Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Przyluski, nicht scheuend, gerade wie von ihm Fricius geplündert

war in seinem Werke »Von der besten Freiheit«, dessen dialogische

Einkleidung (zwischen dem reformeifrigen Kanzler

Ocieski und dem die Adelsanarchie verteidigenden Orzechowski)

dem »Paruta« wieder nachgeahmt war. Oder Heidensteins

»Cancellarius« u. s. w., Werke, die das Ausland viel eifriger las

und nachdruckte als Polen, Werke, in denen Polen mit den berühmtesten

Zeitgenossen, Ceriola u. a., erfolgreich konkurrierten. An

die Bedeutung dieser lateinischen Werke reichten die in der Landessprache

des Vielschreibers Paprozki über König, Hetman u. s. w.,

des Wereszczynski über Könige, erbaulicher, nicht politischer Art

u. a. gar nicht heran.

Eine höchst eigenartige Leistung war die Jugendschrift des

nachmaligen Politikers, Diplomaten und Erzbischofs von Lemberg,

Jan Dymitr Solikowski , der sich in Vers und Prosa , lateinisch

und polnisch, als Jurist, Historiker, Redner, frommer Dichter u. s. w.

versuchte. Als angehender königlicher Sekretär verfafste er

1564 und überreichte dem König zu dessen Geburtstag ein

»Bild des verwirrten und betrübten Staates und die Art seiner

Wiederherstellung, enthüllt durch eine Vision auf der Insel

Pathmos« (daher später kurzweg »Apokalypse« genannt), wovon

sofort auch in das Danziger Stadtarchiv eine Kopie gelangte.

Bezeichnend war schon das Widmungsgedicht: es reiche nicht

aus, »wir sind verloren« zu rufen- der Grund des Unterganges

sind die »proceres« ,

die Magnaten: was man somit schon 1564

wufste und doch bis 1794 nichts dagegen unternahm! Solikowski

war allerdings noch Optimist, den dem Untergange entgegenrollenden

Staatswagen hielt ihm ja noch der König auf. Die

Allegorie führte in eine durch innere Streitigkeiten zerrissene,

von äufseren Feinden umlagerte, sorglose Besatzung ein; Staat,

Gerechtigkeit, Religion sind unterdrückt, Frevel macht sich

breit u. s. w. Doch gelingt es noch dem Kanzler »Gottesfurcht«,

trotz der Hindernisse der »Rhetorik« — Polen brauchten ja

500 Worte, wo andere mit vier auskämen, hiefs es damals nicht

ohne Grund — mit Hilfe der »Vernunft, Besinnung, Liebe« die

Sache der Guten aufzurichten, worauf die Fremden (die Litauer)

die Union mit Polen selbst erflehen und die Feinde zurückweichen;

der Verfasser brach sogar eine Lanze für die vernachlässigten

Studien, die arme Jugend, die uabelohnten Mühen

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