Jahresbericht stiftung netzwerk 2012

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Jahresbericht stiftung netzwerk 2012

Jahresbericht

Stiftung

Netzwerk

2012


Inhalt

Editorial 02

Tischgespräche 1 – 4

Brigitte Tanner, Catherine Bolliger und Yvonne Krauer 04 – 11

Nicolas Müller und Christoph Bangert 12 – 19

Antoinette Hunziker-Ebneter und Gabriela Manser 20 – 27

Roger Merguin und Philipp Meier 28 – 35

Expertengespräch

Michael Siegrist 36 – 39

Impressionen 42 – 59

Finanzen 60 – 67

Statistiken 68 – 73

Michi 76

Elisa 78

Superform 80

Die Küchenchefs 82

Konzerte 86 – 101

Stiftungsrat und Mitarbeitende 102 – 103

Adressen 103

Impressum 104

Tischgespräche und Expertengespräch →


Editorial

2012 war für die Stiftung Netzwerk ein ereignisreiches, intensives und erfolgreiches Jahr – vor

allem aber ein Jahr der Extreme. Lange Zeit waren wir mit allen Programmen sehr gut auf Kurs. Im

Spätherbst jedoch gerieten wir unversehens in einen zweimonatigen finanziellen Sinkflug, den

wir nur dank ausserordentlicher Anstrengungen bis Ende 2012 wieder unter Kontrolle brachten.

Rückblickend wissen wir, dass diese heftige und glücklicherweise kurze Baisse für uns alle sehr

lehrreich war.

Doch zuerst eins nach dem anderen: Nach zwei erfolgreichen Konzertjahren im Restaurant Viadukt

konnte im Juni 2012 die «Ufrichti» des Bogen F in Zürich gefeiert werden. In diesem neuen

Veranstaltungsbogen, direkt neben den Geleisen, fanden nach der Eröffnung und der Fussball-

EM-Bar viele unvergessliche Konzerte mit Künstlern wie Soko, Lloyd Cole und First Aid Kit statt.

Bis in den Herbst hinein waren wir mit unseren Angeboten voll ausgelastet, im September indes

zog plötzlich ein Sturmtief auf. Die Stiftung Netzwerk, die in den vergangenen vier Jahren den

Umsatz nahezu auf rund 10 Millionen Franken verdoppelt hatte, sah sich veranlasst, unmittelbar

auf die Kostenbremse zu treten. Den Umschwung konnten wir nachträglich auf kurze

Auslastungsschwankungen in beinahe allen Programmen und terminlich zusammenfallende

Investitionen und Finanzausgaben zurückführen. Zu schaffen machte uns ebenfalls, dass im

Sozialbereich vermehrt Billiganbieter unsere AIP-Programme mit Dumpingpreisen konkurrenzieren

und dass diesbezüglich leider kaum Qualitätsüberprüfungen von Seiten der zuweisenden

Stellen stattfinden. Hier wollen wir klar am Qualitätsanspruch bei unseren Programmen festhalten,

da die Leidtragenden dieser Entwicklung letztlich die Jugendlichen sind.

Das kurze, aber intensive Erdbeben rüttelte alle auf: Geschäftsleitung, Stiftungsrat, Mitarbeitende.

Dank des Engagements aller und des Willens, diese Krise gemeinsam durchzustehen, gelang es

uns, den «Tanker» binnen kurzem in ruhigere Gewässer zu lenken. Vor allem durften wir erneut

auf die grosszügige Unterstützung unserer treuen Geldgeber zählen, wofür wir unseren Partnern

noch einmal unseren grossen Dank aussprechen. Eine Konsequenz der geschilderten Turbulenzen

ist, dass die Jahre 2012/2013 beim Netzwerk nun erstmals im Zeichen der Konsolidierung stehen.

2012 wurde die Stiftung Netzwerk damit konfrontiert, dass bei negativer Geschäftsentwicklung

sehr schnell gehandelt werden muss und dass ein Risiko nie vollumfänglich voraussehbar ist.

Deshalb haben wir im vorliegenden Jahresbericht Mitarbeitende, Sportler, Unternehmerinnen,

Kulturschaffende an einen Tisch gebeten, die in ihrem Beruf verhältnismässig viel riskieren, um ihr

Ziel erreichen oder ihre Passion leben zu können. Experte Michael Siegrist, der an der ETH Zürich

die Professur für Verbraucherverhalten innehat, erklärt, warum uns unser Gefühl dabei hilft, bei

Entscheidungen den Fokus richtig zu setzen. Wir wünschen gute Lektüre und danken allen unseren

Unterstützern herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Erika Klossner-Locher, Stiftungsratspräsidentin / Kaspar Jucker, Geschäftsleiter


1/4

Tischgespräch

mit den Frauen der erweiterten Geschäftsleitung Netzwerk

«Ich hatte immer das Gefühl:

Das packen wir!»

Brigitte Tanner

36, Bereichsleiterin Jugendwohnungen, Ambulante Jugend- und Familienbegleitung

Catherine Bolliger

34, Co-Bereichsleiterin AIP-Arbeitsintegrationsprojekte für Jugendliche und junge

Erwachsene

Yvonne Krauer

43, Projekte, Konzepte, Marketing

V.l.n.r.: Brigitte Tanner, Catherine Bolliger, Yvonne Krauer →

6


Was war 2012 eure grösste

Sorge? Und was hat euch

im Gegenzug zuversichtlich

gestimmt?

Catherine Bolliger: Im Bereich Arbeitsintegrationsprojekte

(AIP) hatten wir 2012 ein sehr strenges

Jahr. In den ersten Monaten waren wir total ausgelastet

mit unseren AIP-Angeboten. Mein Team

war gefordert, weil wir sehr unterschiedliche Jugendliche

in den Programmen hatten. Mitte Jahr

folgte nach einer kurzen Verschnaufpause der grosse

Knall – nach der Sommerpause hatten wir viel

weniger AIP-Lehrlinge. Angesichts des finanziellen

Lochs, das sich auftat, mussten wir sofort reagieren.

Zum Glück erklärte sich eine Mitarbeiterin spontan

bereit, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Zudem

wurde die Sekretariatsstelle nicht wieder besetzt.

Das Paradoxe an der Situation war: Wir hatten ein

halbes Jahr lang alles gegeben, und kaum war ein

bisschen Ruhe eingekehrt, hiess es plötzlich, dass

bereits Stellen gefährdet seien. Das setzte allen zu.

Trotz der Turbulenzen gab es aber auch Positives:

Das Team zog immer mit, hielt zusammen, obwohl

alle an ihre Grenzen kamen. Brigitte Tanner: Bei

mir war die Situation ein bisschen anders, da die Jugendwohnungen

mehrheitlich gut ausgelastet waren.

Trotzdem ging das Ganze nicht spurlos an mir

vorbei. Wie prekär die Lage war, konnte ich im ersten

Moment aber kaum einschätzen. Klar, sah ich

die schlechten AIP-Zahlen, doch was diese genau

bedeuteten, war für mich nicht fassbar, weil die Stiftung

Netzwerk so gross geworden ist. Die Vorstellung,

dass unser Tanker – wie der Geschäftsleiter

das Netzwerk zu nennen pflegt – im schlimmsten

Fall untergeht, war schrecklich. Verschiedene MitarbeiterInnen

verzichteten spontan auf Lohnprozente

oder halfen gratis bei den Konzerten. Da war

plötzlich auch eine positive Energie spürbar: Wir

ziehen das zusammen durch. Wir wollen nicht, dass

es bachab geht. Yvonne Krauer: Ich stand Anfang

2012 vor einem Berg Arbeit. Einiges war liegengeblieben

oder musste in Angriff genommen werden:

Konzepte, Eingaben, Evaluationen, Berichte. Die

Lancierung neuer Projekte stand im Raum, Spender

mussten gesucht werden. Dank der zusätzlichen

Anstellung eines Mitarbeiters wurde ich wider Erwarten

stark entlastet. Die Krise kam auch für mich

unterwartet. Sie war heftig, heftiger als die Krisen,

die ich bis dahin im Netzwerk erlebt hatte. Dennoch

hatte ich immer das Gefühl: Das packen wir!

Wie seid ihr mit der Belastung

umgegangen?

Hattet ihr schlaflose

Nächte?

Bolliger: Am Anfang war ich mit der Situation klar

überfordert. Ich benötigte ein paar Tage, um gemeinsam

mit der Geschäftsleitung eine Strategie

zu entwickeln. Danach ging alles Schlag auf Schlag,

kleinere und grössere Massnahmen wurden sofort

ergriffen und umgesetzt. Das vorgängige Innehalten

betrachte ich im Rückblick als wichtig. Intuitiv

sagte ich mir: Auch wenn nun dringend Strategien

gefragt sind, sind übereilte Entscheidungen nicht

die Lösung. Krauer: Als unser Geschäftsleiter Kaspar

plötzlich nicht mehr von neuen Projekten, sondern

von so was wie «gesundschrumpfen» sprach,

wusste ich, dass die Lage ernst ist. Ich spürte eine

grosse Verunsicherung. Tatsache ist: Wenn all das

bachab gegangen wäre, was wir über all die Jahre

aufgebaut haben, hätte mir das sehr wehgetan. Vor

allem auch wegen der Köpfe dahinter: der Kolleginnen

und Kollegen, der Klientinnen und Klienten.

Mir wurde auch bewusst, dass wir aufgrund unserer

Grösse zwar weniger miteinander zu tun haben als

früher, aber dennoch immer noch sehr verbunden

sind. Das heisst: Wenn das AIP ein Problem hat, haben

wir alle ein Problem. Tanner: Ja, mir ging es

da ähnlich. Als Kaspar als Geschäftsleiter plötzlich

die Strategie wechselte, war das schon ein Weckruf,

ein klarer Bruch. Denn früher war die Strategie bei

Krisen immer: Fokus öffnen, über den Tellerrand

schauen, neue Nischen besetzen. Zum ersten Mal

hiess die Devise nun: Schrumpfen, keine neuen

Projekte, Abgänge nicht ersetzen.

Die Schnelllebigkeit in

Beruf und Alltag spürt

ihr auch beim Netzwerk.

Eure Konzepte und Projekte

werden kopiert.

Wie frustrierend ist das?

Tanner: Mich frustriert das nicht. Mir ist es gleichgültig,

wenn andere Institutionen unser Konzept

kopieren. Meiner Meinung nach kann man ein

Konzept problemlos übernehmen, aber das sagt

noch nichts über die Qualität des Angebots aus. Ein

Konzept ist ein Raster, gefüllt werden muss dieses

aber vom Team bei der alltäglichen Umsetzung.

Krauer: Ich glaube nicht, dass wir im Netzwerk die

Welt neu erfinden. Und doch sehe ich klare Stärken.

Wenn wir eine Nische sehen, die wir besetzen

wollen, reagieren wir sehr schnell. Wir haben einen

mutigen Stiftungsrat, der uns den Rücken stärkt.

Auch in schwierigen Zeiten. Wir verfügen über

Geldgeber, die das, was wir machen, seit vielen Jahren

schätzen und neue Projekte weiter unterstützen.

Ein Konzept – da bin ich ganz deiner Meinung,

Brigitte – ist Theorie. Am Ende zeigt sich in der Praxis,

ob es taugt. Oder anders gesagt: Die Umsetzung

kann man nicht kopieren, die wird geprägt von den

Personen, von uns. Beim Netzwerk merkt man zudem

schnell, dass die meisten mit Überzeugung

und Freude bei der Sache sind, das strahlt nach

aussen. Bolliger: Ich sehe das auch so. Die Konkurrenz

im AIP-Bereich ist sehr gewachsen, Gastrobetriebe

mit geschützten Arbeitsplätzen schiessen

wie Pilze aus dem Boden. Doch in zwei, drei Jahren

wird sich zeigen, welche Angebote überleben und

überzeugen. Preis und Qualität werden zählen. Unsere

Stärke ist der unkomplizierte Auftritt und die

Topqualität. Im AIP- und Wohnbereich gehen wir

auf die individuellen Bedürfnisse der Jugendlichen

ein, was auch von den Jugendlichen sehr geschätzt

wird. Wir können die Jugendlichen dort abholen,

wo sie stehen. Diese Qualität erfordert von uns im

Gegenzug viel Flexibilität.

Ihr sitzt in der erweiterten

Geschäftsleitung des

Netzwerks. Welche Herausforderung

steht für

euch im Mittelpunkt?

Bolliger: Alles unter einen Hut zu bringen. Das

Tagesgeschäft nimmt bereits sehr viel Zeit in Anspruch,

somit bleibt wenig Zeit für strategische

Überlegungen. In der erweiterten Geschäftsleitung

sind strategische Lösungen aber gefragt. Im Alltag

ist dieser Spagat schwierig. Krauer: Wir haben

in den vergangenen Jahren infolge des stetigen

Wachstums stark in neue Projekte investiert. Dieses

Jahr werden wir weniger Energie für Neues aufwenden,

sondern – so hoffe ich – mehr Zeit finden fürs

Optimieren und Konsolidieren. Tanner: In unserer

Position müssen wir viele Qualitäten in einer Person

vereinen. Wir müssen fachlich und betriebswirtschaftlich

stark sein, gute Strategien und innovative

Ideen für neue Angebote entwickeln. Wenn

Catherine und ich zum Beispiel eine Person wären,

käme das ziemlich gut: Sie ist mutig, reisst gerne

Neues an; ich bin eher die, die Angebote auf Kurs

bringen und etablieren will.

Wie wichtig ist eurer

Meinung nach die Rollenverteilung

Mann/Frau

im Netzwerk?

Krauer: Ich nehme das nicht so wahr: hier die Frauen,

dort die Männer. Natürlich sind wir verschieden,

aber unsere Männer besetzen auch Domänen,

die man eher uns Frauen zuschreiben würde, zum

Beispiel reden einige sehr gerne… Bolliger: Für

mich persönlich spielt die Geschlechterverteilung

keine grosse Rolle. Wir müssen Leute überzeugen.

Und im Sozialbereich haben wir ja eher das Problem,

dass männliche Bezugspersonen für Jugendliche

fehlen. Tanner: Ich finde schon, dass sich

gewisse Geschlechterstereotypen zeigen. Einige

EGL-Männer führen Debatten, reden viel. Ich hingegen

sage nur etwas, wenn ich wirklich etwas zu

sagen habe. Männer und Frauen haben auch verschiedene

Führungsstile.

Verantwortungsbewusstsein,

Vernunft, innere

Gelassenheit, Solidarität

sind Tugenden, die für

den Zusammenhalt der

Gesellschaft unerlässlich

sind. Verlieren diese

Tugenden an Bedeutung?

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Tanner: Wir waren kürzlich an einer Veranstaltung,

an der es um die Revision des Sozialhilfegesetzes

des Kantons Zürich ging. Für unsere Arbeit

ist diese Revision sehr relevant. Doch die Befürchtung

ist, dass sich die politische Debatte vor allem

um Missbrauch und im Speziellen um die Möglichkeiten

zur Verhinderung von Missbrauch drehen

wird. Dabei geht es um ein Gesetz, das unser

Grundrecht tangiert. Dennoch ist es aus meiner

Warte schwierig, einzuschätzen, ob es einen grundsätzlichen

Werteverlust gibt. Ob es nicht immer so

war, dass man auf die zeigte, die das Gesetz missbrauchen

oder aus der Reihe tanzen. Ich persönlich

weiss, dass ich privilegiert bin, und mache mir keine

Sorgen um die Zukunft. Dass Leute verunsichert

sind und Angst haben, wenn sie ins nahe Ausland

schauen, kann ich nachvollziehen. Krauer: Ich

denke, Solidarität gibt es noch. Vor allem wenn

Unvorhersehbares passiert, etwas, das niemand

offensichtlich verschuldet hat. Wenn man also

nicht sagen kann: Der oder die trägt eine Schuld.

Im Moment sind gewisse Themen in den Medien

omnipräsent. Headlines wie Sozialschmarotzer bedrohen

Sozialstaat oder Europa steht vor dem aus.

Das macht den Leuten zunehmend Angst und verunsichert

sie. Aber mir geht es ähnlich wie Brigitte:

In meinem Alltag ist diese Angst nicht präsent.

Bolliger: Natürlich würde ich mir wünschen, dass

die Solidarität im Alltag mehr zum Tragen käme.

Bezüglich des Werteverlusts bin ich mir auch nicht

sicher, ob das nicht jede Generation behauptet, so

in dem Sinn: Früher war alles besser. Die Vergangenheit

wird gerne schöngeredet.

Die Jugend von heute

wächst in einer von Konkurrenz,

Effizienz und

Vorteilsstreben geprägten

Welt heran. Welche

Veränderungen machen

den von euch betreuten

Jugendlichen vor allem

zu schaffen?

Tanner: Unsere Jugendlichen sind teils kognitiv

schwach und nicht ressourcenstark. Ob der Anteil

solcher Jugendlicher allgemein zugenommen

hat, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist aber,

dass es für diese schwieriger geworden ist, einen

Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Für Leute,

die keine anspruchsvolle Arbeit machen können,

gibt es keine einfache Arbeit mehr. Wo früher viele

Hand anlegten, erledigen heute Maschinen den

Job. Bolliger: In dieser leistungsorientierten Gesellschaft

finden viele unserer Jugendlichen ihren

Platz nicht mehr. Einige versuchen auszubrechen,

andere glauben schon lange nicht mehr daran, den

Anschluss zu schaffen, da dieses Ziel für sie so fern

liegt. Gleichzeitig fehlt ihnen oft der Rückhalt, ein

Umfeld, das sie fördert, fordert und unterstützt.

Aus diesem Grund bieten wir im AIP unseren Jugendlichen

eine individuelle Unterstützung und

Begleitung an, um sie optimal zu coachen und ihnen

das nötige «Werkzeug» für ihre weitere Zukunft

mitzugeben.

Ihr arbeitet seit rund

zehn Jahren für die Stiftung.

Was findet ihr reizvoll

an eurer Stelle und

eurer Aufgabe? Wie stark

identifiziert ihr euch mit

eurem Arbeitgeber?

Bolliger: Ich identifiziere mich stark mit dem Netzwerk.

Ich fühle mich wohl hier, kann sein, wie ich

bin. Wir arbeiten ja auch sehr wirtschaftsnah. Das

wollte ich immer, denn ich war schon früh davon

überzeugt, dass wirtschaftliche Faktoren in der Sozialarbeit

eine Rolle spielen. Auch für Jugendliche

sind wirtschaftsnahe Betriebe wichtig. Wie Brigitte

bereits erwähnt hat, kommt hinzu, dass ich

eine Macherin bin, eine, die gerne Neues anreisst.

Diese Seite kann ich im Netzwerk ausleben. Wobei

im letzten Jahr nun zum ersten Mal keine neuen

Angebote hinzukamen. So oder so konnte ich in

den vergangenen zehn Jahren viele Erfahrungen

sammeln und mich weiterentwickeln. Tanner: Mir

geht es ähnlich. Die Identifikation mit dem Netzwerk

ist sehr hoch. Ausserdem empfinde ich es als

Privileg, einen Job zu machen, der sinnstiftend

ist. Auch wenn ich die Wirksamkeit nicht belegen

kann, die Dankbarkeit der Jugendlichen spüre ich.

Ich konnte immer wachsen innerhalb des Betriebs.

Mein Handlungsspielraum ist gross, und ich kann

mir momentan nicht vorstellen, dass es anderswo

ebenfalls so wäre. Krauer: Dieses Mitwachsen ist

wohl typisch fürs Netzwerk. Ich arbeite ja nun seit

20 Jahren im Sozialbereich und seit langem nicht

mehr an der Basis, sondern im Stab. Vor 20 Jahren

hätte ich mir dies nicht vorstellen können. Doch

hier wurde mir vermittelt: Du kannst das. Nun bin

ich hinter den Kulissen tätig und dank des Wachstums

mit vielen neuen, spannenden Herausforderungen

konfrontiert worden. Das ist sehr reizvoll

und hält mich wohl auch hier. Manchmal frage ich

mich jedoch, wie es wäre, die Ärmel nach hinten zu

krempeln und noch einmal etwas ganz Neues anzupacken.

Wo und wie tankt ihr

Energie?

Tanner: Mir ist enorm wichtig, dass ich mit meinen

Energien haushalte. Das wird mir manchmal auch

zum Vorwurf gemacht. Ich habe seit einem Jahr einen

Schrebergarten hinter dem Friedhof Sihlfeld in

Zürich. Das ist ein toller Ausgleich. Allgemein liebe

ich es, draussen zu sein, ich wandere und klettere.

Bolliger: In den vergangenen Monaten ist der

Ausgleich zum Job bei mir zu kurz gekommen. Ich

habe meine Freunde nicht mehr so oft gesehen, da

ich nach der Arbeit meine Ruhe wollte. Das ändert

sich nun aber wieder. Ich weiss, Raum und Zeit für

ein privates Leben sind wichtig. Meine Familie,

Freundinnen und Freunde sind wichtig. Als Ausgleich

zum Arbeitsalltag besuche ich gerne Konzerte

und andere kulturelle Anlässe. Zudem gehe

ich auch gerne ins Appenzellerland, wo ich aufgewachsen

bin. Krauer: Ich arbeite ja 70 Prozent,

darum haftet mir das Etikett «freizeitorientiert»

an. Das ist mir egal – ich bin mir jedoch bewusst,

dass ich in einer privilegierten Lage bin. Eine gute

Balance ist mir wichtig. Ich schätze es sehr, meine

Freizeit mit Freunden und der Familie verbringen

zu können. Aber ich benötige auch Zeit für mich.

Ich habe mein GA, meinen Museums- und Langlaufpass,

reise kreuz und quer durch die Schweiz.

Ich bin sehr gerne und viel an der frischen Luft, keine

Sportfanatikerin, oft laufe ich einfach stundenlang

irgendwohin. Ich merke, das gibt mir viel, ich

brauche das.


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2/4

Tischgespräch

«Der Wandel fängt für mich

im Kleinen an»

Nicolas Müller

31, Profi-Snowboarder

Christoph Bangert

35, Fotograf mit Kriegserfahrung und Rallyefahrer

V.l.n.r.: Nicolas Müller, Christoph Bangert →

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Was war 2012 eure grösste

Sorge? Und was hat euch

im Gegenzug zuversichtlich

gestimmt?

Christoph Bangert: Ich mache mir nicht so viele Sorgen;

Sorgen bringen einen nicht weiter. Trotzdem

ist natürlich auch mein Leben nicht sorgenfrei. 2012

war ich im Vergleich zu anderen Jahren viel zu Hause

und nicht auf Reisen. Dafür gab es zwei Gründe: Ich

schaute vermehrt zu unseren Kindern, die eineinhalb

und dreieinhalb Jahre alt sind. Und ich arbeitete

mit meiner Frau zusammen an einem Buch für

den Verlag National Geographic: «Africa Overland»

dokumentiert unsere Reise durch 36 Länder Afrikas

mit einem alten Land Rover. Was den Aufwand anbelangt,

war das Buch viel anspruchsvoller als gedacht.

Ich bin Legastheniker, das Schreiben geht mir also

nicht leicht von der Hand. Ich habe zeitweise mit

mir gekämpft, doch am Ende ist alles gut gegangen.

Das Fotobuch ist Anfang Jahr herausgekommen, was

eine grosse Entlastung war. Im Sommer davor hatte

ich wirklich eine Krise, da nicht viele Aufträge reinkamen

und es finanziell knapp wurde. Manchmal frage

ich mich schon: Habe ich alles falsch gemacht? Wie

soll ich als Mensch leben? Und was ist, wenns schiefgeht?

Nicolas Müller: Mich hat diese Handy-Geschichte

zunehmend beunruhigt. Dass alles immer

mehr und schneller wird: 3G, 4G, 5G. Das geht ja alles

durch die Luft, und die Gefahren für unseren Körper

werden kaum thematisiert. Ich hatte 15 Jahre lang ein

Handy, seit ein paar Jahren hat mich dieses Ding aber

zunehmend genervt, vor allem das SMSen. Als mir

dann im letzten Sommer mein Handy gestohlen wurde,

dachte ich: Das ist ein guter Moment, jetzt kündige

ich mein Abo. Ich kommuniziere nun via E-Mail

und benutze das Festnetz, ab und zu bin ich auch auf

Facebook. Zuversicht gibt mir nun dieses neue, relaxtere

Leben. Dass ich Leute wieder spontan treffen

kann und auch wieder mehr Zeit für mich habe.

Bangert: Was mir gut gefällt, Nicolas: Du sagst ja

nicht, dass du nicht mehr kommunizieren willst, sondern

wieder bewusster wählen willst, wann und mit

wem du kommunizierst. Menschen, die erfolgreich

sind, sind oft sehr fokussiert. Sie konzentrieren sich

auf eine Sache und geben da Vollgas. Dieses Fokussieren

geht aber verloren, wenn man mehrere Dinge

gleichzeitig machen will. Müller: Ja, man ist überall,

aber nicht dort, wo man wirklich sein will. Unser

Körper ist genial, der steckt das wahrscheinlich sogar

weg. Der Geist aber wird darunter leiden.

Nicolas, du bist Profi-

Snowboarder. Du,

Christoph, Fotograf und

Rallyefahrer, als Fotograf

warst du auch in

Kriegsgebieten, im Irak

und Afghanistan. Wie

fing bei euch alles an?

Bangert: Ich komme aus einem kleinen Ort im

Westen von Deutschland: Daun. Das ist so richtiges

Hillbilly-Land, und Rallyefahren ist da so der

Bauernsport. Ich habe als Kartfahrer angefangen.

Als Jugendlicher kaufte ich mir jeden Sommer ein

InterRail-Ticket. Mit dem reiste ich quer durch Europa,

ganz alleine, mit meiner Kamera. Mit 16 wollte

ich nur noch weg. Aber ich wusste nicht, was ich mit

meinem Leben anfangen soll. Zuerst wollte ich Ingenieur

werden und Autos bauen. Doch in meinem

Studiengang mit 200 Studenten gab es gerade mal

fünf Frauen. Ich fühlte mich unwohl, merkte schnell:

Das ist nicht meine Welt. Dann studierte ich Fotografie,

ging nach New York, lernte coole Leute kennen.

Müller: In Aarau fuhr ich zuerst viel Skateboard.

Später faszinierte mich das Snowboarden so sehr,

dass ich irgendwann nur noch Snowboarden wollte.

Mit 16 Jahren begann ich die Ausbildung an der

Akad, weil meine Mutter das auch so gemacht hat;

weit gekommen bin ich aber nicht. Ich hatte damals

schon ein paar Sponsoren, verdiente um die 600 Dollar

pro Monat. Seither bin ich in den Snowboard-Ferien,

genauer gesagt seit 14 Jahren. Ich habe nie eine

Lehre gemacht, obwohl meine Eltern schon wollten,

dass ich einen Abschluss mache. Aber irgendwann

erkannte ich, dass dies nicht mein Problem ist.

Bangert: Ich habe übrigens auch nie einen Abschluss

gemacht, aber bis ich meinem Vater beigebracht

hatte, dass ich das nicht wirklich brauche, dauerte

es eine Weile. Müller: Ja, ich habe mir auch immer

viel anhören müssen. Als ich meinem Klassenlehrer

sagte, dass ich Snowboarder werden wolle, sagte der:

«Das ist kein Beruf, und mit solchen Flausen im Kopf

landest du in der Fabrik.» Bangert: Uh, ja, die Fabrik,

der absolute Horror für einen Lehrer. Meine Lehrer

sagten, dass ich nie was mit Schreiben am Hut haben

werde. Meine Aufsätze und Diktate sahen immer aus

wie ein Blutbad wegen meiner Legasthenie. Meinem

damaligen Lehrer habe ich jetzt übrigens ein Buch

geschickt, er hat sich aber nicht gemeldet.

Worauf fokussiert ihr im

täglichen Leben? Wo

macht ihr keine Kompromisse?

Müller: Ich mache immer weniger Kompromisse

bei der Ernährung. Als Snowboarder muss ich fit

sein, die Ernährung ist wichtig. Ich bin Vegetarier,

Weizen esse ich ganz selten, dafür Dinkelbrot, Dinkelmehl,

Dinkelpasta. Weil es fein ist und aus politischen

Gründen: Ich will unsere Bauern unterstützen

und keine Multis wie Monsanto und Nestlé.

Ich kaufe meine Lebensmittel vorwiegend im Bioladen.

Selbst in Alaska muss ich auf den Einkauf im

Bioladen nicht verzichten. Bei der Ernährung bin

ich inzwischen so kompromisslos, dass ich nicht

mehr überallhin reise. Vitalität brauche ich beim

Snowboarden, und wenn ich mich nicht mehr richtig

ernähre, geht auf dem Berg schnell mal alles

den Bach runter. Es hängt also zu viel davon ab.

Die Beziehung zu mir selber zählt, meine Intuition.

In Alaska auf dem Berg ist es wichtig, dass alles

stimmt, da nützt mir die beste Versicherung nichts.

Bangert: Ich mache keine Kompromisse bei der

Wahl meiner Arbeitgeber. Als Fotojournalist arbeite

ich wie ein Journalist, einfach mit der Kamera.

Meine Auftraggeber sind Tageszeitungen, Magazine,

journalistische Produkte. Viele Kollegen fotografieren

nicht nur für die Presse, sondern auch im

Auftrag von Credit Suisse, Migros, Alliance Suisse.

Der Grund: In diesen kommerziellen Jobs verdient

ein Fotograf ungefähr zehnmal mehr. Ich bin da

stur, fotografiere nur für die Presse – keine Modestrecken,

keine Jahresberichte für Multis, keine

Handtaschen. Ich will als Journalist und Fotograf

ernst genommen werden. Natürlich muss das jeder

für sich entscheiden, es ist eine Gratwanderung.

Nicolas, du hast auch

Deals mit solchen Riesenfirmen:

Nike, Burton. Wo

setzt du die Grenzen?

Müller: Das ist eine gute Frage, ich kann nicht hinter

allem stehen. Ich bin zum Beispiel einer der

wenigen Actionsportler, die nicht für synthetische

Energy-Drinks Werbung machen. Das Marketing

ist mir zu aggressiv. Aber auch hier muss jeder für

sich selbst entscheiden: Will ich das oder nicht?

Eine Ausnahme habe ich gemacht. Und zwar war

ich beim Snowboardfilm «The Art of Flight» dabei,

zu dem Redbull 20 Millionen Franken beigesteuert

hatte. Ich habe das aber wegen Travis Rice

gemacht, der einfach seine Lieblingsfahrer dabeihaben

wollte. Nike ist natürlich auch ein Riesenkonzern,

aber ich habe mir gesagt: Wenn ich ein

Teil davon bin, kann ich vielleicht auch etwas verändern.

Man kann sich nicht nur zurückziehen,

so verändert man nichts. Ich habe auch das Headquarter

in Portland besucht und gesehen, dass dort

gute Leute arbeiten. Und Nike merkt allmählich:

Was dem Planeten nicht gut tut, tut auch uns nicht

gut. Ausserdem gebe ich zu, dass mit dem Vertrag

mit Hauptsponsor Nike ein Bubentraum in Erfüllung

gegangen ist. Roger Federer, Michael Jordan,

das sind grosse Namen.

Seid ihr Abenteurer?

Braucht ihr den Kick?

Müller: Abenteurer ja, Adrenalinjunkie nein. Beim

Boarden habe ich alles in der Hand, ich weiss genau,

was ich mache, ich schaue mir alles genau an.

Ich bin eher der, der immer alles dreimal im Kopf

durchgeht und sich für die sichere Variante entscheidet.

Der Style ist mir ebenfalls wichtig, die

Art, wie ich etwas mache. In Alaska kommt immer

auch ein Bergführer mit. Und wir tragen alle ein Lawinensuchgerät

auf uns. Ich fahre aber ohne Helm,

weil ich das immer so gemacht habe. Die meisten

Filmer und Fotografen, mit denen ich arbeite, kenne

ich seit langem. Das ist wichtig für die Stimmung.

Bangert: Bei uns ist der Bergführer der «Fixer».

Er ist der, der die Termine festlegt, der übersetzt,

manchmal auch fährt. Ich trage immer ein Satellitentelefon

auf mir. Meistens reise ich noch mit

einem Journalisten. In der sehr kleinen Unterkategorie

Kriegsfotografie gibt es zwei Typen: Cowboys,

die in irgendeinen Krieg ziehen, unheimlich viele

Fotos knipsen und die Fotografie als Vorwand benutzen,

um etwas Wahnsinniges zu tun. Und dann

gibt es die anderen, die auch nicht frei sind vom

Kick. Ich zähle mich zur zweiten Gattung. Im Irak

hatte ich diesen Riesenauftrag für die «New York

Times» und das mit 26. Es war mein erster gros ser

Auftrag überhaupt, ein Riesenschritt nach vorne.

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Wobei ich nicht von Karriereschritt sprechen möchte.

Snowboarden ist auch keine Karriere, sondern

Leben, Stil. Beim Fotografieren ist das genauso,

eine klassische Karriere gibt es eigentlich nicht.

Wie gehst du vor Ort mit

dem Risiko, der Gefahr um?

Bangert: Das ist schwer zu erklären. Die normalen

Leute, die noch nie einen Krieg erlebt haben – und

das sind hierzulande die meisten –, können sich

Krieg nicht vorstellen. Sie sehen Bilder von mir, die

hochgefährlich aussehen, obwohl in der Realität

alles völlig sicher war. Andere Bilder wirken daneben

harmlos, da liegt jemand einfach im Krankenhausbett.

Auf dem Weg zum Krankenhaus aber

wurde das Auto, in dem ich sass, beschossen, und

ich geriet in eine hochgradig gefährliche Situation.

Allgemein knallt es viel weniger, als man sich das

vorstellt, und es gibt unheimlich viele Phasen, in

denen gar nichts passiert. Nicolas, du kannst den

Leuten auch nicht erklären, was das für ein Gefühl

ist, einen Felsen runterzuspringen? Die Leute

können sich dein Video ansehen, meine Fotos anschauen,

aber wie das ist, kann man nicht beschreiben.

Ich muss nicht ein besonders grosses Risiko

eingehen, um ein gutes Bild zu machen. Etwas zu

machen, was die anderen nicht können, ist die Herausforderung.

Ich denke, das ist bei uns ähnlich.

Zweifelsohne gibt es eine Gefahr, aber gleichzeitig

gibt es diesen Mythos Gefahr. Dagegen muss man

als Kriegsfotograf ankämpfen. Und ein bisschen

leben wir auch davon.

Ein Fotograf, der in ein

Kriegsgebiet reist, trägt

viel Verantwortung. Denn

die Bilder zeigen nur immer

das, was im Vordergrund

ist, also das Äusserste,

nicht das Hintergründige.

Wie gehst du mit dieser

Verantwortung um?

Bangert: Bis jetzt hatte ich da sehr Glück. Keines

meiner Bilder ist in einem Zusammenhang publiziert

worden, der für mich nicht mehr gepasst hätte.

Ich arbeite mit einer Agentur zusammen; die

schauen genau hin und verkaufen die Bilder nicht

an eine «Bild»-Zeitung. Als die «Weltwoche» ein

Roma-Bild in einem total anderen Kontext publizierte,

war das der Fehler einer Agentur. Das darf

nicht passieren.

Nicolas, du bist ein gebürtiger

Unterländer. War deine

Herkunft ein Nachteil?

Müller: Der Unterländer-Stempel wurde mir eigentlich

nie aufgedrückt. Ich kam aus Aarau, hatte

vielleicht einen etwas anderen Style, aber ich war

wie die anderen auch nonstop auf dem Berg. Ich

hatte mein WG-Zimmer, stand jeden Tag auf dem

Board.

Wo setzt ihr die Grenzen?

Sagt ihr euch: Bis dahin

und nicht weiter?

Müller: Wenn ich merke, dass es nicht passt,

sage ich das. Ich entscheide für mich und lasse

mich von der Crew nicht beeinflussen.

Bangert: Das ist ein ständiger Prozess; ich bewege

mich immer an der Grenze, muss konstant Entscheidungen

treffen, wenn ich unterwegs bin.

Ständig überlegen: Ist das okay oder zu gefährlich?

Es braucht Selbstvertrauen. Wenn dir dein Gefühl

sagt, dass das nicht gut ist, musst du Kerl genug

sein, um zu sagen: Ich will da nicht weiterfahren.

Seid ihr noch nie in

brenzlige Situationen

geraten?

Bangert: Es gab in meinem Fall brenzlige Momente,

und es waren immer unberechenbare Situationen.

Müller: Richtig schlimm verletzt habe ich mich

noch nie. Auf dem Weg auf den Berg mache ich

mir sehr viele Gedanken: Passt das? Auch ich muss

nonstop Entscheidungen treffen. Das Resultat

sieht mega spontan aus, ist manchmal aber sehr

kalkuliert. Bangert: Diese Nachhaltigkeit brauchts

schon in unserem Beruf, denke ich. Wenn etwas

beinahe schiefgelaufen wäre, bin ich eher der, der

sich hinsetzt und überlegt, was ich falsch gemacht

habe. Müller: Ein gewisses Urvertrauen ist wichtig.

Ich will ja nicht immer in Angst leben. Bangert: Für

mich ist die Gefahr bei der Arbeit auch nicht das

zentrale Thema. Ich versuche, ein gutes Bild zu machen.

Für meine Verwandten ist es schwieriger, mit

ihrer Angst um mich umzugehen. Je weiter du vom

Ort des Geschehens entfernt bist, desto grösser ist

die Angst. Und wenn sich die anderen um dich sorgen,

beginnt es, kompliziert zu werden.

Kennt ihr schlaflose

Nächte?

Müller: Nein. Bangert: Wenn, dann eher wegen

finanzieller Probleme.

Wie funktioniert Wandel

in eurem Alltag, was

bedeutet er für euch?

Bangert: Der Wandel fängt für mich im Kleinen

an, im Bioladen und so. Ich gehe zwar nicht in den

Bioladen, aber zum Türken um die Ecke. Man muss

sich grundsätzlich immer an die eigene Nase fassen.

Nicht nur nach oben gucken und sagen, da oben

funktioniert es nicht. Ich bin auch Teil der Gesellschaft.

Was kann ich anders machen? Müller: Ich

denke auch, du kannst dein Ding nur im Hier und

Jetzt durchziehen. Darum gehe ich in den Bioladen,

habe meinen Kompost, trenne fleissig Plastik. Ich

baue mir in meinem Haus in Laax meine eigene kleine

Welt auf. Ich lebe im Moment, möchte später aber

auch einmal eine Familie. Ansonsten hoffe ich, dass

ich in 20 Jahren immer noch Powder-Turns mache.

20 21


3/4

Tischgespräch

«Ich arbeite gerne mit Fakten

und mit meiner Intuition»

Antoinette Hunziker-Ebneter

52, Ex-Börsenchefin und heute Geschäftsführerin von Forma Futura Invest AG, einer

Vermögensverwaltungsfirma, die sich auf nachhaltige Anlagen spezialisiert hat

Gabriela Manser

51, Geschäftsführerin der Goba AG, einer der kleinsten Mineralquellen der Schweiz

V.l.n.r.: Antoinette Hunziker-Ebneter, Gabriela Manser →

22 23


Was war 2012 Ihre grösste

Sorge? Und was hat Sie im

Gegenzug zuversichtlich

gestimmt?

Antoinette Hunziker-Ebneter: Sorge bereitet mir

die zunehmende Verschuldungssituation, besonders

in den Ländern rund um uns herum. In diesem

Jahr der Fall Zypern, wo Regierungen vorerst entschieden

haben, dass Menschen, die bis zu 100 000

Euro auf ihrem Konto angespart hatten, ohne rechtliche

Grundlage enteignet werden. Solche Enteignungen

und die absolute Rechtsunsicherheit in

diesem Zusammenhang sind bedenklich. Zuversichtlich

stimmt mich, dass es immer mehr Leute

gibt, die verantwortungsbewusst mit Ressourcen

umgehen wollen. Mit den Ressourcen Mensch, Natur,

Geld. Gabriela Manser: Mich beunruhigt, dass

das Gleichgewicht zusehends gestört ist. Wir sind

als KMU, die nur in der Schweiz tätig ist, nicht direkt

vom Euro abhängig. Im vergangenen Jahr haben

wir aber viel Geld für eine grosse und moderne

Maschine ausgegeben. Da frage ich mich: Wird

es uns gelingen, diese Maschine zu amortisieren?

Wie stark sind wir vom ganzen System abhängig?

Zuversichtlich bin ich dennoch. Ich weiss und

habe erfahren, dass das Leben gelebt werden will.

Im Kleinen finde ich auch immer wieder den Mut

für das Grosse. Sei es während eines interessanten

Gesprächs oder wenn ich eine Blume sehe, die zwischen

zwei Steinen zum Blühen kommt.

Ein Jahrzehnt enthemmter

Finanzmarktökonomie hat

den «Homo oeconomicus»

hervorgebracht, der nur

wirtschaftlich denkt. Ist das

wahrhaft «Menschliche»

jetzt das Ökonomische?

Manser: Es ist sicher gefährlich, dass diese Gier

akzeptiert wird als eine Art Kavaliersdelikt. Offenbar

schämt sich niemand, wenn er ein überrissenes

Gehalt bezieht. Wie wir als Gesellschaft

da wieder rauskommen, ist mir nicht klar. Es

braucht wohl einen gewissen Leidensdruck. Erst

wenn der Mensch leidet, lässt er Veränderung zu.

Hunziker-Ebneter: Bei diesen Menschen zählt nur

eins: Lohn und Boni. Darum laufen sie mit diesen

Dollarzeichen durchs Leben. Da ist nicht dieses

Gefühl von «Leben will gelebt werden», wie Sie das

vorher so treffend formuliert haben, Frau Manser.

Es gibt aber auch Bankangestellte, die sagen:

Ich will das nicht. Ich will meinen Kunden keine

hochmargigen Produkte verkaufen, die sie gar

nicht brauchen. Und wenn ich das nicht machen

muss, verzichte ich im Gegenzug auf den Bonus.

Nur wird das so von den Banken nicht akzeptiert.

Einige dieser ehemaligen Bankangestellten arbeiten

heute zum Teil für uns. Wir zahlen keine Boni

– auch der Geschäftsleitung nicht. Wir zahlen ein

gutes Fixum. Bei einer Bank würden die Leute aber

sicher 20 bis 50 Prozent mehr verdienen. Trotzdem

haben wir keine Mühe, qualifiziertes Personal zu

finden. Natürlich führen wir heute einen anderen

Lebensstil. Als Börsenchefin oder Investmentbankerin

habe ich mehr verdient. Aber die Frage ist

doch: Wie viel Geld brauchen wir für einen guten

Fussabdruck? Ich habe zehn Jahre lang im Investmentbanking

gearbeitet und dort etliche unglückliche

reiche Leute gesehen. Damals habe ich mir

geschworen: Wenn ich eine Firma gründe, gibt es

kein Bonussystem, wo im Voraus berechnet werden

kann, wie hoch der Bonus sein wird, wenn ich

mich so und so verhalte. Manser: Als ich die Firma

übernahm, zahlte ich mir noch lange einen Kindergärtnerinnenlohn.

Heute zahle ich gute Löhne,

und ich habe in meinem Betrieb auch eine Gewinnbeteiligung

eingeführt. Ich tat dies aus tiefster

Überzeugung, dachte, wenn es der Firma gut geht,

sollen auch die Mitarbeitenden etwas davon haben.

Aber ich frage mich, ob der Entscheid richtig war.

Die Leute werden paradoxerweise unzufriedener.

Hunziker-Ebneter: Wenn Sie Gewinn verteilen, ist

dies allemal besser, als wenn Sie Boni auszahlen,

die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im

Voraus berechnet werden können.

Wie ist Ihrer Meinung

nach der raubtierhafte

Finanzkapitalismus zu

bändigen?

Hunziker-Ebneter: Ich glaube, die Veränderung

wird vom Individuum angestossen werden oder

von Individuen, die sich in Gruppen, Netzwerken

zusammenschliessen. Ich glaube nicht, dass der

Wandel von den Institutionen eingeleitet werden

kann. Manser: Es geht ja um die Haltung, die geändert

werden muss. Alte Muster zu ändern, ist

schwierig. Das kenne ich von mir selber. Manchmal

geht das nur millimeterweise. Und jeder muss zuerst

einmal merken, dass er in seinem Verhaltensmuster

gefangen ist.

Frau Manser, Sie sind eine

Quereinsteigerin, waren

Kindergärtnerin, bevor Sie

die Mineralquelle Gontenbad

übernahmen. Wie haben Sie

das alles angepackt?

Manser: Bevor ich die Mineralquelle übernahm,

war ich Schulleiterin und stand 50 Kindergärtnerinnen

vor. Ich dachte irgendwann: Was mache

ich mit meinem Leben? Und wenn ich eine Schule

leiten kann, kann ich dann vielleicht auch ein Unternehmen

führen? Der Punkt war: Welche Familie

hat schon die Chance, mit Mineralwasser Geld zu

verdienen? Aber glauben Sie mir: Vorher entzog es

sich meiner Vorstellungskraft, mich als Unternehmerin

zu sehen. Bevor ich überhaupt einsteigen

konnte, mussten wir als Erstes eine Nachfolgeregelung

finden, die für die ganze Familie stimmte, für

meine Schwester, meine Eltern und mich. Das war

schwierig und viel Arbeit. Die Firma schrieb damals

ja auch rote Zahlen. Doch mit der Sorgfalt, die

wir damals walten liessen, legten wir das Fundament

für all das, was nachher kam. Ein Unternehmen

führen heisst für mich vor allem: Menschen

führen. Als Pädagogin habe ich genau das gelernt.

Das Fachwissen eignete ich mir danach Schritt für

Schritt selber an. Heute – 14 Jahre später – stehen

wir als Unternehmen sicher auf den Beinen, wir

sind gesund. Das Ganze war eine Herausforderung,

aber auch reizvoll. Als ich dann 2005 «Unternehmerin

des Jahres» wurde, hat es mir gut getan, zum ersten

Mal von aussen eine Bestätigung zu bekommen.

Frau Hunziker-Ebneter,

Sie waren Börsenchefin,

bevor Sie eine eigene

Vermögensverwaltungsfirma

für nachhaltige

Investitionen gründeten.

Warum dieser Richtungswechsel?

Hunziker-Ebneter: Ich beschloss vor sieben Jahren,

meine persönlichen Werte noch konsequenter

zu leben, und habe eine Firma gegründet, die

darauf spezialisiert ist, das Geld von Privatkunden

und Stiftungen nachhaltig anzulegen. Ich will

einen persönlichen Beitrag leisten, damit das Geld

anders fliesst. Ich war sehr gerne Börsenchefin, da

diese Stelle eine gesellschaftlich wichtige Funktion

hatte. In der Schweiz setzte ich mich unter anderem

für die Einführung der elektronischen Börse

ein und damit verbunden für eine Demokratisierung

von Information. Alle Menschen sollten zur

selben Zeit zu denselben Informationen kommen.

Doch ich musste feststellen, dass nach ein paar

Jahren alte Machenschaften auf der elektronischen

Schiene wieder eingeführt wurden. Darum musste

ich gehen.

Nachhaltige Anlagen

verzeichnen ein überdurchschnittliches

Wachstum. Wer sind

die Anleger?

Hunziker-Ebneter: Die Schweiz ist ein Ausnahmeland.

Erst seit 2011 gibt es hier gleich viele private

wie institutionelle Anleger. Vorher gab es in der

Schweiz mehr private Anleger, die in nachhaltige

Anlagen investierten. In Deutschland und Österreich

sind es viel mehr institutionelle Anleger, die

auf Nachhaltigkeit setzen. Die staatlichen Pensionskassen

in Norwegen und Schweden investieren

ihr Geld ausschliesslich in sozial- und umweltverträgliche

Firmen. Vor allem in der Deutschschweiz

hinken die Pensionskassen diesbezüglich extrem

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hinterher. Dabei beträgt die Gesamtsumme der

Pensionskassengelder über 700 Milliarden Franken.

Die Pensionskassen Nest und Abendrot gehen

mit gutem Beispiel voran. Im Ausland gibt es bereits

viele Banken, die nachhaltig sind. Bei uns ist

das selten: Die Alternative Bank ist eine Ausnahme,

und auch die Bank Coop und die Migros-Bank sind

gut unterwegs.

Wie leben Sie Ihre Werte

im Alltag und im Betrieb?

Hunziker-Ebneter: Wir arbeiten sehr viel. Ich um

die zwölf Stunden pro Tag. Da ist es mir natürlich

wichtig, wie wir miteinander umgehen. Respekt ist

die Basis für so vieles. Ich möchte ja, dass wir Bestleistungen

vollbringen. Um den Markt zu spüren,

genügt es nicht, Daten zu analysieren; der Markt

funktioniert nach anderen Regeln. Ich arbeite gerne

mit Fakten, aber auch mit meiner Intuition. Damit

die Intuition fliesst, müssen wir einander vertrauen

und Spass miteinander haben. Da unsere

Leute weniger verdienen als Bankangestellte mit

Boni, müssen wir auch etwas anderes bieten: ein

gutes Arbeitsklima. Dank Internet und Smartphones

haben wir heute immer und überall Zugang zu

Studien. Die unter 35-Jährigen vertrauen angeblich

solchen Daten mehr als Freundinnen und Freunden.

Bei den über 35-Jährigen ist es umgekehrt. Bei

allen Analysen frage ich immer: Von wem sind sie?

Wer hat sie bezahlt? Das muss man heute fragen.

Manser: Der Mensch steht bei uns tatsächlich im

Zentrum, dies sage ich nicht nur so dahin. Wir arbeiten

so viele Stunden im Leben, dann bitte doch

so, dass es Freude macht. Natürlich brauchen auch

wir Strukturen. Wir haben aber eine flache Hierarchie,

meine Tür steht immer offen. Wenn die Kuh

des Chauffeurs kalbert, kriege ich das zum Glück

mit. In einem Betrieb, der sich stetig weiterentwickelt,

ist es auch wichtig, dass ich als Chefin Aufgaben

an meine Mitarbeitenden abgeben kann. Oft

stelle ich dann fest, dass die das besser machen als

ich. Natürlich verunsichert das im ersten Moment,

aber mittlerweile freut es mich, und ich bin stolz

auf das, was wir zusammen erreicht haben. Unser

Beispiel zeigt: Ein Betrieb kann mit der richtigen

Struktur und der optimalen Kultur wachsen und

atmen. Wir haben mit zwei Millionen Flaschen angefangen

und liefern heute 17 Millionen aus. Der

Personalbestand ist von 8 auf 40 angewachsen.

Muss man zum richtigen

Zeitpunkt etwas riskieren,

um einen Wandel herbeizuführen?

Und wie gehen

Sie persönlich mit Risiken

um?

Hunziker-Ebneter: Ich habe Forma Futura erst

nach einer Projektphase gegründet. Diese dauerte

ein Jahr, und wir klärten in diesem Zeitraum ab, ob

es überhaupt genügend nachhaltige Firmen gibt,

die unsere Kriterien erfüllen. Ich habe mir gesagt:

Das Geld, das ich auf der hohen Kante habe, reicht

für drei Jahre. Mit diesem Geld müssen die Löhne

gezahlt und die Firma aufgebaut werden. Wenn es

nicht funktioniert wie geplant, lasse ich mich wieder

anstellen. Nun sind wir im sechsten Jahr. Natürlich

mussten wir auf die Kosten schauen, und

wir tun dies auch weiterhin. Wir haben auch einen

Businessplan erstellt, aber ich habe noch nie einen

Businessplan gesehen, der eingehalten worden

wäre. Manser: Sie haben unseren noch nie gesehen

(lacht). Hunziker-Ebneter: Wichtig ist der positive

Cashflow. In schlechten Phasen verdient bei

uns die Geschäftsleitung weniger. Das ist okay so.

Manser: Für uns wäre es ein grösseres Risiko, wenn

wir plötzlich keine neuen Getränke mehr herausbringen

würden. Ich muss also bereit sein, ein Risiko

einzugehen. Wir haben keine grossen Werbegelder.

Darum dauert es bis zu drei Jahre, bis wir sehen, ob

ein Produkt läuft oder nicht. Es kam schon vor, dass

wir Getränke wieder vom Markt nehmen mussten.

Andere halten sich – allen voran Flauder. Schwieriger

ist es mit den Maschinen. Die letzte schlug mit

3,5 Millionen Franken zu Buche. Dieses Jahr mussten

wir auch eine Lagerhalle hinzukaufen. Wenn ich

ein Risiko abschätze, stelle ich mir immer das Worst-

Case-Szenario vor. Ich mache das nie alleine. Dafür

brauche ich ein Visavis, das uns gut kennt. Meistens

ist das unser externer Finanzchef. Ich muss im Kopf

Alternativen sehen. Gelingt mir das, kann ich das

«Go» für eine Neulancierung oder den Kauf einer

Maschine geben und mit dem Risiko leben. Würde

etwas schiefgehen, gäbe es auch als Erstes weniger

Lohn für mich. Hunziker-Ebneter: Ich stelle mir

auch immer die Frage: Was ist das Schlimmste, das

passieren kann? Kann ich damit leben? Diese Frage

stelle ich übrigens auch unseren Kundinnen und

Kunden: Was ist das Schlimmste, wenn sie dieses Risikoprofil

wählen? Können sie dann noch schlafen?

Jeder Mensch ist anders. Unser Job ist es, ein Anlageprofil

genau auf den Kunden zuzuschneiden und

Alternativen aufzuzeigen. Wenn unsere Kundinnen

und Kunden mit dem «worst case» nicht leben können,

müssen wir eine andere Lösung finden.

Die Belastung in Ihrem

Job ist hoch. Kennen Sie

schlaflose Nächte?

Manser: Ja, die gibts – aber nur selten. Mir ist

sehr bewusst, dass ich nicht alles alleine bewirken

und tun kann. Ich stelle mich zur Verfügung,

gebe mein Bestes. So obsiegt die Zuversicht,

dass wir auch schwierigen Momenten gewachsen

sind, die nötigen Mittel und Wege finden.

Hunziker-Ebneter: Schlafen kann ich sehr gut.

Wenn ich endlich zu Bett gehe, bin ich müde genug.

Wie hoch ist der Frauenanteil

in Ihren Unternehmen?

Hunziker-Ebneter: 50:50 oder 60:40, darauf schaue

ich sehr genau. Die richtige Durchmischung bringt

nur Vorteile. Manser: Bei uns gibt es im Verwaltungsrat

zwei Frauen und drei Männer, in der Geschäftsleitung,

also im Kernteam, ist der Anteil

50:50. Ich bin überzeugt: Wir arbeiten besser mit

einer guten Durchmischung.

Wir reden täglich über Veränderungen,

denen wir

ausgesetzt sind. Über die

Beschleunigung des Lebens

den rasanten Wandel der

Technologie. Wie funktioniert

Wandel in Ihrem Alltag,

was bedeutet er für Sie?

Hunziker-Ebneter: Ich muss immer im Flow bleiben,

offen für Neues sein. Das braucht viel Energie.

Darum gönne ich mir mehr Pausen. In unserer Firma

gibt es einen Zeitraum, dorthin ziehe ich mich

zurück und schalte einen Moment ab. Schreiben

kann ich gar nicht im Büro. Das mache ich zu Hause,

in der Nacht und während der Wochenenden.

Manser: Ein Unternehmen muss wandelbar bleiben.

Darum muss auch ich schauen, dass ich im

Kopf beweglich bleibe. Vor ein paar Jahren gönnte

ich mir eine Ausbildung, die dem Unternehmen auf

den ersten Blick nicht viel bringt: Atemtherapeutin

nach Middendorf. Für mich ist das ein Geschenk

des Himmels. Hier im Gespräch kann ich die Füsse

auf den Boden stellen und merke, aha, so empfinde

ich das, und mein Atem reagiert darauf. Ich komme

mir heute viel näher und spüre auch mein Gegenüber

viel besser – dank der Atemtherapie.


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4/4

Tischgespräch

«Was mir manchmal fehlt, ist die

Lust am Scheitern»

Roger Merguin

50, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der Gessnerallee Zürich, Ex-Choreograph,

Ex-Tänzer, Ex-Produktionsleiter, ehemaliger Co-Leiter der Dampfzentrale Bern

Philipp Meier

46, Ex-Klubkurator, Ex-Landschaftsgärtner, ehemaliger Co-Direktor des Cabaret Voltaire in

Zürich

V.l.n.r.: Roger Merguin, Philipp Meier →

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Was war 2012 eure grösste

Sorge? Und was hat

euch im Gegenzug zuversichtlich

gestimmt?

Philipp Meier: Mich beschäftigte natürlich, dass

2012 das Cabaret Voltaire quasi in ein Wachkoma

versetzte wurde. Und dass das Kunsthaus im Gegenzug

massiv ausgebaut wird, also eine Art Neofeudalisierung

der Kultur zum Blühen kommt. Die

Dadaisten verstanden sich ja explizit als Pazifisten,

im Kunsthaus aber geht es um die Kunstsammlung

eines Waffenhändlers. Dieses Statement der Stadt

war und ist für mich erschreckend. Und wenn ich

Stadt sage, meine ich die Politik, aber auch das

Stimmvolk, das an der Urne dazu Ja gesagt hat.

Städtepolitisch zuversichtlich gestimmt hat mich

kürzlich, dass es Richi Wolff von der Alternativen

Liste in den Stadtrat geschafft hat. Und allgemein

gefällt mir auch die zunehmende Digitalisierung

der Umwelt. Roger Merguin: Bei mir stand sicher

der Wechsel von der Berner Dampfzentrale an die

Zürcher Gessnerallee im Mittelpunkt und damit

vielleicht die Frage, wie ich meinen Begriff von

Tanz und Theater in diesem neuen Umfeld positionieren

kann. Die Aufgabe bin ich zuversichtlich

angegangen, da ein neues Betätigungsfeld noch

einmal alles öffnet und ich diese Herausforderung

gesucht habe.

Roger, dein Weg führte vom

KV über den Tanz zur

künstlerischen Leitung

eines Kulturhauses. Philipp,

du warst einmal Landschaftsgärtner

im Aargau

und vor dem Cabaret

Voltaire viele Jahre lang

Klubkurator in Zürich. Wie

kam es zu diesen ständigen

Richtungswechseln?

Merguin: Nach meiner Ausbildung zum Tänzer

und einigen Jahren auf der Bühne stellte ich irgendwann

fest, dass immer mehr die Leidenschaft

fehlt, um nur als Tänzer zu arbeiten. Ich begann

dann, als Choreograph meine Idee von Tanz auf die

Bühne zu bringen. Nach drei Stücken suchte ich

die Arbeit in verschiedenen Künstlerkollektiven

und rutschte dabei immer mehr in die Doppelrolle

Künstler/Manager. Ich absolvierte parallel zu

meiner Arbeit als Produzent von Tanzstücken ein

Studium als Kulturmanager und landete schliesslich

als Co-Leiter in der Dampfzentrale Bern. Trotz

des Angebots, den Vertrag zu verlängern, wechselte

ich anschliessend an die Gessnerallee Zürich. Hier

läuft mein Vertrag bis 2016, und er könnte danach

maximal um weitere vier Jahre verlängert werden.

Über kurz oder lang steht bei mir also wieder ein

Richtungswechsel an. Doch ich mache mir noch

keine Gedanken über die Zukunft. Prinzipiell finde

ich den Moment spannend, in dem man sich aufgrund

des beruflichen Richtungswechsels neu definieren

muss. Aber natürlich ist das nicht immer

leicht. Als Tänzer landete ich nach einem Unfall

kurzfristig bei der Sozialhilfe. Ich kenne also auch

die weniger gloriosen Seiten eines erzwungenen

Richtungswechsels. Meier: Ich vollzog den Richtungswechsel

immer aus einem anderen Grund:

Zum Wechsel von der Landschaftsgärtnerei ins

Kunststudium und in die Partyszene kam es, weil

die Beziehung mit meiner Jugendliebe in die Brüche

gegangen war, die ich als 25-Jähriger geheiratet

hatte. Bei der zweiten Richtungsänderung war

mein kommerzielles Scheitern als Gesamtprogrammleiter

der Toni-Molkerei der Hauptgrund.

Der Konkurrenzdruck innerhalb der Klubkultur

wurde damals immer grösser, und es gelang mir

nicht mehr, mit den Einnahmen des Wochenendes

den Wochenbetrieb zu subventionieren. Daraufhin

wurde meine Anstellung reduziert, und ich machte,

was ich heute als Arbeitsloser wiederum mache:

Ich aktivierte mein Netzwerk. So lernte ich genau

im richtigen Moment die Leute kennen, die das Cabaret

Voltaire neu besetzen mussten. Amüsant ist,

dass ich eigentlich immer dachte, dass ich in dem

Bereich bleiben würde, in dem ich gerade tätig war.

Nun finde ich es okay, dass ich nicht weiss, in welche

Richtung es gehen wird. Tendenziell könnte ich

mir einen erneuten Bruch vorstellen. Ich arbeite

viel mit dem Internet. Es könnte also gut sein, dass

ich im Onlinebereich lande. Die Kulturförderung

kommt ja auch an den Punkt, an dem sie feststellt,

dass das Internet für den Bereich Kulturvermittlung

interessant sein könnte.

Roger, du hast als erste

Amtshandlung in der

Gessnerallee einen Einheitseintrittspreis

von

16 Franken eingeführt.

Wie ist dieser Entscheid

in der Szene, in anderen

Theaterhäusern, beim

Vorstand angekommen?

Merguin: Mit dem Einheitseintrittspreis wollte ich

die Gessnerallee für ein grösseres Publikum öffnen

– die Devise lautete: Theater zum Kinopreis. Ich

habe mich mit dieser Eintrittspolitik, die neben

dem solidarischen Einheitspreis ebenso beinhaltet,

dass es keine Freibillette mehr gibt, bewusst gleich

zu Beginn aus dem Fenster gelehnt. Natürlich gab

es Stimmen, die diese Preispolitik in Frage stellten.

Mein Ziel ist, mit dem solidarischen Einheitspreis

mehr Leuten den Zugang zu zeitgenössischem Theater

und Tanz zu ermöglichen und vor allem auch

die Experimentierfreudigkeit zu fördern. Der Vorstand

der Gessnerallee hat den Einheitseintrittspreis

soeben noch einmal, für das zweite Spieljahr,

bestätigt; wir konnten inzwischen auch mit Zahlen

belegen, dass wir bei den Einnahmen keine grossen

Einbussen gemacht haben, die Zuschauerzahlen

jedoch gestiegen sind. Das Publikum hat den neuen

Eintrittspreis also gut aufgenommen. Von den

Häusern rundherum hätte man vielleicht mit mehr

Kritik rechnen können, doch die blieb aus. Einige

meinten sogar: Hey, das hätten wir eigentlich auch

machen können. Ich fände es interessant, die Idee

einer Einheitseintrittspreis-Kollaboration mit einem

anderen Kulturbetrieb einzugehen.

Wie geht ihr persönlich

mit Risiken um, wenn ihr

Entscheidungen trefft?

Meier: Ich habe das Cabaret Voltaire als Betrieb immer

sehr unternehmerisch betrachtet. Und in der

Tat ist das Risiko in diesem Fall natürlich nie so

gross, wie wenn man mit dem eigenen Geld haften

würde. Im Nachhinein kann man heute sagen, dass

wir während meiner Zeit wahrscheinlich zu wenig

aufs Historische gesetzt haben, da mich persönlich

Neuinterpretationen einfach viel mehr interessierten.

Es mag komisch klingen, aber es war mir

während meiner Zeit als Co-Direktor wichtig, dass

das Haus immer am Abgrund stand. Denn ich hatte

genauso Angst, dass das Cabaret Voltaire so werden

könnte wie eine Rote Fabrik. Dass vielleicht alle

paar Jahre eine kurze Diskussion entbrennt, es jedoch

keine Aufreibung mehr gibt, dass die Subventionen

fliessen, aber der Geist stirbt. Mit anderen

Worten: dass das Cabaret als etablierter Kulturort

endet – wie die Gessnerallee, das Schauspielhaus

oder das Opernhaus. Wir wollten auch keine Zielgruppe

definieren, obwohl dies gewünscht wurde.

So gesehen ist es absolut richtig, dass ich nach

der erneuten Finanzkrise gehen musste. Ich habe

das Haus politisch lange auf dieser Kippe gehalten.

Merguin: Der Umgang mit Risiken gehört zur

Kernkompetenz der Gessnerallee. Und obwohl wir

als Kulturbetrieb etabliert sind, ist der freie Geist

noch spürbar. Wir hinterfragen die Institution

Gessnerallee ständig und suchen zusammen mit

den Künstlern neue Formen des Dialogs mit dem

Publikum. Ein etablierter Kulturort muss in seiner

aktuellen Ausrichtung immer hinterfragt werden.

Bestenfalls ermöglicht er auf einer professionellen

Ebene die ständige Auseinandersetzung mit Kultur,

Künstlern, Publikum. Ein Beispiel dafür ist unser

Südbühnenkuratorium. Die Idee hier: Externe

Gruppen programmieren die Südbühne und erhalten

von uns dafür Programmgelder. Wir wählen die

Gruppen zwar aus und arbeiten mit ihnen zusammen,

aber wir wählen vor allem die Kuratoren aus,

die uns irritieren und es eben nicht so machen wie

wir. Ich finde, auf diese Weise bekommt das Risiko

eine sehr lustvolle Note.

Geld ist immer ein Thema

und die Frage: Was

darf Kultur kosten? Ermüdet

dieser Umstand

oder seht ihr dies mit

Blick auf die Krise als

Herausforderung, erfinderisch

zu bleiben?

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Merguin: Über Umwege sind wir ja auch Arbeitgeber

der bei uns produzierenden Künstlerinnen

und Künstler, obwohl die Produktionen hauptsächlich

von der Stadt und vom Kanton subventioniert

werden. Ich spüre also eine soziale Verpflichtung,

und wir haben deshalb auch eine neue Gagenpolitik

eingeführt, die garantiert, dass die bei uns produzierenden

Künstler korrekt entlohnt werden.

Das ist mir sehr wichtig, und ich setze mich auch

auf kulturpolitischer Ebene dafür ein. Was mir daneben

manchmal fehlt, sind die chaotischen Experimente,

die Lust aufs Risiko und die Lust am

Scheitern. Auch die Künstlergruppen stehen unter

einem Produktionszwang und müssen ein Projekt

nach dem anderen abliefern, um Fördergelder zu

erhalten. Das kann dazu führen, dass Projekte lanciert

werden, denen die zündende Idee vielleicht

fehlt. Um dieser Haltung ein bisschen entgegenzuwirken

und Freiräume für neue Ideen zu schaffen,

werden wir neben einem «Forschungslabor»

im Sommer auch bald unser Projekt «Big Time»

starten, eine offene Bühne. Ich hoffe, diese offene

Bühne weckt wieder die Lust am Risiko, am Spielerischen,

fördert das Trashige und Spontane. Meier:

Theatermann Christoph Marthaler soll ja einmal

gesagt haben, dass er die besten Theaterstücke gemacht

habe, als er noch gar kein Geld gehabt habe.

Meiner Meinung nach wird in dieser Stadt viel zu

viel richtig Gutes richtig gut bezahlt. Ein Laie aber

sieht den Unterschied zwischen Schauspielhaus,

Gessnerallee und Fabriktheater nicht mehr. So gesehen

fliesst also wahnsinnig viel Geld in einen

wahnsinnig engen Bereich von Kunst. Selbst Leute

wie Christoph Schlingensief mussten aus diesem

Grund ins System eindringen, um aus dem Prekären,

Brotlosen rauszukommen. Er musste Theater- und

Opernstücke sowie Ausstellungen machen, weil

seine Gueril la-Aktivitäten ausserhalb des Institutionellen

auf Zeit nicht finanzierbar waren. Darum

finde ich, dass Kunst aus den Institutionen befreit

werden muss.

Kennt ihr schlaflose

Nächte?

Meier: Wenn ich in der Nacht aufwache, weil

mich etwas beschäftigt und belastet, zum Beispiel

die Tatsache, dass ich am Tag zuvor eine Absage

gekriegt habe, dann wird dieses Problem gerade

in diesem Moment oft noch grösser. In der

Nacht wächst alles. Am nächsten Morgen ist das

Problem meistens nur noch halb so schlimm.

Merguin: Wenn sich bei mir die Gedanken in der

Nacht drehen, stehe ich einfach auf, sortiere meine

Gedanken oder lenke mich ab. Am nächsten Morgen

sieht dann alles wieder ganz anders aus.

Wir reden täglich über

Veränderungen, denen

wir ausgesetzt sind.

Über die Beschleunigung

des Lebens, den rasanten

Wandel der Technologie.

Seht ihr diese

Entwicklung als Chance,

oder grenzt ihr euch davon

ab?

Meier: Es war noch nie so einfach, mit einem Musikstück,

einem Bild oder einem Text so viele Menschen

zu erreichen. Für einen Kunstvermittler

ist die Situation dank des Internets also einfach

nur der Himmel auf Erden. Das Problem ist – und

da ziehe ich die Grenze –, dass sich Museum und

Theater noch im Industriezeitalter befinden. In

einem neuen Zeitalter wird nicht mehr definiert,

wo etwas stattfindet, sondern ich definiere, wo ich

welche Leute erreiche. Ich habe diesbezüglich wie

die Dadaisten ein Vorbild ausserhalb der Kunst gesucht.

Und wen habe ich gefunden? Die Werber. Die

Werber müssen sich überlegen, wo die Leute sind,

die sie mit ihrer Werbung erreichen wollen. Es ist

doch heute einfach wahnsinnig anachronistisch,

in einem Haus ein Bild an die Wand zu hängen und

dann zu warten, bis jemand vorbeikommt, um dieses

Bild anzuschauen. Aber ja, es braucht alles seine

Zeit: Die ersten Autos sahen wie Kutschen aus. Die

ersten Online-Zeitungen gleichen Papierzeitungen.

Ein grosser Bremsklotz ist sicher der Kulturpessimismus.

Die Angst vor der Verdummung. Die

hatte man ja übrigens auch, als das Fernsehen Einzug

in die gute Stube hielt.

Du betrachtest also

prinzipiell nicht die Beschleunigung

oder die

Datenmenge als Problem,

sondern alle, die das

Internet nicht richtig zu

nutzen wissen?

Meier: Mein Sohn ist jetzt neun Jahre alt. Bis heute

hat er noch kein Online-Gerät. In der Schule wird

ihm vermittelt, dass das Internet gefährlich sei. Er

sagt zu mir: Wenn er nur einen Wunsch frei hätte,

wünschte er, dass Facebook abgeschafft würde.

Dabei bin ich ja nicht ständig auf dem Netz. Was

die Datenmenge betrifft, hat in meinem Fall die

Erkenntnis, dass ich grundsätzlich immer alles

verpasse, für am meisten Entspannung gesorgt.

Ich nahm das Ruder in die eigene Hand und sagte:

Okay, ich stelle hier die Filterschrauben ein und bestimme,

was von dem wenigen, das ich bewältigen

kann, bis zu mir gelangen soll. Ich habe mir einen

Reader eingerichtet, über den ich etliche Blogs lese.

Auch auf Twitter verfolge ich gewisse Leute. Ich bin

also nicht mehr auf Zeitungen und Fernsehen angewiesen

und gewinne auch wieder Zeit. Und ja: Ich

gehe in den Ferien auch öfters an Orte, in die Berge

oder nach Afrika, wo ich nicht online sein kann,

und ich komme damit klar. Merguin: Der Umgang

mit der Menge an Informationen, die ungefragt

auf uns einprasseln, ist nicht zu unterschätzen.

Ich persönlich versuche mir anzutrainieren, Freiräume

ausserhalb der Informationsflut zu schaffen

und selektiv damit umzugehen. Ich sehe in

diesem Zusammenhang das Theater auch als

Rückzugsort. Es hat eine eigene Zeitsouveränität,

und während eines Stückes kann ich mich voll

auf den Moment einlassen. So wirkt das Theater

auch wie eine Entschleunigungsoase, da ich mich

für die Dauer einer Vorstellung von allen anderen

Informationskanälen verabschiede und mich voll

auf die gegenwärtige Situation einlasse.

Macht ihr noch eine klare

Trennung zwischen Privatleben

und Beruf?

Meier: Mein Ziel wäre, dass ich bei einem neuen

Job das Berufliche und Private wieder nicht trennen

kann. Merguin: Und mein Ziel ist es, dass es

eben nicht so ist. Berufliches und Privates sind

auch in meinem Fall sehr verschränkt. Aber ich

versuche, mir gewisse Auszeiten zu gönnen, mich

aktiv aus dem Ganzen rauszuholen. Meier: Ich sehe

da gar kein Problem. Für mich ist «online gehen»

auch ein bisschen Wellness. Und ich habe es immer

sehr genossen, samstags um 23 Uhr mit jemandem

darüber zu streiten, ob das, was ich im Cabaret Voltaire

mache, Dada ist oder nicht.


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Expertengespräch

«Emotionen spielen bei der

Entscheidungsfindung eine

wichtige Rolle»

Michael Siegrist

47, Michael Siegrist, Professur für Verbraucherverhalten, ETH Zürich

Nichts scheint mehr sicher heute: Welche Stra tegien

helfen in dieser komplexen Welt bei der Entscheidungsfindung?

Michael Siegrist: Ich behaupte, dass die Welt noch

nie so sicher war. In der entwickelten Welt war die

Lebenserwartung zum Beispiel noch nie so hoch.

Im Unterschied zu früher verfügen wir aber über

viel mehr Wissen. Früher sagte man oft, dass das

Schicksal entscheide, weil das Wissen fehle. Heute

besitzen wir das nötige Wissen und sollten dieses

Wissen bei Entscheidungen entsprechend berücksichtigen.

Das bedeutet, dass wir heute Entscheidungen

grundsätzlich vor einem anderen Hintergrund

fällen müssen.

Es ist also eine Tatsache, dass es noch nie so vielen

Leuten so gut ging?

Ja, dem ist so. Ich persönlich möchte darum auch

nicht in einer anderen Zeit leben. Natürlich geht

es nicht allen Menschen auf dieser Welt gut. Den

Ärmsten in unserem Land geht es heute aber viel

besser als den Ärmsten in der Schweiz vor 100 Jahren.

Heute leidet hier niemand mehr Hunger, aber

vielleicht kämpft er oder sie gegen Übergewicht.

Lassen wir uns demnach von Krisen allzu schnell verunsichern?

Ich glaube nicht, dass die Menschen hierzulande

komplett verunsichert sind. Es ist aber in der

Tat so, dass schlechte Nachrichten auf wesentlich

mehr Interesse stossen als gute. Studien haben gezeigt:

Wenn einer Gruppe von Leuten negative und

positive Meldungen vorgesetzt werden, verweilen

die meisten länger bei den negativen Schlagzeilen.

Das liegt anscheinend in der Natur des Menschen.

Dies macht auch durchaus Sinn, denn eigentlich

müssen wir in erster Linie alle Gefahren kennen.

Wir geraten unter Druck, weil wir uns keine Fehler

mehr leisten können. Aus Fehlern lernen wir aber. Wie

wirkt sich der fehlende Mut, Fehler zu begehen, auf

die Risikokompetenz aus?

Ein interessantes Beispiel in diesem Zusammenhang

ist die Luftfahrt. Dort lernt nicht nur der einzelne

Pilot aus Fehlern, sondern es wurde extra ein System

eingerichtet, dem alle Fehler gemeldet werden.

Dies bedeutet: Fehler werden grundsätzlich nicht

toleriert, wenn sie aber passieren, werden sie nicht

vertuscht, sondern registriert, damit das System angepasst

werden kann.

Könnte die Finanzwelt etwas von der Zivil luftfahrt

lernen?

In der Finanzwelt ist es etwas schwieriger, denn

Fehler sind in unserem komplexen Finanzsystem

nicht so offensichtlich. Bei steigenden Börsenkursen

nützt es nichts, zu sagen, dass ich nicht investiere,

weil die Börsenkurse überbewertet werden.

Wenn ich am Ende den Anschluss nicht verpassen

will, muss ich investieren. In der Medizin und in

der Zivilluftfahrt sind Fehler offensichtlicher, das

macht manches einfacher.

Wir leben in einer eng getakteten Welt und werden

von morgens bis abends mit Informationen und Vorhersagen

versorgt. Hilft diese Informationsflut, treffsicherer

zu entscheiden oder lenkt sie uns vor allem

vom Wesentlichen ab?

Wir verfügen über mehr sowie detallierteres Wissen.

Die Schwierigkeit ist nun aber, das Wissen

herauszufiltern, das relevant ist. Das Überangebot

an Informationen führt dazu, dass sich einzelne

Menschen mit Entscheidungen schwertun. Auch

unterscheiden sich die Entscheidungen: Eine Firma

gründen zu wollen und uns Gedanken über die

richtige Partnerwahl zu machen, ist nicht dasselbe.

Ausschlaggebend ist darum immer, vor welcher

Entscheidung wir stehen.

Wie fällt der einzelne Bürger angesichts verwirrender

Nachrichten und all der Unwägbarkeiten wie Druck

und Beschleunigung des Lebens eine richtige Entscheidung?

Häufig ist es unmöglich, zu sagen, welche Entscheidung

die richtige ist. Wenn wir zum Beispiel einen

Hamburger, Pommes und eine Glace essen, so ist

dies vielleicht die falsche Wahl, wenn wir bereits

Übergewicht haben. Wenn wir Fastfood aber einfach

mögen und nach dem Genussprinzip handeln,

ist die Entscheidung gar nicht so falsch. Prinzipiell

kann ich oft nur bei ganz simplen Entscheidungen

nachträglich auch sicher sein, dass meine Wahl die

richtige war. Bei komplexen Entscheidungen gibt

38 39


es kein offensichtliches Kriterium dafür, ob die

Entscheidung richtig oder falsch war.

Sollen wir vermehrt auf unser Bauchgefühl hören,

wenn wir nicht sicher sind, welche Entscheidung die

richtige ist?

Unsere Emotionen helfen uns dabei, gewisse Gewichtungen

vorzunehmen. Bei der Berufswahl ist

zum Beispiel ausschlaggebend, ob ich einfach eine

befriedigende Tätigkeit suche oder unbedingt Ansehen

gewinnen und einen guten Lohn verdienen

will. In diesem Moment sind es die Emotionen und

unser Bauch, die uns sagen, was uns wichtig ist.

Und wenn wir wissen, was uns wichtig ist, ist es natürlich

auch einfacher, die richtige Wahl zu treffen.

Studien haben übrigens gezeigt, dass Leute, deren

emotionales System infolge von Hirnschäden beeinträchtigt

ist, Mühe bekunden, Entscheidungen

zu treffen, weil sie nicht mehr wissen, was ihnen

wichtig ist. Emotionen spielen bei der Entscheidungsfindung

also eine wichtige Rolle.

Kann uns die Risikoforschung bei der Frage nach

konkreten Entscheidungen helfen?

Als Risikoforscher hoffe ich natürlich, dass ich

besser überblicke, welche Faktoren mich bei einer

Entscheidungsfindung nicht beeinflussen sollten.

Ziel wäre es, sich stärker um die Risiken zu sorgen,

die relevant sind, und den Risiken, die weniger Gewicht

haben, weniger Beachtung zu schenken.

Hilft die Strategie, sich bei einer Entscheidungsfindung

immer zu fragen: Was wäre der schlimmste Fall?

Das ist sicher eine praktikable Strategie, sich die

Frage zu stellen: Mit welchem Umstand könnte

ich auf keinen Fall leben? Wir müssen uns aber bewusst

sein, dass wir auch stark beeinflussbar sind.

Wenn in den Medien zum Beispiel viele Berichte

über Kampfhunde erscheinen, die Passanten beissen,

dann schätzen wir das Risiko automatisch entsprechend

hoch ein. In diesem Moment sollten wir

unser Gefühl aber hinterfragen und grundsätzlich

überlegen, ob das Risiko, von einem Kampfhund

gebissen zu werden, wirklich so hoch ist.

Gerd Gigerenzer, ein deutscher Risikoforscher, sagt,

je grösser das Unwissen, desto wichtiger sei die

Intuition. Stimmen Sie dem zu?

Vordergründig ist dies eine triviale Aussage. Tatsache

ist: Wenn ich kein Wissen habe, bleibt mir

ja nur die Intuition. Ich finde es auch fragwürdig,

wenn man den Leuten nun einfach zu mehr Bauchentscheidungen

rät. Wie bereits erwähnt, unterscheiden

sich Entscheidungen, und darum hilft

auch nicht bei allen Entscheidungen die Intuition

weiter. Manchmal ist es besser, sich auf Zahlen zu

verlassen. Aus meiner Sicht wird die Intuition auch

häufig mit implizitem Wissen verwechselt. Wenn

wir auf einem Gebiet Experten sind, können wir

auf Basis unseres impliziten Wissens Entscheidungen

fällen. Ein Laie, der nicht auf dieses Wissen zurückgreifen

kann, wird im gleichen Fall wohl auch

mit seinem Bauchgefühl keine gute Entscheidung

fällen. Darum ist das implizite Wissen bei vielen

Entscheidungen ausschlaggebend.

Kann man Intuition lernen?

Ich glaube, man braucht viel implizites Wissen, um

gute intuitive Entscheidungen fällen zu können.

Wie wichtig ist die Intelligenz des Unbewussten beim

Fällen von Entscheidungen unter Druck?

Auch hier ist das implizite oder explizite Wissen

ausschlaggebend. Bei einem Tsunami hilft das unbewusste

Gefühl nicht weiter. Wir müssen wissen,

dass bei einem entsprechenden Erdbeben eine solche

Monsterwelle entstehen kann und wir uns im

Gefahrengebiet in Sicherheit bringen müssen. Leute,

die in diesem Moment entscheiden, dass diese

Welle aufgrund ihrer Grösse ein Ereignis ist, das

aus der Nähe betrachtet werden muss, fällen einen

fatalen Entscheid. Bei vielen seltenen oder neuen

Gefahren kann uns also die Intelligenz des Unbewussten

in die Irre führen.


40 41


Impressionen

Bogen F 43 – 45

Backstage

Umbau

Ufrichti

Architektur

Impressionen im Winter 46 – 49

Dorfladen

Eis

Viadukt

Gemüsebau

Jobbus 50 – 52

Arbeitssituationen

Sicherheitsraining

Obstblütentag

Gemüsebau

Konter 53

Arbeitssituation

Wohnen 54 – 55

Wetzikon

Hinwil

Fussball 56 – 59

Jobbuscup

EM-Bar

Kultur im Bogen F in Zürich: der mobile Backstage-Bereich für Bands →

44

Juli 2012, Konzert: Das in der Mitte ist der Oli der ganz entspannt im Sitz hockt. Der war übrigens der Mitbewohner

des Grfikers dieses berichts. Lustig, wie man sich immer wieder über den Weg läuft.

45


Premiere unter den Geleisen: Am 6. Juni 2012 feierten

zahlreiche Gäste die «Ufrichti» des neuen Bogen F.

Bogen F: «Work in progress» im Viadukt, Frühjahr 2012

Nach dem Umbau: viel Atmosphäre und Raum für Kultur, AIP-interne Nutzungen und externe Vermietungen

46


AIP Dorfladen Seegräben: seit 2010 sechs Tage die Woche für die Kundschaft da

AIP Mittagstisch E1S Wetzikon: im 2008 eröffnet und im Jahr 2012 um einen Kiosk erweitert

48

AIP Restaurant Viadukt: Das erste Netzwerk-Arbeitsintegrationsprojekt für

Jugendliche und junge Erwachsene in Zürich wurde im Mai 2010 gestartet.


48

Ottenhauser Gemüsebau: Dem Jobbus/Garage geht die Feldarbeit auch im Winter nicht aus.


Jobbus/Garage: seit 17 Jahren im Einsatz für Private und die öffentliche Hand in Haus, Garten, Natur und Wald

51


Obstblütentag in Seegräben: Das Catering

des Restaurants Konter und des

Dorfladens Seegräben begeisterte.

Sicherheitstraining Winterthur: Das Mitarbeiterteam

des Jobbus/Garage bildete sich weiter.

Gemüsebau in Seegräben: erntefrisch für die wöchentliche Ottenhauser Gemüsekiste

AIP Restaurant Konter: Der erste Netzwerk-AIP-Betrieb wurde im Jahr 2005 in Wetzikon lanciert.

52


Auffangwohngruppe Wetzikon: Sommerfest für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus und Garten

Walderstrasse 24, Hinwil: «Ufrichti» mit allen Beteiligten nach sanftem Hausumbau

Blick hinter die Kulissen: Am Sommerfest bot sich ebenfalls die Gelegenheit,

die Arbeit des Teams der Auffangwohngruppe näher kennenzulernen.

56


Jobbus-Cup 2012: Das jährliche Fussballturnier fand am 4. September bereits zum 15. Mal statt.

Nahkampf: Trotz engagiertem Einsatz dominierte

die gute Stimmung auf dem Fussballfeld.

Speaker in Action: Dank Peter Tanner lief auf der

Heusser-Staub-Wiese in Uster alles rund.

Mittagspause: Für die Bewirtung der hungrigen Kicker war erneut das Restaurant Konter zuständig.

Strahlende Gewinner: Die Spieler des Vereins Läbesruum aus Winterthur gingen als Sieger vom Platz.

58


Bogen F im Fussballfieber: Zwei Tage nach der «Ufrichti» erfolgte gleich der Anpfiff zur EM-Bar. Sport statt Musik: Während eines Monats war Fussball Trumpf im Bogen F, verpflegt wurden die Fans vom Restaurant Viadukt.

60


Finanzen

62


Rückblick 2012

Budget 2013 und Ausblick

Die Stiftung Netzwerk schliesst das Geschäftsjahr

2012 mit einem Verlust von Fr. 18 522.– ab. Budgetiert

war ein Minus von Fr. 3 850.–, die Abweichung von

dieser Zahl beträgt somit Fr. 14 672.–.

Das vergangene Geschäftsjahr kann in zwei extrem

gegensätzliche Hälften aufgeteilt werden:

Bis im Sommer lief alles nach Plan. Fast alle Angebote

waren gut ausgelastet. Die Zahlen zeigten ein erfreuliches

Bild, sie waren teilweise sogar weit besser als

budgetiert. Kurz: Der Motor brummte auf Hochtouren.

Der Ausbau des Bogen F in den Viaduktbögen konnte

gemäss Zeitplan beendet werden. Das Eröffnungsfest

im Juni 2012 und der anschliessende einmonatige

Fussball-EM-Barbetrieb gehörten zu den Highlights

des Jahres. Die vom Jobbus/Garage lancierte

Ottenhauser Gemüsekiste legte einen Blitzstart hin,

so dass aus Produktionskapazitätsgründen beim

Abonnementsverkauf sogar ein Numerus clausus eingeführt

werden musste.

Ab dem Monat September jedoch standen die Zeichen

plötzlich auf Sturm. Der Auslöser für die negative

Entwicklung in kürzester Zeit: eine Kombination

aus fatalerweise gleichzeitig signifikant gesunkenen

Auslastungszahlen bei vielen Angeboten sowie

unverändert hohen anfallenden Kosten. Dank den

unter Hochdruck eingeleiteten Gegenmassnahmen

auf verschiedensten Ebenen konnte bis Ende Jahr

erreicht werden, dass das Jahresergebnis doch noch

im Rahmen blieb. Massgeblich dazu beigetragen hat

auch die Tatsache, dass wir einige grössere Spendenbeiträge,

die ursprünglich für das wegen unvorhersehbarer

Schwierigkeiten aufgegebene Projekt

Quartierladen Zürich-Wiedikon gesprochen wurden,

nicht alleine nur für die Deckung der für das Projekt

entstandenen Kosten, sondern zur allgemeinen Unterstützung

der Stiftung Netzwerk verwenden durften.

Dies zu verdanken haben wir der grosszügigen

Bereitschaft unserer Spender.

Im Rückblick zeigt sich, dass sich die Situation für

unser Angebot von begleiteten Ausbildungs- und

Beschäftigungsplätzen für Jugendliche in unseren

AIP-Gastrobetrieben wohl entscheidend verändert

hat. Die Gründe dafür sind vielfältig: Sie werden einerseits

in der zunehmenden Konkurrenz zwischen

Angeboten in der Arbeitsintegration vermutet, unter

dem Gesichtspunkt der demografischen Entwicklung

interpretiert oder mit einem höheren Lehrstellenangebot

in der Wirtschaft in Zusammenhang gebracht. Erfreulicherweise

laufen aber unsere AIP-Betriebe nach

wie vor sehr gut und sichern so die Arbeitsplätze für

unsere Jugendlichen in den Arbeitsintegrationsprojekten

(AIP). Vor allem das Restaurant Viadukt konnte

den budgetierten Umsatz wiederum übertreffen.

Bei den übrigen Angeboten profitierte das AIP Dorfladen

während des ganzen Jahrs von einer über dem

Budget liegenden, hohen Klientenauslastung. Die Jugendwohnungen

lieferten das schon fast gewohnt

gute solide Ergebnis ab. Das kleinste Angebot, die

Ambulante Jugend- und Familienbegleitung, schloss

ebenfalls im positiven Bereich ab. Bei den vier Angeboten

der Dezentralen Drogenhilfe (DDH) legte

der Jobbus/Garage den Boden für das ausgeglichene

Jahresergebnis vor allem im ersten Halbjahr. Die

DDH-Wohnangebote erholten sich gegen Ende Jahr

wieder von einem Zwischentief. Insgesamt mussten

aber Begleitetes Wohnen und Auffangwohngruppe

auf Kosten der gut ausgelasteten Wohnhilfe mehr

Subventionen und Gemeindebeiträge als budgetiert

beanspruchen.

Zusammengefasst zeigte uns das Geschäftsjahr auf,

dass wir immer wachsam und flexibel bleiben müssen,

um gut vorbereitet auf unvorhersehbare Entwicklungen

reagieren zu können.

Das Budget 2013 rechnet mit einem Jahresverlust

von Fr. 6 161.–. Die Budgetsumme ist nach wie vor im

Bereich um die 10 Millionen Franken angesiedelt. Wegen

der unsicheren Marktlage wurden die Erträge vor

allem bei den Einnahmen aus Tages- und Monatspauschalen

der Arbeitsintegrationsprojekte (AIP) eher

vorsichtig budgetiert und Kapazitätsanpassungen

nach unten vorgenommen.

Nach der Stadt Wetzikon im Jahre 2011 stimmte nun

erfreulicherweise auch die Stadt Illnau-Effretikon einer

Erhöhung unseres bestehenden Darlehens zur

Stärkung der Betriebsmittel zu.

Anfang 2013 begann der Umbau unserer Liegenschaft

Walderstrasse in Hinwil. Für die Finanzierung

des Vorhabens konnten wir auf die bewährte Zusammenarbeit

mit der Clientis Zürcher Regionalbank in

Wetzikon und der Wohnbaugenossenschaft Schweiz

(ehemals Schweizerischer Verband für Wohnungswesen

SVW) zählen.

Erstmals seit vielen Jahren sind für das Jahr 2013

keine neuen Projekte oder ein Ausbau von Angeboten

geplant. Nach einigen grossen Wachstumsschritten

in den vergangenen Jahren konzentrieren wir uns

in erster Linie auf die Konsolidierung und Optimierung

der bestehenden Geschäftsbereiche und auf

die Lancierung des AIP Bogen F. Ein weiteres Hauptaugenmerk

ist auf das Controlling der internen Kosten

(Stichwort Kostenwahrheit) sowie auf die Rentabilität

der Gastrobereiche gerichtet.

Weiter gilt es für das Angebot Begleitetes Wohnen in

Rüti eine oder mehrere Ersatzliegenschaften zu finden,

da eine jahrelang dafür genutzte Liegenschaft

im Herbst 2013 definitiv abgebrochen wird.

Nach dem «Pilotbetrieb» im zweiten Halbjahr 2012

setzen wir einige Hoffnungen in das erste Jahr mit

Vollbetrieb im AIP Bogen F: Unser Angebot der Durchführung

von Caterings, Apéros und Feiern an diesem

speziellen Ort scheint einem grossen Bedürfnis zu

entsprechen und könnte sich zu einem wichtigen

Standbein für die Stiftung Netzwerk entwickeln. Weiterhin

werden im AIP Bogen F auch unsere Konzerte

stattfinden, die im Veranstaltungskalender der Stadt

Zürich zu einer fixen Grösse geworden sind.

Insgesamt blicken wir trotz oder gerade wegen «des

kassierten Schusses vor den Bug» und der darauf

getroffenen Massnahmen sowie eines geglückten

Jahresstarts gespannt, aber auch zuversichtlich ins

Jahr 2013.


64 65


Stiftung Netzwerk

Revisionsbericht

Bilanz

Mittelflussrechnung

Aktiven

2012

2011

2010

2012

2011

2010

Flüssige Mittel 378202 415 602 493894

Debitoren 765487 872969 685303

Verrechnungssteuer 73 102 268

Kautionen 125591 125 306 116691

Subventionen 240000 240000 240000

Warenlager 106722 106766 109136

Transitorische Aktiven 94237 78106 246530

Umlaufvermögen 1710313 1838851 1891822

Sachanlagen 751504 550 075 550 896

Einrichtungen 2006 260 1797 540 1643556

Immobilien 674 710 675190 675190

Anlagevermögen 3432475 3022805 2869642

Bilanzsumme 5142787 4861656 4761464

Passiven

Kreditoren 508196 643607 408133

Transitorische Passiven 407793 321152 438052

Darlehensschulden 1454000 1132000 1170000

Hypotheken 563500 568500 573500

Fremdkapital 2933489 2665259 2589685

Gebundene Fonds Viadukt bzw. AIP 1321437 1290015 1245000

Stiftungskapital 906383 926779 944863

Minder-/Mehrerträge Subventionen 0 0 0

Jahreserfolg -18522 -20396 -18084

Eigenkapital per 31.12. 887 861 906383 926779

Bilanzsumme 5142787 4861656 4761464

Mittelfluss aus Betriebstätigkeit 362648 392435 225508

Betriebsdefizit -18522 -20396 -18084

Minder-/Mehrerträge Subventionen

Abschreibungen 338802 319579 293289

Abnahme/Zunahme Subventionsforderungen

Abnahme/Zunahme übrige Forderungen 107226 -196115 -177420

Veränderung Warenlager 44 2370 -65316

Abnahme/Zunahme Transitorische Aktiven -16131 168424 -188013

Zunahme/Abnahme kurzfrist. Verbindlichkeiten -135411 235474 199243

Zunahme/Abnahme Transitorische Passiven 86641 -116900 181809

Mittelfluss aus Investitionstätigkeit -748472 -472741 -1964131

Desinvestitionen 826 1530 1000

Investitionen in AIP Mittagstisch -18755 -15 766 -33815

Investitionen in AIP Rest. Konter -6153 -20321 -22184

Investitionen in AIP Dorfladen -23 432 -239777 -30826

Investitionen in AIP Rest. Viadukt -22716 -83546 -1675347

Investitionen in AIP Bogen F -514376

Investitionen in übrige Sachanlagen -163865 -114861 -202959

Mittelfluss aus Finanzierungstätigkeit 348423 2015 889500

Permanent zweckgebundene Spenden AIP 31423 45015 155 000

Neue Darlehen und Hypotheken 350000 750000

Rückzahlung Darlehen und Hypotheken -33000 -43000 -15 500

Anfangsbestand Flüssige Mittel 1.1. 415 602 493894 1343017

Endbestand Flüssige Mittel 31.12. 378202 415 602 493894

Veränderung Zahlungsmittel -37401 -78291 -849123

Erfolgsrechnung & Budget

Geschäftsstelle

Begleitetes Wohnen

Auffangwohngruppe

Jobbus/Garage

Wohnhilfe

Ambulante Jugendund

Familienbegleitung

Jugendwohnungen

AIP Rest. Konter

AIP Mittagstisch E1S

AIP Rest. Viadukt

inkl. AIP Bogen F

AIP Dorfladen

Seegräben

Stiftung Netzwerk

Budget 2013

Kapitalnachweis

Anfangsbestand

1.1.2012

Zuweisungen

Extern

Interne

Fondstransfers

Verwendung

Endbestand

31.12.2012

Ertrag 212 582 827 947 706861 2106209 176663 51120 625460 1396914 337 951 3367625 816269 10625602 10606741

Aufträge 899619 350100 162471 2259068 431118 4102376 4333740

Mieten 136268 6000 10781 153049 81312

Tagespauschalen 769945 660858 993756 118433 51120 625460 1046616 166 223 1046336 347531 5826278 5743996

Mittel aus Eigenfinanzierung

Stiftungskapital 906383 -18522 887861

Jahresverlust -18522 18522

Organisationskapital 906383 -18522 887861

Sonstige Erlöse 400 400

Spenden 76315 61550 8000 12255 2253 1500 161873 112 000

Spenden aus Fonds 113001 38576 151 577 168576

Subventionen Kanton 39673 31466 129031 39829 240000 240000

Unterstützungsbeiträge 50000 50000

Gemeindebeiträge 18329 14537 59611 18401 110 877 112 306

MwSt. -37358 -13802 -3398 -113814 -2456 -170828 -185189

Aufwand 1146 205 653706 553941 1897 750 162 144 45782 528691 1313696 331377 3208817 802014 10644124 10612902

Personalkosten 737949 338 224 312758 1190815 131770 36 161 308301 839110 168545 1596877 302000 5962510 5952939

Produktionsmaterial 174 553 196217 90053 868 560 377142 1706524 1721155

Kapitalkosten/Abschreibungen 42 027 5309 5117 29691 1572 622 4863 45244 21371 176744 52473 385034 430376

Raumkosten 149311 213560 118604 113011 6246 5917 143383 129057 26965 282458 22955 1211 467 1211 289

Leistungen an Klienten 19643 62021 159065 786 276 13460 17570 40 4532 2163 279557 253638

Betriebskosten 45 902 76970 55441 230616 21770 2805 58684 86 499 24403 279646 45280 928016 958505

Sport und Kultur 171016 171016 85000

Organisationskosten Umlage -933623 188 983 164613 209712 29319 2614 83100 80673 6074 162 466 6069 0

Betriebsgewinn (+)/Defizit (-) -14743 -11693 -1252 -14801 2724 13668 2546 501 -3658 8186 -18522 -6161

Mittel aus Fondskapital

Gebundene Fonds

AIP Viadukt, AIP Dorfladen,

AIP Bogen F

1 290 015 183 000 -151 577 1 321 437

66

67


Netzwerk Stiftung, Zürich

Spenden Netzwerk 2012

Revisionsbericht

Arbeitsintegrationsprojekt AIP allgemein

Walter und Anne Marie Boveri Stiftung 25000.00

Alfred und Bertha Zangger-Weber-Stiftung 10000.00

Strohbach Helen, Rüti 200.00

Tüscher Ruth und Edwin, Betschwanden 200.00

Widmer Max und Nelli, Uster 200.00

Wiget Theo und Marianne, Hausen am Albis 200.00

Arbeitsintegrationsprojekt AIP Restaurant Konter

Spendenstiftung Bank Vontobel (Schulraumerweiterung) 20000.00

Hilda und Walter Motz-Hauser Stiftung (Schulraumerweiterung) 15000.00

Evang. Ref. Kirchgemeinde Wallisellen 5000.00

Familien-Vontobel-Stiftung 3000.00

Wittwer Susanna, Baden 200.00

Ramseier-Giss Walter und Susanne, Wald 150.00

Reinhart Frank, Bertschikon 150.00

Zollinger Hans und Christa, Rüti 150.00

Oklé Roger und Esther, Wolfhausen 136.27

Acker Stefan, Bäretswil 100.00

Arbeitsintegrationsprojekt AIP Mittagstisch E1S

Staub/Kaiser-Stiftung 12255.25

Berger Hans, Zürich 100.00

Bickel Marianne, Zürich 100.00

Börlin Hans, Grüt 100.00

Arbeitsintegrationsprojekt AIP Restaurant Viadukt

Röm. Kath. Kirchgemeinde Maria-Hilf, Zürich 1500.00

Stiftung PWG 500.00

Spende anonym 200.00

Eisenring Markus, Zürich 100.00

Friedli Bänz, Zürich 100.00

Graf-Scheibling Jürg, Wetzikon 100.00

Grüninger Herbert, Wetzikon 100.00

Grüninger René, Zürich 100.00

Arbeitsintegrationsprojekt AIP Dorfladen Seegräben

Verein Dorfladen Seegräben 1500.00

Honegger-Neukom Peter und Hanna, Rüti 100.00

Jordan Philipp, Zürich 100.00

Kubli Peter, Affoltern am Albis 100.00

Jobbus/Garage allgemein

Vandebroek Jos, Pfäffikon (Gutschein) 500.00

Kündig Klara, Tann 100.00

Luginbühl-Welter Ursula, Wetzikon 100.00

Marti Marianne und Jakob, Tann 100.00

Allgemein

Morger AG, Rüti 100.00

Alfred und Bertha Zangger-Weber-Stiftung 10000.00

Immopro AG, Zürich 6000.00

Ernst und Theodor Bodmer Stiftung 4000.00

Gemeindeverwaltung Hinwil 3000.00

Pretto Manuela, Basel 100.00

Sablonier Annigna, Zürich 100.00

Urner Lydia, Grüningen 100.00

Weber Benjamin, Tann 100.00

Bilanz

Aktiven

2012

2011

2010

Belimo Automation AG, Hinwil 2500.00

Ingesa Oberland AG, Wetzikon 2000.00

Berri AG, Zürich 1000.00

Evang. Ref. Kirchgemeinde Rüti (Mission 2012) 1000.00

Gemeindeverwaltung Wald 1000.00

Röm. Kath. Kirchgemeinde Pfäffikon 1000.00

Brütsch Hermann und Esther, Adetswil 500.00

Flückiger Food Systems GmbH, Wetzikon 500.00

Grandjean Dominique, Zürich 500.00

Evang. Ref. Kirchgemeinde Rüti, Kollekte 438.25

Buscher Jochen, Rüti 300.00

Röm. Kath. Kirchgemeinde Wetzikon 300.00

Weibel Marc, Wermatswil 100.00

Weidmann Marcelle, Rüti 100.00

Zobrist Jürg und Jungholz Beatrice, Uster 100.00

Zollinger Heizungen AG, Dürnten 100.00

Für alle Spenden – auch die vielen kleineren und hier nicht aufgeführten – bedanken

wir uns ganz herzlich.

Flüssige Mittel 83151 45839 155 002

Umlaufvermögen 83151 45839 155 002

Anlagevermögen 0 0 0

Bilanzsumme 83151 45839 155 002

Passiven

Kreditoren 0 0 980

Transitorische Passiven 23 150 0 106300

Fremdkapital 23 150 0 107280

Stiftungskapital 45839 47722 50000

Jahreserfolg 14162 -1883 -2278

Eigenkapital per 31.12. 60001 45839 47722

Bilanzsumme 83151 45839 155 002

Eugster Ulrich Alfred, Wetzikon 250.00

Wüst Martin, Bassersdorf 250.00

Biefer Ursula, Burgdorf 200.00

Büchi Martin, Zürich 200.00

Erfolgsrechnung

2012

Ernst Beat, Rüti 200.00

Evang. Ref. Kirchgemeinde Dürnten 200.00

Evang. Ref. Kirchenpflege Egg 200.00

Irniger Walter und Gundhilde, Hombrechtikon 200.00

Meili-Bernet Adrian, Hinwil 200.00

Moor Eugen, Steinmaur 200.00

Stiefel-Waschier Edwin, Tann 200.00

Ertrag 18222

Spenden 18150

Zinsertrag 72

Aufwand 4060

Personalkosten 905

Spendenaufwand 3150

Betriebskosten 5

Betriebsgewinn (+)/Defizit (-) 14162


68 69


Statistiken

AIP Restaurant Viadukt Auslastung: 79%, Durchschnittsalter m/f: 19/20

AIP Restaurant Konter Auslastung: 99%, Durchschnittsalter m/f: 17/18

Kapazität Plätze 25

Teilnehmende pro Tag im Schnitt 19.6

Total Teilnehmende 24 13 37

Stand 1.1.2012 14 8 22

Eintritte 8 4 12

Eintritte vom AIP Restaurant Konter 1 1 2

Eintritt vom AIP Mittagstisch E1S 1 0 1

Austritte 4 5 9

Austritt ins AIP Mittagstisch E1S 1 0 1

Ausbildung abgeschlossen 3 1 4

Stand 31.12.2012 16 7 23

Lehre als Koch 12 2 14

Lehre als Restaurationsfachmann/-frau 2 4 6

Attestlehre als Küchenangestellte/r 5 1 6

Attestlehre als Restaurationsangestellte 0 4 4

Praktische Ausbildung PrA 1 0 1

Arbeitstraining 3 2 5

Schulabschluss 1 0 1

Männer

Frauen

Total

Herkunft

Bezirk Hinwil: Bubikon 1 Hinwil 2 Rüti 1 Wetzikon 1

Bezirk Pfäffikon: Illnau-Effretikon 1 Pfäffikon 1 Russikon 2

Bezirk Uster: Dübendorf 1

Kanton Zürich: Affoltern am Albis 1 Dietikon 2 Hombrechtikon 1

Horgen 1 Rümlang 1 Wiesendangen 1 Winterthur 3 Zürich 15

Ausserkantonal: Brunnadern SG 1 Niederwil AG 1

Das AIP Restaurant Viadukt konnte die Klientenauslastung

weiter steigern. Das Angebot erfreute sich

einer regen Nachfrage; die Hälfte der Neueintritte

stammte aus der Stadt Zürich. 84 Prozent der Klienten

absolvierten eine Berufsbildung, die Mehrheit

davon eine dreijährige Lehre. Die Jugendlichen

konnten sich im Restaurantbetrieb optimal auf das

Berufsleben vorbereiten. So haben alle vier Lernenden,

die sich am Ende ihrer Berufsbildung befanden,

das Qualifikationsverfahren bzw. die Lehrabschlussprüfung

bestanden.

Kapazität Plätze 21

Teilnehmende pro Tag im Schnitt 20.8

Total Teilnehmende 30 13 43

Stand 1.1.2012 15 6 21

Eintritte 15 7 22

Austritte 15 5 20

Austritte ins AIP Restaurant Viadukt 1 1 2

Ausbildung abgeschlossen 1 1 2

Stand 31.12.2012 13 6 19

Lehre als Koch 0 1 1

Lehre als Restaurationsfachfrau 0 1 1

Attestlehre als Küchenangestellte/r 4 1 5

Attestlehre als Restaurationsangestellte 0 3 3

Attestlehre als Schreinerpraktiker 3 0 3

Praktische Ausbildung PrA 3 1 4

Arbeitstraining 5 2 7

Schulabschluss 15 3 18

IV-Integrationsmassnahme 0 1 1

Männer

Frauen

Total

Herkunft

Bezirk Hinwil: Aathal-Seegräben 1 Bäretswil 1 Hinwil 1

Rüti 4 Wetzikon 3

Bezirk Pfäffikon: Fehraltorf 2 Pfäffikon 1

Bezirk Uster: Greifensee 1 Mönchaltorf 1 Schwerzenbach 1

Uster 1 Volketswil 2

Kanton Zürich: Glattbrugg 1 Niederglatt 1 Ossingen 1

Richterswil 1 Rümlang 1 Stäfa 1 Turbenthal 1 Uetikon am See 1

Wädenswil 1 Winterthur 2 Zollikon 1 Zürich 11

Ausserkantonal: Thun BE 1

Im AIP Restaurant Konter konnte die Auslastung bis

August konstant hoch gehalten werden. Freie Plätze

wegen Austritten wurden sofort wieder besetzt.

Neueintritte stammten grösstenteils aus dem Zürcher

Oberland. Ab August hatte das AIP Restaurant

Konter mit einer tieferen Auslastung zu kämpfen.

Einige Berufsbildungs- und Beschäftigungsplätze

konnten nicht besetzt werden, dafür blieb die Schulklasse

komplett. Die zwei Lernenden, die sich am

Ende ihrer Berufsbildung befanden, haben die Ausbildung

erfolgreich abgeschlossen.

Zuweisende Stellen

Zuweisende Stellen

Jugendanwaltschaft 9

Jugend- und Familienberatung 5

Schulpflege 1

Soziale Dienste 13

SVA/IV 9

Jugendanwaltschaft 11

Jugend- und Familienberatung 4

Pädagogische Fachstellen 2

Schulpflege/Schulpsychologischer Dienst 9

Soziale Dienste 9

SVA/IV 8

70

71


AIP Mittagstisch E1S Auslastung: 80%, Durchschnittsalter m/f: 18/18

Jobbus/Garage Auslastung: 101%, Durchschnittsalter m/f: 35/31

Kapazität Plätze 4

Teilnehmende pro Tag im Schnitt 3.2

Total Teilnehmende 5 1 6

Stand 1.1.2012 2 0 2

Eintritte 2 1 3

Eintritt vom AIP Restaurant Viadukt 1 0 1

Austritte 1 1 2

Austritt ins AIP Restaurant Viadukt 1 0 1

Ausbildung abgeschlossen 1 0 1

Stand 31.12.2012 2 0 2

Lehre als Koch 1 0 1

Attestlehre als Küchenangestellter 3 0 3

Arbeitstraining 1 1 2

Zuweisende Stellen

Männer

Frauen

Total

Jugendanwaltschaft 4

Soziale Dienste 2

Herkunft

Bezirk Hinwil: Wald 1 Wetzikon 1

Bezirk Pfäffikon: Pfäffikon 1

Kanton Zürich: Dietlikon 1 Winterthur 1 Zürich 1

Das AIP Mittagstisch E1s startete von der Auslastung

her verhalten, dank zwei Neueintritten und einem

internen Übertritt lag die Auslastung dann einige

Monate lang klar über den Vorgaben. Die Austritte

konnten im Herbst mangels geeigneter Kandidaten

leider nicht vollumfänglich wiederbesetzt werden.

Zwei Drittel der Klienten absolvierten eine Berufsbildung.

Der Lernende, der sich am Ende seiner Berufsbildung

befand, bestand das Qualifikationsverfahren

erfolgreich.

Budgetierte Plätze 27.3

Teilnehmende pro Tag im Schnitt 27.6

Total Teilnehmende 128 20 148

Stand 1.1.2012 40 7 47

Eintritte 88 13 101

Austritte 81 15 96

Stand 31.12.2012 47 5 52

Zuweisende Stellen

Männer

Frauen

Total

Amtsvormundschaft 1

Netzwerk intern 4

Soziale Dienste 143

Herkunft

Bezirk Hinwil: Bubikon 13 Dürnten 1 Fischenthal 1 Gossau 1

Hinwil 4 Wald 6 Wetzikon 9

Bezirk Pfäffikon: Illnau-Effretikon 11 Wila 4

Bezirk Uster: Uster 17

Kanton Zürich: Langnau am Albis 2 Winterthur 75

Netzwerk: intern 4

Der Jobbus/Garage verzeichnete ein erfolgreiches

Jahr 2012. Gegenüber dem Vorjahr konnte das Angebot

26 Prozent mehr Neueintritte verbuchen. Die

Anzahl der Teilnehmenden erhöhte sich im Vorjahresvergleich

um zwölf Prozent. An einem Tag im

April wurde ein Spitzenwert von 40 Teilnehmenden

erreicht. Weiterhin stammen die meisten Klienten

aus der Stadt Winterthur, gefolgt von der Stadt

Uster. In der Werkstatt in Wetzikon hat der Lernende

im Rahmen des AIP seine Ausbildung als Schreinerpraktiker

erfolgreich bestanden.

AIP Dorfladen Seegräben Auslastung: 118%, Durchschnittsalter m/f: 19/23

Auffangwohngruppe Auslastung: 92%, Durchschnittsalter m/f: 32/29

Kapazität Plätze 5

Teilnehmende pro Tag im Schnitt 5.9

Total Teilnehmende 5 6 11

Stand 1.1.2012 3 4 7

Eintritte 2 2 4

Austritte 2 0 2

Ausbildung abgeschlossen 0 1 1

Stand 31.12.2012 3 5 8

Lehre als Detailhandelsfachmann 1 0 1

Attestlehre als Detailhandelsassistent/in 3 4 7

Arbeitstraining 1 0 1

IV-Integrationsmassnahmen 0 2 2

Zuweisende Stellen

Jugend- und Familienberatung 1

Soziale Dienste 4

SVA/IV 6

Männer

Frauen

Total

Herkunft

Bezirk Hinwil: Bäretswil 1 Hinwil 1 Rüti 1 Wald 1

Bezirk Pfäffikon: Hittnau 1 Illnau-Effretikon 2

Bezirk Uster: Maur 1 Volketswil 1

Kanton Zürich: Zürich 2

Im AIP Dorfladen blieb die Nachfrage nach Detailhandelsplätzen

weiterhin hoch. Acht Jugendliche

absolvierten eine Berufsbildung. Erstmals durchliefen

zwei Teilnehmerinnen eine IV-Integrationsmassnahme,

ein Jugendlicher absolvierte ein

Arbeitstraining. Die SVA/IV Zürich vermittelte

drei von vier Neueintritten und war damit die zuweisungsstärkste

Stelle. Eine Lernende, die sich

am Ende ihrer zweijährigen Berufsbildung befand,

schloss als erste Dorfladen-Teilnehmerin ihre Ausbildung

als Detailhandelsassistentin ab.

Kapazität Plätze 12

BewohnerInnen pro Tag im Schnitt 11.1

Total BewohnerInnen 11 6 17

Stand 1.1.2012 9 3 12

Eintritte 2 3 5

Austritte 3 2 5

Stand 31.12.2012 8 4 12

Zuweisende Stellen

Männer

Frauen

Total

Amtsvormundschaft 3

Soziale Dienste 14

Herkunft

Bezirk Hinwil: Wetzikon 2

Bezirk Pfäffikon: Pfäffikon 1

Bezirk Uster: Dübendorf 1 Uster 3

Kanton Zürich: Bülach 1 Kloten 2 Meilen 1 Zürich 5

Ausserkantonal: Suhr AG 1

Die Auffangwohngruppe startete nach einem unruhigen

Vorjahr mit voller Auslastung ins Jahr 2012.

Abgesehen von einem kurzen Einbruch im Frühjahr

war die Auslastungssituation in den Aussenwohnungen

ab April konstant – volle Belegung ohne

Bewohnerwechsel. Die wenigen Ein- und Austritte

im Rahmen des gesamten Angebots dokumentieren

eine stabile Wohnsituation und mehr Konstanz

als in den Vorjahren. Der Frauenanteil war deutlich

höher als früher. Eine Klientin ist leider verstorben.

Die zuweisungsstärkste Gemeinde war wiederum

die Stadt Zürich.

72

73


Begleitetes Wohnen Auslastung: 93%, Durchschnittsalter m/f: 33/30

Jugendwohnungen Auslastung: 93%, Durchschnittsalter m/f: 19/19

Kapazität Plätze 17

BewohnerInnen pro Tag im Schnitt 15.9

Total BewohnerInnen 24 5 29

Stand 1.1.2012 14 2 16

Eintritte 10 3 13

Austritte 10 2 12

Stand 31.12.2012 14 3 17

Zuweisende Stellen

Männer

Frauen

Total

Amtsvormundschaft 6

Soziale Dienste 23

Herkunft

Bezirk Hinwil: Wetzikon 3

Bezirk Pfäffikon: Illnau-Effretikon 1

Bezirk Uster: Dübendorf 2 Uster 3

Kanton Zürich: Adliswil 2 Dägerlen 1 Geroldswil 1 Männedorf 1

Meilen 2 Oetwil an der Limmat 1 Seuzach 1 Uetikon am See 1

Volketswil 1 Zürich 9

Die Auslastung beim Begleiteten Wohnen lag leicht

unter den Vorgaben. Eine hohe Fluktuation und

zahlreiche Austritte, die nicht umgehend durch

Neueintritte ersetzt werden konnten, führten zu diesem

Resultat. Weiterhin ist der Anteil männlicher

Personen hoch, jedoch unverändert im Vergleich

zum Vorjahr. Das Durchschnittsalter ist leicht gestiegen.

Die zuweisungsstärkste Gemeinde war erneut

die Stadt Zürich.

Kapazität Plätze 12

BewohnerInnen pro Tag im Schnitt 11.1

Total BewohnerInnen 10 9 19

Stand 1.1.2012 4 7 11

Eintritte 6 2 8

Austritte 4 3 7

Stand 31.12.2012 6 6 12

Zuweisende Stellen

Amtsvormundschaft 1

Jugendanwaltschaft 1

Jugend- und Familienberatung 2

Soziale Dienste 13

SVA/IV 2

Männer

Frauen

Total

Herkunft

Bezirk Hinwil: Gossau 1 Wald 1 Wetzikon 3

Bezirk Pfäffikon: Russikon 1

Bezirk Uster: Uster 2

Kanton Zürich: Buchs 1 Horgen 1 Oberengstringen 1 Zürich 6

Ausserkantonal: Frick AG 1 Thun BE 1

Mit einer Auslastung von 93 Prozent verzeichnen

die Jugendwohnungen wiederum ein sehr erfolgreiches

Jahr auf dem Niveau der Vorjahre. Einige Turbulenzen

im Frühjahr führten kurzfristig im Juni/

Juli zu einem Auslastungseinbruch, der ab August

jedoch wieder aufgefangen werden konnte. Das Verhältnis

weiblicher und männlicher BewohnerInnen

war ausgeglichen. Auffallend war die Zunahme von

Finanzierungen über IV-berufliche Massnahmen.

Die zuweisungsstärkste Gemeinde war wiederum

die Stadt Zürich.

Wohnhilfe Auslastung: 107%

Ambulante Jugend- und Familienbegleitung Auslastung: 88%

Familienbegleitung

Wohnungssuche

Wohnbegleitung

Total

Total Aufträge 28 8 36

Stand 1.1.2012 9 5 14

Eintritte 19 3 22

Austritte 18 3 21

Stand 31.12.2012 10 5 15

Zuweisende Stellen

Amtsvormundschaft 4

Andere 3

Jugend- und Familienberatung 1

Pro Infirmis 2

Soziale Dienste 26

Herkunft

Bezirk Hinwil: Hinwil 6 Wetzikon 16

Bezirk Pfäffikon: Illnau-Effretikon 1

Bezirk Uster: Dübendorf 4 Uster 7

Kanton Zürich: Fahrweid-Weiningen 1 Zürich 1

Mit 36 Aufträgen konnte die Wohnhilfe gleich viele

Mandate ausführen wie im Vorjahr. Dank starken

Zahlen zu Jahresbeginn und im September wurde

ein sehr gutes Jahresresultat erzielt. Wiederum betrafen

rund 80 Prozent der Aufträge die Wohnraumsuche,

für die aus den Bezirken Hinwil und Uster

zahlreiche neue Aufträge erteilt wurden; die meisten

stammten aus den Städten Wetzikon, Uster und

Dübendorf. Die Wohnraumsuche konnte erfolgreich

umgesetzt werden, die Wohnhilfe vermittelte 2012

zehn Wohnungen an Wohnungssuchende.

