Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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waren ja weitschweifig, der Ausdruck ein gesuchter — die Rede

eines Protestanten troff immer von christHchster Gesinnung auch

beim trotzigsten Vorhaben ; die Briefe, m.eist kürzer, derber,

offener, voll Humor und Laune, auch wenn es um den Schreiber

schlecht stand, gespickt mit Sprichwörtern, Ausfällen, Anspielungen,

charakteristisch für jeden Schreiber, für die Frömmigkeit

der Frauen, für die Bildung der Männer, deren humanistischer

Schliff die polnischen Konturen nicht zerstörte , und die ein

Latein schrieben, über welches der Ausländer bereits die Nase

rümpfte. Hier ragen wieder die Briefe aller Radziwil hervor,

von der Barbara, der Königin, die trotz aller Zaghaftigkeit

gegenüber dem Könige für ihre Familie stets eintritt, bis zu den

Janusch}", den geborenen Rebellen, besonders auch die des Jerusalemfahrers,

der z. B. als »alter Strafsburger Student«, befragt vom

Vetter, wohin der Sohn Studien halber zu schicken wäre, vor

Strafsburg (Sturm !) warnte, das sich angesehenen ausländischen

Herren nicht lohne. , . . diese ganze Gegend wäre gemein,

die Leute dort ohne Anstand, in Strafsburg wäre nur die Ordnung

und Wehrhaftigkeit der Stadt hervorzuheben, aber das

Studium daselbst unbedeutend, und was Sitten und Politesse anlange,

omnia redde ioco (Brief vom IL April 1596). Oder die

süfssaure Korrespondenz zwischen den beiden Schwägern,

Radziwil und Zamoyski- die giftige zwischen Radziwil und Leo

Sapieha, als dieser »Bakalar« noch auf seine alten Tage Grofshetman

wurde, weil der erzkatholische Sigismund III. dem

Protestanten den Feldherrnstab nicht gönnen wollte. Oder die

Briefe des Litauers Chodkiewicz, des grofsen Kriegsmannes, an

seine Frau, ob er nun auf eine Schlacht wartet, wie der

hebe Gott auf eine gute Seele, und dann unverrichteter

Sache wie ein Affe abzieht oder sich vorsieht, damit er

nicht allein, nur quiekend wie ein Schwein falle, sondern zusammen

mit seinem Feinde wo möglich auf demselben Rain. So

riecht jeder Brief nach Pulverdampf, Wein oder Weihrauch ; und

jeder hat seine Eigenheiten, russische Sprichwörter bei den

Radziwil und Chodkiewicz, deutsche bei

den Zborowski, italienische

bei Piotrowski : seine Briefe vom Jahre 1581 sind die allerinteressantesten,

denn für den Posener Magnaten und Stubenhocker

Opalinski, schrieb der unlängst aus Padua Angelangte vollständige

Berichte z. B. über die grofse Campagne gegen das Rufsland

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