Stadtentwicklung - lamp

lamp.tugraz.at

Stadtentwicklung - lamp

Stadtentwicklung

Stadterhaltung

Grigor Doytchinov

Institut für Städtebau


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Stadterhaltung

• Altstadtschutz

• Ensembleschutz

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Der Stellenwert der Erhaltung in der Stadtplanung

• ein Spiegel des Zeitgeistes und des Bewusstseins der jeweiligen Epoche

• Camillo Sitte 1889 – Wiederentdeckung der Stadt als historisches Zeugnis

• Wertschätzung (Verständnis und Respekt) historischer Strukturen und Gestaltungsprinzipien

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Die Moderne

• deutlich ahistorische und antihistorische Aspekte

• Abneigung gegen die gefühlsselige Vergangenheit

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Seit Ende der 60er – Aufleben des Interesses an der Geschichte

Anlass ist der Riesenwuchs und Gestaltverlust der Städte

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Besonderheiten des geschichtlichen Aspekts

• umfassender Charakter, Interdisziplinarität, Synthese vieler Disziplinen

• das Gefüge der Stadt als ablesbares historisches Zeugnis

• Einfluss auf die planerische Motivation; die Beschäftigung mit dem Überlieferten erzeugt

Tendenz zur Bewahrung und für individuelle Charakteristika gegenüber allgemeinen Modellen

und Leitbildern

• politisch nicht mit progressiv oder konservativ in Verbindung zu setzen – Beispiel Bologna

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Argumente für die Erhaltung - rationale und emotionale Ebenen

• Lesbarkeit der Stadtgeschichte - bauliche, räumliche und strukturelle Elemente

• kulturelle Argumente

• das Interesse der Öffentlichkeit an den historischen Zeugnissen seit dem 19. Jh.

• wirtschaftliche Argumente

• Vermeiden großer Aufwendungen der öffentlichen Hand für Umwandlungsunternehmen

von nicht erwiesenem Gesamtnutzen

• Erhaltung von marktwirksamen Waren

• soziale Argumente

• Erhaltung sozialer Strukturen

• billige Wohn- und Geschäftsräume

• gestalterische Argumente

• genius loci (seit den 60ern-70ern)

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

„Es ist nicht erwiesen, dass die Gesellschaft eine spezifisch städtische Siedlungsstruktur tatsächlich

als Wert betrachtet, den sie durch Verzicht auf andere Freiheiten oder Annehmlichkeiten zu erhalten

bereit ist.“

Peter Breitling

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Grundsatz der Stadterhaltung

Lenkung der Veränderungen, denen unsere Städte zwangsläufig unterworfen sind, um den

Stellenwert des Erhaltens in den Entwicklungsprozessen zu regeln

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Grundbedingungen für die Stadterhaltung

• die Objekte müssen eine geschichtliche, künstlerische oder wissenschaftliche Bedeutung

haben

• ihre Erhaltung muss von öffentlichem Interesse sein

Alter, Bedeutung und öffentliches Interesse sind keine Rechtsbegriffe, ihre Beurteilung ist dem

Zeitgeist unterworfen

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Integrierte Konservierung

• alle Maßnahmen, die das Weiterbestehen des Erbes, seinen Unterhalt und seine Anpassung

an die Bedürfnisse der Gesellschaft zum Ziel hat (Konservierung, Revitalisierung und

Rehabilitation)

• ein konstituierendes Element der Stadtplanung

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Geschichte der Stadterhaltung

Phase: Anhebung des Denkmalschutzes auf eine städtebauliche Ebene

• die Disziplin Denkmalpflege ist ein Produkt der Romantik im letzen Viertel des 18. Jh.

• der Ensembleschutz ist im Gedankengut des Heimatschutzes zu Beginn des 20. Jh. begründet

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Geschichte der Stadterhaltung

Phase: Umgebungsschutzgesetze von Einzeldenkmälern

• Dresden (1904), Bund Heimatschutz

• Hamburg (1912), Baupflegegesetz (Fritz Schumacher)

• Österreich, die Evidenzkarte für einzelne Denkmäler (Josef Helfert, 1823)

• Österreich, Kunsthistorische Atlas und Verzeichnis der erhaltenswerten historischen Kunst- und

Naturdenkmale des Wiener Ortbildes (Hugo Hassinger, 1916)

• Italien, Denkmalschutzgesetz 1902 (ähnlich 1909, 1912, 1922)

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Geschichte der Stadterhaltung

Phase: Schutz von Ambiente

• Italien, Denkmalschutzgesetz 1939, Begriff „Ambiente“ (Umgebung)

• Italien, Gesetz zum Schutz von Gärten und Parkanlagen 1939

• Frankreich, Umgebungsschutzgesetz 1913

• Frankreich, Umgebungsschutzgesetz 1939, Begriff site (Ensemble)

• Basel, 1939, „violette Zone“, (Bauzone mit Einschränkungen)

• Deutschland, Badisches Denkmalschutzgesetz 1949, Begriff „Denkmalgruppe“

(Österreichisches Denkmalschutzgesetz 192, Begriff „Denkmalgruppe“ bezieht sich auf

„Gruppe und Sammlungen von Gegenständen“)

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Geschichte der Stadterhaltung

Phase: Nach 1945

• Die Zerstörungen des 2. Weltkriegs, der notwendige Wiederaufbau führen zu einer Stagnierung

der Entwicklung des Schutzzonen-Gedankens (Zäsur des Kriegs)

• Einzelfall Warschau ist auf politische Erwägungen und Antwort auf die gezielten

Demolierungen des Kulturguts im Land zu begreifen

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Neue Entwicklung zu „gesamtheitlicher“ Sicht der Denkmalpflege

• Frankreich 1962 „Loi Malraux“ – zielt nicht nur auf den Schutz, sondern auch auf die

Refunktionalisierung alter Stadtteile

• Die Charta von Venedig 1964 widmet einen allgemein gehaltenen Passus mit dem Begriff

„Denkmalgebiet“ hierzu: Die Denkmalgebiete müssen Gegenstand besonderer Pflege sein,

damit ihre Integrität, ihre funktionelle Erneuerung, ihre Anpassung und Wiederbelebung

gesichert werden können.

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Die Vorbildwirkung des Loi Malraux:

• Salzburg 1967 (das erste Österreichische Schutzzonen-Gesetz)

• Wien 1972 „Wiener Altstadterhaltungsnovelle“; 1973 die ersten Schutzzonen:

• Spittelberg und Altmannsdorf

• Innenstadt und Belvedere

• 1970 vom Bundesdenkmalamt herausgegebene „Atlas der historischen Schutzzonen in

Österreich“

• 1978 Novellierung des Denkmalschutzgesetzes – Aufnahme von Gruppen von unbeweglichen

Gegenständen (Ensembles) in den Gesetzestexten

Diese nehmen leider nicht das eigentliche Ziel des französischen Gesetzes auf, nämlich die

Revitalisierung historischer Stadtviertel.

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Etablieren des Ensembleschutzes:

• 1972 „UNESCO-Konvention zum Schutz des weltweiten kulturellen und natürlichen Erbes“

• 1975 „Europäische Denkmalschutz-Charta“, Europäisches Denkmalschutzjahr, Europarat:

Zum Architektonischen Erbe Europas gehören nicht nur unsere bedeutendsten Baudenkmäler,

sondern auch die Ensembles, die unsere historischen Städte und Dörfer mit ihrer natürlich

gewachsenen oder gebauten Umgebung bilden.

• 1978 „Internationale Charta zur Denkmalpflege in historischen Städten“, Washington, ICOMOS-

Generalversammlung

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Inhalt, Methode und Ziele der Stadterhaltung

• Was wollen wir schützen?

• Wie wollen wir schützen?

• Womit können wir schützen?

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Inhalt, Methode und Ziele der Stadterhaltung

Zur Frage 1 - Was wollen wir schützen?

Gegenstand (Objekt) der Erhaltung

• Stadtstruktur (ein Spiegel historischer Prozesse)

• Freiräume und Umräume

• Dachlandschaft (bestimmend für das Stadtbild)

• Architektur und ihre Elemente

• Nutzung und Milieu

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Inhalt, Methode und Ziele der Stadterhaltung

Zur Frage 2 - Wie wollen wir schützen?

Schutzbegriff, Schutzwürdigkeit, Schutzzonen usw.

Standortspezifische Formen des Schutzes:

• Bamberg (1981 im Bayrischen Denkmalschutzgesetz in ihrer Gesamtheit aufgenommen) –

Extremform eine Stadt in ihrer Gesamtheit unter Schutz zu stellen

• Passau - mit Satzungen kann der Zugriff bis ins Detail geregelt werden

• Basel – Schutz- und Schonzonen

• Budapest – Gebiete von Denkmalbedeutung, Denkmalumgebung, lokaler Bedeutung

• Prag, Bratislava – Reservate, Umgebungszonen, Komplexe als „Nationale Denkmäler“

• Hamburg – „Milieuschutz“ - der Begriff trägt dem Gedanken Rechnung, dass Architektur nur

einen kleinen Teil dessen bildet, was den Charakter einer Stadt bestimmt

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Österreichvergleich der Schutzzonen (Anteil des Baubestands

90er Jahre)

• Linz 11,5%

• Innsbruck 10,0%

• Graz 8,0%

• Salzburg 6,0%

• Wien 6,0%

• Klagenfurt 3,5%

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Inhalt, Methode und Ziele der Stadterhaltung

Zur Frage 3 - Womit können wir schützen?

Instrumentarium (Gesetzgebung)

Trennung von Denkmalschutz und Stadterhaltung

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Das Österreichische Denkmalschutzgesetz

• Ensembles können nicht in ihrer Gesamtheit unter Schutz gestellt werden

• die Unterschutzstellung erfolgt Objekt für Objekt mittels einzelner Bescheide

• Beispiel Altstadt Braunau – im mittelalterlichen Stadtkern 110 Häuser unter Schutz

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Die Schutzzonengesetze der Bundesländer

• Schutzzonengesetze in fast allen Bundesländern

• in Vorarlberg, Niederösterreich und Burgenland wird mit den Instrumentarien der

Raumplanung (Bebauungsplanung) operiert

• In einigen Gemeinden Niederösterreich werden die Begriffe „Schutzzone“ und „sonstige

erhaltenswürdige Altortsgebiete“ mit Flächenwidmungsplan festgelegt

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Andere Instrumentarien

• Beispiel Krems – die Sanierung der Altstadt beruht auf politischem Konsens der Gemeinde

und nicht auf Gesetzesgrundlagen

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Steiermark

• In der Steiermark gab es 1991 bereits 56 Schutzgebiete, basiert auf Landesgesetze

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Zusammenfassung und Perspektiven

Probleme:

• mangelnde Unterlagen (Inventuren)

• Konflikte mit Flächenwidmungsplanungen, besonders bezüglich der überhöhten Dichten

• Mangelnde gesetzliche Möglichkeiten in Hinblick auf die ganzheitliche Erfassung von

Außenerscheinung und Gebäudeinnerem

• Überschneiden der Interessen mit ökologischen und sozialen Aspekten

• mangelnder Informationsstand der Öffentlichkeit und auch der Architekten

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Zusammenfassung und Perspektiven

Vorschläge (Wehdorn):

• Schutzzonen – Projektbeurteilungen nach strengeren Gesichtspunkten in Abstimmung mit der

klassischen Denkmalpflege

• Schonzonen – hier geht es weniger um die Erhaltung jedes einzelnen Hauses, sondern

vielmehr um die Bewahrung des geschlossenen Gesamteindrucks im Sinne der bestehenden

Bauvolumen

• Sichtzonen – nicht geklärt bzw. nicht umgesetzt in Instrumentarien

Grigor Doytchinov *ss10


Stadtentwicklung VO - Stadterhaltung

Beispiel Grazer Altstadterhaltungsgesetz

Grigor Doytchinov *ss10

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine