t 7 ;.-.4/

nhm2.uio.no

t 7 ;.-.4/

t 7 ;.-.4/

t ar.-l ,tl

1

2,'l

. I j 1t .t O, t,

HERZOGIA Band 7 p. 615 - 622 1 987

Einige bemerkenswerte Flechtenfunde

aus Schleswig-Holstein

voN P. JncosseN

Zusammenfassung: 1 7 seltene oder aufgrund

ihres Vorkommens j.nteressante

Flechtenarten werden fiir das n6rdliche

Schleswig-Holstein belegt; Veyrucaria

meLaenella Vain. ist neu fiir die Flora

der Bundesrepublik Deutschland. Einige

Angaben der Roten Liste werden diskutielt.

Summarv: 1 7 rare or interesting lichens

are reported from northern Schleswig-

Holstein. Vertucaria melaenella Vain.

is reported as new to the flora of West

Germany. Some remarks on the "Rote Liste,,

are made.

Peter JACOBSEN, Botanisches Institut der Universitet - Lehrstuhl

fiir Okophysiologie - OlshausenstraBe 40 - 80, D-23OO

KieL l


- 615 -

Den gr6Bten Tell unseres Wissens tiber die Flechtenflora Schleswig-Holsteins

verdanken wir der intensiven Durchforschung des

Landes iturch c.F.E. Erichsen (bis 1945) und Vl. saxen (bis 1964).

Die Ergebnisse ihrer Arbeit finden sich im wesentlichen in der

"Flechtenflora von Nordwestdeutschland" (ERICHSEN 1957), die

ftir den norddeutschen Raum ca. 8OO Arten anfiihrt. Dle Verfasser

geben aber auch zu erkennen, daB diese Gesamtzahl der Arten den

Kenntnisstand aus einer sich iiber Jahrzehnte hinstreckenden Erforschung

der Flechtenflora wiedergi-bt. Dabei ist auch eine

Reihe von vor 1 957 verschollenen Arten eingeschlossen worden.

Obwohl sich in ilen folgenden Jahren die fortschreitende Verarmung

besonders der Epiphytenflora in Mitteleuropa immer deutlicher

bemerkbar machle (KLEMENT 1956, WIRTH 1976), wurde nur

wenig Ober Flechtenvorkorunen in Schleswig-Holstein bekannt

(Ausnahmen z.B. SAXEN '1953, 1953a, b, c, ROSE 1978r SoCHTING

& RAMKAER 19821. Floristische Arbeiten sowie vollst5ndige Artenlisten

kleinerer Gebiete, die als Vergleichsgrundlage fiir

Bestandaufnahmen dienen k6nnten, fehlen aus dieser Zeit fast

v6l1i9. Anders als in lichenologisch gut bekannten Regionen

ist es in Schleswig-Holstein daher heute nur schwer n6glich,

Aussagen iiber Verbrej.tungsgrad und Gefahrdung seltener Arten

zu machen. Fiir hdufige Sippen dagegen faltt die Bestatigung

el-terer H5ufigkeitsangaben relativ leicht. So sind beispielsweise

CLioetomum griffithii und Ramalina fastigiata, die von

wrRTH (1984) sowie KAPPEN & !4urJrJER (19821 in die Gefdhrdungskategorien

1 bzw. 2 der Roten Liste eingestuft wurden, im

Gebiet offensichtlich weitaus weniger bedroht als im siiddeutschen

Raurn. Ahnliches gilt fiir Calicium uiride, Panmelia

Laciniatula und m6glicherweise fiir Atthonia impol'ita.

Auf der anderen Seite wurden :irn den letzten Jahren auf den

Nordfriesischen Inseln einige fiir das Landesgebiet neue Arten

gefunden, so u.a. Cladonia fragilieeina, Mycoblastus stexilLs,

)nphalina ericetorum wd Leptogium echrader"i (BRAND & KETNER-

OOSTRA 1983, CHRISTENSEN 1985, JACOBSEN 1985). weitere Neufunde

erscheinen angesichts der groBen Zahl bisher weniq untersuchter

KUstenstandorte m691ich.


-617-

Die nachstehend aufgefiihrten Flechtenfunde stanmen aus den

ilahren 1984 und 1985.

Caloplaca Luteoalba (Turn. ) th. rr. (det. F. Rose) -

Munkbrarup, MTB 1 123: an Ulmen in der Ortsmitte. Die

Art muB als stark bedroht gelten.

Caloplaca scotoplaea (Nyl. ) H. Magn. (det. A. Fletcher) -

Anrumr MTB 1315: auf Bl6cken eines alten Fundaments in

der Niihe der Gu8kdlk. Nach Siiderbrarup, MTB 1324

(MAGNUSSON 19441, der zweite Fundort der Art im n6rdlichen

Deutschland.

Cladonia hunilie (With. ) Laundon (det. p.W. ,fanes) -

Amrum, MTB 1316: im Heidegeliinde nahe der GuBk6Ik. Die

Art wurde auch auf den Nachbarinseln Sylt und Rdmd gefunden

(BRAND & KETNER-OOSTRA 1983, CHRISTENSEN 1995)

und scheint in den Diinen- und Heidegebieten der NordseekUste

verbreitet zu sein.

-(Sm.1 g.ttins - Nicht selten und

offenbar von weiter 6kologischer Amplitude; sowohl in

Wiildern (an Eichen, Buchen) a1s auch an freistehenden

Laubbiiunen (Eichen, U1men, Linden, Eschen, Weiden) bis

in Siedlungsnehe anzutreffen. Die Einstufung in die

Kategorie rrVom Aussterben bedroht" der Roten Liste

(WIRTH 1984) erscheint, angesichts der Bestandessituation

in SchleswJ.g-Holstein nicht zwingend.

CLiostomum gniffithii

Cyphelium inqui.nans (Sm.) frevis. - Nordschau, MTB 12252

an Ej-chen. St.Peter-Ording, MTB 1617: an h6lzernen

Zaunpfosten. preetz, MTB 1727: Ln gro8er Menge an h61-

zernen Zaunpfosten in der Niihe des postsees. Auch auf

SyIt und Nordstrand beobachtet (BRAND & KETNER-OOSTRA

1983). Diese in S0ddeutschland dugerst seltene Art ist

zweifellos auch in Schleswig-Holstein in starkem Rtickgang

begriffen.


- 518 -

Leeanactie abietina (Ehrh. ex Pers. ) Arn. - Glticksburgr MTB

1123: an alten Buchen am Nordrand des Friedeholzes. Giekau,

MTB 16292 in groBer Menge an alten Eichen- in der

NShe des selenter Sees. - Eine ebenfalls stark gefiihrdete

Art.

Lecidea braohgepora (Th. Fr.) Nyl. - Anrum, MTB 1315: an

kleinern Silikatger6ll in Diinentdlern westlich des Quermarkenfeuers.

Bestatigung des einzigen ftir Schleswig-

Holstein bekannten Fundorts (ERICHSEN 1939a' 1957).

Leeidea cf. gibberosa Ach. (det. J. Poelt) - Amrum, MTB

'1315/15: zerstreut an Kiefernst5mmen und -zweigen im

Waldgiirtel der Inse1. Aus Schleswig-Holstein bisher

nicht belegt.

Leptogiun echnadeni (Ach. ) Nyl. (det. P.W. ilames) -

Amrum, MTB 1316: sterj.l auf Kalk elnes alten Funclaments,

fruchtend in einer Mauerritze der Norddorfer

Uferpronenade. - Neu f0r Schleswig-Ho1stein.

7pegrapha aheoallieti Leight. - Grundhof, MTB 12232 an

M6rteL und Mauerbl6cken der Dorfkirche. Die Angabe

"h5ufig" bet ERICHSEN (1957) trifft nlcht mehr zu.

Offenbar slnd die mei.sten Vorkonunen - zumlndest lm

6stlichen LandeEteil - erloschen.

Pertueari.a Leucoetoma Massal. - Anrum, MTB 1316: an einer

Ulme in der Ortsmitte von Nebel. Die vorher aus dem

Gebiet nicht bekannte Sippe wird von DIBBEN (1980) und

HAI{KO (1983) mit P. Leloplaca vereinigt.

