Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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1590 — 1630; einige ihrer Werke überlebten sogar den Fall der

Städte, z. B. die verschiedenen »Albertus«, die Bakelträger mit

ihren militärischen Erlebnissen gegen Tataren in Podolien, anderes,

besseres, dauerte kurz : eine anonyme BroschürenHtteratur im Gemenge

von Vers und Prosa, Anekdoten und Münchhausiaden,

Dialogen und Dramen, Liedern und Lügenmärchen, oft im Volksdialekte

,

die Bauern verhöhnend , die Herren kaum streifend,

heilige Sachen mit Vorliebe parodierend in komischen Gebeten

und dgl. Im Mittelpunkte dieser Litteratur standen Eulenspiegel

und Marcholt. Eulenspiegel besonders beliebt, zu neuen Eulenspiegeleien

immer geneigt, die aber nicht mehr so unflätig sein

durften, wie die ihres Vorbildes, komische Zunftregeln, Meisterlehren,

Gesundheitsmittel und dgl. Die Verfasser, vos denen

Namen und Lebensverhältnisse meist unbekannt sind, plünderten

einander, ihre Bilder und Lieder, polemisierten miteinander,

spielten \^ersteckens mit ihrem Publikum, aber hatten ein offenes

Ohr für Klagen und Leiden im Lande, trauerten mit beim Tode des

Zamoyski, hinter dem wir sicher wie hinter einer Mauer safsen,

be^vunderten Kochanowski und halsten die Ketzer. Diese ganze

Litteratur mufste naturgemäfs in Satiren und Komödie auslaufen,

und ihr bester Vertreter, Jurkowski, war in beiden thätig: sein

»polnischer Scilurus'< (V^ater, Söhne, die verschiedene Lebenswege

einschlagen, und wie es jedem ergeht) zerflatterte zwar

in Einzelscenen, die noch durch komische Intermedien gesprengt

werden; in einem derselben unterhielten sich Diebe in der Gaunersprache

,

die wohl zum erstenmal auf die Bühne gebracht

worden ist, im anderen wurde der Gutsherr persifliert, der für

den Unterricht seiner Söhne geizte, für seine Hunde das Geld

wegwarf. Bedeutsamer war seine Satire, mit grotesken Momenten,

die sonst der polnischen Satire fehlen, die emen Rabelais oder

Fischart nicht kennt : Eulenspiegel und Marcholt führen aus dem

Lande die \'erräter, die Juden, die Ketzer, die lustigen Kumpane

in die »Wilden Felder« fort, um von dem guten Polen das böse

abzutrennen; die Satire war aufserordentlich scharf, ja bissig.

Diese bürgerliche Litteratur diente dann der adligen zum

Vorbild, die aus anderen Sphären ÄhnHches brachte, oder bis an

das Ende des Jahrhunderts diese Anonymen ausplünderte. Sie

entsprach ganz aufserordentlich dem nationalen Temperament ;

war, mochte auch ein imd die andere Anekdote oder Stoff uralt

sie

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