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In den Vitrinen des

In den Vitrinen des Verkaufsladens werden Hunderte von Bürsten feil geboten. Edle Bürsten bringen Haar und Herz der Damen in Wallungen spitzen in Feinschmecker-Manier, ganz so, als spreche er über Wildschweinbraten statt -borsten. SCHÜFELI UND BÄSELI Es gibt: Heizkörperbürsten, Tatzenbürsten, Zahn- und Zünd ­ kerzenbürsten. Die Aufgabenteilung ist klar. Arthur Scheffmacher hebelt gern an seinen alten, massiven Bürstenmachmaschinen herum, während seine Gattin sich der Handarbeit widmet. So gerät man sich nicht in die Haare. Das Nifle und Milli meterle liegt ihr. Sie war früher Zahnarztgehilfin, bis sich – über vierzig Jahre ists her – der junge Bürstenmacher Arthur auf ihren Behandlungsstuhl schwang. 1972 wurde geheiratet, 1973 das Geschäft von Arthur senior übernommen (der es von Arthur senior senior geerbt hatte). In der Scheffmacher-Dynastie hiessen die Chefs stets Arthur. «Schon etwas langweilig, gell?», meint Verena Scheffmacher. Das Thema sei aber eh erledigt, «wir haben zwei Töchter». Sie sitzt in ihrem Werkraum im ersten Stock, einem Wundertrucke- Zimmer voller Krimskrams, mit unzähligen Schächtelchen, beleuchtet Unten Laden, oben Werkstatt: Schaffhausen, Münstergasse 20. von staubigem Licht, und fertigt von Hand (Handeinzug heissts in der Fachsprache) einen Klassiker: den Handwischer, jenes Bäseli, das zum Kehrichtschüfeli gehört. Seit Kurzem bekommen die Scheffmacher-Bäseli einen Tigerli-Look, helles und schwarzes Rosshaar, «eine neue Idee von uns, die Kunden mögen das», sagt Verena. Das Rosshaar stamme nicht einfach von irgendeinem Ross, sondern von kleinen Pferden aus der chinesischen Mandschurei. Das Haar wird in ein Maschineli, Bündelabteiler genannt, gefüllt, welches die richtige Portion Haarbüschel abmisst. Diese Büschel gilt es nun in die Löcher des Holzschaftes einzufädeln und mit Draht festzuzurren – eben, handeingezogen. Auf diese Art fertigte Frau Scheffmacher früher Abertausende Anstreicherbürsten für die Militärschuhe. «Ab zwanzig Stück pro Stunde rentierte es sich, da musste man ziemlich Gas geben», erinnert sich die 63-Jährige. Heute lässt das Militär seine Bürsteli anderswo produzieren. Nicht der einzige Grossauftrag, der ver loren ging: Ein Spital bestellte einst Tausende Flaschenputzer, heute werden die Laborgläschen mit Ultraschall gereinigt. Und so werden halt nur noch Flaschen putzer für den Normalkunden hergestellt. Mit dem «Kobold». Einer Maschine, die Draht und Plastikborsten ineinanderdreht und verzwirbelt. Zwar besitzt Scheffmacher ein paar Halbautomaten, mit denen er Bürsten in Serie produziert, einhundert bis zweihundert Stück; grössere Stückzahlen aber lohnen sich nicht, sagt er, liessen sich nicht verkaufen. Am liebsten fabriziert er Käsebürsten, halbautomatisch; statt Handeinzug werden hierbei mit Agraffen die Ochsenhaar-Büschel in den runden Holzschaft genietet. DIE EDLEN STÜCKE Es gibt: Topfbürsten, Ventilführungsbürsten, Staub- und Uhrmacherbürsten. Scheffmachers setzten in den letzten Jahren vermehrt auf Kleinserien und Einzelanfertigungen. Gezwungenermassen – und zum Glück: Ihre handgefertigten Bürsten sind mittlerweile Kult, weit über Schaffhausen hinaus. Kein Mann würde es wagen, der Gattin zum Geburtstag eine Plastik- Haarbürste aus dem Warenhaus zu schenken; ein kultiviertes Scheffmacherteil aber, gefertigt aus exotischen Borsten und edlen Hölzern, beschert der Gattin wallendes Haar und bringt ihr Blut in freudige Wallungen. HAARSPALTEREI Es gibt: Pferdebürsten, Autowaschbürsten, Feilenbürsten, Plafond- und Nutenbürsten. Arthur Scheffmachers Dozier-Vergnügen sind die Haare, Borsten und Federn seiner Bürsten. Eine Welt für sich, exotisch, superb, mit dem geheimnisvollen, verschlissenen Chic einstiger Kolonialzeiten. Der Mann erzählt, warum Marabufedern zum Abstauben noch exquisiter sind als Geissen haar. Er kennt die Vorzüge von Eichhörnchen-, Rindsohr- und Rotmarderhaar aus Sibirien. Er schnalzt mit der Zunge, wenn er von der südamerikanischen Naturfaser Fibre berichtet oder der mexikanischen Reiswurzel, die sich besonders gut zum Putzen von Schweizer Milch geschirr eignet. Palmfasern aus Madagaskar, Tschungking-Borsten aus China oder Messingbürsten gegen Katzenhaare: Arthur Scheffmacher weiss alles – haargenau. Und wenn man denn mal meint, wenigstens beim Thema Rasierpinsel mitfachsimpeln zu können und mit seinem Dachshaar-Wissen brillieren will, schaut einen der Herr Bürstenmacherchef gönnerhaft an und fragt: «Jä, meinen Sie jetzt Haar vom Dachs rücken, vom Gesäss oder vom Nacken?» Die reinste Haarspalterei! Steht man dann da und fühlt sich ziemlich abgeputzt und runtergebürstet, zeigen Scheffmachers, was wahre Kundenbetreuung ist. Sie lupfen eine Mini-Glascloche, bieten einem Schoggi-Gugelhöpfchen an – und striegeln so die eingeschnappte Seele wieder zurecht. Es gibt: Massagebürsten, Buchdruckerbürsten, Klosett- und Fassadenbürsten. Es gibt nichts, was nicht gebürstet werden kann. Sogar Baumstammbürsten sind im Sortiment. Nur eine Bürste gibt es nicht: eine, die Bürsten reinigt – eine Bürstenbürste. C Stoff für Zahnbürsten: Kunden bekommen Schoggi-Gugelhöpfchen. 122

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