Ranalina faatigi.ata (Pers.) acfr. - neben Eoetnia ptunastri

dle h5uflgste eplphytische stlauchflechte, v.a. ln der

. Nlhe kleinerer Ortschaften. DLe Art lst i:n Gebiet

nlcht "gtark bedroht".


- 619 -

Stxangospona pdnicola (Massal.) Koerb. - Elensburg, MTB

11222 an Ulnen im Stadtgebiet. Kiel, MTB 1526: an Eichen

am Stadtrand. DIe von ERICHSEN (1957) noch als Bewohnerin

von Holzwerk charakterisierte Art wurde in neuerer

Zeit mehrfach auf Baumborke im fnneren von Stiidten angetroffen.

Ihelidiun zuaekhii Massal. - Selker Noor, MTB 1523: auf

Lehmboden und Steinchen der Ki-esgrube am K6nigshiigel,

in Gesellschaft von Peltigera didaetgla, CoLLema

Limosum und Itapelia eoayetata.

Verrucaria ealcideda DC. - Kiel, MTB 1626: an aus Solnhofen

(Bayern) stammenden Kalkbl6cken des Alpinums im

Neuen Botanischen carten. Irlahrscheinlich eingeschleppt,

obwohl clie Bl6cke angeblich ohne Bewuchs nach Kiel gelangten.

- Neu fiir Schleswig-Holstein.

Teynuearia nelaenelLa Vain. - Kiel-Wittland, MTB 1626.

Diese sand- und moosbewohnende Verruearia wurde u.a.

von Erichsen an der dlinischen Ostseekitste gefunden

und als Verrucaria psannophiLa beschrleben (ERICHSEN

1 939b). Ein Vergleich des Kieler Fundes mit dem Typusmaterlal

aus dem Hamburger Herbar zeLqte v6llige

Uberel-nstimmung. - Neu ftir das Gebiet der Bundesrepubllk

Deutschland.

Verrucania oiridula (Schrad. ) acn. - Barsbek t UITB 1527;

Munkbrarup, MTB 1123; beide Male an M6rte1 beschatceter

NatursteLnmauern. Auch auf Sylt beobachtet (BRAND

& KETNER-OOSTRA 1983)r bis dahin durch ERTCHSEN (1957)

nur einmal f0r Schleserig-Holstein belegt.

Ich danke Herrn Prof. Dr. L. KAppEN (Kiel) fiir die Durchsicht

des Manuskriptes sowie Dr. A. FLETCHER (Leicester), Mr. p.W.

JA!{ES (London), Prof. Dr. J. poELT (Graz) und Dr. F. ROSE

(Liss) fttr die im Text erwH.hnten Bestlnmungen. FUr Hlnweise

danke ich Prof. Dr. R. SAIITESSON (Uppsala) und Dr. habil. V.

WIRTH (Stuttgart). Herr Dr. T. FEUERER stelLte mir freund-


-620-

TEGETATIONSKARTE VON SCHLESWTG.HOLSTEIN

U'

1+

t5

t6

15

16 17 t6 19 n 7l 22 IJ 2+ u --l

2Al n a al30 31 J(

/9 C

\; ,.,I

I

-\'

l ) € l\ \ \ \

Y

4

t-. _ rY

5q J" -a\ ) "\ \\

a

ra

a

a a a

JA aa

aa o oa

::{ I t a

} e

O

,/a /.

,-l

'1 1l

'rl :'5

ea

*^r *.

\\

J,:.;

ttt. /

t/

,:.t

{r ) \ -\J

'[l .lr oa /),

.tl oa

a -!

qg-'

'/)

Y

.J ,1

,:

x

\

\

(,^t \ /F tl 9

.l/

c{g

/-{ 10

t"' /

\z

4{

..C

.t3

4lL

''/aJ-)

\

B

/ 16

lI

\ "L ( 19

A

u

5

\-/

F

/ \ ( \ ,tt

/l

I

\d $ j

M

(

2

{

,F_

$ 4

u \

-{ ffi

(

f

* ZIIF

\\ ^v

ffi V

)l

$..1

(11


-621-

Iicherweise den im. Herbarium Hamburgense befindlichen Typus

von Verrucaxia psammophila zur VerfUgung.

Literatur

BRiNilD, A.M., KETNER-OOSTRA, R. 1993. Survey of the llchen flora

of the larger Wadden Sea j_slands. In: Dijkema, K.S.,

Wolff, W.J. (eds.): Flora and vegetation of the Wadden

Sea islands and coastal areas. Appendix 13, 4OO - 411.

Balkena, Rotterdam

CHRISTENSEN, S.N..1985. Rapport over en llchenologisk studietour

til Rdmd og Sild (12.7. - 25.7.1994). Institur

for Sporeplanter, Kdbenhavns Universitet, Kdbenhavn

DIBBEN, M.,1. 198O..The chemosystematlcs of the lichen genus

Pez,tusa?ia in North America north of Mexico.

Milwaukee publ. Mus., pub1. Biol. Geol. 5, 1 - 162

ERICHSEN, C.F.E. 1939a. 4. Beitrag zur Kenntnis der Flechtenflora

Schleswig-Holsteins und des Gebiets der Unterelbe.

Ann. Mycol. 37, G1 - 87

ERrcHsEN, c.F.E. 1939b. Neue und kritische deutsche Lichenen.

Mitt. rnst. A119. Bot. Hamburg l-g, 394 - 4117

ERrcHsEN, c.F.E. 1 957: Flechtenflora von Nordwestdeutschland.

G. Fischer, Stuttgart

HANKo, B. 1983. Die chemotypen der FlechtenEattung pertuearia

in Europa. Bibl. Lichenol. 19, cramei, vaduz

JACOBSEN, P. 1985. Zur Flechtenflora der fnsel Amrum. Nordfries.

.lb. N.F. 21 , 15 - 29

KAPPEN, L., MULLER, K. 1992. "Rote LLste" der Flechten des

Landes Schleswig-Holstein. Schriftenreihe Landesamt

Natursch., Landschaftspfl. SH !, 53 - 56

KLEMENT' o. 1956. vom Frechtensterben irn n6rd1i-chen Deutschland.

Ber. Naturhist. ces. Hannover !]!r 55 - 66

MAGNUSSON, A.H. 1944. Studles in the Ferruginea-group of

the genus CalopLaea. G6teborgs Kungl. Vet. - o.Vitt.-

Sanh. Handl. 6.l'. Ser. B 3 (1), 1 - 71

ROSE, F. 1978. The persistence of epiphytic lichens in

Schleswig-Holstein. Lichenol. ,lO, 231 - 239

SAXEN, W. 1953. Flechten und Klima im Lande Schleswig.

Heimat 99, 173 - 175

SAXEN, W. 1953a. Zur Verbreitung der Lungenflechte in Lande

Schleswig. Schr. nw. ver. sH 34, g4 - gg


-622-

SAXEN, W. 1 953b. Phaeographie dendritiea (Ach. ) Miill.Arg. in

Schleswig-Holstein. Heimat 70, 383 - 385

SAXEN, W. 1 963c. Flora und Vegetation des Naturschutzgebietes

am Rimmelsberg. Jb. Schleswigsche Geest 11, 2O2 - 2O7

socHTrNG, u. & K. RAMKAER 1982. The epiphytic lichen zones in

rural Denmark and Schleswig-Holstein. Nord. ,f. Bot. 2,

171 - 181

WIRTH, V, 1976. VerSnderungen der Flechtenflora und Flechtenvegetation

in der Bundesrepublik Deutschland.

Schriftenr. Vegetationskunde 19, 177 -' 2O2

$IIRTH, V. 1984. Rote Liste der Flechten (Lichenisierte Ascomyzeten).

2. Fassung, Stand Ende 1982.

In: Blab, iI., Nowak, E., Trautmann, w., Sukoppr H.

(eds. ): Rote Liste der geflihrdeten fiere und Pflanzen

in der Bundesrepublik Deutschland, 4. Auflage (= Naturschutz

Aktuell 'llt 152 - 162. creven: KiLda-Verlag,

27o pp.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine