Ein nicht perfekter Schutzschild - PTB

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Ein nicht perfekter Schutzschild - PTB

Dieser Prozess würde mehrere Tausend Jahre dauern,

während denen das Magnetfeld zunächst langsam abund

dann mit umgekehrter Richtung wieder aufgebaut

würde. Das weiß man aus Untersuchungen an Gesteinen

aus erstarrter Lava. Denn während des Abkühlens werden

in das Lavagestein die Richtung und die Stärke des

gerade vorherrschenden Magnetfeldes „eingebrannt“.

Damit konnten Forscher auch herausfinden, dass sich das

Magnetfeld der Erde in den letzten 30 Millionen Jahren

im Mittel alle 250 000 Jahre umgepolt hat – und dass die

letzte Umpolung bereits 780 000 Jahre zurückliegt. Die

nächste scheint also längst überfällig zu sein.

Es gibt ein weiteres Anzeichen für ein schwächelndes

Erdmagnetfeld: In vielen Regionen der Erde weicht

heute die Richtung einer Kompassnadel von der tatsächlichen

geografischen Nordrichtung stark ab, in manchen

Gegenden um bis zu 40 Grad. Das heißt, die nach dem

Kompass vermeintliche Nordrichtung ist dort in Wirklichkeit

die Nordost- oder Nordwestrichtung. Für Seefahrer

war es daher in den vergangenen Jahrhunderten äußerst

wichtig, Karten zur Verfügung zu haben, auf denen diese

Abweichungen – die sogenannten Deklinationen – verzeichnet

sind. Aus Gesteinsuntersuchungen weiß man,

dass die Deklination zum Zeitpunkt von Christi Geburt

bis auf wenige Ausnahmen in Polnähe nirgends größer

als 10 Grad war. Die heute zunehmende Deklination ist

vermutlich das Werk der Antidynamos im Erdkern, die

dem Hauptdynamo den Kampf angesagt haben. Wenn es

den Antidynamos gelingt, miteinander zu verschmelzen,

wird das Erdmagnetfeld umgepolt.

Die NASA hat übrigens das Bußgeld für die auf Esperance

Shire abgestürzten Skylab-Trümmer nie bezahlt. Das

wollte der Radiomoderator Scott Barley nicht auf den

USA sitzen lassen. Nachdem er im April 2009 die Hörer

seiner Morning-Show zu Geldspenden aufgerufen hatte,

bezahlte er das Bußgeld im Namen der NASA.

Mehr über die Umpolung:

Axel Tillemans

ernsthaft: V. Haak, M. Korte, I. Wardinski: Das ruhelose

Magnetfeld der Erde – Was wir über den Geodynamo wissen.

Sterne und Weltraum, Juni 2006. http://www.astronomie-heute.

de/artikel/848895&_z=798889

humorvoll: Maarten Keulemans: Exit Mundi. Die besten

Weltuntergänge. dtv. ISBN 978-3-423-34617-7

Doch ein Blick in die Vergangenheit fördert auch Beruhigendes

zutage: Das Magnetfeld der Erde war in den

vergangenen 50 000 Jahren nie so stark wie seit rund

3500 Jahren. Die derzeit beobachtete Abnahme des Feldes

geschieht also von einem sehr hohen Niveau aus. Und ein

Computermodell, mit dem Johannes Wicht vom Max-

Planck-Institut für Sonnensystemforschung die Vorgänge

im Erdkern nachgebildet hat, zeigt, dass das Auftauchen

von Antidynamos nichts Außergewöhnliches ist. Diese

nehmen wohl alle paar Tausend Jahre einen Anlauf zur

Umpolung des Erdmagnetfeldes. Doch nur in einem

Bruchteil der Fälle scheint ihnen dies zu gelingen.

Und selbst wenn die nächste Umpolung bald bevorstehen

und unser vom Dynamo im Erdkern erzeugter magnetischer

Schutzschild einige Tausend Jahre lang ausfallen

sollte, die Natur hält offenbar einen Plan B bereit.

Das hat der „Fernsehprofessor“ Harald Lesch von der

Universität München zusammen mit Kollegen in einem

Computermodell herausgefunden. Die Physiker gingen

in ihrer Simulationsrechnung von einem Totalausfall des

Erdmagnetfeldes aus. Und siehe da: Ausgerechnet der

Sonnenwind, der seit mehreren Milliarden Jahren versucht,

den Schutzschild der Erde zu überwinden, erzeugte

in der Ionosphäre, der elektrisch geladenen Schicht der

Erdatmosphäre, innerhalb von nur 15 Minuten einen neuen

magnetischen Schutzschild. Und der war fast genauso

stark wie das Original.

Gerade spektakulär schnell wandert zurzeit der magnetische

Nordpol. Über 500 Jahre lang hatte er sich am nördlichen Rand

des nordamerikanischen Kontinents aufgehalten, aber jetzt zieht

er mit 50 Kilometern pro Jahr in Richtung des geografischen

Pols und Sibiriens über die Polkappe. Ist diese rasante

Wanderung ein Anzeichen für eine bevorstehende Umpolung?

Die Wissenschaftler wissen es nicht. Die Karten zeigen die

Wanderungen der magnetischen (schwarz) und geomagnetischen

(rot) Pole auf der Nord- und Südhalbkugel in den Jahren zwischen

1590 und 2005 in Schritten von zehn Jahren. Der geomagnetische

Pol ist ein theoretischer (berechneter) Pol des Erdmagnetfeldes,

dem die Annahme zugrunde liegt, im Erdmittelpunkt befinde sich

ein Stabmagnet.

(Abb.: GFZ Deutsches GeoForschungsZentrum)

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