu ungewöhnlichen Mitteln. So wird es

am 12. Juli von 16 bis 22 Uhr eine „Nacht der

Ausbildung“ geben, in der sich Interessierte

über das Berufsangebot informieren können.

Kurz und gut: Die Besucher des Nachbarschafts-Forums

bekamen an diesem Tag

eine Menge zu hören und konnten – wie es

sich gehört – anschließend auch noch Fragen

stellen. Schließlich ist da oberste Devise

von HKM: Mit seinen Nachbarn im Dialog

bleiben.

Aktuelles zur Ausbildung stellt

Gabriele vom Ende vor

Interessierte Nachbarn – ein voller Saal

Noch mehr persönlicher Austausch mit kleinen Häppchen


32 02 • 2013

Mitarbeiter Innovationszirkel bei TI eingeführt:

Weil Innovationen

nicht vom Himmel fallen

Innovationen sind der Motor für Fortschritt,

der Antrieb für Weiterentwicklung, eine Art

Lebenselexier für jedes Unternehmen. Der

Haken an der Sache: Innovationen fallen

nicht vom Himmel und sind nicht per Knopfdruck

zu haben. Im Gegenteil: Es braucht eine

ganze Menge an Voraussetzungen, damit

Ideen – die Keimzelle jeder Innovation – gedeihen

und sich entfalten können. Zu dieser

Erkenntnis kam auch der Bereich Energie,

Infrastruktur und Anlagentechnik (TI), als er

sich 2009 kurz nach der Zusammenlegung

von TI und TA in Sachen Innovationen auf

den Weg machte. Zwar gab es bei den Kollegen

eine Kennzahl über den Innovationsgrad,

doch bezog sich diese im Wesentlichen

auf Kerntätigkeiten des Bereichs. Was aus

Sicht der Innovationswilligen bei TI nicht der

richtige Weg war und sie sich daran machten,

ein anderes Konzept zu entwickeln.

Am Anfang stand dabei die Frage, was eine

Innovation denn überhaupt ist und wer in

dieser Hinsicht führend ist. Die Antwort war

schnell gefunden: Als innovativ gelten beispielsweise

die Pharma- und Autoindustrie

oder Firmen wie Google und Apple, die jede

für sich immer wieder mit neuen Produkten

zu überraschen weiß. Doch obwohl auch

Stahl und damit der ureigenste Bereich von

HKM äußerst innovativ sein kann, sah TI für

sich kaum die Möglichkeit, hier aktiv zu werden.

Stattdessen wollte man das Thema auf

die Infrastrukturanlagen sowie auf deren

Instandhaltung fokussieren. Dabei wurde

auf die Einbindung der Mitarbeiter in der Instandhaltung

großen Wert gelegt und definierte

Innovation als einen Unterschied zu

den bisherigen Tätigkeiten und Prozessen.

Feinkonzept für Innovationen

Gestartet wurde mit einem Erfassungsblatt,

auf dem festgehalten werden sollte, wo und

in welchem Bereich eine Innovation realisiert

worden war. Aber: „Das war lediglich

eine Art Bestandsaufnahme, die selbst nicht

zu Innovationen führte“, blickt Wolfgang

Graf, Leiter Projekte bei TI-E, auf diese Zeit

zurück. Konsequenterweise befasste man

sich daher zunächst einmal mit den grundsätzlichen

Fragen. Etwa wo eine Innovation

herkommt, wie sie entsteht, wie man selbst

innovativ werden und auch die Mitarbeiter

dazu bringen kann. Mit diesen und anderen

Fragen befasste sich im Frühjahr 2011 die Arbeitsgruppe

bestehend aus Vermessungsingenieur

Markus Grabellus, Wolfgang Graf

und Rainer Köhlen-Gollnick, Leiter Projekte

TI-K. Dabei ging es unter anderem um allgemeine

Anforderungen an ein innovationsförderndes

Umfeld. Kriterien dafür sind etwa,

dass Innovation Bestandteil der Unternehmensstrategie

ist und von der Führung

gewollt sein muss. Ebenso muss Innovation

für jedermann im Prozess sichtbar sein und

ein Budget sowie Freiräume hierfür vorhanden

sein. Genauso wichtig ist, dass abteilungsübergreifendes

Denken gewollt und

gelebt wird und Fehler toleriert werden. Eine

Befragung im Sommer 2011 ergab, dass

bezüglich Strategie, Führung und Budget alles

klar war, auf anderen Feldern aber teilweise

noch Handlungsbedarf bestand. Für

diese Felder wurden im November 2011

Maßnahmen entwickelt und in einem Feinkonzept

festgehalten. Im Mittelpunkt: Die

regelmäßige Information der Mitarbeiter

durch den Prozessleiter über Innovationen,

die Schaffung einer entsprechenden Fehlerkultur

sowie die Einrichtung von Innovationszirkeln

zur Schaffung von Freiräumen

für die Mitarbeiter.

Innovation ist böse …

Speziell zur Umsetzung der Innovationszirkel

holte man schließlich Karin Aust, Leiterin

Organisationsentwicklung und Kommunikation,

sowie den Bereichsbetriebsrat Ralf


02 • 2013 33

Innovationsworkshop im Bildungswesen

vorne v.l: Erdogan Demirhan, Ralf Pörschke,

Stefanie Flick, Wolfgang Graf, Dennis Dziuba

hinten v.l.: Marcel Hönemann, Udo Heinrichs,

Rainer Köhlen-Gollnick

Schröder mit ins Boot. Schnell stand fest,

dass eine gewisse Schulung für diese Zirkel

erforderlich war. Auf der Suche nach geeigneten

Weiterbildungsmaßnahmen stieß

man bei Stefanie Flick und Udo Heinrichs

vom HKM-Berufsbildungswesen auf offene

Ohren Sie konzipierten einen Workshop, in

dem unter anderem durch Kreativitätstechniken

der Weg für kreative und innovative

Ideen geebnet werden kann. Bei der Frage

nach den „richtigen“ Moderatoren für die

Innovationszirkel haben wir uns dann für

neutrale Personen entschieden“, sagt Rainer

Köhlen-Gollnick. Stefanie Flick und Udo

Heinrichs haben sich bereit erklärt zu Beginn

die Moderation in den Gruppen zu

übernehmen. Im Laufe der Zeit solle die Moderation

jedoch mehr und mehr durch

Gruppenmitglieder selbst übernommen

wer den. Das inzwischen vorhandene Logo

für die Innovationsinitiative war zunächst

zwar eher ein Gag, hat sich inzwischen aber

durchgesetzt. So findet sich der kleine Teufel

samt dem Spruch „Innovation ist böse …

Lasst uns Sünder sein!“ nicht nur in den Unterlagen

der Schulungsteilnehmer, sondern

auch auf den Kaffeetassen der Beteiligten

im Bereich TI. Apropos Teilnehmer: Hier

setzte man ganz auf den Gedanken der Freiwilligkeit

und erteilte zugleich Führungskräften

eine Absage. „Wir wollen ausschließlich

Facharbeiter in den Zirkeln. Schließlich

kennen die das Tagesgeschäft am besten

und sollen sich selbst Gedanken machen“,

sagt Wolfgang Graf. Schon der Start mit

den drei Testbereichen TI-K, TI-F/S und TI-E

hat dabei gezeigt, dass man bei der Freiwilligkeit

auf die richtige Karte gesetzt hat. Aus

jedem Bereich haben sich praktisch umgehend

jeweils zehn Mitarbeiter gemeldet,

was etwa einem Drittel der jeweiligen

Mannschaft entspricht.

Lob für Schulungsteilnehmer

Überhaupt hat sich die ganze Aktion mittlerweile

verselbständigt, das ergab ein erster

Zwischenbericht im Januar dieses Jahres.

Nicht zuletzt deshalb, „weil die Schulungsteilnehmer

motiviert zur Sache gehen und

voller Ideen sind“, lobt Stefanie Flick. Gemeinsam

sei über Ideen und ihre Umsetzung

diskutiert worden, die daraus resultierenden

Aufgaben hätten die Teilnehmer alleine

verteilt. Ihre und die Aufgabe des Kollegen

Heinrichs sei es „lediglich“ gewesen,

die Teilnehmer auf Prozesse zur Findung von

Innovationen aufmerksam zu machen und

ihnen zu zeigen, wie die Innovationszirkel

zielführend moderiert werden. „Die Kollegen

sind dann ganz schnell zu selbst organisierenden

Einheiten geworden“, sagt sie.

Aus ihrer Sicht steht einer Ausweitung der

Initiative daher nichts im Wege, auch wenn

einige sicherlich noch Unterstützung

bräuch ten. „Dafür laufen andere aber schon

vollkommen selbständig“, weiß sie. Und obwohl

die meisten der entstandenen Ideen

als Teamvorschlag beim BVW eingereicht

werden, besteht doch ein deutlicher Unterschied

zum Betrieblichen Vorschlagswesen.

Der größte davon: In den Innovationszirkeln

wird systematisch nach neuen Ideen gefahndet.

„Die freiwilligen Teilnehmer können

drei Stunden im Monat an Innovationen

arbeiten. Davon sind 50 Prozent Arbeitszeit

und die übrigen 50 Prozent werden pauschal

vergütet“, präzisiert Rainer Köhlen-

Gollnick.

Stimmen und Meinungen

Innovationszirkel TI-E

Projekt: Verbesserte Reinigung von

Kran klima geräten, v.l.: Patrick Engels, Mirco

Assmann, Matthias Povenz, Matthias Bacht

Doch was haben eigentlich die beteiligten

Mitarbeiter davon? Was war für sie der

Grund, sich freiwillig an dieser Aktion zu beteiligen?

„Innovationen finden, heißt doch

immer auch, vorhandene Probleme zu beseitigen.

Und wir sind näher dran am Geschehen,

bekommen diese Probleme als erste

mit“, sagt etwa Patrick Engels, TI-E. Marcel

Diemers ergänzt das noch: „Es ist schön,

wenn wir für vorhandene Probleme eine Lösung

erarbeiten können, denn das erleichtert

letztlich die Arbeit.“ Auch Brigitte Sollfrank,

TI-K, nimmt freiwillig an den Innovationszirkeln

teil, „weil wir hier Möglichkeiten

bekommen, Prozesse von einer anderen Seite

her zu verändern.“ Einig sind sich die drei

Teilnehmer der drei Testbereiche darin, dass

die Schulungen hilfreich und zugleich spannend

waren. Weil Lösungswege aufgezeigt

wurden und weil man gelernt hat, Probleme

in Gruppen zu lösen und Prioritäten zu bilden.

Wahrscheinlich fände man auch so

viele Alternativen, sagt Brigitte Sollfrank,

„aber mit den jetzt bestehenden Rahmenbedingungen

ist das einfacher.“ Der Nachahmeffekt

ist bisher allerdings ausgeblieben,

neue Freiwillige sind nicht hinzugekommen.

Aber das verändert sich vielleicht

noch, glaubt Patrick Engels. Und Marcel Diemers

meint, dass viele möglicherweise gar

nicht wissen, was da abgeht. Brigitte Sollfrank

vermutet, Werbung würde nutzen.

Die Erwartungshaltung bei den Teilnehmern

ist dafür ungebrochen. „Etwas bewegen

zu können, Probleme anzusprechen und

selbst zu lösen macht viel Spaß“, wie Patrick

Engels es ausdrückt, der sich, wie die anderen

auch, durch erste Ergebnisse und Erfolge

bestätigt sieht.


34 02 • 2013

Vier weitere Bereiche

dazu gekommen

Vielleicht, so die drei, hätte das Ganze ja

auch schon viel früher stattfinden können.

Wobei Wolfgang Graf gleich einschränkt,

dass dazu auch ein gewisser Reifegrad des

Teams gehört. Abgesehen davon, habe es

bei TI ja auch vorher schon erste Schritte

gegeben. „Allerdings mit einem anderen

Selbst verständnis und Selbstbewusstsein.“

Dass sich das gewandelt hat, ist nicht zuletzt

der veränderten Führung bei HKM zuzuschreiben,

bei der ein Mitdenken der Mitarbeiter

gewünscht wird. Für die Teilnehmer

ist es ein Stück Wertschätzung, das ihnen

entgegengebracht wird. Allerdings halten

sie auch eine entsprechende Fehlerkultur

für immens wichtig. Eine, die ihnen Rückendeckung

gibt, die es möglich macht, Fehler

einzugestehen und Verständnis dafür aufbringt.

Ob sich das Ganze denn durchsetzt

und nachhaltig ist? – Ich wünsche es mir,

sagt Patrick Engels und Brigitte Sollfrank

hofft es ebenfalls. Genauso wie Stefanie

Flick. „Weil die Mitarbeiter engagiert dabei

sind und weil hier noch viel Potenzial vorhanden

ist.“ Wenn die Rahmenbedingungen

so bestehen bleiben, stehen die Chancen

gut, sagen die Beteiligten. Und so denken

offenbar auch andere. Immerhin haben die

drei Test-Bereiche Zuwachs bekommen,

auch TI-S, TI-M, TI-I und TI-W sind inzwischen

mit von der Partie. Auch TI-F würde

gerne mitmachen. Doch weil in der Haupt-

Innovationszirkel TI-K

Projekt: Erfassung von Verbrauchsmaterialien mit Barcode-Lasern, Björn Markert

werkstatt zunächst die KVP-Einführung abgeschlossen

werden soll (s. auch Beitrag auf

Seite 28), ist bislang nur der Stahlbau in dem

Projekt vertreten.

Jede Menge Erfolgs-Storys

Erste innovative Ergebnisse gibt es natürlich

auch schon. Viele sogar, wenngleich nicht

alle umgesetzt werden konnten. So hat sich

beispielsweise die Idee, Druckerpatronen

künftig wie in einem Süßigkeiten-Automaten

vorzuhalten und zu verwalten, nicht

durchgesetzt. Obwohl die Idee durchaus etwas

an sich hat. Andere hingegen wurden

Innovationszirkel TI-F

Projekt: Abfallsammelsystem, v.l.: Rainer Simon, Christian Langenfeld, Serdar Göz, Jens Gläser

akzeptiert und zum Teil auch realisiert. Hier

einige Beispiele.

Bei TI-E soll eine verbesserte Reinigung

der Kondensatoren an den Kranklimageräten

durch den Einsatz von Kompressoren

zum Ausblasen der Kondensatoren erreicht

werden. Die Anforderungen dafür sind festgelegt,

und die Details mit der Kranabteilung

(TS-IK) abgestimmt. Lediglich die Prüfung

unter Einsatzbedingungen muss noch

durchgeführt werden.

Bei TI-K ist ein Ergebnis der Innovationszirkel

die Einführung von Hand- bzw. Barcode

scannern zur einfacheren Dokumentation

bei Materialentnahme.

Das Team 1 von TI-F/S – schichtbedingt

gibt es hier zwei Teams – hat eine ganze

Reihe von Ideen hervorgebracht und zum

Teil auch schon realisiert. So sollen etwa im

Zuge der Hallenumstrukturierung neue

Schaukästen aufgehängt und ein verbessertes

Abfallsammelsystem eingeführt werden.

Auch PC-Zugänge für mehrere Kollegen

wurden bereits geschaffen. Team 2 hat sich

dagegen unter anderem der Materialbeschaffung

gewidmet und will kleine Lagerbestände

etwa von Rohren und Fittings einrichten

sowie eine Dokumentation der

benötigten Materialen und des Inventars

erstellen. Schier endlos ließe sich die Liste

innovativer Ideen fortsetzen, was zeigt: Das

Ganze hat sich gelohnt. Und wird es weiter

tun. Denn Innovationen fallen zwar nicht

vom Himmel, aber sie entstehen in den

Köpfen der Mitarbeiter.


02 • 2013 35

Einen Blick auf HKM nehmen sich

Jürgen Kerner, Ulrich Kimpel,

Hannelore Elze, Klaus-Dieter Clasen

und Norbert Keller

Mitarbeiter Gewerkschaftsboss Jürgen Kerner besucht Hütte:

Integriertes Hüttenwerk –

eine völlig neue Dimension

Für Jürgen Kerner war es eine Herzensangelegenheit:

Endlich und zum ersten Mal wollte

das Geschäftsführende Vorstandsmitglied

der IG Metall ein integriertes Hüttenwerk

besichtigen. Der gebürtige Augsburger kannte

das Elektrostahlwerk der Lechstahlwerke,

aber dieses Hüttenwerk ist von den Ausmaßen

eine völlig andere Dimension. Das hatte

er noch nie gesehen und den Wunsch, so

etwas zu besichtigen, war ein Leichtes zu erfüllen.

Und so begrüßten am 13. Juni 2013 Technik-

Geschäftsführer Dr. Rolf Höffken, Arbeitsdirektor

Peter Gasse sowie Betriebsratsvorsitzender

Ulrich Kimpel und sein Stellvertreter

Norbert Keller den Gewerkschaftsboss, der

im Vorstand der IG Metall unter anderem für

Energiewende, Luft- und Raumfahrt und

Wehrtechnik zuständig ist. Bevor er Stahlwerk,

Hochofen, Kokerei samt Erweiterung

sowie andere Betriebe ausführlich in Augenschein

nehmen konnte, gab Dr. Höffken anhand

einer Präsentation zunächst einen

Überblick über HKM und seine Anlagen. Dabei

vergaß er auch nicht, auf die zunehmend

kritische Situation hinzuweisen, die sich für

Unternehmen wie HKM durch die Energiewende

bzw. deren Auswirkungen ergibt.

Andreas Betzler von der Energiebeschaffung

und -vermarktung steuerte hier noch aktuelle

Daten und Fakten zum Stand des Emissionshandels

bei. Wichtige und informative

Details, wie Jürgen Kerner befand, der anschließend

aber darauf brannte, endlich die

Werksbesichtigung anzutreten. Ausgestattet

mit der erforderlichen Schutzausrüstung

machte er sich schließlich gemeinsam mit

Peter Gasse auf den Weg zu den Highlights

der Hütte. Wie sehr ihm die Besichtigung

dieses „richtigen“ Stahlwerks gefallen hat,

war noch bei der Verabschiedung zu spüren.

Nicht so sehr durch den Dank an Peter Gasse

und seine Kollegen für die Durchführung der

Werksbesichtigung. Es war vielmehr das immer

noch anhaltende Leuchten in seinen Augen,

das zeigte: Hier war ein Herzenswunsch

in Erfüllung gegangen.

Dr. Rolf Höffken begrüßt die Gruppe im

Informationszentrum

High Tech-Leitstand für High Tech-Produkte

Hannelore Elze, Leiterin des Zweigbüros der

IG Metall in Düsseldorf, mit Jürgen Kerner vor

glühender Kulisse


36 02 • 2013

Mitarbeiter Die Azubi-Kolumne:

Ein Treppengeländer für den

Stadtsportbund

Dass die Ausbildung von HKM sich auch mit

der Durchführung konkreter Projekte beschäftigt,

hat sich in Duisburg längst herumgesprochen.

Und so fragte auch der Stadtsportbund

vor einiger Zeit an, ob die Azubis

vielleicht ein Treppengeländer für sein neues

Gebäude in der Nähe der MSV-Arena fertigen

und montieren könnten.

Nach Einwilligung der Ausbilder Roland

Petak und Frank Hartmann fuhren die Konstruktionsmechaniker

zunächst einmal zur

Baustelle, um sich selbst ein Bild von dem

Projekt zu machen und Maße für das Geländer

zu nehmen.

Viel in Eigenverantwortung

gemacht

Die Planung des Geländers wurde anschließend

zwar von den Ausbildern genauestens

überwacht, doch hatten auch die Auszubildenden

Kai Schwichtenberg, Timo Loitz, Nils

Raffel, Mike Engler, Marc-Andre Maas und

Jakob Tillmann einen gehörigen Anteil daran.

Nach Eintreffen des erforderlichen Materials

ging es dann zuerst einmal los mit

Sägen, Bohren, Schweißen, Schleifen und

vielen anderen Fertigungsschritte mehr.

Insgesamt wurde die Konstruktion soweit

angefertigt, dass sie montagebereit war

und vor Ort nur noch zusammengesetzt

werden musste. Allerdings waren vorher am

Gebäude des Stadtsportbunds noch Löcher

zu bohren und mit Dübeln zu versehen, damit

die Konstruktion auch angebracht werden

konnte. Nach dem Ausrichten fielen

dann noch die letzten Schweiß- und Polierarbeiten

an, um auch ein wirklich perfektes

Geländer präsentieren und überreichen zu

können. Bei den Azubis fand diese Projektarbeit

großen Zuspruch, da viel in Eigenverantwortung

gearbeitet wurde. Ganz abgesehen

davon, dass Außenbaustellen in der

Zeit der Ausbildung rar und nicht zuletzt

deshalb äußerst interessant sind.

Mitarbeiter Kreativtraining der Azubis:

Erstmals Umweltschutz einbezogen

Bei dem inzwischen schon traditionellen

Kreativtraining, das die Azubis bei HKM absolvieren,

wurde jetzt erstmals auch der Bereich

Umweltschutz aktiv mit einbezogen.

Worum es dabei geht, machte der Leiter des

Bereichs, Dr. Udo Kalina, in Impulsvorträgen

für die einzelnen Arbeitsgruppen deutlich

und stellte den Azubis zugleich auch die

Aufgaben und Ziele seiner Abteilung vor.

Für die jungen Leute Lerneffekt und Input

gleichermaßen. Schließlich sollten sie das

Thema „Umwelt und Technik“ anschließend

in Bilder und Symbole runterbrechen und in

Stein hauen. Gleichzeitig lernten sie auch

die Menschen einer anderen Abteilung kennen,

die ja vielleicht schon bald eines der

von den Azubis erstellten Werke aufstellen

oder aufhängen werden. Demnächst wird

das Thema dann auch in der Lehrwerkstatt

angepackt. Bis dahin dauert es allerdings

noch etwas, denn die Umsetzungsphase des

Themas in den Werkstätten findet erst im

September statt (wir werden darüber berichten).

Rüdiger Eichholtz, der als Künstler,

Diplom-Kunsttherapeut und -Pädagoge das

Kreativtraining auf der Hütte initiiert hat

und seit vielen Jahren begleitet, freut sich

über die umwelttechnische Horizont-Erweiterung

seiner Schützlinge. Und auf künftig

noch mehr Input, denn:

„Wir hoffen, demnächst

auch den Personalbereich

mit einzubeziehen.“ Dann

wird es heißen „Mensch

und Technik“, und das

steht bei HKM eigentlich

überall im Mittelpunkt.


02 • 2013 37

Als am 9. Juni 2013 nach Schätzung der Veranstalter

etwa 7.000 Sportler zum inzwischen

30. Rhein-Ruhr-Marathon an den

Start gingen, waren darunter auch 18 Mitarbeiter

von HKM. Neun von ihnen gingen

dabei auf die volle Strecke von 42,195 Kilometern,

fünf hatten sich für den Halb-

Marathon entschieden, vier bildeten eine

gemeinsame Staffel. Das Beste daran: Alle

18 kamen ans Ziel, die meis ten sogar mit

besseren Zeiten als im Vorjahr.

Für HKM-Laufpapst Jürgen Binias in mehrfacher

Hinsicht ein Erfolg. Zum einen, weil

der leidenschaftliche Läufer und Initiator so

mancher Lauftreffs die HKM-Geschäftsführung

erneut von der Übernahme des Startgelds

überzeugen konnte. Zum zweiten, weil

Mitarbeiter Rhein-Ruhr-Marathon mit HKM-Beteiligung:

Alle kamen durch

diesmal mehr HKM-Mitarbeiter dabei waren

als noch im Vorjahr. Und zum dritten, weil

Jürgen Binias an diesem Tag selbst seinen

100. Marathon lief. Auch nicht gerade eine

Selbstverständlichkeit, wie wir meinen.

HKM als Sponsor

Die Übernahme des Startgelds durch HKM

ist natürlich auch keine Selbstverständlichkeit.

Immerhin beträgt die bei frühzeitiger

Anmeldung für jeden Marathon-Teilnehmer

50 Euro und für den Halb-Marathon 30 Euro,

so dass schon einige 100 Euro zusammen

kommen. Auch die Ausstattung der Läufer

mit HKM-Shirts wird gesponsert, Jürgen

Binias zugleich im Intranet die Möglichkeit

geboten, für die Lauf-Aktivitäten zu werben.

So wie der das schon jetzt für den Targo-Firmenlauf

am 29. August und den Lichterlauf

am 21. September macht. „Weil man nicht

früh genug die Werbetrommel rühren kann“,

sagt er. Der Erfolg gibt ihm Recht, schließlich

hat die Anzahl der teilnehmenden Kollegen

in den letzten beiden Jahren kontinuierlich

zugenommen. So haben sich für den

Targo-Firmenlauf bereits 21 und für den

Lichterlauf 14 Teilnehmer gemeldet. Erst,

wie Jürgen Binias meint, aber das kann sich

ja noch ändern.

Die Teilnehmer am

Rhein-Ruhr-Marathon

Marathon:

Guido Bauer, Jürgen Binias,

Fikret Gündüz, Dr. Angela Jablonka,

Frank Krause, Thomas Plein,

Wolfgang Plein,

Karl-Philipp Steinhoff und

Hermann Walter

Halb-Marathon:

Andreas Bauch, Heinz Hüsken,

Friedhelm Plein, Frank Raschewski

und Ulrich Wohlgefahrt

Staffel-Marathon:

Klaus Berghoff, Oscar Janßen,

Peter Lenz und Thomas Steil


38 02 • 2013

Kompetenz Bei der bisher längsten Ofenreise:

30 Millionen Tonnen Roheisen

an Hochofen B erzeugt

In der laufenden Ofenreise hat der Hochofen B

seit der letzten Zustellung im Jahr 2000 am

1. Juli 2013 die 30millionste Tonne Roheisen

erzeugt. Das markiert einen weiteren Meilenstein

in der mit 13 Jahren bisher längsten Ofenreise

und die höchste Erzeugung bei einem

HKM Hochofen. Was in den letzten alles unternommen

wurde, um die Ofenreise zu realisieren,

erfahren Sie in der nächsten Ausgabe

von „Wir bei HKM“.

Mitarbeiter Wir gratulieren unseren Jubilaren:

Juli

45 Jahre

Albert Kuessner 01.07.

Guenter Borsutzki 08.07.

Wolfgang Beilke 22.07.

35 Jahre

Kurt Medzech 03.07.

Winfried Reich 03.07.

Gottfried Kern 04.07.

Margit Lescher 10.07.

Annemarie Lasch 12.07.

Wolfgang Christ 18.07.

Joachim Bliemeister 24.07.

Peter Greitner 24.07.

Uwe Klingen 24.07.

25 Jahre

Uwe Riebe 01.07.

Iris Fischer 29.07.

August

45 Jahre

Juergen Bock 01.08.

Ralf Bongen 01.08.

Wolfgang Bress 01.08.

Manfred Brockerhoff 01.08.

Wolfgang Bruhn 01.08.

Ulrike Fiedler 01.08.

Hans-Joachim Hammelmann 01.08.

Klaus Koch 01.08.

Rainer Koch 01.08.

Wilhelm Kraschl 01.08.

Erhard Lipkowski 01.08.

Detlef Luhr 01.08.

Joachim Messarius 01.08.

Willi Nipken 01.08.

Klaus Pimpertz 01.08.

Detlev Rogga 01.08.

Irmgard Roitzsch 01.08.

Horst-Dieter Schadosky 01.08.

Helmut Schmitz 01.08.

Robert Schmitz 01.08.

Guenter Schroers 01.08.

Heinz-Werner Sprenzel 01.08.

Heinrich Studlik 01.08.

Manfred Teuber 01.08.

Juergen Tillmann 01.08.

Heinz-Juergen Ulrich 01.08.

Juergen Willger 01.08.

Walter Wohlgefahrt-Crisand 01.08.

35 Jahre

Raimondo Brunotte 01.08.

Astrid-Manuela Hess 01.08.

Reiner Hiddemann 01.08.

Ralph Kinzel 01.08.

Juergen Knobloch 01.08.

Ingeborg Kriesel 01.08.

Rolf Kuepper 01.08.

Matthias Renk 01.08.

Rainer Schulz 01.08.

Wolfgang Westphal 01.08.

Sabine Wicherek 01.08.

Norbert Mueller 07.08.

Michael Dobry 21.08.

25 Jahre

Guido Hebrock 01.08.

Reimund Raberg 08.08.

September

45 Jahre

Werner Scheckermann 02.09.

Bernd Heintges 08.09.

Friedhelm Michalski 09.09.

Lothar Seyfried 10.09.

Juergen Eberz 12.09.

Dieter Krickhahn 17.09.

35 Jahre

Klaus Berghoff 01.09.

Peter Beszynski 01.09.

Horst Blum 01.09.

Hinrich Boemfalk 01.09.

Frank Boldt 01.09.

Uwe Braendlein 01.09.

Sabine Brinkmann 01.09.

Siegfried Buschbaum 01.09.

Georg Diemers 01.09.

Rainer Englert 01.09.

Gisbert Foerster 01.09.

Walter Fries 01.09.

Wolfgang Geisse 01.09.

Uwe Hanke 01.09.

Irmgard Hausmann 01.09.

Norbert Heiland 01.09.

Wolfgang Hendricks 01.09.

Elisabeth Hoesl 01.09.

Joerg Hoffacker 01.09.

Bernd Hofmann 01.09.


02 • 2013 39

Vorträge & Veröffentlichungen 2/2013

TR

„Die Kokerei – vom „notwendigen Übel“

zum wichtigen Bestandteil eines modernen

Hüttenwerkes“

Dr.-Ing. Leo Nelles (TR-K),

Dipl.-Ing. Heinz-Bernd Beckmann (TR-KE)

Vorgetragen bei / veröffentlicht in:

erschienen in der Schriftenreihe

Stahl und Eisen 133 (213), Nr. 6

„Burden distribution practice at HKM blast

furnaces“

Dipl.-Ing. Jürgen Gertz (TR-H)

Vorgetragen bei / veröffentlicht in:

VDEh-Fachausschuss Hochofenverfahren

10.04.2013, Düsseldorf

Kompetenz

TI-W

„Energiemanagementsysteme steigern

die Energieeffizienz in der Stahlindustrie“

Dipl.-Ing. Matthias Baldermann (TI-W)

Vorgetragen bei / veröffentlicht in:

erschienen in der Schriftenreihe

Stahl und Eisen, April 2013

TV

„Entwicklungsarbeiten am Konverter der

HKM“, Technische Optimierung und Ausblick

Dr.-Ing. Matthias Weinberg (TV)

Vorgetragen bei / veröffentlicht in:

Konferenz „Metallurgie und Prozesstechnik der

Konverterverfahren (VDEh)

15.05.2013, Krefeld

Mitarbeiter

Austritte · Altersteilzeit ·

Freistellungsphase

Wilfried Binder 01.03.13

Werner Hubert 01.03.13

Bernd Pfeifer 01.03.13

Werner Schulz 01.03.13

Artur Sobik 01.04.13

Erreichung Rentenalter

Avni Atlas 01.03.13

Hans-Otto Lemke 01.03.13

Heinz Zdun 01.03.13

Manfred Fiedler 01.04.13

Arnold Frinken 01.05.13

Alexander Monski 01.05.13

Dr. Willy Pesy 01.05.13

Thomas Hofmann 01.09.

Doris Iffland 01.09.

Peter Juerich 01.09.

Dirk Kleinert 01.09.

Juergen Kraemer 01.09.

Ulrich Kroll 01.09.

Frank Kuchenbecker 01.09.

Roland Linke 01.09.

Peter Loeven 01.09.

Rainer Mankewitz 01.09.

Beatrix Meyer 01.09.

Lothar Mitze 01.09.

Detlef Mostert 01.09.

Frank Ott 01.09.

Bertram Preissner 01.09.

Michael Reh 01.09.

Muzaffer Sag 01.09.

Holger Schoendorff 01.09.

Holger Schulz 01.09.

Juergen Seidel 01.09.

Norbert Seidel 01.09.

Thomas Seidel 01.09.

Andreas Snelinski 01.09.

Joerg Thiele 01.09.

Klaus-Dieter Truch 01.09.

Rainer Weirauch 01.09.

Roland Winkelmann 01.09.

Susanne Winzen 01.09.

Dieter Werner 04.09.

Joachim Ingenhaag 08.09.

Joao Tavares Pereira 18.09.

Detlef Voelz 25.09.

Achim Heinen 26.09.

Werner Saager 27.09.

25 Jahre

Riza Akbulut 01.09.

Mustafa Aran 01.09.

Thorsten Berthele 01.09.

Markus Breuer 01.09.

Angelika Bula 01.09.

Michael Burger 01.09.

Ersen Cengiz 01.09.

Dirk Deckert 01.09.

Goekten Demir 01.09.

Fatime Demirci 01.09.

Robert Demuth 01.09.

Hueseyin Dogan 01.09.

Mirze Edis 01.09.

Joerg Eickelmann 01.09.

Carsten Gross 01.09.

Marion Holzschneider 01.09.

Sandra Knappe 01.09.

Ingo Koelven 01.09.

Martin Lankes 01.09.

Stefan Meise 01.09.

Serdal Oenuegoeren 01.09.

Mehmet Oezbek 01.09.

Eduardo Pareja Lafuente 01.09.

Hasan Simsek 01.09.

Helge Vasicek 01.09.

Cihan Yeniay 01.09.

Ibrahim Yurdakul 01.09.

Andy Zorr 01.09.

Ralph Winkelhane 05.09.

Mitarbeiter

Wir gedenken:

aus aktiver Beschäftigung:

Erich Dreyßig

Peter Graetsch

Heinrich Terpitz

Kurt Brinkmann

Klaus Dahlhausen

Heinz Dübbert

Gerd Feldbusch

Horst Greiff

Eberhard Kube

Dieter Minhorst

Rentner:

Impressum

Karl-Heinz Planker

Werner Plath

Inge Preukschat

Günther Roth

Heinrich Weimann

Hans-Gerd Michels

Wilfried Mahl

„Wir bei HKMist eine Zeitung für Mitarbeiter

der Hüttenwerke Krupp Mannesmann

Herausgeber:

Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH

Verantwortlich:

Peter Gasse

Redaktion:

Walter Klöters

Telefon 0 21 04 3 92 38

Mobil 01 72 21 00 952

E-Mail wkloeters@aol.com

Redaktionsanschrift:

Ehinger Straße 200 · 47259 Duisburg

Tel. 02 03 999 29 06

Bildmaterial:

Tanja Pickartz, Verena Schwarz, Fotolia.com

(SG-design, Salome), 123rf.com (Maksim Toome)

Gesamtherstellung:

zero.kommunikation, Moers


Kunden und Partner Produkte aus HKM-Stahl:

Mehr Sicherheit in Türen

Auch wenn sich das kein Autofahrer wünscht:

Es scheppert häufig auf Deutschlands Straßen

und Autobahnen. Dass dies für die Insassen

zumeist glimpflich abgeht, ist vor allem den

sogenannten Knautschzonen an Fahrzeugfront

und -heck zu verdanken. Denn sie können

durch Materialverformung einen großen

Teil der Aufprallenergie aufnehmen. An den

Fahrzeugseiten allerdings gibt es eine solche

Deformationszone nicht. Infolgedessen muss

dieser Bereich auf andere Weise möglichst

stabil gestaltet werden, damit die Fahrgastzelle

möglichst wenig verformt wird.

Diesen Seitenaufprallschutz stellen die Hersteller

dadurch her, dass sie die Türen und

Seitenteile mit Metallträgern versteifen. Waren

die früher oft aus Aluminium oder aus

Rohren, kommt heute bevorzugt Martensitphasenstahl

(Güte V12MnCrTiB/1) zum Einsatz,

der – wie an dieser Stelle nicht anders zu

erwarten – in Brammenform aus der Produktion

von HKM kommt. Dieser Stahl verfügt

nicht nur über die für Seitenaufprallträger

erforderliche hohe Festigkeit, er kann auch

noch mit anderen Vorteilen glänzen. Etwa

mit einer deutlichen Gewichtsersparnis.

Was zum einen den von Automobilherstellern

verfolgten Trend zu mehr Leichtbau unterstützt,

zum anderen zu Kostenreduzierung

führt. Und zu einer Prozessvereinfachung, wie

ein Blick auf die Weiterverarbeitung zeigt.

Denn dort entsteht aus den Brammen von

HKM Warmband mit einer Blechdicke von

bis zu minimal 1,65 Millimeter, aus der nach

einer elektrolytischen Verzinkung dann direkt

die Aufprallkörper ausgestanzt werden. Das

verzinkte Warmband mit hoher Festigkeit

und guten Umformeigenschaften ermöglicht

es dabei, die Teile kalt umzuformen, statt sie

in der Prozessfolge Warmpressen – Direkthärtung

zu verarbeiten.

Rund 20.000 Tonnen dieses Stahls stellt

HKM pro Jahr für die Automobilindustrie

her. Und die weiß diesen Werkstoff durchaus

zu schätzen. Schließlich stehen ihr damit

Komponenten zur Verfügung, die aufgrund

ihrer hohen Elastizität eine große Energie aufnahme

fähigkeit besitzen. Ganz abgesehen

davon, dass Seitenaufprall trä ger aus Martensitphasenstahl

nur wenige Gramm schwerer

sind als Aluminium. Was zu einer Kosteneinsparung

von rund 50 Prozent bei gleichzeitig

verbesserten Eigenschaften führt. Gut so.

Schließlich sorgen diese verbesserten Eigenschaften

der stählernen Seitenaufprallträger

dafür, dass alles glimpflich abläuft, wenn’s

mal seitlich kracht.

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