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Mai 2005


E D I T O R I A L

2

I N H A L T

Seite

Br. Stephan Veith OSB

Vorwort ................................................................... 2

Dr. Klaus-Stefan Krieger

Wie Schwerthiebe .................................................... 3

P. Jonathan Düring OSB

Gewalt in der Schule – einmal anders betrachtet ....... 4

P. Gregory Damondamon OSB

Früher war Moslem für mich ein Reizwort .................. 6

Abt Lambert Dörr OSB

Aus dem abgeschlagenen Baumstumpf

ersprießt neues Leben ............................................. 9

Prof. Dr. Francis X. D’Sa

Chancen und Grenzen im Dialog .............................. 10

P. Anselm Grün OSB

Das Interview: Wege der Versöhnung ....................... 11

Bischof Severine NiweMugizi

Ein Flüchtlingslager ................................................ 13

Br. Tobias Dammert OSB

Unser Haus in den Vereinigten Staaten ................... 14

Namen und Nachrichten ......................................... 16

Dank/Serie ............................................................ 18

Br. Thomas Morus Bertram OSB

Jambo Matata ........................................................ 19

Zum Titelbild

Dieses Bild ist ein Kontrastprogramm zu den Bildern

auf der Lasche davor. Dort sehen wir Gewalt und Unterdrückung,

hier die Geste der Zuwendung und des

Vertrauens. Pater Prior Udo segnete dieses Mädchen

unter dem Weltjugendtagskreuz im Juli 2004 in Münsterschwarzach.

Einen Menschen segnen bedeutet

auch, ihn in die liebende Fürsorge Gottes stellen.

Zur Rückseite

IMPRESSUM

Ruf in die Zeit

AUSGABE MAI 2005

Porträt mit Br. Pascal Herold OSB

MISSIONSBENEDIKTINER

M Ü N S T E R S C H W A R Z A C H

Für Freunde, Förderer und Interessenten der Missionsarbeit der Abtei

Münsterschwarzach

Redaktion

Br. Stephan Veith (verantw.), Br. Thomas Morus Bertram (verantw.),

P. Basilius Doppelfeld, P. Jonathan Düring, Br. Alfred Engert,

P. Cyrill Schäfer, P. Anastasius Reiser, Br. Joachim Witt, Br. Manuel Witt

Herausgeber

Missionsprokura der Abtei Münsterschwarzach

97359 Münsterschwarzach Abtei

Tel: 09324/20275

Fax: 09324/20270

E-Mail: prokura@abtei-muensterschwarzach.de

Internet: http://www.abtei-muensterschwarzach.de

Auslandsspenden

Bei Spenden aus dem Ausland bitte unseren

Swift Code: GENODEF1MO5 und

Iban Nr.: DE51750903000003015033 unbedingt angeben.

Bankverbindung

Konto: Liga Bank Würzburg, Nr. 3015033, BLZ 750 903 00

Bei Adressenänderungen und Spenden wenden Sie sich bitte an

die Spendenbuchhaltung der Missionsprokura

Tel: 09324/20-287 oder 20-276 oder 20-363

Fax: 09324/20-494

E-mail: prokura@abtei-muensterschwarzach.de

Bildnachweis

P. Jonathan (S. 1, 4), dpa (S. 4, 10, 11, 13), Br. Thomas Morus (S. 5, 12,

17), kna (S. 11, 13), Priorat Digos (S. 6, 7), Bildarchiv Peramiho (S. 8, 9),

Bildarchiv Schuyler (S. 14, 15), P. Anastasius (S. 16, 17).

Gesamtherstellung:

Vier-Türme GmbH, Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach Abtei

Konzeption: Klaus Gold

Gedruckt auf Recymago, 100% Altpapier

BR. STEPHAN VEITH OSB

Missionsprokurator

Liebe

Leserinnen

und Leser ...

... Christentum und Gewalt – das ist eine lange Geschichte. Sehr friedlich geht es

nicht zu in der Bibel. Und auch die Kirche war nie jene gewaltfreie Zone, die sich

manche erträumen. Von Anfang an waren Christen brutaler Gewalt ausgesetzt,

in den Verfolgungen. Und stets musste die Kirche aufpassen, dass sie die ihr

verliehene Gewalt nicht missbrauchte.

Unsere Mitbrüder in Afrika und Asien können aus eigenem Erleben schildern, wie

Gewalt Menschen zerstört – und wie Christen und ihr Glaube helfen können. Doch

nicht nur rohe körperliche Gewalt fügt den Menschen Schmerzen zu. Auch Worte

können verletzen und sie tun es. Jeder von uns kennt Beispiele hierfür.

Um vielfältige Erfahrungen mit Gewalt geht es in diesem Heft. In Geschichte und

Gegenwart, in Afrika, Asien und hier bei uns. Wir Christen, wir Benediktiner, wir

Missionare leben nicht auf einer Insel der Sanftheit. Wir leben mittendrin in einer

Welt, die manchmal böse ist und die manchmal Hoffnungszeichen geschenkt

bekommt vom „Herrn aller Mächte und Gewalten“.

Wer das Heft – das übrigens diesmal von 16 auf 20 Seiten aufgestockt wurde

– aufmerksam liest, der wird feststellen, dass jeder von uns seinen Beitrag dazu

leisten kann, die Hoffnungszeichen zu vermehren. Wir dürfen nur der Gewalt

nicht ausweichen, sie nicht ignorieren. Es geht darum, sie realistisch zur Kenntnis

nehmen und zu überwinden.

Es grüßt Sie herzlich

Wir berichten aus:

Vereinigte

Staaten

Deutschland

Indien

Tansania

Philippinen


Z U M T H E M A

3

Wie Schwerthiebe

Sprechen mit gespaltener Zunge

Es war in der Grundausbildung bei der

Bundeswehr. Ein Unteroffizier pflegte einzelne

Rekruten mit Spottnamen zu belegen.

Meist beschränkte er sich dabei auf Verballhornungen

des Familiennamens. Aber

er erzielte Wirkung. Man fühlte sich gedemütigt,

entwickelte eine gewisse Angst.

Hoffentlich übersieht er mich, knöpft sich

einen anderen vor.

Ein Beispiel, was man mit Worten machen

kann. Ausrichten und Anrichten liegen da

nahe beieinander. Wem wirkliche Autorität

fehlt, der verfährt nach dem Wahlspruch

des Kaisers Caligula: „Sollen sie mich hassen,

wenn sie mich nur fürchten.“ Und um

Angst zu verbreiten, genügen oft Worte.

Ja, sie sind mitunter sogar

wirkungsvoller, weil sie

nicht nur ins Fleisch, sondern

in die Seele treffen.

Nicht umsonst sagen wir:

„Diese Bemerkung hat mich

tief verletzt.“ Worte können

Waffen sein. Worte können

Gewalt ausüben. Das fasst

schon das Alte Testament

in ein Sprichwort: „Das Reden

mancher Menschen ist

wie Schwerthiebe“ (Sprichwörter

12,18); und in Psalm

64,4 sagt der Beter über

seine Gegner: „Sie schärfen

ihre Zunge wie ein Schwert,

schießen giftige Worte wie

Pfeile.“

Jesus hat diese Wirkung, die Menschen

Worten geben können, in ihrer ganzen Brutalität

erfasst, und er spricht in der Bergpredigt

ein eindeutiges Urteil: „Ihr habt

gehört, dass den Alten gesagt worden ist:

‚Du sollst nicht morden! Wer aber mordet,

wird dem Gericht verfallen sein.’ Ich aber

sage euch: Jeder der seinem Bruder zürnt,

wird dem Gericht verfallen sein. Und wer

zu seinem Bruder sagt: ‚Du Tor!’, wird dem

Hohen Rat verfallen sein. Und wer sagt:

DR. KLAUS-STEFAN KRIEGER

geb. 1959 in Frankfurt/M.,

verheiratet, zwei Kinder,

wohnhaft in Erlangen.

Diplom-Theologe, tätig als Referent

für Öffentlichkeitsarbeit beim

Diözesan-Caritasverband Bamberg.

‚Du Narr!’, wird der Feuerhölle verfallen

sein.“ (Matthäusevangelium 5,21-22)

Jesus sagt also nicht bloß: Wer einen anderen

Menschen verbal angreift, wird am

Ende vielleicht auch nicht davor zurückschrecken,

ihn körperlich anzugreifen. Nein:

Wer einen Mitmenschen verunglimpft, tut

ihm Gewalt an.

Es beginnt mit Worten

Bittere Erfahrungen in der Geschichte belegen

es: Die Unterdrückung und Vernichtung

von Menschen beginnen mit ihrer verbalen

Herabsetzung und Ausgrenzung. Ein

„Nigger“ lässt sich leichter

versklaven. „Untermenschen“

kann man ohne

Skrupel umbringen.

Die Begriffe aus dem

sprichwörtlichen „Wörterbuch

des Unmenschen“

– das vielleicht auch besser

„Buch der unmenschlichen

Wörter“ hieße – sind

Legion. Sie zielen darauf

ab, Menschen zu entmenschlichen,

ihnen ihre

Menschenwürde zu nehmen.

Indem man sie Ungeziefer

(„Volksschädling“,

„Ratten und Schmeißfliegen“)

gleichstellt oder zu

bedrohlichen Erscheinungen

einer feindlichen Natur Gewalt stilisiert in Die Bibel steckt („Asy-

voller Gewalt. In vielen

Klaus-Stefan

Krieger

der Bibel

lantenflut“). Jedem sind solche

wenn

Beispiele

wir diese Texte nicht einfach nur

verdrängen wollen?

bekannt.

der biblischen Texte und zeigt, welche

Es geht auch perfider. Die diskriminierenden

Begriffe maskieren sich. „Endlösung“

u. a. deutlich, daß Gott für die Autoren

Gewalt verlangt.

und „ethnische Säuberung“ statt Völkermord.

Positiv besetzte Worte („Lösung“, gar

eine endgültige, perfekte; „sauber“) Themen. stehen

für die größtmöglichen Verbrechen.

ISSN 0171-6360

ISBN 3-87868-634-X

Wir müssen aber nicht gleich die schlimmsten

Beispiele wählen. Arbeitnehmer wer-

Texten ist Gott selbst aggressiv. Wie können

wir gerade heute damit positiv umgehen,

Der Autor deutet den historischen Kontext

Gottesbilder hinter ihnen stehen. So wird

der Bibel einer war, der mit allen Mitteln

für Gerechtigkeit kämpft, gleichzeitig aber

von den Menschen den Verzicht auf eigene

Klaus-Stefan Krieger, Dr. theol., geboren

1959, verheiratet, zwei Kinder, hat im Fach

Exegese des Neuen Testamentes promoviert

und arbeitet als Journalist und Öffentlichkeitsreferent.

Er veröffentlichte zahlreiche

Aufsätze und Zeitungsartikel zu biblischen

Klaus-Stefan Krieger · Gewalt in der Bibel

134

den heute nicht mehr gekündigt, sondern

„freigesetzt“. Wer von uns will nicht frei

sein? Ein hoher Wert in unserer Gesellschaft!

Doch welche Freiheit genießt der

Arbeitslose? Frei zu sein von der Mühe der

Arbeit? Frei zu sein vom Ballast des Geldes

– das doch ihm und seiner Familie die Lebensgrundlage

sicherte? Befreit ist allein

das Unternehmen – von einer Zahlungsverpflichtung!

Hier spricht der Hohn derer,

die sich um ihr tägliches Auskommen keine

Gedanken machen müssen.

Die Tendenz geht dahin, den Entzug der

Würde immer perfekter zu verschleiern.

„Kollateralschaden“: schon dumm, dass

Bombardierungen auch Zivilisten töten,

aber letztendlich eine zu vernachlässigende

Nebensache.

Sanfte Zunge

Was können wir tun? Uns bleibt die Sorgfalt

in der Wahl der Worte. Und wir können

uns immer wieder selbstkritisch fragen, was

ich bezwecke, wenn ich das Wort ergreife,

was ich bei meinem Mitmenschen bewirken

will, wenn ich das Wort an ihn richte.

Dann kann wahr werden, was ein andere

alttestamentliche Sentenz sagt: „Eine

sanfte Zunge ist ein Baum des Lebens.“

(Sprichwörter 15,4).

Klaus-Stefan

Krieger

Vier-Türme-Verlag

Münsterschwarzach

Gewalt in

der Bibel

Die Kleinschrift

ist in unserem

Vier-Türme GmbH

– Verlag

erschienen

Preis: 6,60 Euro

Bestelltelefon:

09324/20292

Bestellfax:

09324/20495

Bestellmail:

info@vier-türme.de


Z U M T H E M A

4

Gewalt in der Schule –

einmal anders betrachtet

Besorgt nehmen wir in unserem Land eine

zunehmende Gewaltbereitschaft unter den

Jugendlichen wahr. Das Thema „Gewalt in

der Schule“ und „Gewaltprävention“ steht

seit Jahrzehnten ganz weit oben auf der

politisch-gesellschaftlichen Themenliste. Es

vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien

nicht darüber berichten. Über die Gründe

der sich offensichtlich immer mehr zuspitzenden

Entwicklung wird viel nachgedacht,

geforscht und spekuliert. Ob dabei die in

den Kultusministerien beschlossenen Kürzungen

im Bereich der Jugendarbeit und

das Streichen der meisten Zuschüsse für die

Jugendverbände eine richtige Konsequenz

sind, darf bezweifelt werden. Die Wahrscheinlichkeit,

dass das hier eingesparte

Geld später durch erhöhte Ausgaben im

Justizbereich verdunstet, ist dafür umso

höher.

„Ich finde dich cool“ – Freundschaften gegen Respektlosigkeit

Gewalt ist notwendig

Das deutsche Wort „Gewalt“ kommt zunächst

einmal von „walten“, was soviel

bedeutet wie „verursachen“, „stark sein“,

„beherrschen“. Es ist ebenso verwandt mit

dem Wort „verwalten“, das von seiner mittelhochdeutschen

Wurzel her „ordnungsgemäß

führen“, „in Ordnung halten“, sowie

„betreuen“ meint. Auch der „Anwalt“ übt

„Gewalt“ aus. Unsere demokratische Verfassung

beruht auf der „Gewaltenteilung“.

Gewalt an sich ist also nichts Negatives

– im Gegenteil. Gewalt ist etwas Notwendiges.

Allein: wo sind die Räume und Möglichkeiten

an unseren Schulen, in denen die

Jugendlichen ihr eigenes Gewaltpotenzial

im Sinne von „stark sein“ und „sich stark

fühlen dürfen“ entdecken und erfahren

können? Das gilt vor allem für die männliche

Jugend.

Aggression und Gewalt nehmen immer mehr zu

Kontraproduktives Schulsystem

Unser derzeitiges Schulsystem – vor allem

was die höheren Schulen angeht, ist

kontraproduktiv in Bezug auf die gesunde

Entwicklung zu einer kraftvollen und von

daher ausgeglichenen Männlichkeit. Das

ganze schulische Lehr- und Lernsystem

ist viel mehr auf Mädchen zugeschnitten.


5

So hat man am liebsten ebenso „brave

Jungs“, die sich ruhig, fraglos und ohne

aufzufallen oder Probleme zu machen in

den Lernbetrieb einfügen. Die Entfaltung

ihrer körperlichen Kräfte und damit eben

auch ihrer Fähigkeit, Gewalt auszuüben,

wird durch die Lehrpläne erstickt, beziehungsweise

durch die Kürzungen im

Sportunterricht gar nicht erst ermöglicht.

Die in den Jugendlichen heranwachsende

Kraft muss aber gefördert werden, damit

sie sich nicht aufstaut, sondern gut fließen

kann. Da jedoch die Gewalt im „System

Schule“ keinen geachteten Platz hat,

sondern „nur“ eine geächtete Rolle spielt,

kann sich die ans Licht drängende Kraft

auch nicht auf legale Weise entfalten.

Ächtung hilft nicht

Eine Ächtung der Gewalt schadet aber

mehr, als dass sie hilft. Vor allem verstellt

sie den Blick auf die Gründe (besser: Abgründe)

unserer gesellschaftlichen Entwicklung

und Wirklichkeit.

Mit „Gewalt“ meinen wir in unserem heutigen

Sprachgebrauch eigentlich: „Zerstörung“.

Zerstörung aber ist nur eine von

vielen Gewaltfolgen. Sie tritt ein, wenn

die Gewalt im Verbund mit Respektlosigkeit

auftritt. Gewaltausübung aus einer

Haltung des Respekts heraus bewirkt das

genaue Gegenteil, nämlich eine lebensförderliche

Ordnung.

Das Grundübel:

Die Respektlosigkeit

Hier müssen wir ansetzen, wenn wir uns in

der Frage der „Gewalt an den Schulen“ aus

der Sackgasse heraus bewegen wollen. Das

Grundübel und die Wurzelsünde ist nicht

die zerstörerische Gewalttat, sondern das

sie ermöglichende und fördernde Klima der

Respektlosigkeit. Der einzelne Mensch mit

seinen eigenen Fragen zählt nicht mehr.

Eigenständiges Denken und Handeln ist

nicht wirklich gewollt. Begründet wird es

häufig mit dem Zwang zum Sparen, dahinter

aber steht meist als oberste Maxime

schlichtweg maximaler Profit – koste es

(die andern) was es wolle. In einem solchen

gesellschaftlichen Klima löst sich auch die

Achtung vor der Würde des Andern und

das Gespür für Recht und Unrecht auf. Unsere

gewalttätigen Jugendlichen machen

im letzten nur offenbar, welch zentrale

Aikidounterricht mit P. Jonathan am Egbert-Gymnasium

Rolle die profit-, macht- oder geltungsorientierte

Respektlosigkeit in unserer Gesellschaft

spielt.

Die Grundsehnsucht:

Geachtet zu sein

Beim genauen Hinsehen entpuppt sich

im Grunde jede Form (nicht nur) jugendlicher

Gewaltausübung als ein Schrei nach

Beachtung, nach geachtet sein und danach,

respektiert zu werden. Ein Mensch,

der sich in seinem Wesen, seiner Würde

und seiner Kraft als beachtet und geachtet

erfährt, hat es recht bald nicht mehr

nötig über andere verächtlich zu reden,

oder sie verächtlich zu behandeln.

Dies jedenfalls

zeigt die Erfahrung an

jenen Schulen, in denen

z. B. Kampf- oder Verteidigungskünste

wie Judo,

Karate, Taekwon do oder

Aikido angeboten werden.

Hier wird das Kraftund

Gewaltpotential der

Jugendlichen nicht abgelehnt,

sondern herausgefordert

und dadurch kultiviert.

Je ganzheitlicher

das Angebot einer Schule

ist und je mehr Ausdrucksmöglichkeiten

sie für ihre Schülerinnen und Schüler zur

Verfügung stellen kann, umso geringer

ist der Grad der mutwilligen Zerstörung

und der Respektlosigkeiten, die in ihr vorkommen.

Dafür auch die erforderlichen

finanziellen Mittel und personellen Kräfte

bereit zu stellen, wäre die effektivste

P. JONATHAN DÜRING OSB

geb. 1960 in Iphofen

Schulseelsorger an unserem

Egbert Gymnasium

Art unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu

machen.

Eine Schule der Menschlichkeit

Eine respektvolle und Respekt vermittelnde

Erziehung degradiert den jungen

Menschen nicht zum „Humankapital“,

„Standortfaktor“ oder zum – wenn auch

noch so hochbegabten – „Leistungsträger“,

sondern fördert ihn auch als Menschen.

Dieses Bemühen ist uralt und hochaktuell.

Benedikt von Nursia verstand bereits

vor 1500 Jahren sein Kloster u.a. als eine

Schule der Menschlichkeit. Sein Ziel war

der starke, freie und aufrechte Mönch mit

einem weiten Herzen für

seine Mitbrüder und einer

unstillbaren Sehnsucht

nach Leben, Lebendigkeit

und Gott. Der junge

Mönch musste dies aber

noch nicht von Anfang an

können, sondern bekam

im Rahmen klarer, maßvoller

Regelungen, die

ihm angemessene Zeit,

um dorthin zu reifen.

Wo Leben auf eine solche

Weise praktiziert und gelehrt

wird, werden auch

schöpferische Alternativen zur zerstörerischen

Gewalt gefunden. Der Teufelskreis

der Demütigung und Respektlosigkeit wird

unterbrochen. Die zunächst Gewalttätigen

bekommen damit die Chance nun mit ihrer

ganzen Kraft gewaltig tätig zu werden zum

Wohle aller. Etwas Besseres könnte unserer

heutigen Gesellschaft gar nicht passieren.


Z U M T H E M A

6

Früher war Moslem

für mich ein Reizwort

Moslems und Christen auf Mindanao

Die Insel Mindanao wurde seit dem 14.

Jahrhundert von Malaysia und Borneo aus

islamisiert. Im 16. Jh. verleibte sich Spanien

die Sultanate der »Moros«

(Mauren) ein, wie

die Muslime genannt

wurden. Die Insel sollte

die Kolonie der Philippinen

abrunden. Über

die Jahrhunderte gab

es immer wieder Auseinandersetzungen

zwischen

der islamischen

Bevölkerung und den

spanischen, seit 1902

amerikanischen Kolonialherren.

Ursprünge des Bürgerkriegs

P. GREGORY DAMONDAMON OSB

geb. 1967 in Davao/Mindanao/

Philippinen

Leiter des Studienhauses Davao

der Klostergemeinschaft von Digos

Im Jahr 1946 wurde dem philippinischen

Inselreich die Unabhängigkeit zugestanden.

Die Regierung förderte eine Bewe-

gung, die schon lange vorher begonnen

hatte: von den nördlichen Inseln zogen

Millionen von Einwanderern in den Süden

und nahmen die reiche und

fruchtbare Insel regelrecht

in Besitz. Dadurch ging die

islamische Bevölkerung prozentual

stark zurück (heute

ca. 25% von 20 Millionen

Inselbewohnern). Diese fühlte

sich von den christlichen

Einwanderern übervorteilt,

von der Regierung betrogen

und begannen, um ihre kulturelle

Identität zu fürchten.

Die wachsenden Spannungen

entluden sich zu Beginn

der 70er Jahre. Es kam zur

Gründung einer militanten

Rebellenbewegung, der MNLF (Moro National

Liberation Front). Diese strebte die

Gründung eines eigenen Staates, der Republik

»Bangsa Moro« (Muslimische Nation)

an. Der Bürgerkrieg schien 1996 ein Ende

zu finden: Präsident Fidel Ramos bewilligte

die Gründung einer Autonomen Muslimischen

Region in Teilen Mindanaos. Den Bewohnern

wurde eine weitgehende Selbstverwaltung

zugestanden und Aufbauhilfen

für die kriegszerstörten Gebiete.

MILF

Ein Teil der Rebellen wollte sich mit dem

Kompromiss nicht abfinden: Sie formten

eine neue Gruppe, MILF genannt (Moro

Islamic Liberation Force), die einen unabhängigen

islamischen Staat anstrebt. Auch

MILF zeigte sich jedoch zu Verhandlungen

bereit. Die Gespräche fanden im Februar

2000 ein jähes Ende, als Präsident Joseph

Estrada den Rebellen den »totalen Krieg«

erklärte. Diese politische Wende muss wohl

im Zusammenhang mit den Bemühungen

der USA gesehen werden, eine internationale

Front gegen den militanten Islam zu

schaffen. In den Trainingslagern der MILF

sollen auch Terroristen des al-Qaida-Netzwerkes

ihre Ausbildung erhalten haben,

was von den Rebellen freilich bestritten

wird. In harten Kämpfen konnten die Regierungstruppen

die Lager der Rebellen erobern,

die sich in unzugängliche Gebiete

zurückzogen. Bei den Gefechten wurden

überwiegend Zivilisten getötet. Hunderttausende,

vor allem Moslems, flohen aus

ihrer Heimat und wurden notdürftig in

Zeltstädten untergebracht. Unsere Klostergemeinschaft

beteiligte sich damals an der

medizinischen Betreuung der Flüchtlinge.

Terroristen und Banditen

Eines der Flüchtlingslager mit ca. 10.000 Bewohnern, das nach der Offensive vom Februar 2003

schnell eingerichtet wurde.

Die Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen

und Rebellen gehen weiter.

In der internationalen Presse werden

sie jedoch maßlos aufgebauscht. Es wird

der Eindruck vermittelt, als ob bei uns


7

Aparri

Dagupan

Luzon

Manila

Naga

City

Blau gekennzeichnet

ist die autonome Region

der Muslime von Mindanao.

Sie umfasst die Inseln Sulu,

Tawi-Tawi, die Provinzen Lanao

del Sur und Maguindanao,

wo der Anteil der islamischen

Bevölkerung besonders hoch ist.

Puerto

Princesa

Palawan

Calapan

aoana

Tawi-Tawi

Sulu

Panay

Diolo

Samar

Surigao

ili

Davao

nalSano

Mindanao

ununterbrochen gekämpft wird. Tatsächlich

beschränken sich die Gefechte auf

bestimmte Regionen und flammen auch

dort nur zeitweise auf. Zur schlechten Presse

hat vor allem die Abu-Sayyaf-Organisation

beigetragen. Die Presse spricht hier

von »islamischen Terroristen«. Es handelt

sich jedoch einfach um Kriminelle, die

sich durch Entführungen von Touristen

und Erpressungen persönlich bereichern

und politisch-religiöse Ideale nur vortäuschen.

Sowohl MNLF als auch MILF haben

die Abu Sayyaf und ähnliche Banden als

»unislamisch« abgelehnt. Inzwischen sind

die Friedensgespräche zwischen Regierung

und MILF wieder aufgenommen worden.

Im Vorfeld haben die Rebellen verstärkte

Hilfe im Kampf gegen die Abu Sayyaf zugesagt.

Präsidentin Gloria Arroyo konnte

ihrerseits die USA davon abbringen, die

MILF zur Terrorgruppe zu erklären. Gemeinsame

Übungen von Regierungstruppen

und amerikanischen Soldaten auf Mindanao

sorgen aber weiterhin für Unruhe bei

der islamischen Bevölkerung, die dies als

Provokation empfindet.

Auf kirchlicher Seite versuchen wir, den

religiösen Dialog mit der islamischen Bevölkerung

zu vertiefen. Dafür treffen sich

seit 1996 die Bischöfe und die islamischen

Führer von Mindanao regelmäßig. Die Teilnehmer

wollen geistig-geistliche Grundlagen

für den Frieden schaffen. Wie die

vielen gebrochenen Friedensabkommen

zeigen, reichen allein politische Interessen

und Überlebensangst nicht aus für ein harmonisches

Zusammenleben. Bei den Religionsgesprächen

wird auf der Grundlage

von Bibel und Koran an einer Kultur des

Friedens gearbeitet; öffentliche Erklärungen

verurteilen alle kriegerischen Handlungen.

Dieses Forum hat auch eine jährliche

Friedenswoche eingeführt und eine ganze

Reihe von interreligiösen Treffen. Die

Friedensarbeit hat spürbar mäßigenden

Einfluss. Ich merke es an mir selbst: als

Kind kam bei mir sofort ein negatives Bild

hoch, wenn das Wort »Moslem« fiel. Dieses

Gefühl von Misstrauen ist bei mir und

anderen jungen Christen über die letzten

Jahre zunehmend abgebaut worden.

Kirchliche Initiativen

Das Klosterteam von Digos bei der Ausgabe von Medikamenten in einem Flüchtlingslager.


Z U M T H E M A

8

Aus dem abgeschlagenen

Baumstumpf ersprießt neues Leben

Der Maji Maji Krieg des Jahres 1905 und die Benediktinermission

Es war vor dem Ausbruch des Krieges:

Im Jahre 1905 unternahm der junge Abt

Norbert Weber von St. Ottilien eine erste

Visitationsreise in Ostafrika.

Sein Reisebegleiter, P.

Cyrillus Wehrmeister OSB,

beschrieb nachher in dem

heute noch lesenswerten

Buch „Vor dem Sturm“ ihre

Erlebnisse und die kriegerischen

Auseinandersetzungen,

die unter dem Namen

Maji Maji bekannt wurden.

Für die Benediktinermission

im Süden des heutigen

Tanzania war dies in der

Tat ein gewaltiger Sturm.

Vier Stationen: Lukuledi, Nyangao, Peramiho

und Kigonsera wurden zerstört und

sieben Benediktinermissionare/innen verloren

ihr Leben, darunter der Gründer von

Peramiho, Bischof Cassian Spiss OSB.

ABT LAMBERT DÖRR OSB

Seit 1976 Abt

der Abtei Peramiho/Tansania

Was war Maji Maji?

Für die damalige deutsche Kolonialregierung

war es einfach ein

Aufstand gegen die deutsche

Herrschaft. Für die

Tansanier einer späteren

Generation war es der

Beginn des Kampfes um

die Unabhängigkeit.

In Wirklichkeit war dieser

Krieg ein letztes Aufbäumen

der Menschen im Süden

von Tansania gegen

all die Veränderungen,

welche die Kolonialherrschaft

mit sich gebracht

hatte, die Zerstörung der traditionellen

politischen, wirtschaftlichen und sozialen

Strukturen.

Die Überreste der ermordeten Missionare von

Mikukuyumbu (Bischof Cassian und Gefährten/innen)

aufgebahrt vor der Beisetzung in

der St. Josephs Kathedrale, Dar es Salaam.

Religiöse Hintergründe

Schwesternhaus Peramiho nach der Zerströrung

Sowohl zum Beginn als auch bei der Ausbreitung

von Maji Maji spielten traditionelle

religiöse Vorstellungen eine wichtige

Rolle. Es war eine religiöse Gestalt, ein

Prophet, der den Anstoß gab mit seinem

Aufruf zum Widerstand gegen die Fremdherrschaft

und der den Kämpfern durch

eine Medizin (dawa), eine magische Mixtur

von Wasser und Hirsekörnen, Unverwundbarkeit

versprach, da diese die deutschen

Kugeln in Wasser verwandeln würde. Daher

auch der Name der Bewegung: Maji Maji,

vom Swahiliwort Maji = Wasser. Diese Botschaft

wurde zu den verschiedenen Volksgruppen

im Süden des Landes gebracht

und von vielen angenommen, selbst als

erste kriegerische Auseinandersetzungen

sehr schnell die Unwirksamkeit der Medizin

erwiesen.

Für die Menschen im Süden Tansanias war

Maji Maji ein einschneidendes Ereignis.


9

Noch vor 40 Jahren berechneten Leute ihr

Alter nach diesem Kriege. Viele verloren

ihr Leben in dieser Auseinandersetzung,

aber noch weit mehr durch die gewaltsame

Unterdrückung der Bewegung, wobei

die deutschen Behörden eine Politik der

verbrannten Erde anwandten, die zu einer

großen Hungersnot führte.

Gefangene Wangonihäuptlinge nach Maji Maji (vorne rechts: König (nkosi) Mputa Gama)

Zerstörung der Missionen

Innerhalb kurzer Zeit war das Missionswerk

der Benediktiner zerstört und ihre jungen

Gemeinden zerstreut worden. Für die Missionare

gab es kein Fragen und Zögern. Es

galt den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen.

Dieser wurde durch die kriegsbedingte

Notlage der Menschen sehr erschwert.

In Peramiho unternahm die Gemeinschaft

alles menschenmögliche, um die Hungernot

zu lindern, wenn auch mit begrenztem

Erfolg. Nur mit Erschütterung kann man

das erste Totenbuch von Peramiho studieren,

wo sehr oft als Todesursache der

Hunger angegeben ist. In Kigonsera war

P. Johannes Häflinger OSB ein unerschrockener

Fürsprecher der hilflosen Menschen

gegen Willkür und Grausamkeit der Behörden,

die daraufhin vom Bischof seine

Versetzung erzwangen.

Es dauerte Jahre, bis die Situation wieder

normal wurde. Aber es zeigte sich, dass

sich die gesamte Lage mit Maji Maji von

Grund auf geändert hatte. Als der damalige

P. Cassian Spiss im Jahre 1898 Peramiho

gründete, legte er größten Wert auf

gute Beziehungen zu den verantwortlichen

Häuptlingen der Wangoni. Dabei schwang

die Hoffnung mit, dass mit deren Bekehrung

die Masse der Bevölkerung für den

christlichen Glauben gewonnen werden

könnte. Es gab hoffnungsvolle Anzeichen,

aber P. Cassian OSB musste 1902 mit

seiner Ernennung zum Bischof Peramiho

verlassen. Sein Nachfolger, der „sehr seeleneifrige“

P. Franziskus Leuthner OSB, hatte

nicht das gleiche Einfühlungsvermögen

und es kam bald zum offenen Konflikt mit

der regierenden Schicht der Wangoni.

Auch für die örtliche Bevölkerung hatte

sich die Situation mit Maji Maji grundlegend

gewandelt. Mit dem Scheitern der Bewegung

kam die Erkenntnis, dass die alten

Zeiten unwiederbringlich vorbei waren und

dass die Fremdherrschaft eine unumstößliche

Tatsache geworden war.

Die Katastrophe als Chance

So erwuchs aus der Katastrophe von 1905

für die Benediktinermission eine neue

Die zerstörte Kirche von Peramiho

Chance. Peramiho hatte im Jahre 1907

484 Christen, die bis 1916 auf 4372 anwuchsen,

eine Verzehnfachung. Hatte die

Mission vor Maji Maji einzelne gewinnen

können, so entwickelte sich danach eine

langsame, aber stetige Bewegung der Menschen

hin zur Mission und der von ihnen

verkündeten christlichen Botschaft. Diese

Bewegung wurde zu einem wahren Strom,

obwohl im Verlauf des 1. Weltkrieges die

Missionare ausgewiesen wurden. So scheint

sich wiederum der Wappenspruch des Klosters

Monte Cassino zu bewahrheiten: Succisa

virescit, d.h. aus dem abgeschlagenen

Baumstumpf ersprießt neues Leben.


Z U M T H E M A

10

Chancen und Grenzen

des interreligiösen Dialogs am Beispiel

von Hindus und Christen in Indien

Im 19. Jahrhundert erlebte der Hinduismus

eine Art Renaissance. Interessanterweise

war dies das Ergebnis der Begegnung mit

den Christen und ihren Lehren. Die Auseinandersetzung

mit dem Christentum war

gleichsam ein Spiegel und ermöglichte eine

Selbst-Entdeckung und eine Selbst-Kritik.

Die Selbst-Entdeckung bestand darin, dass

sich viele Hindus der großartigen Schätze

ihrer eigenen Traditionen bewusst wurden,

aber auch kritisch eine gewisse Starrheit

der eigenen Traditionen wahrnahmen.

Goldene Vergangenheit

oder Zukunftsorientierung

Diese Renaissance der Hindu-Traditionen

brachte zwei Strömungen hervor: eine, die

zurück in die Vergangenheit schaute und

die andere vorwärts in die Zukunft. Die

Strömung, die meinte, das goldene Zeitalter

in der Vergangenheit entdeckt zu ha-

Friedensdemo in Aachen

ben, hat heute so sehr zugenommen, dass

aus ihr diverse religiöse Gruppierungen

und auch politische Parteien hervorgegangen

sind.

Interessanter für den Interreligiösen

Dialog ist

die zukunftsorientierte

Strömung. Sie war am Anfang

massiv von den Ideen

des Westens und den Gedanken

des Christentums

beeinflusst. Die Kritik an

der hinduistischen Gottesidee

und noch mehr am PROF. DR. FRANCIS X. D’SA SJ

Kastenwesen der Hindu- geb. 1936 in Gokak Falls/Indien

Traditionen hat ihren Ursprung

in der Perspektive für Missionswissenschaften

Seit 2003 Gastprofessor am Lehrstuhl

des christlichen Gottes-, und Dialog der Religionen

Menschen- und Weltbildes.

Diese Strömung hat

an der Universität Würzburg

heute eher ein säkulares

als ein religiöses Kolorit angenommen:

Ihre Geschichte hätte möglicherweise eine

andere Richtung genommen, wäre das

Christentum des 19. Jahrhunderts offener

gewesen.

Denn gerade unter der

Kolonialherrschaft waren

die Kirchen und die

Missionare dem Hinduismus

gegenüber aggressiver

als heute. Es

gab selten Christen und

christliche Theologen,

die die Hindu-Bemühungen,

das Christliche

zu verstehen, wohlwollend

betrachteten oder

die Religion der Hindus

positiv würdigten. Dies

hat tiefe Spuren in den

Herzen der rechtgläubig

denkenden Hindus hinterlassen.

Auch die Bemühungen

der verschiedensten Hindu-

Theologen, bis hin zu Nobelpreisträger

Rabindranath Tagore, Gemeinsamkeiten

zu formulieren und aufeinander zuzugehen

wurden von christlicher Seite im 19.

Jahrhundert nicht angenommen.

Im 20. Jahrhundert ist die Situation in

das Gegenteil umgeschlagen, die Christen

öffneten sich den Hindu-Traditionen gegenüber.

Viele Hindus aber scheinen diese

Versuche zu ignorieren. Das ist nun keine

beleidigende Einstellung, sondern schlicht

der Ausdruck einer zunehmend säkularistischer

werdenden Mentalität. Zum anderen

haben die Hindus kein missionarisches

Sendungsbewusstsein und damit auch

kein großes Verlangen nach Dialog. Ihre

im großen und ganzen tolerante Haltung

gegenüber anderen Religionen hält weder

eine tiefere Bekanntschaft noch ein fundiertes

Wissen über andere Traditionen für

notwendig.


11

Vier Stufen des Dialogs

Was bedeutet dann heute „Dialog“ mit den

Hindu-Traditionen? Das Dokument „Dialog

und Verkündigung“ vom Päpstlichen Rat für

den interreligiösen Dialog spricht von vier

Arten des Dialogs: Erstens, vom Dialog des

Lebens, wenn die Menschen verschiedener

Traditionen harmonisch und vertrauensvoll

zusammenleben, zweitens vom Dialog des

gemeinsamen Engagements angesichts

der Lösung gemeinsamer Probleme; drittens

vom Dialog der Experten, der Zweifel

und Missverständnisse beseitigt sowie

schwierige Punkte klärt; und schließlich

viertens vom Dialog des spirituellen Austausches,

in dem es sich die Dialog-Partner

durch ihr Zeugnisgeben ermöglichen, in die

Glaubenswelt des anderen einzutreten.

Es ist unentbehrlich für den Gesamt-Prozess

des Dialogs, dass die Glaubensgemeinschaften

es lernen, miteinander zu leben

und zu arbeiten. Dies erzeugt Vertrauen

und Öffnung aufeinander hin. Erst dann

kann es im Dialog der Experten oder im

spirituellen Austausch fruchtbare Ergebnisse

geben. Der Philosoph, Theologe und

Mystiker Raimon Panikkar beobachtet, dass

Hindus im Gebet

Papst Johannes Paul II. im Gespräch mit Religionsführern

ein solcher Dialog auch eine Veränderung

in der eigenen Sinnsuche und Sinnfindung

mit sich bringt. Die eigene Verstehenswelt

erfährt Vertiefung und unser Glaubenshorizont

wird weiter und umfassender als

früher. Manches der anderen Religion wird

als sinnvoll und relevant

auch für uns

entdeckt.

Karma und

Christus

Panikkar hat etwa

die Zusammenhänge

zwischen dem

hinduistischen Karma-Gesetz

und der

geschichtlichen Dimension

des Menschen

ausgearbeitet.

Im Weltbild des

Karma geht nichts

verloren, alles wird

integriert in das

Ganze. Und umgekehrt:

Jedes Seiende,

jedes Ding, jedes

Geschehen wird

vom Gesamt-Karma

geformt und bestimmt.

Es gibt kein

Individuum und

kein Geschehen,

das vom Gesamt-Karma getrennt ist.

So ein karmisches Denken könnte ein

abendländisches Verständnis von Geschichte

relativieren, in dem der Mensch allein

den Mittelpunkt der Ereignisse ausmacht.

Auch die Christologie (Lehre von Christus)

wird dadurch erweitert. Die Christen kennen

vor allem das Gesicht des Christus,

das in der Person Jesu geoffenbart wurde.

Für Panikkar offenbart sich Christus immer

und überall. Panikkar bezeichnet dieses

neue Bild von Christus als den unbekannten

Christus des Hinduismus. Dieses Christusverständnis

ermöglicht es Panikkar, die

Eigenart der eigenen hinduistischen Glaubenswelt

aufrechtzuerhalten, ohne die für

Christen zentrale Absolutheit Jesu Christi

aufzugeben. Eine mögliche Dialogbasis.

Beeinflusst von den Hindu-Traditionen, die

mehr Wert auf Erfahrung als auf Glaubenssätze

legen, spricht Panikkar auch davon,

dass die Christologie nur die Schwelle

sei, die Christophanie (Erscheinung Christi)

aber das eigentliche Wohnzimmer. Im

Klartext: Jesus brachte uns an erster Stelle

nicht Lehren, sondern Leben. Auch wir sind

dazu berufen, unsere Gotteskindschaft zu

entdecken. Hier kann der interreligiöse Dialog

mit den Hindus für das persönliche

Glaubensleben neue Impulse setzen.


I N T E R V I E W

12

Es braucht einen

neuen Umgang miteinander

Franz Barthel (Bayerischer Rundfunk) im Gespräch mit P. Anselm Grün OSB

Gewalt auf Schulhöfen und im Gaza-

Streifen, im afrikanischen Kongo und auf

deutschen Autobahnen, man prügelt sich

inzwischen schon, auch wenn es nur um

einen Parkplatz geht. Ist diese ausufernde

Gewalt inzwischen ein typisches Attribut

für unsere Zeit?

Pater Anselm: Die Gewalt nimmt sicher zu

in unserer Zeit . Zur Frage, welche Ursachen

die Gewalt hat ? Ich denke Gewalt ist immer

Ausdruck von innerer Unzufriedenheit und

meistens gibt man Verletzungen weiter: Verletzte

Kinder verletzen andere. Die Aggressionen

auf der Autobahn sind ein Ausleben

von Aggression, die sich am Arbeitsplatz

aufgestaut hat oder in der Familie und die

muss man irgendwo „loslassen“.

Gab es früher auch viel Gewalt , die nicht

so bekannt wurde wie heute? Oder hat

sie schon erheblich zugenommen, Ihrer

Meinung nach?

Pater Anselm: Es gab immer Gewalt, was

zugenommen hat ist sicher die Gewalt von

Kindern. Und zum Aggressionspotential überhaupt:

Die Gesellschaft ist insgesamt rauer,

das Aggressionspotential größer geworden.

Ich denke, das hängt sehr stark auch mit dem

rauen Klima in der Wirtschaft zusammen, das

wirkt sich auch auf die Gesellschaft aus. Ich

denke, es wäre wichtig, dass wir uns auf unsere

Werte besinnen und einen menschlichen

Umgang in der Wirtschaft anstreben, mit moralischen

Appellen allein kann man Gewalt

nicht eindämmen. Es braucht einen neuen

Umgang miteinander.

Nun hat ja der einzelne wenig Chancen,

die Wirtschaft zu verändern. Was ist denn

an kleinen Schritten möglich?

Pater Anselm: Ich muss erst mal meine Aggressionen

spüren, dann ist die Frage, wie

kann ich sie angemessen abbauen. Früher

haben Kinder Aggressionen im Wald „ausgelassen“,

sie haben, in Grenzen, was angestellt,

mehr oder weniger schadlos. Heute

sitzen sie vor dem Fernsehapparat oder PC.

Drohende Gewalt muss ein Stück körperlich

abgearbeitet werden, durch Sport, Laufen,

Franz Barthel hinterfragt P. Anselm

Arbeit. Wie finde ich angemessene Wege,

das eine ist das aus-agieren des Körperlichen,

das zweite ist einfach, gut bei mir zu

sein, dem anderen keine Macht zu geben.

Der andere hat immer nur so viel Macht über

mich, wie ich ihm gebe. Deswegen muss ich

mich innerlich befreien und sagen, das ist

„sein Problem“ und ich brauche eine gute

Distanz zu den anderen, damit die anderen

nicht über mich bestimmen können.

Und wie stehen Sie dem Problem Gewalt

gegenüber? Sagen Sie, mein Gott, was ist

aus dieser Welt geworden, oder, hoffentlich

wird es nicht noch schlimmer?

Pater Anselm: Ich habe nach wie vor Hoffnung,

dass viele Menschen , die Gewaltfreiheit

nicht nur propagieren, sondern auch

vorleben, dass das wie ein Sauerteig wirkt.

Weil die Menschen spüren: Gewalt schafft

Gegengewalt und das gibt einen Teufelskreis,

eine Spirale von immer mehr Gewalt.

Ich habe Hoffnung, dass Menschen, die

den spirituellen Weg gehen, die versuchen,

friedlich miteinander zu leben, dass die wie

Sauerteig für die Welt sind.

Sehen Sie da eine besondere Herausforderung

für Christen, Vorreiter zu sein?

Pater Anselm: Auf jeden

Fall. Jesus hat ja

die Feindesliebe gepredigt,

das ist nach wie

vor höchst modern,

aber ich muss erst den

Feind in mir selber lieben,

bevor ich den Feind

außen lieben kann. Ich

denke Feindesliebe ist

der Verzicht auf diese

Weitergabe von Gewalt

. Insofern hat die

Kirche da eine ganz

wichtige Botschaft zu

verkünden, aber sie muss die auch vorleben

und das ist für mich die Herausforderung der

Kirche, Versöhnung vorzuleben, dann wird sie

auch wieder attraktiv und das bleibt nicht

ohne Auswirkung auf die Gesellschaft.

Haben Sie als Kind oder Jugendlicher einen

anderen mal, ohne für den erkennbaren

Grund, richtig vermöbelt ?

Pater Anselm: Nein, gewalttätig, nein, wir

haben gerauft, aber verhauen haben wir

einander nie. Wir kannten noch eine Grenze,

wir haben uns mehr sportlich gemessen.

Wenn wir Fußball spielten, dann haben wir

mit vollem Einsatz gekämpft, aber es war

immer auch ein Stück Fairness dabei.

Und sind Sie mal ordentlich her genommen

worden?

Pater Anselm: Nein, auch nicht. Natürlich

mal Streit gehabt, aber typisch unterlegen,

diese Ohnmachts- Haltung, die erzeugt ja

dann Rachegefühle, das hab ich nie erlebt.


P R O J E K T

13

Ein Flüchtlingslager

Erfahrungen mit Gewaltstrukturen im Grenzbereich

von Ruanda, Burundi, Uganda und Tansania

Wir haben hier in der Diözese von Rulenge,

in Ngara, zwei Flüchtlingslager, bekannt

als Lukole A und B, zu einem Flüchtlingslager

zusammengelegt. Die Menschen führen

ein Leben der Unterdrückung, fern von

Hoffnung und Glauben.

Im Flüchtlingslager selbst gibt es Menschen,

die verschiedene Arten der Macht

ausüben. Da gibt es die Leiter des Flüchtlingslagers,

Sicherheitsleute sowie Leute,

die für das Essen und die sanitären Einrichtungen

verantwortlich sind. Diese Menschen

haben die Macht, einem Flüchtling

im Flüchtlingslager Unterschlupf zu bieten

oder auch nicht. Diese Menschen haben

weiterhin die Macht, den Flüchtlingen

Nahrung oder andere notwendigen Dinge

zu verweigern. Sie haben die Macht, das

Flüchtlingslager zu leiten oder auch aufzulösen.

Die Flüchtlinge sind der Gnade

dieser Menschen ausgeliefert, da diese sich

zu Halbgöttern erheben können. Hinzu

kommen Korruption und andere Arten der

Ausbeutung und des Missbrauchs.

Physische und

psychische Gewalt

Was ich in den acht Jahren

mit den Flüchtlingen erfahren

konnte, ist, dass die einfachen

Leute ohne Probleme

in ihren Dörfern unter

Tutsis und Hutus leben können.

Diese Leute werden

jedoch von den Menschen

missbraucht, die um die

politische Macht kämpfen.

Die Menschen, die bereit

sind, unter einer guten Regierung

zu leben, werden missbraucht und

ihre Rechte werden gewaltsam angegriffen.

Man hört, dass jene bereit sind zu vergeben,

denen all dieses Leid in so vielen Jahren in

den Flüchtlingslagern angetan wurde.

Das Leben in Tansania, nahe der Grenze

zu drei Ländern wie Burundi, Ruanda

BISCHOF SEVERINE NIWEMUGIZI,

geb. 1956

Seit 1997 Bischof

von Rulenge/Tansania

und Uganda vermittelt

mir den

Eindruck eines

Lebens zwischen

einer Kultur des

Friedens und einer

Kultur der

Gewalt. Es gibt

einen großen Unterschied,

wenn

man in einem

Land mit einer

Kultur des Friedens

– wie Tansania

eines ist

– oder in einem

Land, in dem eine Alltag im Flüchtlingslager

Kultur der Gewalt

herrscht lebt, so wie es in den genannten

drei Nachbarländern der Fall ist. Krieg ist

wahrscheinlich die höchste Form der Gewalt,

die ich jemals erfahren musste. Im

Jahr 1979 musste ich fliehen. Ich war mit

anderen Seminaristen des Theologischen

Seminars von Ntungamo

67 km zu Fuß unterwegs,

als Idi Amin von Uganda

in Tansania einmarschierte

und Bomben auf die Stadt

Bukoba werfen ließ. Zuvor

hatten wir lediglich gehört,

dass Idi Amin gegenüber

seiner Bevölkerung in

Uganda sehr grausam war.

Nun wollte er seine Macht

auf Teile von Tansania ausweiten.

Damals konnte ich

für kurze Zeit erfahren, wie

die meisten der Flüchtlinge

leben müssen und welche Erfahrungen

sie oft über Jahre machen.

Der Heilige Vater Johannes Paul II hat wiederholt

gesagt: “Ohne Gerechtigkeit und

ohne Vergeben wird es keinen Frieden

geben.“ Wir müssen diese weisen Worte

in uns bewahren und hart dafür arbeiten,

die Kultur des Friedens kultivieren und die

Kultur der Gewalt begraben. Kardinal Carlo

Martini hat die Worte des Papstes wie

folgt kommentiert: “Wenn wir uns an den

falschen Personen rächen, endet dies in

einer Spirale der Gewalt wie dies z. Zt. der

Fall in Israel, Burundi, Ruanda, Kongo und

Nordwest-Uganda ist.“

Wir bitten um eine Spende

für die täglichen Anliegen

im Flüchtlingslager

in der Diözese Rulenge

z. B. für: Essen € 2,50/Person

Zeltplanen € 20,00/Stück

Medizin € 130,00/Tag

unter dem Stichwort:

Flüchtlingslager

auf Ihrem Überweisungsträger.

Im Namen von Bischof Severine

sagen wir herzlichen DANK


B E R I C H T

14

Unser Haus

in den Vereinigten Staaten

70 Jahre Benedictine Mission House

Nicht nur in Afrika und Asien haben die

Missionsbenediktiner ihre Niederlassungen.

Auch in den USA gibt es das Priorat

Christkönig in Schuyler /

Nebraska, ein abhängiges

Haus der Abtei Münsterschwarzach.

Im März 1935 trafen die

ersten Benediktiner auf

Einladung des damaligen

Bischofs von Omaha

in Schuyler ein. Bischof

Joseph Francis Rummel

hatte gehört, dass unsere

Mitbrüder nach einer

ständigen Bleibe in

den Vereinigten Staaten

suchten. Schon Ende der

zwanziger Jahre besuchten die Brüder Plazidus

Husslein, Felix Meckel und Egbert

Backer deutsch-amerikanische Katholiken.

Während der Nazi-Zeit war es fast

unmöglich, Spenden zum Unterhalt der

Missionen aus Deutschland ins Ausland

zu senden. So suchten Abt und Mönche

von Münsterschwarzach auch in Amerika

neue Geldquellen. Außerdem dachten

sie an die Möglichkeit, den Missionaren

dort eine Bleibe zu gewähren, sollte eine

Rückkehr nach Hitlerdeutschland ausgeschlossen

sein.

BR. TOBIAS DAMMERT OSB

Geb. 1948 in Karlsruhe.

Seit 1974 in Schuyler (Nebraska, USA)

als Mitarbeiter

in der Missionsprokura tätig.

se Arbeit und Kontakte unserer Mitbrüder

wuchs die Liste der Spender und Freunde

stetig an.

Vorbildlich

Energiesparend

Im Jahr 1974 bekam die

Gemeinschaft fünf Hektar

Land vier Meilen nördlich

von Schuyler geschenkt.

Man entschloss sich unter

P. Herman Kornbrust

OSB dort zu bauen. Am

16. September 1979

wurden das neue Kloster

und die Prokura eingeweiht.

Das Gebäude ist

teilweise in den Hügel gebaut, manche

der Dächer sind begrünt, um Energie zu

sparen. Der Klostertrakt zählt 14 Zimmer,

Gemeinschaftsräume, Bibliothek und ein

Gästeflügel mit vier Zimmern. Die Kapelle

ist das bauliche Bindeglied zwischen

Kloster und Prokura. Hier trifft sich die

Mönchsgemeinschaft fünfmal am Tag zu

Chorgebet und Eucharistiefeier. Wenn

eine größere Gruppe mit den Mönchen

Eucharistie feiern möchte, wird die größere

Kapelle im Exerzitienhaus St. Benedict

Center benützt.

Bekanntes Exerzitienhaus

Das St. Benedict Center öffnete die Tore für

die ersten Gruppen im Juni 1997. In kurzer

Zeit hat es regional und landesweit bei

den verschiedensten christlichen Kirchen

als Tagungsstätte an Popularität gewonnen.

Das Kloster bietet Exerzitienkurse und

Tagesprogramme in eigener Regie oder mit

bekannten Referenten an.

Reisebrüder

sammeln Spenden

Schon vom Anfang an gab es die Einrichtung

der Reisebrüder. Fünf Mitbrüder waren

jährlich bis zu neun Monate in Sachen

Missionswerbung unterwegs. Sie bereisten

fast alle Staaten, um neue Wohltäter zu

werben oder alte Kontakte zu pflegen. Die

Patres übernahmen oft lange Urlaubsund

Krankheitsvertretungen in Pfarreien,

meist außerhalb von Nebraska. Durch die-

Das Exerzitienhaus zieht viele Menschen an


15

Die Gemeinschaft

Zur Hausgemeinschaft gehören derzeit:

P. Germar Neubert (Prior), Br. Vianney Rentmeister

(Küche, zeitweise „Reisebruder“),

P. Volker Futter (Subprior, Cellerar und Prokurator),

Br. Tobias Dammert (Missionsprokura,

Berufswerbung, Liturgie), P. Thomas

Leitner (Leiter des Exerzitienhauses, Novizenmeister),

Br. Andrew Fuller (Buchladen,

Sakristei), P. Paul Kasun (Novize, Hispanic

Ministry) und Br. Gabriel Guthrie (Novize).

Zu Beginn des Jahres 2005 sind zudem acht

Mitarbeiter/innen angestellt für die Prokura,

Druckerei, Hausmeisterei und Haushalt.

Herausforderungen

der Zukunft

St. Benedikt steht über allen – Luftaufnahme von Kloster (unten) und Exerzitenhaus

In den letzten zehn Jahren hat Schuyler

eine gewaltige ethnische Umstrukturierung

erlebt. Fast 46 Prozent der

Bevölkerung kommen inzwischen aus

Mexiko, Nicaragua, Honduras und anderen

südamerikanischen Nationen. Die

Pastoralarbeit unter den neuen Einwanderern

ist eine Herausforderung an die

Kirche. Pater Paul, eingetreten in unsere

Gemeinschaft im August 2003, hat die

Hispanic Community seelsorgerlich als

Diözesanpriester betreut und half seinen

Pfarrkindern bei diversen Einwanderungsproblemen

und anderen Nöten.

Diese Aufgabe soll er als Benediktiner

nun weiterführen.

Mit dem allgemeinen Rückgang von Ordens-

und Priesterberufen geben wir nicht

die Hoffnung auf, dass junge Männer den

Weg zu uns Missionsbenediktinern finden.

In den letzten zwei Jahren haben sich einige

Männer und Frauen unserer Gemeinschaft

als Weltoblaten angeschlossen. Unsere

Aufgabe wird weiterhin die Sorge für

die Menschen sein: für jene, die zu uns

zur geistlichen Begleitung kommen und im

Exerzitienhaus einen Ort der Stille suchen

und finden. Weiterhin gilt unser Engagement

den Aufgaben unserer Kongregation

im Dienst an den Menschen in Afrika,

Asien, Amerika und Europa.

Weitere Informationen über

Benedictine Mission House,

Schuyler

(Nebraska, USA)

finden Sie im Internet unter:

http://www.stbenedictcenter.com

Hintere Reihe v.l.n.r.: Br. Andrew, Br. Vianney, P. Thomas, Br. Tobias

Vordere Reihe v.l.n.r.: P. Prior Germar, Abt Fidelis, P. Volker. Nicht mit auf dem Foto sind P. Paul

und Br. Gabriel, die derzeit in anderen Abteien ihre Ausbildung machen.


