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Schülerheft 2012/2013 - Jugend und Bildung

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SCHÜLERHEFT <strong>2012</strong> | <strong>2013</strong><br />

Finanzen&Steuern<br />

Aktualisierte Auflage<br />

Gr<strong>und</strong>lagen der Haushalts-, Steuer- <strong>und</strong> Finanzpolitik<br />

Zukunft sichern<br />

Wachstum fördern<br />

Schulden abbauen


Inhaltsübersicht<br />

Zum Thema 1<br />

Themenbereich I:<br />

Um Steuern dreht sich mehr, als man denkt 2<br />

Einführung 2<br />

Steuerpolitik 4<br />

Steuersystem 6<br />

Steuergerechtigkeit 8<br />

Themenbereich II:<br />

Die Einnahmen des Staates – <strong>und</strong> wie der Staat mit seinen Finanzen plant 10<br />

Einkommensteuer 10<br />

Umsatzsteuer 12<br />

Unternehmenssteuern 13<br />

Der B<strong>und</strong>eshaushalt 14<br />

Themenbereich III:<br />

Was der Staat mit unseren Steuern macht 16<br />

Umweltpolitik 16<br />

Gesellschaftspolitik 18<br />

Familienpolitik 19<br />

Zukunft <strong>und</strong> Altersvorsorge 20<br />

Themenbereich IV:<br />

Über die Grenzen hinaus – Internationale Finanzpolitik <strong>und</strong><br />

die Europäische Währungsunion 22<br />

Internationale Zusammenarbeit 22<br />

Globalisierung 24<br />

Europäische Finanzpolitik 26<br />

Aktuelle Herausforderungen 28<br />

Herausgeber:<br />

Stiftung <strong>Jugend</strong> <strong>und</strong> <strong>Bildung</strong>, Berlin/Wiesbaden,<br />

in Zusammenarbeit mit dem B<strong>und</strong>esministerium<br />

der Finanzen (BMF), Berlin<br />

Fachliche Beratung:<br />

B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen<br />

Pädagogische Beratung:<br />

Dr. Eva-Maria Kabisch, Vorsitzende der Stiftung<br />

<strong>Jugend</strong> <strong>und</strong> <strong>Bildung</strong><br />

Redaktion: Eric Meyer, Charlotte Höhn<br />

Redaktionsschluss: September <strong>2012</strong><br />

Texte: Constanze Hacke, Köln<br />

Verlag:<br />

Universum Kommunikation <strong>und</strong> Medien AG, Wiesbaden<br />

Druck: echter Druck, Würzburg<br />

Herstellung: Manfred Morlok, Wiesbaden<br />

Gestaltung: Schimmelreiter, Wiesbaden<br />

Fotos: Fotolia (gesamtes Heft), S. 9: Ulf Hausmann (Foto)/<br />

ECOVIS (Bierdeckel), Rücken: Jörg Rüger / BMF<br />

Illustrationen: Sandra-Charlotte Hildebrandt<br />

Alle Rechte vorbehalten. Schulen können Exemplare in<br />

begrenztem Umfang bei der Universum Kommunikation <strong>und</strong><br />

Medien AG anfordern.<br />

© Universum Kommunikation <strong>und</strong> Medien AG, <strong>2012</strong><br />

Internet :<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanzministerium.de<br />

www.jugend-<strong>und</strong>-bildung.de


Zum Thema<br />

Um Steuern dreht sich mehr, als du denkst<br />

Auch, wenn du es vielleicht nicht jeden Tag bemerkst: Steuern<br />

<strong>und</strong> Abgaben begleiten uns täglich. Denn Steuern zahlt jeder<br />

Bürger, ob er arbeitet, einkauft oder verreist. B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong><br />

Gemeinden benötigen diese Einnahmen, denn sie finanzieren<br />

damit vielfältige Aufgaben für das Gemeinwesen – zum Beispiel<br />

soziale Sicherung, Verkehr, <strong>Bildung</strong> <strong>und</strong> vieles mehr.<br />

Wie sie das tun, sollte jeden interessieren, denn Finanzpolitik ist<br />

Gesellschaftspolitik: Sie entscheidet mit über Lebenschancen<br />

<strong>und</strong> erfüllt Aufgaben, die der Einzelne allein nicht lösen kann.<br />

Mehr noch: Ohne staatliche Einnahmen wäre das gesellschaftliche<br />

Miteinander, wie wir es heute kennen, nicht möglich.<br />

Wer unser Steuersystem verstehen will, sollte dabei nicht nur<br />

die verschiedenen Steuern, Gebühren oder Beiträge betrachten,<br />

sondern seinen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Steuern,<br />

öffentlichen Haushalten, Aufgabenwahrnehmung durch den<br />

Staat <strong>und</strong> auf politische Zielsetzungen, beispielsweise in der Sozial-,<br />

Familien-, <strong>Bildung</strong>s- oder Wirtschaftspolitik, lenken.<br />

• Welche Bedeutung haben Steuern für den Staat <strong>und</strong> die<br />

Bürgerinnen <strong>und</strong> Bürger?<br />

• Welche Steuerarten gibt es <strong>und</strong> wie werden die Steuereinnahmen<br />

auf B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong> Gemeinden verteilt?<br />

• Wie sind das Steuersystem <strong>und</strong> das System der sozialen<br />

Sicherung miteinander verknüpft?<br />

• Wie können Staat <strong>und</strong> Bürger den Umweltschutz positiv<br />

beeinflussen?<br />

• Welche Folgen hat eine hohe Staatsverschuldung <strong>und</strong><br />

welche Maßnahmen ergreift der Staat, um die Schulden<br />

abzubauen?<br />

• Wie funktioniert Finanzpolitik auf internationaler Ebene<br />

<strong>und</strong> welche Maßnahmen ergreift die Politik gegen die<br />

Finanzmarkt- <strong>und</strong> Staatsschuldenkrise?<br />

Antworten auf die vorstehenden Fragen gibt das geltende Steuer-<br />

<strong>und</strong> Abgabensystem. Es spiegelt dabei auch die Zielvorstellungen<br />

der politisch Verantwortlichen in unserem Staat wider.<br />

Das Ziel der derzeitigen B<strong>und</strong>esregierung ist es, Deutschland<br />

zukunftsfähig zu machen, indem sie den Staatshaushalt konsolidiert,<br />

Wachstum <strong>und</strong> Beschäftigung nachhaltig fördert, die<br />

Sozial versicherungssysteme langfristig sichert, in Familie, <strong>Bildung</strong><br />

<strong>und</strong> Forschung investiert <strong>und</strong> den Umweltschutz fördert.<br />

Aufgr<strong>und</strong> der Auswirkungen der Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise<br />

<strong>und</strong> auch durch die Staatsschuldenkrise in einigen europäischen<br />

Ländern im Jahr 2011 ist die Stabilisierung der Finanzmärkte<br />

<strong>und</strong> das Vorbeugen vor zukünftigen globalen Wirtschaftskrisen<br />

aktuell eine der größten Herausforderungen für die Finanz- <strong>und</strong><br />

Wirtschaftspolitik. Die Staaten stehen jetzt vor der Herausforderung,<br />

ihre Haushalte zu konsolidieren, zu stabilisieren <strong>und</strong> zukünftigen<br />

globalen Wirtschaftskrisen vorzubeugen.<br />

Die Staats- <strong>und</strong> Regierungschefs der EU-Länder haben daher<br />

konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Europäischen Wirtschafts-<br />

<strong>und</strong> Währungsunion auf den Weg gebracht.<br />

Der Globalisierungsprozess schreitet immer weiter voran <strong>und</strong><br />

damit nimmt die Verflechtung der einzelnen Volkswirtschaften<br />

weiter zu. Die finanziellen Entwicklungen auf den internationalen<br />

Finanzmärkten <strong>und</strong> die Weltwirtschaft werden daher genau<br />

beobachtet <strong>und</strong> analysiert. Auch bei der Steuerpolitik spielen<br />

diese Entwicklungen eine Rolle, da das deutsche Steuerrecht<br />

mit einer Vielzahl europäischer <strong>und</strong> internationaler Regelungen<br />

zusammenwirkt.<br />

Das Schülerheft Finanzen & Steuern vermittelt dir in vereinfachter<br />

Darstellung Gr<strong>und</strong>wissen über Haushalt, Steuern <strong>und</strong><br />

die Zusammenhänge in der globalisierten Finanzpolitik. Es<br />

widmet sich damit einem staatlichen Bereich, der jeden von<br />

uns betrifft.<br />

1


Einführung<br />

Ein Tag voller Steuern<br />

Es ist Freitag morgen, halb acht.<br />

Die 18-jährige Annalena wirft<br />

sich eine Jacke über,<br />

blättert noch<br />

einmal schnell<br />

im Mathe-Buch.<br />

Heute steht die letzte<br />

Mathe-Klausur an,<br />

<strong>und</strong> sie will davor noch<br />

mal schnell einen Blick<br />

reinwerfen, denn so richtig<br />

verstanden hat sie die Integralrechnung<br />

noch nicht.<br />

Aber jetzt muss sie sich wirklich<br />

beeilen, ihre Fre<strong>und</strong>in<br />

Mareike wartet schon draußen<br />

im Auto <strong>und</strong> hupt.<br />

„Mann, wo bleibst du denn? Wir müssen doch pünktlich zur<br />

Mathe-Klausur kommen!“<br />

„Ich bin ja schon da. Mensch, ich bin doch immer ein bisschen<br />

nervös vor den Mathe-Klausuren – was bin ich froh, wenn die<br />

vorbei ist.“<br />

Ein paar St<strong>und</strong>en später. Annalena <strong>und</strong> Mareike haben die Klausur<br />

gut hinter sich gebracht – die letzte wichtige Prüfung ist<br />

überstanden. Kurz sprechen die Fre<strong>und</strong>innen über die Aufgaben,<br />

doch dann plagt sie der Hunger.<br />

„Bis zum nächsten Kurs ist noch etwas Zeit. Lass uns jetzt<br />

irgendwo noch einen Kaffee <strong>und</strong> ein Brötchen besorgen!“<br />

„Oh ja, ich habe auch Hunger – <strong>und</strong> heute noch keinen Kaffee<br />

getrunken. Aber lass uns nicht zum Bäcker Wollmann gehen,<br />

der ist schon wieder teurer geworden. Und er behauptet doch<br />

allen Ernstes, das läge an den Steuern. So ein Quatsch. Enricos<br />

Café-Bar ist auch nicht weit. Und da gibt’s Latte Macchiato“, sagt<br />

Annalena.<br />

2


Um Steuern dreht sich mehr, als man denkt<br />

Einführung<br />

Kurz darauf unterhalten sich die beiden beim Kaffee. Samstag<br />

früh wollen die Fre<strong>und</strong>innen mit ihren Fre<strong>und</strong>en Tim <strong>und</strong> Paul<br />

nach Holland fahren, also sind sie recht entspannt.<br />

„Sag mal, musst du nicht noch tanken? Ich bräuchte nämlich<br />

auch noch eine Packung Zigaretten“, meint Annalena.<br />

„Aber du wolltest doch mit dem Rauchen schon lange aufhören,<br />

das kostet sowieso zu viel Geld“, erwidert Mareike.<br />

„Naja, ich rauche echt wenig <strong>und</strong> ich schaff’s auch sicher bald<br />

ganz aufzuhören“, sagt Annalena kleinlaut. „Hast schon Recht,<br />

das wird wirklich immer teurer …“<br />

Mareike nickt. „Na klar, das liegt auch daran, dass der Staat an<br />

deinen Zigaretten kräftig mitverdient. Da gibt’s nämlich die Tabaksteuer.“<br />

Am frühen Nachmittag tankt Mareike an der Tankstelle in der<br />

Innenstadt das Auto für den Holland-Trip voll . Annalena kauft<br />

derweil Zigaretten.<br />

„Hey Annalena, habt ihr Lust, nachher noch mit ins Kino zu kommen?<br />

Heute Abend läuft der neue Film mit Johnny Depp in der<br />

Preview im Cinemix-Kino.“ Malte, ein Mitschüler, steht hinter<br />

ihr in der Schlange zur Kasse. Kino als Auftakt zum Wochenende?<br />

Das klingt gut. Zumal sie sich das nach der schwierigen<br />

Mathearbeit echt verdient haben.<br />

„Klar, da kommen wir gern mit. Aber sag mal, ist das Cinemix<br />

nicht ziemlich teuer? Wir können doch mal gucken, was in den<br />

anderen Kinos so läuft“, sagt Annalena.<br />

„Sicher, das können wir machen. Aber freitags ist Kino halt immer<br />

recht teuer.“<br />

Ganz gleich, wofür die <strong>Jugend</strong>lichen sich entscheiden, eines ist sicher: Sie haben<br />

den ganzen Tag dazu beigetragen, die Haushaltskassen des Staates zu füllen.<br />

Denn von fast allem, was wir Tag für Tag kaufen, bekommt auch der Staat<br />

einen Teil ab – durch unterschiedliche Steuern:<br />

In der Café-Bar von Enrico zahlen die Fre<strong>und</strong>innen für die belegten Brötchen<br />

Umsatzsteuer – auch Mehrwertsteuer genannt (> mehr auf<br />

Seite 12) – sowie Kaffeesteuer, die sich indirekt im Preis für die zwei<br />

Gläser Latte Macchiato niederschlägt.<br />

An der Tankstelle bezahlt Mareike die Tankrechnung, in der erneut<br />

Umsatzsteuer <strong>und</strong> zudem Energiesteuer enthalten sind. Annalena<br />

muss für ihre Zigaretten Umsatzsteuer <strong>und</strong> Tabaksteuer<br />

zahlen, die im Preis enthalten sind. Auch im Fall der Eintrittskarten<br />

für das Kino ist die Mehrwertsteuer bereits<br />

eingerechnet.<br />

Vier verschiedene Steuerarten an einem Tag – <strong>und</strong><br />

der ist noch nicht zu Ende. Es gibt ganz schön viele<br />

verschiedene Gelegenheiten, in denen wir alle täglich<br />

dazu beitragen, dass Geld in die Haushaltskasse des<br />

Staates fließt.<br />

Doch zahlen wir Bürger etwa täglich Geld an den Staat,<br />

ohne Gegenleistungen zu erhalten? Keineswegs: Unsere<br />

Steuergelder braucht der Staat, um Leistungen<br />

für das Gemeinwesen zu finanzieren. Darunter<br />

fallen Leistungen, die jeder Bürger in Anspruch<br />

nehmen kann – etwa den Schutz<br />

durch die Polizei, die Bereitstellung<br />

öffentlicher Verkehrswege oder soziale<br />

Fürsorge. Oder auch öffentliche<br />

Einrichtungen, die jedem zur<br />

Verfügung stehen, wie Schulen,<br />

Sportstätten, Schwimmbäder, Museen<br />

<strong>und</strong> Ausstellungen. Steuern<br />

gehen dabei an B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong><br />

Gemeinden – je nachdem, um welche<br />

Steuerarten es sich handelt<br />

( > mehr ab Seite 6).


Steuerpolitik<br />

An heute <strong>und</strong> morgen denken<br />

Du stehst an der Supermarktkasse in der Schlange. Als der K<strong>und</strong>e vor dir zahlt, fragt<br />

ihn die Kassiererin, ob er mit dem Einkauf zufrieden gewesen sei. Er nickt. Dann fragt<br />

die Kassiererin ihn, ob er denn nun die Mehrwertsteuer zahlen – oder ob er darauf<br />

verzichten wolle. Der Mann schaut sie ziemlich verw<strong>und</strong>ert an.<br />

Solch eine Situation wirst du sicherlich nie im Supermarkt erleben. Denn das Steuersystem<br />

in Deutschland funktioniert nicht nach dem Wunschprinzip.<br />

Was sind Steuern?<br />

Steuern sind Abgaben, die jeder zahlen muss – die Bürger, aber<br />

auch Unternehmen. Der Gesetzgeber muss genau festlegen,<br />

wann welche Steuer anfällt. Es gibt unterschiedliche Steuern, die<br />

alle der Erzielung von Einnahmen dienen. Sie sind für den Staat<br />

sehr wichtig, denn sie ermöglichen ihm, eine Vielzahl staatlicher<br />

Leistungen bereitzustellen, die der Allgemeinheit <strong>und</strong> damit jedem<br />

Einzelnen von uns zu Gute kommen. Staatliches Handeln<br />

muss planbar sein, <strong>und</strong> für diese mittel- <strong>und</strong> langfristige Planungssicherheit<br />

benötigt der Staat regelmäßige Einnahmen.<br />

Die Steuereinnahmen wandern unabhängig davon, worauf sie<br />

erhoben werden, in die Haushalte von B<strong>und</strong>, Ländern <strong>und</strong> Kommunen<br />

(> mehr auf den Seiten 6/7 <strong>und</strong> ab Seite 14). Der Steuerzahler<br />

hat aber keinen Anspruch darauf, dass zum Beispiel<br />

mit den Einnahmen aus der Kraftfahrzeugsteuer (KraftSt) die<br />

Autobahn, die er täglich benutzt, repariert wird. Umgekehrt muss<br />

ein Bürger, der nie Auto fährt, aber auch keine Energiesteuer<br />

für das Benzin bezahlen. In einem demokratischen Rechtsstaat<br />

ist die Erhebung einer Steuer immer an die Verwirklichung<br />

eines bestimmten Sachverhalts geb<strong>und</strong>en. Weil es sich dabei<br />

um einen staatlichen Eingriff handelt, werden Steuern nur auf<br />

gesetzlicher Gr<strong>und</strong>lage erhoben.<br />

Warum Steuern?<br />

Warum aber müssen wir alle Steuern zahlen – <strong>und</strong> dann auch<br />

noch so viele verschiedene? Steuern schaffen die finanzielle<br />

Gr<strong>und</strong>lage eines Staates. Sie verschaffen dem Staat Geld, damit<br />

er Aufgaben für die Allgemeinheit erfüllen kann. Denn in<br />

einem Gemeinwesen gibt es viele Aufgaben, die ein Einzelner<br />

allein nicht tragen kann <strong>und</strong> auch nicht tragen sollte. Dazu zählen<br />

öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten <strong>und</strong><br />

Krankenhäuser genauso wie die Justiz, der Straßenverkehr oder<br />

der Schutz der Umwelt. Außerdem versucht der Staat, innerhalb<br />

der Gesellschaft soziale Unterschiede auszugleichen <strong>und</strong><br />

unterstützt beispielsweise arbeitslose Bürger finanziell. Für all<br />

das benötigt der Staat Geld – <strong>und</strong> Steuern sind hier die größte<br />

Einnahmequelle: 2011 nahmen B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong> Gemeinden<br />

insgesamt 573,4 Milliarden Euro Steuern ein (> Tabelle).<br />

Steuereinnahmen 2011 in Mio. Euro<br />

Steuerart*<br />

Betrag<br />

Gemeinschaftliche Steuern insgesamt 403.567<br />

B<strong>und</strong>essteuern insgesamt 99.134<br />

Ländersteuern insgesamt 13.096<br />

Gemeindesteuern insgesamt 52.984<br />

Steuereinnahmen insgesamt** 573.400<br />

* > mehr auf Seite 7<br />

** inklusive Zolleinnahmen<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen, August <strong>2012</strong><br />

Gerecht besteuern<br />

Eine faire <strong>und</strong> gerechte Steuerpolitik zielt darauf ab, alle Bevöl -<br />

kerungsgruppen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit<br />

zur Steuerzahlung heranzuziehen. Das bedeutet, dass<br />

Menschen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen,<br />

keine oder nur geringe Steuern zahlen müssen. Menschen mit<br />

einem höheren Einkommen werden hingegen stärker belastet.<br />

Menschen, deren Jahreseinkommen unterhalb des so genannten<br />

Existenzminimums liegt, brauchen keine Einkommensteuer<br />

zu zahlen (> mehr ab Seite 10). Das ist sozial <strong>und</strong><br />

gerecht, denn wer mehr hat, ist auch in der Lage, mehr abzugeben.<br />

Das heißt allerdings auch, dass Menschen, die sich in der gleichen<br />

wirtschaftlichen Lage befinden, gleich belastet werden. Dabei ist<br />

das monatliche Einkommen alleine nicht ausschlaggebend. Auch<br />

die persönlichen Umstände müssen vergleichbar sein. Ein Single<br />

mit einem Bruttomonatseinkommen von 3.000 Euro wird steuerlich<br />

höher belastet als beispielsweise ein Vater von zwei minderjährigen<br />

Kindern, der das gleiche Monatsgehalt bekommt. Mit<br />

dem so genannten Familienleistungsausgleich sorgt der Staat<br />

dafür, dass die Kinder durch Kindergeld oder steuerliche Freibeträge<br />

bei der Besteuerung der Familie berücksichtigt werden<br />

(> mehr auf Seite 19).<br />

4


Um Steuern dreht sich mehr, als man denkt<br />

Steuerpolitik<br />

Um Familien mit Kindern zu unterstützen, fördert der Staat beispielsweise<br />

die Kinderbetreuung, etwa durch die Absetzbarkeit<br />

der Betreuungskosten.<br />

Zu den Prinzipien einer fairen <strong>und</strong> gerechten Steuerpolitik zählt<br />

darüber hinaus, dass der Staat von allen Leistungsfähigen<br />

einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Staatsaufgaben<br />

einfordert <strong>und</strong> Missbrauch, Betrug <strong>und</strong> Steuerhinterziehung<br />

konsequent bekämpft.<br />

Steuern früher <strong>und</strong> heute<br />

Der Staat braucht Geld. Seit Menschen in Gemeinschaften zusammenleben,<br />

sind Abgaben nötig, um das Gemeinwesen finanzieren<br />

zu können. Ein wichtiges Kriterium dabei ist allerdings,<br />

wie der Staat festlegt, wer mit welchen Steuern belastet wird<br />

<strong>und</strong> warum. Denn früher waren es unter anderem auch finanzielle<br />

Nöte, die dazu führten, dass Steuern erhoben wurden – etwa<br />

zu Kriegszeiten. Über eine gerechte <strong>und</strong> ausbalancierte Steuerpolitik<br />

macht man sich erst seit der Aufklärung im 18. Jahrh<strong>und</strong>ert<br />

ernsthafte Gedanken. Im römischen „Staat“ beispielsweise<br />

wurden Landpächter nicht nach dem besteuert, was sie tatsächlich<br />

aus ihrem Boden erwirtschaftet hatten.<br />

Steuerquote <strong>und</strong> Abgabenquote<br />

Neben Steuern werden auch weitere Abgaben erhoben, zum<br />

Beispiel die Sozialversicherungsbeiträge zur Finanzierung der<br />

Sozialsysteme (> mehr auf Seite 18). Die Steuerquote selbst ist<br />

relativ gering. In den skandinavischen Ländern dagegen wird<br />

das soziale Sicherungsnetz fast vollständig über das Steuersystem<br />

getragen. Werden Steuern <strong>und</strong> Sozialversicherungsbeiträge<br />

zusammengefasst, spricht man von der Abgabenquote.<br />

Abgabenquoten*<br />

im Internationalen Vergleich 2010<br />

in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt<br />

Dänemark 48,2<br />

Schweden 45,8<br />

Italien 43,0<br />

Belgien 43,8<br />

Finnland 42,1<br />

Österreich 42,0<br />

Frankreich 42,9<br />

Deutschland 36,3<br />

Tschechische Republik 34,9<br />

Vereinigtes Königreich 35,0<br />

Spanien 31,7<br />

Schweiz 29,8<br />

Griechenland 30,9<br />

Irland 28,0<br />

* Den Abgabenquoten der einzelnen Länder stehen unterschiedliche<br />

Leistungspakete gegenüber. Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen,<br />

Monatsbericht September <strong>2012</strong><br />

Weiter klicken<br />

Die Broschüre „Die<br />

wichtigsten Steuern<br />

im internationalen<br />

Vergleich 2011“ sowie<br />

den Subventionsbericht<br />

der B<strong>und</strong>esregierung<br />

mit einem Überblick<br />

zur Entwicklung<br />

von Finanzhilfen <strong>und</strong><br />

Steuervergünstigungen<br />

gibt es zum<br />

Download unter<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanz<br />

ministerium.de ><br />

Service > Publikationen<br />

> Broschüren<br />

Gut zu wissen ...<br />

Diskussion: Wie viel Staat<br />

können wir uns leisten?<br />

KURIOSE Steuern<br />

Beim Thema Steuern waren die Regierenden<br />

früher groß an Erfindungsreichtum: „Pecunia<br />

non olet“ – Geld stinkt nicht. So begründete<br />

Kaiser Vespasian seine Steuer auf öffentliche<br />

Toiletten.<br />

Zar Peter der Große hinterließ kuriose Steuern<br />

auf Bärte, Mützen <strong>und</strong> Stiefel. Dem Zaren<br />

ging es dabei dennoch um politische Motive.<br />

Er wollte sein Volk näher an den westlichen<br />

Lebensstil heranführen <strong>und</strong> fand, dass seine<br />

Bürger ohne Bart einfach kultivierter <strong>und</strong> europäischer<br />

aussahen.<br />

Unter den Landesfürsten des Absolutismus<br />

wurden Lux ussteuern eingeführt. So gab es<br />

Fenster-, Türen- <strong>und</strong> Kaminsteuern; Perücken,<br />

Haarpuder oder auch Silbergeschirr wurden<br />

besteuert. Die Besteuerung dieser Güter beruhte<br />

vor allem auf der Tatsache, dass eine<br />

Einkommensbesteuerung im heutigen Sinn<br />

noch nicht möglich war. Also hielt man sich an<br />

das, was man sah – <strong>und</strong> besteuerte es.<br />

Inwieweit soll der Staat für seine Bürger sorgen <strong>und</strong> inwieweit sollte jeder Einzelne<br />

auch eigenverantwortlich zu seiner sozialen <strong>und</strong> finanziellen Absicherung<br />

beitragen?<br />

PRO „R<strong>und</strong>um-sorglos-Paket“ des Staates:<br />

• Es ist eine Hauptaufgabe des Staates, die soziale <strong>und</strong> finanzielle Absicherung<br />

seiner Bürger zu gewährleisten. Bevor hier gespart wird, sollte an anderer<br />

Stelle gespart werden.<br />

• Menschen, die nicht in der Lage sind, sich selbst langfristig abzusichern, dürfen<br />

nicht zu den Verlierern der Gesellschaft werden.<br />

PRO Eigeninitiative:<br />

• Der Staat kann die Sozialausgaben nicht grenzenlos über steigende Steuern<br />

abdecken. Auch die Beiträge von Arbeitnehmern <strong>und</strong> Arbeitgebern reichen<br />

schon längere Zeit nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Der Staat kann<br />

daher nur eine Mindestabsicherung gewährleisten. Den Rest muss der Einzelne<br />

selbst leisten.<br />

• Der Staat gibt bereits einen großen Teil der Steuereinnahmen für das Arbeitslosengeld<br />

II <strong>und</strong> die Rentenkasse aus. Auf den einzelnen Einwohner gerechnet,<br />

beläuft sich die Staatsverschuldung inzwischen auf mehr als 20.000 Euro.<br />

Der Staat kann sich nicht immer weiter verschulden, da dies kommende Generationen<br />

übermäßig belasten wird.<br />

Weiter denken<br />

Wird in Deutschland<br />

fair besteuert? Teilt<br />

die Klasse in zwei<br />

Gruppen auf. Die eine<br />

Hälfte nimmt die Rolle<br />

von Spitzenverdienern<br />

ein (laut Steuerrecht<br />

ab r<strong>und</strong> 250.000<br />

Euro Jahresgehalt);<br />

die andere Hälfte<br />

argumentiert aus<br />

Sicht von Bürgern mit<br />

niedrigem Einkommen<br />

(unter 30.000 Euro<br />

im Jahr). Sammelt<br />

Pro- <strong>und</strong> Kontra-Argumente<br />

<strong>und</strong> diskutiert<br />

mit Vertretern beider<br />

Gruppen in einer<br />

Podiumsdiskussion.<br />

5


Steuersystem<br />

Wie der Staat Geld einnimmt<br />

Vielleicht hast du schon einmal einen Blick auf eine Gehaltsabrechnung werfen können:<br />

Darauf erkennt man sofort, dass Steuern <strong>und</strong> Sozialabgaben vom Lohn oder<br />

Gehalt abgezogen werden. Der Arbeitgeber behält die Lohnsteuer monatlich ein <strong>und</strong><br />

überweist sie an das Finanzamt. Sie stellt eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer<br />

dar <strong>und</strong> wird bei der vom Finanzamt durchgeführten Einkommensteuerveranlagung<br />

angerechnet. Wurde zu viel vorabgezahlt, gibt es Geld zurück. Ist der im Lohnsteuerabzugsverfahren<br />

vorabgezahlte Steuerbetrag zu gering – weil etwa neben dem<br />

Arbeitslohn noch andere Einkünfte vorlagen – wird eine Nachzahlung fällig. Diese ist<br />

von Steuerpflichtigen dann direkt an das Finanzamt zu zahlen. Die Einkommensteuer<br />

gehört deswegen zu den so genannten direkten Steuern. Das sind Steuern, die der<br />

Steuerpflichtige direkt an den Staat abführt.<br />

Steuerarten<br />

Im Gegensatz zu direkten Steuern gibt es auch indirekte Steuern.<br />

Die bekommt der Staat nicht direkt von den Bürgern, sondern<br />

auf Umwegen. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Umsatzsteuer:<br />

Der Kioskbesitzer, der dir eine Cola verkauft, muss<br />

zwar die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Er ist aber<br />

letztlich nicht dadurch belastet, weil du beim Kauf bereits die<br />

Mehrwertsteuer bezahlt hast – im Preis für die Cola. Auch Verbrauchsteuern<br />

wie die Energiesteuer, die Tabaksteuer oder die<br />

Kaffeesteuer sind indirekte Steuern.<br />

Der Name Verbrauchsteuer wiederum zeigt, dass es noch andere<br />

Möglichkeiten gibt, Steuern einzuteilen. Bei direkten <strong>und</strong> indirekten<br />

Steuern unterscheidet man danach, auf welchem Weg die<br />

Steuern gezahlt werden. Bei Besitzsteuern, Verkehrsteuern <strong>und</strong><br />

Verbrauchsteuern richtet sich die Einteilung nach den Gütern,<br />

die besteuert werden. Besitzsteuern werden auf Einkommen,<br />

Ertrag oder Vermögen erhoben. Verkehrsteuern sind Steuern,<br />

die an einen rechtlichen oder wirtschaftlichen Vorgang, zum Beispiel<br />

den Kauf eines Gr<strong>und</strong>stücks anknüpfen. Verbrauchsteuern<br />

belasten den Verbrauch oder Gebrauch bestimmter Waren.<br />

Mit r<strong>und</strong> 30 verschiedenen Steuerarten finanzieren wir Bürger<br />

unser gesellschaftliches <strong>und</strong> politisches Gemeinwesen. Die Einnahmen<br />

aus den einzelnen Steuern sind ganz unterschiedlich,<br />

die Umsatzsteuer – in der Umgangssprache auch Mehrwertsteuer<br />

genannt – ist jedoch die größte Einnahmequelle des Fiskus<br />

(> mehr auf Seite 12).<br />

Aufgaben auf drei Ebenen<br />

Deutschland ist ein föderal aufgebauter Staat. Das heißt: Die<br />

drei Ebenen B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong> Gemeinden, auch Gebietskörperschaften<br />

genannt, haben jeweils bestimmte Aufgaben zu erfüllen.<br />

Dafür benötigt jede Gebietskörperschaft ihren Anteil an<br />

den Steuereinnahmen. Das Gr<strong>und</strong>gesetz (GG) bestimmt in den<br />

Artikeln 104a bis 108 über die Finanzen des Staates. Dieser<br />

Abschnitt ist auch bekannt als Finanzverfassung. Wer Steuern<br />

einführen, abschaffen oder verändern darf, hat für diesen Bereich<br />

die Gesetzgebungskompetenz (Artikel 105 GG). Die Einnahmen<br />

aus bestimmten Steuerarten müssen B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong><br />

Gemeinden untereinander aufteilen (gemeinschaftliche Steuern).<br />

Das Aufkommen der anderen Steuerarten steht jeweils<br />

einer Gebietskörperschaft allein zu. Wer welche Steuern bekommt,<br />

steht ebenfalls im Gr<strong>und</strong>gesetz (Artikel 106 GG) <strong>und</strong><br />

wird als Ertragskompetenz bezeichnet. So bekommt der B<strong>und</strong><br />

zum Beispiel die Erträge aus der Energie- <strong>und</strong> der Kraftfahrzeugsteuer.<br />

Den B<strong>und</strong>esländern stehen beispielsweise die Einnahmen<br />

aus der Erbschaftsteuer <strong>und</strong> der Gr<strong>und</strong>erwerbsteuer<br />

zu; sie verwalten diese Steuern auch selbstständig. Die Gemeinden<br />

haben unter anderem die Gr<strong>und</strong>steuer <strong>und</strong> die H<strong>und</strong>esteuer<br />

für sich. Und die Gemeinschaftsteuern – Einkommen-, Körperschaft-<br />

<strong>und</strong> Umsatzsteuer – teilen sich B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong> Gemeinden<br />

nach einem Verteilungsschlüssel untereinander auf.<br />

Steuerpolitische Zielsetzungen<br />

Sicher hast du schon öfter mitbekommen, dass Steueränder<br />

ungen nicht immer auf Zustimmung stoßen. Vielleicht haben<br />

sich auch deine Eltern schon über diese oder jene Änderung<br />

geärgert. Denn Steuern zahlen, das bedeutet immer, einen Teil<br />

seines Einkommens an den Staat abgeben zu müssen.<br />

In Politik <strong>und</strong> Gesellschaft gibt es häufig unterschiedliche Ansichten<br />

darüber, wie angestrebte Ziele erreicht werden können.<br />

Dazu gehört natürlich, genug Geld zur Verfügung zu haben, um<br />

die öffentlichen Aufgaben auch erfüllen zu können. Dazu zählt<br />

aber auch, politische Ziele zu erreichen – zum Beispiel Arbeitslosigkeit<br />

abzubauen, <strong>Bildung</strong>spolitik zukunftsfähig zu gestalten<br />

oder den Klima- <strong>und</strong> Umweltschutz zu fördern.<br />

Die zur Abmilderung der weltweiten Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise<br />

(> mehr ab Seite 24) eingeleiteten finanzpolitischen Maßnahmen<br />

waren notwendig <strong>und</strong> halfen den Bürgern <strong>und</strong> der Wirtschaft,<br />

die unmittelbaren Krisenfolgen besser zu verkraften. Die<br />

Kehrseite solcher Stützungsprogramme <strong>und</strong> steuerlichen Entlastungen<br />

ist aber ein deutlicher Anstieg staatlicher Schuldenstände.<br />

Die B<strong>und</strong>esregierung hat sich daher das Ziel gesetzt,<br />

finanziellen Spielraum zurückzugewinnen <strong>und</strong> den Haushalt<br />

dauerhaft zu sanieren. Denn um Politik aktiv gestalten zu können,<br />

benötigt der Staat finanzielle Mittel. Und Teil einer nachhaltigen<br />

Haushaltspolitik ist ein zukunftsfähiges Steuersystem.<br />

6


Um Steuern dreht sich mehr, als man denkt<br />

Steuersystem<br />

Gut zu wissen ...<br />

Die Politik muss dabei Einnahmen sichern, die garantieren, dass<br />

Staatsschulden abgebaut werden <strong>und</strong> gleichzeitig Wirtschaftswachstum<br />

gefördert wird.<br />

Mit Steuern Verhalten lenken?<br />

Lenkungssteuern sind Steuerarten, mit denen der Staat ein gewünschtes<br />

Verhalten belohnt oder ein unerwünschtes Verhalten<br />

finanziell belastet. Eine relativ neue Steuer ist die Alkopopsteuer.<br />

Durch sie wurden Alkopop-Getränke teurer – mit dem Ziel, dass<br />

<strong>Jugend</strong>liche darauf verzichten. Umgekehrt gibt es bei manchen<br />

Steuerarten Ausnahmen <strong>und</strong> Vergünstigungen, um die Steuerzahler<br />

zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren – wie etwa<br />

im Fall der Stromsteuer: Wenn man Strom bezieht, der zu 100<br />

Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen <strong>und</strong> aus<br />

Netzen oder Leitungen entnommen wird, die ausschließlich mit<br />

Strom aus solchen Energieträgern gespeist werden („Ökostromnetz“),<br />

beinhaltet der Strompreis des Stromanbieters keine<br />

Stromsteuer.<br />

Subventionen über das Steuersystem<br />

Zu Subventionen zählen nicht nur direkte finanzielle Hilfen für<br />

bestimmte Branchen, sondern auch Steuervergünstigungen. Im<br />

deutschen Steuersystem gibt es zahlreiche Vergünstigungen,<br />

zum Beispiel den ermäßigten Umsatzsteuersatz für Güter des<br />

täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel <strong>und</strong> für kulturelle Leistungen,<br />

Steuererleichterungen für Handwerkerdienste oder die<br />

steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge. Vor einigen<br />

Jahren hat sich die Politik subventionspolitische Leitlinien auferlegt.<br />

Demnach sollen neue Subventionen vorrangig als direkte<br />

Zuschüsse eingeräumt <strong>und</strong> durch Einsparungen an anderer<br />

Stelle finanziert werden. Zudem sollen neue Subventionen nur<br />

dann gewährt werden, wenn sie sich als das am besten geeignete<br />

Instrument erweisen – auch unter Kosten-Nutzen-Aspekten.<br />

Alle zwei Jahre legt die B<strong>und</strong>esregierung einen Subventionsbericht<br />

vor. Den Bericht gibt es als kostenlosen Download unter<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanzministerium.de > Themen > Öffentliche<br />

Finanzen > Subventionspolitik.<br />

Beispiele für…<br />

… Besitzsteuern<br />

· Einkommensteuer<br />

· Körperschaftsteuer<br />

· Solidaritätszuschlag<br />

· Gewerbesteuer<br />

· Erbschaft- <strong>und</strong><br />

Schenkungsteuer<br />

· Gr<strong>und</strong>steuer<br />

… Verkehrsteuern<br />

· Umsatzsteuer (ohne<br />

Einfuhrumsatzsteuer)<br />

· Gr<strong>und</strong>erwerbsteuer<br />

· Kraftfahrzeugsteuer<br />

· Rennwett- <strong>und</strong><br />

Lotteriesteuer<br />

· Spielbankabgabe<br />

· Versicherungsteuer<br />

· Feuerschutzsteuer<br />

Welche Steuer geht an wen? Steuereinnahmen nach Steuerarten 2010<br />

Gemeinschaftssteuern<br />

> Körperschaftsteuer<br />

(in Mio. Euro)<br />

Lohnsteuer 139.749 €<br />

B<strong>und</strong> 50%, Länder 50%, Kommunen 0%<br />

Veranlagte Einkommensteuer 31.996 €<br />

> Lohn- <strong>und</strong> Einkommensteuer<br />

Nicht veranlagte Steuern vom Ertrag 18.136 €<br />

B<strong>und</strong> 42,5%, Länder 42,5%, Kommunen 15%<br />

Abgeltungsteuer (einschl. ehem. Zinsabschlag) 8.020 €<br />

> Umsatzsteuer<br />

Körperschaftsteuer 15.634 €<br />

B<strong>und</strong> 53,9%, Länder 44,1%, Kommunen 2%<br />

Umsatzsteuer 138.957 €<br />

> Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge<br />

Einfuhrumsatzsteuer 51.076 €<br />

B<strong>und</strong> 44%, Länder 44%, Kommunen 12%<br />

Gemeinschaftsteuern* nach Art. 106 Abs. 3 GG 403.567 €<br />

… Verbrauchsteuern<br />

· Energiesteuer<br />

· Tabaksteuer<br />

· Stromsteuer<br />

· Branntweinsteuer<br />

· Kernbrennstoffsteuer<br />

· Kaffeesteuer<br />

· Biersteuer<br />

· Zwischenerzeugnissteuer<br />

· Schaumweinsteuer<br />

· Alkopopsteuer<br />

* Steuern, die B<strong>und</strong>, Ländern <strong>und</strong> Gemeinden gemeinschaftlich zufließen<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen, August <strong>2012</strong><br />

Weiter klicken<br />

Landessteuern<br />

• Erbschaft-/Schenkungsteuer<br />

• Gr<strong>und</strong>erwerbsteuer<br />

• Biersteuer<br />

• Rennwett-/Lotteriesteuer<br />

• Feuerschutzsteuer<br />

Länder<br />

Kommunen<br />

Gemeindesteuern<br />

• Gewerbesteuer<br />

• Gr<strong>und</strong>steuer<br />

• Vergnügungsteuer<br />

• H<strong>und</strong>esteuer<br />

• Zweitwohnsitzsteuer<br />

• Getränkesteuer<br />

Das B<strong>und</strong>esfinanzministerium<br />

informiert<br />

auf seiner Website<br />

über die verschiedenen<br />

Steuerarten:<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanz<br />

ministerium.de<br />

Weiter denken<br />

B<strong>und</strong>essteuern<br />

• Energiesteuer<br />

• Stromsteuer<br />

• Tabaksteuer<br />

• Kaffeesteuer<br />

• Branntweinsteuer<br />

• Kernbrennstoffsteuer<br />

• Versicherungsteuer<br />

• Kraftfahrzeugsteuer<br />

• Solidaritätszuschlag<br />

B<strong>und</strong><br />

EU-Eigenmittel*<br />

• Mehrwertsteuer-Eigenmittel<br />

• BNE-Eigenmittel<br />

(Anteil am Bruttonationaleinkommen)<br />

• Zölle <strong>und</strong> Zuckerabgaben<br />

* Teile des B<strong>und</strong>eshaushalts fließen nach einem<br />

festgelegten Finanzierungsschlüssel an die EU.<br />

Was ist eurer Meinung<br />

nach gerechter? Ein<br />

Steuersystem, das als<br />

Kernelement direkte<br />

Steuern (z. B. Einkommensteuer)<br />

einsetzt?<br />

Oder fändet ihr die Besteuerung<br />

vorwiegend<br />

über indirekte Steuern<br />

(z. B. Umsatzsteuer)<br />

fairer? Diskutiert im<br />

Klassenverband <strong>und</strong><br />

tragt die Ergebnisse<br />

in einem Schaubild<br />

zusammen.<br />

7


Steuergerechtigkeit<br />

INDiVIDUELL & GERECHT<br />

Das deutsche Steuersystem orientiert sich daran, jeden Bürger möglichst individuell<br />

<strong>und</strong> gerecht zu besteuern. Dabei ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen<br />

ausschlaggebend. Die Kehrseite dabei ist: Ein möglichst individuell gerechtes<br />

Steuersystem braucht eine Vielzahl an Regeln, damit auch wirklich jeder Einzelfall<br />

<strong>und</strong> jede persönliche Situation berücksichtigt werden kann. Viele Vorschriften führen<br />

aber wiederum dazu, dass das Steuerrecht kompliziert wird. Du kannst dir sicher vorstellen:<br />

In Sachen Steuergerechtigkeit gibt es viel Diskussionspotenzial.<br />

Der Gr<strong>und</strong>freibetrag<br />

Unser Steuersystem versucht, die Lasten fair zu verteilen, die<br />

Steuerzahler gleich zu behandeln <strong>und</strong> ihnen gemäß dem Prinzip<br />

der Leistungsfähigkeit Steuern abzuverlangen. Das entspricht<br />

dem Gleichbehandlungsgr<strong>und</strong>satz, der im Gr<strong>und</strong>gesetz verankert<br />

ist. Demnach werden untere Einkommen nur gering, höhere<br />

Einkommen aber höher besteuert. Der Einzelne zahlt zudem nur<br />

dann Steuern, wenn er dazu in der Lage ist. Das drückt sich im<br />

steuerfreien Existenzminimum aus. Jeder Erwachsene hat daher<br />

Anspruch darauf, dass der so genannte Gr<strong>und</strong>freibetrag von<br />

8.004 Euro im Jahr unbelastet bleibt (bei Ehepaaren 16.008 Euro;<br />

Stand <strong>2012</strong>). Auch das Existenzminimum der Kinder darf nicht<br />

besteuert werden. In der Summe erreichen die Kinderfreibeträge<br />

für jedes steuerlich zu berücksichtigende Kind 7.008 Euro<br />

jährlich für beide Eltern zusammen.<br />

Höheres Einkommen – höhere Steuerbelastung<br />

Ein Kennzeichen des deutschen Steuersystems ist, dass es sich<br />

an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausrichtet. Dies<br />

wird durch den linear-progressiven Tarif festgelegt. Dieser bewirkt,<br />

dass die prozentuale Steuerbelastung umso größer wird,<br />

je höher das Einkommen ausfällt. Die Berechnung der Einkommensteuer<br />

findet in mehreren Stufen statt: Oberhalb des<br />

Gr<strong>und</strong>freibetrags setzt der Eingangssteuersatz mit 14 Prozent<br />

an. Danach folgt die so genannte Progressionszone, in der der<br />

Steuersatz schrittweise bis auf 42 Prozent steigt. Dieser Satz<br />

wird ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882<br />

Euro fällig. Ab einem Einkommen von 250.731 Euro greift dann<br />

der höchste Steuersatz von 45 Prozent.<br />

Die jeweils höheren Steuersätze gelten übrigens nie für den<br />

gesamten zu versteuernden Betrag, sondern immer nur für die<br />

Summe, die die einzelnen Grenzwerte für die jeweiligen Steuersätze<br />

übersteigt. Daher kommt es auch, dass der prozentuale<br />

Anteil der Einkommensteuer am gesamten zu versteuernden<br />

Einkommen niedriger als der Tarif ist. In der Fachsprache wird<br />

das als Durchschnittssteuersatz bezeichnet. Denn man muss<br />

für die verschiedenen Einkommensstufen jeweils unterschiedliche<br />

Sätze abführen.<br />

Lebensverhältnisse werden berücksichtigt<br />

Wenn das Finanzamt die Steuern berechnet, schaut es nicht nur<br />

auf die Höhe des jeweiligen Einkommens, sondern berücksichtigt<br />

auch die persönlichen Lebensverhältnisse des Einzelnen.<br />

Wer zum Beispiel für seinen Ehepartner oder seine Kinder sorgt,<br />

muss bei gleichem Einkommen in der Regel weniger Steuern<br />

zahlen als ein Alleinstehender. Es können beispielsweise auch<br />

Aufwendungen für die Kranken- <strong>und</strong> Pflegeversicherung <strong>und</strong><br />

Kosten für die Pflege von Familienangehörigen steuerlich geltend<br />

gemacht werden.<br />

8


Um Steuern dreht sich mehr, als man denkt<br />

Steuergerechtigkeit<br />

So berechnet sich<br />

die Einkommensteuer<br />

Steuersätze in Prozent<br />

45<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

0<br />

5.000<br />

10.000<br />

15.000<br />

20.000<br />

25.000<br />

30.000<br />

35.000<br />

40.000<br />

45.000<br />

50.000<br />

55.000<br />

Zu versteuerndes Einkommen in Euro<br />

Quelle: Die Welt, Juni 2011<br />

Außerdem berücksichtigt der Staat verschiedene individuelle<br />

Ausgaben, auch wenn sie nicht durch die Arbeit verursacht sind.<br />

Manche von diesen Kosten dürfen unbeschränkt abgezogen<br />

werden, andere wiederum sind bis zu bestimmten Grenzen oder<br />

gestaffelt nach dem Familienstand abziehbar. Einen großen Teil<br />

dieser Abzugsmöglichkeiten gibt es, weil der Staat auch hier seine<br />

Bürger zu einem bestimmten Verhalten motivieren möchte.<br />

Abzugsfähig sind daher zum Beispiel Aufwendungen für die Altersvorsorge,<br />

für die Aus- <strong>und</strong> Weiterbildung sowie Spenden.<br />

Bestimmte Einnahmen sind sogar ganz von der Einkommensteuer<br />

befreit. Dazu zählen laut Gesetz r<strong>und</strong> 70 verschiedene<br />

Einnahmearten, unter anderem das Arbeitslosengeld, BAFöG-<br />

Leistungen, Stipendien oder auch das Elterngeld.<br />

Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel?<br />

Wenn man im Restaurant auf einen Bierdeckel schaut, denkt<br />

man mit Sicherheit nicht daran, dass dieser winzige Platz<br />

ausreichen könnte, um darauf auch eine Steuererklärung zu<br />

machen. Heute ist das unmöglich, denn das Steuersystem ist<br />

komplex. Weil sich Gesellschaft <strong>und</strong> Wirtschaft über die Jahre<br />

verändert haben, kam es auch immer wieder zu Anpassungen<br />

im Steuerrecht – nicht zuletzt, um eine gerechte Besteuerung<br />

sicher zu stellen. Die Idee der Bierdeckelsteuer hatten vor einigen<br />

Jahren Politiker <strong>und</strong> Wissenschaftler. Immer wieder gibt<br />

es Vorschläge, die Regeln für die Besteuerung des Einkommens<br />

vollkommen umzugestalten. Nach diesen Überlegungen sollen<br />

insbesondere Befreiungen, Ausnahmen <strong>und</strong> Sonderregelungen<br />

gestrichen, weitgehend pauschaliert <strong>und</strong> ein einheitlicher<br />

Einkommensteuersatz eingeführt werden. All diese Vorschläge<br />

verfolgen das Ziel, das Besteuerungsverfahren <strong>und</strong> die Steuererklärung<br />

zu vereinfachen.<br />

Weiter klicken<br />

Die B<strong>und</strong>eszentrale<br />

für politische <strong>Bildung</strong><br />

bietet umfangreiches<br />

Informationsmaterial<br />

speziell zu Steuern<br />

<strong>und</strong> Finanzpolitik<br />

unter www.bpb.de.<br />

Diskussion:<br />

Individuelle Steuergerechtigkeit oder einfaches Steuersystem?<br />

Inwieweit soll der Staat für seine Bürger sorgen <strong>und</strong> inwieweit sollte jeder Einzelne auch eigenverantwortlich zu seiner sozialen <strong>und</strong><br />

finanziellen Absicherung beitragen?<br />

Pro individuelle Steuergerechtigkeit:<br />

• Jeder Steuerzahler soll die Höhe seiner Steuern als gerecht<br />

empfinden. Es ist daher notwendig, jede Einzelfallsituation so<br />

individuell wie möglich im Steuerrecht abzubilden.<br />

• Die Lebenswirklichkeit ist vielgestaltig. Nicht nur im Steuerrecht,<br />

auch im Zivilrecht, im Sozialrecht <strong>und</strong> in vielen anderen<br />

Bereichen setzen die Regelungen an der vorgef<strong>und</strong>enen Lebenswirklichkeit<br />

an.<br />

• Die Steuerlast muss für alle gleich schwer zu tragen sein. Jemand,<br />

der viel Geld hat, soll daher stärker belastet werden als<br />

jemand, der wenig Geld hat.<br />

Pro einfaches Steuersystem:<br />

• Unser Steuersystem ist so kompliziert geworden, dass der<br />

Überblick im Paragrafendschungel verloren gehen kann. Einfachheit<br />

ist wichtiger <strong>und</strong> gerechter, als jedem Einzelfall gerecht<br />

zu werden.<br />

• Eine einfache Einkommensbesteuerung <strong>und</strong> ein einheitlicher<br />

Steuertarif für alle reduzieren den Aufwand für Bürger <strong>und</strong><br />

Finanzverwaltung <strong>und</strong> damit auch die Verwaltungskosten.<br />

• Mehr Aufklärung über die Verwendung der Steuern ist besser<br />

als Einzelfallgerechtigkeit.<br />

Weiter denken<br />

Führt in eurer Stadt<br />

oder eurem Ort eine<br />

Umfrage durch zu<br />

dem Thema: Fühlen<br />

Sie sich gerecht<br />

besteuert? Warum ja,<br />

warum nein? Notiert<br />

die Antworten <strong>und</strong><br />

Meinungen der Bürgerinnen<br />

<strong>und</strong> Bürger.<br />

Wertet auch ihre Begründungen<br />

aus <strong>und</strong><br />

erstellt eine Rangliste<br />

aus den häufigsten<br />

Bürgermeinungen, die<br />

ihr im Klassenverband<br />

diskutiert.<br />

9


Einkommensteuer<br />

Was geht ab vom Lohn?<br />

Vielleicht hast du schon mal beobachtet, wie sich deine Eltern den Kopf über die Einkommensteuererklärung<br />

zerbrochen <strong>und</strong> dabei Ordner gewälzt <strong>und</strong> Belege sortiert<br />

haben. Und vielleicht hast du dich auch manchmal gefragt, warum das überhaupt sein<br />

muss – <strong>und</strong> was hat das Ganze eigentlich mit der Lohnsteuer zu tun, die deinen Eltern<br />

vom Gehalt abgezogen wird?<br />

Zunächst einmal: Die Lohnsteuer ist keine separate Steuer auf<br />

den Lohn, sondern nur die Form des Abzugs der Einkommensteuer.<br />

Der Begriff Lohnsteuer besagt also nichts anderes, als<br />

dass die Einkommensteuer direkt vom Lohn einbehalten wird.<br />

Alle Einkommen besteuert<br />

Das Einkommensteuergesetz bestimmt, welche Einkünfte besteuert<br />

werden. Da es unterschiedliche Arten gibt, wie man sein<br />

Geld verdienen kann, werden die Einkünfte in sieben Einkunftsarten<br />

unterteilt. Für Löhne <strong>und</strong> Gehälter muss genauso Einkommensteuer<br />

bezahlt werden wie für Rentenbezüge oder Gewinne<br />

aus selbstständigen Unternehmen. Bei der Einkommensteuer<br />

spielt es also keine Rolle, ob man Angestellter, Arbeiter, Rentner<br />

oder Selbstständiger ist.<br />

Zur Einkommensteuer kommen der Solidaritätszuschlag sowie<br />

gegebenenfalls die Kirchensteuer hinzu. Der Solidaritätszuschlag<br />

ist eine Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer <strong>und</strong><br />

zur Körperschaftsteuer in Deutschland, die durch die hohen<br />

Kosten der Wiedervereinigung Deutschlands begründet wird.<br />

Der Zuschlag ist eine direkte Steuer <strong>und</strong> steht dem B<strong>und</strong> zu. Die<br />

Bemessung <strong>und</strong> Erhebung wird durch das Solidaritätszuschlaggesetz<br />

(SolZG) geregelt. Beide Abgaben werden in einem festen<br />

prozentualen Verhältnis zur Einkommensteuer ermittelt.<br />

Die Berechnungsgr<strong>und</strong>lage für die Höhe der Steuerlast ist das<br />

so genannte zu versteuernde Einkommen. Dieses darf aber<br />

nicht mit dem ausgezahlten Lohn oder Gehalt verwechselt werden.<br />

Denn es können zum Beispiel Ausgaben abgezogen werden,<br />

die für die berufliche Tätigkeit notwendig waren: Jeder<br />

Arbeitnehmer darf beispielsweise Aufwendungen für Arbeitskleidung,<br />

Fachliteratur oder Bücher für die Fort- <strong>und</strong> Weiterbildung,<br />

seine Fahrten zwischen Wohnung <strong>und</strong> regelmäßiger Arbeitsstelle,<br />

Reise kosten anlässlich einer Auswärtstätigkeit oder<br />

in bestimmten Fällen auch Umzugskosten steuerlich geltend<br />

machen. Diese Kosten werden als Werbungskosten bezeichnet.<br />

Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen überwiegend beruflich<br />

bedingt waren. Selbstständige <strong>und</strong> Gewerbetreibende können<br />

ihre Betriebsausgaben von ihren Einnahmen abziehen.<br />

Darüber hinaus wird bei allen Steuerpflichtigen ermittelt, ob sie<br />

beispielsweise noch bestimmte private Aufwendungen hatten,<br />

die für die Lebensführung zwingend sind. Das sind zum einen<br />

Sonderausgaben, wozu insbesondere auch Beiträge zur gesetzlichen<br />

Rentenversicherung, für die private Altersvorsorge sowie<br />

für die Basiskranken- <strong>und</strong> Pflegepflichtversicherung gehören.<br />

Und zum anderen außergewöhnliche Belastungen wie Aufwendungen<br />

wegen Behinderung oder Pflegebedürftigkeit. All diese<br />

Aufwendungen berücksichtigt das Finanzamt, bevor ermittelt<br />

10


Einnahmen des Staates – <strong>und</strong> wie der Staat mit seinen Finanzen plant<br />

Einkommensteuer<br />

wird, wie hoch das zu versteuernde Einkommen ist. Wer zu viele<br />

Steuern vorab gezahlt hat – zum Beispiel über den Lohnsteuerabzug<br />

– bekommt Geld zurück. Hat der Steuerpflichtige zu wenig<br />

gezahlt – etwa, weil er neben dem Arbeitslohn noch andere Einkünfte<br />

hatte – muss er nachzahlen.<br />

Vieles in Sachen Steuern läuft inzwischen elektronisch. Die<br />

Steuererklärung kann man entweder auf dem Papierformular<br />

einreichen oder auch online ausfüllen <strong>und</strong> verschicken. Auch<br />

die Ära der Papierlohnsteuerkarte ist beendet. Bereits seit dem<br />

Kalen derjahr 2010 wird keine Lohnsteuerkarte mehr versandt.<br />

Gut zu wissen ...<br />

Lohnsteuerklassen in Deutschland<br />

Unterschiedliche Steuerklassen sorgen dafür, dass die individuelle<br />

Situation eines Steuerzahlers bereits bei der Lohnsteuer<br />

berücksichtigt wird. Es gibt sechs verschiedene Lohnsteuerklassen<br />

für Arbeitnehmer. Diese versuchen, mit dem monatlichen<br />

Abzug abzubilden, was am Jahresende bei der Steuererklärung<br />

zu erwarten ist.<br />

Steuerklasse I: Insbesondere Alleinstehende mit oder ohne<br />

Wohnsitz in Deutschland, die als Arbeitnehmer<br />

arbeiten <strong>und</strong> dafür Arbeitslohn<br />

erhalten, oder aus einer deutschen öffentlichen<br />

Kasse Arbeitslohn oder<br />

Versorgungsbezüge erhalten<br />

Steuerklasse II: Alleinstehende mit Kindern<br />

(allein Erziehende)<br />

Steuerklasse III: Verheiratete, nicht dauernd getrennt lebende<br />

Ehepartner mit dem höheren Arbeitslohn<br />

bezogen auf das Familieneinkommen<br />

Steuerklasse IV: Verheiratete, die in der Regel beide ähnliche<br />

Gehälter beziehen<br />

Steuerklasse V: Verheiratete, deren Ehepartner in<br />

Steuerklasse III ist<br />

Steuerklasse VI: Arbeitnehmer, die mehrere Jobs<br />

nebeneinander haben<br />

Die sieben Einkunftsarten<br />

der Einkommensteuer:<br />

• nicht selbstständige Arbeit<br />

(Arbeitnehmer)<br />

• selbstständige Arbeit<br />

• Gewerbebetrieb<br />

• Land- <strong>und</strong> Forstwirtschaft<br />

• Kapitalvermögen<br />

• Vermietung <strong>und</strong> Verpachtung<br />

• sonstige Einkünfte<br />

Sie soll ab dem Kalenderjahr <strong>2013</strong> durch ein elektronisches Abrufverfahren<br />

ersetzt werden. Die Kommunikation zwischen Bürgern,<br />

Arbeitgebern <strong>und</strong> Finanzamt wird wesentlich vereinfacht<br />

<strong>und</strong> somit individuell, papierlos <strong>und</strong> sicher erfolgen. Bis dahin<br />

gelten die Lohsteuerkarte 2010 oder die Ersatz- <strong>und</strong> sonstigen<br />

Papierbescheinigungen weiter.<br />

Weitere Infos zur elektronischen Lohnsteuerkarte gibt es unter<br />

www.elster.de. Alle Formulare r<strong>und</strong> um die Steuererklärung<br />

finden sich auf den Seiten der B<strong>und</strong>esfinanzverwaltung unter<br />

www.formulare-bfinv.de.<br />

Anstelle der Steuerklassenkombinationen III/V können beiderseits<br />

berufstätige Verheiratete für den Lohnsteuerabzug auch<br />

das so genannte Faktorverfahren wählen – ein Verfahren, dass<br />

dafür sorgt, dass sich die monatliche Lohnsteuer der Eheleute<br />

nach ihren Einkommensanteilen verteilt.<br />

Drei Wege zur Einkommensteuer<br />

Bei Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit – also bei<br />

Arbeitnehmern <strong>und</strong> Angestellten – behält der Arbeitgeber<br />

monatlich die Lohnsteuer ein <strong>und</strong> führt sie für den Arbeitnehmer<br />

oder Angestellten an das Finanzamt ab.<br />

EINS<br />

Bestimmte Steuerpflichtige müssen eine Steuererklärung<br />

ZWEI<br />

abgeben (siehe oben). Das Finanzamt berechnet dann, ob<br />

es zu einer Nachzahlung oder einer Erstattung kommt.<br />

Bei Einnahmen aus Kapitalanlagen, also zum Beispiel<br />

Zinsen, wird Kapitalertragsteuer erhoben. Bekannter ist<br />

diese Form der Steuererhebung unter dem Stichwort „Ab-<br />

DREI<br />

geltungsteuer“: Banken <strong>und</strong> andere Finanzdienstleister<br />

behalten die Steuer direkt ein <strong>und</strong> führen sie ans Finanzamt<br />

ab.<br />

Die Steuererklärung<br />

Steuerzahler müssen<br />

immer dann eine<br />

Steuererklärung<br />

einreichen, wenn sie<br />

während des Jahres<br />

von Steuerfreibeträgen<br />

profitiert haben – sei es<br />

über einen Freibetrag<br />

auf der Lohnsteuerkarte<br />

oder durch die Wahl<br />

des Faktorverfahrens<br />

bei Ehepaaren. Auch<br />

wer als Arbeitnehmer<br />

mehrere Jobs ausübt,<br />

oder wer steuerfreie<br />

Lohnersatzleistungen,<br />

(z. B. Arbeitslosengeld<br />

I, Krankengeld,<br />

Kurzarbeitergeld<br />

oder Elterngeld)<br />

bezogen hat, muss in<br />

der Regel bis Ende<br />

Mai des Folge jahres<br />

eine Steuer erklärung<br />

abgeben. Ebenso alle<br />

Selbstständigen <strong>und</strong><br />

Rentner mit Einkünften<br />

über 8.004 Euro im<br />

Jahr. Auch bei Steuerklassenwahl<br />

3 oder 5<br />

muss eine Steuererklärung<br />

abgegeben<br />

werden.<br />

Weiter klicken<br />

Der B<strong>und</strong> der<br />

Steuerzahler bietet<br />

spezielle Internetseiten<br />

für <strong>Jugend</strong>liche.<br />

Dort erfahrt ihr auch<br />

mehr über die erste<br />

Steuererklärung.<br />

www.steuerbar.de<br />

Weiter denken<br />

Eine Steuererklärung<br />

machen – wie<br />

geht das eigentlich?<br />

Recherchiert alle<br />

notwendigen Schritte<br />

<strong>und</strong> alle wichtigen<br />

Informationen. Welche<br />

Möglichkeiten gibt<br />

es, wenn man bei der<br />

Steuererklärung Unterstützung<br />

braucht?<br />

11


Umsatzsteuer<br />

Eine für (fast) alles<br />

Du ahnst es vielleicht schon: Auch wenn du zum Friseur gehst oder mit der Bahn<br />

fährst, zahlst du Steuern – genauso wie beim Einkauf im Supermarkt. Auf fast jeden<br />

Einkauf, auf fast jede Dienstleistung wird in Deutschland eine Umsatzsteuer fällig –<br />

also jedes Mal, wenn etwas verkauft wird, das heißt bei jedem Umsatz. Diese Steuer<br />

begleitet das Produkt, für das du dich beim Einkauf entscheidest, vom Rohstoff über<br />

die Fertigware bis zu dir nach Hause, also bis in die Hand des Verbrauchers. Man nennt<br />

sie auch Mehrwertsteuer – insbesondere in anderen Staaten, etwa value added tax im<br />

Englischen.<br />

Weiter klicken<br />

Als eine der ersten<br />

Steuern ist die<br />

Umsatzsteuer im<br />

europäischen<br />

Binnenmarkt harmonisiert<br />

worden.<br />

Es gibt eine Untergrenze<br />

für die Höhe<br />

der Sätze <strong>und</strong> einen<br />

Katalog von Waren<br />

<strong>und</strong> Dienstleistungen,<br />

auf die ein ermäßigter<br />

Satz angewendet<br />

werden darf. Ein<br />

EU-Mitgliedstaat<br />

darf höchsten zwei<br />

ermäßigte<br />

Sätze anwenden.<br />

In Deutschland gibt<br />

es nur einen ermäßigten<br />

Satz. Weitere<br />

Informationen dazu<br />

gibt es unter<br />

http://ec.europa.eu<br />

> von A bis Z ><br />

Steuern <strong>und</strong> Zollunion<br />

> Mehrwertsteuer<br />

Haupteinnahmequelle des Staates<br />

Die Umsatzsteuer ist eine der größten Einnahmequellen des<br />

Staates. Derzeit beträgt der Normalsatz bei der Umsatzsteuer<br />

19 Prozent. Das bedeutet, dass bei einem Preis von 119 Euro<br />

19 Euro in die Staatskasse fließen. Allerdings gibt es einige Umsätze,<br />

die von der Steuer befreit sind. Dazu gehören zum Beispiel<br />

die Miete für die Mietwohnung, die Tätigkeit eines Arztes oder<br />

der Unterricht an einer Schule oder Universität. Andere Umsätze<br />

fallen unter einen ermäßigten Steuersatz von derzeit sieben<br />

Prozent. Diese Steuervergünstigung hat sich aus dem Gedanken<br />

entwickelt, dass die wichtigsten Güter des alltäglichen Lebens<br />

nicht so hoch besteuert werden sollten, damit die Preise nicht<br />

so hoch sind <strong>und</strong> auch Menschen mit wenig Geld diese Sachen<br />

kaufen können. Daher gilt der ermäßigte Satz unter anderem für<br />

Lebensmittel sowie für Zeitungen <strong>und</strong> Bücher.<br />

Allerdings hat sich das Umsatzsteuerrecht mit der Zeit immer<br />

komplexer gestaltet: Elf verschiedene Kategorien listet allein<br />

der Bereich auf, in denen der ermäßigte Steuersatz von sieben<br />

Prozent greift, darunter nicht nur Lebensmittel, sondern auch<br />

Zirkusvorführungen oder die Personenschifffahrt. Ein Anhang<br />

zum Umsatzsteuergesetz führt in mehr als 50 Punkten die verschiedensten<br />

Waren auf, die im Gesetz nicht konkret benannt<br />

sind. Darüber hinaus muss das B<strong>und</strong>esfinanzministerium in<br />

regelmäßigen Abständen Abgrenzungsprobleme zwischen dem<br />

ermäßigten Satz <strong>und</strong> dem Normalsatz klären.<br />

Mehrwertsteuersätze (in Prozent)<br />

in den EU-Mitgliedstaaten<br />

Land<br />

Stark<br />

ermäßigter<br />

Satz<br />

Ermäßigter<br />

Satz<br />

Normalsatz<br />

Zwischensatz<br />

Belgien 6 / 12 21 12<br />

Dänemark 25<br />

Deutschland 7 19<br />

Frankreich 2,1 5,5 19,6<br />

Griechenland 6,5 / 13 23<br />

Irland 4,8 9 / 13,5 21 13,5<br />

Italien 4 10 20<br />

Niederlande 6 19<br />

Österreich 10 20 12<br />

Polen 5 / 8 23<br />

Portugal 6 / 13 23 13<br />

Schweden 6 / 12 25<br />

Spanien 4 8 18<br />

Tschechische<br />

Republik<br />

Vereinigtes<br />

Königreich<br />

10 20<br />

5 20<br />

Weiter denken<br />

Bewahrt von eurem<br />

nächsten größeren<br />

Einkauf im Supermarkt<br />

<strong>und</strong> aus<br />

anderen Geschäften<br />

die Kassenzettel<br />

auf <strong>und</strong> sortiert,<br />

welche Umsätze mit<br />

sieben Prozent <strong>und</strong><br />

welche mit 19 Prozent<br />

besteuert werden.<br />

Fasst eure Ergebnisse<br />

zusammen <strong>und</strong> diskutiert<br />

dann gemeinsam<br />

in der Klasse, warum<br />

bei der Umsatzsteuer<br />

unterschiedlich<br />

besteuert wird – <strong>und</strong><br />

ob das in dieser Form<br />

sinnvoll ist.<br />

Pro:<br />

• Lebenswichtige Produkte <strong>und</strong> Gr<strong>und</strong>bedürfnisse, zum Beispiel<br />

Lebensmittel, dürfen nicht zu teuer sein. Daher sollten<br />

sie nicht mit einer hohen Umsatzsteuer belastet werden.<br />

• Würde man den ermäßigten Umsatzsteuersatz streichen,<br />

wären vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen mit<br />

erhöhten Ausgaben belastet. Dann wäre zum Ausgleich eine<br />

soziale Unterstützung an anderer Stelle erforderlich.<br />

*Quelle: Europäische Kommission:<br />

Mehrwertsteuersätze in Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Juli 2011<br />

Diskussion:<br />

Ist der ermäßigte Umsatzsteuersatz noch zeitgemäß?<br />

Kontra:<br />

• Bei der Umsatzsteuer gibt es viel zu viele Ermäßigungen.<br />

Wichtig ist, dass die Ausnahmen auf das Wesentliche beschränkt<br />

werden.<br />

• Ein einheitlicher Steuersatz für alle Arten von Konsum wäre<br />

die einfachste <strong>und</strong> gerechteste Lösung. Er würde den Unter -<br />

nehmen viel Mühe ersparen <strong>und</strong> nicht Menschen begünstigen,<br />

die das gar nicht nötig haben.<br />

• Der Normalsatz könnte gesenkt werden, wenn der ermäßigte<br />

Umsatzsteuersatz wegfiele.<br />

12


Unternehmenssteuern<br />

Wirtschaftswachstum ankurbeln<br />

Fast alle Arbeitnehmer zahlen Einkommensteuer – <strong>und</strong> du wirst sie spätestens auch<br />

zahlen müssen, wenn du einen Job hast. Aber wie sieht das mit der Besteuerung auf<br />

der Seite der Arbeitgeber aus? Auf welche Art <strong>und</strong> Weise müssen eigentlich deutsche<br />

Unternehmen von ihren Gewinnen Steuern an den Staat abführen?<br />

Die Rechtsform entscheidet<br />

Welche Steuern Unternehmen zahlen müssen, hängt von ihrer<br />

Rechtsform ab. Das heißt, es wird unterschieden, ob es sich<br />

um ein Einzelunternehmen, zum Beispiel einen Kioskbesitzer,<br />

handelt, um eine so genannte Personengesellschaft – etwa eine<br />

offene Handelsgesellschaft (OHG) – oder um eine Kapitalgesellschaft.<br />

Hier kennst du vielleicht die Rechtsformen Gesellschaft<br />

mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Aktiengesellschaft (AG).<br />

Einzelunternehmer <strong>und</strong> Mitunternehmer von Personengesellschaften<br />

fallen unter die Einkommensteuer. Sie werden also<br />

nach ähnlichen Prinzipien behandelt wie Arbeitnehmer: Je höher<br />

ihr Gewinn ausfällt, desto höher ist auch der Steuersatz.<br />

Kapitalgesellschaften unterliegen dagegen der Körperschaftsteuer.<br />

Hier gilt ein einheitlicher Steuersatz, der sich seit der<br />

Unternehmenssteuerreform im Jahr 2008 auf 15 Prozent beläuft.<br />

Die Senkung des Steuersatzes (vorher 25 Prozent) hatte<br />

das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken<br />

<strong>und</strong> damit das Wirtschaftswachstum im Land anzutreiben. Zu<br />

den 15 Prozent Körperschaftsteuer kommen allerdings noch die<br />

Gewerbesteuer <strong>und</strong> der Solidaritätszuschlag. Insgesamt ergibt<br />

sich dadurch eine durchschnittliche Steuerbelastung von 29,4<br />

Prozent für Kapitalgesellschaften.<br />

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer <strong>und</strong> die wichtigste<br />

Einnahmequelle der Kommunen. B<strong>und</strong> <strong>und</strong> Länder werden<br />

durch eine Umlage an der Gewerbesteuer beteiligt. Das bedeutet,<br />

dass ein Teil der Einnahmen aus der Gewerbesteuer an den<br />

B<strong>und</strong> <strong>und</strong> in die Haushalte der Länder fließt.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich müssen sämtliche Gewerbetreibende – also auch<br />

Personengesellschaften, die einen Gewerbebetrieb führen –<br />

diese Steuer entrichten. Kapitalgesellschaften erzielen stets<br />

Welche Steuern zahlen Unternehmen?<br />

Einkommensteuer<br />

Körperschaftsteuer<br />

Gewerbesteuer<br />

Gut zu wissen ...<br />

Einkünfte, die der Gewerbesteuer unterfallen. Im Gegensatz zur<br />

Einkommensteuer richtet sich die Gewerbesteuer nicht auf die<br />

Erträge einer Person, sondern auf den Gewerbebetrieb selbst.<br />

Wem der Gewerbebetrieb gehört oder wem die Gewinne zustehen<br />

spielt dabei keine Rolle. Ermittelt wird der Gewinn aus dem<br />

betriebenen Gewerbe, der mit einer Steuermesszahl multipliziert<br />

wird. Die einzelnen Kommunen legen einen prozentualen<br />

Hebesatz fest, der über die Höhe der Gewerbesteuer bestimmt.<br />

Von der Gewerbesteuer ausgenommen sind die so genannten<br />

freien Berufe – etwa selbstständige Ingenieure, Architekten oder<br />

Anwälte.<br />

Unternehmenssteuern im internationalen<br />

Vergleich in Prozent vom Gewinn<br />

Welt<br />

OECD<br />

Lateinamerika <strong>und</strong> Karibik<br />

Asien-Pazifik<br />

EU<br />

USA<br />

Brasilien<br />

Deutschland<br />

China<br />

Quelle: KPMG; Corporate and Indirect Tax Survey, 2011<br />

Mitunternehmer von Personengesellschaften <strong>und</strong> Einzelunternehmer zahlen auf ihre Gewinne<br />

Einkommensteuer. Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland fällt unter diese Gruppe.<br />

So genannte juristische Personen, insbesondere Kapitalgesellschaften wie eine GmbH oder eine<br />

AG müssen Körperschaftsteuer auf ihre Gewinne entrichten.<br />

Diese Steuer zahlen Gewerbetreibende. Zu ihnen zählen zum Beispiel alle Handwerks- <strong>und</strong><br />

Handelsbetriebe sowie Kapitalgesellschaften. Freiberufler wie Ärzte, Anwälte, Ingenieure oder<br />

Übersetzer sind nicht gewerbesteuerpflichtig, ebenso wenig wie Landwirte.<br />

23,0<br />

26,4<br />

25,3<br />

24,1<br />

22,9<br />

25,0<br />

29,4<br />

34,0<br />

40,0<br />

Weiter klicken<br />

Viele interessante<br />

Informationen r<strong>und</strong><br />

um die Themen<br />

Unternehmen <strong>und</strong><br />

Wirtschaft stellen<br />

die verschiedenen<br />

Wirtschaftszeitungen<br />

<strong>und</strong> Zeitschriften im<br />

Internet zur Verfügung.<br />

Aktuelle Fragen<br />

<strong>und</strong> Artikel könnt ihr<br />

zum Beispiel unter<br />

www.handelsblatt<br />

machtschule.de<br />

nachlesen.<br />

Weiter denken<br />

Die Gewerbesteuer<br />

wird immer wieder<br />

heftig diskutiert. Sie<br />

sei abhängig von der<br />

Konjunktur, sagen<br />

die, die sie abschaffen<br />

wollen. Sie sei die<br />

wichtigste Einnahmequelle<br />

für die Kommunen,<br />

sagen die, die sie<br />

beibehalten wollen.<br />

Recherchiert im Internet<br />

<strong>und</strong> in den großen<br />

Wirtschaftszeitungen,<br />

welche Argumente<br />

es außerdem für <strong>und</strong><br />

gegen die Gewerbesteuer<br />

gibt. Sortiert<br />

diese Argumente nach<br />

ihrem Standpunkt.<br />

13


Haushaltsbudget der B<strong>und</strong>esministerien <strong>und</strong> des B<strong>und</strong>eskanzleramts<br />

nach dem Entwurf für den B<strong>und</strong>eshaushalt im Jahr <strong>2012</strong><br />

wirtschaftliche Zusammenarbeit <strong>und</strong> Entwicklung<br />

Familie, Senioren, Frauen <strong>und</strong> <strong>Jugend</strong><br />

<strong>Bildung</strong> <strong>und</strong> Forschung<br />

Wirtschaft <strong>und</strong> Technologie<br />

Innenministerium<br />

Ernährung, Landwirtschaft <strong>und</strong> Verbraucherschutz<br />

Verkehr, Bau <strong>und</strong><br />

Stadtentwicklung<br />

Ges<strong>und</strong>heit<br />

25.341 €<br />

14.483 €<br />

12.804 €<br />

6.480 €<br />

6.333 €<br />

6.157 €<br />

5.467 €<br />

5.280 €<br />

4.612 €<br />

3.307 €<br />

Finanzen<br />

Auswärtiges Amt<br />

1.887 €<br />

B<strong>und</strong>eskanzlerin <strong>und</strong><br />

B<strong>und</strong>eskanzleramt<br />

1.593 €<br />

Umwelt, Naturschutz<br />

<strong>und</strong> Reaktorsicherheit<br />

491 €<br />

Justiz<br />

Verteidigung<br />

31.682 €<br />

126.590 €*<br />

Arbeit <strong>und</strong> Soziales<br />

* Angaben in Mio. Euro<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium<br />

der Finanzen, Juli 2011<br />

Der B<strong>und</strong>eshaushalt<br />

Regieren nach Zahlen<br />

Du bekommst ein monatliches Taschengeld? Auch deine Eltern haben regelmäßige<br />

Einnahmen, zum Beispiel den Lohn für die Arbeit. Und natürlich brauchst du <strong>und</strong> brauchen<br />

deine Eltern Geld: Du musst vielleicht die Rechnung für dein Handy selbst bezahlen;<br />

deine Eltern geben Geld für Miete, Lebensmittel, für das Auto <strong>und</strong> andere Dinge<br />

aus. Wichtig ist dabei, den Überblick über Einnahmen <strong>und</strong> Ausgaben zu behalten.<br />

Einnahmen <strong>und</strong> Ausgaben planen<br />

Auch B<strong>und</strong>, Länder <strong>und</strong> Gemeinden haben Einnahmen <strong>und</strong> Ausgaben,<br />

die jedes Jahr in den Haushalten aufgestellt werden. Und<br />

genau so wie du oder deine Eltern muss auch der Staat seine<br />

Ausgaben auf Dauer danach ausrichten, mit welchen Einnahmen<br />

er zukünftig rechnen kann. In der Vergangenheit hat er häufig<br />

hohe Kredite aufnehmen müssen, um seine Ausgabenplanungen<br />

umsetzen zu können. In der Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise<br />

beispielsweise musste der Staat zusätzliches Geld aufnehmen,<br />

um die Auswirkungen der Krise für alle, also Unternehmen <strong>und</strong><br />

private Haushalte, abzufedern. Die Investitionen sorgten zum<br />

Beispiel dafür, dass die Baufirmen weiterhin Aufträge hatten –<br />

<strong>und</strong> durch das Kurzarbeitergeld mussten Unternehmen ihren<br />

Beschäftigten in der Krise nicht kündigen, denn der Staat hat<br />

einen Teil des Gehaltes übernommen. Da der Staat in der Krise<br />

gleichzeitig deutlich weniger eigene Einnahmen als sonst erzielte,<br />

musste er höhere Kredite aufnehmen. Zukünftig sollen neue<br />

Schulden nur noch in geringem Umfang aufgenommen werden<br />

dürfen. Ziel ist es, den aufgehäuften Schuldenberg im Verhältnis<br />

zur Wirtschaftskraft unseres Landes Stück für Stück zu reduzieren.<br />

Diese Schuldenrückführung wurde gesetzlich festgeschrieben<br />

<strong>und</strong> heißt Konsolidierung.<br />

Der B<strong>und</strong>eshaushalt<br />

Alle Steuereinnahmen fließen in den Haushalt, entweder in den<br />

Etat des B<strong>und</strong>es, der Länder oder der Gemeinden – je nachdem,<br />

wem die Steuer zusteht. Und auf all diesen Ebenen wird im Voraus<br />

geplant, wofür die Steuereinnahmen ausgegeben werden<br />

müssen <strong>und</strong> sollen. Daher werden jedes Jahr Haushaltspläne<br />

aufgestellt <strong>und</strong> der B<strong>und</strong>eshaushalt wird weit im Voraus geplant:<br />

Kaum ist der Haushaltsplan für das kommende Jahr beschlossen,<br />

nimmt das B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen bereits die<br />

Planung für das darauf folgende Jahr in Angriff.<br />

In der Vergangenheit haben die einzelnen Ministerien ihre<br />

Ausgabenwünsche – die so genannten Voranschläge – beim<br />

B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen eingereicht. Anschließend<br />

verhandelte das Ministerium mit den Fachressorts über die Voranschläge,<br />

um einen Kompromiss zu finden. Wie im „richtigen“<br />

Leben ist es auch beim B<strong>und</strong>eshaushalt so, dass nicht alles, was<br />

wünschenswert ist, auch finanzierbar ist. Weil die Konsolidierung<br />

aktuell eine besonders hohe Priorität hat, <strong>und</strong> man sich<br />

in der Haushaltsplanung schon früh auf eine Linie verständigen<br />

musste, wurde das Aufstellungsverfahren „auf den Kopf gestellt“.<br />

Ausgangspunkt der Haushaltsgespräche sind jetzt nicht<br />

mehr die Ausgabenwünsche der Fachministerien (Bottom-Up-<br />

14


Einnahmen des Staates – <strong>und</strong> wie der Staat mit seinen Finanzen plant<br />

Der B<strong>und</strong>eshaushalt<br />

Gut zu wissen ...<br />

Verfahren), sondern Vorschläge des B<strong>und</strong>esministeriums der<br />

Finanzen (Top-Down-Verfahren). Auf deren Gr<strong>und</strong>lage entscheidet<br />

das B<strong>und</strong>eskabinett über verbindliche Einnahme- <strong>und</strong> Ausgabebudgets,<br />

auch Eckwerte bezeichnet, die dann in weiteren<br />

Gesprächen der Fachleute im B<strong>und</strong>esministerium <strong>und</strong> in den<br />

Ressorts einvernehmlich auf einzelne Bereiche verteilt werden.<br />

Weil sich die Steuereinnahmen von Jahr zu Jahr ändern, brauchen<br />

die Haushaltsexperten eine Gr<strong>und</strong>lage, mit der sie arbeiten<br />

können. Deswegen gibt es den Arbeitskreis „Steuerschätzungen“.<br />

Haushaltsdebatte <strong>und</strong> Haushaltsbeschluss<br />

Jährlich im Frühsommer beschließt das B<strong>und</strong>eskabinett den<br />

Regierungsentwurf für das nächste Haushaltsjahr. Der Entwurf<br />

wird dann an B<strong>und</strong>estag <strong>und</strong> B<strong>und</strong>esrat übermittelt. Im Herbst<br />

berät das Parlament in erster Lesung darüber. Diese Debatte<br />

wird meistens zu einer Generalaussprache über die Gr<strong>und</strong>züge<br />

der Regierungspolitik genutzt <strong>und</strong> wird von den Bürgern mit<br />

großem Interesse verfolgt. Im Anschluss an die Beratungen im<br />

B<strong>und</strong>estag beschäftigt sich der Haushaltsausschuss mit dem<br />

Entwurf: Die Mitglieder prüfen mehrere Tausend Einnahme- <strong>und</strong><br />

Ausgabepositionen. Der Ausschuss macht natürlich auch Änderungsvorschläge.<br />

Denn immerhin verstreichen vom Beschluss<br />

des Kabinetts Anfang Juli bis zur letzten Beratung des Haushaltsausschusses<br />

im November fast vier Monate, in denen sich<br />

zum Beispiel die Erwartungen darüber verändern können, wie<br />

sich die deutsche Wirtschaft entwickelt – <strong>und</strong> dies hat Auswirkungen<br />

auf die erwarteten Steuereinnahmen.<br />

Die Ergebnisse dieser Beratungen werden dem B<strong>und</strong>estag in der<br />

zweiten Lesung vorgestellt; in der dritten Lesung wird der Haushaltsentwurf<br />

beschlossen. Der B<strong>und</strong>esrat entscheidet dann über<br />

Zustimmung oder Ablehnung. In der Regel wird der Haushalt<br />

Ende Dezember im B<strong>und</strong>esgesetzblatt offiziell verkündet.<br />

Die Schuldenbremse<br />

Nicht immer reichen das Steuergeld <strong>und</strong> andere Einnahmen<br />

wie die LKW-Maut aus, um alle geplanten Ausgaben zu decken.<br />

Trotzdem müssen zum Beispiel die soziale Sicherung, <strong>Bildung</strong><br />

<strong>und</strong> Forschung oder Verkehrsinvestitionen finanziert werden.<br />

Das bedeutet, dass sich der Staat Geld leihen, sich also verschulden<br />

muss. Hierfür gibt es allerdings Grenzen. Diese Grenze ist<br />

im Gr<strong>und</strong>gesetz (Art. 109 <strong>und</strong> 115) festgelegt <strong>und</strong> wird als Schuldenbremse<br />

bezeichnet. Sie besagt, dass für den B<strong>und</strong> ab 2016<br />

eine strukturelle Verschuldung (> siehe Sprechblase) nur noch<br />

in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandprodukts zulässig ist.<br />

Dies entspricht dann r<strong>und</strong> zehn Milliarden Euro. Den Ländern ist<br />

ab 2020 gar keine strukturelle Neuverschuldung mehr erlaubt.<br />

In konjunkturellen Schwächephasen erhöhen sich die Ausgaben<br />

des Staates automatisch (höhere Ausgaben der Arbeitslosenversicherung),<br />

während sich die Einnahmen verringern (Steuereinnahmen<br />

gehen zurück, wenn weniger konsumiert wird oder<br />

die Leute weniger verdienen oder gar arbeitslos werden). Die<br />

Schulden bremse erlaubt eine solche konjunkturbedingt höhere<br />

Kreditaufnahme in wirtschaftlich schwächeren Zeiten. Im Gegenzug<br />

verlangt sie aber, dass in konjunkturell guten Zeiten<br />

Überschüsse erwirtschaftet werden.<br />

Daneben überwacht der Stabilitätsrat, ein gemeinsames Gremium<br />

von B<strong>und</strong> <strong>und</strong> Ländern, die Haushalte von B<strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

Ländern. Drohen Haushaltsnotlagen, wird hier ein Sanierungsprogramm<br />

vereinbart. Mehr Informationen gibt es unter<br />

www.stabilitaetsrat.de.<br />

Richtlinien der EU<br />

Auch die Europäische Union hat einen Blick auf die nationale<br />

Haushaltspolitik: Deutschland muss sich wie alle anderen EU-<br />

Staaten an den so genannten europäischen Stabilitäts- <strong>und</strong><br />

Wachstumspakt halten. Er besagt, dass die gesamtstaatliche<br />

Neuverschuldung höchstens drei Prozent des Bruttoinlands -<br />

produkts betragen darf, <strong>und</strong> die staatliche Schuldenstandquote,<br />

also das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt,<br />

60 Prozent nicht überschreiten soll.<br />

Diese Kriterien werden auch Maastricht-Kriterien bezeichnet.<br />

Man möchte bezwecken, dass die EU-Mitgliedstaaten – insbesondere<br />

jene, die dem Euro raum angehören – ihre öffentlichen<br />

Finanzen solide gestalten <strong>und</strong> dabei sowohl Wachstum <strong>und</strong><br />

Beschäftigung der jetzigen Bevölkerung als auch die Herausforderungen<br />

des demografischen Wandels <strong>und</strong> das Wohl zukünftiger<br />

Generationen im Blick haben.<br />

Diskussion:<br />

Mehreinnahmen – Staatsschulden<br />

abbauen oder Steuern senken?<br />

Defizit ist nicht<br />

gleich Defizit<br />

Ein konjunkturelles<br />

Defizit ist auf geringere<br />

Steuereinnahmen <strong>und</strong><br />

höhere Sozialausgaben<br />

in wirtschaftlichen<br />

Schwächephasen zurückzuführen.<br />

In wirtschaftlich<br />

guten Zeiten<br />

ergibt sich umgekehrt<br />

ein konjunktureller<br />

Überschuss.<br />

Ein strukturelles<br />

Defizit ist die dauerhafte<br />

Überlastung des<br />

Haushalts durch nicht<br />

konjunkturbedingte<br />

Ausgaben. Auch bei<br />

guter Konjunktur wird<br />

das Defizit langfristig<br />

nicht abgebaut.<br />

Weiter klicken<br />

Das B<strong>und</strong>esfinanzministerium<br />

bereitet auf<br />

seiner Internetseite<br />

regelmäßig aktuelle<br />

Themen auf. Unter<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanz<br />

ministerium.de<br />

findet sich der<br />

Themenschwerpunkt<br />

„B<strong>und</strong>esvermögen“<br />

mit allen relevanten<br />

Informationen zum<br />

Thema.<br />

Arbeitskreis „Steuerschätzungen“<br />

Der Arbeitskreis erörtert jede Steuerart solange, bis ein<br />

Konsens erreicht worden ist, der von allen mitgetragen<br />

werden kann. Auf der Gr<strong>und</strong>lage der Einzelsteuerschätzungen<br />

werden dann die auf B<strong>und</strong>, Länder, Gemeinden<br />

<strong>und</strong> EU entfallenden Einnahmen ermittelt. Dem Arbeitskreis<br />

gehören neben dem federführenden B<strong>und</strong>esministerium<br />

der Finanzen das B<strong>und</strong>esministerium<br />

für Wirtschaft <strong>und</strong> Technologie, die fünf großen Wirtschaftsforschungsinstitute,<br />

das Statistische B<strong>und</strong>esamt,<br />

die Deutsche B<strong>und</strong>esbank, der Sachverständigenrat zur<br />

Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung,<br />

die Länderfinanzministerien <strong>und</strong> die B<strong>und</strong>esvereinigung<br />

kommunaler Spitzenverbände an. Die Zusammensetzung<br />

sichert seine Unabhängigkeit.<br />

PRO Staatsschulden abbauen:<br />

• Es muss gespart werden, <strong>und</strong> zwar nicht nur wenn die Not es erforderlich<br />

macht, sondern stetig, damit die öffentlichen Kassen<br />

nicht aus dem Ruder laufen.<br />

• Steuermehreinnahmen sind die Rücklagen des Staates.<br />

• Der Abbau der Schulden ist notwendig, um Gestaltungsspielräume<br />

zurückzugewinnen.<br />

PRO Steuern senken:<br />

• Wenn es dauerhaft höhere Steuereinnahmen gibt, muss der<br />

Steuer zahler auch etwas davon haben.<br />

• Niedrigere Steuern <strong>und</strong> niedrigere Sozialabgaben können Anreize<br />

setzen, arbeiten zu gehen.<br />

• Niedrigere Steuern stärken den Konsum, was wiederum der<br />

Wirtschaft einen Schub gibt.<br />

Weiter denken<br />

Wie sieht für euch eine<br />

nachhaltige Steuerpolitik<br />

aus? Sammelt<br />

in Kleingruppen Vorschläge<br />

für kurz- <strong>und</strong><br />

mittelfristige Maßnahmen<br />

<strong>und</strong> Ziele, die der<br />

Staat umsetzen sollte.<br />

Begründet <strong>und</strong> diskutiert<br />

eure Vorschläge<br />

<strong>und</strong> haltet sie in einem<br />

Schaubild fest.<br />

15


Umweltpolitik<br />

Gemeinsam für den Klimaschutz<br />

Lange Zeit waren Strom <strong>und</strong> Energie etwas Selbstverständliches, über das man sich<br />

nicht viele Gedanken gemacht hat. Weißt du, aus welchen Energiequellen der Strom<br />

stammt, der bei dir zuhause aus der Steckdose kommt <strong>und</strong> die elektrischen Geräte mit<br />

Energie versorgt?<br />

Stromerzeugung in Deutschland<br />

Der überwiegende Teil des Stroms wird durch Verbrennung von<br />

fossilen Brennstoffen produziert, über 22 Prozent stammen aus<br />

Kernkraftwerken. 16 Prozent werden aus so genannten erneuerbaren<br />

Energien gewonnen (> siehe Grafik).<br />

Zwar ist Strom nur eine Form, in der wir Energie verwenden. Wärme<br />

<strong>und</strong> Verkehr sind ebenso wichtig. Aber beim Strom kann man<br />

sehr gut sehen, worin unsere Probleme bei der Energieproduktion<br />

liegen: Die Verbrennung von Kohle, Öl <strong>und</strong> Gas verursacht klimaschädliche<br />

Treibhausgase. Strom aus Kernkraftwerken wird zwar<br />

klimafre<strong>und</strong>lich produziert, birgt aber erhebliche Risiken, wie die<br />

Katastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 zeigt. Der<br />

Deutsche B<strong>und</strong>estag hat vor diesem Hintergr<strong>und</strong> den Ausstieg<br />

aus der Kernenergie bis zum Jahr 2022 beschlossen.<br />

Kernenergie: Effizient, aber nicht sicher<br />

Energie aus Kernkraftwerken war immer schon umstritten: Die<br />

einen hielten sie für eine effiziente <strong>und</strong> in der Produktion klimafre<strong>und</strong>liche<br />

Alternative zu den begrenzten Energieressourcen<br />

aus Kohle, Öl <strong>und</strong> Gas. Die anderen sahen in ihr durch den verstrahlten<br />

Abfall schon immer eine Gefahr für die Umwelt <strong>und</strong> ein<br />

Sicherheitsrisiko. Der Streit um die Kernenergie wurzelt in den<br />

1970er- <strong>und</strong> 1980er-Jahren. Störfälle <strong>und</strong> Katastrophen wie die<br />

von Tschernobyl im Jahr 1986 riefen in Teilen der Bevölkerung<br />

verstärkt Proteste hervor.<br />

1962 ging das erste Kernkraftwerk in Deutschland ans Netz.<br />

Was mit dem verstrahlten Abfall geschieht, der seit Beginn des<br />

atomaren Zeitalters in Deutschland angefallen ist, konnte bisher<br />

nicht abschließend geklärt werden. Für die Aufbewahrung von<br />

verstrahlten Materialien aus Forschungsreaktoren <strong>und</strong> Kernkraftwerken<br />

entstehen hohe Kosten. Auch deswegen wurde eine<br />

Kernbrennstoffsteuer eingeführt, die den Einsatz von Brennelementen<br />

in Kernkraftwerken besteuert.<br />

Erneuerbare Energien fördern<br />

Zugleich wurde durch ein stetig wachsendes Umweltbewusstsein<br />

der Weg für erneuerbare Energien bereitet. Wurde die<br />

Ökobranche in Deutschland früher eher belächelt, hat sie sich<br />

mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt,<br />

der allerdings ohne Förderung noch nicht auskommt. Klimaschutz<br />

ist inzwischen auch international ein fester Bestandteil<br />

der politischen Agenda. So haben sich viele Länder im Protokoll<br />

von Kyoto auf verbindliche Handlungsziele <strong>und</strong> Umsetzungsinstrumente<br />

für den globalen Klimaschutz geeinigt. Die Klimaerwärmung<br />

soll weltweit auf 2°C begrenzt werden. Derzeit wird<br />

verhandelt, welche Klimaziele nach <strong>2012</strong> gelten sollen. Die<br />

B<strong>und</strong>esregierung beabsichtigt, in den kommenden vier Jahren<br />

insgesamt r<strong>und</strong> zehn Milliarden Euro für die Förderung der erneuerbaren<br />

Energien <strong>und</strong> den internationalen Klima- <strong>und</strong> Umweltschutz<br />

durch den so genannten Energie- <strong>und</strong> Klimafonds<br />

(EKF) zur Verfügung zu stellen.<br />

16


Was der Staat mit unseren Steuern macht<br />

Umweltpolitik<br />

Bruttostromerzeugung in Deutschland 2010<br />

Kernenergie<br />

Steinkohle<br />

18%<br />

25%<br />

Braunkohle<br />

Erdgas<br />

19% 14%<br />

20%<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium<br />

für Wirtschaft <strong>und</strong> Technologie, <strong>2012</strong><br />

5%<br />

Erneuerbare<br />

Sonstige<br />

8%<br />

Wind<br />

Biomasse<br />

5%<br />

3%<br />

PV<br />

3%<br />

Wasser 1%<br />

Müll<br />

(50% fossil)<br />

Nachhaltige Mobilität<br />

Verkehr hat einen großen Anteil an der Erderwärmung<br />

<strong>und</strong> ist für viele Umweltprobleme verantwortlich.<br />

Auf der anderen Seite benötigen die Gesellschaft<br />

<strong>und</strong> das Wirtschaftssystem eine funktionierende<br />

Verkehrsinfrastruktur; viele Arbeitnehmer sind auf<br />

Mobilität angewiesen. Um künftig klimafre<strong>und</strong>liche<br />

Mobilität zu ermöglichen, sind innovative Umwelttechnologien<br />

wichtig. Bis 2020 sollen deswegen mindestens<br />

eine Million Elektroautomobile auf Deutschlands<br />

Straßen fahren. Diese Autos erzeugen kein<br />

klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO 2<br />

), wenn sie<br />

mit durch erneuerbare Energien erzeugtem Strom<br />

angetrieben werden. Auch alternative Treibstoffe <strong>und</strong><br />

Antriebstechnologien werden zurzeit erforscht, um<br />

die nachhaltige Mobilität mit Blick auf die Zukunft<br />

voranzubringen.<br />

Die drei Säulen<br />

der Nachhaltigkeit<br />

Nachhaltige<br />

Entwicklung<br />

Gut zu wissen ...<br />

Ökologie Ökonomie<br />

Klimaschutz<br />

Steuern: Wer die Umwelt schützt,<br />

wird belohnt<br />

Auch Autofahrer werden für umweltbewusstes Verhalten<br />

belohnt. Seit dem 1. Juli 2009 orientiert sich<br />

die Kraftfahrzeugsteuer für ab diesem Zeitpunkt<br />

erstmalig zugelassene Autos vorwiegend an den<br />

schädlichen CO 2<br />

-Emissionen. CO 2<br />

-Emissionen werden<br />

für den so genannten Treibhauseffekt <strong>und</strong> den<br />

damit verb<strong>und</strong>enen Klimawandel verantwortlich gemacht.<br />

Die Energiesteuer ist außerdem Bestandteil des<br />

Benzinpreises: Wer weniger Benzin verbraucht, zahlt<br />

automatisch weniger.<br />

Ressourcenschutz<br />

Erhalt der<br />

Artenvielfalt<br />

Kultur- <strong>und</strong><br />

Landschaftsraumpflege<br />

dauerhafte<br />

Gr<strong>und</strong>lage für<br />

Erwerb <strong>und</strong><br />

Wohlstand<br />

schaffen<br />

effizientes <strong>und</strong><br />

kostenbewusstes<br />

Handeln<br />

Gesamtlebenszyklus-<br />

Betrachtung<br />

soziales<br />

zukunftsfähige,<br />

lebenswerte<br />

Gesellschaft<br />

schaffen<br />

Ausgleich<br />

sozialer Kräfte<br />

Wohlstand<br />

für alle<br />

Gemeinschaftsmitglieder<br />

Quelle: Drei-Säulen-Modell (Konzept nach Enquete-Kommission des Deutschen B<strong>und</strong>estags, 1998)<br />

Weiter klicken<br />

Von 2005 bis zum Jahr<br />

2014 läuft die UN-<br />

Dekade „<strong>Bildung</strong> für<br />

nachhaltige Entwicklung“.<br />

Hierzu gibt es<br />

auch in Deutschland<br />

zahlreiche Projekte<br />

<strong>und</strong> Veranstaltungen.<br />

Einen Überblick findet<br />

ihr unter<br />

www.bne-portal.de<br />

> UN-Dekade<br />

„<strong>Bildung</strong> für nachhaltige<br />

Entwicklung“.<br />

Was ist Nachhaltigkeit?<br />

Nachhaltigkeit ist eigentlich ein Begriff aus der Forstwirtschaft. Demnach<br />

darf im Wald nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch nachwächst.<br />

Dieses Prinzip wird heutzutage auf viele Politikbereiche übertragen, zum<br />

Beispiel auf den Umweltschutz, die Wirtschaft <strong>und</strong> die <strong>Bildung</strong>. Nachhaltigkeit<br />

bedeutet in diesem Zusammenhang: Zukünftige Generationen sollen<br />

dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben wie wir. Zugleich müssen<br />

diese Chancen für die heute lebenden Menschen fairer verteilt werden.<br />

Nachhaltige Entwicklung verbindet wirtschaftlichen Fortschritt mit sozialer<br />

Entwicklung <strong>und</strong> dem Schutz der natürlichen Umwelt – so lautet der offizielle<br />

Anspruch. Diesem Gedankengang liegt das so genannte Drei-Säulen-<br />

Modell der Nachhaltigkeit zugr<strong>und</strong>e. Dieses Modell beschreibt das abgestimmte<br />

Verfolgen ökologischer, ökonomischer <strong>und</strong> sozialer Ziele.<br />

Weiter denken<br />

Welche Möglichkeiten<br />

hat der Staat, seine<br />

Bürger zu umweltgerechtem<br />

Verhalten<br />

zu motivieren? Und<br />

was könnt ihr selbst<br />

für eine nachhaltige<br />

Entwicklung tun?<br />

17


Gesellschaftspolitik<br />

Soziale Herausforderung<br />

Fast jeder zweite Euro aus dem B<strong>und</strong>eshaushalt fließt derzeit in die Bereiche Arbeit<br />

<strong>und</strong> Soziales. Damit bilden die Ausgaben für die soziale Sicherung im Haushalt den<br />

mit Abstand größten Block. Das soziale Netz, das nach den Sozialgesetzbüchern aufgespannt<br />

wird, ist überwiegend durch Beiträge der Versicherten finanziert <strong>und</strong> wird<br />

durch Mittel aus dem B<strong>und</strong>eshaushalt für den Bereich Arbeit <strong>und</strong> Soziales ergänzt. Die<br />

Sozialausgaben des B<strong>und</strong>es dienen beispielsweise dazu, hilfebedürftigen Menschen in<br />

Deutschland ein Existenzminimum zu sichern.<br />

Die SoZIALversicherung<br />

in<br />

Deutschland<br />

• gesetzliche<br />

Rentenversicherung<br />

• gesetzliche<br />

Krankenversicherung<br />

• Arbeitslosenversicherung<br />

• gesetzliche<br />

Unfallversicherung<br />

• Pflegeversicherung<br />

• Künstlersozialversicherung<br />

Weiter klicken<br />

Die B<strong>und</strong>esregierung<br />

veröffentlicht<br />

regelmäßig einen<br />

Armuts- <strong>und</strong> Reichtumsbericht.<br />

Dieser<br />

ist auf den Seiten<br />

des B<strong>und</strong>esministeriums<br />

für Arbeit <strong>und</strong><br />

Soziales zu finden:<br />

www.bmas.de<br />

Sind hilfebedürftige Bürger erwerbsfähig, erhalten sie Arbeitslosengeld<br />

II – im Volksm<strong>und</strong> auch „Hartz IV“ genannt. Das Arbeits -<br />

losengeld II dient der Deckung des Lebensunterhalts, damit sich<br />

die Hilfebedürftigen Lebensmittel, Kleidung <strong>und</strong> Hausrat kaufen<br />

können. Der derzeitige Regelsatz für einen alleinstehenden<br />

Erwachsenen liegt bei 364 Euro monatlich. Auch für die Miete<br />

<strong>und</strong> das Heizen der Wohnung erhalten die betroffenen Bürger<br />

finanzielle Unterstützung, ebenso werden bedürftige Kinder <strong>und</strong><br />

<strong>Jugend</strong>liche mit Leistungen für den Schulbedarf sowie zur Teilhabe<br />

an Vereins-, Kultur- <strong>und</strong> Sportangeboten unterstützt.<br />

Der B<strong>und</strong> beteiligt sich außerdem an den Ausgaben der Kommunen<br />

für die so genannte Gr<strong>und</strong>sicherung im Alter <strong>und</strong> bei<br />

Erwerbsminderung, mit der Personen ab 65 Jahren <strong>und</strong> dauerhaft<br />

voll erwerbsgeminderte Personen zwischen 18 <strong>und</strong> 64<br />

Jahren finanziell unterstützt werden. Ferner trägt der B<strong>und</strong><br />

zur finanziellen Unterstützung für Opfer von Gewalttaten, sowie<br />

Kriegsopfer, Menschen mit Behinderungen, Künstler <strong>und</strong> insbesondere<br />

der gesetzlichen Krankenversicherung bei.<br />

Diskussion: Mehr Investitionen in die <strong>Bildung</strong> oder<br />

in die sozialen Sicherungssysteme?<br />

Die Sozialversicherung<br />

Vom Einkommen eines Arbeitnehmers gehen nicht nur Steuern,<br />

sondern auch die Sozialversicherungsbeiträge ab. Dazu gehören<br />

vor allem die gesetzliche Krankenversicherung <strong>und</strong> die gesetzliche<br />

Rentenversicherung. Die Sozialversicherung basiert<br />

auf dem Solidarprinzip. Das bedeutet, dass alle Versicherten<br />

Beiträge zahlen. Diese Beiträge werden von Arbeitgebern <strong>und</strong><br />

Arbeitnehmern gemeinsam getragen <strong>und</strong> prozentual vom Bruttolohn<br />

erhoben. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der so<br />

genannten Beitragsbemessungsgrenze <strong>und</strong> einem Beitragssatz.<br />

Wenn der Versicherungsfall eintritt <strong>und</strong> man zum Beispiel krank<br />

wird oder in Rente geht, wird die Leistung gewährt.<br />

solidarisch: Bürgerengagement<br />

Ein weiteres wichtiges Element unseres sozialen Systems ist<br />

das freiwillige Engagement der Bürger. Viele Menschen arbeiten<br />

ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Bereichen, engagieren<br />

sich in Vereinen, in Schulen oder auf sozialem Gebiet. Der Staat<br />

fördert ein solches Engagement durch steuerliche Entlastungen;<br />

darüber hinaus gibt es seit der Aufhebung der Allgemeinen<br />

Wehrpflicht den B<strong>und</strong>esfreiwilligendienst.<br />

Unsolidarisch: Schwarzarbeit<br />

Leider gibt es auch Menschen, die wenig solidarisch handeln:<br />

Allein die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls leitete im Jahr<br />

2010 insgesamt fast 118.000 Strafverfahren wegen so genannter<br />

Schwarzarbeit ein. Und das sind nur die bekannten Fälle. Als<br />

Schwarzarbeit bezeichnet man illegale Beschäftigungsverhältnisse,<br />

bei denen die Angestellten vom Arbeitgeber nicht offiziell<br />

gemeldet sind. Um Schwarzarbeit geht es auch, wenn Sozialleistungen<br />

bezogen werden <strong>und</strong> heimlich gearbeitet wird. Damit<br />

entgeht dem Staat die Lohnsteuer – <strong>und</strong> auch die Beiträge für<br />

die Sozialversicherung werden nicht gezahlt. Durch Schwarzarbeit<br />

entstehen dem Staat – <strong>und</strong> somit auch allen Steuerzahlern<br />

– Verluste von vielen Milliarden Euro jährlich.<br />

Weiter denken<br />

Für welches Ehrenamt<br />

würdet ihr euch<br />

entscheiden <strong>und</strong> aus<br />

welchen Gründen?<br />

Führt auch eine<br />

Umfrage an eurer<br />

Schule durch <strong>und</strong><br />

tragt die Ergebnisse<br />

anschließend<br />

zusammen.<br />

Pro <strong>Bildung</strong>:<br />

• Der Staat kann ein Netz spannen, aber er kann nicht jeden<br />

Einzelnen vor den Folgen aller Risiken schützen. Mehr <strong>Bildung</strong><br />

sorgt auch dafür, dass der Einzelne für sich selbst mehr<br />

Verantwortung übernehmen kann.<br />

• Ein gutes <strong>Bildung</strong>sf<strong>und</strong>ament ermöglicht jungen Menschen,<br />

dass sie mehr an der Gesellschaft teilhaben können. Durch<br />

mehr <strong>Bildung</strong> könnten möglicherweise sogar Sozialkosten<br />

eingespart werden.<br />

Pro soziale Sicherung:<br />

• Der Staat sichert mit dem sozialen Netz den Einzelnen vor<br />

den finanziellen Folgen existenzbedrohender Risiken ab – wie<br />

etwa Arbeitslosigkeit <strong>und</strong> einem damit verb<strong>und</strong>enen sozialen<br />

Abstieg. Es ist daher wichtig, die Leistungsfähigkeit des sozialen<br />

Netzes durch Maßnahmen zur Erhaltung der langfristigen<br />

Finanzierbarkeit zu sichern.<br />

• Die soziale Herkunft entscheidet immer noch häufig darüber,<br />

welchen <strong>Bildung</strong>sweg ein <strong>Jugend</strong>licher einschlägt. Daher<br />

muss erst das finanzielle F<strong>und</strong>ament stimmen, bevor man<br />

sich um die <strong>Bildung</strong> kümmern kann.<br />

18


Gesellschaftspolitik<br />

Familienpolitik<br />

Familien im Vorteil<br />

Viele Dinge, die für dich selbstverständlich <strong>und</strong> alltäglich sind, kosten deine Eltern<br />

viel Geld: eure Wohnung, das Auto, euer Essen, deine Kleidung, deine Schuhe, die Mitgliedschaft<br />

im Sportverein <strong>und</strong> vieles mehr. Auch wenn du für deine eigenen Ausgaben<br />

ein monatliches Taschengeld hast, müssen deine Eltern finanziell für dich sorgen.<br />

Deshalb <strong>und</strong> aus anderen Gründen unterstützt der Staat Familien – das ist bereits im<br />

Gr<strong>und</strong>gesetz festgelegt.<br />

Vielfältige Leistungen<br />

Ehe <strong>und</strong> Familie stehen unter besonderem Schutz der Verfassung<br />

<strong>und</strong> werden vom Staat gefördert. Insgesamt 157 verschiedene<br />

ehe- <strong>und</strong> familienbezogene Leistungen <strong>und</strong> Maßnahmen<br />

gibt es, angefangen vom Kindergeld über die beitragsfreie<br />

Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung<br />

bis hin zum Zuschlag beim Arbeitslosengeld II. Und für all<br />

diese Instrumente gibt der Staat jährlich um die 195 Milliarden<br />

Euro aus. Der Löwenanteil der Leistungen entfällt auf die<br />

Förderung der Familien mit einem Gesamtvolumen von 122<br />

Milliarden Euro.<br />

Gefördert werden Familien sowohl über direkte Zuschüsse als<br />

auch über Steuererleichterungen. So können Eltern zum Beispiel<br />

die Kosten für die Betreuung ihrer Kinder bis zu einem bestimmten<br />

Betrag absetzen <strong>und</strong>, wenn die Voraussetzungen dafür<br />

vorliegen, bestimmte Aufwendungen für Kinder in der Berufsausbildung<br />

geltend machen, Schulgeld absetzen oder auch die<br />

Kinderzulage bei der Altersvorsorgeförderung (Riester-Rente,<br />

> mehr ab Seite 20) beantragen. Allein Erziehende erhalten aufgr<strong>und</strong><br />

ihrer besonderen Situation einen zusätzlichen Freibetrag.<br />

EHE UND STEUERn<br />

Um den gr<strong>und</strong>gesetzlichen Schutz von Ehe <strong>und</strong> Familie zu gewährleisten,<br />

behandelt der Staat Eheleute anders als Ledige<br />

<strong>und</strong> Paare, die ohne Trauschein zusammenleben. Die Einkommensteuerlast<br />

von Eheleuten wird in der Regel nach dem so genannten<br />

Splittingtarif berechnet. Die zu versteuernden Einkommen<br />

beider Ehepartner werden dann zusammengerechnet. Die<br />

Steuer, die sich für das halbe gemeinsame Einkommen ergibt,<br />

wird mit zwei multipliziert. Dieses Ehegatten-Splitting ist nicht<br />

unumstritten. Kritiker führen an, dass auf diese Weise die so genannte<br />

„Versorgerehe“ begünstigt werde. Denn der steuerliche<br />

Vorteil wiege umso mehr, je weiter die Einkommen der beiden<br />

Ehepartner auseinanderliegen.<br />

Das Elterngeld<br />

Ein wichtiger Baustein der Familienförderung ist das so genannte<br />

Elterngeld. Es kompensiert den Einkommensverlust nach der<br />

Geburt eines Kindes, wenn die Eltern ihr Kind selbst betreuen<br />

<strong>und</strong> erziehen – <strong>und</strong> soll auch Väter ermutigen, sich verstärkt um<br />

die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.<br />

familienbezogene<br />

Leistungen:<br />

122,7 Mrd.Euro<br />

Realtransfers<br />

25.129 €<br />

Maßnahmen zur<br />

Sozialversicherung<br />

26.957 €<br />

Geldleistungen<br />

24.654 €<br />

steuerliche Maßnahmen<br />

45.964 €<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium für Familie, Senioren, Frauen <strong>und</strong> <strong>Jugend</strong>,<br />

Familienreport 2011<br />

Gut zu wissen ...<br />

72.568 €<br />

ehebezogene<br />

Leistungen<br />

Auf einen Blick: Das Elterngeld<br />

• Das Elterngeld ersetzt 67 Prozent des bisherigen durchschnittlichen<br />

Nettoeinkommens, wenn dieses zwischen 1.000<br />

<strong>und</strong> 1.200 Euro liegt.<br />

• Für höhere Einkommen sinkt der Prozentsatz bis auf 65 Prozent.<br />

Bei einem Einkommen von 2.770 Euro wird der Höchstbetrag<br />

von 1.800 Euro erreicht.<br />

• Für Einkommen unterhalb von 1.000 Euro steigt der Satz bis<br />

auf 100 Prozent. Für Einkommen von 300 Euro <strong>und</strong> weniger<br />

wird unabhängig vom Einkommen in jedem Fall ein Sockelbetrag<br />

in Höhe von 300 Euro gewährt.<br />

• Wer nach der Geburt des Kindes zuhause bleibt oder nicht<br />

mehr als 30 St<strong>und</strong>en pro Woche arbeitet, hat Anspruch auf die<br />

finanzielle Leistung.<br />

• Das Elterngeld wird pro Kind maximal 14 Monate gezahlt – bei<br />

allein Erziehenden ganze 14 Monate, bei gemeinsam erziehenden<br />

Eltern zwölf Monate plus zwei Bonusmonate für den<br />

Partner.<br />

Weiter klicken<br />

Das B<strong>und</strong>esministerium<br />

für Familie,<br />

Senioren, Frauen <strong>und</strong><br />

<strong>Jugend</strong> liefert Antworten<br />

auf viele Fragen<br />

in punkto Steuern, die<br />

sich Familien stellen:<br />

www.familienwegweiser.de<br />

Weiter denken<br />

Familienpolitik<br />

ist ein Gebiet, in<br />

dem verschiedene<br />

politische Ressorts<br />

ineinandergreifen.<br />

Welche Politikbereiche<br />

fallen euch ein, die<br />

mit Familienpolitik<br />

zusammenhängen?<br />

Welche Maßnahmen<br />

sind seitens des Staates<br />

bzw. der Politik<br />

wichtig, um auch in<br />

Zukunft Familien zu<br />

unterstützen? Erstellt<br />

eine Rangliste.<br />

19


Zukunft <strong>und</strong> Altersvorsorge<br />

Rente?<br />

Alt kommt früh genug<br />

In deiner Klasse fällt es dir mit Sicherheit genauso wenig auf wie in deinem Fre<strong>und</strong>eskreis.<br />

Aber wenn du dich auf der Straße, im Geschäft oder in der U-Bahn umsiehst, merkst<br />

du es vielleicht schon eher: Deutschland wird älter. In den vergangenen zehn Jahren hat<br />

der Anteil der über 65-Jährigen zugenommen. Inzwischen ist r<strong>und</strong> ein Fünftel der Deutschen<br />

im Rentenalter. Diese Tendenz wird sich verstärken: Bereits 2020 wird jeder zweite<br />

Arbeitnehmer älter als 50 Jahre sein. Das liegt vor allem an den anhaltend niedrigen<br />

Geburtenraten sowie einer steigenden Lebenserwartung, die auch künftig zunehmen<br />

wird: Durch diesen so genannten demografischen Wandel werden die Alterssicherungssysteme<br />

künftig vor besondere Herausforderungen gestellt.<br />

Demografischer Wandel<br />

Zum Teil ist die derzeitige demografische Entwicklung dadurch<br />

begründet, dass sich immer mehr Menschen spät oder gar nicht<br />

für eine Familie entscheiden. Sie wollen zuerst ihre Ausbildung<br />

oder ihr Studium absolvieren, <strong>und</strong> viele können oder möchten<br />

Beruf <strong>und</strong> Kinder nicht unter einen Hut bringen. Um das Familienleben<br />

weiterhin attraktiv zu gestalten, ist es wichtig, dass<br />

der Staat familienfre<strong>und</strong>liche Rahmenbedingungen schafft –<br />

beispielsweise durch finanzielle Unterstützung oder mehr Betreuungsmöglichkeiten<br />

für Kleinkinder. Ein weiterer Gr<strong>und</strong> für<br />

den demografischen Wandel liegt in der steigenden Lebenserwartung.<br />

Dieser demografische Trend wirkt sich auf die gesamte<br />

Gesellschaft aus: Unser Rentensystem basiert darauf, dass<br />

die Arbeitnehmer von heute die Renten der Älteren finanzieren.<br />

Die Beschäftigten zahlen in die Rentenkasse ein, <strong>und</strong> die Ruheständler<br />

beziehen daraus ihre monatliche Rente. So stützt die<br />

arbeitende Generation die Rentner – dies bezeichnet man auch<br />

als Generationenvertrag. Dieses so genannte Umlageverfahren<br />

funktioniert allerdings nur dann, wenn genug Beitragszahler<br />

arbeiten <strong>und</strong> die immer größer werdende Anzahl der Menschen<br />

im Ruhestand finanzieren. Um die demografische Entwicklung<br />

abzufedern, ist die gesetzliche Rentenversicherung in den vergangenen<br />

Jahren reformiert worden. So steigt das Renteneintrittsalter<br />

in den nächsten Jahren schrittweise auf 67 Jahre.<br />

Eigeninitiative gefragt<br />

Die Bemessung der Höhe gesetzlicher Renten ist festgeschrieben.<br />

Die Rente richtet sich nach der aktuellen Lohnentwicklung<br />

in Deutschland. Dabei ist auch entscheidend, wie viele<br />

Menschen tatsächlich arbeiten <strong>und</strong> in die Rentenversicherung<br />

einzahlen. Wer arbeitslos ist, zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge.<br />

Aufgr<strong>und</strong> des demografischen Wandels kann der<br />

Staat die Altersvorsorge nicht mehr in dem Umfang garantieren,<br />

wie es früher der Fall war. Als eine Maßnahme fördert<br />

er deswegen seit einigen Jahren den Aufbau einer privaten<br />

Altersvorsorge oder betrieblichen Altersvorsorge durch steuerfinanzierte<br />

Zulagen <strong>und</strong> steuerliche Freibeträge. Die Formel<br />

für einen Ruhestand ohne finanzielle Sorgen lautet somit Solidarität<br />

des Staates plus Eigenverantwortung.<br />

20


Was der Staat mit unseren Steuern macht<br />

Zukunft <strong>und</strong> Altersvorsorge<br />

Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland<br />

Bevölkerung nach Altersgruppen in Tausend / in Prozent der Gesamtbevölkerung<br />

600<br />

Männer<br />

2008 Altersgruppen von ...<br />

2030<br />

bis unter ... Jahren<br />

Frauen<br />

Männer<br />

16,7 / 20% 65 <strong>und</strong> mehr<br />

22,3 / 29%<br />

49,7 / 61% 20 bis 65<br />

42,1 / 54%<br />

15,6 / 19% 0 bis 20<br />

12,9 / 17%<br />

300 300 600<br />

600<br />

300<br />

Tausend Personen<br />

Quelle: Statistisches B<strong>und</strong>esamt 2011, Daten nach der 12. Bevölkerungsvorausberechnung<br />

Tausend Personen<br />

Frauen<br />

300<br />

600<br />

Betriebliche<br />

Altersvorsorge<br />

Die betriebliche<br />

Altersvorsorge ist<br />

auch eine Möglichkeit,<br />

um die eigene Rente<br />

aufzu stocken. Alle<br />

Arbeitnehmer haben<br />

das Recht, einen Teil<br />

ihres Lohns oder<br />

Gehalts steuerfrei<br />

in eine betriebliche<br />

Altersvorsorge umzuwandeln,<br />

um so später<br />

eine Betriebsrente zu<br />

erhalten. Dafür stehen<br />

fünf Varianten zur<br />

Verfügung:<br />

1. Direktzusage<br />

2. Unterstützungskasse<br />

3. Pensionskasse<br />

4. Pensionsfonds<br />

5. Direktversicherung<br />

Das Polster fürs Alter stützt sich dabei auf drei Säulen:<br />

1. die gesetzliche Rentenversicherung<br />

2. die betriebliche Altersvorsorge<br />

3. die private Altersvorsorge<br />

Der Staat fördert die private Altersvorsorge, beispielsweise bei<br />

der Riester-Rente, mit Zulagen <strong>und</strong> Steuervorteilen. Bei dieser<br />

Form der Altersvorsorge gibt der Staat Geld dazu. Voraussetzung<br />

ist, dass der Anleger zulageberechtigt ist <strong>und</strong> das Anlageprodukt<br />

vom B<strong>und</strong>eszentralamt für Steuern zertifiziert wurde. Riester-<br />

Rente gibt es zum Beispiel als private Rentenversicherung, in<br />

Gut zu wissen ...<br />

Form eines Bank-/Fondssparplans oder als Bausparvertrag.<br />

14,6 Millionen Menschen haben bereits einen Riester-Vertrag<br />

abgeschlossen (Stand: 2011). Neben der Riester-Rente gibt es<br />

die Basisrente, die auch als Rürup-Rente bezeichnet wird. Auch<br />

hier ist – wie bei der Riester-Rente – die Zertifizierung des Rentenvertrags<br />

erforderlich. Der Staat fördert den Aufbau dieser<br />

Form der Altersvorsorge durch die Gewährung von Steuervorteilen.<br />

Die Vorteile der Basisrente kann gr<strong>und</strong>sätzlich jeder Steuerpflichtige<br />

in Anspruch nehmen. Sie ist aber vor allem für diejenigen<br />

geeignet, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung<br />

pflichtversichert sind, wie etwa die meisten Selbstständigen <strong>und</strong><br />

Gewerbetreibenden.<br />

Diskussion: Wie könnte das Rentensystem<br />

der Zukunft aussehen?<br />

Wenn ein Arbeitnehmer<br />

den Job wechselt, ist die<br />

Altersvorsorge übrigens<br />

nicht verloren: Er kann<br />

das angesparte Kapital<br />

regelmäßig mit in das<br />

neue Arbeitsverhältnis<br />

nehmen.<br />

Weiter klicken<br />

Ihr denkt, Altersvorsorge<br />

ist kompliziert?<br />

Nicht mit den richtigen<br />

Informationen!<br />

Die gibt es unter<br />

www.altersvorsorgemacht-schule.de.<br />

Vorsorge: Je früher, desto besser!<br />

Generell gilt für die private Altersvorsorge:<br />

Wer möglichst früh damit beginnt, muss<br />

monatlich weniger Geld zurücklegen. Außerdem<br />

lässt sich durch kontinuierliches<br />

Sparen ein Zinseszinseffekt erzielen. Ebenfalls<br />

entscheidend: die richtige Mischung.<br />

Ob ihr euch für Aktienfonds oder einen<br />

Sparplan entscheidet, hängt auch von der<br />

persönlichen Risikobereitschaft ab – <strong>und</strong><br />

davon, wie viel Geld ihr auf die Seite legen<br />

könnt.<br />

• Die Ruheständler haben einen Anspruch darauf, ihre gesetzliche Rente<br />

zu erhalten. Das bestehende System muss in jedem Fall erhalten bleiben,<br />

auch wenn das bedeutet, die Beiträge zu erhöhen.<br />

• Das System der gesetzlichen Rentenversicherung muss abgeschafft<br />

werden. Die Beitragszahler können die Rentner nicht mehr finanzieren.<br />

• Das derzeit geltende System funktioniert so nicht mehr. Es muss in eine<br />

Mischung aus Umlage- <strong>und</strong> Kapitalfinanzierung umgebaut werden.<br />

• Private Altersvorsorge sollte zur Pflicht gemacht werden. Die Pflegeversicherung<br />

ist ja auch verpflichtend.<br />

• Der Staat kann sich nicht um alles kümmern; die gesetzliche Rentenversicherung<br />

sollte freiwillig werden, ebenso wie jede zusätzliche private<br />

Altersvorsorge.<br />

Weiter denken<br />

Wie kann der Staat<br />

die Rente auch für<br />

zukünftige Generationen<br />

garantieren?<br />

Etwa durch eine noch<br />

längere Lebensarbeitszeit?<br />

Sammelt Ideen<br />

<strong>und</strong> diskutiert eure<br />

Lösungsvorschläge.<br />

Entwerft ein Schaubild<br />

zu dem für euch<br />

sinnvollsten Lösungsansatz.<br />

21


Internationale Zusammenarbeit<br />

Gemeinsam gestalten<br />

Vielleicht hast du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht – auf Reisen, oder auch beim<br />

Schüleraustausch mit deiner Schule im Ausland: Es gibt vieles, was anderswo vielleicht<br />

ganz anders läuft als zuhause. Gerade deswegen kann man viel voneinander lernen.<br />

Internationale Zusammenarbeit ist auch für den Staat – gerade in Wirtschafts- <strong>und</strong><br />

Finanzangelegenheiten – in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden. Denn<br />

auch die Wirtschaft wächst weltweit mehr <strong>und</strong> mehr zusammen.<br />

Internationale Akteure<br />

Um in Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftsfragen möglichst gut an einem<br />

Strang zu ziehen, müssen sich die einzelnen Staaten auf Spielregeln<br />

<strong>und</strong> Mindeststandards einigen. Dazu tragen einige länderübergreifende<br />

Organisationen bei, etwa die Weltbank, der<br />

Internationale Währungsfonds (IWF), die Organisation für<br />

wirtschaftliche Zusammenarbeit <strong>und</strong> Entwicklung (OECD), die<br />

Gruppe der Acht (G 8) sowie die Gruppe der Zwanzig (G 20).<br />

> Die Weltbank wurde ursprünglich als Sonderorganisation<br />

der Vereinten Nationen mit dem Ziel gegründet, die im Zweiten<br />

Weltkrieg zerstörten europäischen Länder wieder aufzubauen.<br />

Mit der Zeit hat sich die Weltbank zu einer entwicklungs- <strong>und</strong><br />

ordnungspolitischen Organisation entwickelt. Hauptaufgabe ist<br />

es, die wirtschaftliche Entwicklung durch finanzielle Hilfen, Beratung<br />

<strong>und</strong> technische Hilfen zu fördern. Vor allem der Anteil der<br />

Armen an der Weltbevölkerung soll bis zum Jahr 2015 um die<br />

Hälfte gesenkt werden. Die Entscheidungen der Weltbank werden<br />

von den Mitgliedstaaten getroffen; das Stimmgewicht eines<br />

Landes hängt von der Höhe seiner Beteiligung ab. Dadurch haben<br />

die Industriestaaten – wie Deutschland, USA, Japan, Frankreich<br />

<strong>und</strong> Großbritannien – ein deutliches Übergewicht.<br />

> Der Internationale Währungsfonds (IWF) nahm seine Tätigkeit<br />

im Mai 1946 in Washington auf. Damals zählte er 39 Mitglieder.<br />

Heute umfasst der IWF 187 Mitgliedstaaten. Seine Aufgabe<br />

ist es, unter Auflagen befristete Kredite an Mitgliedstaaten zu<br />

vergeben, die unter Zahlungsproblemen leiden. Um derartige<br />

Kredite zu erhalten, müssen die betroffenen Staaten beispielsweise<br />

ihre Staatsausgaben kürzen, für eine niedrige Inflation<br />

sorgen oder den Export steigern. Für die ärmsten Mitgliedsländer<br />

vergibt der IWF seine Kredite zu besonders günstigen<br />

Konditionen.<br />

> Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit <strong>und</strong><br />

Entwicklung (OECD) besteht seit 1961 <strong>und</strong> hat derzeit 30 Mitgliedstaaten<br />

weltweit. Alle Mitglieder bekennen sich zu Demokratie<br />

<strong>und</strong> Marktwirtschaft. Die OECD hat sich zum Ziel gesetzt,<br />

ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern, die Armut zu<br />

bekämpfen <strong>und</strong> für höhere Lebensstandards einzutreten. Sie<br />

arbeitet vor allem wissenschaftlich <strong>und</strong> gibt jährlich r<strong>und</strong> 250<br />

Studien zu unterschiedlichen Themen heraus. Dazu gehört der<br />

halbjährliche Wirtschaftsausblick, aber beispielsweise auch<br />

die PISA-Studie, die Kenntnisse von Schülern in verschiedenen<br />

Ländern vergleicht.<br />

22


Über die Grenzen hinaus – Internationale Finanzpolitik <strong>und</strong> die Europäische Währungsunion<br />

Internationale Zusammenarbeit<br />

G 8 <strong>und</strong> G 20<br />

Die Gruppe der Acht (G 8) ist im Gegensatz zu Weltbank, IWF<br />

<strong>und</strong> OECD ein informeller Zusammenschluss. Vor dem Hintergr<strong>und</strong><br />

der Ölkrise trafen sich Mitte der 1970er-Jahre die Staats<strong>und</strong><br />

Regierungschefs der großen Industrienationen zum ersten<br />

Mal. Heute gehören zu den G 8 die USA, Japan, Kanada,<br />

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien <strong>und</strong> Russland.<br />

Jährlich finden Gipfeltreffen statt, bei denen auch wirtschafts-<br />

<strong>und</strong> finanzpolitische Fragen beraten werden. Im Laufe<br />

der Wirtschaftskrise in den zurückliegenden Jahren spielen bei<br />

diesen Themen jedoch die Treffen der G 20 eine größere Rolle.<br />

Die Gruppe der Zwanzig (G 20) bietet seit 1999 nicht nur den Industrienationen,<br />

sondern auch den Schwellenländern ein Forum<br />

zum Dialog. Sie setzt sich zusammen aus den Finanzministern<br />

<strong>und</strong> den Präsidenten der nationalen Zentralbanken aus 19 Ländern.<br />

Als 20. Mitglied ist die Europäische Union vertreten. Seit<br />

dem Jahr 2008 treffen sich die Staats- <strong>und</strong> Regier ungschefs der<br />

G 20 zudem auch, um globale finanz- <strong>und</strong> wirtschaftspolitische<br />

Fragen zu besprechen.<br />

Weltweite Marktwirtschaft braucht Regeln<br />

In der Europäischen Union mit ihrem gemeinsamen Binnenmarkt<br />

ist es besonders wichtig, dass sich die Mitgliedsländer<br />

über die Gr<strong>und</strong>sätze einer gemeinsamen Steuer- <strong>und</strong> Haushaltspolitik<br />

verständigen, auch wenn sie dabei aufgr<strong>und</strong> ihrer<br />

eigenen nationalen Politik Kompromisse eingehen müssen. Ein<br />

gemeinschaftliches Steuerrecht existiert in Europa bislang jedoch<br />

nicht; die Kompetenz in Sachen Steuern liegt weiterhin bei<br />

den einzelnen Staaten. Die nationalen Verbrauchsteuergesetze<br />

sind im europäischen Binnenmarkt allerdings vereinheitlicht<br />

worden. Damit sollte verhindert werden, dass der Wettbewerb<br />

zwischen den einzelnen Ländern verzerrt wird. In Deutschland<br />

mussten aus diesem Gr<strong>und</strong> einige Steuern – wie die Salz- <strong>und</strong><br />

die Zuckersteuer – abgeschafft werden. Bei der Einkommensbesteuerung<br />

bleibt die Entscheidungsgewalt aber nach wie vor<br />

bei den Staaten. Das liegt vor allem daran, dass beim Thema<br />

Steuern der Kern staatlichen Handelns betroffen ist. Denn dabei<br />

geht es um die Einnahmen, die dazu dienen, die staatliche Politik<br />

zu finanzieren. Hier gehen die Mitgliedsländer unterschiedliche<br />

Wege: Dänemark zum Beispiel finanziert das Sozialsystem<br />

fast ausschließlich über Steuern; in Frankreich, Tschechien<br />

oder Deutschland hingegen tragen Sozialversicherungsbeiträge<br />

dieses Netz.<br />

Steuern sind jedoch nur dann eine Angelegenheit der nationalen<br />

Souveränität der Mitgliedsstaaten, soweit sie nicht europäisches<br />

Recht verletzen.<br />

Steuern: internationale Abkommen<br />

Steuern wirken sich heute nicht nur im Heimatland, sondern<br />

auch jenseits der Grenzen aus. Zum Beispiel dann, wenn sich<br />

Arbeitnehmer im Ausland einen Job suchen oder Unternehmen<br />

in einem anderen Land eine Produktionsstätte eröffnen. Aus<br />

diesem Gr<strong>und</strong> gibt es zahlreiche zwischenstaatliche Vereinbarungen,<br />

um die verschiedenen nationalen Steuerbestimmungen<br />

voneinander abzugrenzen. Dazu werden so genannte Doppelbesteuerungsabkommen<br />

geschlossen. Damit soll verhindert werden,<br />

dass ein Steuerpflichtiger in zwei Staaten für die gleiche<br />

Sache zweimal besteuert wird. Inzwischen bestehen solche Abkommen<br />

zwischen r<strong>und</strong> 90 Ländern.<br />

Weiter klicken<br />

Der Binnenmarkt <strong>und</strong><br />

die Währungsunion<br />

sind das Sinnbild der<br />

Europäischen Union.<br />

Doch wie funktioniert<br />

das Ganze eigentlich?<br />

Antworten auf diese<br />

Fragen gibt das Portal<br />

www.europa.eu.<br />

Gut zu wissen ...<br />

Die vier Gr<strong>und</strong>freiheiten des Binnenmarkts<br />

1. freier Verkehr von Waren<br />

2. freier Verkehr von Personen<br />

3. freier Verkehr von Dienstleistungen<br />

4. freier Verkehr von Kapital<br />

Die Aufgaben des<br />

Internationalen Währungsfonds<br />

• Förderung der internationalen Zusammenarbeit in<br />

der Währungspolitik<br />

• Ausweitung des Welthandels<br />

• Stabilisierung internationaler Finanzmärkte<br />

• Vergabe kurzfristiger Kredite zur Behebung von<br />

Zahlungs bilanzproblemen<br />

• Überwachung der Geldpolitik<br />

• Sicherung des laufenden internationalen Zahlungsverkehrs<br />

vor staatlichen Beschränkungen des freien<br />

Devisenverkehrs<br />

• technische Hilfe<br />

Weiter denken<br />

Diskutiert in Kleingruppen,<br />

welche<br />

wirtschaftlichen <strong>und</strong><br />

politischen Instrumente<br />

die Europäische<br />

Union einsetzen sollte,<br />

damit eine gemeinsame<br />

Steuer- <strong>und</strong><br />

Haushaltspolitik langfristig<br />

gelingen kann.<br />

Inwieweit wären dabei<br />

zentrale Institutionen<br />

wie ein europäischer<br />

Finanzminister oder<br />

die „Vereinigten<br />

Staaten von Europa“<br />

zielführend? Welche<br />

Folgen hätte dies für<br />

die einzelnen Mitgliedstaaten?<br />

Sammelt eure Ergebnisse<br />

<strong>und</strong> stellt sie im<br />

Klassenverband vor.<br />

23


Globalisierung<br />

Chancen <strong>und</strong> Risiken<br />

Die Auswirkungen einer globalisierten Welt erlebst du nicht nur, wenn du im Urlaub bist.<br />

Achte doch beim nächsten Kauf einer Jeans oder eines T-Shirts einmal genauer auf das<br />

Etikett. Die Kleidung könnte vielleicht aus China stammen. Dass auch Obst <strong>und</strong> Gemüse<br />

ohne Probleme aus Nordafrika oder Südamerika zu uns in den Supermarkt kommen, ist<br />

inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Und auch die Tiefkühlpizza wurde mit<br />

Zutaten aus aller Welt produziert, bevor du sie in den Ofen schiebst. Niedrige Kosten für<br />

den Transport, Handel von Gütern über viele Grenzen hinweg, moderne Kommunikationsmöglichkeiten:<br />

Dies alles macht den freien Handel ohne Grenzen möglich. Unternehmen<br />

können heute überall auf der Welt produzieren <strong>und</strong> verkaufen.<br />

Freud <strong>und</strong> Leid der Globalisierung<br />

Die globale Weltwirtschaft wird durch die Existenz von regionalen<br />

Blöcken strukturiert, dies trägt ein stabilisierendes Element<br />

in sich. So exportierte beispielsweise die B<strong>und</strong>esrepublik im<br />

vergangenen Jahr r<strong>und</strong> 71 Prozent ihrer Waren in europäische<br />

Länder. Der wichtigste Handelspartner beim Export ist nach wie<br />

vor Frankreich, beim Import steht China an der Spitze.<br />

Die Globalisierung schafft allerdings nicht nur Wohlstand. Der<br />

Abstand zwischen dem reichsten <strong>und</strong> dem ärmsten Fünftel aller<br />

Menschen hat sich binnen dreißig Jahren mehr als verdoppelt.<br />

Die negativen Folgen der Globalisierung machen an den Grenzen<br />

der Industrienationen nicht halt. Denn der Konkurrenzdruck<br />

sorgt zwar für eine Vielfalt an billigen Waren, aber auch dafür,<br />

dass Arbeitsplätze zum Teil wegfallen oder verlagert werden. Auf<br />

der Arbeitnehmerseite sind vor allem die Branchen mit hohen<br />

Personalkosten betroffen, weil sie einem verstärkten Wettbewerb<br />

aus anderen Ländern ausgesetzt sind.<br />

Globaler Finanzmarkt<br />

Die internationale Arbeitsteilung ist jedoch beim Außenhandel<br />

<strong>und</strong> den Direktinvestitionen in Produktionsstätten noch nicht zu<br />

Ende. Die Finanzmärkte sind inzwischen global strukturiert. Dadurch,<br />

dass die Kapitalmärkte zunehmend liberalisiert wurden,<br />

konnten grenzüberschreitende Aktivitäten einfacher finanziert<br />

werden. Das Volumen der Anleihen, die auf den internationalen<br />

Finanzmärkten zirkulieren, ist seit 1990 jährlich um 15 Prozent<br />

gestiegen.<br />

Finanzmarkt <strong>und</strong> Realwirtschaft –<br />

Wie hängt das zusammen?<br />

Der Finanzmarkt <strong>und</strong> die reale Wirtschaft – also die Produktion<br />

<strong>und</strong> die Dienstleistungen der Unternehmen – hängen sehr eng<br />

zusammen. Denn Betriebe benötigen Geld, zum Beispiel, um<br />

in Maschinen zu investieren, ein Lager an einem neuen Standort<br />

zu bauen oder qualifizierte Fachkräfte zu bezahlen. Da sie<br />

die Einnahmen aus ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit erst später<br />

erhalten, können sie solche Ausgaben häufig nicht aus vorhanden<br />

Mitteln finanzieren, sondern müssen auf andere Quellen<br />

zurückgreifen – etwa den Kredit einer Bank. Wenn die Firma<br />

eine Aktiengesellschaft ist, kann sie Anteilsscheine über die<br />

Börse verkaufen <strong>und</strong> sich auf diese Weise neues Geld erschließen.<br />

Denn das Geld, das ein Käufer für eine Aktie ausgibt, fließt<br />

dem Unternehmen als Eigenkapital zu. Die Aktionäre bringen<br />

also das Kapital auf, das die Firma für Investitionen oder Personal<br />

benötigt.<br />

Im Gegenzug profitiert der Aktionär in guten Zeiten von einer<br />

Dividende, die jährlich auf der Hauptversammlung des Unternehmens<br />

beschlossen <strong>und</strong> an die Anteilseigner ausgeschüttet<br />

wird. Und wer in guten Zeiten seine Aktie verkauft, nimmt<br />

einen Kursgewinn mit. Läuft es dagegen nicht so gut, sind die<br />

Aktionäre auch von der Krise betroffen: Es gibt keine Dividende.<br />

Wer jetzt seine Wertpapiere verkaufen muss, macht Verluste.<br />

Der Kurs einer Aktie basiert dabei nicht nur auf Daten des betreffenden<br />

Unternehmens, sondern auch auf Einschätzungen<br />

<strong>und</strong> Bewertungen der Anleger. Zum Teil spielen Psychologie<br />

24


Über die Grenzen hinaus – Internationale Finanzpolitik <strong>und</strong> die Europäische Währungsunion<br />

Globalisierung<br />

<strong>und</strong> die allgemeine Stimmung am Markt eine Rolle. Die Börse<br />

lebt von diesen Erwartungen, <strong>und</strong> der aktuelle Preis einer Aktie<br />

bildet sich aus Angebot <strong>und</strong> Nachfrage von Aktien. An den<br />

Finanzmärkten werden neben Aktien auch Anleihen gehandelt.<br />

Wer diese Wertpapiere kauft, leiht einem Unternehmen oder einem<br />

Staat Geld.<br />

Die nächste Krise verhindern<br />

Neben dem Maßnahmenpaket hat der B<strong>und</strong> einen Restrukturierungsfonds<br />

eingerichtet, der ein Volumen von 70 Milliarden<br />

Euro umfassen soll. Kreditinstitute zahlen dann über eine neue<br />

Bankenabgabe in diesen Fonds ein. Damit soll sichergestellt<br />

sein, dass die Banken am Schutz vor künftigen Krisen finanziell<br />

beteiligt werden. Die Höhe der Jahresbeiträge richtet sich nach<br />

dem Geschäftsvolumen, der Größe <strong>und</strong> der Vernetzung der beitragspflichtigen<br />

Bank.<br />

Da die Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise die öffentlichen Haushalte<br />

stark belastet, soll der Finanzsektor an den Folgekosten der<br />

Finanzkrise beteiligt werden. Wie dies geschehen kann, wird<br />

derzeit auf europäischer <strong>und</strong> auf internationaler Ebene diskutiert.<br />

Neben weiteren Maßnahmen zur Regulierung des globalen<br />

Finanzmarkts erscheint insbesondere die Einführung einer<br />

Finanzmarktsteuer erwägenswert.<br />

Maßnahmenpaket zur Stabilisierung<br />

des Finanzmarkts (vereinfachte Darstellung)<br />

> Arbeitsplätze, Wachstum <strong>und</strong><br />

soziale Marktwirtschaft schützen<br />

> Vertrauen an Finanzmärkten schaffen<br />

> Spareinlagen sichern<br />

> Hilfen nur mit strengen Auflagen<br />

für Finanzinstitutionen <strong>und</strong> Manager<br />

1. Änderung der Bewertungs- <strong>und</strong> Bilanzregeln<br />

2. Einrichten eines Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS)<br />

3. Garantien des B<strong>und</strong>es für Refinanzierung<br />

4. Rekapitalisierung von Instituten (staatliche Kontrolle &<br />

Bedingungen für Garantien/Kapitalisierung aus FMS)<br />

5. Risikoübernahme durch Erwerb von Problemaktiva<br />

6. Liquiditätssicherung bei Geldmarktfonds durch Finanzmarktstabilisierungsfonds<br />

7. Verbesserung der Finanzmarktaufsicht<br />

8. Einlagensicherung<br />

(wird garantiert, kurzfristige Verbesserung geplant)<br />

9. Beteiligung der Länder (finanziell)<br />

Gut zu wissen ...<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen, 2009<br />

Wie kam es zur jüngsten Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise?<br />

Wo genau die jüngste Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise ihren Ursprung genommen hat, darüber sind sich die Wirtschaftsexperten uneins:<br />

Die einen machen den Anfang im Jahr 2007 in der sich krisenhaft zuspitzenden Situation in der US-Immobilienwirtschaft aus. Wiederum<br />

andere sehen eine Ursache in der schon früher beginnenden, jahrelangen Niedrigzinspolitik der US-Notenbank. Fest steht,<br />

dass Risiken nicht rechtzeitig erkannt, nicht richtig bewertet <strong>und</strong> nicht früh genug <strong>und</strong> ausreichend eingegrenzt wurden. So haben<br />

viele Faktoren gemeinsam dafür gesorgt, dass die Finanz- <strong>und</strong> Wirtschaftskrise solche Ausmaße annehmen konnte.<br />

Die wichtigsten Faktoren:<br />

Weiter klicken<br />

Das B<strong>und</strong>esfinanzministerium<br />

bietet auf<br />

seinen Internetseiten<br />

einen Themenschwerpunkt<br />

„Finanzmarkt“.<br />

Dort gibt es unter anderem<br />

einen Videofilm<br />

zum Thema Bankenabgabe<br />

zu sehen:<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanz<br />

ministerium.de ><br />

Internationales/<br />

Finanzmarkt<br />

Die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank<br />

Die Folgen: Die Kreditvergabe wurde ausgeweitet; sogar konservative Anleger<br />

suchten höher verzinste Alternativen.<br />

Neue Finanzprodukte der Banken<br />

Einfluss von Ratingagenturen<br />

Lücken in der Regulierung der Finanzmärkte<br />

Der Vertrauensverlust des Finanzsektors<br />

Die Folgen: Kredite wurden als Wertpapier verpackt <strong>und</strong> weiterverkauft; Kredite<br />

wurden von Institutionen gehalten, die nicht der Bankenaufsicht unterliegen.<br />

Investoren möchten herausfinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das<br />

verliehene Geld am Fälligkeitstag vollständig zurückzubekommen. Das Gleiche<br />

gilt für die Zinszahlungen. Deswegen stützen sie sich auf die Einschätzung der<br />

Kreditwürdigkeit ihrer Schuldner durch unabhängige <strong>und</strong> fachk<strong>und</strong>ige Dritte –<br />

die (Kredit-)Ratingagenturen.<br />

Die Folgen: Es gab Interessenskonflikte, da Schuldner dafür bezahlten, die<br />

Produkte zu bewerten.<br />

Die Folgen: Akteure handelten gegen den Geist der bestehenden Regulierungsvorschriften,<br />

Risiken wurden ausgelagert oder verschleiert.<br />

Die Folgen: Kredite wurden zwischen den Banken nur noch stark eingeschränkt<br />

vergeben – dies hatte Auswirkungen auf die Kreditvergabe außerhalb<br />

der Geldinstitute.<br />

Die Krise des Finanzmarkts hat zu einer Krise in der realen Wirtschaft <strong>und</strong> in einigen Ländern zu einer Staatskrise geführt. Innere<br />

wirtschaftliche Faktoren spielten dabei auch eine Rolle. Heute versucht man, die Finanzmärkte stärker gegen inzwischen bekannte<br />

Risiken abzusichern <strong>und</strong> zugleich die allgemeine Widerstandskraft zur Abfederung unbekannter Risiken zu stärken.<br />

Weiter denken<br />

Stellt den Verlauf der<br />

Finanzkrise chronologisch<br />

in einem Schaubild<br />

dar. Markiert<br />

darin die aus eurer<br />

Sicht wesentlichen<br />

Aspekte. Überlegt<br />

dann in Partnerarbeit,<br />

welche Rolle die<br />

finanzielle Stabilität<br />

für das Gemeinwesen<br />

eines Staates, eines<br />

Staatenb<strong>und</strong>es oder<br />

auch weltweit hat.<br />

Präsentiert eure<br />

Ergebnisse in der<br />

Klasse.<br />

25


Europäische Finanzpolitik<br />

Europa stärken<br />

„Deutschland zahlt – Europa nimmt“. Diese oder ähnliche Behauptungen habt ihr bestimmt<br />

auch schon einmal in ähnlicher Form als Schlagzeilen in Boulevard-Zeitungen<br />

gelesen. Solche Thesen sorgen immer wieder für Diskussionen, sie geben den Sachverhalt<br />

allerdings selten korrekt wieder. Denn wie sich die Europäische Union tatsächlich<br />

finanziert, ist für viele Menschen <strong>und</strong>urchsichtig – vielen sogar völlig fremd. Tatsächlich<br />

sind die Finanzströme innerhalb der Gemeinschaft sehr komplex.<br />

Die Europäische Union (EU)<br />

Die Entwicklung hin zur Europäischen Union nahm bereits nach<br />

dem Zweiten Weltkrieg ihren Anfang, denn es sollte in Europa nie<br />

wieder Krieg <strong>und</strong> Zerstörung geben. Westeuropäische Staaten<br />

gründeten daher 1949 den Europarat. Dies war ein erster Schritt<br />

zu einer engeren Zusammenarbeit in Europa. Heute hat die Europäische<br />

Union 27 Mitgliedstaaten. Die zentralen EU-Institutionen<br />

haben ihren Sitz in Brüssel, Luxemburg, Straßburg <strong>und</strong><br />

in Frankfurt am Main.<br />

Der Haushalt der EU<br />

Die Europäische Union wird im Wesentlichen aus Einnahmen<br />

finanziert, die von den Mitgliedstaaten für die Gemeinschaft aufgebracht<br />

werden (Eigenmittelsystem). Der Finanzierungsanteil<br />

eines Mitgliedstaats wird vor allem durch den jeweiligen Anteil<br />

an der Wirtschaftskraft der EU (Bruttonationaleinkommen) bestimmt.<br />

Der Haushaltsentwurf der EU-Kommission für <strong>2013</strong><br />

sieht für Deutschland Zahlungen in Höhe von r<strong>und</strong> 27,2 Milliarden<br />

Euro vor. Daneben sind die Mitgliedstaaten verpflichtet,<br />

einen prozentualen Anteil der von ihnen erhobenen Mehrwertsteuer<br />

abzuführen. Die dritte Einnahmequelle sind die Einfuhrzölle<br />

aus Nicht-EU-Ländern, die direkt <strong>und</strong> ausschließlich von<br />

den Mitgliedstaaten für die EU eingenommen werden.<br />

Im mehrjährigen Finanzrahmen (vormals „Finanzielle Vorausschau“)<br />

wird in der EU für sieben Jahre die Obergrenze für die<br />

Gesamtausgaben sowie die Aufteilung nach Politikbereichen<br />

vorausgeplant. Der aktuelle Finanzrahmen wurde im Jahr 2006<br />

beschlossen <strong>und</strong> gilt für den Zeitraum von 2007 bis <strong>2013</strong>. Die<br />

Die Finanzierung des EU-Haushalts<br />

Gesamtvolumen gem. Kommissionsentwurf <strong>2013</strong>:<br />

138 Mrd. Euro<br />

Mehrwertsteuer-<br />

Sonstige: 1%<br />

Eigenmittel<br />

(Prozentsatz, der<br />

auf die MwSt.-<br />

11%<br />

Bemessungsgr<strong>und</strong>lage<br />

jedes<br />

14% Mitgliedstaates<br />

angewendet wird)<br />

74%<br />

Einfuhrzölle aus<br />

Nicht-EU-Ländern<br />

Bruttonationaleinkommen-Eigenmittel<br />

(Prozentsatz, der auf das Bruttonationaleinkommen<br />

jedes Mitgliedstaats angewandt wird)<br />

Quelle: Entwurf der EU-Kommission für den Gesamthaushaltsplan <strong>2013</strong><br />

jährlichen Haushalte der EU müssen sich innerhalb dieses Rahmens<br />

bewegen.<br />

Der größte Anteil entfällt auf die Agrarpolitik, gefolgt von der<br />

Strukturpolitik. Weitere Bereiche sind Forschung <strong>und</strong> <strong>Bildung</strong>,<br />

Unionsbürgerschaft, Freiheit, Sicherheit <strong>und</strong> Recht, die EU-<br />

Außen maßnahmen <strong>und</strong> die Verwaltungsausgaben.<br />

26


Über die Grenzen hinaus – Internationale Finanzpolitik <strong>und</strong> die Europäische Währungsunion<br />

Europäische Finanzpolitik<br />

Wirtschafts- <strong>und</strong> Währungsunion: Der Euro<br />

Mit dem Maastricht-Vertrag wurde Mitte der 90er-Jahre die Wirtschafts-<br />

<strong>und</strong> Währungsunion etabliert. Damit setzte die EU einen<br />

Prozess in Gang, der mit der Einführung einer gemeinsamen<br />

Währung abgeschlossen wurde. Der Prozess verlief in drei Stufen:<br />

Bis Ende 1993:<br />

Zunächst ging es um eine engere Abstimmung – sowohl<br />

zwischen den Regierungen als auch zwischen den<br />

Zentralbanken der einzelnen Länder. Außerdem wurde<br />

der Kapitalverkehr liberalisiert.<br />

Bis Ende 1998:<br />

Die EU-Staaten setzten sich gemeinsame Ziele, um die<br />

jeweilige nationale Wirtschafts- <strong>und</strong> Währungspolitik<br />

zu vereinheitlichen. Die Preisstabilität hatte dabei hohe<br />

Prio rität, außerdem sollten übermäßige Haushalts -<br />

defizite vermieden werden.<br />

Die Europäische Union <strong>und</strong> der Euro<br />

EU-Länder, in denen der Euro<br />

als nationale Währung gilt<br />

EU-Länder, die den Euro nicht<br />

eingeführt haben<br />

Schon gewusst?<br />

Drei der „alten“<br />

EU-Mitgliedstaaten<br />

haben den Euro bis<br />

heute nicht eingeführt:<br />

Großbritannien, Dänemark<br />

<strong>und</strong> Schweden.<br />

Das Euro-Bargeld wird<br />

dort jedoch akzeptiert,<br />

allerdings meist nur<br />

in den Hauptstädten<br />

<strong>und</strong> in touristisch erschlossenen<br />

Gebieten.<br />

Seit Januar 1999:<br />

Die Wechselkurse wurden unwiderruflich festgelegt <strong>und</strong><br />

der Euro an den Devisenmärkten <strong>und</strong> im elektronischen<br />

Zahlungsverkehr eingeführt.<br />

Elf EU-Staaten etablierten den Euro 1999 als nationale Währung,<br />

zwei Jahre später kam Griechenland hinzu. Mit Beginn der<br />

dritten Stufe übertrugen die Teilnehmerländer außerdem die<br />

Zuständigkeit ihrer Geldpolitik auf die Europäische Zentralbank.<br />

Diese hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Anfang 2002 wurde<br />

dann in allen zwölf Ländern der Startschuss für das Euro-Bargeld<br />

gegeben. Inzwischen gehören dem Euroraum 17 Länder an,<br />

denn auch Slowenien (2007), Malta <strong>und</strong> Zypern (2008), die Slowakei<br />

(2009) <strong>und</strong> Estland (2011) haben ihre nationalen Währungen<br />

durch den Euro ersetzt.<br />

Nur EU-Mitgliedstaaten können dem Euroraum angehören. Obwohl<br />

Monaco, San Marino <strong>und</strong> Vatikanstadt offiziell nicht dem<br />

Euroraum angehören (da keine EU-Mitgliedstaaten), verwenden<br />

sie den Euro als Währung <strong>und</strong> können in begrenzter Menge eigene<br />

Euromünzen ausgeben.<br />

Die Europäische Zentralbank<br />

Das vorrangige Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es,<br />

die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten <strong>und</strong> somit die<br />

Inflation zu kontrollieren. Zudem unterstützt die EZB die allgemeine<br />

Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft, um wichtige<br />

Ziele wie ein hohes Beschäftigungsniveau <strong>und</strong> ein beständiges,<br />

nicht inflationäres Wachstum zu erreichen. Die EZB legt<br />

die Geldpolitik des Euroraums fest, führt Devisengeschäfte<br />

durch, hält <strong>und</strong> verwaltet offizielle Währungsreserven der Mitgliedstaaten<br />

<strong>und</strong> sorgt für ein reibungsloses Funktionieren der<br />

Zahlungssysteme. Sie arbeitet dabei mit allen Zentralbanken<br />

der Mitgliedstaaten der Europäischen Union zusammen. Diesen<br />

Zusammenschluss nennt man das Europäische System<br />

der Zentralbanken (ESZB). Die EZB leitet auch die Zusammenarbeit<br />

der Zentralbanken des Euroraums, also der 17 EU-<br />

Staaten, die den Euro eingeführt haben. Die Zusammenarbeit<br />

dieser Gruppe nationaler Zentralbanken <strong>und</strong> der EZB wird als<br />

Eurosystem bezeichnet.<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen, 2011<br />

Gut zu wissen ...<br />

Voraussetzungen für einen Beitritt zur EuroZone<br />

Um der Eurozone beizutreten, muss ein Mitgliedstaat mehrere<br />

Voraussetzungen erfüllen. Diese so genannten Konvergenzkriterien<br />

werden von der Europäischen Kommission <strong>und</strong> der Europäischen<br />

Zentralbank überprüft. Zu den Konvergenzkriterien<br />

zählen:<br />

• Preisstabilität: Die durchschnittliche Inflationsrate darf nicht<br />

mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate der drei<br />

preisstabilsten Mitgliedsländer der Eurozone liegen.<br />

• Haushaltsdisziplin: Zum Zeitpunkt der Konvergenzprüfung<br />

darf kein Entschluss des Rats der Europäischen Union vorliegen,<br />

wonach in dem Mitgliedsstaat ein übermäßiges Defizit<br />

besteht.<br />

• Zinsniveau: Der durchschnittliche langfristige Nominalzinssatz<br />

darf um nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem<br />

durchschnittlichen Zinssatz der drei preisstabilsten Mitgliedsstaaten<br />

liegen.<br />

• Wechselkursstabilität: Der Staat muss mindestens zwei<br />

Jahre lang ohne Abwertung am Wechselkursmechanismus<br />

(WKM2), der eine Vereinbarung über die Wechselkurspolitik<br />

zwischen dem Euro <strong>und</strong> der jeweiligen Landeswährung ist,<br />

teilgenommen haben. Dabei darf die Währung des Landes nur<br />

in einer bestimmten Wechselkursbandbreite (meist 15 Prozent)<br />

vom Eurokurs abweichen; bei größeren Abweichungen<br />

muss die Zentralbank des Landes intervenieren.<br />

Weiter klicken<br />

Inflation, Zinsen,<br />

Preisstabilität – für<br />

euch noch drei große<br />

Fragezeichen? Im<br />

Internet angebot<br />

der Europäischen<br />

Zentralbank findet ihr<br />

Antworten – <strong>und</strong> sogar<br />

einen Zeichentrickfilm<br />

zum Thema:<br />

www.ecb.int<br />

> Language policy<br />

> Deutsch > Die<br />

Europäische Zentralbank<br />

> Lehrmaterial<br />

Weiter denken<br />

Mit Europa verbindet<br />

man nicht nur den<br />

Euro oder komplexe<br />

politische Verzahnungen.<br />

Was bedeutet<br />

Europa für euch<br />

persönlich? Entwickelt<br />

eine Mind-Map an der<br />

Tafel <strong>und</strong> diskutiert<br />

anschließend, in<br />

welchen politischen<br />

<strong>und</strong> gesellschaftlichen<br />

Bereichen<br />

Europa noch stärker<br />

zusammenwachsen<br />

muss. Begründet eure<br />

Vorschläge.<br />

27


Aktuelle Herausforderungen<br />

Den Euro stabilisieren<br />

Griechenland, Irland, Portugal , Spanien – das sind Länder, bei denen du meistens nicht<br />

an Politik oder Finanzen, sondern vielleicht eher an Reisen, Urlaub oder an interessante<br />

Städte denkst. Sicher hast du von diesen Ländern auch öfter in den Nachrichten<br />

der letzten Monate gehört. Diese EU-Staaten haben derzeit finanzielle Probleme. Sie<br />

haben mit einer Schuldenkrise zu kämpfen, die sie allein nicht bewältigen können. Dass<br />

sich die betroffenen Länder langfristig sanieren, liegt dabei auch im Interesse der anderen<br />

Mitgliedstaaten. Denn davon hängt auch die Stabilität des Euro als Währung ab.<br />

Krisenländer:<br />

Schulden <strong>und</strong> wenig Wirtschaftskraft<br />

Dass einige Staaten der Eurozone finanziell schlecht dastehen,<br />

liegt nicht nur an der Struktur ihrer Einnahmen <strong>und</strong> Ausgaben<br />

sowie der hohen Verschuldung ihrer Staatshaushalte – auch<br />

Deutschland hat hohe Schulden. Aber im Gegensatz zu Griechenland,<br />

Irland, Portugal oder Spanien, wo die Wirtschaft seit<br />

der weltweiten Finanzkrise nicht richtig in Schwung kommt,<br />

gibt es in Deutschland seit gut zwei Jahren wieder Wirtschaftswachstum.<br />

Dass die Schulden dieser Länder wachsen, hat einen weiteren<br />

Gr<strong>und</strong>: Wenn ein Staat hoch verschuldet ist, muss er sich Geld<br />

leihen, um zahlungsfähig zu bleiben. Doch je höher die Schuldenlast<br />

eines Landes ist, desto mehr Zinsen erheben die Gläubiger<br />

auf das geliehene Geld – es entsteht ein Schuldenkreislauf.<br />

Deutschland hat bislang von der Eurozone profitiert: Die Währung<br />

ist stabil, die Inflationsrate niedrig <strong>und</strong> der Export deutscher<br />

Produkte <strong>und</strong> Dienstleistungen in den europäischen<br />

Binnen markt ist im Laufe der letzten Jahre weiter gestiegen.<br />

Währungsunion stärken: Schärfere Regeln<br />

Um die Europäische Währungsunion zu stärken, haben sich die<br />

Staats- <strong>und</strong> Regierungschefs der EU darauf verständigt, den ursprünglichen<br />

Stabilitäts- <strong>und</strong> Wachstumspakt zu verschärfen.<br />

Denn die Mütter <strong>und</strong> Väter des Euro waren auf Staatsschuldenkrisen<br />

dieser Art noch nicht vorbereitet. Künftig soll Folgendes<br />

gelten:<br />

• Mittelfristig muss ein ausgeglichener Haushalt oder sogar ein<br />

Überschuss erreicht werden.<br />

• Die Schulden müssen verpflichtend zurückgeführt werden.<br />

• Länder mit zu hohen Schulden müssen ihre Verbindlichkeiten<br />

so lange abbauen, bis ihre Schulden nur noch 60 Prozent des<br />

Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Landes betragen.<br />

• Sanktionen setzen früher <strong>und</strong> schneller ein <strong>und</strong> können nur<br />

durch das Votum einer großen Mehrheit gestoppt werden.<br />

Auch Deutschland wird von diesen schärferen Regeln betroffen<br />

sein, da die öffentlichen Haushalte derzeit eine Schuldenstandsquote<br />

von r<strong>und</strong> 80 Prozent des BIP aufweisen. Die notwendige<br />

28


Über die Grenzen hinaus – Internationale Finanzpolitik <strong>und</strong> die Europäische Währungsunion<br />

Aktuelle Herausforderungen<br />

jährliche Rückführung macht für Deutschland r<strong>und</strong> ein Prozent<br />

des BIP aus. Seit 2009 gilt zudem die Schuldenbremse (> mehr<br />

auf Seite 15).<br />

Die Eurostaaten sowie weitere interessierte Mitgliedstaaten der<br />

EU haben darüber hinaus den Euro-Plus-Pakt geschlossen.<br />

Die Mitgliedstaaten des Paktes vereinbaren künftig jährliche<br />

gemeinsame wirtschafts- <strong>und</strong> finanzpolitische Ziele, um eine<br />

neue Qualität der wirtschaftspolitischen Koordinierung zu erreichen<br />

<strong>und</strong> die Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu verbessern.<br />

Die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, notwendige Reformen zur<br />

Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durchzuführen. Mögliche<br />

Maßnahmen sind Anpassungen des Renteneintrittsalters an die<br />

steigende Lebenserwartung, eine Orientierung des Lohnniveaus<br />

an der Produktivität oder die Verhinderung von Steuerdumping.<br />

Der Rettungsschirm<br />

Um Euroländern aus einer akuten Staatsschuldenkrise zu helfen,<br />

wurde ein zeitlich befristeter, finanzieller Rettungsschirm<br />

gespannt. Er besteht aus<br />

• dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM),<br />

> Damit kann die EU bis zu 60 Milliarden Euro an krisengeplagte<br />

Eurostaaten verleihen. Diese Darlehen müssen verzinst<br />

zurückgezahlt werden.<br />

• der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF),<br />

> Die Euroländer haben die EFSF eingerichtet, über die sie<br />

mit Garantien in Höhe von insgesamt 440 Milliarden Euro<br />

für Kredite einstehen können. Garantie bedeutet, dass sich<br />

mehrere Staaten gegenüber einem Kreditgeber (Gläubiger)<br />

verpflichten, für die Erfüllung der Verbindlichkeiten eines verschuldeten<br />

Staates einzustehen – so trägt der Gläubiger nicht<br />

das alleinige Risiko.<br />

Darüber hinaus beteiligt sich auch der Internationale Währungsfonds<br />

(IWF) an den Finanzhilfen.<br />

> Voraussetzung für die Unterstützung aus dem Rettungsschirm<br />

ist, dass der betroffene Staat ein Sanierungsprogramm<br />

vorlegt.<br />

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM)<br />

Trotz aller Bemühungen, Krisen künftig zu vermeiden, kann es<br />

auch in der Zukunft Krisenfälle geben, da die internationalen<br />

Finanzmärkte ein sehr komplexes System darstellen. Damit die<br />

EU-Länder, wenn nötig, für einen einzelnen Mitgliedstaat einspringen<br />

können, haben sich die 17 Mitgliedstaaten der Eurozone<br />

auf einen permanenten Krisenmechanismus geeinigt, der<br />

den bisherigen Rettungsschirm ersetzt <strong>und</strong> die institutio nelle<br />

Lücke in der Architektur der Europäischen Währungsunion<br />

schließt. Der so genannte Europäische Stabilitätsmechanismus<br />

(ESM) kommt in seinen Gr<strong>und</strong>zügen einem Europäischen Währungsfonds<br />

gleich.<br />

Stabilität für Europa – der ESM<br />

Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM)<br />

700 Mrd. €<br />

nominales<br />

Kapitalvolumen<br />

des Krisenfonds<br />

620 Mrd. €<br />

abrufbares<br />

Kapital / Garantien<br />

80 Mrd. €<br />

eingezahltes Kapital<br />

Deutschland beteiligt sich mit etwa 22 Mrd. Euro.<br />

Die Einzahlung erfolgt in fünf Teilbeträgen.<br />

Quelle: B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen, <strong>2012</strong><br />

Übersich erung<br />

der EMS-<br />

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500 Mrd. €<br />

effektive<br />

Kreditvergabe<br />

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Das statistische Amt<br />

der Europäischen<br />

Union – Eurostat –<br />

bietet innerhalb seines<br />

Internetangebots<br />

europäische Statistiken,<br />

die Vergleiche zwischen<br />

Ländern <strong>und</strong> Regionen<br />

ermöglichen. Die<br />

Erhebung von Daten für<br />

die Wirtschafts- <strong>und</strong><br />

Währungsunion spielt<br />

dabei eine besondere<br />

Rolle:<br />

www.europa.eu ><br />

Veröffentlichungen ><br />

Statistiken<br />

Gut zu wissen ...<br />

Wie funktioniert der ESM?<br />

Der ESM verleiht nur dann Geld, wenn die Krise des betroffenen<br />

Eurolandes die gesamte Währungsunion gefährdet. Außerdem<br />

muss sich der Staat, der Geld vom ESM bekommt, verpflichten,<br />

seinen Haushalt zu konsolidieren <strong>und</strong> seine Wirtschaft zu<br />

reformieren. Darüber hinaus wird vorab festgestellt, ob die<br />

Schuldenkrise das Land tatsächlich überfordert oder nur vorübergehend<br />

ist.<br />

Der Hilfsfonds des ESM wird ein effektives Ausleihvolumen von<br />

500 Milliarden Euro umfassen. Insgesamt 80 Milliarden Euro<br />

werden davon direkt von den Mitgliedstaaten eingezahlt. Der<br />

deutsche Anteil beläuft sich auf 22 Milliarden Euro.<br />

Dieser Betrag wurde anhand der<br />

Wirtschaftskraft <strong>und</strong> des Bevölkerungsanteils<br />

Deutschlands errechnet.<br />

Die Staaten sollen jedoch nicht allein in der Verantwortung bleiben,<br />

derartige Krisen zu bewältigen. Wenn ein Land aus dem<br />

ESM Finanzhilfen erhält, sollen sich auch private Gläubiger beteiligen.<br />

Ist das Land überschuldet, muss es Verhandlungen mit<br />

seinen Gläubigern führen. Als Prinzip aller Hilfen soll gelten:<br />

Solidarität nur gegen Eigenanstrengung. Auf diese Weise sollen<br />

die Mechanismen dazu beitragen, dass unsolide Haushaltspolitik<br />

<strong>und</strong> steigende Staatsschulden in der Eurozone nicht zum<br />

Alltag werden.<br />

Weiter denken<br />

Welche Vorteile hat<br />

eine gemeinsame<br />

Währung für die<br />

Mitgliedstaaten der<br />

Europäischen Union?<br />

Welche Nachteile<br />

ergeben sich daraus?<br />

Tragt eure Ergebnisse<br />

zusammen <strong>und</strong> diskutiert<br />

die Ergebnisse im<br />

Klassenverband.<br />

29


Mehr Infos<br />

Gut zu wissen<br />

Weiter klicken<br />

Diskussion<br />

Weiter denken<br />

Das B<strong>und</strong>esministerium der Finanzen (BMF) zählt wegen seiner wichtigen Aufgaben zu den Schlüsselressorts.<br />

Der bekannteste Arbeitsbereich des Finanzministeriums ist die Aufstellung des B<strong>und</strong>eshaushalts.<br />

Wichtige Aufgaben des BMF sind:<br />

• Steuerpolitik<br />

• Haushaltspolitik<br />

• Europapolitik<br />

• Finanzmarktpolitik<br />

• Zoll<br />

• B<strong>und</strong>esvermögen<br />

• Münzwesen <strong>und</strong> Herausgabe von Briefmarken<br />

Das B<strong>und</strong>esfinanzministerium im Internet:<br />

www.b<strong>und</strong>esfinanzministerium.de

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