Forschung und Praxis - Deutsche Leberhilfe eV

leberhilfe

Forschung und Praxis - Deutsche Leberhilfe eV

Nr. 2/13 - EUR 6,50 - sFr 10,00 - H 20429 – ISSN: 0942-3222

Lebenszeichen

Das Lebermagazin

Autoimmunhepatitis

Überblick über die

heutige Therapie

Fettleberhepatitis NASH

Entzündung gefährdet

auch das Herz

Hepatitis C

Weitere neue Substanzen

ab 2014?

Deutsche Leberhilfe e. V.

Hilfe – Aufklärung – Forschung


Editorial

Seit April 2013 neue

Telefonzeiten!

Mo: 9–12 Uhr, 16–20 Uhr

Di: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Mi: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Do: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Fr: 9–12 Uhr

Tel.: 02 21/2 82 99 80

Sehr geehrte Mitglieder der

Deutschen Leberhilfe e. V.,

sehr geehrte Damen und Herren,

zum europäischen Leberkongress in

Amsterdam gab es wieder viele Neuig -

keiten rund um die Leber.

Weltweit leiden immer mehr Menschen

an einer Fettleber. Zwar führt bei Wei -

tem nicht jede Verfettung zum Leber -

schaden, doch wenn eine Entzün dung

hinzukommt, kann dies langfristig

eben so zu Zirrhose und Leberkrebs

füh ren wie andere Lebererkrankungen.

Be sorg niserregend ist, dass eine Fett -

leberentzündung (NASH) an scheinend

auch Herzerkrankungen begüns tigt.

Ein anerkanntes Medikament gegen

Fett leber oder NASH existiert noch

nicht, daher ist eine Umstellung des

Lebens stils mit Gewichtsreduktion für

viele Betroffene die beste Therapie.

Für die Primär biliäre Zirrhose (PBC)

war es ein Kongress der gemischten

Gefühle: Einerseits gab es beunruhigende

Aus sagen über erhöhte Herzund

Krebs risiken, andererseits wurde

aber gezeigt, dass PBC-Patienten mit

ihrer Erkrankung viel länger leben können,

als noch vor einigen Jahren angenommen

wurde.

Die heutige Hepatitis-B-Therapie kann

die chronische Infektion unterdrücken

und das Leberkrebsrisko vermindern,

ohne je doch die Infektion auszuheilen.

Auf diesem Kongress wurden experimentelle,

neuartige Behandlungs an -

sätze ebenso diskutiert wie die Frage,

wann der richtige Zeitpunkt für den

The rapie start mit heutigen Medi ka -

menten ist.

Bei Hepatitis C gibt es eine Übergangszeit:

Im Laufe des nächsten Jahres wird

es Kombinationstherapien mit neuen

Substanzen geben, die meist noch mit

Interferon kombiniert werden. Das

nächste Zeitalter der Interferon-freien

Therapien wird wohl kurze Zeit später

anbrechen. Für viele Patienten dürfte

dies eine Erleichterung sein, da Inter fe -

ron viele Nebenwirkungen haben kann.

Die Therapie der Hepatitis B ist etabliert

und die Therapie der Hepatitis C

könnte in Zukunft einfacher und wirksamer

werden.

Wichtig ist aber auch, dass Betroffene

mit Hepatitis B und C rechtzeitig diagnostiziert

und adäquat betreut werden.

Ebenso wichtig ist es, Neuin fek -

tionen zu vermeiden.

Daher hat ein breites Bündnis, darunter

auch die Deut sche Leberhilfe e. V.,

einen nationalen Stra tegieplan gegen

Vi rus he patitis in Deutschland erarbeitet.

Dieser beschreibt dringend notwen

dige Schritte für eine bessere Vor -

beu gung, Diagnostik und Patienten -

ver sor gung im Bereich der Virus he pa -

titis. Zahlreiche Institutionen wie

Fach ge sell schaften, Patien tenorga ni -

satio nen, staatliche und nicht staatliche

Ein rich tun gen sowie Aktions grup -

pen leis ten auf diesem Gebiet bereits

wichtige Beiträge. Diese Aktivitäten

sollen durch den Strategieplan besser

koordiniert, gestärkt und intensiviert

werden.

Gleichzeitig enthält der nationale

Stra tegieplan auch eine Aufforderung

an die Gesundheitspolitik, sich des

Themas Virushepatitis in verstärktem

Maße anzunehmen. Allein in Deutsch -

land wird die Zahl der chronisch

Hepatitis-B- und -C-Infizierten auf bis

zu eine Million geschätzt; nur eine

Minderheit weiß von ihrer Infektion

und ist langfristig von Spätfolgen wie

Zirrhose und Leberkrebs bedroht.

Am 23. Juli 2013, fünf Tage vor dem

Welt-Hepatitis-Tag, wird der nationale

Strategieplan auf einer Presse kon fe renz

in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

Prof. Rita Süssmuth

Schirmherrin der Deutschen

Leberhilfe e. V.

2 • Lebenszeichen 2/13


Inhalt

Editorial 2

Autoimmunhepatitis 2013

Ein Überblick über die heutige

Therapie

> S. 7

©

krishnacreations/Fotolia.com

Forschung und Praxis 4

PBC auf dem EASL 2013 4

Autoimmunhepatitis 2013: Ein Therapie-Überblick 7

NASH: Entzündliche Fettleber gefährdet auch das Herz 10

Hoffnung auf neue Therapieoptionen bei Hepatitis C und 12

cholestatischen Lebererkrankungen

Rifaximin bei Hepatischer Enzephalopathie zugelassen 13

Hepatitis B und D auf dem europäischen Leberkongress 2013 15

Hepatitis C: Wettlauf zur Zulassung neuer Therapien 18

Compassionate Use bei Hepatitis C – ELPA-Symposium in Amsterdam 24

Wichtiges in Kürze 26

Zukunftsmusik? Erste Transplantation einer „warmen Leber“ in England 26

Langzeitverlauf der Hepatitis C bei US-Veteranen 26

Alfa-Pumpe bei Aszites: PIONEER-Studie veröffentlicht 27

Fettleber und NASH

Entzündung gefährdet auch

das Herz

> S. 10

Hepatitis C

Wettlauf zur Zulassung neuer

Therapien

> S. 18

©

shurshusha//Fotolia.com

©

Jezper/Fotolia.com

©

Pro Patient 28

Erfahrungsbericht 28

Sozialgesetzbuch V Teil 8 – Integrierte Versorgung 29

Erinnerungs-Apps für Medikamenteneinnahme 34

Arzt-Patienten-Seminare 34

Deutsche Leberhilfe e. V. 35

Fragen zur chronischen Hepatitis B? Das Computerprogramm 35

PATH B bietet Unterstützung

Unsere bundesweiten Kontaktstellen 36

PBC-Kontaktstellen 37

Mitglieder und Abonnenten: Bitte teilen Sie uns Ihre neuen 38

Bankdaten mit!

Vorankündigung: Mitgliederversammlung der Leberhilfe 38

Besuchen Sie die Deutsche Leberhilfe e. V. auf Facebook! 38

Am 28. Juli 2013 ist Welt-Hepatitis-Tag 39

Buchbesprechung: „Leben“ von David Wagner 39

Der Notfallausweis der Deutschen Leberhilfe e. V. 40

Impressum 43

Lebenszeichen 2/13 • 3


Forschung und Praxis

Primär biliäre Zirrhose auf dem EASL 2013

Die Primär biliäre Zirrhose (PBC) ist

eine der häufigsten Autoimmun krank -

heiten. Neun von zehn Betroffenen

sind Frauen. Der erschreckende Name

dieser Krankheit führt in die Irre, da

nicht alle Patienten zum Zeitpunkt der

Diagnose bereits an einer Leberzirrhose

leiden. Durch einen Test auf antimito -

chondriale Antikörper (AMA) kann PBC

heute bereits in sehr frühen Stadien

entdeckt werden.

Der Verlauf der PBC ist höchst unterschiedlich.

Das eigene Immunsystem

greift zunächst die kleinen Gallen gän -

ge in der Leber an. Dies führt zu einer

Entzündung und letztendlich Zer stö -

rung der Gallengänge. Langfristig

greift die Entzündung auf das gesamte

Le bergewebe über, was vernarbt und

bis zu einer Zirrhose führen kann.

Die Ursachen der PBC sind – wie bei

praktisch allen Autoimmunkrankheiten

– nach wie vor nicht geklärt. Vermutet

wird, dass Betroffene schon bestimmte

Voraussetzungen mit sich bringen.

Kommt dann noch ein Auslöser hinzu

wie z. B. Giftstoffe, Infektionen oder

eine Schwangerschaft, könnte dies das

Fass zum Überlaufen bringen: Die PBC

bricht aus, selbst wenn der Auslöser

wieder verschwindet.

Zum diesjährigen EASL-Kongress gab

es zahlreiche Neuigkeiten zur Primär

biliären Zirrhose (PBC). Dies ist mehreren

nationalen und internationalen

Untersuchungen zu verdanken, insbesondere

aber einer großen Kohor ten -

studie in Großbritannien: Über 2.300

britische PBC-Patienten werden in dieser

Langzeitstudie bereits behandelt,

untersucht und befragt, weitere 2.700

könnten in naher Zukunft hinzukommen.

Aus dieser sogenannten UK-PBC

Cohort wurden überaus wertvolle

Erkenntnisse über den Verlauf der

Erkrankung, das Therapieansprechen

und Leben mit PBC gewonnen. Zu diesem

Leberkongress in Amsterdam gab

es mehrere Veröffentlichungen allein

aus dieser Kohorte.

UDC: Therapieansprechen zeigt

sich auch an der Leber

Die Standardbehandlung der PBC ist

seit vielen Jahren die Ursodeoxy chol -

säure (UDC oder „Urso“). Ein Großteil

der Patienten spricht hierauf gut an,

wodurch sich Laborwerte wie z. B. die

alkalische Phosphatase normalisieren.

Die alkalische Phosphatase (AP) ist ein

Marker der Gallenwege, der sich bei

allen Menschen im Blut findet. Bei PBC

ist die alkalische Phosphatase oft stark

erhöht und ein besonders aussagekräftiger

Marker. Je nachdem, wie gut oder

wie schlecht dieser Wert auf die

Therapie anspricht, sagt dies viel über

den weiteren Krankheitsverlauf aus. Je

stärker dieser Wert unter der Therapie

abfällt, desto besser verläuft in der

Regel auch die Erkrankung. Dies zeigt

nun erneut eine große internationale

Studie von Lammers und Kollegen,

welche an 13 Kliniken weltweit den

Verlauf von 2.111 PBC-Patienten dokumentierte.

Auch die eingangs erwähnte britische

Kohortenstudie von Pells und Kollegen

liefert hierzu neue Erkenntnisse: Hier

©

krishnacreations/Fotolia.com

liegen vollständige Unterlagen zum

Therapieverlauf von 1.379 PBC-

Patienten vor. Drei Viertel (75 %) dieser

Patienten sprachen auf die Therapie

an. Günstige Voraussetzungen für ein

Therapieansprechen scheinen unter

anderem weibliches Geschlecht zu sein

und wenn die Patienten zum Zeitpunkt

der Diagnose schon älter sind.

Leider wird das Befinden durch UDC

kaum beeinflusst. Immerhin bringt

UDC der Leber tatsächlich Vorteile, wie

eine weitere, kleinere Studie aus

Spanien zeigt – dies gilt aber nur für

die Patienten, welche auch darauf

ansprechen. 112 PBC-Patienten wurden

im Abstand von etwa sechs Jahren

mit dem FibroScan-Verfahren untersucht.

Der FibroScan misst mit einer

Ultraschallsonde, wie elastisch die

Leber ist; das Ergebnis wird in Pascal

(kPa) gemessen. Je niedriger dieser

Wert ist, desto elastischer und gesünder

ist die Leber. Je höher, desto steifer

ist die Leber, was auf eine Vernarbung

oder gar eine Zirrhose hinweisen kann.

Bei Entzündungsschüben kann die

Leber ebenfalls vorübergehend im

FibroScan steifer wirken. Auch in dieser

Studie sprachen etwa drei Viertel

der Patienten (70 %) gut auf UDC an.

Das Therapieansprechen zeigte sich

4 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

auch im FibroScan: Nach sechs Jahren

war insgesamt eine leichte Verbes se -

rung festzustellen. Die Steifigkeit fiel

im Durchschnitt um einen halben

Punkt ab (0,5 kPa). Wenn die Therapie

mit Urso anspricht, wirkt sich dies also

auch positiv auf die Lebersteifigkeit

aus. Die Leber wird wieder etwas elastischer

– sprich, gesünder.

Nicht alle Patienten sprechen jedoch

auf Urso an. Traurig, aber wenig überraschend:

Bei diese, sogenannten

„Nonrespondern“ verschlechterte sich

der Zustand der Leber innerhalb der

sechs Jahre um durchschnittlich einen

Punkt (1 kPa). Drei Patienten mit

Therapieansprechen hatten trotzdem

FibroScan-Werte über 13 kPa, die auf

eine Zirrhose hinwiesen. Bei den Non -

respondern waren es sechs; zwei dieser

Betroffenen wurden mittlerweile

transplantiert.

Die Studien zeigen also zwei Dinge:

- Wenn die Laborwerte sich unter

Urso normalisieren, nutzt dies auch

der Leber.

- Wenn Urso nicht anspricht, kann

sich die PBC weiter verschlechtern.

PBC und Lebensqualität

Wie praktisch alle chronischen Leber -

erkrankungen kann auch die PBC die

Lebensqualität negativ beeinflussen.

Die häufigsten Probleme: Bleierne

Müdigkeit und Juckreiz, gefolgt von

trockenen Schleimhäuten. Ob PBC

auch häufiger mit Osteoporose einhergeht

als bei Menschen ohne PBC, ist

umstritten.

Insgesamt 2.353 PBC-Patienten aus

der britischen UK-PBC Cohort nahmen

an einer Umfrage zu Symptomen der

PBC teil. Müdigkeit stand im Vor der -

grund und war bei denjenigen Patien -

ten besonders ausgeprägt, die wenig

soziale Kontakte hatten. Die empfundenen

Symptome waren dabei völlig

unabhängig davon, ob die Leber schon

stärker geschädigt war oder nicht.

Auch machte es keinen Unterschied, ob

die Therapie mit Ursodeoxycholsäure

ansprach oder nicht. Derzeit gibt es

keine Medizin gegen die PBC-bedingte

Müdigkeit. Da zurückgezogen lebende

Patienten allerdings besonders müde

waren, stellen sich hier auch ganz

andere Fragen: Sind die Patienten nur

so zurückgezogen, weil sie besonders

müde sind? Oder kann ein Mangel an

sozialen Kontakten auch die Müdigkeit

verstärken? Vielleicht beides. Pells und

Kollegen kommen sogar zu dem

Schluss, dass eine Betreuung der PBC-

Symp to me auch einschließen sollte,

soziale Faktoren zu berücksichtigen.

Leider scheint auch eine Leber trans -

plantation Symptome wie Müdigkeit

nicht nennenswert zu verbessern; bei

Männern, die wegen ihrer PBC transplantiert

wurden, verschlechterte sich

das Befinden zum Teil sogar. Pells und

Kollegen fordern, dass man Betroffene

hierüber aufklären sollte – und nicht

nur das: Auch solle man daran arbeiten,

für solche Patienten gezieltere

Rehamaßnahmen anzubieten, welche

genau solche Symptome wie Müdigkeit

verbessern können.

Die schottische Hepatologin Prof. Julia

Newton erklärte auf einem Symposium

in Amsterdam, dass es für Müdigkeit

bei PBC vielerlei Ursachen geben kann

– es ist nicht immer die Leber schuld

daran. Mögliche Ursachen können

auch Blutarmut, Schilddrüsenunter -

funk tion und bestimmte Medikamente

wie z. B. Betablocker oder Anti hista mi -

ni ka sein; Letztere werden oft auch bei

PBC gegen Juckreiz eingesetzt. Wenn

zur PBC noch eine Fettleber hinzukommt,

kann dies die Müdigkeit ebenfalls

verstärken. Zudem sollten Ärzte

sich Zeit nehmen, mit den Patienten

über ihren Lebensstil zu sprechen:

Hier zu gehört ebenso die Frage nach

be ruflichen oder privaten Belastungen

wie sich nach dem Schlafrhythmus

oder Schlafstörungen zu erkundigen.

Zum Teil lassen sich diese Ursachen

erfolgreich behandeln und die Mü dig -

keit lindern.

Müdigkeit kann auch entstehen, wenn

bestimmte Funktionen des vegetativen

Nervensystems wie z. B. Herzfrequenz

oder Blutdruck aus dem Gleichgewicht

geraten. Dies nennt man autonome

Dys funktion, die sich nicht nur als Mü -

dig keit, sondern auch durch Atem -

prob leme, langsameren Herzschlag

und Schwindelgefühle beim Stehen

bemerkbar machen kann. Stark ausgeprägte

Müdigkeit bei PBC könne auch

ein Warnzeichen für eventuelle Herz -

prob leme sein, warnte Newton. Wenn

PBC-Patienten an extremer Müdigkeit

leiden, sollten ihre Ärzte zur Sicherheit

auch die Herzfunktion im Auge be -

halten.

Den Ratgeber „Was Sie über Gallen -

stein-Behandlung wissen sollten“

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dation e. V., Lei nen we ber straße 5,

79041 Freiburg i. Br.

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der Leberhilfe sind vom Porto befreit.

Lebenszeichen 2/13 • 5


Forschung und Praxis

Metabolisches Syndrom bei PBC?

Behandeln!

Inwieweit PBC wirklich mit häufigeren

Herz- und Gefäßerkrankungen einhergeht,

ist jedoch umstritten. Eine Studie

der italienischen Ärzte Cazzagon und

Kollegen weist darauf hin, dass dieses

Risiko eher dann ansteigt, wenn PBC-

Patienten gleichzeitig ein metabolisches

Syndrom haben. Ansonsten sei

das Risiko kardiovaskulärer Erkrankun -

gen niedrig.

Das metabolische Syndrom besteht in

der Regel aus drei Problemen: starkem

Übergewicht, Bluthochdruck und Insu -

lin resistenz. 55 von 171 PBC-Patienten

in dieser Studie hatten ein metabolisches

Syndrom. Es zeigte sich, dass

diese schlechter auf Ursodeoxy chol -

Den 70-seitigen „Wegweiser für

den Leber kran ken mit Richtlinien zur

Ernährung“ bei Leberzirrhose er -

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säure ansprachen und ein höheres Ri si -

ko von Herz- und Gefäß erkran kungen

hatten. Dies beeinflusste auch die

Über lebenszeit. Daher mahnen Cazza -

gon und Kollegen: Wenn bei PBC

gleich zeitig ein metabolisches Syn -

drom vorliegt, sollte auch dieses be -

handelt werden.

PBC-Patienten mit Übergewicht können

durch Diät und Bewegung ihren

Teil dazu beitragen, ihre überschüssigen

Pfunde möglichst abzubauen. Es

lohnt sich: Das Risiko von Herzkrank -

hei ten sinkt, die Lebenserwartung

steigt und – die PBC-Therapie wirkt

besser.

Krebserkrankungen bei PBC:

Was ist Statistik, was ist Realität?

Wenn PBC-Patienten eine Zirrhose

entwickeln, erhöht sich das Risiko für

einen Leberkrebs. Könnten auch andere

Krebserkrankungen bei PBC häufiger

auftreten? Die Ärztin Dr. Boonstra und

Kollegen berichteten auf dem Kon gress

über eine Langzeitbeob ach tung von

992 holländischen PBC-Patienten, die

zum Teil bis zu 36 Jahre betreut wurden.

Insgesamt entwickelten 133 Pa -

tienten (13 %) im Lauf der Jahre eine

oder mehrere Krebs krank heiten. Doch

war dies häufiger als in der Allgemein -

bevölkerung?

Die Ergebnisse sollte man mit Vorsicht

betrachten. Zwar wurden bei PBC-

Patien ten – rein statistisch – auch Bla -

sen krebs und Brustkrebs öfter gefunden.

Tatsächlich betrafen diese Tumor -

arten jedoch nur einen kleinen Teil der

Patien ten. Unter den 992 Patienten

wurden sieben Leberzellkarzinome und

ein Gallengangskarzinom gefunden,

also bei weniger als einem von hundert.

Rein statistisch ist dies ein „neunfach

erhöhtes HCC-Risiko“ im Ver -

gleich zur Gesamtbevölkerung. Wir

neh men das Leberkrebsrisiko bei PBC-

Patienten ernst, da dieses bei Zir rho se

generell ansteigt; wir sind allerdings

eher positiv überrascht, dass es nicht

mehr Fälle waren: Fünf PBC-Patienten

entwickelten Blasenkrebs. In der

Allgemein be völkerung wäre es rein

statistisch nur zu einem Fall gekommen,

die Autoren schließen daher auf

ein fünffach erhöhtes Blasenkrebs -

risiko. Trotzdem betraf dies nur eine

winzige Gruppe – fünf von 992 PBC-

Patienten. Ob bei knapp tausend Pa -

tienten vier Personen mehr oder weniger

von einer Erkran kung betroffen

sind, könnte auch vom Zufall beeinflusst

sein.

Etwas deutlicher erkennbar war ein

Trend zu mehr Brustkrebs erkran kun gen:

33 der 992 Patienten entwi ckel ten

Brustkrebs. Dies waren knapp doppelt

so viel wie durchschnittlich zu erwarten

wa ren (1,8-fach erhöhtes Risiko),

insgesamt betraf dies aber auch nur

etwas über 3 % der PBC-Pa tienten.

Dass Leberkrebs bei PBC häufiger auftritt,

ist bekannt und praktisch immer

eine Folge der Leberzirrhose. Ob PBC

auch das Risiko für Blasenkrebs und

Brust krebs wirklich erhöht, wollen wir

nicht ausschließen. Allerdings machten

die Gruppen der Krebsbetroffenen, die

hier herausgegriffen wurden, nur einen

kleinen Teil aller PBC-Patienten aus –

und das in einer Beobachtungszeit, die

bis über 36 Jahre ging.

Viele PBC-Patienten dürften angesichts

der Beobachtungsdauer „bis

über 36 Jahre“ übrigens stutzig werden.

Hieß es nicht einmal, bei PBC hät -

te man an geb lich nur eine Lebens er -

wartung von zwölf Jahren? Dass diese

Annahme längst überholt ist, zeigt auch

diese Studie – und vermittelt da mit

eine durchaus lebensfrohe Botschaft.

Zusammenfassung

Primär biliäre Zirrhose wird immer besser

erforscht und verstanden – nur die

Ursachen liegen weiterhin im Dunkeln.

Ob das Risiko von Harnblasen- oder

Brustkrebs bei PBC wirklich höher ist,

6 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

sollte genauer erforscht werden. Auf

je den Fall sollten PBC-Patienten alle

an gebotenen Krebsvorsorgemaß nah -

men regelmäßig wahrnehmen.

Die The ra pie mit Ursodeoxycholsäure

schützt die Leber, verbessert aber

offenbar nicht die Symptome wie

Müdigkeit. Um die Müdigkeit zu lindern,

sollte nicht nur auf die PBC

geschaut werden, sondern auch auf

weitere, möglicherweise behandelbare

Ur sa chen. Bei besonders müden PBC-

Pa tienten sollten Ärzte auch die Herz -

funktion im Auge behalten, da in einigen

Fällen auch hier Probleme entstehen

können.

Übergewichtige PBC-Patienten sollten

ihr Gewicht reduzieren, da dies nicht

nur die Lebenserwartung verbessern,

sondern auch die Wirksamkeit der

Therapie erhöhen könnte.

I. van Thiel

Beratung: Prof. Dr. C. Niederau

Autoimmunhepatitis 2013:

Ein Therapie-Überblick

Die Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine

chronisch entzündliche Leberer kran -

kung, bei der das Immunsystem aus

noch ungeklärten Gründen die Fähig -

keit verliert, zwischen fremden und

körpereigenen Zellen zu unterscheiden.

Die eigenen Leberzellen werden angegriffen

und es kommt zu einer chronischen

Entzündung der Leber, die zu

schweren Leberschäden (Zirrhose) führen

kann. Um dies zu vermeiden, müs-

Muss und kann jeder AIH-Patient

behandelt werden?

Sicher ist: Patienten mit mäßig schweren

und schweren Formen der AIH und

Patienten mit Zirrhose sollten behandelt

werden, da sich ihre Prognose

durch eine Therapie entscheidend verbessern

lässt. Ausnahme sind Patienten

mit schweren Leberfunktions stö run -

gen (dekompensierte Leberzirrhose).

Quellen:

Boonstra K et al.: Increased Cancer Risk in a

large population-based cohort of patients

with primary biliary cirrhosis: follow-up for

up to 36 years. EASL 2013, #922.

Cazzagon N et al.: Primary biliary cirrhosis

and metabolic syndrome. EASL 2013, #926.

Diaz-Gonzalez A et al: Decrease of liver

stiffness in patients with primary biliary

cirrhosis and biochemical response to ursodeoxycholic

acid. EASL 2013 #930.

Pells G et al.: The impact of Primary Biliary

Cirrhosis (PBC) on Perceived Quality of Life

(QoL): The UK-PBC National Study. EASL

2013, Abstract #952.

Newton J et al.: Editorial: Making sense of

fatigue. Occupational Medicine 2010; 60:

326–332.

Carbone M et al.: Baseline predictive factors

of ursodeoxycholic acid response in primary

biliary cirrhosis. EASL 2013, #99.

Pells G et al.: The impact of liver transplantation

on the phenotype of primary biliary

cirrhosis (PBC) in the UK-PBC cohort. EASL

2013, #951.

Lammers WJ et al.: Alkaline phosphatase

values are a surrogate marker in prediction

of transplant free survival in patients with

primary biliary cirrhosis – an international,

collaborative analysis. EASL 2013, #941.

sen sich die meisten AIH-Patienten

einer Therapie mit Medikamenten un -

ter ziehen.

Die AIH ist in der Regel gut behandelbar

– aber es gibt auch Ausnahmen.

Und insbesondere diese Pa tienten, die

mit der Standard the ra pie nicht zu -

rechtkommen oder nicht auf sie

ansprechen, profitieren von den For -

schungsergebnissen der letzten Jahre –

wenn auch in kleinen Schrit ten. Eine

schöne Übersichtsarbeit über die Be -

hand lung der Autoimmun he pa titis

wurde dieses Jahr veröffentlicht. Auch

für uns ein Grund, mal wieder den

aktuellen Stand der Dinge zusam men -

zufassen.

©

krishnacreations/Fotolia.com

Ihnen kann mit der gängigen AIH-

Therapie manchmal nicht mehr geholfen

werden, sondern längerfristig nur

noch mit einer Lebertransplantation.

Die Be handlung hat sich dann an der

Trans plantationsplanung zu orien -

tieren.

Bei Patienten ohne Symptome und

milden Formen der AIH ist die Sach -

lage nicht eindeutig. Wie bei vielen

anderen Autoimmunerkrankungen ist

noch zu wenig über die genauen Zu -

sam men hänge der Erkrankung er -

forscht, und so sind auch die Folgen

einer Nicht behandlung leichter Er -

kran kungs for men nur bedingt vorhersehbar.

Leichte Phasen können sich mit

Lebenszeichen 2/13 • 7


Forschung und Praxis

entzündlichen Schüben abwechseln;

im Lauf der Zeit können bei symptomfreien

Patienten doch körperliche

Beschwerden auftreten, die dann unter

Umständen stärker ausgeprägt sind

und mehr Schaden anrichten als bei

Patienten, die Me di kamente einnehmen.

Ob eine Therapie nötig ist, um

eine Leber zir rhose und damit schwere

Leberschäden bei diesen unauffälligen

AIH-Patienten auf lange Sicht zu vermeiden,

lässt sich nicht eindeutig be -

antworten. Patien ten, die

©

Friedberg/Fotolia.com

nicht the rapiert werden,

sollten auf je den Fall engmaschig kontrolliert

werden, um ein unbemerktes

Fort schrei ten der Erkrankung zu verhindern.

Es muss auch kritisch gefragt

wer den, ob es überhaupt leichte For -

men der AIH ohne fortschreitenden Le -

berschaden gibt und ob bei diesen

Patienten schlicht die Diagnose nicht

stimmt.

Die eigentliche „Gefahr“, die von der

AIH ausgeht, ist die Entwicklung von

Leberschäden und die daraus resultierenden

Leberfunktionsstörungen, bis

hin zu Lebertransplantation und Tod.

Auch das Risiko, an Leberkrebs (HCC)

zu erkranken, erhöht sich bei AIH-Pa -

tienten mit fortgeschrittenem Leber -

schaden. Über den Zusammenhang von

AIH und Leberkrebs haben schwedische

Forscher jetzt aktuelle Erkennt nisse

veröffentlicht. Der Leberkrebs ist bei

AIH-Patienten zwar gehäuft festgestellt

worden, allerdings nur bei den

Patienten, die bereits eine Leber zir rho -

se hatten. Der Krebs ist demnach also

keine direkte Folge der AIH selbst, sondern

steht in Zusammenhang mit der

Zirrhose. Für AIH-Patienten ohne Zir -

rho se heißt das also: Zirrhose vermeiden,

um auch das Leberkrebsrisiko niedrig

zu halten. AIH-Patienten mit Zir -

rhose sollten mit ihrem Arzt über eine

regelmäßige Vorsorgeuntersuchung

sprechen (HCC-Screening).

Die Therapie der AIH:

Behandlung in zwei

Stufen

Stufe 1: Erkrankung

stoppen – Remis sion

erreichen

Vorrangiges Ziel der AIH-

The rapie ist es, die Erkran kung

anzuhalten, eine Schä di gung der

Leber durch ständige Ent zün dungen

zu verhindern. Die Stan dard behand -

lung in dieser ersten Stufe ist eine

Kom bination aus einem Steroid

(Prednison bzw. Prednisolon oder auch

Budesonid) und einem Immun suppres -

sivum (Azathioprin). Da insbesondere

Predniso(lo)n zu gefürchteten Steroidtypischen

Neben wirkun gen wie Ge -

wichtszunahme, Wasser ei nlagerungen

oder Akne führen kann, ist man

bemüht, die Dosis entweder möglichst

gering zu halten (durch die zusätzliche

Gabe von Azathioprin) oder ganz durch

Budesonid – einem anderen Steroid,

das seit 2012 für die Behandlung der

AIH zugelassen ist – zu ersetzen. Bude -

sonid wirkt vor allem lokal in der Leber

und belastet den restlichen Körper

weniger. Das bedeutet auch weniger

Nebenwirkungen. Allerdings ist Bu de -

sonid nicht für Patienten mit Zirrhose

geeignet.

Stufe 2: Die Erkrankung in Schach

halten – dauerhafte Remission

Mittel- und langfristiges Therapieziel

ist es, normale Leberwerte zu erreichen

– also die durch die Erkrankung hervorgerufenen

Entzündungen vollständig

in den Griff zu bekommen. Für

einen Großteil der AIH-Patienten ist

dies auch ein realistisches Behand -

lungs ziel. Bis zu 80 % der Patienten

erreichen nach zwei Jahren Therapie

eine Normalisierung der Leberwerte.

Eine sog. Erhaltungstherapie kann

dann mit Azathioprin alleine fortgeführt

werden. Ob und wenn ja, wann

die Behandlung mit Medikamenten

ganz eingestellt werden kann, hängt

un ter anderem vom Grad der bereits

vorhandenen Leberschädigung ab. Pa -

tienten mit Zirrhose wird in der Regel

eine lebenslange Therapie mit Aza thio -

prin empfohlen. Patienten, die noch

keine Leberzirrhose entwickelt haben,

können nach etwa zwei bis fünf Jahren

die Therapie stoppen.

Wenn die AIH wieder die Oberhand

gewinnt – Rückfall (Relapse)

Rückfälle – also ein erneuter Anstieg

der Leberwerte – sind möglich. Ver -

schie dene Ursachen kommen als Aus -

lö ser in Betracht. Grund Nummer eins

für Rückfälle während der Behand -

lung: mangelnde Adhärenz. Das heißt,

Aus lassen, Vergessen oder ungenaue

Einnahme der Medikamente führen

da zu, dass die Behandlung nicht vollstän

dig anschlägt und es zu Rückfällen

kommt. Aber auch ein zu frühes Ab set -

zen der Therapie oder eine zu niedrige

Do sis der Medikamente können zu ei -

nem sog. Relapse führen. Rückfälle

sind möglichst zu vermeiden, da sie die

weitere Prognose des Patienten verschlechtern.

Aus diesem Grund ist –

wie bei vielen medikamentösen Be -

hand lungen – auf die regelmäßige und

genaue Einnahme der Medikamente zu

achten. Auch von einem vorschnellen

Absetzen der Medikamente sollte ab -

8 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

ge sehen werden, auch wenn dies dem

Pa tienten als erstrebenswertes Ziel und

Er folg der Behandlung erscheinen mag.

Patienten, die bereits einen Rückfall

hatten, haben ein höheres Risiko, weitere

Rückfälle zu erleiden. Ihnen wird

die lebenslange Therapie mit Aza -

thioprin empfohlen.

Wenn die Therapie nicht so

wirkt, wie sie es sollte –

Therapieversagen

Zeigt ein Patient nach einem halben

Jahr Therapie keine Anzeichen der Ver -

besserung (Leberwerte, Symptom -

besse rung), muss man davon ausgehen,

dass die Medikamente nicht an -

schlagen. Bringt auch eine Dosis er -

höhung keinen Effekt, muss über alternative

Therapien oder ggf. eine Leber -

trans plan tation nachgedacht wer den.

In je dem Fall sollte genau überprüft

werden, ob wirklich eine AIH für die

Le ber entzündungen verantwortlich ist

oder ob (noch) andere Ursachen da hin -

terstecken (z. B. Schädigung der Leber

durch lebertoxische Medika men te,

Dro gen, andere Autoimmun erkran kun -

gen der Leber wie z. B. die PSC).

Behandlungsalternativen

Für Patienten, die mit der Standard -

therapie nicht oder nicht zufriedenstellend

behandelt werden können,

ste hen weitere Substanzen zur Verfü -

gung. Sie ersetzen entweder das

Steroid Prednison oder das Immun sup -

pressivum Azathioprin. Je nach Studie

wird außerdem meist geprüft, ob diese

neuen Substanzen auch das Potenzial

zur Monotherapie der AIH haben, ob

also eine alleinige Behandlung mit diesem

Medikament ausreicht.

a) Alternative zu Predniso(lo)n:

Budes onid

Wie oben erwähnt, kann Predniso(lo)n

inzwischen auch durch das Steroid

Bude sonid ersetzt werden, wenn der

Patient noch keine Zirrhose entwickelt

hat. Es ist zu erwarten, dass zukünftig

die meisten Patienten ohne Zirrhose

mit Budesonid behandelt werden, es also

auch Teil der Standardtherapie wird.

b) Alternativen zu Azathioprin:

MMF, Tacrolimus, Cyclosporin A

Für Patienten, bei denen die Therapie

mit Azathioprin nicht anschlägt (sog.

Nonresponder) oder bei Patienten, die

das Medikament nicht vertragen, kann

der Einsatz von MMF (Myco phe nolat

mofetil, ebenfalls ein Immun sup pres -

sivum) erwogen werden. Da die Er -

folgs quoten von MMF bei der Be hand -

lung der Autoimmunhepatitis aller -

dings nicht an die von Azathioprin her -

an kommen, ist MMF ausschließlich

eine Option für Patienten, die Aza thio -

prin nicht einnehmen können. Wie wir

in einer der letzten Lebenszeichen-

Aus gaben [03/2012] berichtet haben,

sind laut einer deutschen Studie allerdings

die Aussichten für die Patienten,

die Azathioprin aufgrund von Ne ben -

wir kungen nicht vertragen, wesentlich

besser als die der Patienten, bei denen

Aza thioprin nicht angeschlagen hat.

Auch zwei weitere alternative Wirk -

stof fe zur Behandlung der AIH für Pa -

tienten, die mit der Standard therapie

nicht oder nicht ausreichend behandelt

werden können, werden seit Jah -

ren diskutiert: Cyclosporin A und Tac -

ro limus (beides Immunsuppressiva aus

der Gruppe der Calcium neurin hemmer)

zeigten ermutigende Ergeb nisse – vor

allem in der Behandlung von Kindern

und Jugendlichen – die es auszuweiten

gilt. Die Autoren der Übersichtsarbeit

über AIH räumen Tacrolimus auch aufgrund

der stärkeren immunsuppressiven

Wirkung die hö heren Aussichten

ein. Dennoch scheint Tacrolimus alleine

zur erfolgreichen Behandlung der

AIH nicht aus zureichen, sodass auch

hier eine Kombination mit Prednison

oder Azathioprin notwendig ist. Dosis

und Einnahmezeitraum können aber so

verkürzt werden, dass gefürchtete Ne -

ben wirkungen/Unverträglichkeiten

von Prednison und/oder Azathioprin

weit gehend vermieden werden können.

So zumindest die Ergebnisse von

klei neren Studien.

Fazit

Die Standardbehandlung der Auto -

immun hepatitis ist etabliert, gut er -

forscht und sicher. Für viele Patienten

erfreulich ist inzwischen, dass durch

das neu für die Behandlung der AIH

zugelassene Steroid Budesonid die für

das Prednison typischen Neben wir kun -

gen deutlich reduziert werden können.

Patienten, die Alternativen in der The -

ra pie brauchen – weil die Stan dard -

therapie nicht wirkt oder sie sie nicht

vertragen – werden individuell behandelt.

Verschiedene Optionen stehen zur

Verfügung. Welcher der alternativen

Wirkstoffe im Einzelfall für den Pa tien -

ten erfolgversprechend ist, muss mit

einem spezialisierten Arzt besprochen

werden.

Catharina Pfingstgraf

Beratung: Prof. Dr. C. Niederau

Quellen:

1. Trivendi PJ. and Hirschfeld GM: Treat -

ment of autoimmune liver disease: current

and future therapeutic options, Ther Adv

Chronic Dis (2013) 4(3) 119–141.

2. Danielsson A, et al.: Risk for hepatocellular

carcinoma in autoimmune he patits – is

there an indication for sur veillance?, EASL

2013, Abstract #927.

3. Ploch P et al.: Second Line Therapy in

Autoimmune Hepatitis: is Mycophenolate

Mofetil an effective option?, AASLD 2012

Abstract #1105 .

[siehe Lebenszeichen 3/2012]

4. Marlaka JR et al.: Tacrolimus without or

with the addition of conventional immunsuppressive

treatment in juvenile autoimmune

hepatitis. Acta Paediatr. 2012 Sep;

101(9):993–9.

Lebenszeichen 2/13 • 9


Forschung und Praxis

NASH: Entzündliche Fettleber gefährdet auch das Herz

Nicht-alkoholische Fettleber erkran -

kun gen (NAFLD) sind in der Bevöl ke -

rung weit verbreitet. Während bei

einer „ein fachen“ Fettleber einfach zu

viel Fett in den Leberzellen ist und dies

nur selten zu einem Leberschaden

führt, gibt es eine riskante Verlaufs -

form: Da bei kommt zu der Verfettung

auch eine Entzündung hinzu. Dies

nennt man nicht-alkoholische Steato -

he pa ti tis (NASH).

Eine NASH kann die Leber langfris tig

schädigen – bis hin zur Zir rho se

und/oder Leberkrebs. Bei den meis ten

chronischen Leber erkrankun gen muss

zun ächst eine Zirrhose vorliegen, bevor

das Leber krebsrisiko stark an steigt. In

den Fällen, wo es durch NASH zu

Leberkrebs kam, hatte die Hälfte der

Patienten jedoch noch keine Zirrhose

entwickelt – eine heimtückische Eigen -

schaft, die man lange Zeit nur von der

Hepatitis B kannte.

In den USA ist NASH mittlerweile die

dritthäufigste Ursache einer Leber -

trans plantation. Noch liegt Hepatitis C

als Ursache vorn, gefolgt vom Alkohol.

Aller dings ist die Tendenz für NASH

stei gend. Im Nordosten von Großbri -

tan nien ist NASH mittlerweile die häufigs

te Ursache für Leberkrebs (HCC).

Risikofaktoren sind vor allem das me -

ta bolische Syndrom, wozu Fett leibig -

keit, Bluthochdruck, veränderte Blut -

fett werte und Insulinresistenz gehören.

Weitere mögliche Faktoren sind höheres

Alter, wenig körperliche Aktivität

und Rauchen. Genetische Faktoren und

Mikroorganismen im Darm könnten

ebenfalls eine Rolle spielen.

Einer von acht Jugendlichen und einer

von drei Senioren könnte bereits von

einer Fettleber betroffen sein. Dies

zeig ten zwei große Studien aus Aus tra -

lien (Ayonrinde 2011) und den Nie der -

landen (Koehler 2012).

Bei Patienten mit auffälligen Leber -

werten (GPT, GOT und Gamma-GT) sind

Fettlebererkrankungen die häufigste

Ursache. Andererseits, so erklärte Prof.

Chris Day, UK, auf dem EASL in Ams -

terdam, haben die meisten Fett le ber -

pa tienten normale Leberwerte (80 bis

90 %). Derzeit ge be es noch keine

Emp fehlung für Ultra schall-Untersu -

chun gen der Leber bei Risikogruppen,

da es zu viele Un si cher heiten bei der

Diag no se und der Be hand lung gibt: Ein

anerkanntes Mittel ge gen Fettleber

existiert noch nicht.

Umgekehrt bekommt auch längst nicht

je der Mensch eine Fettleber, selbst

wenn er die entsprechenden Risiko fak -

to ren hat.

Die Ernährung könnte eine Rolle spielen.

Das Risiko einer Fettleber steigt

durch vermehrte Aufnahme von gesättigten

Fettsäuren und Fruktose, scheint

aber bei Antioxidanzien niedriger zu

sein. Mehrere Studien zeigten auch ei -

nen schützenden Effekt von koffeinhaltigem

Kaffee. Kurioserweise scheinen

Kinder mit Fettleber, die von ihren

Müttern gestillt wurden, seltener eine

ernste Verlaufsform der Steatohepa ti -

tis zu entwickeln.

Viele Fettleberpatienten sind sehr

müde. Wie Prof. Day auf der Konferenz

er klärte, kann die Müdigkeit sogar so

ex trem ausgeprägt sein wie bei Pa -

tienten mit Primär biliärer Zirrhose

(PBC). Dies hat uns überrascht. Wir

gingen bisher davon aus, dass die PBCbedingte

Müdigkeit alle anderen

Leber erkrankungen überträfe, doch

leidet eine gigantische und vielfach

größere Zahl von Fettleberpatienten

genauso stark an Müdigkeit. Ähnlich

wie bei PBC scheint die Müdigkeit

nicht davon beeinflusst zu sein, wie

stark die Leber geschädigt ist; möglicherweise

ist es aber ein Hinweis auf

Störungen des vegetativen Nerven sys -

tems und der Herzfunktion. Ein ähnlicher

Verdacht wird vermehrt auch bei

PBC geäußert.

NASH: Risiken für das Herz

Wer eine Fettleberentzündung hat,

sorgt sich natürlich in erster Linie um

seine Leber. Tatsächlich scheint eine

noch größere Gefahr aus einer anderen

Ecke zu kommen: dem Herzen. Das

Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen

steigt dramatisch und scheint direkt

von der Fettlebererkrankung beeinflusst

zu sein. Eine Studie beobachtete

129 Fettleberpatienten über durchschnittlich

13,7 Jahre. Patienten mit

Fettleberentzündung (NASH) hatten

ein Risiko von 2,8 %, an ihrer Leber er -

krankung zu sterben, während es in der

Durchschnittsbevölkerung nur 0,2 %

waren. Das Risiko für Tod durch Herz-

Kreislauferkrankungen stieg jedoch

von 7,5 % auf 15,5 %, wie Day auf dem

Kon gress berichtete.

Die NASH scheint dabei das Risiko fürs

Herz direkt zu beeinflussen – ganz

unabhängig vom Übergewicht, unter

dem viele Fettleberpatienten gleichzeitig

leiden. Wie Day erklärte, werden

durch die Fettleberentzündung im

Körper zahlreiche Entzündungsstoffe

(Zytokine) und andere Substanzen wie

z. B. freie Fettsäuren freigesetzt, die

auch außerhalb der Leber Störungen

verursachen können.

Zum einen kann die Funktion der sogenannten

Endothelzellen gestört werden.

Diese Zellen beschichten die In nen seite

der Blutgefäße und haben zahlreiche

wichtige Aufgaben im Stoff wech sel:

Sie tragen z. B. mit dazu bei, die

Fließfähigkeit des Blutes und den Blut -

druck zu regulieren. Zum an deren können

sich Arterienwände verdicken.

Auch am Herzen selbst wurden Ver än -

de rungen festgestellt. All dies er höht

das Risiko von Arterien ver kal kung

(Arthe riosklerose) und künftigen Herz -

prob lemen. Patienten, die wegen NASH-

Zir rhose le bertransplantiert werden

müs sen, haben zudem nach dem Ein -

10 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

griff ein er höhtes Risiko von Herz-

Kreislauferkrankungen.

In den meisten Fällen tritt NASH bei

Menschen mit metabolischem Syn -

drom auf. Dieser Begriff beschreibt das

Zusammentreffen mehrerer zusam -

men hängender Krankheiten: erhöhte

Blut zuckerwerte bis hin zu Zucker -

krank heit (Diabetes mellitus Typ 2),

Blut hochdruck (Hypertonie) und Fett -

leibigkeit, insbesondere vermehrtes

Bauch fett. Letzteres produziert Hor -

mo ne (Adiponektin, Leptin), die den

Teu felskreis aus Übergewicht und seinen

Folgekrankheiten an Leber, Herz

und Gefäßen verstärken.

Fettleber oder NASH, was tun?

Derzeit gibt es kein anerkanntes Medi -

ka ment gegen Fettleber oder gar Fett -

leberentzündung. Verschiedene Sub -

stan zen werden und wurden in Studien

untersucht, haben aber bisher nicht

vollständig überzeugt.

Ursodeoxycholsäure wirkte auch in

höherer Dosierung bei Fettleber nicht

besser als ein Pla cebo.

NASH und metabolisches Syndrom

gehen oft Hand in Hand. Wenn neben

NASH gleichzeitig ein Diabetes mellitus

vorliegt und der Blutzucker richtig

eingestellt werden muss, wirken Dia -

be tes-Medikamente in diesem Fall sehr

gut. Metformin zeigte in einer kontrollierten

Studie keine Wirkung gegen

NASH, allerdings gibt es Hinweise, dass

Met formin bei Diabetikern das Leber -

krebs risiko senken könnte. Glita zone

konnte in einer großen Studie zwar

nicht der Lebervernarbung entgegenwirken,

allerdings ging die Fettleber -

entzündung zurück. Fibrate erwiesen

sich in zwei kontrollierten Studien als

wir kungslos. Omega-3-Fettsäuren konnten

laut einer Metaanalyse die Leber -

ver fettung verbessern. Statine scheinen

bei Fett leber patienten unbedenklich

zu sein, Leberwerte zu verbessern

und – vielleicht – das Leber krebs risiko

zu senken. Untersucht werden auch

Pentoxifyllin und ein neuartiger

Caspase-Hemmer nahmes GS-9450,

welcher in einer Studie die Leberwerte

senken konnte. Anerkannt sind auch

diese noch nicht und für keine dieser

Substanzen gibt es eine offizielle Emp -

fehlung.

Vitamin E zeigte in zwei Studien na -

mens PIVENS und TONIC einen Nutzen

bei NASH-Patienten und verbesserte

den Zustand des Lebergewebes. Prof.

Day schränkte ein, dass Vitamin E nicht

ganz unbedenklich sei: Zwei Meta ana -

lysen aus den Jahren 2005 und 2007

weisen darauf hin, dass Menschen früher

sterben, wenn sie regelmäßig

hoch dosiertes Vitamin E einnehmen.

Trotz dieser Risiken erklärte Prof. Day,

dass Vitamin E für Patienten mit alleiniger

NASH (ohne Diabetes) gut untersucht

und vielleicht sogar als Erst the -

rapie geeignet sei. Bei NASH-Patienten

mit Diabetes könnten Pioglitazone und

– zur Senkung des Leberkrebsrisikos –

auch Metformin interessant sein.

Bei krankhaft fettleibigen Patienten

scheint eine Adipositaschirurgie einen

Nutzen zu haben, wie Day berichtete:

Sowohl die Verfettung als auch eine

Fettleberentzündung habe sich je nach

Studie häufig verbessert. Der Einfluss

auf die Fibrose ist unklar. Adipositas -

chirurgie sei derzeit nicht als Erst the -

ra pie für NASH empfohlen. Wenn

Patien ten ansonsten die richtigen Vor -

aus setzungen mit sich brächten, sei

NASH aber auch keine Kontraindi ka tion

gegen einen solchen Eingriff, so Day.

An erster Stelle steht nach wie vor, den

Lebensstil zu ändern, um Übergewicht

abzubauen und die Fitness zu verbessern.

Eine solche Umstellung fällt vielen

Betroffenen schwer, wie Prof. Day

berichtete – vielen fehlt die Einsicht

oder Motivation. Doch wenn dies

gelingt, kann sich eine Fettleber ganz

oder teilweise zurückbilden. Wenn

bereits Vernarbungen der Leber bestehen,

scheinen diese leider dauerhaft zu

sein. Eine Entzündung der Leber könnte

durch Gewichtsreduktion ebenfalls

verbessert werden; hier schränkte Prof.

Day jedoch ein, dass dies nur bei den

Patienten erreicht werde, die dauerhaft

7–9 % ihres Gewichtes verlören; eine

solch starke Gewichtreduktion sei für

viele Betroffenen schwer erreichbar

und schwer zu halten. Es lohnt sich

jedoch: Nicht nur die Leber wird positiv

beeinflusst, auch das Risiko von Herz-

Kreislauferkrankungen sinkt dabei.

I. van Thiel

Beratung: PD. Dr. med. A. Gillessen

Quellen:

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2013, Oral Presen tation 26.04.2013.

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elderly: results from the Rotterdam study. J

Hepatol. 2012 Dec;57(6):1305–11.

JL Newton et al.: Fatigue in non-alcoholic fatty

liver disease (NAFLD) is significant and associates

with inactivity and excessive daytime

sleepiness but not with liver disease severity or

insulin resistance. Gut. 2008 Jun;57(6):807–13.

Nobili V et al.: A protective effect of breastfeeding

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liver disease. Arch Dis Child. 2009 Oct;

94(10):801–5.

Charlton MR et al.: Frequency and outcomes of

liver transplantation for nonalcoholic steatohepatitis

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Yasui K et al.: Characteristics of patients with

nonalcoholic steatohepatitis who develop

hepatocellular carcinoma. Clin Gastroenterol

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Sanyal AJ et al.: Pioglitazone versus vitamin E

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patients with non-alcoholic steatohepatitis:

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2009 Jan;30(1):88–96.

Miller ER 3rd et al.: Meta-analysis: high-dosage

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for prevention of mortality in healthy participants

and patients with various diseases.

Cochrane Database Syst Rev. 2008 Apr

16;(2):CD007176.

Lebenszeichen 2/13 • 11


Forschung und Praxis

Hoffnung auf neue Therapieoptionen bei Hepatitis C und

cholestatischen Lebererkrankungen

Sowohl Patienten mit chronischer He -

pa titis-C-Virus-Infektion (HCV) als

auch Patienten mit cholestatischer Le -

ber erkrankung dürfen in absehbarer

Zukunft auf neue Behandlungs mög -

lichkeiten hoffen. Das haben Leber -

experten beim Internisten-Kongress in

Wiesbaden bekannt gegeben.

Neue Wirkstoffe bei der

Hepatitis C

Besonders günstig ist die Situation laut

Professor Dr. Christoph Sarrazin, Frank -

furt, bei der chronischen Hepa titis C.

Als Standardtherapie wird derzeit beim

Genotyp 1 pegyliertes Interferon (Peg-

Interferon) sowie Ribavirin und ein so -

ge nannter Proteaseinhibitor (Boce pre -

vir oder Telaprevir) gegeben. Eine solche

Tripletherapie dauert in der Regel

24 bis 48 Wochen. Besteht eine In fek -

tion mit dem HCV Genotyp 2 bis 6, so

wird üblicherweise für 16 bis 72 Wo -

chen mit Peg-Interferon und Riba virin

be handelt. „Mit dieser Strategie konnte

eine deutliche Verbesserung der

Heilungsraten erreicht werden“, erklärte

Sarrazin.

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen,

denn es werden zurzeit gleich mehrere

neue antivirale Substanzen zur Be -

hand lung der HCV entwickelt. Mit

Neuzu las sungen und damit Therapie -

er wei te rungen ist ab dem Jahr 2014 zu

rechnen. Für Patienten mit einer HCV-

In fek tion des Genotyps 1 bedeutet

dies, dass wahrscheinlich ab dem kommenden

Jahr unterschiedliche Mög -

lich keiten für Dreifachkombinationen

be stehen werden. Damit wird es mehr

Flexibilität bei der Behandlung geben.

Für 2015 kündigte Sarrazin außerdem

die Möglichkeit einer Quadruple-The -

ra pie an, also Behandlungsstrategien

mit vier verschiedenen antiviral wirk-

©

creativ collection

samen Substanzen. Das dürfte mit ei ner

weiteren Verbesserung der Hei lungs -

chancen verbunden sein. Die neuen

Wirk stoffe werden es wahrschein lich

ermöglichen, künftig bei einer Reihe

von Patienten auf die Be handlung mit

dem nebenwirkungsträchtigen Inter fe -

ron zu verzichten.

Bei der HCV-Infektion mit einem

Geno typ 2 oder 3 sieht die Situation

nicht ganz so günstig aus, weil es bislang

hierzu noch keine Studien zu weiteren

Regimen der Tripletherapie oder

zu einer Quadruple-Therapie gibt. Je -

doch besteht auch bei dieser Infektion

die Chance, dass Interferon-freie Be -

hand lungsregime möglich werden.

Modifizierte Gallensäure

– Fortschritt bei der primär

sklerosierenden Cholangitis?

Bei den cholestatischen Leberkran kun -

gen sind ebenfalls neue Medikamente

in Entwicklung, von denen wohl insbesondere

Patienten mit primär sklerosierender

Cholangitis (PSC) profitieren

können. Bei dieser cholestatischen

Lebererkrankung sind die Thera pie -

möglichkeiten bislang limitiert. Besser

zu behandeln ist laut Professor Dr.

Michael Trauner, Wien, die Primär biliäre

Zirrhose (PBC). Bei diesem Krank -

heitsbild wird üblicherweise die Gal -

len säure Ursodeoxycholsäure (UDC)

verordnet. Sie bewirkt bei 80 % der

Patienten eine deutliche Besserung der

Laborwerte und des histologischen

Bildes. „Patienten, die gut auf die

Gallensäure ansprechen, haben eine

ganz normale Lebenserwartung“, er -

läu terte Trauner. Leider ist das bei 20 %

der PBC-Patienten nicht der Fall. Zu -

sätzlich wird dann üblicherweise das

lokal wirksame Steroid Budesonid oder

ein sogenanntes Fibrat eingesetzt.

Die Hoffnung der Forscher gründet

sich für solche PBC-Patienten und

auch für Patienten mit einer PSC nun

auf die sogenannte norUDC. Es handelt

sich um einen Wirkstoff, der strukturell

der UDC entspricht, allerdings mit

Änderungen in der Seitenkette des

Moleküls. Dadurch steigt offenbar die

Wirksamkeit der Gallensäure. Sie reichert

sich in der Leber und den Gal -

lenwegen stärker an und sorgt für eine

verstärkte Sekretion von Bikar bo nat

und damit für die Ausbildung eines re -

gelrechten Bikarbonat-Schutz schirms

gegenüber Gallensäuren mit zellschädigendem

Einfluss.

Die vorliegenden Befunde sehen laut

Trauner günstig aus. Daher wird

norUDC in ihrer klinischen Wirksamkeit

und Sicherheit derzeit im Rahmen

einer klinischen Studie bei Patienten

mit PSC erprobt.

Christine Vetter

Quelle: 19. Symposium Aktuelle He pa to -

logie 2013 „Brennende Fragen und ihre

Antworten“, 6. April 2013 beim 119. Kon -

gress der Deuts chen Ge sell schaft für Innere

Me dizin in Wies ba den, Veran stalter: Falk

Foun dation e. V.

12 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

Rifaximin bei Hepatischer Enzephalopathie zugelassen

Eine Bestandsaufnahme

Das Antibiotikum Rifaximin ist seit

einigen Jahren in Deutschland gegen

bakteriellen Reisedurchfall zugelassen.

Die Zulassung wurde kürzlich auch für

die Hepatische Enzephalopathie (HE)

erweitert: Rifaximin darf nun auch in

Deutschland als Dauertherapie gegeben

werden, um Rückfälle einer HE zu

vermeiden. In einigen anderen europäischen

Ländern sowie in den USA, Me -

xi ko und Russland ist Rifaximin schon

länger für die HE zugelassen.

Hepatische Enzephalopathie (HE) ist

eine Störung der Gehirnfunktion, die

bei schweren Lebererkrankungen auftreten

kann. Giftige Abfallprodukte

aus der Verdauung wie z.B. Am -

moniak werden von der kranken

Leber nicht mehr ausreichend

ausgefiltert. Diese Giftstoffe

kön nen im Gehirn zunächst zu

leichten, später zu schweren

Stö run gen bis hin zum Koma

füh ren. Schon in leichteren Sta -

dien der HE können jedoch Ein -

schrän kungen auftreten: So ist die

Fahr tüch tigkeit und das Re ak tions ver -

mögen bei vielen Zirrhosepa tien ten

eingeschränk t. Die HE kann in Episoden

auftreten, d. h. es kommt bei Patienten

nach un auf fäl ligen Pha sen zu Ver -

wirrtheit und De s orien tie rung, teilweise

wird eine Ein lieferung ins Kran -

kenhaus not wendig.

Bei Hepatischer Enzephalopathie steht

zunächst die Frage im Vordergrund,

was genau die HE ausgelöst hat – und

wie man diesen Auslöser ausschalten

kann. Blutungen im Magen-Darm-

Trakt können hier ebenso ein Faktor

sein wie Medikamentenfehler. Obwohl

bestimmte Giftstoffe wie Ammoniak

aus der Eiweißverdauuung entstehen,

wird eine reduzierte Eiweißaufnahme

heute nur noch selten und vorübergehend

empfohlen. Bei Eiweißmangel

kann ein Muskelabbau entstehen, wo -

durch Patienten immer schwächer

wer den und zudem wieder Ammoniak

freigesetzt wird. Nur wenn Eiweiß eindeutig

der Auslöser ist, z. B. wenn ein

Pa tient nach einer eiweißreichen Mahl -

zeit plötzlich Verwirrungs zu stän de zeigt,

wird heute noch oft eine Re duktion

empfohlen; diese muss jedoch aufgrund

der Risiken engmaschig ärztlich

überwacht werden.

©

Andrey Kuzmin/Fotolia.com

Als Therapie wird seit Jahrzehnten vor

allem Lactulose eingesetzt, die abführend

wirkt und damit auch Giftstoffe

aus dem Darm verstärkt ausscheidet.

Lactulose ist kostengünstig, wird allerdings

oft schlecht vertragen, da sie

u. a. zu Blähungen und Durchfall führen

kann.

Auch L-Ornithin-L-Aspartat wird mitunter

eingesetzt und fördert die

Ammoniak-Entgiftung, indem es die

Harnstoff- und Glutaminsynthese in

Leber und Muskelzellen anregt.

Dieser Artikel befasst sich mit unserem

aktuellen Wissensstand zu Rifaximin

bei Hepatischer Enzephalopathie.

Eigenschaften des Rifaximin

Rifaximin ist ein Antibiotikum der

Rifamycin-Gruppe und gegen unterschiedliche

Bakterienstämme wirksam;

hierzu gehören z. B. Salmonellen und

verschiedene E.-Coli-Bakterien. Rifa xi -

min hindert diese Bakterien daran, sich

neu zu bilden, indem es einen Teil ihrer

Polymerase blockiert.

Wie auch bei anderen Antibiotika können

Bakterien gegen Rifaximin bereits

resistent sein oder es während der

Therapie werden, dies ist aber seltener;

zudem scheinen diese resistenten

Bakterien meist so instabil zu sein,

dass diese nicht in der Lage sind,

den Darm dauerhaft zu besiedeln.

Inwiefern unter Rifaximin resis -

tente Infektionen mit dem Bak -

terientyp Clostridium difficile

entstehen können, ist umstritten.

Zum Teil wird Rifaximin auch zur

Be hand lung dieser Bak te rien eingesetzt.

Zullo und Kol legen berichten

über Fälle von Darment zün -

dungen (Colitis) durch Clostridium difficile,

die nach einer Langzeittherapie

mit Rifa ximin auftraten. In einer anderen

Untersuchung ana lysierten Neff

und Kollegen die Da ten von 211 HE-

Patienten, die Rifa xi min erhalten hatten,

fanden aber keine Fälle von

Clostridium-difficile-Infek tionen.

Rifaximin verbleibt zu 99 % im Darm,

wird also im Magen-Darm-Trakt fast gar

nicht aufgenommen (resorbiert). Der

größte Anteil von Rifaximin wird mit

dem Stuhl und in sehr geringem Maße

über den Urin ausgeschieden. Daher

beschränkt sich die Wirksamkeit von

Rifaximin hauptsächlich auf Bak te rien,

die im Darm unterwegs sind; Ri fa ximin

wirkt nicht gegen Bakterien, die tiefer

in andere Bereiche des Kör pers eindringen

(invasive pathogene Bak terien).

Lebenszeichen 2/13 • 13


Forschung und Praxis

Auch unter Rifaximin kann es unerwünschte

Ereignisse geben; bei Durch -

fallerkrankungen betraf dies gut ein

Viertel (27 %) der Patienten. Im Vor -

der grund standen Symptome im

Magen-Darm-Trakt, wobei allerdings

nicht klar ist, ob das Medikament oder

vielleicht doch eher die Erkrankung

daran schuld war – denn wenn man ein

Scheinmedikament gab (Placebo), wa -

ren die Begleiterscheinungen auch

nicht besser. Durch die rote Farbe des

Medikaments kann sich selten auch der

Urin rötlich verfärben. Selten wurden

Fälle beobachtet, wo es nach der

Einnahme zu starken Überempfind lich -

keitsreaktionen kam, wie Nessel sucht

(Urtikaria) oder Schwellungen im Ge -

sicht oder Genitalbereich (Angio ödem).

Ob Rifaximin zu Wechselwirkungen

mit anderen Arzneimitteln führen

kann, ist noch nicht endgültig geklärt.

Laut Tierexperimenten ist es theoretisch

möglich, wurde in der Praxis aber

kaum beobachtet.

Wirksamkeit

In verschiedenen Studien konnte Ri -

faximin die Zahl von HE-Episoden mit

Krankenhauseinweisungen verringern.

In einer kleinen amerikanischen Studie

mit 39 Zirrhose-Patienten wurde Ri fa -

ximin mit Lactulose verglichen; 15 Pa -

tien ten erhielten Rifaximin und 24

erhielten Lactulose; während in der

Lactulose-Gruppe 19 Kranken haus auf -

ent halte notwendig wurden und sieben

Patienten hiervon mehrfach be -

troffen waren, benötigten nur drei

Rifa ximin-Patienten jeweils einen einzigen

Krankenhausaufenthalt. Die

durch schnittliche Dauer der Kran ken -

haus aufenthalte war bei den Rifaxi -

min-Patienten mit drei bis vier Tagen

ebenfalls kürzer als in der Lactu lo se-

Gruppe (drei bis zehn Tage).

Im Jahr 2010 veröffentlichten Bass und

Kollegen die Ergebnisse einer größeren

Studie mit 299 Patienten, welche gerade

eine HE-Episode hinter sich hatten.

Die Studienteilnehmer erhielten entweder

Rifaximin (meist mit Lactulose)

oder ein Placebo. Rifaximin reduzierte

die Zahl der Rückfälle in den folgenden

sechs Monaten: In der Pla ce bogruppe

hatten knapp 46 % einen HE-Rückfall,

während es unter Rifa xi min nur 22%

betraf. Knapp 27% der Placebo pa tien -

ten mussten wegen eines HE-Rückfalls

ins Krankenhaus, in der Rifaximin -

Grup pe waren es nur 13 %.

Die Bass-Studie wurde je doch von verschiedenen

Sei ten kritisiert: Es habe keine

ausreichend große Placebo grup pe zum

Ver gleich gegeben. In einer Un ter grup -

pe von Patienten, die nur Rifaximin

oder nur Placebo einnahmen, konnte

ein erneuter HE-Rückfall nicht verhindert

werden, wie die Autoren Sharma

und Kollegen anmerkten; sie schlussfolgern,

dass Rifaximin nur zusammen

mit Lactulose wirksamer war als Lac tu -

lose allein. Die Autoren Leise und Kol -

le gen kritisierten, dass die Stu dien -

leiter bei 30–40 % der Patien ten den

Schwe regrad der HE nicht selbst untersuchten,

sondern diesen allein anhand

der Krankenakten eingeschätzt hatten.

In einer achtwöchigen Studie verbesserte

Rifaximin wiederum die Fahr -

taug lichkeit am Simulator. Untersucht

wurden 42 Patienten mit minimaler

HE, die entweder Rifaximin oder ein

Place bo erhielten. Verbesserungen

wur den auch in der Placebogruppe be -

ob achtet (vielleicht durch den Übungseffekt?),

diese waren aber weniger ausgeprägt.

Drei Viertel der Rifaximin-

Patienten (16 von 21, 76 %) machten

nach acht Wochen deutlich weniger

Fahrfehler, während dies nur einem

Drittel der Placebopatienten gelang (7

von 21, 33 %). Rifaximin-Patienten

vermieden Geschwindigkeitsüber tre -

tun gen (81 % vs. 33 %) und falsches

Abbiegen (62 % vs. 19 %) ebenfalls

öfter als Placebopa tienten. Die Zahl

der Unfälle am Si mu lator nahm bei

43 % bei Rifa xi min-Patienten etwas

mehr ab als bei den Placebopatienten

(33 %). In te res san ter weise veränderten

sich die La bor werte der Patienten kaum

– der Am mo niakspiegel blieb zum

Beispiel un verändert. Nur ein antientzündliches

Zytokin namens IL-10 stieg

im Blut der Patienten an, die Rifaximin

er hielten; die Autoren Bajaj und Kol le -

gen spe kulieren, dass die Wirkung von

Rifa ximin gegen HE vielleicht auf entzündungshemmenden

Eigen schaf ten

be ru hen könnte.

An seine Grenzen stieß Rifaximin in

einer kontrollierten Studie mit 75 HE-

Patienten, die einen sogenannten TIPS

hatten. Hier hatte Rifaximin keine

Wirkung gegen die Hepatische En -

zephalopathie, allerdings hatte die Ga -

be von Lactitol ebenfalls keinen Erfolg.

TIPS ist ein künstlicher Durch gang, der

gegen den Pfortader hoch druck bei

Zirrhose eingesetzt wird und den Blut -

fluss durch die Leber wieder er -

möglicht. Die ser Eingriff reduziert einer

seits das Ri siko von Kompli ka tio nen

wie Blut hoch druck in der Pfortader

(portale Hyper ten sion), Schwellung der

Milz (Splenomegalie), Wasserbauch

(Aszi tes) oder Blutungen aus Krampf -

adern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen);

andererseits kann TIPS aber

auch eine Hepatische Enzephalopathie

auslösen oder verstärken, da das Blut

ungefiltert durch die Leber geschleust

wird und noch mehr Giftstoffe ins

Gehirn gelangen. Uns liegt zwar ein

po sitiver Einzelfallbericht vor, wo Rifa -

ximin bei einem TIPS-Patienten eine

ausgeprägte HE erfolgreich zurückbildete;

allerdings bleibt die Kon ste llation

„TIPS und HE“ auch nach der Zulassung

von Rifaximin ein Problem.

Wenn eine HE durch andere Ursachen

als TIPS entsteht, scheint Rifaximin

dagegen eine wirksame und gut verträgliche

Möglichkeit zu sein, um er -

neu ten HE-Episoden entgegenzuwirken.

Resisten zen scheinen bei Rifaxi min

ins gesamt ein eher untergeordnetes

Problem zu sein, obwohl sich nicht alle

14 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

Veröffent li chungen in diesem Punkt

einig sind; daher wurde Ri fa xi min zur

Lang zeit the rapie gegen HE-Rückfälle

zugelassen. Die Zulas sung be trifft also

nur Patienten, die bereits eine HE-Epi -

sode hatten und bei denen man eine

erneute Episode verhindern will.

Zu der Frage, ob Rifaximin auch eine

bereits bestehende HE lindern kann

und dabei der Lactulose überlegen ist,

ist die Datenlage noch widersprüchlich;

weitere Ergebnisse aus größeren

Studien werden hier mehr Klarheit

bringen.

I. van Thiel

Beratung: Dr. med. G. Kircheis

Quellen:

Rabenstein T et al.: Rifaximin – ein nicht

resorbierbares Antibiotikum mit vielfältigen

Anwendungsmöglichkeiten in der Gastro -

ente rologie. Z Gastroenterol. 2011 Feb;

49(2):211-24.

Neff GW et al.: Lack of Clostridium difficile

Infection in Patients Treated With Rifaximin

for Hepatic Encephalopathy - A Retro spe -

ctive Analysis. J Clin Gastroenterol Volume

47, Number 2, February 2013.

Zullo A et al.: Rifaximin therapy and hepatic

encephalopathy: Pros and cons. World J

Gastrointest Pharmacol Ther. 2012 August

6; 3(4): 62–67.

Riggio O et al.: Pharmacological prophylaxis

of hepatic encephalopathy after transjugular

intrahepatic portosystemic shunt: a randomized

controlled study. J Hepatol. 2005

May;42(5):674-9.

Bajaj JS et al.: Rifaximin Improves Driving

Si mulator Performance in a Randomized Trial

of Patients With Minimal Hepatic Ence pha -

lopathy. Gastroenterology 2011;140: 478–487.

Reddy AV: Lesson of the month: Rifaximin

may have a dramatic effect on hepatic

encephalopathy. Clinical Medicine 2012, Vol

12, No 5: 489–90.

Kimer N et al: Rifaximin in the treatment

and prophylaxis of hepatic encephalopathy

in chronic liver disease: a meta-analysis.

EASL 2013, Abstract #206.

Bass NM et al: Rifaximin Treatment in

Hepa tic Ence phalopathy. N Engl J Med

2010;362:1071-81

– Comment: Sharma P et al: N Engl J Med

2010; 362:2424.

– Comment: Leise MD and Kim WR. N Engl

J Med 2010; 362: 1416–1418.

Hepatitis B und D auf dem

europäischen Leberkongress 2013

Zwei Milliarden Menschen weltweit

sind nach Schätzungen der WHO schon

einmal mit dem Hepatitis-B-Virus in

Kontakt gekommen. Eine Neuinfektion

heilt bei über 90 % der gesunden Er -

wach senen im ersten halben Jahr von

selbst aus. Bei anderen Menschen verläuft

die Infektion jedoch chronisch

und besteht dann oft lebenslang. Be -

sonders gefährdet sind Neugeborene

infizierter Mütter, deren Immunsystem

noch nicht so stark ausgebildet ist:

Falls nicht sofort nach der Geburt aktiv

und passiv geimpft wird, werden viele

Säuglinge angesteckt und bleiben dann

in 90 % lebenslang chronisch in fi ziert.

Wenn eine Hepatitis B einmal chronisch

ist, durchläuft sie beim gleichen

Menschen verschiedene Phasen. Mal

ist das Virus aktiver, mal das Immun -

system. Zu Beginn befinden sich viele

Pa tien ten in der sogenannten „im mun -

toleranten Phase“, das heißt, dass sich

die Viren stark vermehren und die

HBV-DNA sehr hoch ist; das Immun -

system sitzt jedoch eher untätig daneben

und gibt sich kaum Mühe, die In -

fek tion zu bekämpfen. In der immun -

toleranten Phase „toleriert“ das

Immun system die Infektion.

Im Laufe der Zeit – wann, ist je nach

Mensch sehr unterschiedlich – ändert

sich dies jedoch: Das Immunsystem

reagiert plötzlich wieder auf die Viren

und versucht, die Infektion zu be -

kämpfen. Infizierte Leberzellen werden

vom Immunsystem angegriffen und

mitsamt dem eingenisteten Virus zerstört.

Die Leber entzündet sich.

Die Chance: Das Immunsystem kann

die chronische Infektion zwar nicht

mehr eliminieren, aber oft eine gewisse

Kontrolle aufbauen.

Das Risiko: Die Leber kann dauerhaft

zum Schlachtfeld werden, auf dem

Virus und Immunsystem miteinander

kämpfen, und nimmt Schaden. Wenn

die Leber zerstörte Leberzellen nicht

mehr im ausreichendem Maße neu bilden

kann, beginnt sie zu vernarben.

Eine Zirrhose kann die Folge sein. Bei

Zirrhose steigt das Risiko, dass Zellen

entarten und Leberkrebs entsteht. Da

Hepatitis-B-Viren auch von sich aus

krebeserregende Prozesse anstoßen

können, kann ein Lebertumor bei

Hepatitis B auch entstehen, wenn

noch keine Leber zirrhose vorliegt.

Behandlung der

chronischen Hepatitis B

©

cdc.gov

Heutige Medikamente können chronische

Hepatitis B nicht ausheilen, aber die

Virusvermehrung und damit die Krank -

heit so stark unterdrücken, dass das

Risiko von Spätfolgen sehr stark ge -

senkt wird. Auf dem diesjährigen EASL

zeigten Studien erneut für Te no fovir

und Entecavir, dass diese Lang zeit the -

ra pien das Risiko von Leber krebs vermin

dern können. Voraus setz ung ist da -

bei, dass die Viruslast (HBV-DNA) unter

die Nachweisgrenze sinkt, also nicht

mehr messbar ist. Selbst dann sinkt das

Krebsrisiko jedoch nicht auf null, da her

muss chronische Hepa ti tis B auch hier

langfristig überwacht werden.

Lebenszeichen 2/13 • 15


Forschung und Praxis

Die Hepatitis-B-Therapie heilt nicht – wann sie trotzdem nützt

Heutige Medikamente wie Peg-Inter -

feron (Spritze) oder „Nucs“ (Tabletten)

kön nen He pa titis B noch nicht komplett

ausheilen. Allerdings können sie

die Virus ver mehrung unterdrücken und

– mit hilfe des Immunsystems – Teile des

Virus dauerhaft zerstören. Die Ziele:

- Die Viruslast (HBV-DNA) soll dauerhaft

unterdrückt werden. Dies

ge lingt heute bei den meisten Pa -

tien ten. Hierdurch sinkt die Anste -

ckungs gefahr für andere, und für

die Betroffenen selbst sinkt das Ri -

si ko, dass sich Spätfolgen wie Zir -

rhose und Leberkrebs entwickeln.

- Falls Leberwerte (z. B. GPT) er höht

sind, sollen sich diese normalisieren.

- Bonusziel: wenn bestimmte Be -

stand teile des Virus aus dem Blut

ver schwinden und stattdessen

Anti körper gebildet werden. Diesen

Vor gang nennt man auch Serokon -

version.

Einige Hepatitis-B-Viren haben z. B. das

sogenannte HBe-Anti gen (HBeAg).

Dies ist meist bei jüngeren In fektionen

vorhanden und ein Zeichen, dass sich

das Virus stark vermehrt. Wenn es dem

Immunsystem gelingt, das HBe-

Antigen zu zerstören, vermehrt sich

das Virus viel schlechter. Noch besser:

wenn das Immunsystem noch zusätzlich

anti-HBe-Antikörper bildet. Dies

nennt man HBeAg-Sero kon version.

Damit ist das Virus viele Jahre unter

Kontrolle, obwohl es irgendwann

mutieren und trotzdem wieder aktiv

werden kann.

Noch besser: wenn das sogenannte

HBs-Antigen (HBsAg) verschwindet.

Das ge lingt nur sehr selten. HBsAg ist

ein Teil der Virushülle. Wenn eine

Hepatitis B erstmals entdeckt wird,

dann mit diesem Marker. Gelingt es

dem Immunsystem, diesen Teil des

Virus zu zerstören – und dann noch

schützende anti-HBs-Antikörper zu

bilden, kommt dies einer Heilung aber

sehr nahe.

Grundsätzlich stellt sich die Frage:

Wenn chronische Hepatitis B einmal

identifiziert ist, wie früh sollte man

diese therapieren? Vereinfacht gesagt,

empfehlen die heutigen Leitlinien erst

dann zu behandeln, wenn die Infektion

beginnt, Probleme zu verursachen:

„Behandelt wird, wenn jemand durch

seine Hepatitis B krank ist“, erklärte PD

Dr. Anton Gillessen kürzlich auf einer

Patientenveranstaltung in Herne.

Da es seit einigen Jahren stark wirksame

Medikamente gibt, die zudem

weniger Resistenzprobleme haben als

früher, wird aber mittlerweile diskutiert,

ob man Patienten vielleicht doch

früher therapieren kann.

In der frühen immuntoleranten Phase

– Hep-B-Virus aktiv, Immunsystem

inaktiv – wird derzeit keine Behand -

lung empfohlen. Bislang fehlten sogar

Daten, wie wirksam eine Therapie in

die ser Phase überhaupt sein kann.

Hohe Virusmengen, ein untätiges Im -

mun system: Das klingt nicht gerade

erfolgversprechend für eine Therapie.

Dennoch hat sich eine Studie auf diesem

Gebiet vorgewagt: Hepatitis-B-

Pa tienten in der immuntoleranten

Pha se erhielten entweder Tenofovir

alleine oder eine Kombinationstablette

aus Tenofovir und Emtricitabine –

Letz tere stammt aus der HIV-Medizin

und ist nicht für Hepatitis B zugelassen.

Auf dem Kongress wurden nun Vier-

Jahres-Daten vorgestellt.

Prof. Zoulim berichtete, dass 55 % der

Patienten ihre Viruslast mit Tenofovir

bis unter die Nachweisgrenze senken

konnten. Wenn sie die Kombination

Tenofovir mit Emtricitabine erhielten,

erreichten 76 % dieses Ziel. Das heißt,

die Kombination Tenofovir mit Emci tri -

ca bine ist in dieser Situation öfter

wirksam. Eine weitere Beobach tung:

Frauen sprachen in allen Be hand lungs -

armen besser an als Männer.

Laut Prof. Zoulim war dies die erste

Studie, welche die Therapie in der im -

muntoleranten Phase untersucht. Noch

ist es jedoch zu früh, Rück schlüs se zu

ziehen und Empfehlungen zu ändern.

Die Erfolge dieser Studie kann man kritisch

diskutieren: Vier Jahre Therapie

mit einer der am stärksten wirksamen

He pa titis-B-Substan zen reich ten nur

bei der Hälfte dieser Pa tienten aus, um

die Virusmenge zu un terdrücken. Die

Kombinations tab let te Tenofovir mit

Emcitricabine er reichte dieses Ziel

häufiger, aber selbst hier gelang das

nur bei drei Vierteln der Patienten.

Ob die frühe Therapie für die immuntoleranten

Patienten irgendeinen Zu -

ge winn an „Sicherheit“ oder lang fris tig

besseren Verlauf bedeutet, oder ob

diese genauso gut hätten warten können,

ist völlig offen.

Wann wird Hepatitis B endlich

heilbar?

In ferner Zukunft ist es das Ziel, chronische

Hepatitis B endlich heilbar zu

machen. Besonders schwierig ist dabei

die sogenannte ccc-DNA, die sich tief

in den Leberzellen einnistet und mit

heu tigen Medikamenten praktisch gar

nicht angreifbar ist. In Zellkulturen

und bei Mäusen untersucht man An -

sät ze, um die ccc-DNA eines Tages zu

zerstören oder zumindest lahmzulegen.

Untersuchungen bei Menschen gibt es

noch nicht, entsprechend kann es noch

16 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

viele Jahre oder gar Jahr zehn te dauern,

bis einer dieser Ansätze spruch reif wird.

Auf einer Presse kon fe renz des EASL

äußerte sich Prof. Zoulim jedoch optimis

tisch, dass man die ccc-DNA – und

auch ihre Schwachpunkte – immer

bes ser verstehe. Hieraus könnten in

Zu kunft durchaus völlig neue The ra -

pien entstehen.

Wie sieht es mit anderen Ansätzen

aus? Die Substanz REP 9AC’ soll an -

geblich heilungsähnliche Zustände er -

möglichen, indem sie das HBs-Antigen

unterdrückt und es dem Immunsystem

ermöglicht, Antikörper (anti-HBs) auszubilden.

Nach wie vor sind die Daten sehr spärlich

und werden entweder nicht

beachtet oder nicht geglaubt. Bei acht

Patienten aus Bangladesch wurde ein

vorübergehender Anstieg der Le ber -

werte (GPT) beobachtet, was die Stu -

dienleiter aber als notwendiges Übel

ansehen – als Teil der erwünschten

Immunreaktion, bei der infizierte

Zellen zerstört werden. Bei den acht

ge nannten Patienten soll eine HBsAg-

Serokonversion stattgefunden haben.

Falls diese Daten stimmen (was einige

Hepatologen bezweifeln), könnte dies

ein großer Fort schritt bei der Hepa ti -

tis-B-Therapie sein. Ergebnisse aus

größeren, kontrollierten Studien müssen

jedoch abgewartet werden. Wir

trafen zufällig einen der Studien leiter

in Amsterdam und fragten nach, ob

und wann mit Studien in Europa und

den USA zu rechnen sei. Die Antwort

fiel noch etwas vage aus: Es seien definitiv

erste kleine Studien auch in Eu -

ropa geplant, Genaueres konnte man

uns jedoch nicht dazu mitteilen.

REP 9AC’ könnte alles sein: Top oder

Flop, Reinfall oder ein künftiger Durchbruch

in der Hepatitis-B-Thera pie. Wir

wünschen uns mehr Diskus sion über

diese Substanz – und dass die kanadische

Herstellerfirma Replicor sich

beeilt, mehr solide Daten aus kontrollierten

Studien zu präsentieren.

Hepatitis D (Delta): viele späte

Rückfälle nach Therapie

Das Hepatitis-Delta-Virus ist ein un -

voll ständiges Virus, welches nur zu -

sam men mit dem Hepatitis-B-Virus

existieren kann. Hepatitis D ist auf die

Virushülle des B-Virus (HBsAg) angewiesen,

um sich zu vermehren. Hepa ti -

tis Delta kann einen Menschen gleichzeitig

mit Hepatitis B infizieren. Ebenso

kann Hepatitis D sich später zu einer

bestehenden, chronischen Hepatitis B

hinzugesellen. Die Koinfektion mit

Hepatitis B und D verläuft in der Regel

ungünstiger, da das Zirrhose-Risiko

hierdurch ansteigt.

Derzeit scheint nur Peg-Interferon

gegen dieses Virus zu wirken, während

Tabletten (Nukleosid- und Nukleotid -

ana loga) gegen Hepatitis B nichts

gegen das Delta-Virus ausrichten.

Auch beim Peg-Interferon sind die

Erfolge eher bescheiden: Nur 25–30 %

der Hepatitis-Delta-Patienten sprechen

hier dauerhaft darauf an; auf dem letzten

amerikanischen Leber kon gress hat -

te sich bereits die Hoffnung zerschlagen,

dass die Zugabe von He pa titis-B-

Tabletten diese Erfolgs zah len erhöht.

Selbst die spärlichen Erfolge des Peg-

Interferons stehen nun infrage. Eine

Zeit lang ging man davon aus, dass die

25–30 % der Patienten, die sechs Mo -

na te nach Therapieende kein nach weisbares

Delta-Virus mehr im Blut hatten,

auch geheilt seien. Aus Han no ver gibt

es jedoch beunruhigende Be ob ach tun -

gen bei 16 HDV-Patienten, die nach

einem solchen Therapieerfolg längerfristig

weiterbeobachtet wurden: Bei

acht dieser Patienten wurde in der

Zwi schenzeit wieder eine positive He -

pa titis-D-Viruslast (HDV-RNA) gemessen.

Zwar ist noch nicht eindeutig

geklärt, ob es sich hier um Rückfälle

oder Neuinfektionen mit dem Delta-

Vi rus handelt; die Studienleiter Dr. Hei -

drich und Kollegen empfehlen je doch,

Hepatitis-Delta-Patienten selbst dann

längerfristig zu beobachten, wenn de -

ren HDV-RNA sechs Monate nach The -

rapieende nicht messbar ist. Bei He -

patitis Delta scheint dieser The ra pie er -

folg weniger zuverlässig zu sein als bei

Hepatitis C, wo man in dieser Si tua tion

bereits von einer Heilung ausgeht.

Fazit

Die heutige Hepatitis-B-Therapie ist

nicht heilend, kann jedoch die Virus -

men ge unterdrücken und damit das

Le berkrebsrisiko verringern. Wann der

richtige Zeitpunkt für den Start der

The rapie ist, wird diskutiert: Ob ein

früherer Beginn erfolgversprechend ist

und irgendwelche zusätzliche „Sicher -

heit“ für Patienten bietet, ist unklar.

Künftige Therapieansätze gegen Hepa -

ti tis B sind sehr interessant, aber noch

in frühen Entwicklungs stadien.

Die Therapieerfolge gegen Hepatitis D

(Delta) scheinen bei vielen Patienten

nicht dauerhaft zu sein. Verbesserte

The rapieansätze gegen das Delta-Virus

sind dringend notwendig.

I. van Thiel

Beratung: PD. Dr. med. A. Gillessen

Quellen:

Zoulim F.: Hepatitis B highlights – advancing

towards a cure. EASL Press conference 27th

April 2013. Amsterdam.

Kim WR et al.: Long term tenofovir disoproxil

fumarate (TDF) therapy and the risk of hepatocellular

carcinoma. EASL 2013, Abstract #43.

M. Al-Mahtab M et al.: Establishment of a

potent anti-HBsAg response and durable im -

munological control of viremia with short term

immunotherapy after REP 9AC’-induced HBsAg

seroclearance in chronic HBV infection. EASL

2013, Abstract #776.

Gane E et al.: Tenofovir DF (TDF) compared to

em tricitabine in HBeAg-positive, chronic he pa -

titis B (CHB) virusinfected patients in the im mune

tolerant (IT) phase. EASL 2013, Abstract #101.

V.W.-S. Wong VW-S et al.: Performance of

hepa tocellular carcinoma risk scores in chronic

hepatitis B patients receiving entecavir treatment.

EASL 2013, Abstract #44.

Heidrich B et al.: Long-term follow-up after

Peg-IFNa2a-based therapy of chronic hepatitis

delta. EASL 2013, Abstract #46.

Lebenszeichen 2/13 • 17


Forschung und Praxis

Hepatitis C: Wettlauf zur Zulassung neuer Therapien

Bei Hepatitis C überschlagen sich die

Ereignisse: Auf dem diesjährigen EASL-

Leberkongress in Amsterdam wurden

derart viele Studien mit neuartigen

Substanzen vorgestellt, dass inzwischen

selbst Experten vor der Daten -

flut kapitulierten. Wir versuchen die

wesentlichen Ereig nisse zu bündeln:

Zwischen 2014 und 2017 erwarten wir

mehrere Neuzulassungen von Medika -

menten mit und ohne Interferon, welche

hohe Heilungsraten erreichen.

Wie in der letzten Ausgabe berichtet,

müssen Ärzte und Patienten in Zukunft

aber genau hin sehen, wer von welcher

Therapie profitiert.

Be son ders wichtig ist dabei der Geno -

typ des Hepatitis-C-Virus. Was für den

einen Genotypen eine hochwirksame

The rapie ist und die Viren geradezu aus

dem Körper fegt, kann für einen ande-

Unsere Broschüre „Hepatitis C”

kann von Mitgliedern der Leberhilfe

kostenlos an gefor dert werden.

Abon nen ten und Nicht mit glieder

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ren Genotypen so wir kungs los sein wie

ein Husten bonbon.

Wenn schon eine Zirrhose vorliegt, kann

die Leber viele Medikamente nicht mehr

gut verstoffwechseln; dies ist wohl der

Grund, dass die Hei lungs chan cen bei

Zir rho se patienten mit neuartigen Sub -

stan zen ebenfalls oft niedriger sind.

Auch wenn Patienten auf Inter fe ron

und Ribavirin schon einmal gar nicht

an gesprochen haben, sind die Erfolge

vie ler Interferon-freier Therapien

geringer – insbesondere dann, wenn

Riba vi rin noch ein Be stand teil der

Thera pie ist. Daher ist heute noch keine

einfache „Rundum-glück lich“-The rapie

in Sicht, die alle Hepatitis-C-Patienten

glei cher maßen heilen könnte.

2014

©

pat fauve//Fotolia.com

2014 bleiben Genotyp-1-Patienten zu -

nächst noch auf Interferon und Ri ba vi -

rin angewiesen, dies ist aber wohl nur

eine Übergangszeit. Es werden zu -

nächst mehrere neue Dreifachthe r a pien

(„Triple thera pien“) erwartet. Neben

Boceprevir und Telaprevir könnten bald

noch mehr Substanzen zur Verfügung

stehen, die mit Peg-Interferon und

Riba vi rin kombiniert werden. Die

neuen Substanzen müssen zumeist nur

noch einmal täglich eingenommen

werden, scheinen we niger Neben wir -

kungen zu haben und in puncto Wirk -

samkeit sogar leicht überlegen zu sein.

Die Zulassung für Sofosbuvir und

Simeprevir ist be reits beantragt.

Für Patienten mit den Genotypen 4, 5

und 6 könnte ebenfalls ab 2014 eine

Drei fach therapie mit Peg-Interferon,

Ri bavirin und Sofosbuvir zur Verfü gung

stehen, welche deutlich wirksamer ist

als die bisherige Zweifach the rapie.

Für Patienten mit den Genotypen 2

und 3 könnte es schon 2014 eine erste

Interferon-freie Therapie mit Sofos bu -

vir und Ribavirin geben; diese ist hochwirksam

gegen den Genotyp 2, zeigt

aber beim Genotyp 3 noch einige

Schwä chen. Dies gilt vor allem, wenn

Pa tien ten schon einmal erfolglos be -

han delt wurden und bereits eine

Zirrhose haben.

Die Arzneimittelbehörden in den USA

und Europa haben mittlerweile signalisiert,

die Prüfung einiger neuer Sub -

stan zen sehr zügig vorzunehmen, um

eine schnellere Zulassung zu erleichtern.

2015–2017

In den darauffolgenden Jahren könnten

auch für den Ge no typ 1 mehrere

Inter feron-freie Thera pien zugelassen

werden. Hier finden Sie einige Beispiele

für Substanz kom binationen, die gerade

in Studien untersucht werden:

– Sofosbuvir mit Ledipasvir als eine

Tablette, mit oder ohne Ribavirin

(Her steller: Gilead)

– ABT-450 (mit Ritonavir geboos tert),

ABT-267, ABT-333 und Riba virin

(Hersteller: AbbVie)

– Daclatasvir, Asunaprevir und

BMS-791325 (Hersteller: Bristol-

Myers-Squibb)

– Faldaprevir, Deleobuvir (BI 207127)

und Riba vi rin für den Genotyp 1b

(Her stel ler: Boehringer-Ingelheim)

Zahlreiche weitere Interferon-freie

Kombina tions thera pien befinden sich

in frühen Stu dien. Interferon-frei heißt

18 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

leider nicht immer „nebenwirkungsfrei“.

In den Ju bel über Studien mit

hohen Hei lungs raten bei geringen

Neben wirkungen mischen sich hin und

wieder auch Mel dun gen über erns te

Kom pli ka tio nen und plötzlich gestoppte

Substan zen. So wur de im Som mer

2012 eine In ter fe ron- freie Studie mit

dem Poly me ra sehemmer BMS-986094

ab ge brochen, nachdem es einen To -

des fall und mehrere Fälle von Organ -

schäden gab (vgl. Lebens zeichen 3/12).

Angesichts der Vielzahl von Substan -

zen, die in der Forschung sind, sind

weitere Rückschläge nicht auszu schlie -

ßen. Dennoch gehen wir davon aus,

dass zwischen 2015 und 2017 für die

große Mehrzahl der Patienten das

„Interferon-freie Zeit alter“ beginnen

wird. Ob Interferon dann für alle Pa -

tien ten verzichtbar wird oder man bei

hartnäckigen In fektionen doch wieder

auf Interferon zurück greifen muss,

bleibt abzwarten.

Heutige Therapie

Wöchentliche Spritzen mit Peg-Inter -

feron und tägliche Ribavirin-Tabletten

sind bisher noch das Rückgrat jeder

zugelassenen Therapie.

Beim Genotyp 1 kommt meist ein Pro -

te ase hem mer als dritte Sub stanz hin zu,

um die Heilungschancen zu erhöhen.

Seit 2011 sind hierfür die Pro tease -

hem mer Tela pre vir und Boce pre vir zu -

ge lassen. Beide Sub stan zen sind nur

für den Genotyp 1 geeignet und müssen

immer mit Peg-Interferon und

Riba virin kombiniert werden. Tut man

dies nicht, ist ein Scheitern der The ra -

pie vorprogrammiert, bei dem das

Virus zudem resis tent wird.

Durch diese Dreifach the rapie können

weitaus mehr Patienten von ihrer He -

pa titis-C-Infektion befreit werden als

mit zwei Medikamenten. Der Nach teil

sind mögliche Resisten zen, zusätzliche

Neben- und Wech sel wir kungen und

dass die Protease hem mer mehrmals

Behandlung der Hepatitis C bei

HIV-Koinfizierten

Wenn jemand gleichzeitig mit HIV infiziert ist, kann Hepatitis C rasch zu

Zirrhose und Leber krebs voranschreiten. Verbesserte Therapien sind hier

dringend nötig: Aufgrund der Immun schwäche wirkt die herkömmliche

Zweifachtherapie mit Peg-Interferon und Ribavirin schlechter.

Wenn Patienten gleichzeitig Me di kamente gegen HIV einnehmen, sind

mögliche Wechsel wirkun gen mit der Hepatitis-C-Therapie zu beachten.

Unbedingt sollte eine solche Therapie von Ärzten durchgeführt wer den, die

mit HIV und Hepatitis C gleichermaßen vertraut sind.

©

S. Kaulitzki//Fotolia.com

Telaprevir bzw. Boceprevir (nur HCV-Genotyp 1): Eine Dreifachtherapie

mit Telaprevir oder Boceprevir konnte das Hepatitis-C-Virus bei Ko in fi zier -

ten ähnlich oft eliminieren wie bei alleiniger HCV-Infektion: 75 % unter

Tela previr und knapp 63 % unter Boceprevir. Neben- und Wechsel wir kun -

gen mit HIV-Medikamenten sind jedoch zu beachten. 1

Faldaprevir bei HIV-Koinfizierten: Die Dreifachtherapie mit Faldaprevir,

Peg-Interferon und Ribavirin wird derzeit auch bei 308 Hepatitis-C-Patien -

ten erprobt, die mit HIV koinfiziert sind (Zulassungsstudie „STARTverso4“).

Die Mehrzahl der Studienteilnehmer nimmt gleichzeitig auch HIV-Medi ka -

mente ein. Endgültige Heilungsraten der Hepatitis C sind uns noch nicht

bekannt, während der Therapie sprachen jedoch vier Fünftel der Patienten

an. Nebenwirkungen wie z. B. Übelkeit, Müdigkeit und Durch fälle betrafen

etwa ein Drittel der Patienten. Schwere Neben wir kun gen wie hohes Fieber

oder Leibschmerzen waren mit 1 % eher selten. Insgesamt wurden in der

Studie drei Todesfälle beobachtet, die allerdings alle vor Beginn oder mehr

als 30 Tage nach Beendigung der Einnahme der Studienmedikation auftraten.

Die Studienleiter betonten daher, dass diese nicht mit den Stu dien me -

di kamenten in Zusammenhang standen. Diese Ereignisse zeigen jedoch

erneut, dass koinfizierte Patienten auch aufgrund von Begleit erkrankungen

be sonders engmaschig kontrolliert werden müssen. 2

1) vgl. Lebenszeichen 1/12 und 1/13

2) Dieterich D et al.: STARTVerso 4: High rates of early virologic response in HCV genotype 1/HIVco-infected

patients treated with faldaprevir plus pegIFN and RBV. 20th Conference on Retroviruses

and Opportunistic Infections. Atlanta, GA March 3–6, 2013.

Lebenszeichen 2/13 • 19


Forschung und Praxis

Sustained Virologic Response (SVR) = Heilung

... meistens jedenfalls. Achten Sie auf die Zahl dahinter!

SVR24 = Die HCV-RNA ist 24 Wochen nach Therapieende immer noch negativ.

Dies ist die traditionelle „sustained virologic response“ und wird als Heilung angesehen.

Rückfälle nach diesem Zeitpunkt sind äußerst selten.

SVR12 = Die HCV-RNA ist zwölf Wochen nach Therapieende immer noch negativ.

Die jüngere Forschung zeigt, dass die SVR12 fast genauso zuverlässig ist wie die

SVR24. Die europäischen und amerikanischen Arzneimittelbehörden EMA und FDA

erkennen nun auch die SVR12 bereits als „Endpunkt“ bzw. „Heilung“ an. Hierdurch

können Studien schneller ausgewertet und vielversprechende Medikamente u. U.

schneller zugelassen werden.

SVR4 = Die HCV-RNA ist vier Wochen nach Therapieende noch negativ.

Viele Veröffentlichungen zeigen nun auch SVR4-Raten, da die meisten Rückfälle in

den ersten Wochen nach Behandlungsende auftreten. SVR4 liefert schon gute Hinweise

auf einen Therapieerfolg, ist aber noch nicht so sicher wie SVR12 und SVR24.

täg lich zu exakten Zeit punk ten eingenommen

werden müssen.

Beim Boceprevir ist eine recht punktgenaue

Einnahme alle acht Stunden

notwendig; vorher sollte eine Klei nig -

keit gegessen werden.

Beim Telaprevir ist vor der Einnahme

eine Mahlzeit mit mindestens 20 g Fett

notwendig. Eine Herausforderung, da

manche Patienten durch die Therapie

mit Übelkeit zu kämpfen haben; bislang

mussten die Telaprevir-Tabletten

ebenfalls alle acht Stunden eingenommen

werden. Ende Mai wurde die Zu -

lass ung so erweitert, dass die Tabletten

auf zwei Zeit punkte pro Tag verteilt

wer den dürfen – alle zwölf statt alle acht

Stunden. Eine Stu die hatte im letz ten

Jahr gezeigt, dass die Heilungs ra ten

gleich bleiben. Die Tab lettenzahl bleibt

gleich, aber pro Tag ist dann eine fettreiche

Mahl zeit we niger notwendig.

Risiken der Dreifachtherapien

In einigen Fällen kann es unter den

Dreifachtherapien mit Bo ceprevir und

Telaprevir ernste Kom plikationen ge -

ben. Das Risiko ist besonders erhöht,

wenn bereits eine Zirrhose vorliegt.

In der französischen CUPIC-Studie

wurden Zirrhosepatienten mit Boce -

previr bzw. Telaprevir behandelt; im

Durch schnitt wurden 40–41 % dieser

schwer kranken Patienten dauerhaft

vi rusfrei (SVR12).

Komplikationen bei Zirrhosepatienten

wa ren je doch be son ders häufig: Mit t -

ler weile gab es zehn Tote in dieser

Studie. Sieben von 295 Patienten verstarben

unter Tela pre vir (2,4%) und

drei von 190 Pa tien ten unter Bo ce pre -

vir (1,6 %). Haupt ur sa che wa ren zu -

sätz liche In fek tio nen wäh rend der The -

rapie, die zu Blutver gif tungen führten.

Besonders gefährdet waren Zirrhose -

patienten, die schon vor der Therapie

eine niedrige Blut plätt chen zahl (unter

100.000/μl) und niedrige Albu min spie -

gel im Blut hatten (unter 35–45 g/l).

Derzeit laufen weitere Studien mit der

Dreifachtherapie bei Zirrhosepa tien -

ten. Todesfälle wurden auch hier beobach

tet, sind aber seltener. Dies könnte

da ran liegen, dass die CUPIC-Stu die

noch vor der offiziellen Zu las sung

ge star tet wurde und man mit den

neuen Me dika men ten heute mehr Er -

fah rung hat.

Haut ausschläge unter Telaprevir sind

ein häufiges Problem, welches nicht

ignoriert werden darf. Bedrohlich werden

diese selten, doch ausgeschlossen

ist dies nicht. Mittlerweile sind drei au -

ßer gewöhnlich schwere Ver läufe mit

zwei Todesfällen bekannt, wo die The -

rapie trotz ernster Hautkomplikationen

nicht wie vorgeschrie ben abgebrochen

wurde. Daraufhin ver schick te die Her -

steller firma Janssen im April einen

sogenannten Rote-Hand-Brief an die

Ärzte, um Hinweise zum richtigen Um -

gang mit Hautaus schlä gen zu geben.

Pa tienten sollten ihre Ärzte so fort in -

formieren, wenn Haut aus schläge auftreten.

Dies gilt erst recht, wenn sich

ein bestehender Haut aus schlag ver -

schlechtert und/oder noch weitere

Symp tome hinzukommen wie Fieber,

Müdigkeit, Ge sichts- oder Lymph kno -

ten schwel lung. Höchste Alarm stufe

gilt, wenn sich Haut schich ten ablösen

und/oder sich schmerzhafte Bla sen auf

Haut, Mund schleimhaut, den Augen

oder im Intimbereich bilden.

Bei Boceprevir wurde der Beipackzettel

kürzlich um den Warnhinweis erwei -

tert, dieses nach allergischen Über -

reak tionen nicht erneut einzusetzen.

Die Drei fachtherapie mit Boceprevir

oder Te la pre vir sollte grundsätzlich von

erfahrenen Ärzten überwacht wer den.

Dies gilt insbesondere, wenn Patienten

schon eine Zirrhose haben.

Faldaprevir mit Peg-Interferon

und Ribavirin

Faldaprevir ist ein neuartiger Protease -

hemmer des Herstellers Boehringer-

Ingelheim, der sowohl mit als auch

ohne Interferon untersucht wird. Fal -

da previr wird einmal täglich als Kapsel

eingenommen. Die Interferon-freien

Stu dien laufen noch.

Bereits abgeschlossen ist jedoch eine

Zu lassungs studie namens STARTverso1,

die Falda previr als Drei fachtherapie

mit Inter feron und Ri ba virin untersuchte.

Die 652 Patienten hatten den

Genotyp 1 und waren noch nie zuvor

therapiert worden („therapienaiv“).

Die Dreifachtherapie lief über insgesamt

24 bis 48 Wochen. Peg-Interferon

und Ribavirin wurden über den gesamten

Zeitraum gegeben. Faldaprevir kam

20 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

Simeprevir ist ein Proteasehemmer der

Firma Janssen. Ähnlich wie Faldaprevir

hat Simeprevir den Vorteil, dass es nur

einmal täglich eingenommen werden

muss. Die Substanz wirkt gegen eine

Viel zahl von Genotypen; nur ge gen

den Genotyp 3 ist Simeprevir un wirk -

sam. Untersucht wird die Sub stanz

derzeit hauptsächlich gegen den Ge -

no typ 1, mit und ohne Interferon.

Zwei Zu lassungsstudien (QUEST-1 und

QUEST-2) wurden mittlerweile auch

für Simeprevir als Dreifachtherapie ab -

geschlossen. Mehrere hundert Pa tien -

ten mit dem Ge no typ 1 nahmen an den

Studien teil; für alle Betroffenen war

es die erste The rapie („therapienaive

Patienten“).

Beide Studien waren sich sehr ähnlich;

in QUEST-1 wurde allerdings nur Peg-

In ter feron alfa-2a be nutzt. In der

QUEST-2-Studie wurden wahlweise

entweder Peg-Inter feron alfa-2a oder

alfa-2b eingesetzt. Simeprevir wurde

in den ersten zwölf Wochen zum Pegin

den ersten zwölf oder 24 Wo chen als

drittes Me dikament hinzu; wie lange es

dazugegeben wurde, hing davon ab,

wie schnell oder langsam die Virus -

menge abfiel. Eine Ver gleichs gruppe

erhielt über 48 Wochen Peg-Interferon

und Ribavirin.

Inzwischen kennen wir die vorläufigen

Hei lungs raten zwölf Wo chen nach

Thera pie ende (SVR12): Die Drei fach -

the rapie er reichte dieses Ziel in

79–80 % der Fälle. In der Vergleichs -

gruppe, die nur Peg-Interferon und

Riba virin einnahm, wurden nur 52 %

dauerhaft virusfrei.

Die Verträglichkeit von Faldaprevir

wur de in der STARTverso1-Studie als

gut eingestuft, wobei die Substanz

auch eigene Neben wir kun gen wie z. B.

Haut aus schlä ge mit sich bringen kann.

In früheren Studien waren eini ge

Patien ten lichtempfindlicher. Prof. Fe -

renci berichtete auf dem Kon gress,

dass dieses Problem in der START -

verso1-Studie dadurch umgangen

wurde, dass die Patienten ein starkes

Sonnen schutzmittel mit dem Faktor 50

benutzten.

Simeprevir mit Peg-Interferon

und Ribavirin

Interferon und Riba virin hinzugegeben.

Je nachdem, wie schnell oder

lang sam das Virus an sprach, wurden

Peg-In ter feron und Ribavirin anschließend

noch bis zur 24. oder 48. Woche

weiter verabreicht.

Die vorläufigen Hei lungs raten zwölf

Wochen nach Thera pie ende lagen in

beiden Studien bei 80–81% mit Sime -

pre vir, Peg-Interferon und Riba vi rin.

Eine Ver gleichsgruppe erhielt Peg-

Inter fe ron und Ribavirin, hier erreichten

nur je weils 50% der Pa tienten eine

Heilung.

In der QUEST-2-Studie erhöhte Sime -

pre vir die Hei lungs chan cen deutlich,

egal ob es mit Peg-Inter fe ron alfa-2a

oder alfa-2b be nutzt wurde.

Insgesamt waren nur wenige Zirrho se -

patienten in die QUEST-Studien eingeschlossen.

Wie Prof. Rockstroh, Bonn,

berichtete, gab es je doch Hinweise,

dass Zirrhosepatienten auch mit

Simeprevir etwas niedrige re Heilungs -

aussichten haben als Patien ten mit

gesünderer Leber. Dies deckt sich mit

Beobach tun gen mit anderen antiviralen

Sub stanzen.

Vorläufige Heilungsraten (SVR12) mit

Faldaprevir, Peg-Interferon und Ribavirin

STARTverso1-Studie: erstmals behandelte Patienten, Genotyp 1

Vorläufige Heilungsraten (SVR12) mit

Simeprevir, Peg-Interferon und Ribavirin

QUEST-1/2-Studien: erstmals behandelte Patienten, Genotyp 1

100 %

100 %

QUEST1

QUEST2

80 %

80 %

79 %

80 %

80 %

81 %

60 %

52 %

60 %

50 %

50 %

40 %

40 %

20 %

20 %

Faldaprevir

(240 mg)

+ Peg-IFN

+ Ribavirin

Faldaprevir

(120 mg)

+ Peg-IFN

+ Ribavirin

Placebo

+ Peg-IFN

+ Ribavirin

Simeprevir

+ Peg-IFN

alfa2a

+ Ribavirin

Placebo

+ Peg-IFN

alfa2a

+ Ribavirin

Simeprevir

+ Peg-IFN

alfa2a/2b

+ Ribavirin

Placebo

+ Peg-IFN

alfa2a/2b

+ Ribavirin

Abb. 1: Ergebnisse mit Faldaprevir, Peg-Interferon und Riba virin

Abb. 2: Ergebnisse mit Simeprevir, Peg-Interferon und Riba virin

Lebenszeichen 2/13 • 21


Forschung und Praxis

Vorläufige Heilungsraten (SVR12) in den Phase-III-Studien mit Sofosbuvir

Studie Patientengruppe Patienten- Medikamente Dauer vorläufige Heilung

zahl (n) (Wochen) (SVR12) in %

NEUTRINO erstmals behandelt, Genotyp 1 292 SOF + Peg +Riba 12 89 %

erstmals behandelt, Genotyp 4 28 SOF + Peg +Riba 12 96 %

erstmals behandelt, Genotyp 5/6 7 SOF + Peg +Riba 12 100 %

FISSION erstmals behandelt, Genotyp 2 70 SOF + Ribavirin 12 97 %

erstmals behandelt, Genotyp 3 183 SOF + Ribavirin 12 56 %

FUSION vorbehandelt, Genotyp 2 36 SOF + Ribavirin 12 86 %

vorbehandelt, Genotyp 3 64 SOF + Ribavirin 12 30 %

vorbehandelt, Genotyp 2 32 SOF + Ribavirin 16 94 %

vorbehandelt, Genotyp 3 63 SOF + Ribavirin 16 62 %

POSITRON Interferon-Unverträglichkeit, Genotyp 2 109 SOF + Ribavirin 12 93 %

Interferon-Unverträglichkeit, Genotyp 3 98 SOF + Ribavirin 12 61 %

Vier verschiedene Zulassungsstudien für Sofosbuvir (SOF) wurden mittlerweile abgeschlossen, zum Teil mit Interferon (Genotypen

1, 4, 5 und 6) und zum Teil Interferon-frei (Genotypen 2 und 3): Je nach Genotyp und Therapievorgeschichte wurden unterschiedlich

hohe Heilungsraten erzielt.

Ob wohl etwas mehr Hautausschläge

und Anstiege des Bilirubins auftraten,

wurde die Verträglichkeit von Sime -

previr insgesamt als gut eingestuft.

Einen Monat nach dem EASL wurden

auf der Digestive Disease Week in

Florida, USA, weitere Daten aus einer

Zu las sungsstudie vorgestellt: In der

PROMISE-Studie wurden ehemalige

Relapse-Patienten mit der Simeprevir-

Drei fachtherapie be han delt. Auch hier

waren 79 % der Patienten zwölf Wo -

chen nach Therapieende noch virusnegativ

und sind damit voraussichtlich

geheilt (SVR12).

Sofosbuvir

Sofosbuvir ist ein Poly merasehemmer,

der eine starke Wirk sam keit gegen alle

Virus-Genotypen zeigt. Im letzten Heft

haben wir bereits über die Zulas sungs -

studien mit dieser Substanz berichtet.

Der Hersteller Gilead hat die Zulassung

bereits bei der europäischen Arznei -

mittel behörde EMA be an tragt; diese

kündigte an, den Antrag im beschleunigten

Ver fahren zu prüfen.

Genotyp 1, 4, 5 oder 6: Sofos bu vir,

Peg-Interferon und Ribavirin

Für die Genotypen 1, 4, 5 und 6 könnte

Sofosbuvir 2014 als Drei fach the -

rapie mit Peg-Interferon und Ri bavirin

zugelassen werden; diese The ra pie

dauert insgesamt zwölf Wo chen. In der

Zu lassungsstudie wurden damit über

90 % vorläufige Heilungs ra ten (SVR12)

er zielt. Bei Zirrhosepatienten waren die

An sprechraten mit 80 % etwas niedriger.

Sofosbuvir schien die Neben wir -

kun gen von Peg-Interferon und Riba -

virin nicht weiter zu verstärken.

Die größte Patientengruppe in dieser

Studie hatte den Genotyp 1 (292

Patienten). Hier waren 89 % zwölf Wo -

chen nach Therapieende noch virus frei

und sind damit wahrscheinlich geheilt.

Eine kleinere Gruppe von 28 Patienten

hatte den Ge no typ 4 und erreichte dieses

Ziel in 96 % der Fälle.

Nur sieben Pa tien ten hatten die seltenen

Geno ty pen 5 oder 6, sodass diese

Zahlen nicht unbedingt repräsentativ

sind. Allerdings wurden alle sieben

Patienten virusfrei (SVR12).

Genotyp 2 oder 3: Sofosbuvir

und Ribavirin (ohne Interferon)

Für die Genotypen 2 und 3 könnte So -

fosbuvir mit Ribavirin 2014 als In ter fe -

ron-freie Therapie zugelassen wer den.

Die Erfolgs chancen sind je nach Pa -

tient sehr unterschiedlich (vgl. Tabelle).

Gegen den Geno typ 2 wirkt diese The -

rapie in den meis ten Fällen: 86 bis

97 % wurden ge heilt, wenn sie über

zwölf Wochen So fos buvir und Riba vi -

rin erhielten. Wenn Patien ten bereits

eine Zirrhose hatten und/oder schon

vor behandelt waren, lagen die Zahlen

niediger.

Beim Genotyp 3 wirkte die Kom bi na tion

Sofosbuvir und Ribavirin dagegen

schlechter. Mög li cher weise sollten diese

Patienten insgesamt länger the rapiert

werden. Die Therapiechancen waren

noch niedriger, wenn die Genotyp-3-

Patienten bereits eine Zirrhose hatten.

Auch eine erfolglose Vortherapie senkte

die Hei lungsaussichten.

Nur ein Drittel (34 %) der Zirrhose pa -

tien ten mit dem Genotyp 3, die zum

ersten Mal therapiert wurden, wurden

22 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

dauerhaft virusfrei. Allerdings lief es

auch in einer Ver gleichs gruppe mit

Peg-Inter fe ron und Ribavirin nicht

besser (30 % SVR12).

Bei vorbehandelten Genotyp-3-Patien -

ten mit Zirrhose gab es große Un ter -

schiede, je nachdem, ob man einen

Mo nat länger therapierte oder nicht:

Nur ein Fünftel dieser Patienten wurde

dauerhaft virusfrei (SVR12), wenn sie

über zwölf Wochen therapiert wurden.

Verlängerte man die Therapie um einen

Monat, gelang dies bei fast zwei Drittel

der Patienten (61 %). Die Verlängerung

auf 16 Wochen verdrei fachte hier also

die Erfolgs chancen.

Mittlerweile wird untersucht, wie sich

eine Therapie verlängerung auf 24 Wo -

chen auf die Heilungsraten auswirkt.

Langfristig wird auch geprüft, ob eine

zusätzliche antivirale Substanz (z. B.

Ledipasvir oder GS-5816) die An -

sprech raten weiter erhöhen kann. Sol -

che Ansätze sind aber noch in früheren

Studien phasen.

Die Zukunft: Heilungschancen

auch bei resistenten Viren

Der EASL-Kongress beantwortete noch

eine weitere brennende Frage: Was ist

mit Patienten, die erfolglos mit Tela previr

und Boceprevir behandelt wurden

und ein resistentes Virus entwi ckelt

ha ben? Haben diese trotzdem eine

Chance mit künftigen Therapien? Seit

die sem EASL-Kongress wissen wir: Ja,

die Heilungschancen sind trotzdem

hoch. In einer kleinen Studie wurden

41 Pa tienten behandelt, bei denen eine

Therapie mit Tela pre vir oder Boce previr

nicht funktioniert hatte. Die Patienten

erhielten Sofos buvir und Dacla tas vir,

zum Teil wurde noch Ribavirin hinzugegeben.

Derzeit sieht es so aus, als

seien alle diese Patienten dauerhaft

virusfrei geworden. Zirrhosepatienten

waren in diese Stu die noch nicht eingeschlossen;

da her ist noch nicht

bekannt, wie oft diese Betroffenen auf

eine solche Therapie ansprechen.

Fraglich ist auch, ob sich speziell diese

Kombinationstherapie im klinischen

Alltag durchsetzt. Dacla tas vir und

Sofos buvir stammen von zwei ver -

schiedenen Her stellern (Bristol Myers

Squibb und Gilead), die nach unserem

Wissen keine Fort füh rung der Koope -

ra tion planen. Mögli cher wei se bleibt

von dieser Studie nur der Lern ef fekt,

dass sich auch resis tente Viren in Zu -

kunft erfolgreich eliminieren lassen.

Weitere Inter fe ron-freie Studien laufen

bereits für Genotyp-1-Patienten, die

eine erfolglose Tela pre vir- oder Boce -

pre vir-Therapie hinter sich haben.

Unter sucht wird z. B. die Kombi na tionstablette

mit So fos buvir und Ledi pasvir.

Wir erwarten zum amerikanischen

AASLD-Le ber kon gress im No vem ber

erste Ergeb nisse.

Zusammenfassung

2014 wird eine Übergangs zeit: Es werden

vermutlich die ers ten neuen antivi

ralen Sub stan zen zu ge lassen, zu -

meist noch als Drei fach the rapie mit

Peg-In ter feron und Riba vi rin.

Für die Ge no typen 2 und 3 könnte be -

reits ab 2014 mit eine erste Interferonfreie

The ra pie zur Verfügung stehen

(Sofosbuvir und Riba virin).

Mit unveränderter Geschwindigkeit

wer den auch Interferon-freie Thera -

pien für die anderen Genotypen weiter

erforscht. Mehrere große Zu las sungs -

stu dien mit Interferon-freien Thera -

pien für den Genotyp 1 ha ben bereits

be gonnen, Endergebnisse liegen aber

noch nicht vor. Falls nicht unerwartete

Kom pli ka tionen auf treten, erwarten

wir zwischen 2015 und 2017 auch für

den Genotyp 1 den Beginn des Inter -

feron-freien Zeitalters.

I. van Thiel

Redaktion

Beratung: PD Dr. med. B. Kronenberger

Quellenauswahl:

Lawitz E et al.: Simeprevir with Peg inter -

feron/ribavirin for Treatment of Chronic HCV

Genotype 1 Infection in Patients Who

Relapsed After Previous Interferon-based

Therapy: Results from PROMISE, a Phase III

Trial. DDW May 18-21 2013 Orlando Florida.

Sulkowski MS et al: Sustained virologic

response with daclatasvir plus sofosbuvir ±

ribavirin (RBV) in chronic HCV genotype (GT)

1-infected patients who previously failed

telaprevir (TVR) or boceprevir (BOC). EASL

2013, Abstract #1417.

Lawitz E et al.: Sofosbuvir + Peginter feron +

ribavirin for 12 weeks achieves 90% SVR12

in genotype 1, 4, 5 or 6 infected patients: The

Neutrino Study. EASL 2013, Abstract #1411.

Ferenci P et al. Faldaprevir plus pegylated

interferon alfa-2A and ribavirin in chronic

HCV genotype-1 treatment-naïve patients:

final results from STARTVerso1, a randomised

double blind placebo-controlled phase III

trial. EASL 2013, abstract #1416.

Dieterich D et al.: STARTVerso 4: High rates

of early virologic response in HCV genotype

1/HIV-co-infected patients treated with faldaprevir

plus pegIFN and RBV. 20th Con -

ference on Retroviruses and Opportunistic

Infections. Atlanta, GA March 3–6, 2013.

www.natap.org/2013/CROI/croi_02.htm.

Manns M et al.: Simeprevir (TMC435) with

peginterferon/ribavirin for treatment of

chronic HCV genotype 1 infection in treatment-naïve

patients: results from QUEST-2 a

phase III trial. EASL 2013, abstract #1413.

Jacobson I et al.: Simeprevir (TMC435) with

peginterferon/ribavirin for treatment of

chro nic HCV genotype 1 infection in treatment-naïve

patients: results from QUEST-1 a

phase III trial. EASL2013, poster #1425.

Dieterich D et al.: STARTVerso 4: High rates

of early virologic response in HCV genotype

1/HIV-co-infected patients treated with faldaprevir

plus pegIFN and RBV. 20th Con -

ference on Retroviruses and Oppor tunistic

Infections. Atlanta, GA March 3–6, 2013.

Rockstroh JK: Summary from EASL 2013 for

Hepatitis C – New DAAs on their way soon:

what do the phase III studies tell us?

www.natap.org

Lebenszeichen 2/13 • 23


Forschung und Praxis

Compassionate Use bei Hepatitis C

Bericht vom ELPA-Symposium in Amsterdam

Während des diesjährigen Leberkon -

gresses in Amsterdam (International

Liver Congress ILC oder EASL) veranstaltete

die European Liver Patient

Asso cia tion (ELPA) das Symposium

„Compas sio nate Use: das Leben derer

retten, die nicht warten können“.

Seit den 90er Jahren hat sich die HCV-

Therapie mit schnellen Schritten entwickelt,

sodass Hepatitis C inzwischen

heilbar ist. Mit neuen, direkt antiviral

wirksamen Substanzen (DAAs) haben

sich die Behandlungsergebnisse weiter

verbessert, sodass bis zu 88 % der

Patienten einen anhaltenden Therapie -

erfolg erzielen können. Das große Aber

dabei ist: Nach wie vor gibt es viele

HCV-Patienten, die keinen anhaltenden

Therapieerfolg erzielen konnten,

die schwere (Begleit-)Erkran kun gen

entwickelt haben, die Interferon, das

nach wie vor Bestandteil der The ra pie

ist, nicht vertragen oder die neuen

Substanzen aufgrund von Un ver -

träglichkeiten/Nebenwirkungen ab set -

zen müssen. Oder aber jene, deren Le -

ber durch die chronische Virusinfek tion

schon so weit geschädigt ist, dass dies

ein Ausschlusskriterium für eine der

Compassionate Use – was ist das?

Der englische Begriff „Compassionate Use“ (wörtlich „Anwendung aus Mitge -

fühl“) bezeichnet die Therapie mit (noch) nicht zugelassenen Arzneimitteln, im

Deutschen gibt es dafür kein passendes Äquivalent. In der Literatur wird Com -

passionate Use mit „Freigabe aus Barmherzigkeit“, „barmherziger Gebrauch“,

„An wendung eines nicht zugelassenen Arzneimittels an Patienten“ oder „vorzeitig

geduldete Anwendung eines noch nicht zugelassenen Arzneimittels aus humanitären

Erwägungen“ beschrieben. Der Einfachheit halber wird meist der englische

Begriff Compassionate Use verwendet. Im Medizinrecht wird Com passionate Use

folgendermaßen definiert: Unter Compassionate Use wird die An wen dung eines

möglicherweise wirksamen, jedoch noch nicht zugelassenen Arzneimittels im

Einzelfall bei Patienten in lebensbedrohlichen Situationen oder mit schwerwiegenden

nicht oder nicht mehr anderweitig therapierbaren Erkran kun gen im

Rahmen der ärztlichen Behandlungspflicht und Therapiefreiheit verstanden.

Die Organisatoren und Redner des Symposiums (von links nach rechts): Dr. Hilje

Logtenberg van der Grient (ELPA), Filip Josephson (EMA), Luís Mendao (EATG), Ivan

Gardini (ELPA), Prof. Massimo Puoti (EASL), Tatjana Reic (ELPA-Präsidentin), Prof.

Thomas Berg, Achim Kautz (Leberhilfe), Stanimir Hazardhiev (ELPA).

derzeit zugelassenen Therapien ist.

Dabei wäre gerade für diese Patienten

eine verträgliche und hoch effektive

The rapie besonders wichtig, um durch

die durch die Lebererkrankung verursachten,

oft lebensbedrohlichen Situa -

tio nen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Diese Patienten werden jedoch

von klinischen Studien derzeit zu -

nächst ausgeschlossen. Dieses Paradox

in der Entwicklung neuer antiviraler

Substanzen fasste Prof. Massimo Puoti,

Mailand, zu sam men:

· Studien schließen hauptsächlich

Pa tienten ein, die einfach zu be -

han deln sind und bei denen die

Therapie weniger dringlich ist.

· Es gibt nur wenige Studien für

schwie rig zu behandelnde Patien ten.

· Zugelassene Medikamente mit gu -

ten Therapieergebnissen dürfen

HCV-Patienten mit bereits bestehenden,

schweren Krankheits fol -

gen nicht gegeben werden – oder

erst viele Jahre später.

ELPA und die European Aids Treatment

Group (EATG) versuchen derzeit, für

diese Patienten die Möglichkeit zu

schaf fen, in sogenannte Expanded-

Access-Programme oder Compas sio -

nate-Use-Programme (CUP) aufge -

nom men zu werden, um Komplika -

tionen zu verhindern und deren Leben

zu retten.

Dass auch Patienten mit Zirrhose vor

der Zulassung eines Medikaments in

eine Studie eingeschlossen werden

kön nen und die SVR12-Ergebnisse

durch die Zirrhose nicht signifikant be -

24 • Lebenszeichen 2/13


Forschung und Praxis

ein flusst werden, hat die Sound-C2-

Studie (Faldaprevir/BI 207127/Riba -

virin) gezeigt. Und Patienten, die auf

der Transplantationsliste standen, hatten

unter der Tripletherapie mit Bo ce -

previr oder Telaprevir mit einer Zwölf-

Wochen-Response-Rate von 86 % sehr

vielversprechende Ergebnisse.

Regulatorische Grenzen und

Möglichkeiten

Wer regelt nun, welcher Patient Medi -

ka mente bekommen darf, die noch

keine Zulassung haben oder für die

bestimmte Kriterien erfüllt sein müssen

(z. B. bei Hepatitis C keine dekompensierte

Zirrhose)?

Der Einsatz von nicht zugelassenen

Arz neimitteln wird staatlich vom je -

wei ligen Land, nicht von der europäischen

Zulassungsbehörde EMA geregelt

und ist daher entsprechend unterschiedlich.

In der EU haben einige

Staaten spezifische nationale Pro -

gram me hierzu aufgestellt. Mit diesen

nationalen Compassionate-Use-Pro -

grammen können Patienten auf unterschiedliche

Weise Zugang zu neuen

Arzneimitteln vor der Zulassung be -

kommen.

In Deutschland wurde im Rahmen des

14. Änderungsgesetzes zum Arznei mit -

tel gesetz (AMG) der Compas sio nate

Use in das nationale Arzneimittelrecht

aufgenommen und 2009 modifiziert.

Nach diesen rechtlichen Vorgaben dürfen

noch nicht genehmigte oder zugelassene

Arzneimittel grundsätzlich nur

in klinischen Prüfungen angewendet,

aber zum Zwecke der Behandlung

nicht auf den Markt gebracht werden.

Ausnahmsweise kann ein noch nicht genehmigtes

oder zugelassenes Arz nei -

mittel schwer erkrankten Patienten zur

Verfügung gestellt werden. Dies darf

allerdings nur im Rahmen eines so -

genannten Härtefalles erfolgen, wenn

keine therapeutische Alternative zur

Verfügung steht. Das Bundes insti tut

für Arzneimittel und Medizin pro dukte

(BfArM) hat derzeit eine Substanz für

den Compassionate Use freigegeben

(auf der BfArM-Website für jeden einzusehen),

in anderen europäischen

Län dern laufen ähnliche Programme.

In Frankreich hat man seit 1994 ein

Sys tem namens „Autorisation Tempo -

raire d’Utilisation“ (ATU) etabliert, welches

Pa tienten einen frühen Zugang zu

Medi ka menten ermöglichen soll, sagte

Prof. Daniel Dhumeaux, Paris. Thera -

pien mit direkt antiviral wirksamen

Sub stanzen konnten auf diese Weise

auch Patien ten mit fortgeschrittener

Lebererkran kung früh zur Verfügung

gestellt werden.

Die Patientensicht

Luis Mendao von der European Aids

Treatment Group (EATG), Portugal, er -

läuterte aus der Sicht eines HIV/HCVkoinfizierten

Patienten mit einer Viel -

zahl von Begleit erkrankungen, wie

wich tig die weltweite Zusammenarbeit

von Patientenorganisationen ist, um

die Zulassungswege neuer Medika -

men te zugunsten von Patienten zu

ändern, die dringend eine wirksame

The rapie benötigen. Eine besonders er -

mu tigende Erfolgsgeschichte, nämlich

seine eigene, präsentierte Ivan Gardini

von der italienischen Patienten orga ni -

sa tion EpaC und Vizepräsident der ELPA:

Dank eines Compassionate-Use-Pro -

gramms konnte er nach fünf fehlge -

schlagenen Therapien und zwei Le ber -

transplantationen eine SVR erreichen.

Empfehlungen für den

Compassionate Use

Die wichtigsten Punkte, die es bei CUP

zu beachten gibt, fasste Prof. Thomas

Berg, Leipzig, zusammen.

· Neue Substanzen mit einem güns -

ti gen Nutzen-Risiko-Profil sollten für

Compassionate-Use-Program me

ausgewählt und von der EMA mit

einer positiven Bewertung versehen

werden.

· Es ist wichtig zu definieren, welches

jene Patienten sind, die am drin -

gends ten einer wirksamen The ra pie

bedürfen.

· Die Daten und Erfahrungen aus der

Be handlung dieser CUP-Patien ten

müssen beispielsweise hinsichtlich

Sicherheit oder Arznei mittel wech -

selwirkungen gesammelt werden.

· Der Bedarf und die Sichtweise von

Patienten, Ärzten, Pharmaindustrie

und EMA sollten bedacht werden.

· Wenn sämtliche Sicherheitsaspekte

befolgt sind, kann ein solches

Programm in Erwägung gezogen

wer den: geeignete Kriterien zum Einoder

Ausschluss sollten aufgestellt

sein, um Patienten mit dem dringlichsten

Behandlungsbedarf in das

Programm aufnehmen zu kön nen.

· Die Empfehlung, an einem solchen

Programm teilzunehmen, sollte von

Experten vorgenommen werden,

die über langjährige Erfahrung in

der Therapie von HCV-Patienten

mit schwierigeren Grundvoraus set -

zungen verfügen.

· Auch hier gilt: Arzt und Pa tienten

müssen sich an die landesspezifischen

Gesetzesvorgaben halten.

Wie geht es weiter?

ELPA und EATG planen, gemeinsam mit

Experten Handlungsempfehlungen für

den Einsatz von neuen HCV-Sub stan -

zen mit dem Ziel zu erarbeiten, damit

diese jenen Patienten mit dem dringlichstem

Therapiebedarf früher zur

Verfügung gestellt werden zu können.

Simone Widhalm, MSc

Quelle: ELPA Symposium „Com pass io nate

Use in Hepatitis C: Sa ving lives of patients

who cannot wait“. EASL Kon gress,

27.04.2013, Amsterdam.

Lebenszeichen 2/13 • 25


Wichtiges in Kürze

Zukunftsmusik? Erste

Transplantation einer

„warmen Leber“ in

England

Eisgekühlt – so trifft ein Spender organ

im Operationssaal ein. Das ist die Regel.

Etwa zehn bis zwölf Stunden kann eine

Leber so außerhalb des Kör pers überstehen.

Nach Ablauf dieser Zeit ist das Organ

zu stark geschädigt, um noch transplantiert

werden zu

kön nen. Um

das Risiko

gefürchteter

Absto ßungs reaktionen zu

minimieren, wird für ein

Spenderorgan der bestmöglich passende

Empfänger gesucht.

Häufig kann das auch bedeuten: lange

Transportwege überwinden, die Zeit

kosten. Zeit, die sich negativ auf das

lebensrettende Organ auswirken kann.

Bis zu 24 Stunden – so lange kann ein

neues Verfahren jetzt eine Leber

außerhalb des Körpers intakt halten.

Nicht gekühlt, sondern warm – ganz

wie in einem echten Körper.

Wissen schaftler in Oxford (England)

haben ein sog. Organ Care System für

die Leber ent wickelt. 1 Die entnommene

Leber wird an eine Art Herz-Lungen -

Ma schine angeschlossen und mit

Nähr stof fen versorgt. Die wesentlichen

Körperfunktionen werden mit dem

Gerät simuliert. Im Gegensatz zu den

„klassischen“ gekühlten Transplan ta ten

können die Ärzte außerdem die Funk -

tionstüchtigkeit des Organs überprüfen.

Untergebracht in einer großen Box

auf Rollen, kann das Organ und sein

Erhaltungssystem zum Zielort transportiert

werden.

Im King’s College Hospital (England) –

einem der größten Zentren für Leber -

trans plantation in Europa – wurden

erste Patienten bereits mit diesem

neuen Verfahren

trans plantiert.

Patient

©

CLIPAREA.com/Fotolia.com

und Ärzte sind

mit dem Ergebnis und

dem Verlauf nach der Transplantation

zufrieden. Die englischen Wissen -

schaft ler und Ärzte er hof fen sich,

damit in Zukunft we sent lich mehr

Leber transplanta tionen er folg reich

durch führen zu können.

Euphorie ist allerdings noch fehl am

Platz. Vorerst wird nur eine kleine

Gruppe von Patienten im Rahmen von

englischen Studien mit solchen „warmen“

Organen versorgt. Erst in mehreren

Jahren wird sich zeigen, ob und

wenn ja, welche Vorteile dieses Ver fah -

ren im Vergleich zur herkömmlichen

Küh lung von Transplantaten hat.

Catharina Pfingstgraf

Beratung: PD Dr. med. Martin Welker

Langzeitverlauf der

Hepatitis C bei US-

Veteranen: warum

sich die Therapie lohnt

Es ist wahrscheinlich die größte Studie,

die es bis jetzt zum Verlauf der Hepa ti -

tis C gibt: In den USA wurde die Sterb -

lichkeit bei 195.585 Hepatitis-C-infizierten

Kriegsveteranen mit der von

202.739 nicht infizierten Veteranen

ver glichen. Die Daten der Patienten

stammten aus der Datenbank der

soge nannten ERCHIVES-Kohorte (Elec -

tro nically Re trieved Cohort of HCV

Infected Vete rans). 2

Traurig, aber wenig überraschend: Die

Sterb lichkeit war bei Infizierten deutlich

höher war als bei nicht Infizier ten:

Pro 1.000 Lebensjahre gab es im

Durchschnitt 44 Todesfälle bei den

Infizierten verglichen mit 24 To des -

fällen/1.000 Lebensjahre bei Nicht -

infizierten – also eine fast doppelt so

hohe Zahl.

Bei den Infizierten gab es mehrere Risi -

kofaktoren für eine erhöhte Sterb -

lichkeit: Wie zu erwarten war, Zirrhose

im Endstadium eines der Haupt prob -

leme und verdreifachte das Ster be risi -

ko. Weitere Riskofaktoren waren Blut -

armut (Anämie), welche das Risiko verdoppelte.

Auch verschiedene Krebs -

erkran kungen (nicht nur der Leber)

bzw. eine chronisch obstruktive Lun -

gen erkrankung (COPD) erhöhten das

Ster be risiko bei den Patienten um den

Faktor 1,4.

Umgekehrt zeigte die Studie den Nut -

zen einer Hepatitis-C-The ra pie: Das

Sterberisiko sank auf weniger als die

Hälfte, wenn die Betroffenen eine oder

mehrere Therapien durchgeführt hatten.

Bei dieser Auswertung wurde

nicht zwischen erfolgreichen und

erfolglosen Therapien unterschieden.

Ingo van Thiel

Redaktion

26 • Lebenszeichen 2/13


Wichtiges in Kürze

Alfa-Pumpe bei

Aszites: PIONEER-

Studie veröffentlicht

Bauchwasser (Aszites) ist eine gefürchtete

Komplikation der Leberzirrhose,

die durch Pfortaderhochdruck entstehen

kann: Aszites erhöht das Risiko von

Kom plikationen wie z. B. Bakte rien in -

fek tionen. Auch die Lebensqualität ist

für Patienten durch den schweren

Was serbauch deutlich eingeschränkt.

Entwässerungstabletten können einen

Aszites häufig zurückbilden. Einer von

zehn Patienten hat jedoch einen so ge -

nannten therapierefraktären Aszites,

bei dem diese Therapie nicht anspricht.

Bei diesen Patienten wird oft in regelmäßigen

Abständen eine Parazentese

durchgeführt. Hierbei wird die Flüssig -

keit aus dem Bauchraum mit Hilfe

einer Punktionsnadel abgelassen. Bei

ein zelnen Patienten kann auch ein

künstlicher Durchgang (TIPS) den

Pfort aderhochdruck senken und damit

Schenken Sie Leben!

Die Erbschaftsbroschüre der

Deutschen Leberhilfe e. V.

Neben Spenden und Mit -

glieds beiträgen haben es

auch die Vermächt nis se von

Be trof fenen in der Ver gan -

genheit möglich ge macht,

un sere Bera tungs- und Auf -

klä rungs arbeit stetig zu

erweitern und Patienten zu

helfen.

Die Broschüre erklärt auf verständliche Art, wie

das Erbrecht aktuell geregelt ist. Auch wer sich

einfach grundsätzlich informieren möchte, was

bei einem Ver mächtnis zu beachten ist, findet in

dieser Broschüre viele nützliche Hinweise. Die

Zusendung der Broschüre ist kostenlos.

Sie können diese hier bestellen:

Deut sche Leber hilfe e. V.

Tel.: 02 21/28 29 980; Fax: 02 21/28 29 981

info@leberhilfe.org

auch den Aszites verbessern. Beide Me -

thoden sind mit Risiken verbunden.

Patienten mit Aszites haben oft schon

geweitete Blutgefäße (Vasodilatation)

und dadurch einen niedrigen Blut -

druck; dies kann durch Parazentesen

verstärkt werden.

Bei TIPS wird Blut ungefiltert durch die

Leber geschleust und noch weniger

ent giftet als vorher; diese Giftstoffe

kön nen Störungen der Hirnfunktion

(He patische Enzephalopathie) auslösen

oder verstärken. Allerdings werden

durch einen TIPS auch eventuell vorhandene

Krampfadern in Magen und

Speisröhre (Varizen) entlastet.

Eine neuartige Behandlungsmethode

für refraktären Aszites ist das Alfa Pump-

Ver fahren. Hierbei wird Patienten eine

kleine Pumpe eingesetzt, welche das

Bauchwasser regelmäßig in kleinen

Men gen in die Harnblase ableitet, so -

dass dieses mit dem Urin ausgeschieden

werden kann.

Kürzlich wurde die PIONEER-Studie

ver öffentlicht, in der das Gerät an 40

Pa tienten aus neun Zentren

eingepflanzt wurde. 3 Die Pa -

tien ten wurden über sechs

Monate und länger be ob achtet.

Die wichtigste Frage der

Studie war, wie sicher das

Ver fahren ist. An zwei ter

Ste l le wurde gefragt, ob starker

Aszites wieder auftritt

und wie das Pum pensystem

insgesamt funktioniert.

Völlig risikolos ist auch dieses

Ver fahren nicht; die Si -

cherheit und wurde von den

Studienleitern als mittelmäßig

eingestuft. Gerade in der

Anfangs pha se der Studie traten

einige chirurgische Komplikationen

beim Ein set zen

des Ge rätes auf. Wei te re mögliche

Kom pli ka tio nen sind

eine eingeschränkte Nie ren -

funk tion und Infek tio nen.

Mit zunehmender Stu dien -

dau er und wachsender Erfah rung der

Ärzte ging die Zahl solcher Er eig nisse

jedoch zu rück.

Das Pumpensystem konnte 90 % der

As zitesflüssigkeit ausleiten. Wie er hofft

benötigten die Patienten deutlich selte

ner eine Parazentese. Kompli ka tio nen

der Zirrhose gingen in der Nach beob -

achtungszeit ebenfalls zu rück.

Die Alfa-Pumpe hat keinen Einfluss auf

die Lebenserwartung, kann jedoch die

Lebensqualität verbessern, da sich viele

Parazenthesen vermeiden lassen.

Die Studienleiter gehen davon aus,

dass die Einpflanzung der Pumpe künftig

besser verläuft, wenn das Gerät in

vielen Ländern angewendet wird und

man weiter Erfahrungen sammelt.

Die jeztigen Ergebnisse sind noch vorläufig.

Kürzlich wurde eine kontrollierte

Studie gestratet, welche die Alfa-

Pumpe mit Parazentesen vergleicht.

Die Studie soll im Herbst 2014 abgeschlossen

werden. 4

„Somit ist die Alfa-Pumpe eine neue

Möglichkeit zu Be hand lung von therapierefraktärem

As zi tes,“ erklärte PD Dr.

Welker aus Frankfurt, der auch an der

PIONEER-Studie beteiligt war. „Stan -

dard ver fah ren bei therapierefraktärem

As zi tes bleiben aber – unter Beachtung

eventuel ler Kompli kationen bei Pa tien -

ten – die wie der holte Parazen tese und

die An lage eines TIPS“.

Ingo van Thiel

Beratung: PD Dr. med. M.-W. Welker

Quellen der Artikel S. 26–27:

1. BBC News: “Warmed liver” transplanted

first, 15.03.2013; www.bbc.co.uk/news/

health-21788533.

2. Erqou S et al.: Predictors of mortality

among United States Veterans with hepatitis

C virus infection. EASL 2013, Abstract #453.

3. Bellot P, Welker MW et al.: Automated low

flow pump system for the treatment of re -

fractory ascites: A multi-center safety and

ef ficacy study. Journal of Hepatology. Vo -

lume 58, Issue 5 , Pages 922–927, May 2013.

4.Clinicaltrials.gov: ALFApump System Versus

Standard of Care in Ascites Treatment. clinicaltrials.gov/show/NCT01528410.

Lebenszeichen 2/13 • 27


Pro Patient

Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht meiner

Tripletherapie

1973 wurde bei mir nach diversen

Blut übertragungen eine Hepatitis B

fest gestellt. Nach mehrmonatiger stationärer

Behandlung und mehrjähriger

körperlicher Schonung galt die Hepa -

titis B als ausgeheilt.

2006 wurde eine Hepatitis C Genotyp

1a diagnostiziert, wohl auch als Folge

der damaligen Transfusionen. Eine

Ribavirin- und Interferon-Behandlung

brachte nicht den erwünschten Erfolg.

Die Viruslast war während der Therapie

nicht nachweisbar, einige Wochen

nach Ende der Therapie aber wieder

positiv, also ein sogenannter Relapse.

Da die Leberwerte kontinuierlich an -

stiegen, entschloss ich mich, auch auf

Anraten meines Gastro ente rologen, zu

einer Tripletherapie mit Peg-Interferon

alfa-2a, Ribavirin und Telaprevir.

Am 18.05.2012 begann ich mit der

The rapie. Vom 20.05. auf den 21.05

hätte ich am liebsten schon alles wieder

abgeblasen, da ich zehn Mi nuten

nach Einnahme des Telaprevir kurz

nach Mitternacht im Badezimmer in

meinem eigenen Erbrochenen wieder

zu mir kam. Nur durch Zureden mei nes

Mannes setzte ich die Therapie fort.

Ich hatte vom Therapiebeginn an starke

Nebenwirkungen: Kopf-, Augen-, Tho -

rax- und Magenschmerzen, Übelkeit bis

kurz vor und bis zum Erbrechen, Kreis -

laufstörungen bis zum Kreislauf kol -

laps, dauerndes Aufstoßen, starkes

Sod bren nen, Schweißausbrüche, Schüttel

frost, Appetitlosigkeit, verschwom -

me nes Sehen, Blech ge schmack, Ekel

vor Essen.

Die Einnahme des Telaprevir (dreimal

täglich im Abstand von je acht Stun -

den) hielt ich eisern ein, bis fast zum

En de der zwölften Woche. Nach elf

Wo chen und vier Tagen kamen die

Tab let ten im hohen Bogen wieder raus.

Mein Köper weigerte sich, diese Tab let -

ten wei ter zu nehmen. Ich konnte

nichts mehr es sen und trinken. Nach

einem Kreis lauf kollaps in der Arzt pra -

xis be stand mein Mann auf einer Ein -

weisung ins Krankenhaus, da ich total

apathisch war.

Die ganze Zeit über nahm ich das Riba -

virin (zwar in geringerer Dosis, täglich

200 mg) und spritzte einmal wöchentlich

Interferon.

Im Krankenhaus erhielt ich aufgrund

des niedrigen Hb-Wertes von 8,3 und

der niedrigen Erythrozyten von 2,6

zwei Transfusionen und täglich Infu -

sio nen. Da es mir etwas besser ging,

wurde ich nach fünf Tagen entlassen.

Nach zehn Tagen zu Hause ging es mir

wieder sehr schlecht, sodass mein Gas -

tro enterologe mich auf Drängen meines

Mannes wieder ins Kran kenhaus

einwies. Ich erhielt erneut Infusionen

und zwei Transfusionen. Nach der

zweiten Transfusion war mein Urin

knallrot. Die Krankenhausärztin ordnete

lapidar einen Urinstatus für den

nächsten Morgen an, nachdem sie von

der Krankenschwester, der ich den

roten Urin gezeigt hatte, benachrichtigt

worden war. Nach zwei Tagen er -

fuhr ich, dass es zu einer Hämolyse ge -

kom men war und ich eigentlich zur

Dauerbeobachtung auf die Inten siv -

Hepatitis C im Dialog: die Patienten-DVD

station hätte verlegt werden müssen.

Zum Glück ging alles gut. Ich erhielt

noch zwei weitere Transfusionen, diesmal

wurde aber vorab Cortison ge -

spritzt. Da ich seit der Einweisung

immer Fieber hatte, sollte ich mir kein

Interferon spritzen. Am nächsten Tag

sprach ich mit dem behandelnden Arzt

über einen Abbruch der Therapie. Er

war damit einverstanden, da ich immer

noch Fieber hatte. Am 08.09.2012, also

16 Wochen nach Beginn, beendete ich

meine Therapie. Nach 14 Tagen im

Kran kenhaus ging es mir besser, der

Ap petit kam langsam wieder, ich konnte

wieder normal trinken und hatte

kein Fieber mehr. Nach drei Wochen im

Krankenhaus wurde ich mit einem Hb-

Wert von 8,0 entlassen. Leider habe ich

jetzt drei verschiedene Antikörper im

Blut, durch die diversen Blutüber -

tragungen.

Vier und sechs Monate nach Abbruch

der Therapie war die Viruslast nicht

nach weisbar.

Meine Leberwerte und meine Blut bild -

befunde sind in Ordnung. Ich gelte als

geheilt und bin darüber unendlich

glücklich. Außerdem bin ich meinem

Mann für die dauerhafte und liebevolle

Unterstützung sehr dankbar. Ohne

ihn hätte ich diese schwere Zeit nicht

durchgehalten.

Barbara B.-T.

Was ist Hepatitis C und was gibt es heute für Therapie -

mög lich keiten? Unsere DVD informiert in zwei Filmen

über die Grund lagen der Hepatitis C und die neuen

Therapien und enthält ein bespielhaftes Arzt-Patien ten-

Gespräch. Neben den Informations filmen finden Patien -

ten auch nützliche weitere Infor ma tionen im

PowerPoint- und PDF-Format sowie ein HTML-Lexikon

wichtiger Fach begriffe und weitere hilfreiche Internetlinks. Die

DVD kann über die Deutsche Leberhilfe e. V. gegen 1,50 EUR Porto bezogen werden:

Tel. 02 21/28 29 980, Fax: 02 21/28 29 981, E-Mail: info@leberhilfe.org

28 • Lebenszeichen 2/13


Pro Patient

Sozialgesetzbuch V Teil 8 – Integrierte Versorgung

Die integrierte Versorgung, für die mit

der GKV-Gesundheitsreform 2000 eine

Rechtsgrundlage (§§ 140a bis 140d

SGB V) geschaffen wurde, soll eine verschiedene

Leistungssektoren übergreifende

und integrierende Versorgung

der Versicherten ermöglichen.

Patientinnen und Patienten, die in

Deutschland aus dem Krankenhaus

entlassen werden, erleben es z. B. häufig,

dass der Übergang zur nachfolgenden

ambulanten Behandlung schlecht

organisiert ist.

Sie haben keinen Ansprechpartner, der

sie darüber informiert, was jetzt nötig

ist, und müssen oft viele vergebliche

Wege gehen, bis sie schließlich selbst

alles herausgefunden und geregelt ha -

ben. Sehr oft leiden gerade schwer

chro nisch kranke Menschen wie Rheu -

ma- oder Krebspatienten unter diesen

Bedingungen. Denn bei ihnen folgen

auf stationäre Aufenthalte in der Regel

längere Phasen ambulanter Behand -

lung. Insbesondere die bisherige starre

Aufgabenteilung zwischen der ambulanten

und der stationären Ver sorgung

soll deshalb durch eine integrierte

Versorgung gezielt durchbrochen werden,

um die Voraus set zun gen für eine

stärker an den Versor gungs bedürf -

nissen der Patientinnen und Patienten

orientierte Behandlung zu verbessern.

Hierzu bedarf es integrierter Versor -

gungs formen zwischen Haus- und

Fach ärzten, zwischen ärztlichen und

nicht ärztlichen Leistungserbringern,

zwischen dem ambulanten und stationären

Bereich. Dabei muss auch darauf

geachtet werden, dass medizinische

Rehabilitationsmaßnahmen den ihnen

zukommenden Stellenwert erhalten.

Um die dafür notwendigen Rahmen be -

dingungen zu schaffen, haben die

Kran kenkassen die gesetzliche Mög -

lich keit, Verträge mit Leistungs er brin -

gern abzuschließen, die solche integrierte

Versorgungsformen als einheitliche

und gemeinsame Versorgung an -

bieten.

Die Umsetzung entsprechender Koope -

ra tionsformen blieb in den Jahren

2000 bis 2003 jedoch begrenzt und be -

schränkte sich weitgehend auf die

Bildung von Praxisnetzen. Aus diesem

Grund hat der Gesetzgeber die Vor -

schriften zur Integrationsversorgung

mit dem GKV-Modernisierungsgesetz

(GMG) zum 01.01.2004 weiterentwi -

ckelt und gestrafft.

Bestehende Hemmnisse für die Umset -

zung der integrierten Versorgung wurden

abgebaut, entsprechende Ver -

trags abschlüsse erleichtert und gezielte

finanzielle Anreize zur Verwirk li -

chung sektorenübergreifender Koope -

ra tions formen gesetzt.

Die gesetzlichen Vorschriften sehen

vor, dass die Krankenkassen mit Leis -

tungserbringern autonom Einzel ver -

trä ge zur integrierten Versorgung ab -

schließen können. Eine Anbindung der

integrierten Versorgung an das Versor -

gungs geschehen im Rahmen des Kol -

lek tivvertragssystems und insbesondere

an den Sicherstellungsauftrag der

Kas senärztlichen Vereinigungen be -

steht nicht. Eine Einflussnahme Dritter,

etwa über die früher gesetzlich vor -

gesehenen Rahmenvereinbarungen,

schei det aus. Vielmehr liegt die Verant -

wortung für die Abfassung der vertraglichen

Rechte und Pflichten allein

bei den Vertragspartnern.

Als potenzielle Vertragspartner eines

Integrationsvertrages stehen alle zur

Versorgung im System des SGB V zugelassenen

Leistungserbringer und deren

Ge meinschaften zur Verfügung. Darü -

ber hinaus werden Ärzte nicht mehr

nur als Mitglieder einer Gemein schaft

als Vertragspartner zur integrierten

Versorgung zugelassen. Die Kranken -

kassen können auch mit medizinischen

Versorgungszentren und mit soge -

nann ten Managementgesellschaf ten,

das heißt mit Trägern, die eine Ver -

sorgung durch dazu berechtigte Leis -

tungserbringer anbieten, selbst aber

nicht Versorger sind, abschließen. Kon -

krete Regelungen wurden für die

Teilnahme von Apotheken an Inte gra -

tionsverträgen geschaffen (§ 129 Abs.

5b SGB V).

Um neue finanzielle Anreize zum Ab -

schluss von Integrationsverträgen zu

schaffen, hat der Gesetzgeber vorgesehen,

dass in den Jahren 2004 bis 2006

bis zu 1 % der an die Kassenärztlichen

Vereinigung zu entrichtenden Gesamt -

ver gütungen sowie der Krankenhaus -

ver gütungen für die vertragsärztliche

Versorgung zur Verfügung stehen sollen.

Die Krankenkassen haben entsprechende

Mittel von den Gesamt vergü -

tun gen sowie von den Rechnungen der

einzelnen Krankenhäuser einzubehalten,

wenn die Mittel zur Umsetzung

von zur integrierten Versorgung ge -

schlos senen Verträgen erforderlich

sind. Hierin liegt praktisch eine generell-abstrakte

Bereinigung der Vergü -

tungs volumen, die für die Regelver sor -

gung im Kollektivvertragssystem vorgesehen

sind.

Das Prinzip der freien Arztwahl wird

durch die integrierte Versorgung nicht

angetastet. Eine Inanspruchnahme

nicht an der integrierten Versorgung

teil nehmender Leistungserbringer ist

allerdings nur zulässig, wenn die Ver -

sicherten an diese Leistungserbringer

überwiesen wurden oder der Vertrag

zur integrierten Versorgung sie zur

Inanspruchnahme nicht teilnehmender

Leistungserbringer berechtigt. Daher

kann die Teilnahme von Versicherten

nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Die

Satzung der Krankenkasse regelt das

Nähere. Da integrierte Versorgungs for -

men für die Versicherten transparent

sein müssen, haben die Versicherten

das Recht, von ihrer Krankenkasse

umfassend über die Verträge zur inte-

Lebenszeichen 2/13 • 29


Pro Patient

©

Andrey Kuzmin/Fotolia.com

grierten

Ver sorgung, die

teilnehmenden Leistungs -

erbringer, besondere Leis tungen und

vereinbarte Qualitäts standards informiert

zu werden.

Unbedingt notwendig ist eine qualitätsgesicherte,

ausreichende, zweck -

mäßige und wirtschaftliche Versor -

gung der Versicherten auch im Inte -

gra tionssektor. Die Versorgungs an bie -

ter müssen die Erfüllung der Leistungs -

ansprüche der Versicherten gewähr -

leis ten können. Die Verträge können

Ab weichendes von den Vorschriften

des Vier ten Kapitels des SGB V, des

Kran kenhausfinanzierungsgesetzes,

des Krankenhausentgeltgesetzes sowie

den nach diesen Vorschriften getroffenen

Regelungen insoweit regeln, als

die Be son derheiten der Integrations -

ver sorgung dies erfordern. Ziel ist es,

die Qualität, die Wirksamkeit und die

Wirt schaftlichkeit der Versorgung zu

verbessern. Hierzu sind möglichst offene

Regelungen zu finden, um aus starren,

verkrusteten Strukturen hin zu

effizienteren Versorgungsformen zu

kommen.

Von Bedeutung ist schließlich die den

Krankenkassen gesetzlich eingeräumte

Möglichkeit, denjenigen Versicherten,

die an einer integrierten Versorgung

teil nehmen, einen Bonus zu gewähren.

So kann die Krankenkasse sowohl Zu -

zahlungsermäßigungen als auch Bei -

trags ermäßigungen vorsehen (§ 65a

Abs. 2 SGB V). Sie erhält hierdurch ein

wirksames Instrument, um Anreize zur

Teilnahme an der integrierten Versor -

gung zu schaffen.

Infolge der mit dem GKV-Moderni sie -

rungsgesetz (GMG) erfolgten Ge set -

zes änderungen wurden zwischenzeit-

lich eine Vielzahl von in te grierten

Versorgungsverträgen ge schlos sen und

bei einer hierfür eigens eingerichteten

Registrierungsstelle gemeldet. Auch

wenn es sich bei den meisten dieser

Verträge zunächst um kleinere indikationsbezogene

Verträge handelte, die

zudem regelmäßig regional beschränkt

waren, konnte festgestellt werden,

dass die integrierte Ver sorgung dabei

ist, sich neben der Re gel versorgung zu

etablieren.

Strukturverträge/Modellvorhaben

Die Selbstverwaltung der Ärzte und

Kran kenkassen hat darüber hinaus

Spiel räume zur Erprobung und Reali -

sierung neuer Versorgungsformen.

Strukturverträge

Im Rahmen sogenannter Struktur ver -

träge nach § 73a SGB V können die

Krankenkassen und die jeweilige Kas -

sen ärztliche Vereinigung Hausärzten

oder einem Verbund von haus- und

fach ärztlich tätigen Vertragsärzten

(„vernetzte Praxen“) eine erweiterte

Verantwortung für die Qualität und

Wirtschaftlichkeit der Versorgung

über tragen. Die erweiterte Verant wor -

tung umfasst dabei neben dem eigentlichen

Bereich der vertragsärztlichen

Versorgung auch den der ärztlich verordneten

bzw. veranlassten Leistungen.

Diese Verantwortung kann auf be -

stimm te, inhaltlich definierte Bereiche

– wie z. B. die Arznei- und Heilmittel -

verordnungen oder die Krankenhaus -

ein weisungen – begrenzt werden. Für

diese Leistungen kann ein Budget vereinbart

werden. Damit ermöglicht der

Gesetzgeber die für „Managed-Care-

Strukturen“ typische sektorenübergreifende

Steuerung von Versorgungs leis -

tungen. Allerdings gilt auch für diese

Versorgungsformen der in § 71 SGB V

geregelte Grundsatz der Beitrags satz -

sta bilität. Neben der integrierten Ver -

sor gung besteht mit den Struktur ver -

trägen ein weiteres Instrument, vernetzte

Strukturen zu schaffen.

Modellvorhaben

Die Möglichkeit der Krankenkassen

und ihrer Verbände, Modellvorhaben

durch zuführen oder mit in der gesetzlichen

Krankenversicherung zugelassenen

Leistungserbringern oder Gruppen

von Leistungserbringern Verein ba run -

gen über die Durchführung von Mo -

dell vorhaben zu schließen (§§ 63 bis 65

SGBV) sind mit dem 2. GKV-Neu -

ordnungsgesetz erheblich er weitert

worden:

Die Krankenkassen können neue For -

men der Organisation und Fi nan zie -

rung der Leistungs er brin gung er pro -

ben (§ 63 Abs. 1 SGB V). Ziel solcher

Mo dellvorhaben muss es sein, die

Qualität und Wirt schaft lichkeit der

Versorgung zu ver bessern.

Des Weiteren können die Kranken kas -

sen neue Leistungen der Kran ken be -

hand lung, Rehabilitation und Prä ven -

tion erproben, sofern diese Leistungen

zum Aufgabenbereich der GKV gehören

(§63 Abs. 2 SGB V). Voraussetzung

ist, dass bereits Er kenntnisse über den

Nutzen (und ge ge benenfalls die

Risiken) dieser Leis tungen vorliegen,

die die Durch füh rung eines Modell vor -

habens recht fer ti gen. Diese Modell -

vorha ben sollen vor allem Infor ma -

tionen darüber liefern, ob die fraglichen

Leistungen für eine ausrei chende,

zweckmäßige und wirtschaft liche Ver -

sor gung geeignet sein kön nen und

gegebenenfalls in die Re gel versorgung

übernommen werden sollten.

Die Krankenkassen oder ihre Verbände

sind verpflichtet, eine wissenschaftliche

Begleitung und Auswertung der

Modelle im Hinblick auf die Erreichung

der Ziele der Modellvorhaben nach allge

mein anerkannten wissenschaftli -

chen Standards zu veranlassen (§ 65

SGB V).

30 • Lebenszeichen 2/13


Pro Patient

Vermittlung von

Zusatzversicherungen

Seit dem 1. Januar 2004 haben die ge -

setzlichen Krankenkassen die Möglich -

keit, den Abschluss privater Zusatz ver -

si cherungsverträge zwischen ihren

Ver sicherten und privaten Kranken ver -

si cherungsunternehmen zu vermitteln

(§ 194 Abs. 1a SGB V). Der Abschluss

solcher Zusatzversicherungsverträge

bleibt eine freiwillige Vereinbarung

zwi schen dem Versicherten und dem

privaten Versicherungsunternehmen.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind

auf eine Vermittlungstätigkeit be -

schränkt. Mit dieser Vermittlungs mög -

lichkeit wollte der Ge setzgeber dem

Wunsch der Versicherten Rech nung

tragen, bestimmte Ver si che rungen, die

den Kran kenver sicherungs schutz er -

gän zen, über ihre gesetzliche Kranken -

kas se abschließen zu kön nen. Die Ver -

si cherten kön nen von einer solchen

Ver mittlung eines Versiche rungs ver tra -

ges insbesondere dann profitieren,

wenn die Krankenkasse für sie prämien

günstige Grup pen tarife ausgehandelt

hat.

Die Bedingungen für den Ab schluss

von privaten Zusatzver si che rungen ha -

ben sich durch die den gesetzlichen

Krankenkassen eingeräumte Vermitt -

lungs möglichkeit nicht geändert. An -

ders als in der GKV kann es daher vorkommen,

dass private Ver si che rungs -

un ternehmen den Ab schluss von Ver -

sicherungsverträgen z. B. von Alters -

gren zen, Risikoprü fun gen oder auch

er höhten Prämien abhängig ma chen.

Solche Bedingun gen sind in der pri -

vaten Kranken ver sicherung durchaus

üb lich. Es gibt allerdings Hinweise darauf,

das private Versicherungs un ter -

nehmen von sich aus die Vertrags -

bedingungen für den in einer gesetzli -

chen Kranken kas se Versicherten güns -

tig gestalten, wenn der Kooperations -

part ner, die ge setzliche Krankenkasse,

geschickt und im Interesse ihrer Ver si -

cherten verhandelt

hat. So gibt es weit hin

Grup pen ver träge und

auch Ver träge über

meh rere Ver siche -

rungs felder, bei denen

es offenbar ge setz li -

chen Kran ken kas sen

ge lungen ist, priva te

Ver si che rungs un ter -

neh men dazu zu be -

we gen, von zu rigo ro -

sen Alters be gren zun -

gen und anderen Ein -

tritts hür den in eine

private Zusatz versi -

che rung Ab stand zu

nehmen.

Die zahnmedizinische Versorgung:

Ausgaben für die zahnmedizinische

Versorgung

Stellt man im internationalen Ver -

gleich die Ausgaben für die zahnmedizi

nische Versorgung im Jahr 2000 de -

nen des Jahres 1980 gegenüber, so

wird deutlich, dass kein anderes Land

so viel für die zahnmedizinische Ver -

sor gung seiner Bevölkerung ausgibt

wie die Bundesrepublik Deutschland.

Zwar sind seit den 80er Jahren die ge -

samtwirtschaftlichen Kosten für die

zahn medizinische Versorgung durch

eine erhebliche Verbesserung der Mundge

sundheit gesunken,dennoch er reich -

ten einige Vergleichsländer mit ge rin -

geren finanziellen Mitteln eine bes sere

Mundgesundheit (z. B. Schwe den, Nie -

derlande, Dänemark, Groß bri tan nien).

Um das Verhältnis von Kosten und

Nut zen in der zahnmedizinischen Ver -

sor gung der GKV deutlich zu verbessern,

war der Gesetzgeber seit den 80er

Jahren be müht, eine Umorien tie rung

in der zahnmedizinischen Versor gung

ein zu leiten: Statt einer Spätver sorgung

der Zähne mit Zahnersatz soll eine

Früh ver sorgung und Vermeidung von

Zahn er kran kun gen erfolgen. In die sem

Zu sam menhang wurden schritt weise

die Grund lagen für den Aufbau eines

um fas senden Prophy laxe konzep tes ge -

schaffen.

Zahnmedizinisches Prophylaxe -

system

Der Gesetzgeber hat mittlerweile

durch mehrere Gesundheitsreformen

die Basis für ein umfassendes zahnmedizinisches

Prophylaxekonzept gelegt;

vorhandene präventive Betreuungs lü -

cken bei Schwangeren und Klein kin -

dern wurden ge schlos sen. Ziel set zung

dieser Leistungs aus wei tun gen ist es,

die Vor aus s et zungen für einen le bens -

langen Erhalt der ei genen Zähne zu

schaf fen. Mög lich ist dies durch eine

kon sequent prä ventive Be treu ungs -

stra tegie, die von Kind heit an auf die

Vermeidung von Zahn schäden und auf

substanzscho nende Zahn erhaltungs -

maß nah men setzt. Karies und Para -

don titis ge hö ren zu den weitest verbreiteten

Krank heiten in unserer Zivi li -

sa tion. Dabei könnten sie zu einem

gro ßen Teil vermieden werden.

Die gesetzlichen Prophylaxeleistungen

wurden in den letzten Jahren für die

einzelnen Altersgruppen in folgenden

Punkten erweitert:

– Die bewährten Vorsorgeleistungen

bei Schwangeren wurden um Be ra -

©

Andrey Kuzmin/Fotolia.com

Lebenszeichen 2/13 • 31


Pro Patient

tungen zur Bedeutung der Mund -

ge sundheit für Mutter und Kind

und zur Aufklärung über die Übertra

gungswege der kariesauslösenden

schädlichen Keime sowie um

Maß nahmen zur Einschätzung und

Be stimmung des Übertragungs ri si -

kos von Karies auf das Klein kind er -

weitert.

– Die ebenfalls seit Langem bewährten

Früherkennungs unter suchun gen

bei Kleinkindern, die auch das Er -

ken nen von Zahn-, Mund- und Kie -

fer krankheiten umfassen, wurden

durch eine genauere Inspektion der

Mund höhle, die Bestimmung des

Ka riesrisikos durch Ernährungsund

Mundhygieneberatung sowie

um Maßnahmen zur Schmelz här -

tung der Zähne und zur gegebenenfalls

notwendigen Keimzahl -

sen kung ergänzt.

– Der Anspruch auf gruppenprophy -

lak tische Maßnahmen, die möglichst

flächendeckend durchzuführen

sind, wurde in Schulen und Be -

hin derteneinrichtungen, in denen

das Kariesrisiko überdurchschnittlich

hoch ist, bis zum 16. Lebens -

jahr verlängert.

Einen herausgehobenen Stellenwert

hat die Gruppenprophylaxe, die nach

übereinstimmender internationaler

Erfahrung die Grundlage für eine breitenwirksame

und kostengünstige

zahn medizinische Prävention darstellt.

Sie wurde mit dem Gesundheits struk -

tur gesetz im Jahr 1993 in zwei Punk -

ten verbessert: Erstens wurde gesetzlich

klargestellt, dass eine Inspektion

der Mundhöhle mit Erhebung des

Zahnstatus unbedingter Bestandteil

der Gruppenprophylaxe ist. Zweitens

ist eine Verordnungsermächtigung für

die jeweilige Landesregierung zur Re -

ge lung der Inhalte und der Finan zie -

rung der Gruppenprophylaxe in das

SGB V eingefügt worden. Damit soll

sichergestellt werden, dass in allen

Bundesländern konkrete Durchfüh -

rungs bestimmungen zur Praktizierung

der Gruppenprophylaxe bestehen.

Zur sinnvollen Ergänzung der Grup penprophylaxe

wurde mit dem Ge sund -

heits strukturgesetz darüber hinaus die

Möglichkeit eröffnet, indivi dual pro -

phy laktische Maßnahmen be reits vom

sechsten Lebensjahr, d. h. vom Durch -

bruch der ersten bleibenden Zähne an,

durchführen zu lassen (§ 22 SGB V).

Dabei sollen die individualprophylaktischen

Maßnahmen die zahnmedizinische

Prophylaxe der nicht bzw. nicht

hinreichend gruppenprophylaktisch

betreuten Kinder mit hohem oder be -

sonders hohem Kariesrisiko zielgerichtet

ergänzen. Die zusätzlich eingeführten

prophylaktischen Maßnahmen sollen

die Zahngesundheit insbesondere

bei Kindern und Jugendlichen weiter

verbessern und damit gleichzeitig die

bereits für die Vergangenheit belegbaren

Rückgänge bei den konservierendchirurgischen

Leistungen (z. B. Fül lun -

gen, Extraktionen) und bei prothe ti -

schen Maßnahmen (z. B. Brücken, To -

tal prothesen) deutlich vergrößern.

Der Gedanke der Frühversorgung der

Zäh ne schlägt sich auch in der im Rah -

men der individualprophylaktischen

Maßnahmen möglichen Fissuren ver sie -

ge lung der bleibenden Backenzähne

(§ 22 Abs. 3 SGB V) nieder. Da diese

Zähne einerseits wegen der schlechteren

Zu gäng lichkeit im Rahmen der

Mund hy gie ne bzw. aufgrund tieferer

Grübchen (Fis suren) auf der Kaufläche

besonders kariesanfällig sind und

andererseits ihre statische Bedeutung

für eventuell später notwendige prothetische

Ver sor gungen besonders

hoch ist, ist es an gezeigt, diese Zähne

besonders zu schüt zen. Die Fissuren -

versiegelung stellt dazu eine wenig

aufwendige und langfristig wirksame

Präventiv me tho de dar.

Bereits mit dem Gesundheits struk tur -

ge setz wurde durch Änderung des Ge -

set zes über die Ausübung der Zahn -

heil kunde Rechtsklarheit geschaffen,

dass die Leistungen der Individual -

prophylaxe nicht ausschließlich von

ap probierten Zahnärzten durchgeführt

werden müssen, sondern – kosten -

güns tiger – auch durch prophylaktisch

weitergebildetes Personal unter Auf -

sicht des Zahnarztes ausgeführt werden

können.

Ein weiterer wichtiger Schritt in Rich -

tung einer präventionsorientierten und

zahnsubstanzschonenden Zahnmedizin

wurde mit dem GKV-Gesundheits re -

formgesetz 2000 gemacht, indem die

Selbstverwaltung zur Umstruktu rie -

rung des Vergütungssystems vertragszahnärztlicher

Leistungen sowie zur

Modernisierung des Leis tungs katalogs

ver pflichtet wurde.

Damit die Anreizstrukturen in der

Zahn heilkunde so gesetzt werden, dass

zahnärztliche Behandlungs maß nah -

men nicht von wirtschaftlichen Über -

le gungen überlagert werden, hatte die

Selbstverwaltung eine Neuordnung der

Bewertungsrelationen aller vertragszahnärztlichen

Leistungen vorzunehmen,

die eine gleichgewichtige Bewer -

tung der Vergütungen für zahnerhalten

de und präventive Leistungen sowie

für Zahnersatz und Kieferorthopädie

si cherstellt (§ 87 Abs. 2d SGB V).

Zu dem wurde der damalige Bun des -

aus schuss der Zahnärzte und Kranken -

kassen (seit 01.01.2004: Gemeinsamer

Bun des ausschuss) mit der Moder ni -

sierung des Leistungskatalogs der GKV

beauftragt; er soll dem Leitbild einer

ur sachengerechten, zahn substanz -

scho nenden und präventionsorientierten

Zahnheilkunde entsprechen (§ 92

Abs. 1a SGB V). Zahnärzte und Kran -

ken kassen haben die gesetzlichen Vor -

ga ben umgesetzt.

Der neu bewertete Bewertungs maß -

stab für zahnärztliche Leistungen und

die modernisierten Richtlinien für die

vertragszahnärztliche Versorgung sind

zum 01.01.2004 in Kraft getreten. Die

Vorsorge und die Zahnerhaltung werden

damit gestärkt.

32 • Lebenszeichen 2/13


Pro Patient

Qualitätssicherung in der

Zahnmedizin

Auch qualitätssichernde Maßnahmen

ver bessern das Kosten-Nutzen-Ver -

hält nis in der Zahnmedizin. U. a. wurde

bereits seit 1993 die Ge währ leistung

für prothetische Ar bei ten auf mindes -

tens zwei Jahre er höht und gleichzeitig

eine zweijährige Ge währleistung auf Füllungen

eingeführt (§ 136b Abs. 2 SGB V).

Der Ge setzgeber hat jedoch der Selbst -

ver waltung von Kranken kas sen und

Zahn ärz ten die Möglichkeit eingeräumt,

Aus nahmen von der zweijäh ri -

gen Ge währleistung zu vereinbaren. Dies

ist auch geschehen. Einzelne Kran ken -

kas sen verbände und Krankenkassen

haben mit Zahnärzten bzw. Zahnarzt -

grup pen vertraglich längere Gewähr -

leis tungs fristen bei Füllungen (vier

Jahre) und bei Zahnersatz (je nach Ver -

sor gungs art vier bis sechs Jahre) ver -

ein bart. Damit wird die vom Ge setz -

geber geforderte Mindest ge währ leis -

tung von zwei Jahren in diesen Fäl len

überschritten. Ferner hat der Gemein -

sa me Bundesausschuss in Richt linien

die Maßnahmen der Qua li täts siche -

rung und die Kriterien für die indikationsbezogene

Notwen dig keit und

Qua lität aufwendiger diagnostischer

und therapeutischer Leistungen zu be -

stim men. Schließlich wurden mit dem

GKV-Gesundheitsreformgesetz 2000

die Vertragszahnärzte verpflichtet, sich

an Maßnahmen zur Qua li täts si cherung

zu beteiligen (§ 135a SGB V).

Seit dem am 01.01.2004 in Kraft getrete -

nen GKV-Modernisierungsgesetz (GMG)

be steht für Vertragsärzte eine Pflicht zur

fachlichen Fortbildung, die auch für Vertragszahnärzte

gilt. Die Fort bildungs -

pflicht ist eine notwendige Voraus set -

zung dafür, dass die Ver trags zahnärzte

die Versicherten entsprechend dem ak -

tu ellen Stand der medizinischen Er kennt -

nisse behandeln. Darüber hinaus wurde

die Verpflich tung der Vertrags ärz te zum

Qualitäts management konkretisiert.

Hans-Peter Wohn

Angebote der Deutschen Leberhilfe e. V.

Die Leistungen der Deutschen Leberhilfe e. V. sind nur

möglich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Deshalb

können wir die Infor ma tions schriften an Nichtmit glie der

nur gegen Erstattung der Porto- und Versand kosten ab -

ge ben. Der Preis für eine Broschüre beträgt 1,50 EUR, hinzu

kommen 1,00 EUR Versandkosten pro Bestellung innerhalb

Deutschlands. Die Versandkosten bei Sen dun gen ins

Ausland richten sich nach dem gültigen Posttarif.

Sonderhefte und Einzelausgaben der Lebens zeichen

können für 6,50 EUR (zzgl. Porto) ebenfalls angefordert

werden. Wir schicken Ihnen die gewünschten Bro schü ren

per Post zu und legen einen Überweisungsträger bei.

Mitglieder können unsere Broschüren, Einzel ausgaben

der Lebenszeichen und Sonder hefte umsonst anfordern.

Bestellung bitte an die Deutsche Leberhilfe e. V., Krieler

Str. 100, 50935 Köln, oder Fax: 0221/2829981.

Absender:

Name, Vorname: _____________________________

Straße, Hausnr.: _____________________________

Postleitzahl, Ort: _____________________________

Broschüren (1,50 EUR; zzgl. 1,00 EUR Porto pro Bestellung)

Alkohol und Leber

Autoimmunhepatitis

Fettleber

Hepatitis A

Hepatitis B*

Hepatitis C**

Impfungen für Leberkranke

Leberschäden durch Medikamente und Naturheilmittel

Leberzellkarzinom

Leberzirrhose

Meulengracht – das Gilbert-Syndrom

Primär biliäre Zirrhose (PBC) und

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)

* auch auf Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch und Türkisch erhältlich

** auch auf Englisch und Russisch erhältlich

Sonderhefte (zzgl. 1,00 EUR Porto pro Bestellung)

Hepatitis B (6,50 EUR)

Hepatitis C (6,50 EUR)

Laborwerte für jedermann verständlich gemacht (6,50 EUR)

Kostenlose Broschüre

Schenken Sie Leben! – Erbschaftsbroschüre (gratis)

Jubiläumsfestschrift (2,50 EUR Versandkosten)

25 Jahre Deutsche Leberhilfe e. V. – Festschrift

Lebenszeichen (6,50 EUR zzgl. 1,00 EUR Porto pro Bestellung)

Lebenszeichen 2/2012

Lebenszeichen 3/2012

Lebenszeichen 4/2012

Lebenszeichen 1/2013

Gewünschte Informa tions schrif ten bitte ankreuzen.

Lebenszeichen 2/13 • 33


Pro Patient

Erinnerungs-Apps für Medikamenteneinnahme

Für chronisch Erkrankte ist es oft mühsam,

sich durch die tägliche Medi ka -

men teneinnahme zu kämpfen. Dazu

gibt es verschiedenste Methoden. Das

geht von der einfachen Form eines Me -

di kamentenschiebers, zu SMS-Diensten

(http://sms-service.leberhilfe.org) für

das Handy bis auch zu Medikamenten-

Apps für das Smartphone. Die meisten

Medikamenten-Apps sind leider in

englischer Sprache, dafür bieten sie

teil weise umfangreiche Dienste:

1. automatische Benachrichtung ei nes

Dritten (z. B. Familienan ge hö rigen)

bei Nichteinnahme (Nicht be stäti gung

der Medikamenten erinne rung),

2. Infos und Beschreibungen zu den

Medikamenten,

3. Medikamentenvorratsverwaltung,

d. h., Sie werden rechtzeitig erin -

nert, wann Ihre Medikamente zur

Neige gehen und Sie sich neue verschreiben

lassen müssen.

Zum größten Teil sind diese Apps kos -

ten los oder relativ kostengünstig und

wer den für alle iOS- und Android-Sys -

te me angeboten. Diese sind bei den

gängigen Plattformen wie iTunes oder

google play zu finden. Die bekanntes -

ten Apps sind iPill 2.0, Med Reminder,

Medi Memory oder Pillbox speziell

nur für das iPhone sowie Pill Reminder,

Medication Reminder, Get Pills oder

Pillbox Alert für die An droid-Smart -

phones. Aufgefallen ist auch eine App

von der Barmenia Versicherung na -

mens mediApp, mit der Sie auch Ihre

persönliche Gesund heits akte speichern

können. Diese App gibt es für beide

Systeme (iOS und Android).

©

Scanrail/Fotolia.com

Wenn Sie es sich einfach machen wollen:

In der Regel sind auf dem Smart -

phone auch schon standardmäßig

Wecker-Apps installiert, bei denen man

zu den einzelnen Weckzeiten auch

Texte bzw. Notizen hinterlegen kann

und man somit täglich zu den vorbestimmten

Zeiten an die Einnahme der

speziellen Medikamente erinnert wird.

Andreas Triltsch

Münchener Vortragsreihe 2013

Zeit: Freitag, 20. September 2013, 18:30–20:30 Uhr

Ort: München, BRK-Casino, Rotkreuzhaus Lehel,

Christophstr. 12, Rückgebäude, 5. OG/Lift

Nähe U4, U5 oder Tram 17: Station Lehel

Stadtbus 100: Station „Haus der Kunst“

Thema:

Bewährtes und Neues in der HCV-Therapie.

Therapieansätze ab 2015: Was kommt auf uns zu?

Kann Zuwarten sinnvoll sein?

Referent:

Prof. C. Folwaczny

Facharzt Innere Medizin, Infektio logie, Gastroenterologie,

Ärztehaus München-Harlaching, Isenschmidstr. 19

Der Eintritt ist frei.

Informationen:

H S M Hepatitis Selbsthilfe München e. V.

Westendstr. 68, 80339 München

Tel.: 0 89/53 29 56-13 Do 18:00–20:00 Uhr

Tel.: 0 89/29 16 02 09 Di 17:00–19:00 Uhr

Fax: 0 89/53 29 56-14 Do 18:00–20:00 Uhr

E-Mail: info@hepatitis-muenchen.de

Internet: www.hepatitis-muenchen.de

Leberforum Saar-Pfalz 2013

Patienten fragen – Ärzte antworten

Zeit: Dienstag, den 10. September 2013

17:00–19:00 Uhr

Ort: Seminarraum der Klinik für Innere Medizin II

Gebäude 77, 1. Stock

Universitätsklinikum

Kirrberger Straße

66421 Homburg/Saar

Der Eintritt ist frei.

Hepatitis C: Neue Optionen am Horizont & Neue Medi -

kamente im Einsatz

Referent: PD Dr. Grünhage

Lebertransplantation: Vorbereitung - Operation - Nach sorge

Referenten: Dr. Eisele/Dr. Appenrodt

Leberkrebs: Verschiedene Möglichkeiten der Behandlung

– was kann man erwarten?

Referentin: Frau Zimmermann

Hepatitits B: Besondere Patientengruppen

Referent: Dr. Jüngst

Kontakt: PD Dr. Grünhage

Klinik für Innere Medizin II

Kirrbergerstr. 100, 66421 Homburg

Tel.: 0 68 41/1 62 32 04

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Deutsche Leberhilfe e. V.

Fragen zur chronischen Hepatitis B?

Das Computerprogramm PATH B bietet Unterstützung

Viele Menschen, die mit der Diagnose

„chronische Hepatitis B“ konfrontiert

werden, fallen erst einmal in ein tiefes

Loch. Plötzlich ist vieles anders und die

Betroffenen sind mit Fragen konfrontiert,

wie z. B.

– Wie schütze ich Partner und Fa mi lie?

– Wie ansteckend ist das für andere?

– Wem soll ich davon erzählen?

– Was bedeutet die Hepatitis B für

mein Leben?

– Kann ich noch Kinder bekommen

oder zeugen?

– Brauche ich Medikamente, und was

kann ich von einer Therapie er warten?

Der erste Ansprechpartner ist immer

der behandelnde Arzt, doch oft gibt es

mehr Fragen, als in einer Sprechstunde

beantwortet werden können. Viele

Patienten suchen daher nach zusätzlichen

Informationen.

Internationale Patienten organi satio -

nen und Fachärzte haben 2012 ge -

mein sam ein Computerprogramm na -

mens PATH B entwickelt, welches ausführlich

zu diesen und vielen anderen

Fragen Stellung nimmt. PATH B steht

für „Patients and Professionals Acting

Together for Hepatitis B.“ Die Deutsche

Leberhilfe e. V. war aktiv an der Ent -

wick lung des Programms beteiligt und

hat dieses übersetzt, sodass das Infor -

ma tionsprogramm PATH B nun auch in

deutscher Sprache zur Verfügung

steht. An dem Programm ist zudem die

Deutsche Leberstiftung beteiligt. Die

Erstellung des Programms wurde durch

das Pharmaunternehmen Bristol-Myers

Squibb gefördert.

Das Programm ist im PDF-Format und

befindet sich auf einem USB-Stick. Um

das Programm zu benutzen, benötigen

Sie den Adobe Reader, der heute be -

reits auf vielen Rechnern installiert ist

(falls nicht, können Sie diesen im

Inter net herunterladen).

Das Besondere an diesem Programm:

Anders als viele PDF-Dateien ist PATH B

nicht nur zum passiven Lesen geeignet,

sondern kann auch interaktiv benutzt

werden. Hierzu gehört ein Patienten -

tage buch, in welches Betroffene ihre

La borwerte, aber auch Fragen für das

nächste Arztgespräch eintragen können.

Gerade während einer Therapie kann es

sehr hilfreich sein, seine Infor mationen

übersichtlich an einer Stelle zu sammeln.

Der USB-Stick mit dem PATH-B-Pro -

gramm kann bei der Deutschen Leber -

hilfe e. V. bestellt werden (Porto kosten:

1,50 EUR)

Per Post:

Deutsche Leberhilfe e. V.

Stichwort „Path B“

Krieler Str. 100

50935 Köln

per Telefon: 02 21/28 29 980

per Fax: 02 21/28 29 981

per E-Mail: info@leberhilfe.org

Festschrift der Deutschen Leberhilfe e. V.

Zum 25-jährigen Jubiläum der Deut -

schen Leberhilfe e. V. im letz ten Jahr

ha ben wir eine Festschrift veröffentlicht.

In der Festschrift werfen der

Vor stand und die Mitarbeiter einen

Rück blick auf unsere Arbeit und auf

welch un ter schiedlichen Wegen wir

zur Le ber hil fe gekommen sind.

Neben einer Zeit linie zur Geschichte

der Hepato lo gie fin den Sie dort

zudem Gruß worte von

– Prof. Rita Süßmuth, Schirmherrin

der Deutschen Leberhilfe e. V.,

– Tatjana Reic, Präsidentin der

Euro pean Liver Patients Asso -

ciation (ELPA),

– Charles Gore, Präsident der World

Hepatitis Alliance,

– Prof. Michael Manns, Vorsit zen -

der der Deutschen Leberstiftung

und Vorstandsmitglied der Leber -

hilfe,

– Prof. Stefan Zeuzem, stellvertretender

Vor sit zen der der Deut -

schen Le ber stif tung und langjähri

ges Mit glied unseres medizinischen

Beirats,

– Dr. Dietrich Hüppe, Vorsitzender

des Bundesverbandes niedergelassener

Gastroenterologen (bng)

e. V. und langjähriges Mitglied

unseres Beirats.

Mitglieder können die Festschrift bei

uns kostenlos bestellen, Nichtmit -

glie der für 2,50 EUR Versandkosten.

Alternativ können Sie die Festschrift

auch auf unserer Webseite herunterladen:

http://www.leberhilfe.org/tl_files/

lh_org_download/Festschrift_25_Jah

re _Leberhilfe.pdf

Ihre Deutsche Leberhilfe e. V.

Tel.: 02 21/28 29 980

E-Mail: info@leberhilfe.org

Lebenszeichen 2/13 • 35


Deutsche Leberhilfe e. V.

Unsere bundesweiten Kontaktstellen

Um Mitgliedern, Betroffenen und

In teressierten ein bundesweites

Forum zum Austausch von Infor ma -

tionen zu bieten, haben sich die u. g.

selbstständigen, unabhängigen, re -

gio nal tätigen Beratungsorgani sa tio -

nen, Vereine und Gruppen als

Kontakt stellen der Deutschen Leber -

hilfe e. V. zur Verfügung gestellt.

Baden-Württemberg

Hermann Kuon

Hepatitis-Selbsthilfe

Ostwürttem berg

Spagenstr. 3

73557 Mutlangen

Tel.: 0 71 71/97 93 05

Fax: 0 71 71/97 93 07

info@hepatitis-bw.de

www.hepatitis-bw.de

Sprechzeiten: Di bis Do 15–18 Uhr

sowie nach persönlicher Absprache

Bayern

Susanne Nückles

Hepatitishilfe Mittelfranken e. V.

Breite Gasse 94

90402 Nürnberg

Tel.: 09 11/2 35 82-45 (bzw. -46)

Di und Do von 13–16:30 Uhr

an den anderen Tagen nach persönlicher

Absprache

hepatitisberatung@gmx.de

Berlin

Sabine von Wegerer

Berliner Leberring e. V.

Beratungsstelle für Hepatitis-

Betroffene

c/o Charité Campus Benjamin Franklin

Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin

Haus III, 1. OG rechts

Tel./Fax: 0 30/83 22 67 75

Di von 13–17 Uhr

Do von 14–17 Uhr

kontakt@berliner-leberring.de

www.berliner-leberring.de

Hamburg

Rolf Vieroth

Tel.: 0 40/2 99 81 35

rolf.vieroth@hanse.net

Hessen

Heike Dulitz

Tel.: 0 64 76/91 53 45

Fax: 0 64 76/91 53 43

Montag bis Freitag

München und Oberbayern

Sven Illert

HSM Hepatitis Selbsthilfe

München e. V.

Selbsthilfezentrum (SHZ) München

Westendstr. 68, 80339 München

Sprechzeiten: Do 18–20 Uhr

Gruppenbüro im SHZ

Tel.: 0 89/53 29 56 13, Do 18–20 Uhr

Fax: 0 89/53 29 56 14, Do 18–20 Uhr

sowie nach persönlicher Absprache

sven@dr-illert.de oder

Tel.: 0 89/29 16 02 09, Di 17–19 Uhr

(Büro)

info@hepatitis-c-muenchen.de

www.hepatitis-c-muenchen.de

Rhein-Main/Rheinhessen

Hepatitis SHG Rhein-Main e. V.

Günter Leppert

Rüdigerstr. 27

65189 Wiesbaden

Tel.: 06 11/7 63 79 64

Fax: 06 11/7 88 87 61

info@hepatitis-rm.de

www.hepatitis-rm.de

Rostock

Cornelia Eckfeldt

Taklarring 39

18109 Rostock

Tel.: 03 81/1 20 36 90

coreckc@aol.com

Saarland

Marina Schweitzer

Tel./Fax: 06 81/73 05 23

m.p.schweitzer@gmx.de

Sachsen

SHG „Anti-D“ e. V.

Ansprechpartner: Sabine Schley

Rembrandtstr. 13a

09112 Chemnitz

SHGantiD@web.de

Tel./Fax: 03 71/44 94 95

Hinweis: nur für Fragen zu

Hepa titis C

Thüringen

Frau Marietta Wachholz

Cranachstr. 20

99423 Weimar

Tel.: 0 36 43/41 87 09

36 • Lebenszeichen 2/13


Deutsche Leberhilfe e. V.

Primär biliäre Zirrhose: die PBC-Kontaktstellen der Deutschen Leberhilfe e. V.

Silvia Caspers

Vieux-Conde-Str. 14

52382 Niederzier

Tel.: 0 24 28/16 69

Cquass4@aol.com

Maria Dippel

Leber-SHG Kassel

Friedenstr. 34, 34121 Kassel

Tel: 05 61/88 64 92

mariadippel@gmx.de

Renate Eklund

Roggestr. 14c

21073 Hamburg

Tel.: 0 40/7 65 25 48

renate.eklund@t-online.de

Rolf Goertz

Hepatitis–SHG Kreis

Heinsberg e. V.

Heiderbusch 24

41812 Erkelenz

Tel./Fax: 0 24 33/91 88 35

rgoertz@t-online.de

Gisela Illias

Uppersberg 66

51375 Leverkusen

Tel.: 02 14/5 00 50 13

Waltraud Kowalski

Hepatitis SHG Bochum

Bochumer Str. 185a

45661 Recklinghausen

waltraudkowalski@yahoo.de

Tel./Fax: 0 23 61/6 58 19 65

Marja Levicar-Wolf

Im Heimgarten 4

60389 Frankfurt/Main

Tel.: 0 69/47 31 50

Gisela Schaber

PBC-Selbsthilfegruppe

Baden-Württemberg

Ahornweg 5

72290 Loßburg

Tel.: 0 74 46/8 20

gisela.schaber@gmail.com

Uwe Schoch

Graf-Eberstein-Str. 2

74747 Ravenstein

nur samstags:

Tel.: 0 62 97/92 89 35

uwe.schoch@dhcf.de

Erhard Tribbe

PBC-Aktivengruppe

Vor den Höfen 10

27243 Harpstedt-

Simmerhausen

Tel.: 0 44 31/72 924

tribbe_clan@t-online.de

Margret Wegmann

SHG Coesfeld/Rheine/

Emstetten

Wupperstr. 36

48431 Rheine

Tel.: 0 59 71/5 47 24

margret.wegmann@gmx.de

Sigrid Weimar

Selbsthilfegruppe

PBC/PSC/AIH Bayern

Kasernenstr. 12

84036 Landshut

Tel.: 08 71/1 43 21 12

infopbc@gmx.de

Martina Westerlage

PBC-Selbsthilfegruppe

Dortmund

Haberkamps Vöhde 18

44357 Dortmund

Tel.: 02 31/4 76 61 15

Kontakt stellen der

Deutschen Leberhilfe e. V.,

die auch zu PBC beraten

(Seite 36):

Sabine von Wegerer

Berliner Leberring e. V.

Susanne Nückles

Hepatitishilfe Mittelfranken

e. V.

Ihre Spende hilft uns, anderen zu helfen!

Die Deutsche Le berhilfe e. V. ist ein gemeinnütziger Verein und finanziert

sich über Spen den und Mitglieds beiträge. Mit Spenden oder Ihrer Mit -

glied schaft helfen Sie mit, dass wir unsere Beratung auch wei terhin anbieten

können. Der Deutschen Leberhilfe e. V. stehen für ihre Arbeit keine

öffentlichen Mittel zur Verfügung. Nur mit Ihrer Hilfe können wir daher

unsere Aufgaben realisieren.

Der Verein versucht Sie nicht nur bestmöglichst mit Informationen zu versorgen,

sondern sich auch auf politischer und sozialer Ebene für Ihre

Interessen einzusetzen.

Mit jeder noch so kleinen Unterstützung tragen

Sie dazu bei, die Situation von Be trof -

fenen nicht nur medizinisch, sondern auch

sozial zu verbessern. Helfen Sie uns helfen.

Deutsche Leberhilfe e. V.

Kreissparkasse Melle

IBAN: DE95265522860000124800

BIC: NOLADE21MEL

©

Daniel Ernst/Fotolia.com

Neue Telefon zeiten

der Deutschen

Leberhilfe e. V.

© Corrie/Pixelio.de

Montag: 9–12 Uhr, 16–20 Uhr

Dienstag: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Mittwoch: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Donnerstag: 9–12 Uhr, 14–16 Uhr

Freitag: 9–12 Uhr

Tel.: 02 21/2 82 99 80

Lebenszeichen 2/13 • 37


Deutsche Leberhilfe e. V.

© WoGi/Fotolia.com

Mitglieder und Abonnenten:

Bitte teilen Sie uns Ihre neuen Bankdaten mit!

Ab Februar 2014 wird in Deutsch land

das europäische Zahlungssystem SEPA

ein geführt. Dadurch ändern sich alle

Bankverbindungen, sodass es viele Ver -

änderungen im Zah lungs verkehr geben

wird, z. B. bei Last schrift ein zügen. Das

gilt auch für unse re Geschäfts stelle.

Sind Sie Mitglied oder Abonnent der

Leberhilfe und nehmen Sie am Last -

schrift ver fahren teil? Dann freuen wir

uns schon jetzt über Ihre Mithilfe: Bitte

teilen Sie uns Ihre europäischen Konto -

daten mit. Dies sind die sogenannten

IBAN- und BIC-Nummern. Falls Sie

Ihre IBAN- und BIC-Nummern noch

nicht kennen, gibt Ihre Bank Ihnen

gerne Auskunft.

Sind Sie Mitglied oder Abonnent und

zahlen Ihre Beiträge selbst ein? Dann

bitten wir Sie, ab 2014 unsere neuen

eu ro päischen Bankdaten zu berück -

sichtigen (die alten Kontodaten funktioneren

dann nicht mehr):

Deutsche Leberhilfe e.V.

Kreissparkasse Melle

IBAN: DE95265522860000124800

BIC: NOLADE21MEL

Aufgrund der längeren Zahlen- und

Buchstabencodes steigt natürlich das

Risiko von Zahlen dreh ern, wenn Sie

Ihre Beitrags überweisungen „von

Hand“ anweisen müssen. Der Einfach -

heit halber bitten wir Sie deshalb, darüber

nachzudenken, ob Sie nicht künf -

tig auch am Lastschrift ein zug teilnehmen

möchten. Diese Entschei dung ist

selbstverständlich freiwillig.

Für Ihre Mithilfe bedanken wir uns

jetzt schon ganz herzlich!

Ihre Deutsche Leberhilfe e. V.

Umfrage zu

Lebens zei chen:

Vielen Dank für

Ihre Beteiligung!

In der letzten Lebenszeichen-

Aus ga be hatten wir einen Fra ge -

bogen beigelegt, um Sie zu Ihrer

Zufriedenheit mit der Zeit schrift

zu befragen.

Zahl reiche Rück mel dungen und

Anre gun gen sind mittlerweile

bei uns einge gangen, wofür wir

uns an dieser Stelle ganz herzlich

bedanken möchten!

Die erste große Welle der Rück -

mel dungen ist vorbei, einzelne

Frage bö gen erreichen uns aber

auch jetzt noch mit der Post. Wir

werden eine Aus wer tung der

Umfrage in der kommen den

Lebenszeichen-Aus gabe 3/13

veröffentlichen.

Ihre Deutsche Leberhilfe e.V.

Mitglieder -

versammlung am

28. September 2013

Die Mitgliederversammlung der

Deutschen Leberhilfe e. V. findet

am 28. September 2013 in Ober -

hausen statt.

Wir würden uns freuen, wenn Sie

sich diesen Termin vormerken.

Unsere Mitglieder werden einen

Mo nat vor der Versammlung

noch einmal von uns mit Details

sowie ge nauer Zeit- und Orts -

angabe angeschrieben.

Besuchen Sie die Deutsche

Leberhilfe e. V. auf Facebook!

Werden Sie unser Fan bei Facebook –

informieren und diskutieren Sie mit

anderen über Themen rund um die

Gesundheit und Lebererkrankungen.

Lesen können Sie hier auf unserer Seite

und auf Facebook, ohne dass Sie Face -

book-Mitglied sind. Um sich an Dis -

kussionen zu beteiligen oder den

„Gefällt mir“-Button zu verwenden, ist

jedoch eine Registrierung bei Face book

notwendig.

www.facebook.com/Deutsche.Leberhilfe

38 • Lebenszeichen 2/13


Deutsche Leberhilfe e. V.

Am 28. Juli 2013 ist Welt-Hepatitis-Tag

Weltweit ist einer von zwölf Menschen

mit chronischer He pa titis B oder C infiziert.

Nur eine Min derheit ahnt von ih rer

Infektion und noch weniger haben Zu -

gang zu adäquater medizinischer Ver -

sorgung. Am 28. Juli 2013 findet der

Welt-Hepatitis-Tag statt. Wie im Vor -

jahr lautet das Motto hierzulande:

„Näher als Du denkst. Das ist Hepa -

titis ...“ Hepatitis-Erkrankungen können

je den treffen, unabhängig von Al ter

oder Lebensstil. Wie kürzlich der H e p a -

titis Index (www.hep-index.eu) zeigte,

gibt es in Deutschland insbesondere

Ver besserungsbedarf bei Screening

und Früh erken nung von Virus hepatitis.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat

sich ein breites Aktionsbündnis aus Pa -

tien tenorganisationen, Stiftungen, Be -

ra tungsstellen und anderen Aktiven

zu sam mengefunden, um einen Natio -

na len Strategieplan gegen Virus he pa -

ti tis aufzustellen. Auch die Deut sche

Leberhilfe e. V. war an der Aus ar bei -

tung dieses Aktionsplans beteiligt, der

am 23. Juli im Rahmen einer Pres sekonferenz

in Berlin der Öffentlichkeit

vor ge stellt wird. Der Na tionale Stra te -

gieplan steht dieses Jahr im Fokus des

Welt-He pa titis-Tages.

Des Weiteren führen wir eine Foto -

aktion mit drei Stoff affen durch, welche

sich – wie ihre berühmten Vor bilder –

Augen, Ohren oder Mund zuhalten. Die

drei Affen sollen das „nichts sehen,

nichts hören, nichts sagen“ bei Virus -

he pa titis symbolisieren. Hepatitis-

Erkrankungen werden von der Öffentlichkeit

ignoriert, Betroffene wer den

isoliert – und auch die Ge sund heits -

politik vieler Län der handelt nicht

gegen die stille Epi demie der He pa titis-

Erkran kun -

gen. Die drei

Affen starten

ihre Rund reise

von unserer

Zen trale in Köln

aus: Von jetzt an bis

zum Welt-He pa titis-Tag reisen die drei

Affen kreuz und quer durch Deutsch -

land, wo sie vor ver schiedenen Motiven

abgelichtet werden, wie z. B. Ort schil -

dern oder re gionalen Sehens würdig -

keiten. Die erste Reisestation vor dem

Köl ner Dom finden Sie auf der Rück -

seite dieses Heftes. Wir werden die Bil -

der auf unserer Welt-Hepatitis-Tag-

Web seite und auf Facebook sammeln,

wo Sie auch weitere aktuelle Neuig -

keiten finden:

www.welthepatitistag.info

www.facebook.com/Deutsche.Leberhilfe

Buchempfehlung: „Leben“ von David Wagner

„Leben“ von David Wagner ist im Februar

2013 im Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei

Ham burg, erschienen. David Wagner wurde

1971 geboren und lebt derzeit als freier

Schrift steller in Berlin. Er leidet unter AIH

und wurde inzwischen lebertransplantiert.

In seinem Buch „Leben“ verarbeitet er seine

Er fahrung mit der Transplantation und er -

hielt dafür 2013 den Preis der Leipziger

Buchmesse.

Der Anruf kommt um kurz nach zwei. Ein

Mann geht ans Telefon, und eine Stimme

sagt: Wir haben eine Leber für Sie. Auf diesen

Anruf hat er gewartet, diesen Anruf

hat er gefürchtet, er muss sich nun entscheiden.

Soll er den Schritt ins Ungewisse

wagen, damit er weiter da ist für sein Kind?

Er nimmt seine Tasche und lässt sich ins

Berliner Virchow-Klinikum fahren.

Von der Geschichte und Vorgeschichte dieser

Transplantation handelt „Leben“: von

den langen Tagen und Nächten im Kosmos

Kran kenhaus mit seinen un zäh ligen Ge -

schichten, zwischen dem Baum vor dem

Fenster, den er durch die Jahreszeiten hindurch

beobachtet, und den wechselnden

Zim mer ge nos sen mit ihren Schicksalen und

Beich ten. Und da, in seinem weißen Raum -

schiff, dem Krankenbett, unterwegs auf ei ner

Reise durch Erinnerungs- und Sehn suchts -

räume, kreisen die Gedan ken: Für wen

lohnt es sich zu leben? Was hat das eigene

Leben bisher ausgemacht? Welcher Mensch

ist gestorben, sodass er weiterleben kann,

möglicherweise als ein anderer als zuvor?

David Wagner hat ein berührendes, nachdenklich

stimmendes, lebenskluges Buch

über einen existenziellen Drahtseilakt ge -

schrieben. Ohne Pathos und mit stilistischer

Brillanz erzählt er vom Lieben und Sterben,

von Verant wortung und Glück – vom

Leben, das der Derwisch eine Reise nennt.

David Wagner, geboren 1971, veröffentlichte

2000 seinen Debütroman «Meine

nachtblaue Hose». Sein Roman «Vier Äpfel»

stand auf der Longlist zum Deutschen

Buchpreis 2009. Der Autor wurde mit zahlreichen

Preisen ausgezeichnet, darunter

der Walter-Serner-Preis, der Dedalus-Preis

für Neue Literatur und der Georg-K.-

Glaser-Preis. 2013 erhielt David Wagner für

«Leben» den Leipziger Literaturpreis. David

Wagner lebt in Berlin.

David Wagner: Leben

288 Seiten

Buch ISBN: 978-3-498-07371-8

€ (D) 19,95/ € (AT) 20,60/ sFr 28,50

Erstverkaufstag: 22. Februar 2013

Auch als E-Book erhältlich:

ISBN: 978-3-644-02811-1

Erstverkaufstag: 22. Februar 2013

Lebenszeichen 2/13 • 39


Deutsche Leberhilfe e. V.

Der Notfallausweis der Deutschen Leberhilfe e. V.

Für chronisch erkrankte Menschen ist

es wichtig, immer einen engen Kon takt

zum Arzt zu haben. Was aber, wenn

zum Beispiel ein Notfall eintritt und

der Patient nicht in der Lage ist, den

Erst helfern mitzuteilen, dass er/sie in

hepatologischer Betreuung und auf

die regelmäßige Einnahme von Medi -

kamenten angewiesen ist?

Die Lösung: ein Notfallausweis!

Dieser enthält den Hinweis, dass der

Patient eine chronische Leber erkran kung

hat und im Notfall sofort Kontakt mit

seinem behandelnden Arzt aufgenommen

werden sollte. Die Adresse und

Telefonnummer des Arz tes sind auf den

scheckkartengroßen Aus weis aufgedruckt.

So kann sichergestellt werden,

dass not wendige Medi kamente weiter -

ge ge ben werden und bei medizinischen

Not fallmaß nah men die Erkran -

kung be rücksichtigt wird.

Dieses Projekt wird unterstützt durch

die AOK-Bundesverband GbR.

Notfallausweis (Beispielbild)

Viele Patienten haben diesen Service

in zwischen in Anspruch genommen.

Nutzen auch Sie dieses kosten freie

Angebot der Deutschen Leberhilfe e. V.

und bestellen Sie Ihren Notfallausweis

am besten noch heute!

Deutsche Leberhilfe e. V.

Krieler Str. 100, 50935 Köln

Tel. 02 21/28 29 980

Fax: 02 21/28 29 981

E-Mail: mpounds@leberhilfe.org

Für eine Bestellung per Fax oder Post

können Sie gerne den unten gezeigten

Bestellschein nutzen.

Marion Pounds

Deutsche Leberhilfe e. V.

Bestellschein für Patienten:

Notfallausweis der Deutschen Leberhilfe e. V.

Per Brief oder Fax an die Deutsche Leberhilfe e. V.:

Fax: 02 21/28 29 981

Hiermit bestelle ich den kostenlosen Notfallausweis der

Deutschen Leberhilfe e. V.

Mein behandelnder Arzt (für meine Leberkrankheit)

Titel, Vorname, Name: __________________________

Klinik/Praxis:

__________________________

Bestellschein für Ärzte:

Notfallausweis der Deutschen Leberhilfe e. V.

Per Brief oder Fax an die Deutsche Leberhilfe e. V.:

Fax: 02 21/28 29 981

Hiermit bestelle ich den kostenlosen Notfallausweis der

Deutschen Leberhilfe e. V.

Wie viele Notfallausweise? Menge: ________

Meine Kontaktdaten als Arzt (Praxis/Klinik):

Straße, Hausnr.:

__________________________

Titel, Vorname, Name: __________________________

Postleitzahl, Ort:

__________________________

Klinik/Praxis:

__________________________

Telefonnummer:

__________________________

Straße, Hausnr.:

__________________________

Diese Daten tragen wir vollständig auf dem Notfallausweis ein.

Meine Kontaktdaten (Patient):

Postleitzahl, Ort:

Telefonnummer:

__________________________

__________________________

Vorname, Name:

Straße, Hausnr.:

Postleitzahl, Ort:

__________________________

__________________________

__________________________

Diese Daten tragen wir auf dem Notfallausweis ein.

Der Notfallausweis hat ein freies Textfeld, in dem Patienten ihren

Vor- und Nachnamen eintragen können.

Wir tragen nur Ihren Namen auf dem Ausweis ein.

_____________________________________

Datum, Unterschrift

_____________________________________

Datum, Unterschrift

40 • Lebenszeichen 2/13


Deutsche Leberhilfe e. V.

- Abonnement -

Krieler Str. 100

50935 Köln

Abonnement der „Lebenszeichen“

Hiermit bestelle ich das Magazin „Lebenszeichen“ für die Dauer von einem Jahr

zum Bezugspreis von

23, – EUR (Deutschland)

35,– EUR (europäisches Ausland)

50,– EUR (außereuropäisches Ausland)

Abonnenten erhalten viermal im Jahr das Magazin „Lebens zeichen“. (Broschüren, Sonderhefte und telefonische

Beratung sind im Abonnement nicht enthalten.) Das Abonnement verlängert sich jeweils um ein

weiteres Jahr, wenn nicht spätestens drei Monate vor Ablauf des Kalenderjahres (30. September) die

schriftliche Kündigung erfolgt.

Gleichzeitig ermächtige ich die Deutsche Leberhilfe e. V. widerruflich, den Betrag von

folgendem Konto abzubuchen (nur möglich für Konten in Deutschland):

Bank:

________________________________________________________________

Konto-Nr.: ________________________________

BLZ: ___________________________

IBAN: ________________________________ BIC: ___________________________

Absender

Nachname, Vorname: _____________________________________________________________

Straße, Hausnr.: ________________________________________________________________

Postleitzahl, Ort: ________________________________________________________________

Telefon: ________________________________ Fax: ___________________________

E-Mail:

Erkrankung:

________________________________ Geburtsdatum: __________________

____________________________________________________________________

________________________________________________________

Datum, Unterschrift


Deutsche Leberhilfe e. V.

- Mitgliedschaft -

Krieler Str. 100

50935 Köln

Antrag auf Mitgliedschaft

Ja, ich möchte die Arbeit der Deutschen Leberhilfe e. V. unterstützen, und zwar als

(Zutreffendes bitte ankreuzen)

ordentliches Mitglied mit einem jährlichen Mitglieds beitrag von

40, – EUR (Wohnort in Deutschland)

47,– EUR (Wohnort im europäischen Ausland)

53,– EUR (Wohnort außerhalb von Europa)

mit einem selbst gewählten, höheren Jahresbeitrag in Höhe von _________ EUR

Mitglieder erhalten wie Abonnenten viermal jährlich die regulären „Lebens zeichen“-Ausgaben.

Darüber hinaus sind Sonderhefte, Broschüren und telefonische Beratung im Mitglieds beitrag enthalten.

Die Mitgliedschaft verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, wenn nicht spätestens einen

Monat vor Ablauf des Kalender jahres (30.11.) die schriftliche Kündigung erfolgt.

Gleichzeitig ermächtige ich die Deutsche Leberhilfe e. V. widerruflich, den Betrag von

folgendem Konto abzubuchen (nur möglich für Konten in Deutschland):

Bank:

________________________________________________________________

Konto-Nr.: ________________________________ BLZ: ___________________________

IBAN: _______________________________ BIC: ___________________________

Absender

Nachname, Vorname: _____________________________________________________________

Straße, Hausnr.: ________________________________________________________________

Postleitzahl, Ort: ________________________________________________________________

Telefon:

E-Mail:

Erkrankung:

________________________________ Fax: ___________________________

________________________________ Geburtsdatum: __________________

________________________________________________________________

____________________________________________________

Datum, Unterschrift


Impressum

Wissenschaftlicher Beirat

Dr. med. W. Avenhaus, St. Ansgar Krankenhaus, Höxter

Prof. Dr. med. T. Berg, Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. med. Dr. h.c. H. E. Blum, Universitätsklinikum Freiburg

Dr. med. B. Bokemeyer, Facharzt für Gastroenterologie, Minden

Prof. Dr. med. S. vom Dahl, St-Franziskus-Hospital, Köln

Prof. Dr. med. H. Dancygier, Klinikum Offenbach

Prof. Dr. med. W. E. Fleig, Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. med. Galle, Universitätsklinikum Mainz

Prof. Dr. med. G. Gerken, Universitätsklinikum Essen

PD Dr. med. A. Gillessen, Herz-Jesu-Krankenhaus, Münster

Prof. Dr. med. T. Goeser, Med. Einrichtungen der Universität zu Köln

Prof. Dr. med. D. Häussinger, Heinrich-Heine-Universität,

Düsseldorf

Prof. Dr. med. T. Heintges, Städtische Kliniken Neuss

PD Dr. med. H. Hinrichsen, Gastroenterologische Praxis, Kiel

Dr. med. D. Hüppe, Facharzt für Gastroenterologie, Herne

Dr. med. P. Janetschek, Facharzt für Gastroenterologie,

München

Prof. Dr. med. W. Jilg, Universität Regensburg

PD Dr. med. B. Kronenberger, Universitätsklinikum Frankfurt

Prof. Dr. Dr. med. M. R. Kraus, Kreiskliniken Altötting-

Burghausen

Prof. Dr. med. W. Kurtz, Zentralkrankenhaus Reinkenheide

Prof. Dr. med. U. Leuschner, Facharztpraxis Frankfurt

Prof. Dr. med. Dr. h.c. K.-P.Maier, Diakonie-Klinikum Stuttgart

Prof. Dr. med. M. P. Manns, Medizinische Hochschule Hannover

Prof. Dr. med. J. Menzel, Klinikum Ingolstadt

Prof. Dr. med. M. K. Müller, Marienhospital, Osnabrück

Prof. Dr. med. P. Neuhaus, Charité, Campus Virchow-Klinikum,

Berlin

Prof. Dr. med. C. Niederau, St. Josef-Hospital, Oberhausen

Prof. Dr. med. G. Otto, Abteilung für Transplantationschirurgie,

Universitätsklinikum Mainz

PD Dr. med. M. Plauth, Städtisches Klinikum Dessau

PD Dr. med. M. Reiser, Paracelsus-Klinik Marl

Prof. Dr. med. M. Roggendorf, Universitätsklinikum Essen

Prof. Dr. med. S. Rossol, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt a. M.

Prof. Dr. med. C. Sarrazin, Universitätsklinikum Frankfurt

Prof. Dr. med. T. Sauerbruch, Universitätskliniken Bonn

Prof. Dr. med. W. E. Schmidt, Med. Klinik I, Klinikum der Ruhr-

Universität, Bochum

Prof. Dr. med. W. Schmiegel, Medizinisches

Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus, Bochum

Prof. Dr. med. R. Teschke, Hanau

Prof. Dr. med. F. J. Vonnahme, Kreiskrankenhaus Hameln an der

Weser

Prof. Dr. med. M. Wiese, Schwerpunktpraxis Hepatologie,

Leipzig

Prof. Dr. med. S. Wirth, Klinikum Wuppertal GmbH

Prof. Dr. med. S. Zeuzem, Universitätsklinikum Frankfurt

Herausgeber: Deutsche Leberhilfe e. V.

Vorstand: Gabriele Bemba, Thomas Bertram, Prof. Dr. med.

Michael P. Manns, Prof. Dr. med. Claus Niederau, Rudolf

Schweizer, Hans-Peter Wohn

Vorstandsvorsitzender: Prof. Dr. med. Claus Niederau

V. i. S. d. P.: A. Kautz, Köln

Redaktion: A. Kautz, I. van Thiel, C. Pfingstgraf, S. Widhalm

Anschrift:

Erscheint:

Krieler Str. 100, 50935 Köln

Tel.: 02 21/2 82 99 80

Fax: 02 21/2 82 99 81

E-Mail: lebenszeichen@leberhilfe.org

Internet: www.leberhilfe.org

vierteljährlich zum Quartalsende

(Ende März, Juni, September, Dezember)

Bezugspreis: Einzelheft 6,50 EUR

Abonnement 23,00 EUR/Jahr (inkl. Versand)

Mitgliedschaft 40,00 EUR/Jahr (inkl. Versand)

Für Mitglieder und Abonnenten der Deutschen Leberhilfe e. V.

ist die Lebenszeichen-Zeitschrift im Beitrag enthalten.

Spendenkonto: Sparkasse Melle, Kto: 124 800, BLZ: 265 522 86

IBAN: DE95265522860000124800, BIC: NOLADE21MEL

Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos übernimmt die

Redaktion keine Ver antwor tung. Namentlich gekenn zeich nete

Beiträge ge ben nicht unbedingt die Meinung der Deut schen

Leberhilfe e. V. oder der Redaktion wieder. Die Ur he ber rechte für

Artikel und Fotos liegen bei den Autoren, Fotografen oder dem

He raus geber. Der Nachdruck von Ar tikeln aus der Lebenszeichen

ist nur mit schriftlicher Geneh migung der Re dak tion er laubt. Das

gilt auch für die Aufnahme in elektronische Da ten ban ken, Mail -

boxen, für die Verbreitung im Inter net oder für Verviel -

fältigungen auf CD-ROM.

Die Arbeit der Deutschen Leberhilfe e. V. wird im Jahr 2013

bisher von folgenden Firmen und Institutionen unterstützt:

Bayer Vital GmbH, Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG, Bris -

tol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA, Dr. Falk Pharma GmbH,

Gilead Sciences GmbH, Janssen-Cilag GmbH, Rottapharm

Madaus GmbH, MSD Sharp & Dohme GmbH, Roche Pharma AG,

Norgine GmbH

Pauschalförderung in Verwaltung der Gesetzlichen Krankenver -

sicherungen (GKV); Projektförderung der Techniker Kranken -

kasse und der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK)

Lebenszeichen 2/13 • 43


Welt-Hepatitis-Tag am 28. 29. Juli 2013

„Näher als Du denkst. Das ist Hepatitis...“

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen:

Unsere drei Affen sind auf Rundreise durch Deutschland.

www.welthepatitistag.info

©

Oliver Siebenborn / www.7-born.de

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