Jugendbegleitung

Total

Total Aufträge 4 4 8

Stand 1.1.2012 2 1 3

Eintritte 2 3 5

Austritte 4 2 6

Stand 31.12.2012 0 2 2

Zuweisende Stellen

Jugendanwaltschaft 1

Jugend- und Familienberatung 1

Soziale Dienste 5

SVA/IV 1

Herkunft

Bezirk Hinwil: Hinwil 1

Bezirk Pfäffikon: Illnau-Effretikon 2

Bezirk Uster: Uster 3

Kanton Zürich: Zürich 1

Ausserkantonal: Frick AG 1

Im Jahr 2012 war die Auslastung bei der Ambulanten

Jugend- und Familienbegleitung schwankend, lag

aber im Rahmen des Vorjahres. Grösste Auftraggeberin

war die Stadt Uster, die drei neue Abklärungsaufträge

erteilte. Vier Jugendliche wurden teils im

familiären Umfeld oder in der eigenen Wohnung

begleitet. Erstmals wurde eine Begleitung über eine

IV-berufliche Massnahme finanziert. Ebenfalls erstmalig

wurde eine Jugendbegleitung in der Stadt Zürich

durchgeführt.


74

75


Michi

Michi, 22: «Hier in der Küche ist der Umgangston gepflegt, draussen wird das womöglich nicht mehr so sein.»

Absolviert im AIP Restaurant Viadukt

in Zürich eine Kochlehre

Meine Schulzeit in Zürich war ein Kampf. Als Einzelgänger

kam ich immer unter die Räder, war

nicht schlagfertig genug. Im 8. Schuljahr wechselte

ich in eine Privatschule. Es folgten die besten zwei

Jahre meiner Schulzeit. Die Mitschülerinnen und

Mitschüler akzeptierten mich so, wie ich war. Von

einer 4,0 schaffte ich es auf Anhieb auf einen Notendurchschnitt

von 5,5. Ich merkte: Ich muss an

mich glauben, und dann kommt es schon gut.

Mit meinem guten Sek-B-Abschluss hatte ich

keine Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Ich fand

einen Lehrplatz als Fachmann Betriebsunterhalt,

also Hauswart. Mein Vater arbeitet in diesem Job,

und in meinen Ferien hatte ich jeweils in seinem

Betrieb ein bisschen gejobbt. Kaum in der Lehre,

merkte ich aber ziemlich schnell, dass ich mit diesem

Beruf nicht wirklich warm wurde. Ausserdem

kam ich am Arbeitsplatz nicht mit allen Ausbildnern

klar. Dann löste mein Lehrbetrieb das Lehrverhältnis

ohne Vorwarnung wegen schlechter

Leistungen auf; auch zur Lehrabschlussprüfung

meldete mich mein Arbeitgeber nicht an, obwohl

ich mit meinem Notendurchschnitt zugelassen

worden wäre. Auf einen so abrupten Abgang war

ich nicht vorbereitet. Ich versuchte mich zu wehren

– vergeblich.

Mein Plan, die Lehre in einem anderen Betrieb

zu beenden, fruchtete nicht. Ich fand keine Lehrstelle.

Darum war ich fast zwei Jahre lang arbeitslos

und verdiente mit Tageseinsätzen bei Job Shop

mein Taschengeld. Mein Vater und ich lagen uns

oft in den Haaren. Er verstand nicht, wieso ich oft

müde und unmotiviert war. Dies änderte sich, als

bei mir 2010 eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung

(ADS) diagnostiziert wurde. Viele Probleme der

vergangenen Jahre liessen sich vor diesem Hintergrund

erklären. Die Diagnose führte zu einer spürbaren

Entspannung zu Hause. Seit drei Jahren besuche

ich nun ein Neurotraining, da muss ich vor

allem Konzentrationsübungen machen.

Es war meine damalige Therapeutin, die mich

darauf hinwies, dass Jugendliche mit Defiziten

eine AIP-Lehre im Restaurant Viadukt absolvieren

können. Kochen war schon immer eine Leidenschaft

von mir, und ich esse auch gerne. Was ich

hier sah, gefiel mir auf Anhieb: die Stimmung, der

Umgang mit den Lehrlingen und die Chefs. Leider

lehnte die Stadt eine Finanzierung der Ausbildung

ab. Ich liess aber nicht locker und gab Rekurs ein.

Neun Monate später wurde die Finanzierung gutgeheissen,

ausschlaggebend war der Bericht meines

Therapeuten. Bis zum Lehrbeginn im Sommer 2012

absolvierte ich im Netzwerk ein Arbeitstraining.

Ich verlor ein Jahr, dachte aber immer: Es kann nur

besser werden, und ich will nun vor allem zeigen,

was ich kann.

Nun bin ich auf Kurs. Ich arbeite gerne am Herd

und lerne viel. Meistens übernehme ich den Entremetier-Posten,

stelle die Menüs fertig und bereite

À-la-carte-Gerichte für den Abend vor. Da hier alles

gut strukturiert ist, komme ich mit dem Stress klar.

Dass es Sozialarbeiter gibt, an die ich mich wenden

kann, wenn ich ein Probleme habe, kommt mir

ebenfalls entgegen. Mir ist aber auch bewusst, dass

es nach meiner Lehre mit der Wohlfahrt vorbei ist.

Ich muss dann auf dem freien Markt bestehen können.

Hier in der Küche ist der Umgangston gepflegt,

draussen wird das womöglich nicht mehr so sein.

Nach der Lehre könnte ich mir einen Job als Koch

in einem kleinen Betrieb vorstellen. Mein Fernziel

ist ein eigenes Restaurant.

Nach dem Abschluss 2014 werde ich voraussichtlich

die Wohnung meiner Eltern übernehmen

und dort mit meiner Freundin leben. Wir haben

uns im Internet kennengelernt. Unsere gemeinsame

Leidenschaft ist Eishockey. Sie ist Fan der SCL

Tigers in Langnau, ich bin Anhänger der ZSC Lions.

Ich reise an die meisten Spiele, verpasse quasi keinen

Match. Auch wenn mein Lieblingsfussballclub

GC spielt, bin ich meistens dabei. Ich leide mit meinen

Clubs extrem mit. Mit zwei älteren Kollegen

habe ich eine Hip-Hop-Band. Wir nennen uns Rap

Meal, weil wir alle Köche sind oder waren. Ich stehe

als Rapper extrem gerne auf der Bühne, für mich ist

das Ganze aber pures Hobby. Was die Zukunft anbelangt,

bin ich zuversichtlich. Es sieht alles viel

besser aus als noch vor drei Jahren.


78

79


Elisa

Elisa, 18: «Ich weiss, was es heisst, keine Eltern zu haben, . dieses Gefühl vermittelt dir kein Buch.»

Wohnt in einer Jugendwohnung der

Stiftung Netzwerk und macht ein

Praktikum in einer Kinderkrippe

Ich absolviere zurzeit ein Praktikum in einer Kinderkrippe

in Zürich. Den Job habe ich mir alleine

organisiert. Die Stelle war ausgeschrieben, ich

habe angerufen und das Praktikum bekommen.

Ich arbeite gerne mit Kindern: Egal, wie schlecht

du drauf bist, Kinder muntern dich immer auf.

Mein Alltag ist abwechslungsreich; langweilig wird

mir mit den Knirpsen eigentlich nie. Ich habe zuvor

schon ein Praktikum in einem Altersheim und in

einer anderen Krippe absolviert, aber dort stimmte

die Chemie mit dem Team nicht. An meiner neuen

Stelle ist das anders: Es kommt ja eher selten vor,

dass Männer in Kinderkrippen arbeiten, aber bei

meiner jetzigen Stelle ist das so. Nicht nur das Team

profitiert, sondern die Durchmischung ist auch für

die Kids gut. Die Buben können zum Beispiel mit

den männlichen Betreuern «tschutten».

Mein Vater ist halb Angolaner, halb Kongolese,

meine Mutter halb Holländerin, halb Deutsche.

Meinen Vater sehe ich sehr selten. Er lebt in der

Westschweiz. Wenn er in Zürich ist, ruft er mich

manchmal an, und wir sehen uns irgendwo für

20 Minuten. Dann muss er aber auch schon wieder

weiter. Mit meiner Mutter habe ich gar keinen

Kontakt mehr. Sie wohnt in Zürich, aber ich weiss

nicht einmal genau, wo. Ich will sie nicht mehr treffen,

und sie mich auch nicht. Damit habe ich abgeschlossen.

In meiner Kindheit pendelte ich zwischen Pflegefamilie

und Heim. Es war eine schwierige Zeit,

denn ich musste mich immer wieder auf neue Leute

einlassen. Am längsten, drei Jahre lang, wohnte

ich im Heim in Aathal, wo ich auch die Sek B abschloss.

In der Schule war ich nach einer kurzen

Angewöhnungszeit ziemlich streberhaft. Als dann

jedoch kurz vor meinem Abschluss meine Bezugsperson

im Heim kündigte, warf mich das total aus

der Bahn. Die Beziehung zwischen mir und diesem

Betreuer war sehr eng gewesen. Er war irgendwie

alles für mich: Kumpel, Mami, Papi. In den letzten

zwei Wochen ging ich nicht mehr zur Schule. Ich

hatte den «Koller», tauchte total ab. Den Abschluss

habe ich wohl nur geschafft, weil man mir sehr

wohlgesinnt war.

Nach dem Heim kam ich erstmals ins Netzwerk,

das war 2011, und zwar in die Jugendwohnungen,

in eine Wohngemeinschaft. Der Wechsel

war krass. Denn eigentlich war Eigenverantwortung

gefragt, doch ich sah nur die neuen Freiheiten

und übertrieb alles: Das Rauchen, das Ausgehen,

das Herumtrödeln. Als ich dann noch meine Tagesstruktur

verlor, musste ich wieder ausziehen.

Ein Jahr verbrachte ich daraufhin in einer Jugendwohnung

in Oerlikon. Dort musste ich keine Tagesstruktur

vorweisen, konnte aber nur ein Jahr lang

bleiben. Nach Ablauf dieser Frist war ich immer

noch am gleichen Punkt. Ich klopfte wieder beim

Netzwerk an. Doch es war kein WG-Zimmer frei.

Nach vielen Diskussionen war das Netzwerk bereit,

mir einen Platz im Einzelwohnen zu geben. Ich war

total erleichtert: Die Zusage erhielt ich an einem

Dienstag, abends um sieben Uhr, um neun Uhr am

nächsten Tag musste ich am anderen Ort in Oerlikon

ausziehen.

Es ist schön, eine eigene Wohnung zu haben.

Oft kriege ich zu hören: «Hey, du bist erst 18 und

wohnst schon alleine, cool!» Meine Antwort lautet

dann aber immer: «Was macht deine Mutter für

dich, waschen, kochen, einkaufen? Siehst du, das

muss ich alles selber machen. Und das ist nicht

nur cool.» Mittlerweile habe ich mich aber daran

gewöhnt. Wenn ich am Abend nach Hause komme,

mache ich zuerst den Abwasch vom Vortag. Das ist

so ein Ritual. Am Samstag sauge ich die Wohnung

und wasche meine Klamotten. Ab und zu schaut

jemand vom Netzwerk vorbei. Einmal in der Woche

findet auch ein Gespräch statt. Darüber bin

ich froh, jetzt gerade hilft man mir zum Beispiel

mit der Steuererklärung. Mein Ziel ist, eine Lehre

als Fachfrau Betreuung abzuschliessen und später

einmal Sozialpädagogik zu studieren. Bereits als

12-Jährige im Heim dachte ich immer, dass ich einmal

zurückkommen möchte, um die Sachen besser

zu machen. Meine Biografie hilft mir sicher, weil

ich beide Seiten kenne. Ich weiss, was es heisst,

keine Eltern zu haben; dieses Gefühl vermittelt dir

kein Buch.


80

81


Superform

Superform kompakt: Heinz Rutschmann, Angela Wyttenbach, Matthias Wehrli,

Daniel Hotz, Jan Petzold, Freya Garbsch (von l.o.n.r.u); Michael Sax (stehend)

82

Schreinerei unseres Vertrauens

Daniel Hotz, 49, und Michael Sax, 48, die beiden

Geschäftsleiter von Superform, erklären, wie ihre

Firma zur heutigen Form fand.

S wie «So fing alles an»

Superform gibt es seit 2003 in dieser Form. Michael

ist damals in die Firma eingestiegen, die ich vorher

als Einzelfirma führte, er hat aber schon vorher

hier gearbeitet. Bei der Namensfindung haben wir

uns etwas schwergetan. Am Schluss haben wir uns

dann auf Superform geeinigt, weil das ein Name ist,

der im Kopf hängen bleibt.

U wie Unternehmen

In unserem Kleinbetrieb in Wetzikon-Kempten arbeiten

mit uns zwei Schreiner, eine Schreinerin,

ein Lehrling und eine Lehrtochter. Im Unternehmen

sind wir also ein siebenköpfiges Team.

P wie Preise und Promotion

Da wir ja keine grossen Maschinen einsetzen, sondern

vor allem handwerklich arbeiten, kommen wir

manchmal an den Punkt, wo wir uns sagen: Billiger

und schneller geht es nicht mehr. Und was Promotion

anbelangt: Möbel entwickeln ist unser Ding.

Nach der Entwicklung und der Umsetzung wäre die

Vermarktung die logische Fortsetzung. Werbung in

eigener Sache ist aber unsere Schwachstelle.

E wie Eigenart

Wir versuchen, in unseren eher nüchtern-sachlichen

Stil etwas reinzubringen, was diese Sachlichkeit aufbricht.

Unser «Tischlein steck dich» aus Sperrholz ist

nicht nur stabil, sondern dank der Steckverbindung

ohne Werkzeug einfach zusammensetzbar. Der Hocker

01 verfügt zusätzlich über ein Staufach.

R wie Risiko

Ein Risiko ist natürlich immer dabei, wenn man einen

eigenen Betrieb hat. Wir sind immer damit beschäftigt,

genügend Aufträge reinzubekommen.

Ebenso können wir nie wirklich ausruhen und sagen,

das ist nun erledigt, weil immer schon wieder Neues

angepackt werden muss. Wir können es uns auch

nicht leisten, mal weniger auf die Arbeit und das Geschäft

zu fokussieren, sonst entgleitet uns die Sache

schnell.

F wie Form

Vor zehn Jahren musste alles möglichst eckig und

bündig sein. Das hat uns Schreinern das Leben

ganz schön schwer gemacht, weil wir fast keinen

Spielraum mehr hatten, vor allem im Innenausbau.

Nun ist zum Glück die Form wieder wichtiger: Rund

und oval und sogar Verzierungen liegen im Trend.

O wie Oh, là là les Chinois

Unser Verkaufsrenner ist unser Tisch mit Stecksystem.

Diesen Tisch haben wir auch einmal an einer

Messe in Köln gezeigt, wo er eine Delegation Chinesen

in helle Aufregung versetzte. Die haben sich

das Modell ganz genau angeschaut und Fotos geknipst.

Eine chinesische Kopie unseres «Tischlein

steck dich» ist uns bis heute aber zum Glück nicht

untergekommen.

R wie Region

Wir sind verwurzelt in der Region, ich lebe in Wetzikon,

Dani wohnt in Uster. Im Café Hut in Uster,

das der Schweizer Heimatschutz soeben auf die

Liste der «schönsten Cafés und Tea-Rooms der

Schweiz» gesetzt hat, haben wir den Innenausbau

übernommen. Bei der Gestaltung waren wir sehr

frei, was spannend war.

M wie Möbel

Unsere Möbel sind für uns natürlich eine Visitenkarte.

Da steckt unser Herzblut drin. Superform-Produkte

sollen physisch, jedoch nicht ästhetisch altern

dürfen. Die Inneneinrichtungen fürs Netzwerk

entstehen in enger Zusammenarbeit mit Archi–

tekt Luzius Baggenstos; gemeinsam konnten wir

in der Vergangenheit viele tolle Innenausstattungen

realisieren. Speziell war der Innenausbau des

Restaurants Viadukt, wo Bar, Tische und sogar die

Türen von uns sind.

83

Superform@Netzwerk: Die 3 ultimativen Fragen

Bestes Netzwerk-Konzert ever?

November 2009, Tony Scherr Trio im Restaurant

Konter in Wetzikon.

Warum wir über Mittag oft im Restaurant

Konter essen?

Weil es da gutes Essen gibt und mit der Zeit so etwas

wie ein Mittagstisch mit Freunden entstanden ist.

Auf welches von Superform gestaltete Möbel im

Netzwerk sollte der Gast einmal ein Auge werfen?

Wir empfehlen, die Bar im Restaurant Viadukt einmal

genauer zu betrachten. Die Beschichtung ist

aus braunem Kunstharz. Dieses günstige Material

hat paradoxerweise einen sehr edlen Touch. Speziell:

Wenn bei der Bar das Licht ins Spiel kommt,

wirkt das Möbel durchscheinend.


Die Küchenchefs

Risotto mit Scampi, Eisenkraut, Erbsen, Mascarpone und Zitronengras

Stefan Wälty, 34, Küchenchef im Restaurant Viadukt, Zürich

Zutaten für 4 Personen

8 Scampi mit Schale

200 g Carnaroli-Reis

1 Bund Eisenkraut

30 g frische Erbsen

2 Stängel Zitronengras

2 Schalotten

Gemüsebouillon

50 g. Butter

1 Lorbeerblatt

1 dl Prosecco

einige EL Olivenöl, kaltgepresst

2 EL Mascarpone

Salz, Fleur de Sel

Vorbereitung

Die Scampischwänze schälen. Einen Teil

des Eisenkrauts in feine Streifen schneiden.

Das Zitronengras fein hacken. Die

Schalotten fein hacken.

Zubereitung

In einer Stielkasserolle die gehackten

Schalotten in etwas Olivenöl glasig

andünsten.

Das gehackte Zitronengras dazugeben

und mitdünsten.

Den Risottoreis dazugeben und glasig mitdünsten.

Mit der Hälfte des Prosecco

ablöschen. Das Lorbeerblatt beigeben.

Gemüsebouillon nach und nach dazugeben.

Der Kern des Risottoreises sollte nach ca.

18 Minuten Kochzeit noch leicht körnig

sein.

Die Erbsen und das geschnittene Eisenkraut

unterrühren.

Die Butter, den Mascarpone und den Rest

des Prosecco unterrühren. Der Risotto soll

fliessend in der Konsistenz sein.

In einer separaten Bratpfanne die Scampi

kurz im Olivenöl-Buttergemisch anbraten

und mit Fleur de Sel und etwas Pfeffer

würzen.

Anrichten

Den Risotto auf eine Platte geben und mit

den gebratenen Scampi und einigen

frischen Blättern Eisenkraut garnieren.

Bio Lammnierstück auf sardischen Tomaten mit frischem Bärlauchpesto

Diego Straumann, 39, Küchenchef im Restaurant Konter, Wetzikon

Zutaten für 4 Personen

Pesto

125 g Bärlauch

30 g Parmesan gerieben

50 g Pinienkerne

1,2 dl Olivenöl extra vergine

Salz

Pfeffer

Lammnierstücke

4 Bio-Lammnierstücke à

ca. 160 g

6 – 8 sardische Tomaten

Zubereitung

Pesto

Alle Zutaten ausser dem Öl und dem

Parmesan in eine Schüssel geben.

Mit einem Stabmixer (geht auch mit dem

Mörser!) alles mixen und das Öl langsam

einfliessen lassen. Zum Schluss den

Parmesan dazu und mit Salz und Pfeffer

abschmecken. Natürlich kann die Menge

nach eigenem Geschmack variiert

werden.

Lammnierstücke

Das Lamm würzen und beidseitig

anbraten.

Ca. 7 Minuten bei 110 Grad im Ofen

«ausruhen» lassen.

Anrichten

Die gewaschenen Tomaten in Scheiben

schneiden.

Auf 4 Teller anrichten.

Das Lamm schräg in 4 Stücke schneiden

und auf die Tomaten drappieren.

Den Pesto nach Belieben um die Tomaten

verteilen.

Kalbsragout an Safransauce mit Gemüse und Kartoffeln

Gilbert Chanton, 57, Küchenchef im Mittagstisch E1S, Wetzikon

Gilbert Chanton, Stefan Wälty und Diego Straumann (v.l.n.r.)

