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«Mir liegt

«Mir liegt Bürstenmachen, ich war früher Zahnarztgehilfin» Verenas Werkstatt. Die hand gemachten, zweifarbig gemusterten Bürsten und Besen sind derzeit besonders gefragt. 118 119

Der Halbautomat heftet die Büschel mit einer Agraffe ins Loch. Die Ochsenhaare werden alle auf die gleiche Länge zugeschnitten. Käsebürste. Besonders beliebt bei Berner Käsern, weiss Scheffmacher. «Nicht irgendein Haar: Das sind Wildschweinborsten aus Indien» Schmutz ist nicht gleich Schmutz. Man sollte schon sauber unterscheiden, ob jemand Staub aufwirbelt, im Schlamm wühlt, Abfall hinterlässt oder im Dreck steckt. Denn jede Unreinheit verlangt nach der dazu passenden Bürste. Es gibt: Glanzbürsten, Fassbürsten, Nagelbürsten, Velobürsten, Molkerei- und Dachkännelbürsten. «In meinem Leben habe ich mich immer für die Sauberkeit und gegen den Dreck entschieden», sagt Bürstenmacher Arthur Scheffmacher, Chef der Bürsten- und Pinselfabrik Scheffmacher AG in der Stadt Schaff hausen. Anzahl Mitarbeiter: zwei – Arthur und seine Frau Verena, beide 63 Jahre alt. Seit 133 Jahren fertigen vier Generationen Scheffmacher Besen, Bürsten, Wischer und Pinsel aller Art gegen jeden Unrat. Man f abriziert von Hand, mit Herz, viel Musse und einem immensen Fachwissen über Haare, Härchen, 120 Fasern, Federn und Borsten aus der ganzen Welt. Kein Dreck, gegen den es nicht eine dienliche Scheffmacher-Bürste gäbe. BÜRSTENWISSEN SEIT 1880 Es gibt: Kleiderbürsten, Bäckerbürsten, Brunnentrogbürsten, Motor ­ rad- und Teerbürsten. Mitten in Schaffhausen, an der Münstergasse 20, steht das schlanke Altstadthaus mit den grünspanfarbenen Fensterläden. An der Fassade baumelt ein Schild in Schnüerlischrift: «Scheffmacher, 1880». Im Schaufenster (natürlich schlierenfrei) sind Schüfeli und Bäseli und allerlei Bürsten aus gestellt, in der Mitte thront der Bodenreinigungsklassiker der 1970er-Jahre, versehen mit der Etikette: «Blocher mit Stiel» (was absolut unpolitisch und rein putztechnisch gemeint ist). In den oberen Stockwerken ist die Bürstenmacherei untergebracht, im Erdgeschoss der Verkaufsladen. Über 400 Bürsten haben Arthur und Verena Scheffmacher im Angebot. KALKUTTA-SCHWEIN FÜRS HAAR Es gibt: Röhrenbürsten, Abwaschbürsten, Dekarbonisier- und Bade ­ wannenbürsten. Der Chef macht gleich selber beste Werbung für einen seiner Verkaufshits – die Haarbürste: Sein dichtes, kräftiges, perlgraues Haar ist akkurat frisiert und schimmert wie gestriegeltes Stahlblech. Morgens und abends zwei Bürstenstriche, das sei gut fürs Kopfhaar, massiere das Haupt und verhindere sogar Kopfweh, doziert Scheffmacher und büschelt in der Brusttasche seines Arbeitskittels die drei Kugelschreiber und das Teppichmesser zurecht. Dann verrät er das Geheimnis seiner edlen, handgemachten Haarbürste: die Borsten. Sie stammen von Wildschweinen aus dem indischen Kalkutta. «Und zwar verwende ich nur den ersten Schnitt, also den Wurzelteil der Borsten, das sind die härtesten, die besten, die teuersten, das ist noch Qualität», schwärmt der Mann mit spitzem Schaffhauser Dialekt und küsst sich die Finger­ «Bin mehr so der Maschinen-Typ.» Arthur Scheffmacher sitzt an einem seiner Halbautomaten und stellt Käsebürsten her. 121