N A M E N U N D N A C H R I C H T E N

16

DOPPELJUBILÄUM

Pater Sebastian Rothler feiert am 3. April

sein 40jähriges Priesterjubiläum

und am 12. September sein 40jähriges Missionsjubiläum.

1935 in Nürnberg geboren, trat er 1955 in

Münsterschwarzach ein. Seit 40 Jahren ist

P. Sebastian Missionar in der Abtei Waegwan/Südkorea.

Am 12. September begeht

er sein 40jähriges Missionsjubiläum. Nach

seelsorgerlichen Einsätzen in Pfarreien und

als Regens im Seminar Waegwan fand er

seine Lebensaufgabe in der Medien- und

Pressearbeit. Mit großem Engagement und

Einsatz ist er in Korea der Medienexperte

im kirchlichen und religiösen Bereich, mit

immer neuen Ideen für Filme und Publikationen.

Seit 1993 ist er auch Leiter des

Video-Centers in Waegwan

Pater Oswald Morgott begeht am 13. Mai

den 70. Jahrestag seiner Ordensprofess.

Er ist in Raitenbuch (Kreis Weißenburg)

geboren. Nach dem Besuch unserer Internate

und Gymnasien trat er 1934 in unser

Kloster ein und empfing 1939 die Hl.

Priesterweihe. Während des Krieges war er

Kaplan in den Pfarreien in Zellingen, Gemünden

und Schweinfurt/St. Kilian. Danach

studierte er an der Universität München-Weihenstephan.

Das Studium schloß

er als Diplom-Landwirt ab. Von 1950 bis

1985 war er Ökonom der Abtei, zuständig

für die Landwirtschaft und Gärtnerei und

die Nahrungsbetriebe wie Bäckerei, Metzgerei,

Küche, Kellerei und für die Handwerks-

Betriebe. Diese Tätigkeit, besonders auch im

Personalbereich, erforderte viel Einfühlungsvermögen

und Fürsorge, was Pater Oswald

zur Zufriedenheit aller sehr gut gelang. Als

er sein Rentenalter erreichte, setzte er sich

noch nicht zur Ruhe, sondern er übernahm

von 1986 - 1995 die Leitung des Klostergutes

Kaltenhof bei Schweinfurt.

Bruder Ignatius Sauer feiert am 13. Juni

sein 70jähriges Professjubiläum.

Er ist am 10. September 1915 in Lülsfeld

geboren, er kann also noch in diesem Jahr

seinen 90. Geburtstag feiern. Seit 1930

ist er in Münsterschwarzach und erlernte

bei uns den Gärtnerberuf. Während des

Krieges musste er Wehrdienst leisten und

konnte erst 1948 aus der Gefangenschaft

nach Münsterschwarzach zurückkehren.

Von 1951 bis 1964 war er in der Gärtnerei

und Landwirtschaft in St. Ludwig tätig,

anschließend war er beim Aufbau des Marienhofes

in Krandorf/Opf. eingesetzt. Ab

1967 wirkte er wieder in Münsterschwarzach,

beim Obstbau, in der Kellerei und

Brennerei und als Imker bei den Kloster-

Bienen. Er versorgte seine Mitbrüder mit

vielen nahrhaften und gesunden Sachen.

Bundeskanzler Helmut Kohl schätzte bei

seinen Klosterbesuchen den von Bruder

Ignatius hergestellten guten Kloster-Apfelmost.

Trotz seiner nun fast 90 Lebensjahren

ist Bruder Ignatius noch täglich mit

viel Elan bei kleineren Arbeiten im Klosterbereich

anzutreffen.

Bruder Cornelius Hell legte vor 65 Jahren,

am 9. Mai 1940, seine Profess ab.

Er ist im nahen Großlangheim geboren

und erlernte in Münsterschwarzach

das Zimmererhandwerk. 1935 trat er in

unsere Gemeinschaft ein. Schwerstverwundet

kam er 1946 aus der Kriegsgefangenschaft

zurück. Seine Lebensaufgabe

wurde die Klosterverwaltung.

Bruder Cornelius ist dort seit 1948,

also seit über 57 Jahren unermüdlich

tätig. Sowohl als exzellenter Verwaltungs-

und Versicherungsfachmann, als

auch gefragter Seelsorger. Er steht den

Menschen in ihren Anliegen und Lebensfragen

mit Rat und Tat zur Seite.


17

Bruder Kilian Iff

feiert am 10. Mai sein

50jähriges Professjubiläum.

Er ist in Retzstadt (Kreis Main-Spessart)

geboren. In seiner Jugendzeit war er im

elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb tätig.

Im Jahr 1953 wurde er in unsere Abtei

aufgenommen. Sein ganzes Klosterleben

lang war er in der Landwirtschaft eingesetzt.

Im Kuhstall in Münsterschwarzach,

auf dem Kaltenhof bei Schweinfurt und im

Klostergut Kemphausen/Oldenburg. Bruder

Kilian ist ein Landwirt mit Leib und

Seele und hatte immer ein großes Herz für

„seine Tiere“.

Gott, der Herr und Hirte unseres Lebens, nahm

am 14. Januar 2005 unseren Mitbruder

P. Ignatius (Ludwig Joseph)

Bockreiß OSB

Am 24.3.2005 ging in das österliche Licht unser

lieber Mitbruder

P. Johannes (Edmund) Hahner OSB

Nach dem Abitur bat er am 3.11.1937 um Aufnahme

in die Abtei Münsterschwarzach, wo

schon am 8. dieses Monats das Noviziat für

ihn begann. Die Zeitliche Profeß legte er am

Bruder Philipp Iff

feiert am 10. Mai sein

50jähriges Professjubiläum.

Bruder Philipp Iff, ist der Cousin von Br.

Kilian Iff und stammt auch aus Retzstadt.

Er arbeitete daheim im elterlichen landwirtschaftlichen

Betrieb mit. Nach dem

Klostereintritt war er bis 1961 in der Landwirtschaft,

vor allem als Melkermeister tätig.

Aus gesundheitlichen Gründen mußte er

diese liebgewordene Aufgabe beenden und

er fand neue Beschäftigung in den klösterlichen

Betrieben Elektro-Werkstätte, Goldschmiede

und Missionsprokura, wo er als

„guter Praktiker“ wertvolle Arbeit leistete.

in sein Reich. Ludwig wurde am 29.8.1912 in

Mainsondheim geboren. Nach der Volksschule von

1919 bis 1926 entschloß er sich schon für seinen

künftigen Beruf: er lebte und lernte in unseren

Seminarien St. Ludwig am Main und St. Benedikt

in Würzburg ab 1926. Am 30. April 1936 wurde er

ins Noviziat aufgenommen. Nach seiner Zeitlichen

Profeß am 1. Mai 1936 widmete er sich dem Theologiestudium

an der Universität Würzburg und

schloß sich am 10. April 1939 durch die Feierliche

Profeß der Abtei Münsterschwarzach an. Am 17.

März 1940 empfing er die Priesterweihe; sie war

die letzte vor der Aufhebung der Abtei durch die

nationalsozialistischen Machthaber.

9.11.1938 ab. Er mußte am 2.12.1939 zur Infanterie

nach Coburg. Es kam dann zu Einsätzen

in Frankreich und in Rußland – bis hin nach

Stalingrad (1942). In Italien schließlich geriet er

im Juli 1944 in Gefangenschaft. Der 10.3.1947

wurde zum Tag seiner Entlassung und zur „Rückkehr

nach Münsterschwarzach“.

Nun konnte er sein Studium, der Philosophie

und Theologie in Würzburg vorsetzen; Ewige

Profeß am 21. März 1949. Am 9. Juli 1950 wurde

er zum Priester geweiht. Seine erste Tätigkeit:

Präfekt und Erzieher im Internat St. Benedikt

in Würzburg; 1955 bis 1963 war er als Regens

auch Leiter dieses Hauses.

Im Jahre 1963 begann für P. Johannes ein neuer

Lebensabschnitt. Die Abtei Münsterschwarzach

beabsichtigte eine klösterliche Niederlassung

Pater Konrad Göpfert

vor 50 Jahren in die Mission

ausgesandt.

Pater Konrad Göpfert wird im fernen Ostafrika,

in der Abtei Ndanda/Tansania am

14. April sein 50jähriges Missionsjubiläum

begehen. Er ist in Rimpar bei Würzburg geboren.

1947 trat er in unser Kloster ein. 1953

wurde er vom damaligen Würzburger Bischof

Julius Döpfner zum Priester geweiht. Pater

Konrad ist nun seit 1955 als begeisterter und

begeisternder Missionar tätig. Er war in dieser

Zeit vor allem in der Seelsorge in Pfarreien

eingesetzt. Seit 1996 ist er Pfarrer in Nangoo

und auch geistlicher Begleiter der jungen

afrikanischen Mitbrüder in der Abtei.

Nach dem Ende der Schreckensherrschaft kehrte

er in seine wiedererstandene Abtei zurück

und widmete sich Aufgaben wie Exerzitien und

Einkehrtagen. Von 1950 bis 1955 war er dann

als Lehrer in St. Ludwig tätig.

Von 1963 bis 1974 war er in unserer klösterlichen

Neugründung Damme. Ab 1975 wurde

er Hausgeistlicher bei den Dillinger Schwestern

auf der Franziskushöhe bei Lohr am Main.

Im Jahre 1993 kehrte P. Ignatius in seine Abtei

zurück. So lebte er in Geduld seine letzte Zeit in

der Krankenabteilung, bis Gott ihn von seinen

Leiden erlöste.

zu eröffnen. P. Johannes und einige Mitbrüder

bildeten die Gründungsmannschaft. Mehr und

mehr konsolidierte sich diese Gründung, so daß

sie 1980 in den Rang eines Priorates erhoben

werden konnte. Erster Prior dieses Hauses „St.

Benedikt in Damme“ wurde der „Mann der

ersten Stunde“, der unermüdliche und niemals

verzagende P. Johannes.

Nach fast vierzigjähriger Abwesenheit kehrte er

am 29.11.2001 ins Frankenland zurück.

Schaut man zurück über die Jahrzehnte und

denkt man an P. Johannes, so kommt einem

das Wort in den Sinn: „Gastfreundschaft“. Es

war dies sein Charisma. Zuwendung, und dem

anderen etwas von Herzen gönnen. Und Güte.

Wie oft hat er diese verschenkt, die er nun

„schauen darf im Lande der Lebenden“.


D A N K / S E R I E

18

Wie ein Dorf

zu Hunger kam -

Ein Wort des Dankes

Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.

Es ist sehr ermutigend, wenn so viele

unserer Freunde unsere Aufgaben zu den

ihren machen.

Als wir von der Hungersnot

in einem afrikanischen

Dorf berichteten, kam uns

die Idee, nicht erst zu warten,

bis eine Not eintritt,

sondern besser einen Fond

anzulegen, der bereit steht,

wenn Hilfe nötig wird.

Dann können wir sofort

Hilfe leisten. Es dauert ja

immer eine geraume Zeit,

bis Mittel nach einem

Hilfsaufruf zusammenkommen. Die Flutkatastrophe

in Asien hat gezeigt, wie schnell

BR. DR. ANSGAR STÜFE OSB

Kongregationsprokurator

und plötzlich Notfälle auftreten können. Im

Fernsehen erschreckten vor allem die Bilder

von den vielen Toten. Es ist bedrückend,

aber doch wahr, dass wir

den Toten nicht mehr

helfen können. Die verwüsteten

Felder dagegen

sind eine Bedrohung für

die Zukunft. Wir sind jetzt

in der Lage, Menschen so

lange zu unterstützen, bis

sie wieder eine eigene

Ernte haben.

Darüber hinaus wollen

wir aber Afrika nicht vergessen.

In Afrika bringt

das Klima regelmäßige Trockenperioden

und Überschwemmungen mit sich. Oft

treten diese Wetterextreme nur punktuell

auf. Deshalb sind unsere Mitbrüder vor Ort

in der Lage, gezielt zu helfen. Ihre Spenden

kommen also nicht in einen großen Topf,

sondern werden ganz gezielt dort verwendet,

wo eine Not auftritt. Eine Spende von

10 € reicht für die Ernährung einer Person

über drei Monate. Das klingt fast unglaublich,

aber etwas Gemüse und Obst gibt es

in jedem Dorf. Man muss nur Reis oder

Mais dazukaufen. Mit den eingegangen

Mitteln könnten wir also schon einem kleinen

Städtchen über eine Hungersnot hinweghelfen.

Wir können das leisten, weil wir

im Fall einer akuten Notlage keine teuren

Sondereinsatzgruppen schicken müssen,

sondern unsere Mitbrüder und Partner vor

Ort sofort helfen können. Unsere Mitbrüder

in Ndanda schickten ihre Lastwagen in die

Nachbarregion zum Einkauf und verteilten

dann die Lebensmittel an die Hungernden.

Genauso taten wir es für das Dorf Ifinga.

So kommen Ihre Spenden ohne große Abzüge

direkt bei den Bedürftigen an.

Wir Benediktiner sind nur die Mittler. Wir

leihen denen eine Stimme, die sich sonst

kein Gehör verschaffen können. Sie, unsere

Freunde, haben auf diese Stimme gehört

und wir dürfen Ihnen ein Wort weitergeben:

DANKE

Wir verkündigen Christus

als den Gekreuzigten

(1, Korinther, 1,23)

Es ist schick, ein

Kreuzchen zu tragen.

Ein dezentes,

gut gestyltes

kleines Kreuz, das

kaum zu übersehen

ist und nicht auffällt,

dem aufmerksamen

Betrachter

und Kenner aber

nicht entgeht. Dieses

kleine Kreuz ist

Träger einer großen Botschaft, Symbol einer

ganzen Weltanschauung, einer Sinnstiftung,

wie sie der Mensch braucht.

P. BASILIUS DOPPELFELD OSB

Priorat Damme/Niedersachsen

Was bei dem Einen nur von gutem

Geschmack zeugt, ist für

den Anderen ein unverkennbares

Zeugnis, ja Bekenntnis: Hier

kommt ein Christ, einer, dem der

gekreuzigte Jesus etwas bedeutet,

ja, der sich zu diesem Kreuzträger

bekennt, indem er ein

Kreuzchen trägt.

Das Kreuz ist der Mittelpunkt

der christlichen Botschaft, das

Kreuz, an dem Jesus von Nazareth hingerichtet

wurde. Damit war aber nicht

Schluss, nicht zur Zeit Jesu und auch heute

nicht. Das Kreuz ist nicht nur eine grausame

Form der Todesstrafe vor zweitausend

Jahren und auch heute noch manchmal.

Das Kreuz ist durch Jesus und an ihm

zum Zeichen des neuen Lebens geworden,

wie wir Christen bekennen, wenn wir nach

dem Karfreitag Ostern feiern und dieses

Ostern zum Mittelpunkt unseres Glaubens

machen.

Wir können und wollen nicht leugnen, dass

nicht alles im Leben schön und angenehm

ist. Wir schließen nicht unsere Augen und

Ohren vor Unrecht und Hass, vor Schmerz

und Leid. Wir zweifeln manchmal, aber

wir verzweifeln nicht. Für uns gibt es nach

Kreuz, Leid und Tod die Auferstehung – das

ist unsere Botschaft.


K I N D E R S E I T E

Folge 10

Endlich war sie da, die langersehnte

Reise. Wie hatten unsere Drei 19

darauf gefiebert, und nun saßen

sie auf dem Rücksitz des Geländewagens

und drückten sich die

Nasen an der Scheibe platt. Es gab

einfach sooo viel zu sehen. Aber

wie kam es zu dieser Safari? Katis

Vater musste in den Norden und

wollte die Familie mitnehmen. Da

hatte Kati so lange gebohrt und

gebettelt, bis Matata und Bahati

mitfahren durften. Das war Freude

pur. Ihre erste Station sollte der

Kilimanjaro sein – Afrikas höchster

Berg mit seinem schneebedeckten

Gipfel. Ha, dachte Kati, den Berg

muss man von weitem sehen, denn

er ist fast 6000m hoch. So wurde

ein Wettspiel daraus: Wer würde

den Berg wohl als Erster sehen?

Doch wie sie auch ihre Augen hin

und her flitzen ließen, ein schneebedeckter

Berg wollte einfach

nicht auftauchen. Matata dachte,

hoffentlich haben wir uns nicht

verfahren.

„So Kinder,“ meinte plötzlich Katis

Vater, „jetzt beginnt der Aufstieg

zum Kilimanjaro!“ Ein dreifaches

„Wo ist er?“ war die Antwort.

„Der Gipfel, der ist über uns in den Wolken. Vielleicht haben wir

Glück und der Gipfel zeigt sich.“ Kati sprach aus, was alle dachten:

„Das ist doch doof. Jetzt haben wir uns so auf den Schnee

vom Kilimanjaro gefreut, und nun versteckt er sich vor uns.“

Auch am Abend schauten die Kinder zum Himmel empor, dort wo

der weiße Gipfel sein sollte. Aber alles war nur grau in grau. Ganz

traurig gingen sie zu Bett. Matata träumte, er stände mit Kati und

Bahati im Gipfelschnee und sie würden einen Schneemann bauen,

obwohl er ja noch nie Schnee angefasst hatte. Aber im Traum ist

alles möglich.

Früh am Morgen schlich sich Matata aus dem Haus. Kühl war es und

ein Wildbach rauschte in der Nähe. Matata hob langsam den Kopf

und dann sah er ihn, den Gipfel des Kilimanjaro, Kibo genannt, mit

seiner Schneehaube, die rötlich in der Morgensonne schimmerte. Wie

ein geölter Blitz sauste er zurück und rief: „Der Berg, der Berg, er

ist da!“ Da standen sie alle draußen und konnten sich nicht satt

sehen. Der Berg hatte sie verzaubert und in seinen Bann geschlagen,

bis Bahati plötzlich meinte: „Wenn wir den Kibo gestern gesehen

hätten, würden wir jetzt nicht so staunen.“ – „ Ja, da hast du

recht. Durch das Warten ist der Kilimanjaro viel schöner geworden,“

sagte Matata und bewunderte das Naturschauspiel.


D A S P O R T R A I T

20

STECKBRIEF

Name: Bruder Pascal (Johannes) Herold OSB

Geb.: 1964 in Scheßlitz/Oberfranken

Abitur: 1984

Bundeswehr: 1984 – 85, Panzerschütze

Ausbildung: 1987 – 90, Krankenpfleger

Klostereintritt: 1991 in Münsterschwarzach

Studium: 1993 – 98, Theologie – Universität Würzburg

Ewige Profess: 1998

Priesterweihe: 1999

Praktika: Pfarrseelsorge Gemeinde Schwarzach und Gefangenenseelsorge JVA Würzburg

Mission: 1999 – 2002 in der Abtei Ndanda/Tansania

z. Zt. Leiter des Gästehauses der Abtei Münsterschwarzach/

Koordinator für Berufe Pastoralarbeit

Meine Meinung:

Menschen tun sich und anderen in vielfältiger Weise Gewalt an. Viele können das selbst nicht begreifen, doch

handeln sie so. Während des JVA-Praktikums begegneten mir Gefangene, die über ihr Nichtverstehenkönnen

reden wollten und dankbar für ein offenes Ohr waren. Manche müssen sich „Gewalt antun“, um offen sprechen

zu können und brauchen die Gelegenheit dazu.

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