TAG DES OFFENEN DENKMALS - Landeshauptstadt Kiel

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TAG DES OFFENEN DENKMALS - Landeshauptstadt Kiel

Tag des

offenen Denkmals

Jenseits des Guten und Schönen:

Unbequeme Denkmale?

8. September 2013


Grußwort

Kiel braucht sein Licht nicht

unter den Scheffel zu stellen!

Die Kielerinnen und Kieler

machen zu wenig deutlich, mit

welcher Vielzahl von „bequemen“

baulichen Zeitzeugen schönster

Art ihre Stadt aus der Zeit des

19. und 20. Jahrhunderts gesegnet ist. Vielleicht verliert sich auf

Dauer der Blick und es wird selbstverständlich in gut erhaltenen

historischen Quartieren zwischen Düsternbrooker Weg östlich

der Feldstraße, am Schrevenpark, der Holtenauer Straße bis

hinauf zum Nord-Ostsee-Kanal zu wohnen und jenseits davon

an den herrlichsten Kanalhäusern der Uferstraße in Holtenau

bis zum Tiessenkai und dem Leuchtturn zu flanieren. Auch die

Rotstein-Ensembles entlang des Westrings oder die Quartiere

rechts und links der Kirchhofallee im Bereich des Südfriedhofs

suchen ihresgleichen. Kiel-Gaarden ist Altstadt im besten Sinne.

Stadtschönheit macht sich eben nicht nur an der Förde fest.

Die Kielerinnen und Kieler hadern eher mit den „unbequemen“

Zeitzeugen der Nachkriegsmoderne der Kieler City. Häufig ist von

„Klötzchen-Architektur“ die Rede. Nun mag es am schmerzlichen

Verlust der Altstadt durch die Kriegseinwirkungen liegen, dass es

Zeit braucht, sich mit den Nachkriegsbauten in der zentralen Lage

von Kiel zu arrangieren. Ehrlich gesagt: Das gelingt auch mir nicht

in jedem Falle. Daher setze ich mich ebenso für den Erhalt des

„jüngeren“ historischen (Nachkriegs-)Erbes ein als auch für eine

pragmatische Weiterentwicklung unserer City jenseits kunsthistorischer

Aspekte. Dass es dabei unterschiedliche Auffassungen

gibt, ist für die Identifikation der Kielerinnen und Kieler mit

ihrer Stadt genau richtig. Nutzen Sie den Tag des Denkmals

für eine kritische, aber wohlwollende Auseinandersetzung mit

ihrer Stadt. Ich biete Ihnen an diesem Tag an, mit mir durch die

Kieler Innenstadt zu streifen und zu diskutieren, wie wir dort mit

„unbequemen“ Denkmalen umgehen wollen (s. Programm – mit

Anmeldung!)

Ihr

Peter Todeskino

Bürgermeister


Programmübersicht

Ehemalige Festung Friedrichsort

Deichweg 20, Kiel-Friedrichsort

10.00 Uhr

Gottesdienst im Kabellager – Pastor Volker Landa

11.00-12.30 Uhr

Eröffnungsveranstaltung mit Frau Ministerin

Anke Spoorendonk

Weitere Redner unter anderem: Dr. Michael Paarmann

(Landeskonservator S-H), Wolfgang Röttgers (Kulturdezernent,

LH Kiel)

anschließend musikalischer Ausklang

12.30-14.00 Uhr

Mittagessen

13.00-18.00 Uhr

Führungen über das Gelände

Hinweise:

Detaillierte Ausführungen zum Programm sind der Einladung des

Landesamtes für Denkmalpflege zu entnehmen

Buslinien bis Friedrichsort 502, 91, Haltestelle „Brauner Berg“, Strandbus

Parkplätze begrenzt vorhanden

Für Mobilitätseingeschränkte bedingt geeignet

www.festung-friedrichsort.org

Bethlehemkirche

Möhrkestraße 9, Kiel-Friedrichsort

14.00-17.00 Uhr

Kirchencafe

und stündlich Führungen zur Kirche und Erläuterungen zur

aktuellen Sanierung

Hinweise:

ÖPNV: Buslinie 502, Haltestelle „An der Schanze“, Fördefähre F1 bis

Anleger „Friedrichsort“

Parkplätze vor der Kirche vorhanden

Für Mobiltitätseingeschränkte kann eine Rampe zum Eintritt in die Kirche

ausgelegt werden

www.bethlehem-kirche.de

Ehemaliges Marinelazarett, Kesselhaus im

Anscharpark

Heiligendammer Straße 15, Kiel-Wik

Führungen jeweils

um 11.30 Uhr, 13.30 Uhr und 15.30 Uhr,

Treffpunkt: vor dem Tor des Kesselhauses

Hinweise:

ÖPNV: Buslinien 32/33, 41/42, Haltestelle „Mercatorstraße“

Parkplätze sehr begrenzt in der Adalbert- und Weimarer Straße

vorhanden

Für Mobilitätseingeschränkte durch unebenes Straßenpflaster bedingt

geeignet

www.atelierhaus-im-anscharpark.de

Flandernbunker

Hindenburgufer 249, Kiel-Wik

13.00-17.00 Uhr

Jede halbe Stunde Führung durch den Bunker

Ausstellung Raffael Rheinsberg / Lilli Engel

Videos zum Kilian Bunker

Eintritt frei, Spende erwünscht

Hinweise:

