Kirchenpresse Entwicklung der Verkaufszahlen 1998 - 2013 1 ...

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Kirchenpresse Entwicklung der Verkaufszahlen 1998 - 2013 1 ...

Kirchenpresse

Entwicklung der Verkaufszahlen

1998 - 2013

Ganz allgemein kann man sehen, dass die Leserschaft der Printmedien sich in den letzten zehn Jahren

verringert hat, besonders bei den Tageszeitungen. Diese verloren insgesamt in dieser Zeit 23 Prozent

ihrer Käufer. Die Wochenzeitungen konnten sich bis 2010 noch relativ stabil halten, hatten zwischenzeitlich

sogar einige Zuwächse. Zwischen 2010 und 2011 verloren sie ca. 10 Prozent der Käufer,

halten sich jedoch seitdem konstant. Die Verluste sind sicherlich auf die veränderte Nutzung von Informationsquellen

zurückzuführen. Es werden immer mehr Internet, TV, Smartphon und sonstige digitale

Medien genutzt.

Verkaufte Exemplare bei Tages- und Wochenzeitungen (alle) 2003 - 2013

30,00

26,79 26,20

Tageszeitungen in Mio

25,47 24,94 24,54

25,00

24,00 23,52

22,84

20,40

20,0018,70 19,30 19,00

19,50 19,70 19,30 19,60

Wochenzeitungen in 100.000

15,00

22,12 21,50

20,64

17,60 17,50 17,50

10,00

5,00

0,00

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Quelle: Statistiken des IVW 2003-2013

Aufbereitung, Grafik, Copyright: fowid / sfe

Im Speziellen wurden die wöchentlich erscheinenden konfesionellen Zeitungen betrachtet.

Während für Anzahl und Gesamtauflage der kirchlichen Gemeindeblätter keine Angaben zu finden

sind, liegen für die anderen Publikationen durch die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung

der Verbreitung von Werbeträgern) Zahlen zu den verkauften Auflagen vor.

Als überregionale Wochenzeitungen gibt/gab es neben dem Rheinischen Merkur (katholisch, konservativ,

bis 2010), die Katholische Sonntagszeitung für Deutschland, die einen Teil ihrer Auflage (ca.

5.000 Exemplare) überregional vertreibt, sowie die Jüdische Allgemeine und der sich als ökumenisch

bezeichnende Christ in der Gegenwart.

Im Zeitraum von Anfang 1998 bis Anfang 2008 hatte der Rheinische Merkur rund 40.000 Käufer weniger

aufzuweisen (minus 36 Prozent von 111.647 Exemplare in 1998), mit einer auffallenden Verringerung

seit 2005, als sich erstmals weniger als 100.000 Käufer fanden. Von 2008 bis 2010 haben sich

die Verkaufszahlen nochmals verringert. Im 2. Quartal 2010 meldete die im Wesentlichen von acht Bistümern

(Erzbistum Köln, Deutsche Bischofskonferenz und Bistümer Nordrhein-Westfalens) getragene

Zeitung nur noch 64.356 verkaufte Exemplare. Seit Dezember 2010 gibt es diese Zeitung nicht mehr,

sondern erscheint als wöchentliche Beilage Christ und Welt in der Zeit.

Diese Möglichkeit nutzt auch das evangelische Magazin Chrismon, das im Jahr 2000 nach 52 Jahren

als Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt aufgegeben hatte und jetzt monatlich als Beileger der Zeit,

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sowie bei den Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Mitteldeutsche

Zeitung und Schweriner Volkszeitung erscheint.

Diese Verluste entsprechen auch der Gesamtentwicklung der regionalen Kirchenzeitungen. Die Zeitungen

der „Konpress" - nationaler Vermarkter von 37 konfessionellen Wochenzeitungen - haben insgesamt

zwischen 1998 und 2008 ca. 663.000 Käufer verloren, ein Minus von 36 Prozent und verkauften

2008 nur noch 1,16 Mio. Exemplare pro Woche, bis zum 2. Quartal 2013 hat sich diese Zahl auf

805.700 verringert. Dies sind noch einmal ca. 31 Prozent weniger. Bei rund 45 Mio. Kirchenmitgliedern

heißt das, nur ca. 1,8 Prozent der Kirchenmitglieder sind auch Käufer einer Kirchenzeitung.

Der mögliche Einwand, es läge im Trend, dass die gedruckten Zeitungsauflagen sich generell verringern,

stimmte nur bedingt. Inzwischen ist zwar dieser Trend bei nahezu allen Printmedien angelangt,

denn auch bei den Tageszeitungen gibt es bis 2013 einen Rückgang, der bis 2008 nur 19 Prozent, bis

2013 jedoch auch insgesamt 30 Prozent betrug (von 29,4 Mio.(1998) auf 23,9 Mio.(2008) und 2013 auf

20,6 Mio Exemplaren). Die großen Wochenmagazine Focus, Stern und Der Spiegel haben sich bis

2008 recht stabil halten können und sich in einem Auflagenkorridor um 1,9 Mio Exemplare bewegt. Jedoch

sind auch hier in den letzten 5 Jahren deutlichere Rückgänge zu verzeichnen. Anfang 2013 betrug

die Zahl der verkauften Exemplare insgesamt nur noch 1,73 Mio. Aktuell ist der Schwund an Lesern

auch bei dieser Gruppe der Printmedien angekommen und die verkauften Exemplare sanken im

2. Quartal 2013 bei Focus auf 541.606, beim Stern auf 814.019 und beim Spiegel auf 878.954 Exemplare.

Ein wesentlicher Grund ist sicherlich, dass die Werbebudgets der Firmen umverteilt wurden und

mehr in die neuen, digitalen Medien fließen. Damit schwinden dann auch die Leser der Printmedien zunehmend.

Einige Zeitungen versuchen den Trend mit dem Angebot von e-paper aufzuhalten, aber dieses

Medium hat sich noch nicht flächendeckend etabliert.

Von den 15 regionalen evangelischen Kirchenzeitungen (mit einer Gesamtauflage von ca. 253.000 Exemplaren

2/2013) sind noch 13 in einer Art Arbeitsgemeinschaft „Kirchenpresse" zusammengeschlossen,

während die 27 katholischen Bistumszeitungen (und eine sorbische katholische Kirchenzeitung)

nur partiell kooperieren. Inzwischen kooperieren nur noch fünf Bistumszeitungen (bis 2008 noch sieben)

in der „Verlagsgruppe der katholischen Bistumspresse", deren Verbreitungsgebiet mit 135.000

Exemplaren (2008: 170.000) die Bistümer Hamburg, Osnabrück, Hildesheim, Magdeburg, Görlitz,

Dresden-Meißen, Erfurt, Mainz, Limburg, Fulda und Aachen umfasst.

An 18 ausgewählten Kirchenzeitungen aus der IVW-Gruppe „Publikumszeitschriften mit regionaler Verbreitung

/ Konfessionelle Zeitschriften" und 3 überregionalen der gleichen Gruppe sind die Entwicklungen

der Verkaufszahlen zur Illustration die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in drei Gruppen nach

Auflagenhöhe dargestellt.

In der Größenordnung von 20.000 bis 40.000 verkaufte Exemplare (Grafik 1) sind eine katholische

(Glaube und Leben), fünf evangelische (Evangelische Zeitung für Niedersachsen, Evangelischer Kirchenbote,

Evang. Sonntagsblatt Rothenburg, Bayrisches Sonntagsblatt), die überregional vertriebene

ökumenische Zeitung Christ in der Gegenwart und ein evangelisches Magazin (ideaSpektrum) dargestellt.

Eine eindeutige konfessionelle Zuordnung gibt es bei den Titeln mit zurückgehenden Verkaufszahlen

nicht. Die Zeitungen haben einen enormen Rückgang (zwischen minus 23 und 71 Prozent) in den letzten

15 Jahren zu verzeichnen. Dabei schneidet der Evangelische Kirchenbote Speyer noch relativ

günstig ab. Bis 2009 hatte er relativ stabile Verkaufszahlen, die aber auch ab 2009 stetig nach unten

gehen. Die Evangelische Zeitung für Niedersachsen hat nach kurzem Aufwärtstrend Ende 2004 besonders

ab 2008 viele Leser eingebüßt. Deshalb hatte die Synode der Landeskirche Hannover bereits

Ende 2007 beschlossen, die Zeitung spätestens 2009 einzustellen und durch ein 2-monatlich erschei-

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nendes Magazin zu ersetzen. Bis jetzt existiert sie immer noch, jedoch hat sich die Anzahl der Leserschaft

seitdem noch einmal halbiert.

Nur ein einziger Titel (ideaSpektrum) zeigte bis Mitte 2011 eine Steigerungsrate (plus 53 Prozent) im

Zeitraum 1998 - 2011 und schien dem allgemeinen Trend entgegen zu stehen. Jedoch sind auch hier

in den letzten beiden Jahren die Verkaufszahlen rückläufig (minus 13 Prozent, besonders im 2. Quartal

2013). Bemerkenswert und eindeutig ist jedoch - wenn auch auf niedrigem Niveau - die kontinuierliche

Steigerung des wöchentlichen Magazins des „Informationsdienst der Evangelischen Allianz" (idea) von

20.382 auf (trotz Rückgang) 27.331 verkaufte Exemplare.

Bei dem ebenfalls überregional vertriebenen Christ in der Gegenwart (unabhängige, reformorientierte,

ökumenische Wochenzeitschrift), ist erstaunlicherweise kein Auf und Ab der Verkaufszahlen zu erkennen.

Über die betrachteten 15 Jahre liegen die Zahlen relativ konstant bei 30.000 verkauften Exemplaren.

Der Erfolg liegt offensichtlich an der geringen Abhängigkeit von Anzeigenkunden (nur einmal monatlich

gibt es Anzeigenschaltungen) und sie wendet sich an „überdurchschnittlich gebildete und engagierte

Christen ... Außerdem charakterisieren sich die Leser durch Kaufkraft, sozialer Einstellung und

Lesefreude“.

Ev. Zeitung f.

Niedersachsen

Ev. Sonntagsblatt

Rothenburg

Christ in d.

Gegenwart

Ev. Kirchenbote

Speyer

Glaube u.

Leben (Mainz)

Bayrisches

Sonntagsblatt

Kasseler

Sonntagsblatt

IdeaSpektrum

40.000

35.000

30.000

25.000

20.000

15.000

10.000

Kirchenzeitungen 1998 - 2013 Grafik 1

20.000 – 40.000 verkaufte Exemplare

5.000

0

1998

1999

2000

2001

2001

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Quelle: Statistiken des IVW 1998 -2013

Aufbereitung, Grafik, Copyright: fowid / sfe

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Entwicklung der Verkaufszahlen

1998 - 2013

18.000

Ev. Sonntagszeitung

Hessen

16.000

Glaube und Heimat

(Weimar)

14.000

Der Sonntag (Limburg)

Bonifatiusbote

12.000

(Fulda)

Jüdische Allgemeine

10.000

Neue Kirchenzeitung

Hamburg

8.000

Kirchenzeitungen 1998-2013 Grafik 2

unter 20.000 verkaufte Exemplare

6.000

4.000

2.000

0

1998

1999

2000

2001

2001

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Quelle: Statistiken des IVW 1998 -2013

Aufbereitung, Grafik, Copyright: fowid / sfe

Bei der Gruppe der „kleinen“ Zeitungen (Grafik 2) sind zwei evangelische (Evangelische Sonntagszeitung,

Glaube und Heimat, ), drei katholische (Bonifatiusbote, Neue Kirchenzeitung Hamburg, Der

Sonntag - Limburg) und die Jüdische Allgemeine [überregional] ausgewählt und betrachtet. Dabei fällt

auf, dass sie ebenfalls einen geringeren Absatz haben, die Leserverluste jedoch nicht ganz so groß

sind (zwischen 18 und 45 Prozent). Zwischenzeitlich sind sogar einige Zuwächse zu verzeichnen, wie

bei der überregional verkauften Jüdischen Allgemeinen, der Weimarer Glaube und Heimat und der

hessischen Sonntagszeitung. Dort führten Umstrukturierungen und Modernisierung, sowie ein neuer

Name zeitweilig zu mehr Umsatz, bis 2004 hieß sie "Evangelische Kirchenzeitung". Seitdem erscheint

sie ebenfalls mit farbigem Druck. Und natürlich folgen einige dem Trend und bieten zusätzlich farbige

Magazine und Themenhefte an.

In der Gruppe der „großen“ Zeitungen (Grafik 3) sind sechs katholische (Der Dom, Heinrichsblatt Bamberg,

Konradsblatt Freiburg, Liboriusblatt Hamm, Kirche und Leben Münster, die Katholische Sonntagszeitung

[überregional]) und eine evangelische (Evangelisches Gemeindeblatt Württemberg) ausgewählt.

Der Dom hat in den vergangenen 15 Jahren 62 Prozent seiner Käufer eingebüßt, Kirche und Leben

53 Prozent, Liboriusblatt 70 Prozent. Das Württembergische Gemeindeblatt wurde im Jahr 2004 kostenlos

in einzelnen Orten an jeden Haushalt verteilt (in den ersten beiden Quartalen 2004 wurden jeweils

knapp 10.000 Freiexemplare gedruckt). Danach wurden Zeitungswerber in diese Haushalte geschickt.

Der erhoffte Erfolg stellte sich jedoch nicht ein. Ende 2006 wurde noch mal umstrukturiert, jedoch

der Abwärtstrend blieb, so dass aktuell inzwischen ca. 40 Prozent Exemplare weniger verkauft

werden als 1998.

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Entwicklung der Verkaufszahlen

1998 - 2013

Kirchenzeitungen 1998-2013 Grafik 3

180.000

über 40.000 verkaufte Exemplare

160.000

Kirche und Leben

(Münster)

140.000

Ev. Gemeindeblatt

Württemberg

120.000

Liboriusblatt

(Hamm)

100.000

Konradsblatt

(Freiburg)

80.000

Der Dom

(Paderborn)

60.000

Heinrichsblatt

(Bamberg)

Kath.

40.000

Sonntagszeitung f.

Deutschland 20.000

0

1998

1999

2000

2001

2001

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Quelle: Statistiken des IVW 1998 -2013

Aufbereitung, Grafik, Copyright: fowid / sfe

Auch die Katholische Sonntagszeitung für Deutschland hat versucht dem Trend entgegen zu steuern.

Sie hat, da die katholische Kirchenzeitung für das Erzbistum Berlin 2002 eingestellt wurde, eine Regionalausgabe

für Berlin kreiert und 2003 das Regensburger Bistumsblatt integriert. So konnte jeweils

eine Steigerung der Verkaufszahlen erzielt werden. 2002 konnten die Verkaufszahlen um über

300 Prozent gesteigert, das Jahr darauf noch einmal verdoppelt werden. Jedoch hat dies seit 2004 keine

Wirkung mehr und die Verluste sind enorm. Nur 2011 konnte der Abwärtstrend noch einmal kurzfristig

aufgehalten werden.

Anmerkung:

Der Unterschied von ideaSpektrum zu den traditionellen Kirchenzeitungen ist offensichtlich. Es ist zum

einen das handliche Magazin-Format (A-4-Variante), die farbige Gestaltung und das Bilderdruckpapier,

zum anderen aber, eine eindeutige, um nicht zu sagen kämpferische Positionierung.

Diese beiden Elemente, moderne Gestaltung und klare Standpunkte, können auch aktuell noch neue

Leser interessieren. Einige andere Zeitungen versuchen ebenfalls mit diesem Format neue Leser zu

gewinnen, indem sie monatlich Magazine in dieser Art erstellen und beilegen.

Ein Pendant ist die ursprünglich katholisch ausgerichtete „Zeitung kritischer Christen": Publik Forum.

Sie erscheint 14-tägig und sieht sich ökumenisch. Im Zeitraum 1998 bis 2013 hat sie eine Steigerung

der Verkaufsauflage um 8,5 Prozent erreichen können (von 34.223 auf 37.104 Exemplare), obwohl

auch hier in den letzten Jahren Schwankungen zu verzeichnen sind.

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