84

Zutaten für 4 Personen

600 g Kalbshuft

wenig Olivenöl zum Anbraten

10 cl Trockener Weisswein

20 cl Kalbs- oder Gemüsefond

10 cl Rahm

1 Messerspitze Safran

wenig Safranfäden

Salz & Pfeffer

20 g Butter

10 cl Schlagrahm

200 g Karotten

200 g Kohlraben

200 g Broccoli

3 – 4 dl Gemüsefond

600 g Kartoffeln

Zubereitung

Fleisch in heisser Bratpfanne mit Olivenöl

gut anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen

und an die Wärme stellen.

Bratansatz mit Weisswein ablöschen,

Kalbsfond, Safran und Rahm dazugeben

und ca. 10 Minuten kochen lassen.

Die Sauce durch ein feines Sieb passieren,

reduzieren bis sie sämig ist.

Mit dem Stabmixer die Butter darunter

mixen, das Fleisch dazugeben und ein Teil

Schlagrahm darunter ziehen. Nicht mehr

kochen lassen.

Beim Anrichten den restlichen Schlagrahm

auf das Fleisch geben und mit

Safranfäden garnieren.

Das Gemüse würzen und im Gemüsefond

dämpfen.

Die Kartoffeln im Salzwasser ca. 5 Minuten

abkochen, abschütten, auf Haushaltpapier

auslegen (zum Trocknen), kurz vor dem

Servieren in Butter goldbraun braten und

mit Salz würzen.

Anrichten

Das Gemüse und die Kartoffeln abwechslungsweise

rings um den Tellerrand

anrichten.

Das Fleisch in die Mitte geben und

servieren.

En Güete!


86 87


Konzerte

Live im Restaurant Viadukt, Zürich

26.01. Jeffrey Foucault & Cold Satellite (US) Support Hayward Williams (US)

27.01. Haight-Ashbury (SCO) Support Joan & The Sailors (CH)

28.01. Delilahs (CH) Support Admiral James T. (CH)

16.02. Jochen Distelmeyer Solo (D)

17.02. Jochen Distelmeyer Solo (D)

09.03. Annakin unplugged (CH) AND Nadja Stoller (CH)

12.04. Lou Lesage (F) Support Pascal Rinaldi Duo (CH)

15.04. Black Box Revelation (B) Support Dead Bunny (CH)

19.04. The Travelling Band (UK) AND Mina Tindle (F)

01.05. Hot Panda (CAN) Support The Lonesome Southern Comfort Company (CH)

06.05. Joseph Arthur (US)

18.05. Pierre Omer & The Stewarts Garages Conspiracy Crew (CH) Support Julie et Moi (F)

19.05. The Calling Sirens(CH) AND Adam Arcuragi & The Lupine Chorale Society (US)

29.05. Billy Bragg (UK)

01.06. Scott Matthew (AUS)

Hayward Williams

Live im Bogen F, Zürich

06.06. Reverend Deadeye (US)

05.07. Lloyd Cole (UK)

19.07. Alela Diane (US) Support Nick Porsche (CH)

20.07. Otis Gibbs (US) and Lesley Meguid (CH/US)

31.08. Biggles & Guest (CH) Support Mo Blanc (CH) and Dj Honey-K (CH)

04.09. And Also The Trees (UK)

07.09. Sleep Party People (DK) Support Roy & the Devils Motorcycle (CH)

21.09. Attwenger (A)

22.09. Acapulco Stage Divers (CH) Support Skor (CH)

26.09. Tu Fawning (US) Support Anna Kaenzig (CH)

28.09. Sera Cahoone (US) Support Rita Hey (CH)

05.10. Hans Söllner (D)

12.10. SOKO (FR) Support Low Roar (US)

13.10. Luka Bloom (IRL)

21.10. Ha Ha Tonka (US) and Heart Attack Alley (NZ)

02.11. Captain Ludd (CH) Support Dj Paul Plagiat (CH)

10.11. Here We Go Magic (US)

11.11. Shearwater (US) Support Jesca Hoop (US)

17.11. Scott H. Biram (US) Support Captain Moustache & Fredo Ignazio (CH)

24.11. Ryan Bingham (US) Support Reza Dinally (CH)

01.12. First Aid Kit (SWE) Support Idiot Wind (SWE)

05.12. Three Mile Pilot (US)

07.12. KILBI im ÜberalL: Ravens & Chimes (US) and OY (CH) and Grouper (US)

08.12. KILBI im ÜberalL: Clara Luzia (A) and Camilla Sparksss (Can) and Disco Doom (CH)

Jeffrey Foucault & Cold Satellite

Haight-Ashbury

Joan & The Sailors

09.– Bar & Musik: The O-Tones (CH) and Hazelnut (CH) and Violet & Born Toulouse (CH) and

23. 12. Backliner (CH) and The Jesus Taco (CH) and Bobby Vacant & The Worn (CH) and

ADADA David E. Keller (CH) and Navigator (CH)

12.12. Tom Russell (US)

14.12. Mama Rosin (CH) Support Shady And The Vamp (CH)

Live in der Kulturfabrik, Wetzikon

25.10. Züri West (CH)

Delilahs

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Admiral James T.


Jochen Distelmeyer

Black Box Revelation

Annakin

Lou Lesage

Nadja Stoller

Dead Bunny

Pascal Rinaldi Duo

The Travelling Band

Mina Tindle


Pierre Omer & The Stewarts Garages Conspiracy Crew

Julie Et Moi

Joseph Arthur

The Calling Sirens

Adam Arcuragi & The Lupine Chorale Society

Hot Panda

Scott Matthew

The Lonesome Southern Comfort Company

Billy Bragg


Reverend Deadeye

And Also The Trees

Lloyd Cole

Mo Blanc

Alela Diane

Nick Porsche

Biggles

Sleep Party People

Lesley Meguid

Roy & The Devil´s Motorcycle

Otis Gibbs


Acapulco Stage Divers

Luka Bloom

Skor

Attwenger

Sera Cahoone

Rita Hey

Tu Fawning

Anna Kaenzig

Low Roar

Hans Söllner

Soko


Captain Ludd

Ha Ha Tonka

Heart Attack Alley

Captain Moustache & Fredo Ignazio

Scott H. Biram

Here We Go Magic

Reza Dinally

Jesca Hoop

Shearwater

Ryan Bingham


Three Mile Pilot

Idiot Wind

Tom Russell

Shady And The Vamp

Mama Rosin

First Aid Kit


Kilbi im Überall

Züri West

OY

Ravels & Chimes

Disco Doom

Kulturfabrik Wetzikon


Camilla Sparksss


Stiftungsrat & Mitarbeitende

Mitglieder des Stiftungsrates

Erika Klossner-Locher, Präsidentin

Thomas Frey

Katrin Liscioch

Eduard Schubiger-Eicher

Carlo Wolfisberg

Christian Wymann

Geschäftsstelle Rüti

Kaspar Jucker, Geschäftsleitung

Yvonne Krauer, Projekte/Konzepte

Johannes Weber, Berichte/Konzepte

Peter Tanner, Buchhaltung/Controlling

Karin Güntensperger, Buchhaltung

Ruth Saxer, Buchhaltung

Beatrice Kohli, Personaladministration/Liegenschaften

Olivia Maurer, Lernende

Luigi Ngamalu, Lernender

Ylenia Vikor, Lernende

Begleitetes Wohnen

Stephan Germundson, Bereichsleitung

Marielle Albrecht, Betreuung

Istvan Hunter, Betreuung

Petra Karrer, Betreuung

Mirjam Müller, Aushilfe Betreuung

Geschäftsstelle Wetzikon

Catherine Bolliger, Leitung

Azdren Hadergjonaj, Sekretariat

Natascia Niedda, Sekretariat

AIP Restaurant Konter

Catherine Bolliger, Co-Bereichsleitung

Jürgen Steinberger, Co-Bereichsleitung

Irene Hongler, Stv. Betriebsleitung

Christine Böhler, Betreuung

Stefan Caluori, Betreuung

Ursina Nicolay, Betreuung

Susan Wiget, Betreuung

Vanda Wrubel, Betreuung

Debora Böniger Haag, Lehrerin

Marco Stöckli, Lehrer

Christa Suter Paffrath, Lehrerin

Barbara Zimmerli, Lehrerin

Aline Rousselot, Aushilfe Lehrerin

Diego Straumann, Küchenchef Restaurant Konter

Beatrice Beilstein, Aushilfe Köchin

Beatrice Chenaux Mejias-Cuevas, Service

Delia Menghini, Service

Julia Meier, Praktikantin

AIP Mittagstisch E1S

Catherine Bolliger, Co-Bereichsleitung

Jürgen Steinberger, Co-Bereichsleitung

Rachid Ouali, Küchenchef Mittagstisch E1S

Gilbert Chanton, Küchenchef Mittagstisch E1S

Michèle Hediger, Köchin

Beatrice Beilstein, Aushilfe Köchin

AIP Dorfladen Seegräben

Catherine Bolliger, Co-Bereichsleitung

Jürgen Steinberger, Co-Bereichsleitung

Sibylle Meisterhans, Betreuung

Ursina Nicolay, Betreuung

Susan Wiget, Betreuung

Bruno Kratter, Aushilfe Betreuung

Mirjam Müller, Aushilfe Betreuung

Stefanie Hediger, Detailhandelsangestellte

Lukas Nägeli, Praktikant

Auffangwohngruppe

Stephan Germundson, Bereichsleitung

Bettina Pletscher, Betreuung

Georges Scherler, Betreuung

Sandra Strenge, Betreuung

Mirjam Müller, Aushilfe Betreuung

Geschäftsstelle Uster

Daniel Keller Leitung

Christian Baer, Sekretariat

Bodo Muggli, Aushilfe Sekretariat

Jobbus/Garage

Daniel Keller, Bereichsleitung

Giovanni Falsia, Verantwortlicher Auftragswesen/Stv. Bereichsleitung

Sibylle Urech, Verantwortliche Klienten

Martin Blum, Gruppenleitung

Marianne Dubach, Gruppenleitung

Gregor Fischer, Gruppenleitung

Sandra Jucker, Gruppenleitung

Roger Käser, Gruppenleitung

Benjamin Mac Donald, Gruppenleitung

Thomas Marti, Gruppenleitung

Roger Ulrich, Gruppenleitung

Matthias van der Heide, Gruppenleitung

Sabina Studer, Aushilfe Gruppenleitung

Simone Bliggensdorfer, Gruppenleitung in Ausbildung

Jugendwohnungen

Brigitte Tanner, Bereichsleitung

Béatrice Schneider, Betreuung

Daniel von Arb, Betreuung

Mirjam Müller, Aushilfe Betreuung

Philipp Gonser, Aushilfe Betreuung/Kontrollgänge

Maren Arnold, Praktikantin

Katja Harlacher, Praktikantin

Jana Kettner, Praktikantin

Sander Graf, Nachtdienst

Daniela Grolimund, Nachtdienst

Adrian Küpfer, Nachtdienst

Emchi Phelgy Tseten, Nachtdienst

Ambulante Jugend- und Familienbegleitung

Brigitte Tanner, Bereichsleitung

Daniel von Arb, Betreuung

Wohnhilfe

Stephan Germundson, Bereichsleitung

Bettina Pletscher, Betreuung

Andi Wyss, Wohnungssuche

Geschäftsstelle Winterthur

Daniel Keller, Leitung

Jobbus / Garage

Daniel Keller, Bereichsleitung

Sibylle Urech, Verantwortliche Klienten

Geschäftsstelle Zürich

Jürgen Steinberger, Leitung

Lukas Keller, Marketing

Güllüzar Oezdogan, Sekretariat

Ylenia Vikor, Lernende

AIP Restaurant Viadukt

Jürgen Steinberger, Co-Bereichsleitung

Catherine Bolliger, Co-Bereichsleitung

Gian-Peider Pinösch, Stv. Betriebsleitung

Stefan Frischknecht, Pädagogische Leitung

Layla Giacomazzi, Betreuung

Bigna Schulthess, Betreuung

Stefan Wälty, Küchenchef

Louis Marshall, Sous-Chef Küche

Rachid Ouali, Sous-Chef Küche

Pascal Frischknecht, Koch

Ivan Gabriel, Koch

Michèle Hediger, Köchin

Jasmin Hiestand, Köchin

Lukas Nägeli, Koch

Watscho Wazlav Hügli, Koch

Vanessa Alvarez, Aushilfe Köchin

René Blum, Aushilfe Koch

Raphael Buchenhorner, Aushilfe Koch

Bilegt Byambaa, Aushilfe Koch

David Dabic, Aushilfe Koch

Anatol Gill, Aushilfe Koch

Barbara Nägeli, Aushilfe Köchin

Thomas Schmidheiny, Aushilfe Koch

Taulant Gashi, Aushilfe Küche

Jade Marolf, Aushilfe Küche

Gerda Zbinden, Aushilfe Küche

Fabian Christen, Chef de Service

Bruno Kratter, Chef de Service

Deepa Gutierrez, Stv. Chef de Service

Andreas Zimmerli, Stv. Chef de Service

Julie Adams, Service

Lea Aeschlimann, Service

Beatrice Chenaux Mejias-Cuevas, Service

Martina Herzog, Service

Anna Hug, Service

Anna Jurczak, Service

Adelina Mehmeti, Service

Clara Michel, Service

Felicia Nater, Service

Isabelle Piccand, Service

Elena Pilla, Service

Mischa Scala, Service

Ursina Schärer, Service

Heli Tuulikki Scherer, Service

Daniela Schmid, Service

Jessica Sigerist, Service

Yvonne Steinmann, Service

Christian Süss, Service

Franca von Scarpatetti, Service

Laure Wawrinka, Service

Andrea Weber, Service

Katja Weder, Service

Dominik Wetzstein, Service

Laura Widmer, Service

Laura Elena Zachmann, Service

AIP Bogen F

Kaspar Jucker, Booking/Produktion

Stefan Wälty, Booking/Produktion

Olivier Roulin, Produktion

Susan Wiget, Produktion

Vanda Wrubel, Produktion

Lukas Keller, Marketing

Jürgen Steinberger, Vermietung/Gastronomie

Gian-Peider Pinösch, Stv. Vermietung/Gastronomie

Adelina Mehmeti, Barbetrieb

Jasmin Meyer, Barbetrieb

Annatina Nufer, Barbetrieb

Christian Süss, Barbetrieb

Franca von Scarpatetti, Barbetrieb

Andreas Zimmerli, Barbetrieb

AIP = Arbeitsintegrationsprojekt

Adressen

Geschäftsstelle Rüti

Stiftung Netzwerk

Wettsteinweg 1, Postfach, 8630 Rüti

T 055 251 50 40, F 055 251 50 45

info@netz-werk.ch

Begleitetes Wohnen

begleitetes.wohnen@netz-werk.ch

Geschäftsstelle Wetzikon

Stiftung Netzwerk

Ettenhauserstrasse 5, 8622 Wetzikon

T 043 488 15 30, F 043 488 15 35

info@netz-werk.ch

AIP Restaurant Konter

Ettenhauserstrasse 5, 8622 Wetzikon

T 043 488 15 38, F 043 488 15 39

aip@netz-werk.ch

info@restaurant-konter.ch

AIP Mittagstisch E1S

Binzackerstrasse 1, 8622 Wetzikon

T 044 930 05 80, F 044 930 05 81

aip@netz-werk.ch

info@mittagstisch-e1s.ch

AIP Dorfladen Seegräben

Usterstrasse 1, 8607 Aathal-Seegräben

T 044 932 13 06, F 044 972 19 84

aip@netz-werk.ch

dorfladen@netz-werk.ch

Auffangwohngruppe

Bahnhofstrasse 284, 8623 Wetzikon

T 044 930 28 52, F 044 930 28 77

auffangwohngruppe@netz-werk.ch

Geschäftsstelle Uster

Stiftung Netzwerk

Bahnstrasse 1, Postfach, 8610 Uster

T 044 905 40 40, F 044 905 40 45

info@netz-werk.ch

Haus: Bahnstrasse 1

Jobbus/Garage

jobbus.garage@netz-werk.ch

Haus: Brunnenstrasse 2

Jugendwohnungen

jugendwohnungen@netz-werk.ch

Ambulante Jugend- und Familienbegleitung

jugendbegleitung@netz-werk.ch

Wohnhilfe

wohnhilfen@netz-werk.ch

Geschäftsstelle Winterthur

Stiftung Netzwerk

Lagerplatz 6, 8400 Winterthur

T 052 202 19 20

info@netz-werk.ch

Jobbus/Garage

jobbus.garage@netz-werk.ch

Geschäftsstelle Zürich

Stiftung Netzwerk

Heinrichstrasse 221, 8005 Zürich

T 043 204 18 90, F 043 204 18 91

info@netz-werk.ch

marketing@netz-werk.ch

AIP Restaurant Viadukt

Viaduktstrasse 69/71, 8005 Zürich

T 043 204 18 99, F 043 818 20 61

aip@netz-werk.ch

info@restaurant-viadukt.ch

AIP Bogen F

Viaduktstrasse 97, 8005 Zürich

T 043 204 18 90, F 043 204 18 91

aip@netz-werk.ch

kultur@netz-werk.ch

Netzwerk Stiftung für Soziale Arbeit, Sport und Kultur

Geschäftsstelle Zürich

Heinrichstrasse 221

8005 Zürich

T 043 204 18 90, F 043 204 18 91

zuerich@netz-werk.ch

Internet

netz-werk.ch

restaurant-konter.ch

mittagstisch-e1s.ch

dorfladen-seegraeben.ch

jobbus.ch

restaurant-viadukt.ch

bogenf.ch

Bankverbindungen

Stiftung Netzwerk für Soziale Arbeit, Sport und Kultur

Clientis

Zürcher Regionalbank, Wetzikon

Konto-Nr. 16 4.739. 000.10

IBAN CH81 0685 0016 4739 0001 0

Alternative Bank Schweiz AG, Olten

Konto-Nr. 308.820.100-04

IBAN CH15 0839 0030 8820 1000 4

Postfinance

Konto 87-40008-8

Netzwerk Stiftung für Soziale Arbeit, Sport und Kultur, Zürich

Clientis

Zürcher Regionalbank, Wetzikon

Konto-Nr. 16 6.774.272.06

IBAN: CH89 0685 0016 6774 2720 6


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105


Impressum

Konzept und Gestaltung

Komun GmbH, Zürich

Text

Judith Wyder, Zürich

Fotografie

Rafael Ibanez, Zürich Impressionen (Seite 52 o.l.)

Andreas Meier, Zürich Impressionen (Seite 56, 57)

Toshimi Ogasawara, Zürich Impressionen (Seite 44, 47, 50, 51, 52 o.r., 54,

55, 59 o.r.), Konzerte (Seite 87 bis 99

ausgenommen die Bilder von Cpt. Ludd,

B. Rauber, P. Rohner und N. Zonvi)

Patrick Principe, Bern Konzerte (Seite 101)

Benjamin Rauber, Zürich Konzerte (Seite 97 m.l./r., 98 o.r. und u.l./r.)

Pascal Rohner, Zürich Konzerte (Seite 96 u.m./r.)

Basil Stücheli, Zürich Inhaltsverzeichnis, Tisch- und Expertengespräche

(Seite 4 bis 39), Impressionen

(Seite 53), Michi & Elisa (Seite 76, 78), Die

Küchenchefs (Seite 82)

Nicolas Zonvi, Wetzikon Cover, Impressionen (Seite 43, 45, 46, 48, 49,

52 u., 58, 59 o.l. und u.), Superform (Seite 80),

Konzerte (Seite 92 o.l., 93 u.m./r., 94 o.m./r.,

95 u.l./r., 100)

Illustration

Patric Sandri, PS-Illustration, Zürich

Produktion

Stiftung Netzwerk: Kaspar Jucker, Yvonne Krauer,

Lukas Keller, Bea Kohli, Peter Tanner

Korrektorat

Wortform, Zürich: Ursula Trümpy

Druck

Druckerei Odermatt AG, Dallenwil

Publikation

Juni 2013

Auflage

6000

106

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