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African

Threads

and Laces

(Spitzen-)Stoffe sind so verführerisch wie das Kino. Zugleich ist unsere Kleidung ein wesentliches

Moment der Selbst- und der Fremdwahrnehmung: Die Filmreihe, gezeigt in Kooperation

mit dem Museum für Völkerkunde Wien und anlässlich der aktuellen Ausstellung African Lace.

Österreichische Stoffe für Nigeria (noch bis 14. Februar 2011), unternimmt den Versuch einer

Rückprojektion. Afrikanische Mode in Dakar, Brüssel, New York – und Lustenau steht auf dem

Spielplan, bis heute besteht ein komplexer kultureller Austausch zwischen Vorarlberg und Nigeria.

In Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde Wien

Es kuratieren Katja Wiederspahn und J. Enoka Ayemba

filmheft # 1

7


FILMSCHAU African Threads And Laces

Film/Stoffe

Von Katja Wiederspahn & J Enoka Ayemba

8

»African Lace« (»Afrikanische« Spitze) werden die

überaus farbenprächtigen, industriell bestickten

Stoffe genannt, die sich verstärkt seit den 1960er-

Jahren in Nigeria und der nigerianischen Diaspora

weltweit größter Beliebtheit erfreuen. Einen Höhepunkt

ihrer Popularität erlebten sie in den 1980er-

Jahren, in Zusammenhang mit dem sogenannten

Ölboom in Nigeria und einer neuen Nachfrage

nach Luxusgütern im Land. Bis heute ist »African

Lace« ein wichtiger Bestandteil der nigerianischen

Mode. Die – gerne teuren – Stoffe werden zu

einem großen Teil in Österreich hergestellt, der

erste industrielle Stickereibetrieb in Lustenau, dem

Zentrum der Herstellung in Österreich, öffnete bereits

Ende des 19. Jahrhunderts seine Tore. Heute

besuchen über 800 nigerianische Händlerinnen regelmäßig

die Stickereibetriebe in Lustenau, um die

neuesten Kreationen – die Designs werden von den

Betrieben zum Teil in enger Zusammenarbeit mit

den Abnehmerinnen entwickelt – zu bestellen. Österreichische

Vertreter der einzelnen Unternehmen

Jänner/Februar 2011

wiederum reisen mehrmals im Jahr nach Nigeria,

um die neuen Kollektionen vorzustellen.

Dass (Spitzen-)Stoffe dazu verführen, an Filme

zu denken und über Filme nachzudenken, liegt

auf der Hand. Stoff und Film sind nicht nur in

metaphorischem Sinne eng miteinander verwoben

(ohne Film-Stoff kein Film), sondern auch in ganz

materieller Hinsicht: Wie wir Textilien und Filme

wahrnehmen, wie sie unsere Sinne ansprechen.

Auch die Geschichte des Filmmaterials selbst steht

mit der Entwicklung der Textilindustrie in enger

Verbindung; über eine Naturfaser, die in beiden

Industriezweigen Verwendung fand bzw. immer

noch findet: die Baumwolle.

Zugleich ist unsere Kleidung, die Art und Weise,

wie wir uns mit Textilien umgeben, ein wesentlicher

Aspekt der Selbst- und der Fremdwahrnehmung,

der Selbstinszenierung, aber auch der

Konstruktion und Projektion des vermeintlich

Fremden. »African Lace« ist ein – besonders gutes

– Beispiel für diese notwendige Mehrdeutigkeit


In Kooperation mit

eines jeden Selbstentwurfs – wie auch des Kinos,

der Filme in dieser Reihe. Als ein Motto, das die

ausgewählten Arbeiten lose miteinander verbindet,

ließe sich »African Lace in action« nennen:

Welchen Stellenwert nimmt die Kleidung – als

Selbstentwurf, Insignie gesellschaftlicher (Macht-)

Stellung und ökonomischen Reichtums, aber auch

als Sinnbild postkolonialen afrikanischen Selbstbewusstseins

ein? In ARUGBA (Tunde Kelani) feiert

die junge Generation Nigerias ihre Lust an den

Sprachen, der Musik und anderen »Traditionen«

des Landes, die sie wiederentdecken und erneuern

zugleich, dafür stehen u. a. auch die Tanzshows in

dem Film. Im Zentrum von XALA (Ousmane Sembène)

steht die neue Bourgeoisie, die den Westen,

der von ihr profitieren will, imitiert (auch in der

Kleiderordnung). Man hebt sich ab und trägt statt

der lokalen vorkolonialen Tracht Anzug, Weste

und Krawatte. Und zahlt dafür. Kleider in Bewegung.