ÖPNV: Buslinien 41/42, 32/33, Haltestelle „Mercatorstraße“

Parkplätze begrenzt in der Umgebung verfügbar

Für Mobilitätseingeschränkte ungeeignet

www.mahnmalkilian.de

Ehemaliger Wasserturm

Niebuhrstraße 5, Kiel-Ravensberg

11.00 Uhr

Kurzvortrag zur Geschichte des Wasserturmes und seiner

ursprünglichen Aufgabe – Herr Hamann

anschließend

Vorstellung des Umbaus zu einer Wohnanlage mit Einzelheiten

aus den Bauplänen sowie Visualisierungen – Iris Verena

Kolbe und Felix Winter (Architekturbüro Schnittger + Partner)


anschließend

Dokumentarfilm über den Wasserturm – Schüler des RBZ

anschließend

Besichtigung der Baustelle

für Personen ab 16 Jahren in geschlossener Gruppe und

in Begleitung des verantwortlichen Bauleiters oder des

Bauherren

14.00 Uhr und 16.00 Uhr

bei Bedarf Wiederholung der oben genannten Programmpunkte

Hinweise:

ÖPNV: Buslinien 11, 501/502, 900/901, Haltestelle „Hardenbergstraße“,

Buslinien 6, 91/92, Haltestelle „Rankestraße“

Parkplätze in der Umgebung nur sehr begrenzt vorhanden

Für Mobilitätseingeschränkte ungeeignet

Alter Botanischer Garten, Topfhaus

Schwanenweg 13/ Düsternbrooker Weg 17, Kiel-Mitte

11.00 Uhr

Vortrag zur Geschichte und Zukunft des Topfhauses durch

Herrn Prof. Dr. Krawczak und Herrn Prof. Dr. Lieb

mit Kaffeeausschank (Dauer ca. 45 Minuten)

ACHTUNG Treffpunkt: Institut für Epidemiologie,

Niemannsweg 11

Von dort aus im Anschluss eine kunst- und architekturhistorische

Führung durch den Alten Botanischen Garten zum

Topfhaus – Frau Wettig-Homm und Herrn Treichel

14.00 Uhr

Bei Bedarf Wiederholung der oben genannten Veranstaltung

Hinweise:

ÖPNV: Buslinien 41/42, Haltestelle „Kunsthalle“ oder „Schwanenweg“

Parkplätze in den gebührenpflichtigen Parkhäusern des UKSH und

begrenzt in der direkten Umgebung

Für Mobilitätseingeschränkte bedingt geeignet

Reste der Alten Langeschen Mühle

An der Holsatiamühle 8, Kiel-Dietrichsdorf

14.00 Uhr

Führung zum Gebäude durch Herrn Weißel und Herrn Eckhoff,

Investor und zukünftiger Betreiber der Wasserkraftanlage

(Dauer ca. 45 Minuten), Treffpunkt vor dem Eingang

Restaurant „Alte Mühle“

Hinweise:

ÖPNV: Buslinie 11, Haltestelle Wellingdorf,

Parkplätze begrenzt vorhanden

Für Mobilitätseingeschränkte ungeeignet

Industriemuseum Howaldt‘sche

Metallgießerei

Grenzstraße 1, Kiel-Neumühlen-Dietrichsdorf

11.00-17.00 Uhr

Tag der offenen Tür

Demonstration der Formherstellung mit anschließendem

Schauguss.

Kinder können selber Zinnfiguren gießen und Erwachsene

ihr persönliches Tierkreiszeichen. Auf Wunsch kann auch der

Kielfisch“ gegossen werden.

12.00 Uhr, 14.00 Uhr und 16.00 Uhr

Kurzführungen zur Architektur und baulichen Sanierung

Eintritt frei, Spenden erwünscht

Hinweise:

ÖPNV: Buslinie 11, Haltestelle „Grenzstraße“

Parkplätze neben dem Gebäude vorhanden

Für Mobilitätseingeschränkte geeignet

www.alte-giesserei-kiel.de

Stadtrundgang: „Neu für alt oder was?“

Kiel-Mitte

16.00-18.00 Uhr (nur mit Anmeldung)

Bürgermeister Todeskino führt durch die Kieler Innenstadt

und macht sich auf die Suche nach den „unbequemen“ Baudenkmälern

der Kieler City. Es wird anhand aktueller Entwicklungen

der Frage nachgegangen, wie Kiel mit dem baulichen

Nachkriegserbe umgehen soll. Haben Sie Antworten? Dann

diskutieren Sie mit.

Treffpunkt: Kaisertreppe am Hauptbahnhof Kiel

Anmeldung: bis 05.09.13 unter 0431/901-2626


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Altenholz

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Friedrichsort

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Marinelazarett

“Kesselhaus”

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Mönkeberg

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Kronshagen

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Botanischer

Garten

“Topfhaus”

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Industriemuseum

Howaldt´sche Metallgießerei

Neumühlen-

Dietrichsdorf

Alte Langesche Mühle

Schönkirchen

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Hasseldieksdamm

Stadtrundgang

Ellerbek

Wellingdorf

© LH Kiel, Kartographie 2013

Kreis Plön


Festung Friedrichsort

Deichweg 20, Kiel-Friedrichsort

Die Festung Friedrichsort ist die einzige, noch erhaltene Seefestung

Deutschlands aus dem 17. Jahrhundert und spiegelt

wie kaum ein anderes Bauwerk die wechselvolle Geschichte

Schleswig-Holsteins der letzten 350 Jahre wider: So wurde der

Ort zunächst von Dänen, Schweden, Schleswig-Holsteinern,

Preußen, später dann als Flüchtlingslager, von der Bundeswehr

und als Industriestandort genutzt.

Angelegt wurde die Festung „Christianspries“ 1632 von dem

dänischen König Christian IV. zum Schutz vor schwedischen

Angriffen an der schmalsten Stelle der Kieler Außenförde, dem

strategisch günstig gelegenen Gut Seekamp. 1637 fertig gestellt,

präsentierte sie sich als eine für den skandinavischen Raum typische

Anlage, die als unregelmäßiges Fünfeck mit drei seeseitigen

und zwei landseitigen Bastionen, grasbedeckten Wällen und

Gräben gestaltet war.

Während des Dreißigjährigen Krieges war die Festung zwischen

Schweden und Dänen schwer umkämpft und fiel 1643 zu Beginn

des Torstenssonkrieges an die Schweden, die diese bis 1645

als Flottenstützpunkt besetzt hielten. Nach dem Frieden von

Brömsebro wurde Christianspries wieder an Dänemark zurückgegeben.

Aus diplomatischen Gründen ließ Sohn und Nachfolger

Christian IV., Friedrich III., die Festung teilweise schleifen, um sie

in den Jahren 1663-1690 durch Baumeister Henrik Ruse größer

und kampfbereiter wieder aufzubauen. Seitdem tragen Festung

und Umgebung den Namen Friedrichsort.

Während der Napoleonischen Kriege unterlag die Festung

1813 ein zweites Mal den Schweden. Nach dem Kieler Frieden

1814 folgte eine Zeit der Nichtnutzung und des Verfalls, bis

Friedrichsort unter den Preußen zu einem bedeutenden Marinestützpunkt

ausgebaut wurde: Nahezu vollständig wurden die aus

dänischer Zeit stammenden Gebäude abgebrochen und auch die

Außenanlagen wurden für Kanonengeschütze verstärkt. 1869 und

1876 entstanden die mit Erdreich überdeckten Kasematten aus

gelbem Backstein, die bis heute als einzige Bauwerke erhalten

sind.

Im Zuge der Entfestigungsmaßnahmen nach dem 1. Weltkrieg

wurde der Nordwall abgetragen und mit dem gewonnenen

Erdreich die Wassergräben im Norden verfüllt. Ebenfalls legte

man die Kasematten frei. Bis zur Wiederaufrüstung der Stadt

Kiel als Reichskriegshafen 1935 wurde die Festung Friedrichsort

als Flüchtlingslager, Kindererholungsheim und Seesportschule

genutzt, wobei ab 1922 auch die Marine das Gelände teilweise

beanspruchte. Im Zweiten Weltkrieg diente Friedrichsort als

Flak-Stellung und als Unterkunft der deutschen Arbeitskompanien

und Zwangsarbeiter. In der Nachkriegszeit zunächst als Obdachlosenlager

„Alte Festung“ genutzt, übernahm von 1956–2006

wiederum die Bundeswehr das Gelände. In diese Zeit fällt sowohl

die Eintragung der Bastion als Baudenkmal in das Denkmalbuch

1966 als auch die Zerstörung des westlichen Walles 1972. 2006

endete die 350 jährige militärische Geschichte Friedrichsorts

durch den Verkauf der Bundeswehr an eine Eigentümergemeinschaft.

Heute lassen die dicht bewachsenen Hänge kaum noch den

militärischen Charakter der Anlage erkennen und nur wenige

Kieler sind sich der Existenz der Anlage bewusst. Der 2004

gegründete Verein „Freunde der Festung Friedrichsort“ hat es

sich daher als Ziel gesetzt, die Festungsanlage in ihrem jetzigen

Zustand zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bei Führungen, Veranstaltungen und mit Zeitzeugenbegegnungen

sowie mit der Lektüre des vom Verein im Jahr 2012 herausgegebenen

Buches «Die Festung Friedrichsort. Ostseegeschichte an

der Kieler Förde“ von Jann M. Witt kann die große landes- und

kulturhistorische Bedeutung der Anlage erlebt werden.

Für eine zukünftige Entwicklung der Anlage besitzt die Festung


Kastell Kopenhagen eine große Vorbildfunktion: Die nahezu

gleich alte und baugleiche Anlage, die wie Friedrichsort von

Henrik Ruse errichtet wurde, ist mit Stiftungsgeldern in Stand

gesetzt worden und präsentiert sich heute fast wie vor 350

Jahren. Trotz hochrangiger militärischer Nutzung ist sie öffentlich

zugängig und ein beliebtes touristisches Ausflugsziel.

Der Tag des Offenen Denkmals 2013, der unter dem Motto

„Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

steht, soll das Bewusstsein der Kieler Bürger für dieses national

bedeutsame, aber weitgehend unbekannte Denkmal wecken und

Anstoß für seine denkmalgerechte Wiederherstellung geben.

Bethlehem-Kirche

Möhrkestraße 9, Kiel-Friedrichsort

1875 wurde diese mit ca. 260 m² recht kleine Kirche zunächst

vermutlich als provisorische Garnisonskirche errichtet. Später

fand neben Militärangehörigen auch die Friedrichsorter Zivilbevölkerung

evangelischer und katholischer Konfession hier

dauerhaft Raum für Gottesdienste.

Von 1947 bis 1999 wurde die Kirche durch die evangelisch-lutherische

Gemeinde Friedrichsort genutzt. Seit 1999 ist das Gebäude

Eigentum des gemeinnützigen Vereins „Interessengemeinschaft

Bethlehem-Kirche Kiel-Friedrichsort e. V.“ und dient weiterhin für

Gottesdienste, aber auch als Saal für kulturelle Veranstaltungen

wie Konzerte.

Im Dezember 1988 wurde das Gebäude durch das Landesamt

für Denkmalschutz in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-

Holstein als besonderes Kulturdenkmal eingetragen.

Seit 1909, insbesondere in den Jahren 1933-1936, wurde

das Gebäude, insbesondere durch Renovierungen im Inneren,

gravierend verändert.

Der schlichte Fachwerkbau erhielt durch seine äußere Verschalung

die Bezeichnung „Holzkirche“. Der zweigeschossige Vorbau

dieser Saalkirche war ursprünglich nicht holzverschalt, das

Fachwerk ist auf alten Fotos, die vor 1909 aufgenommen wurden,

noch sichtbar.

Ein Dachreiter, in dem sich die Glocke befindet, bekrönt dieses

Eingangsbauwerk. Die 1973 als „Lärmschutz“ angebrachte

Verbretterung des Dachreiters ist im Jahr 2000 entfernt worden,

und eine Uhr, wie sie in der Entstehungszeit zu sehen war, ziert

wieder die Giebelseite.

Im Inneren der Kirche zeigt sich das offene Gesprenge des

Dachstuhls als raumgestaltendes Element. Kanzel, Gestühl und

Orgelempore sind Ausstattungsstücke aus der Entstehungszeit.

Noch aus der Vorgänger-Kirche in der Festung-Friedrichsort

stammt das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Abendmahlsgemälde

von 1714.

Ungewöhnlich an diesem kleinen Gotteshaus ist seine Ausrichtung:

entgegen kirchlicher Tradition ist der Eingang im Osten und

der Altar im Westen.

2005 nagten Würmer an Kanzel und Bänken, außerdem bildeten

sich auf der äußeren Verbretterung wegen einer ungeeigneten

Farbbeschichtung Blasen. 2006 bis 2009 wurde die schadhafte

Holzfassade der Kirche saniert, für 2013 ist die Dacherneuerung

geplant. Dank unterschiedlicher Förderer wie dem Landesamt für

Denkmalpflege, dem Denkmalfonds des Landes und der Deutschen

Stiftung Denkmalschutz und anderer konnten die notwendigen

Sanierungsarbeiten in Angriff genommen werden, besonders

wichtig ist aber auch eine kontinuierliche Spendenbereitschaft.


In dem Kesselhaus waren drei fest eingemauerte Dampfdoppelkessel

aufgestellt, Platz für eine Erweiterung um einen vierten

Kessel war eingeplant. Über unterirdische Kanäle wurden alle

Krankenhausgebäude des Marinelazaretts von diesem Gebäude

aus mit Fernwärme versorgt, nur die Wohngebäude an der

Adalbertstraße hatten eigene Heizungssysteme.

Der ursprünglich 35 m hohe Schornstein wurde in der Nachkriegszeit

auf den heutigen Zustand mit ca. 20 m Höhe gekürzt.

Das freitragende Dach mit einer offen liegenden Holzkonstruktion

ist im Mittelteil 9 m hoch, an den Seiten 6,75 m. An der südlichen

Gebäudeseite befand sich, durch eine feste Wand abgetrennt,

die Desinfektionsanstalt mit Desinfektionsapparat, Dusche und

Umkleide.

Ehemaliges Marine-Garnisonslazarett,

Kesselhaus

Heiligendammer Straße 15, Kiel-Wik

Das ehemalige Marine-Garnisonslazarett wurde 1903-1907 nach

den Plänen des Berliner Baurates Schwartzkopff in der damals

hochmodernen Pavillonbauweise errichtet. Inmitten einer parkartigen,

baumbestandenen Grünanlage mit einer streng geordneten

Wegeführung wurden die Krankenpavillons um Verwaltungs- und

Wirtschaftsgebäude, Gebäude für Beamte und den ärztlichen

Direktor, Operationsgebäude, Leichenhaus, Tierställe, so wie das

Maschinen- und Kesselhaus ergänzt. Am 25. August 1980 wurde

das Gelände mit seinen Gebäuden und prägenden Elementen wie

der Papierbirkenreihe unter Denkmalschutz gestellt.

Einige der Gebäude wurden mit der Zeit abgebrochen, einige sind

als Nachverdichtung für Wohnbebauung hinzugekommen. Ein

Rundgang durch das Gelände zeigt, welche Gebäude dringend

einer neuen Nutzung und Sanierung bedürfen, aber auch, wo

dieses bereits vorbildlich gelungen ist.

Heute steht das Kesselhaus als eine von zwei Teileinheiten auf

einem rd. 3.100 qm großen Grundstück, das sich im Eigentum der

Atelierhaus im Anscharpark GmbH und Co. KG befindet.

Das Kesselhaus bildet von seiner Lage und Erkennbarkeit her den

Auftakt für den geplanten Schleusenpark, der sich bis zum Kanal

hin entwickeln soll. Gleichzeitig stellt der gut sichtbare Schornstein

eine Verbindung zwischen dem Tirpitzhafen, dem denkmalgeschützten

Flandernbunker und dem Anschargelände her, wenn

man von Süden bzw. dem Hindenburgufer kommend den Spuren

der Kieler Stadtgeschichte folgt.

Im Kesselhaus sollen zukünftig Brennöfen für Keramik und

eine Druckwerkstatt stehen. Die Maschinenhalle bietet Raum

für Kunstaktionen und Ausstellungen. An der südlichen und

westlichen Gebäudeseite soll ein Cafe/Bistro die Besucher des

Anscharparks mit den schon lang ersehnten heißen und kalten

Getränken und kleinen Snacks versorgen. Im Cafebetrieb und im

künstlerischen Raum sollen Menschen mit Handicap Arbeitsbereiche

haben.

An dem südlichen Ende des eingefriedeten Geländes steht ein

markanter Turm, der Schornstein des ehemaligen Kesselhauses.


Flandernbunker

Hindenburgufer 249, Kiel-Wik

Der seit dem Jahr 2005 unter Denkmalschutz stehende

„Flandernbunker“ wurde während des Zweiten Weltkriegs

1943/44 als Truppenmannschaftsbunker „T 750“ (750 Personen)

für die Soldaten der 5. U-Boot-Flottille am Rande des Tirpitzhafens

als Hochbunker errichtet. Zudem diente er den Seestreitkräften

als Notfall-Kommandozentrale sowie als Nachrichtenzentrale

der Marine und der Flugmeldeabteilung West (Friedrichsort).

Der Bunker besitzt eine Grundfläche von 550 qm und ist mit

seinen drei Etagen 12,5 m hoch. Seine Wandstärke beträgt 2,5

m, die der Decke 3,7 m. Man betrat ihn durch die Eingänge an

der West- oder der Ostseite, die durch Druckluftschleusen und

Splitterschutzvorbauten geschützt waren. Im Inneren befindet

sich ein doppelläufiges Treppenhaus. Zahlreiche Innenwände sind

herausgebrochen.

Vom „Flandernbunker“ aus wurden Abwehrmaßnahmen bei

Luftangriffen sowie Polizei- und Feuerwehreinsätze im Kieler

Stadtgebiet koordiniert. Zugang zum Bunker besaßen zunächst

nur Marinesoldaten und eingeschränkt auch deren Angehörige.

Gegen Ende des Krieges wurde der Bunker auch für Zivilisten aus

der Umgebung geöffnet. Er wurde unter den Alliierten entfestigt

und wird- nach dem Abriss der denkmalgeschützten Ruine des

U-Bootbunkers „Kilian“- seit 2001 vom Verein Mahnmal Kilian als

Denk- Ort, Mahnmal und Museum betrieben.

Ehemaliger Wasserturm

Niebuhrstraße 5, Kiel-Ravensberg

1898 wurde der Wasserturm am Ravensberg, entworfen von

dem Stadtbaurat Rudolph Schmidt, seiner Nutzung übergeben.

Gedrungen und massig erinnert der Backsteinturm an mittelalterliche

Burg-, Stadt- und Befestigungstürme. Ende des 19. Jahrhunderts

gab es, bedingt durch das rasante Wachstum der Stadt

Kiel, einen kontinuierlich steigenden Bedarf an Trinkwasser. Die

sich täglich wiederholenden Versorgungsschwierigkeiten in den

oberen Stockwerken der Wohnhäuser erforderten zu dem bereits

bestehenden Wasserreservoir im Vieburger Gehölz ein zweites.

So wurde über dem 1886 erbauten Erdbehälter auf dem Ravensberg

der zweite Hochbehälter, der Wasserturm errichtet.

Er wurde nicht nur aus technischen Erfordernissen auf dem

höchsten Punkt im Norden der Stadt erbaut, sondern auch aus

ästhetischen:

„Da der Wasserturm inmitten eines voraussichtlich in einigen

Jahren bebauten Stadtteils auf einem Platze mit freiem Einblick

liegt, so ist derselbe... in einer für ein so monumentales Bauwerk

erforderlichen geschmackvollen Weise ausgebildet worden und

bedeutet einen weithin sichtbaren Schmuck unserer Stadt.“ (Der

Direktor der städtischen Gas- und Stadtwerke R. Rippig, 1898.)

Der bedeutende Stadtplaner Josef Stübben plante Anfang des

20. Jahrhunderts die als breiten Boulevard angelegte Esmarchstraße

als optische Verbindungsachse zwischen der 1872/73

gebauten Sternwarte und dem Wasserturm.

Wie die meisten der Ende des 19. Jahrhunderts errichteten


Wassertürme hat auch dieser einen so genannten Intze-Behälter.

Der Aachener Professor Intze entwickelte eine 1883 patentierte

Konstruktion, die bei dem Wasserturm am Ravensberg modifiziert

wurde: Der vorhandene Erdbehälter mit seinem verhältnismäßig

großen Durchmesser diente als Fundament des neuen Gebäudes.

Der neue obere Wasserbehälter musste daher nur als Ring und

nicht als geschlossene Konstruktion ausgebildet werden.

1976 wurde die äußere Backsteinfassade mit Helmaufsatz vom

Landesamt für Denkmalpflege in das Denkmalbuch des Landes

als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragen und

unter Denkmalschutz gestellt.

1990 wurde der Ringbehälter außer Betrieb genommen und eine

neue Nutzung gesucht. Bereits in dieser Zeit wurde Wohnen im

Turm diskutiert. Durch den Wegfall der Wasserlast in den Behältern

auf die Ringmauern kam es zu statischen Störungen.

2000 wurde der Turm an einen privaten Investor verkauft, der

in die Erhaltung des Industriedenkmals investierte. So wurde

der obere Ring saniert und das Dach neu mit Bitumen gedeckt.

Geplant war eine zukünftige Nutzung als internationale Begegnungsstätte,

das „Ostseeforum“, mit Kooperationspartnern des

gesamten Ostseeraums, aus den Bereichen Bildung, Kultur und

Wirtschaft mit Schwerpunkt Designforum und Designbörse. Da

wenig Resonanz aus der Politik erfolgte, gab der Eigentümer das

Projekt auf. Auch andere Nutzungsvarianten wurden projektiert,

aber nie in konkrete Planungen umgesetzt. Als Interimsnutzungen

fanden Theateraufführungen und Feste in dem einzigartigen

Raum statt.

2013 erwirbt die BPB Bauentwicklungsgesellschaft das Kulturdenkmal

als neue Eigentümerin und verfolgt die Umnutzung als

Wohnturm. Einerseits kann dadurch ein wichtiger, der technische

Aspekt des Wasserturmes als Symbol des technischen Fortschrittes

im neunzehnten Jahrhundert nicht erhalten bleiben: die Intze-

Konstruktion. Wasserbehälter, die hervorragende Stahldachkonstruktion

und natürlich der atemberaubende große Innenraum

gehen unwiederbringlich verloren. Einzig die verzierte, geradezu

romantisch wirkende Innentreppe wird in Einzelteile zerlegt als

Außentreppen wiederzufinden sein. Andererseits bleibt der Turm

auf Dauer als städtebauliche Landmarke, weit über die Kieler

Stadtgrenze sichtbar erhalten – und nur auf die Hülle erstreckt

sich der Denkmalschutz.

Alter Botanischer Garten, Topfhaus

Schwanenweg /Düsternbrooker Weg, Kiel-Mitte

Das ehemalige Gewächshaus, in seinem backsteinernen Kernbau

zusammen mit dem 1884/85 errichteten Botanischen Institut

entstanden, ist 31 Meter lang und 5 Meter tief. Es liegt südwestlich

des Aussichtspavillons und oberhalb des im Zweiten

Weltkrieg zerstörten Botanischen Instituts. Heute liegt dort das

1950/51 errichtete Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde

und nur noch der nördliche Hörsaalanbau des

Botanischen Instituts ist erhalten.

1929 wurde das Gewächshaus mit seinen südlichen Glashausanbauten

erweitert und nach seiner Wiedereröffnung 1947 sind

weitere neue Glashäuser überliefert: ein Kalthaus, ein Afrika-

Haus und ein Tropen- und ein Orchideenhaus 1 .

Von 1978-1984 wurden die Pflanzenbestände in den fünften, den

„Neuen Botanischen Garten“ auf den neuen Campus der

Christian-Albrechts-Universiät nördlich der Olshausenstraße

verlegt. 1984 erfolgte der Abriss der Glashäuser und nur der

backsteinerne Kernbau mit Gärtner- und Heizerwohnung, mit

Umtopfräumen sowie einem vollen Kellergeschoss blieben

1

Die Nachkriegsgeschichte dieser Gewächshausanlage wurde bisher

nicht weiter erforscht.


erhalten und wurden seitdem verschiedenen Nutzungen

zugeführt. Heute steht das Erdgeschoss des Topfhauses mit der

Wohnung leer. Durch einen Teil des Kellergeschosses verläuft

eine Fernwärmeleitung, die das Gebäude indirekt beheizt.

Außerdem befindet sich hier eine Energiezentrale für umliegende

Uniklinikgebäude.

Die preußischen Universitätsgebäude der Christian-Albrechts-

Universiät sind heute herausragende historische Dokumente der

nationalstaatlichen Entwicklung Preußens zum Deutschen

Kaiserreich in der Provinz Schleswig-Holstein. Alle erhaltenen

Gebäude, wie auch die zugehörigen Flächen des Alten Botanischen

Gartens und des Kieler Schlossgartens sind seit Anfang

der 1990er Jahre als besondere historische, künstlerische und

städtebauliche Denkmale in das Denkmalbuch des Landes

Schleswig-Holstein eingetragen.

Darüber hinaus ist das Topfhaus auch ein besonderes Denkmal

der schleswig-holsteinischen Botanikgeschichte: ausgehend von

der berühmten Gottorfer Gartenkultur im 17. Jahrhundert, über

die mittlerweile fünf verschiedenen Universitätslehrgärten des

17. bis 20. Jahrhunderts, von denen nur noch der Alte Botanische

Garten am Schwanenweg als Denkmal erhalten ist – stellt das

Topfhaus ein zentrales bauliches Element des Ensembles aus

mittlerweile denkmalpflegerisch gut saniertem Alten Botanischen

Garten mit Belvedere-Pavillon, dem zum Literaturhaus umgenutzten

Inspektorenhaus, sowie des seit drei Jahren instandgesetzten

und weiterentwickelten Kieler Schloßgarten dar. Der backstei -

nerne preußische Kernbau ist das letzte bauliche Zeugnis der

ehemals ausgedehnten Gewächshausanlage des Botanischen

Instituts der Christian-Albrechts-Universität. Dieses Gebäude in

seinem Bestand zu sichern und zu sanieren, stellt eine Aufgabe

dar, die die Kieler Universität nicht allein schultern kann. Eine

Förderung aus Denkmalpflegemitteln des Bundes könnte die

Mitfinanzierung des Landes für eine Grundinstandsetzung des

historischen Topfhauses initiieren. Dadurch würde eine universitäre

Folgenutzung des wertvollen Kulturdenkmals möglich, die

auch ein Zusammenwirken mit dem alteingesessenen Verein der

„Freunde des Alten Botanischen Gartens e.V.“ für öffentliche

kulturelle Nutzungen nicht ausschließt.

Reste der Langeschen Mühle mit den

Schwentinebrücken

An der Holsatiamühle 8, Kiel-Dietrichsdorf

Die Ursprünge der Siedlungen Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf

sind seit dem 13. Jahrhundert belegt. Bereits 1264 wird

eine neue Wassermühle am nördlichen Schwentineufer erwähnt.

1313 taucht im Kieler Rentebuch erstmals die Bezeichnung „Novi

Moledini“ auf und ab 1470 die Bezeichnung „tor Nyen molen“

(zur neuen Mühle), ins hochdeutsche übersetzt „Neumühlen“. Auf

der so genannten Varendorfschen Karte von 1789-1797 ist eine

Wegeführung über den Fluss im Bereich der Schwentineinseln

gut zu erkennen. Die Anlage von Wellingdorf als Straßendorf

sowie eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Siedlungen auf der

anderen Seite der Schwentine lassen einen stark frequentierten

Handelsweg vermuten.

1800 wird Landesbaumeister Johann Adam Richter vom dänischen

König Christian VII. beauftragt, eine Granitquaderbrücke

als Tonnengewölbe in Segmentbogenform zu bauen. Das Baujahr

ist auf dem Schlussstein an der Ostseite der ersten Brücke ablesbar,

auf dem Schlussstein an der Westseite ist noch schwach ein


verwittertes Königsmonogramm erkennbar. Die erste, südliche

Brücke ist circa 5,20 Meter breit, ihre Spannweite beträgt 7,35

Meter. Die zweite Brücke ist nach einem Aufmaß von 1997 zehn

Zentimeter breiter, sonst aber von gleicher Bauart und Spannweite.

Wie zu Ursprungszeiten ist die Fahrbahn mit Großgranit

gepflastert. Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts

ergänzen seitliche Fußwege die Brücken und verdecken die

eigentliche Bogenkonstruktion. Diese Fußgängerbrücken wurden

bei der Grundsanierung 2007-2008 ersetzt, so dass die Brücken

wieder erlebbar und das Verweilen dort, wie auch in der nahen

Umgebung, angenehm ist. Aus einem unbequemen, unansehnlichen

Denkmal ist mit Hilfe von öffentlichen Mitteln ein angenehmer

Ort geworden, an dem sich BürgerInnen und BesucherInnen

der Stadt gerne aufhalten. Seit 1993 stehen die Brücken unter

Denkmalschutz.

In der unmittelbaren nördlichen Umgebung befinden sich die

Reste der ehemaligen Langeschen Mühle von 1874. Heute sind

von dem ursprünglich sechsgeschossigen Backsteingebäude,

das in seiner Länge vom Nordufer bis über die Schwentineinsel

reichte, nur das Segmentbogentonnengewölbe, das quer im

Schwentinelauf steht, und die Nord-West Ecke des Erdgeschosses

erhalten geblieben.

Auf dem südlichen Ufer säumt eine Gruppe von Baudenkmalen

aus verschiedenen Zeitepochen die Zufahrt zu den Schwentinebrücken:

Das Gasthaus „Stadt Kiel“, Schönberger Straße 1, wurde vermutlich

um 1810 errichtet. Wegen fehlender Wirtschaftlichkeit wurde

die Abbruchgenehmigung durch die Stadt Kiel erteilt. Geplant ist

hier ein Neubau für Wohnungen.

Die ehemalige Wassermühle, Schönberger Straße 2, wurde 1799

vollendet. Heute wird das Gebäude zum Wohnen genutzt.

Die ehemalige Sparkasse, Schönberger Straße 3, wurde im Jahr

1927 von dem Kieler Architekten Theede erbaut und dient nach

dem Verkauf 2011 als Bürogebäude.

Industriemuseum Ehemalige Howaldtsche

Metallgießerei

Grenzstraße 1, Neumühlen - Dietrichsdorf

Heute genießt das Denkmal ehemalige Metall-Gießerei als

Museum in der Kieler Museumslandschaft eine hohe Akzeptanz.

Aber das war einst ganz anders. Im Jahre 1985 bestand

die Absicht, am Ende der Hörn ein „Museum für Industrie- und

Alltagskultur“ einzurichten. Hierfür sollte die ehemalige Metallgießerei

der Howaldtswerke abgetragen und gewissermaßen als

Glanzstück des künftigen Areals dort wieder aufgebaut werden.

Dagegen regte sich im Stadtteil erheblicher Widerstand. Nach

Jahren andauernden Streits stellte das Stadtmuseum 1991 fest,

“von einer Umsetzung [der Gießerei] wird Abstand genommen.“

Mittlerweile waren nämlich die Kosten für das Museum

exorbitant gestiegen, wurde der Standort Hörn verworfen und

eine hochgradige Schwermetallbelastung des Innenraumes der

Gießerei festgestellt. Nach dieser Entscheidung kündigte der Landeskonservator

an, die Gießerei unter Denkmalschutz zu stellen.

In einer ersten Stellungnahme legten die damaligen Hafen- und


Verkehrsbetriebe dagegen Widerspruch ein. Das Gelände läge

am Rande des im Bau befindlichen Ostuferhafens. Hier sei hafenorientiertes

Gewerbe vorgesehen. Die Gießerei lag zudem auf der

geplanten Trasse für die Einfahrt zum Hafen. In denselben Zeitraum

fällt die Entscheidung, die Fachhochschule Kiel im östlichen

Randbereich der ehemaligen Howaldtswerke anzusiedeln. Damit

ergab sich eine völlig neue Geschäftsgrundlage.

Die Metallgießerei wird 1884 nach Plänen von Semper-Schüler

Heinrich Moldenschardt (1839-1891) auf dem Gelände der „Kieler

Schiffswerft“ als Teil der eigenständigen Maschinenfabrik Gebrüder

Howaldt erbaut. Bereits zuvor, 1876, gründet und betreibt

Georg Howaldt am Nordufer der Schwentinemündung in der

Gemeinde Dietrichsdorf gelegen, seine Werft. 1889 fusionieren

beide Betriebe zur „Howaldtswerke“. Die Metallgießerei gehört

zur Frühphase der baulichen Entwicklung dieses Betriebes und ist

heute zugleich ein bedeutendes Denkmal für die Entwicklung der

Werftindustrie Kiels und ein Beispiel für qualitativ hochwertige

Industriearchitektur. Als zeittypischer Gelbklinkerbau mit roten

Ziersteinen und ausgewogener Fassadengliederung steht der Bau

exemplarisch für eine Fülle von Werftbauten gleicher Architektursprache

aus der Gründerzeit, nicht nur der Howaldtswerft,

sondern ehemals aller drei Großwerften auf dem Kieler Ostufer.

Durch Zerstörungen während des zweiten Weltkrieges, Niederlegung

oder Umbauten in der Nachkriegszeit ist, mit Ausnahme

dieser Gießerei, keiner der historischen Bauten mehr unverfälscht

erhalten. Sie ist damit auch ein Erinnerungszeichen an die

bewegte Werftvergangenheit.

Eine architektonische Besonderheit dieses Gebäudes ist der

nahezu quadratische Grundriss von 16 mal 17 Metern, über dem

sich aus einem flachgeneigten Pyramidendach, mit einem zur

Belüftung dienenden Laternenaufsatz, ursprünglich ein zylindrischer

hoher Mittelschornstein erhob. Heute ist dieser durch eine

Stahlkonstruktion nachempfunden. Im Hauptgeschoss befindet

sich unter dem offenen Dachstuhl heute wie früher der Gießsaal.

Das ehemalige Materiallager im Sockelgeschoss ist jetzt der

Eingangsbereich zum Museum.

Der professionelle Betrieb der Metallgießerei wird 1980

eingestellt. Seit 1968 war das Werk Dietrichsdorf Teil der HDW

(Howaldtswerke – Deutsche Werft AG). Anfang der 80er-Jahre

wird der Standort Dietrichsdorf aufgegeben, der Werftbetrieb auf

das HDW-Werk Kiel-Gaarden konzentriert. Seit dem 1.1.2013, im

Jahre des 175. Jubiläums, ist der Name Howaldt in Verbindung

mit der Werft nur noch Industriegeschichte. Thyssen Krupp Marine

Systems GmbH (TKMS) heißt die traditionsreiche Werft jetzt.

Neben Kiel gehören die Werften Emden, Hamburg und Karlskrona

(Schweden) zum Verbund. Lediglich in der Bezeichnung

des Gießerei-Museums wird der Name der Gründerväter künftig

allein der Nachwelt in Erinnerung bleiben. Auf dem früheren

Werftgelände in Kiel-Dietrichsdorf entsteht, wie eingangs bereits

erwähnt, in den Folgejahren der Kieler Ostuferhafen, in den

östlichen Randbereichen die Fachhochschule Kiel.

Mit Wirkung vom 30. April 1992 stellt das Landesamt für

Denkmalpflege Schleswig-Holstein die ehemalige Metallgießerei

unter Denkmalschutz. Ohne konkrete Nutzung verfällt das

Bauwerk aber zusehends. Um den Verfall zu stoppen, veranlasst

das Landesamt 1995 aus Eigenmitteln Sofort- und Sicherungsmaßnahmen.

Mit dem Ziel, das Kulturdenkmal der Nachwelt zu

erhalten und ein Museum zu betreiben, gründet sich 2003 der

Verein „Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei“. Selbiger

feierte im August sein 10-jähriges Bestehen. Zum 1. Januar

2005 übernimmt der Verein von der Landeshauptstadt Kiel in

einem Erbbauvertrag mit 15-jähriger Laufzeit die Immobilie. Mit

Hilfe von Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,

des Landesamtes für Denkmalpflege und des Förderprogramms

URBAN II der EU kann unter der Federführung des Architekturbüros

Krug + Schwinghammer bereits am 15. April 2005 mit der

Restaurierung begonnen werden. Zum 30. Internationalen Museumstag

am 20. Mai 2007 nimmt das Museum im Beisein des

damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen offiziell

seinen Betrieb auf.

Das Museum wird ehrenamtlich geführt und ist in der Saison

(Ende März bis Ende Oktober) jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr

geöffnet. Darüber hinaus finden zahlreiche Sonderveranstaltungen

statt. Gruppenführungen, auch in der Woche, sind nach

Vereinbarung möglich.


Impressum

Herausgeberin

Landeshauptstadt Kiel

Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt

Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation

Untere Denkmalschutzbehörde

Fleethörn 9

24103 Kiel

Tel.: (0431) 901-2635/2626

E-Mail: denkmalschutzbehoerde@kiel.de

Redaktion

Untere Denkmalschutzbehörde Kiel

Pressereferat

Kartografie

Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation

Titelbild/ Layout

pur.pur GmbH Visuelle Kommunikation

Fotonachweise

Bethlehemkirche: Gerd Schöneich

Alle anderen Fotos: Landeshauptstadt Kiel, Barbara Nachtigall

Titelbilder: Landeshauptstadt Kiel, Jessica Degen-Heuer,

Barbara Nachtigall

Texte

Festung Friedrichsort: Marén Gröschel

Bethlehemkirche: Volker Landa, Barbara Nachtigall

Kesselhaus: Kirstin Rupp, Barbara Nachtigall

Flandernbunker: Jens Rönnau

Wasserturm: Barbara Nachtigall

Topfhaus: Dr. Margita Meyer

Langesche Mühle: Jessica Degen-Heuer, Barbara Nachtigall

Howaldtsche Metallgießerei: Sönke Petersen

Druck

nndruck, Kiel

August 2013, 3000 Exemplare


www.kiel.de

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