Wann wird der Mensch ein Mensch? - Alfons Hack - TA2012-1

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Wann wird der Mensch ein Mensch? - Alfons Hack - TA2012-1

Textarchiv TA-2012-1

versibler Schritt beim Absterben der Gehirnzellen. Auch wenn ihre elektrische Tätigkeit bereits

erloschen ist, zeigen Gehirnzellen weiterhin Lebensfunktionen; beispielsweise schalten sie einige

Stunden später sogar noch Gene an. [3.13] Dass auch alle übrigen Körperorgane nach Beendigung

der (elektrischen) Gehirnfunktionen noch eine gewisse Zeit am Leben sind, ist völlig

unstrittig. (Andernfalls wäre jede Transplantation eine medizinische Unmöglichkeit.) Die Lebensfunktionen

erlöschen in allen Organen – auch im Gehirn - erst nach und nach. So gesehen

(= biologisch gesehen) tritt der Tod nicht zu einem gewissen, exakt zu bestimmenden Zeitpunkt

ein, sondern er ist ein viele Stunden dauernder Prozess.

Die Theologie akzeptiert den Gehirntod und gestattet daher die anschließende Entnahme von

Organen zu Transplantationszwecken. [3.14] Gleichzeitig ist theologisch gesehen der Tod das

Ende der Einheit von Leib und Seele. [3.15]

Wenn dem aber so ist, dann macht theologisch nur die folgende These einen Sinn: Die Seele

verlässt in Zusammenhang mit dem Erlöschen der Gehirnströme den Körper. Also kurz gesagt:

Ohne funktionsfähiges Gehirn keine Seele! Das Lebensende eines Menschen wird demnach –

sowohl medizinisch, theologisch und juristisch – mit dem Verlust einer einzigen, ganz bestimmten

Lebensfunktion verknüpft.

Wenn der Verlust der Gehirnfunktion der Anlass für die Trennung von Körper und Seele ist, wie

soll dann in Zygote oder Embryo, denen ein funktionsfähiges Gehirn fehlt, bereits eine Seele

enthalten sein? Das ist wider jede Logik!

Es kann nur so sein: Die Personalität des Menschen ist ohne bestimmte Körperfunktionen, wie

der Gehirnfunktion nicht gegeben.

Dann aber besitzen nur folgende Sätze Plausibilität und sind widerspruchsfrei mit den biologischen

Fakten vereinbar:

• Der Gehirntod wird als das Ende einer menschlichen Person akzeptiert.

• Der Beginn einer menschlichen Person kann nicht ohne existierende Gehirnfunktion gegeben

sein.

• Genauso wie das Gehirn ohne menschlichen Körper nicht zu existieren vermag, existiert

ohne diesen keine menschliche Person.

• Sowie der Körper nach und nach in einem allmählichen Prozess stirbt, so entsteht in

der Schwangerschaft in einem allmählichen Entwicklungsprozess ein menschliches Individuum.

Beginn und Ende eines Menschen sind beide kontinuierlich verlaufende Prozesse.

• Für den Beginn einer menschlichen Person und für dessen Ende können keine exakten

Zeitpunkte angegeben werden. Die Festlegung solcher Zeitpunkte käme zwar dem

menschlichen Vorstellungsvermögen sehr entgegen, sie entspricht aber nicht den biologischen

Tatsachen.

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