Mode, Outfit als Politikum, Selbsterfindung,

»Africanness«: In den – auch sehr kostbaren –

Gewändern aus »African Lace« sind die vermeintlichen

Gegensätze von Tradition und Moderne auf

das Engste verwoben. In Nigeria der 1970er-Jahren

als europäischer Import vor dem Hintergrund der

Besinnung auf die »afrikanische Wurzeln« scharf

kritisiert (»indigenization policy«), werden diese

Stoffe heute von den gefeierten Couturiers in Lagos

als eine Art postmodernes Zitat afrikanischer

Tradition verarbeitet.

Wie lässt sich »Africanness« in Bezug auf Kleidung,

Mode, Musik und andere Künste auf

afrikanischen Leinwänden definieren? Lässt sich,

über ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der

offiziellen Kolonisierung des afrikanischen Kontinents

durch Europa, überhaupt so etwas wie eine

afrikanische »Identität« ohne Europa denken?

Und erkennt sich beispielweise die afrikanische

Diaspora in solchen »afrikanischen« Selbstentwürfen

wieder? Wie manifestiert sich »Africanness«

im Statement einer (scheinbar nur) äußeren

filmheft # 1 9


10

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

Me broni ba, Ghana/US 2009

Erscheinung in den USA der 1960er-Jahre, etwa

im »Black Is Beautiful« der BLACK PANTHERS

(Agnès Varda), in der Avantgarde Schwarzer

Haarmode Ende der 1990er im US-amerikanischen

Detroit (HOT IRONS, Andrew Dosunmu), den

Dragperformances in den New Yorker Ballrooms

(PARIS IS BURNING, Jennie Livingston) oder

SAPE-Shows aus Kinshasa und Brüssel in GHET-

TO MILLIONAIRES (Gilles Remiche)? Zina Saro-

Wiwa fragt in THIS IS MY AFRICA: »Schließe

Deine Augen und denk an Afrika. Was siehst Du?«

Die Filme der Reihe geben viele, sehr verschiedene

Antworten. Die Filmreihe behandelt jedoch

nicht nur die »Laces« (Spitzen), sondern auch die

»Threads« (Fäden) – und auch dies nicht nur in

metaphorischer Weise.

Die Auftragsarbeit FÜR DIE MODE DER WELT

(Robert Polak) zeichnet die »Erfolgstory« der

Vorarlberger Stickerei-Industrie nach. Neben

Nigeria bedient sie viele andere Länder aller Kontinente.

In MAMA BENZ (Karin Junger) geht es

um die lange Geschichte von Vlisco, dem größten

niederländischen Textilproduzenten und Exporteur

der berühmten »Waxprints« (Wachsdruckstoffe):

Die Textilien bzw. textile Drucktechnik wurde

ursprünglich aus Indonesien importiert, die Stoffe

sind bis heute in weiten Teilen Westafrikas sehr,

sehr populär. Die Filmemacherin verfolgt die Marketingstrategie

des Unternehmens bei der Installation

einer neuen Filiale in Burkina Faso. Es wird

deutlich, wie in den Büros des niederländischen

Mutterkonzerns pseudo-afrikanische Ideale

konstruiert werden. – Dass die Vereinnahmung

oder Aneignung von Kulturgütern oder kulturellen

Praktiken in einer historisch segregierten Gesellschaft

notwendig an ihre Grenzen stößt, macht

der Film BLACKING UP: HIP-HOP’S REMIX OF

RACE AND IDENTITY (Robert Clift) deutlich.

Von Schwarzen Künstlern in den 1970er-Jahren

ge- und erfunden, später als politisches Ventil von

der Schwarzen Jugend entdeckt, zum Lebens- und

Kleidungsstil geworden, ist Hip-Hop zunehmend

auch ein Magnet für viele weiße Jugendliche. Dies

führt u. a. zu zunächst unüberbrückbaren Mißverständnissen,

deren Wurzeln in uralten, oft aufgewärmten

Klischees und Stereotypen zu finden sind.

Ben Diogaye Beye zeigt ironisch in LES PRINCES

NOIRS DE SAINT-GERMAIN-DES-PRÈS, wie

diese Klischees auf vergnügliche Weise nutzbar

gemacht werden können.

filmheft # 1 11


Programm

1Eröffnung 10.1.2010

Freier Eintritt. U.a.w.g: 216 13 00-112

oder reservierung@filmarchiv.at

Einführung von Katja Wiederspahn

MO 10.1., 19:00 | SA 22.1., 18:30

Für die Mode der Welt. Vorarlberger

Stickerei

A 1970

OF, 28 Minuten

regIE Robert Polak KAMERA Thomas Horvath schniTT Theodor

Friedrich

Mama Benz and the tASte of Money

NL 2002

OF mit engl. UT, 78 Minuten

regIE Karin Junger KAMERA Adri Schrover schniTT Maaik

Krijgsman MIT Henk Bremer, Alice Gouba, Madame Pauline Ilboudo,

Kouénon Kamidjigha, Eric Loko, Fabrice Ruiz

FÜR DIE MODE DER WELT ist ein kurzer Dokumentarfilm

über die Geschichte der Vorarlberger Stickerei-Industrie.

In ethnografischen Bildern werden

frühe Stickereitechnik und -ornamentik vorgestellt,

die, ur sprünglich aus der Türkei, über die Schweiz

in die Vorarl bergische Tracht Eingang fanden. Dazu

werden in der guten Stube Stickereilieder gesungen.

Verrucht er scheint dagegen die 1960er-Modeschau,

auf der der letzte Schrei an Stickerei aus Vorarlberg

präsentiert wird.

MAMA BENZ AND THE TASTE OF MONEY: Neben African

Lace sind sogenannte Waxprints bis heute in

Westafrika als »traditionell« afrikanische Stoffe überaus

populär. Der Film dokumentiert die Firmenstrategie

und Expansion des weltweit größten Waxprint-

Herstellers, der niederländischen Vlisco Wax: Vlisco

ist im Begriff, sich mit einem eigenen Großhandel

in Burkina Faso niederzulassen, zuvor wurden die

Vlisco-Stoffe in dem Land ausschließlich über Händlerinnen

vertrieben, die zum Teil über den Stoffhandel

zu erheblichem Wohlstand gelangten – man nennt sie

»Mama Benz«, Frauen, die sich einen Mercedes leisten

können. (kw)

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Jänner/Februar 2011


AFRICAN THREAds AND LAces FILMSCHAU

2

SA 29.1., 20:30

30 dAys

Nigeria 2006

engl. OF, 150 Minuten

regIE Mildred Okwo Buch Mildred Okwo KAMERA Shona »Cricket«

Peters, Jonathan Gbemutor MUSIK Andre Manga MIT Genevieve

Nnaji, Joke Silva, CBA, Segun Arinze

Seit einigen Wochen herrscht große Unruhe in einem

Land, das Nigeria zum Verwechseln ähnlich sieht:

Korrupte Regierungsmitglieder werden in Serie umgebracht.

Presse und Polizei versuchen, die mysteriösen

Todesfälle aufzuklären. Eine paramilitärische

Organisation, »Female Revolutionaries Against

Corruption in Africa«, kurz FRACA, hat es sich zur

Aufgabe gemacht, das Land von seiner korrupten

Elite zu befreien. Ihre Mitglieder sind Töchter von

hohen Beamten oder Politikern, die von einer besseren

Zukunft für ihr Land träumen. Sie tragen Jeans

und enge T-Shirts und lieben das freie Leben. Der

alarmierte Präsident, der fatal an Nigerias ehemaligen

Präsidenten Obasanjo erinnert, beauftragt die

Exekutive, das Rätsel in dreißig Tagen zu lösen. Die

FRACA wiederum sieht in einer Party, zu der ein hoher

Beamter geladen hat, die goldene Gelegenheit,

endlich Platz zu schaffen für eine neue Regierung.

Für viele der schick gekleideten Männer in ihren Agbadas,

Babban Riga und Frauen in Buba, Iro mit Gele

könnte dies der letzte Abend sein. (jea)

filmheft # 1 13


Programm

3

Einführung von Katja Wiederspahn

di 25.1., 18:30

This Is My AfrICA

Nigeria/GB 2008

engl. OF, 47 Minuten

regIE Zina Saro-Wiwa schniTT Bert Hunger, Dan Susman KA-

MERA/TON Ben Bloodwell, David Shulman, Bjorn Bratberg, Sara De

Oliveira Lima, Anne-Marie Lean-Vercoe MIT Yinka Shonibare, Colin

Firth, John Akomfrah, Jon Snow, Chiwetel Ejiofor

Afrique-sur-Seine

Senegal/F 1957 franz. OF mit engl. UT, 21 Minuten

regIE Paulin Soumanou Vieyra, Mamadou Sarr KAMERA Robert

Caristan schniTT Paulin Vieyra MUSIK G. Chouchon MIT Marpessa

Dawn, Philippe Mory, M. Bathily, C. Clairval, D. Dane, I. Diop, M. Leprovot,

P. Letourneur

»Was bedeutet Afrika für Dich?« Saro-Wiwa stellt diese

Frage zwanzig Migrantinnen und Migranten aus

verschiedenen afrikanischen Ländern – sowie Menschen,

die diesen Kontinent ganz einfach lieben. Die

Interviews in THIS IS MY AFRICA sind in Dekors arrangiert,

die an Afrika denken lassen. Die Befragten

lassen sich darin inszenieren und werden so selbst

zu einem Teil des Dekors. Der Film ist ein reizender

Versuch, ein mannigfaches Bild des Kontinents jenseits

gängiger Klischees zu entwerfen. – AFRIQUE-

SUR-seine wurde vor der Unabhängigkeit aller von

Frankreich kolonisierter Länder gedreht und gibt an,

»einige Aspekte des Lebens von Afrikanern in Paris«

darzustellen. In Schwarzweiß gedreht, begleitet er im

Anzug gekleidete afrikanische Studenten beim Flanieren

zu den Sehenswürdigkeiten von Paris und zu ihren

Partys, während aus dem Off Fragen zu ihrer »Identität«,

ihrem kulturellen Hintergrund und ihrer Zukunft

gestellt werden. Die Studenten wirken inszeniert, sie

könnten die »Vorfahren« der heutigen Sapeurs sein.

(jea)

14

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

4

Einführung von Katja Wiederspahn

MO 24.1., 18:30

bLACk Panthers – Huey!

US/F 1968

engl. OF, 28 Minuten

regIE Agnès Varda KAMERA David Myers, John Schofill, Paul Aratow,

Agnès Varda schniTT Paddy Monk MIT Black Panthers

Hot Irons

US 1998

PREMIERE

engl. OF, 46 Minuten

regIE Andrew Dosunmu KAMERA Karl Kuhn, Jo Molitoris schniTT

Noah Herzog MIT Mr. Little, Bryan Shy-Guy

Sommer 1968, Oakland, Kalifornien: Huey P. Newton,

Mitbegründer der Black Panther Party, ist des Mordes

angeklagt. Varda dokumentiert die Demonstrationen

der Black Panthers, die Newstons Verhaftung und

Misshandlung im Gefängnis und die Polizeigewalt

gegen Schwarze AktivistInnen skandalisieren. Bis

heute besticht die Radikalität ihrer Forderungen – sowie

das existenzialistische Outfit, in dem die Männer

der Partei auftreten: dunkle Sonnenbrille, schwarzes

Barett, schwarze Lederjacke. Am Ende kommen einige

Frauen auf die Befreiung vom Diktat des weißen

Schönheitsideals zu sprechen. Outfit is a question of

politics: Black is beautiful!

In den alljährlichen »Hair Wars« in Detroit, Haar-

Modeschauen, zu denen Schwarze Models und Stylistinnen

und Stylisten von weit her anreisen, werden

die ausgefallensten Kreationen präsentiert. Black is

still and again beautiful, allerdings nach heftiger Bearbeitung

mit Lockenstab und Glätteisen, dem Einsatz

von künstlichen Haarteilen und wildesten Aufbauten,

die in die Frisuren einmontiert werden. Es

entstehen Haarskulpturen Weltwundern gleich. (kw)

filmheft # 1 15


Programm

Les Princes Noirs de sAInt-Germain-des-Près SeneGAL/F 1975 Black Panthers – Huey! US/F 1968

➔ Seite 20

➔ Seite 15

16

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

Paris Is Burning US 1990

➔ Seite 19

filmheft # 1 17


Programm

5

MO 31.1., 20:30

Arugba

Nigeria 2008

PREMIERE

OF mit engl. UT, 97 Minuten

regIE Tunde Kelani KAMERA Lukman Abdulrahman schniTT

Hakeem Olowookere, Wale Kelani, Frank Anore MIT Bukola Awoyemi,

Segun Adefila, Peter Badejo

Der König in einer Stadt irgendwo im Südwesten Nigerias

hält flammende Reden gegen die grassierende

Korruption und verspricht ökonomische Reformen,

die er mit internationalen Investoren umzusetzen

hofft. Er hat eine große Schwäche für das weibliche

Geschlecht, die ihn ein ganz klein wenig beeinflussbar

macht. Die Frauen in seinem Haus jedoch sind haltlos

zerstritten. Nicht weiter verwunderlich kommen seine

Reformen nicht so recht bei jenen an, denen sie

zugute kommen sollten, dem »einfachen Volk« … In

einer Parallelwelt des Films dagegen dreht sich alles

um Musik, Tanz und farbenprächtige Kostüme für

den großen Auftritt: eine Show auf der Bühne der

Universität des Städtchens. Eine der erfolgreichsten

Truppen wird von einer jungen Frau geleitet, Adetutu

(die als Arugba, mythische Figur der Jungfrau, während

des Yoruba-Festivals Osun Osogbo feierlich das

Opfergefäß zum Fluss tragen soll), deren Herz ein

junger Tänzer gewinnen will. Myth and modernity in

contemporary Nigeria. You have to see it – the rags

are crazy! (kw)

18

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

6

Einführung von Katja Wiederspahn

SO 23.1., 18:30

Paris Is Burning

US 1990

OmU, 71 Minuten

regIE Jennie Livingston KAMERA Paul Gibson, Maryse Alberti

schniTT Jonathan Oppenheim, Kate Davis MIT Pepper La Beija,

Dorian Corey, Anji Xtravaganza, Venus Xtravaganza

Der legendäre, hoch umstrittene Dokumentarfilm

über die Drag-Balls (Abkürzung für »dressed as a

girl«/»dressed as a guy«) im New York der 1980er-

Jahre mit Pepper LaBeija, Dorian Corey, Anji Xtravaganza,

Venus Xtravaganza, Willi Ninja u. v. a.

Drag wurde mit der Veröffentlichung von PARIS IS

BURNING zum archimedischen Punkt neuer queerfeministischer

Theorien der Weiblichkeit (siehe v. a.

Judith Butler und bell hooks). Im Zentrum des Films

stehen Dragqueens und TransGender-Personen, was

jedoch keineswegs heißen soll, dass schwule Männer

im Matrosen-, Military- oder Business-Outfit zu

kurz kämen. Drag steht in diesem Film keineswegs

nur für Crossdressing als Überschreitung der Geschlechtergrenzen

bzw. subversive Aneignung herrschender

Geschlechterstereotypen, sondern auch

für die Subversion der Klassen- und rassistischen

Unterdrückungsverhältnisse – die zumindest einen

Moment lang, einen Gang auf dem Laufsteg lang,

möglich scheint. In diesem Sinne enthält der Film ein

Versprechen. Ein Versprechen, an das erinnert zu

werden sich immer wieder lohnt. (kw)

filmheft # 1 19


Programm

7

Einführung von J. Enoka Ayemba

MI 12.1., 18:30

Les Princes Noirs de Saint-Germaindes-Près

Senegal/F 1975

OmU, 14 Minuten

regIE Ben Diogaye Bèye BUCH Ben Diogaye Bèye KAMERA Georges

Bracher schniTT Andrée Davanture MIT Aziz Diop »Wasis« Mambéty,

Muriel Dovaz, Moussa Sarr, Aurélia Crawford

Ghetto Millionaires

Belgien 2010

OF mit engl. UT, 54 Minuten

regIE Gilles Remiche KAMERA Gilles Remiche schniTT Joel Mann

In seinem ersten Film verspottet der senegalische

Regisseur die gängigen Phantasien und Klischees

des Nordens über Afrika. Ein fürstlich gekleideter,

sehr großer Schwarzer Mann spaziert sorglos durch

die Straßen von Paris. Er kauft sich die besten Kla-

motten in den teuersten Läden der Stadt. Daneben

lassen sich junge weiße Französinnen von Schwarzen

Männern (Sapeurs) verführen. Die Phantasien der

Männer sind grenzenlos. Um an ihr Ziel zu gelangen,

lassen sie glauben, sie seien Fürsten und Prinzen.

GHETTO MILLIONAires ist ein Film über die SAPE

(Société des Ambianceurs et Personnes Elégantes):

Von Brüssel nach Kinshasa folgen wir Tigana Zureta

»Pièce Maîtresse«, Papa Rolls, Trésor Ngando, Florent

Pambani, allesamt SAPEUrs, kongolesische Dandys.

Um wie ein Star gekleidet und sich großzügig zeigen

zu können, wenn er in Kinshasa seine Familie besucht,

arbeitet Tigana als »Mann für alles« in einem Brüsseler

Unternehmen. In der Demokratischen Republik

Kongo träumen viele junge Männer davon, nach Europa

zu gehen und zu großen Sapeurs aufzusteigen.

Aber jenseits des schönen Scheins regiert die Armut

im Leben der elegant gekleideten Menschen. (jea)

20

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

8

Einführung von J. Enoka Ayemba

di 11.1., 20:30

That’s My FACe

US/Brasilien 2001

OmU, 56 Minuten

OT: E minha cara regIE Thomas Allen Harris KAMERA Thomas

Allen Harris, Albert Sidney Johnson, Jr. schniTT Emir Lewis, Thomas

Allen Harris MUSIK Jason Stanyek

Me broni ba

Ghana/US 2009

PREMIERE

PREMIERE

engl. OF, 22 Minuten

regIE Akosua Adoma Owusu KAMERA Akosua Adoma Owusu, Dustin

Thompson, Romulo Alejandro schniTT Romulo Alejandro MUSIK

Sharon Jones & The Dap-Kings

1996 reiste der Filmemacher nach Salvador de Bahia,

die Stadt, von der es heißt, sie verkörpere die afrikanische

Seele Brasiliens, um den Geistern nachzuspüren,

die durch seine Träume spuken. Zwanzig Jahre

zuvor hatte seine Mutter auf der Suche nach einer

mythischen Heimat die gleiche Reise unternommen.

E MinhA CARA ist auf Super-8 ohne Ton gedreht. Vor

allem das innovative Sounddesign, das Sample-Techniken

verwendet, macht den Film zu einem mythischpoetischen

Fest der Selbstentdeckung, das sich über

drei Kontinente, drei Generationen und dreißig Jahre

erstreckt. (Berlinale Forum)

ME broni BA: Ein Frisörshop in Ghana, Frauen sitzen

und lehnen auf Sesseln auf der Straße und im Shop,

während die Friseurinnen ihnen unzählige kleine

Zöpfe flechten, eingewoben wird Kunsthaar, es entstehen

Dutzende verschiedenster Skulpturen und

Muster. Zwischendurch wird an Puppen geübt. Aus

dem Off die Stimme einer Frau: Sie berichtet von ihrer

ersten Reise in die USA, als Kind, von ihrem ersten

Schultag unter Weißen und der Faszination, die für sie

dem Haar ihrer Mitschülerinnen innewohnte. (kw)

filmheft # 1 21


Programm

9

FR 28.1., 18:30

22

One PUSSy Show

D 1998

Jänner/Februar 2011

7 Minuten

regIE Anja Czioska KAMERA Anja Czioska MUSIK Radio X MIT Anja

Czioska

Intermittent Delight

Ghana/US 2007

5 Minuten

regIE Akosua Adoma Owusu KAMERA, schniTT Akosua Adoma

Owusu MUSIK Kari Rae Seekins

bLACking Up: HIP-Hop’s ReMIx of rACe

and Identity

US 2010

engl. OF, 57 Minuten

regIE Robert A. Clift KAMERA Robert A. Clift, Ole Brereton

schniTT Robert A. Clift MUSIK Jørn Lavoll, Eliot Leigh MIT Amiri

Baraka, Nelson George, Chuck D., Vanilla Ice, Aesop Rock, Power (Wu-

Tang Clan), Andrea Van Winkle, Sage Francis, M1 (Dead Prez), Russell

Simmons, Paul Mooney, Greg Tate

ONE PUssY SHOW, ein Performancefilm: Anja Czioska

steht vor der Kamera und führt uns in immer neuen

Variationen ihr Outfit der letzten zehn Jahre vor.

Angetan ist die Performerin, immer wieder neu. Und

wir mit ihr. – Der zweite Film ist ein einziger Groove an

Bildern und an Tönen, das Leitmotiv bildet die Emblematik

der bis heute in vielen afrikanischen Ländern

populären Wachsdruckstoffe, die in verschiedenen

alltagskulturellen Bilderwelten aufgesucht werden:

im Ethno-Design der 1960er-Jahre, hinter dem das

Ideal der perfekt organisierten Hausfrau in all seiner

Spießigkeit lauert – konterkariert von einem Afrobeat,

der die Kühlschränke zittern lässt. (kw) – Ist die

Entdeckung von Rap und Hip-Hop seitens der weißen

Jugendkultur ein Zeichen dafür, dass die US-amerikanische

Gesellschaft farbenblind wird oder ist sie

nur ein weiterer Fall von kulturellem Diebstahl? Clifts

provokativer Dokumentarfilm BLACKinG UP verfolgt

diese Frage in zahlreichen Interviews. (jea)


FILMSCHAU African Threads And Laces

10

Einführung von J. Enoka Ayemba

di 11.1., 18:30

JuJu FACtory

Kongo 2006

OF mit engl. UT, 97 Minuten

regIE Balufu Bakupa-Kanyinda KAMERA Olivier Pulinckx schniTT

Didier Ranz MUSIK So Kalmery MIT Dieudonné Kabongo Bashila, Donatien

Katik Bakomba, Carole Karemera, Émile Abossolo Mbo, Aline

Bosuma, Sohder Leta Manesa

JUJU FACTORY erzählt die Geschichte des Schriftstellers

Kongo Congo, der in Brüssels »afrikanischem

Viertel« Matongé lebt und von einem Verlag den

Auftrag erhält, ein Buch über sein Quartier zu schreiben.

Statt wie gefordert eine Art Touristenführer zu

erstellen, entwickelt Kongo Congo anhand von Notizen

über die Menschen, denen er tagtäglich begegnet,

eine komplexe historische Narration über sein

Viertel, die über die afrikanische (kongolesische)

/ europäische (belgische) Geschichte und »Identität«,

über die »Africanness« seiner Bewohnerinnen

und Bewohner reflektiert. Angesiedelt in einer europäischen

Großstadt zeichnet der Film Bilder von

Menschen afrikanischer Herkunft, die in ihrer unaufgeregten

Selbstverständlichkeit auf europäischen

Leinwänden als ein Novum gelten können. Die Ideologie

des »Wir« und »Ihr«, des Eigenen und Fremden

weicht einer anderen Bilderwelt. Die Menschen in

Matongé begreifen sich nicht als Afrikanerinnen und

Afrikaner, sie sind Afropeans. (jea)

filmheft # 1 23


Programm

11

Einführung von J. Enoka Ayemba

MI 12.1., 20:30

Xala

Senegal 1974

OF mit engl. UT, 123 Minuten

regIE Ousmane Sembène KAMERA Georges Caristan schniTT

Florence Eymon MUSIK El Hadji Mbow MIT Thierno Leye, Seun

Samb, Younnousse Seye, Makhourédia Gueye, Myriam Niang

Sembènes grandiose Satire auf die postkolonialen

Verhältnisse in einem – nicht explizit benannten –

afrikanischen Land ist eine scharfzüngige Analyse

der Selbstinszenierung der neuen Schwarzen Eliten.

Die Unabhängigkeit ist erkämpft, die weißen Machthaber

sind vertrieben (sie setzen sich kurz darauf

als Berater mit dicken Geldkoffern im Schoß wieder

in die Büros, die sie gerade erst verlassen hatten).

Schwarze Geschäftemacher, die von Verrat, Korruption

und Ausbeutung leben, während des Unabhängigkeitskampfes

noch in afrikanische Kleidung gehüllt,

präsentieren sich, kaum an der Macht, in schicken

Anzügen europäischer Provenienz, fahren dicke

Autos und sind einzig damit beschäftigt, ihren ganz

persönlichen Reichtum zu vermehren. Man spricht

Französisch. Wolof ist die Sprache der Bauern und

Bettler, der Entrechteten, abermals Enteigneten. Und

der Frauen, die aufbegehren. Doch El Hadji, Hauptfigur

des Films, trifft ein böser Fluch: »Xala«, Impotenz

– just als er seine dritte Frau ehelicht, die doch

nur als ein weiteres, wunderschönes Statussymbol

sein potentes Männerleben schmücken sollte … (kw)

24

Jänner/Februar 2011


FILMSCHAU African Threads And Laces

12

MI 2.2., 20:30

Women’s Cot

Nigeria 2005

PREMIERE

engl. OF, 145 Minuten

regIE Dickson Iroegbu BUCH Tai Emeka Obasi KAMERA Lucky

Eremosele schniTT Linus Akubuilo MUSIK Stanley Okorie MIT Bukky

Ajayi, Rita Edochie, Chidi Ihesie, Bimbo Manuel, Onyeka Onwenu, Zack

Orji, Joke Silva

Ein Vorort von Lagos: Lack und Chrom glänzen in der

Abendsonne. Teure Autos, mit allem nur erdenklichen

Schnickschnack ausgestattet, fahren langsam eine

Rallye. Die Straße ist unwegsam. Die Fahrzeuge halten

vor einem Haus an. Die Kamera gibt den Blick auf

eine Gruppe von Frauen frei, alle in Schwarz gekleidet,

mit einem Kopftuch angetan, das zu einem Knoten

verschlungen ist. Der Stil der Knoten spricht Bände

über den gesellschaftlichen Status der eleganten, zugleich

mysteriösen, ein wenig unheimlichen Frauen.

Sie alle gehören einer Organisation an, die sich für

benachteiligte Witwen einsetzt. »Widows Freedom!«

murmeln sie verschwörerisch im Chor. Eine frisch

verwitwete Frau erhält eine kräftige finanzielle Unterstützung

von der Organisation, die sich schon bald als

geheimer, kultischer Frauenbund entpuppt. Künftige

Mitglieder werden über das Versprechen immensen

Reichtums angeworben. Um dem Bund beitreten zu

können, müssen sie jedoch erst einmal ihre Ehemänner

zu Fall bringen – nach dem Motto: »Kill your husband,

make your life better!« (jea)

filmheft # 1 25

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