Wann wird der Mensch ein Mensch? - Alfons Hack - TA2012-1

fowid.de

Wann wird der Mensch ein Mensch? - Alfons Hack - TA2012-1

Textarchiv TA-2012-1

6. Welche Würde hat unser nächster Verwandter im Tierreich, der Schimpanse?

Wenn die menschliche Würde der Zygote mit ihren Genen zusammenhängt, wie steht es mit

der menschlichen Würde des Schimpansen, mit dem wir ca. 98 % der Gene gemeinsam

haben? Hat er auch eine zu 98 % der menschlichen Seele gleichende Schimpansenseele? Und

welche theologischen und ethischen Konsequenzen ergeben sich daraus?

7. Wird in der Embryonalentwicklung die menschliche Würde aufgeteilt?

Wenn die Zygote menschliche Würde hat, dann muss sich diese Würde mit den einsetzenden

Zellteilungen auf die aus der Zygote hervorgegangen Tochterzellen übertragen. Also tragen die

8, dann die 16, dann die 32 Zellen der Morula die menschliche Würde, genauso wie die vielen

Zellen der Blastocyste! Oder verlieren einige dieser Zellen ihre Würde und ihre Seele (oder ihren

Anteil daran), wenn sie sich - und das gilt für die Mehrheit der Zellen der Blastocyste - nicht

zum Embryo, sondern zur Plazenta (Mutterkuchen) weiterentwickeln. Oder ist auch die Plazenta

mit menschlicher Würde ausgestattet und beseelt?

8. Gibt es würdevolle Karzinome?

Muss man auch von einem schützenswerten, menschlichen Individuum sprechen, wenn aus einer

Zygote nur ein Karzinom (Chorionepitheliom) heranwächst, eine bösartige Krebsgeschwulst?

[3.9]

9. Kann ein Zwilling seine Seele verlieren?

Gemäß einer Definition des Konzils von Chalcedon (451 u. Z.) ist die menschliche Individualität

an einen individuellen, unteilbaren Körper gebunden. Gerade dies trifft für den frühen menschlichen

Embryo nicht zu, kann sich doch dieser Embryo - bei der Entstehung eineiiger Zwillinge –

in zwei Embryonen teilen; oder im umgekehrten Fall, wenn sich zwei Embryonen zu einem vereinigen.

Was passiert mit den Seelen? Kommt nochmals eine hinzu oder – im umgekehrten Fall

– verschwindet wieder eine?

10. Gibt es Föten ohne menschliche Würde?

Am 15. Mai 2008 wurde in der nordgriechischen Stadt Larissa einem neunjährigen Mädchen ein

sechs Zentimeter langer Fötus aus dem Bauch entfernt. Er war teilweise ausdifferenziert mit

menschlichen Geweben und Organanlagen. Das Mädchen war aber nicht etwa schwanger,

sondern der entfernte Fötus war ihr eigener Zwilling. Welche Erklärung hat hierfür die Embryologie?

Nun, zwei Embryonen können sich nicht nur wieder zu einem vereinigen; ganz selten kann sich

ein Embryo regelrecht seinen Zwillingsembryo einverleiben. Dann kann sich ein so genannter

Fötus in Föto entwickeln. Weltweit sind medizinisch nur etwa 90 derartige Fälle bekannt. Der

spektakulärste Fall ereignete sich 1999 in Indien. Dem 36-jährigen Sanju Baghat wurde aus seinem

monströs aufgeblähten Bauch ein einige Kilogramm schwerer Fötus entfernt, der Hände,

Füße, Genitalien und weitere Gewebe entwickelt hatte. In anderen Fällen war die Differenzierung

nur sehr diffus und weniger weit fortgeschritten. [3.10]

11

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine