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reichische Werbefilm - Filmarchiv Austria

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Österreich

Filmdokument 15.10.2011, 19:30

Projektvorstellung »Der österreichische

Werbefilm«

Werbefilme sind Teil der österreichischen Erinnerungskultur, Unternehmens- und Filmgeschichte.

Lange Zeit waren diese kleinen filmischen Kunstwerke und aufschlussreichen

historischen Dokumente vergessen, gingen nicht selten verloren. In einem umfassenden

Projekt sichert das Filmarchiv Austria den umfangreichen Werbe- und Industriefilmbestand.

Gemeinsam mit führenden österreichischen Unternehmen, Filmkünstlern und Werbefilmproduzenten

wird das Werbefilmschaffen film-, wirtschafts- und kulturhistorisch ausgewertet

und ediert.

Es kuratiert Karin Moser

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DARF ICH UM FEUER BITTEN?

Der Traum vom kleinen und großen Glück,

erotische Phantasien, Freiheit und Abenteuerlust,

lukullische Genüsse, Fernweh und Erlebniswelten,

aber auch Vertrauen und Sicherheit: Die Werbewelt

weckt Wünsche und rückt deren Erfüllung in

fühlbare Nähe. Unsere Emotionen sind in Aufruhr,

alle Sinne sensibilisiert. Geschmäcker und Gerüche,

Geräusche und Bilder, Glücksmomente und

Kindheitserinnerungen werden lebendig.

Produkte und klangvolle Marken sind Teil unserer

(nationalen) Identität geworden. Markante Werbespots

und Slogans erweisen sich sogar als Pfeiler

unserer persönlichen Erinnerungskultur, abrufbar

und emotionsgeladen. Die österreichische Wirtschaft

hat früh, wenn zu Beginn auch zögerlich,

auf die sinnesfreudige Kraft des Laufbilds gesetzt.

Der erste erhaltene heimische Werbefilm WIE

NINETTE ZU IHREM AUSGANG KAM

(A 1913) feiert bald seinen 100. Geburtstag. Einer

der bedeutendsten Auftraggeber der Werbefilmbranche

war seit den 1920er-Jahren die Österreichische

Tabakregie (heute JTI/Austria Tabak).

»Orientalische Wunder« wurden verkauft, eine

Erleichterung des Alltags garantiert. Noch in den

1950er-Jahren warb man mit dem patriotischen

Slogan »Rauchen für Österreich«, um dem Schleichhandel

entgegen zu wirken. Für jede Ziga rettenmarke

wurde ein eigenes Ambiente kreiert, einem

speziellen Lebensstil entsprechend – ob sportlichleger

oder elegant-weltgewandt, ob lebenshungrigfreiheitsliebend

oder männlich-erotisch.

Über sinnliche Weiblichkeit wird seit Jahrzehnten

für die Traditionsmarke Palmers geworben, die

1937 erstmals auf den Film als Werbemittel setzte.

Die legendären (schon 1943 filmisch beworbenen)

Palmers-Gutscheine und -Münzen erleichtern

filmheft # 7 67

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Österreich FILMDOKUMENT

»Mann« nicht nur das Schenken – jede Frau wählt

selbst, was ihr passt und ihr gefällt. Wird bis in die

1970er-Jahre auch noch Herren- und Kinderwäsche

filmisch angepriesen, so umwirbt man danach nur

noch die verspielte, romantische, modische, impulsive

oder verführerische Frau. Doch eines haben sie

alle gemeinsam: Ihre Lieblingsfarbe ist grün!

Die Ernährung der Wiener Bevölkerung ist seit

120 Jahren mit den Ankerbrotwerken verbunden.

Führte das Maskottchen »Anker-Maxi« mit viel

Charme noch vor, wie man preiswert und gut

kocht, so konnte man in Zeiten des Wohlstands

bald mit dem süßen Schlaraffenland werben. Dass

Anker-Gebäck bei keiner Mahlzeit fehlen darf,

stellte spätestens der Werbeslogan »Wo ist das

Körberl?« außer Frage. Qualität und Frische blieb

das zentrale Werbeversprechen, welches die Losung

»Worauf freut sich der Wiener? Auf Hochquellwasser

und das Ankerbrot!« seit jeher vermittelte.

Durch sein Markenzeichen – den Stephansdom

– auf das Engste mit der Stadt Wien verbunden

ist auch die Josef Manner & Comp AG. Mit dem

wirtschaftlichen Aufschwung Österreichs beginnt

Manner den Film effektiv als Werbeträger zu

nutzen, nicht selten ist das Kino selbst Schauplatz.

Manner Schnitten, Napoli Golddessert, Dragee

Keksi oder Casali Rum Kokos vervollkommnen

romantische Begegnungen, sind Teil der süßen

Kunst der Verführung. Die traditionellen Marken

werden mittels mitreißender Rhythmen dem aktuellen

Zeitgeist angepasst. Doch das Credo bleibt

gleich: »Manner mag man eben!«

Im Unternehmen Bank Austria/UniCredit vereint

sich die Geschichte bedeutender heimischer

Finanzinstitute (Zentralsparkasse, Länderbank,

Creditanstalt), die seit den 1920er-Jahren nicht

nur die Finanzierung der österreichischen Filmproduktion

entscheidend ermöglicht, sondern auch

Werbefilmhistorie mitgeschrieben hatten. Generationen

wurde Sparen als der Weg zu einer besseren

Zukunft vermittelt. Wünsche ließen sich durch

eigene Kraft erfüllen. Jugendklubs suchten den

Nachwuchs über Freizeitangebote an die Bank des

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Vertrauens zu binden, die versprach, kleine Erfolge

zu ganz großen machen zu können.

Am Erfolg, an der kreativen und prägnanten Umsetzung

der Werbebotschaft waren stets erfahrene

Filmemacher und Künstler beteiligt. Sie machten

die »Gebrauchskunst« des Werbefilms letztlich

zu »angewandter Filmkunst«. Deutlicher als je

zuvor war dies über Jahrzehnte an der Werbelinie

des Grazer Unternehmens Humanic (Leder &

Schuh AG) erlebbar. Der künstlerische Ausdruck

selbst wurde Thema. Avantgardistische Künstler

(z. B. Artmann, Zykan, Okopenko, Hoffer, Bauer,

Rühm) ließen ihrer – im mehrfachen Sinne – lautstarken

Experimentierfreude freien Lauf. Mit und

gegen das Bild gesetzte Tonkompositionen, blau/

schwarz-gelb-rote Farb- und dadaistische Sprachspiele

schufen eine einzigartige abstrakt-skurrile

Marke die über Bild- und Tonsymbole sofort

zuordenbar war. »Franz«-Spots polarisierten die

Nation – die einen liebten, die anderen hassten,

aber alle kannten sie – bis heute.

Kunstwerk und Experimentierfeld, Kommunikationsmittel

und Informationsspeicher, Sehnsuchtsträger

und Erinnerungspool. Der Werbe- und

Industriefilm hat eine Vielzahl an Funktionen und

Erscheinungsformen. Es gilt diese lang vergessenen

Zeitdokumente zu sichern, zu erforschen und wieder

zu entdecken. Das Filmarchiv Austria arbeitet

in Kooperation mit Produzenten, Filmemachern

und Unternehmen diesen film-, kultur- und wirtschaftshistorisch

bedeutenden Bestand auf und

präsentiert an diesem Abend einen Einblick in die

Sammlung. Karin Moser

Filmprogramm: 50 Minuten

Im Anschluss Karin Moser im Gespräch mit

Walter Maier (Traum&Maier), Peter Mayer

(Adi Mayer Film), Peter Patzak, Rudolf Schmutz

(ret. Geschäftsführer Unilever)

filmheft # 7 69

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