Geschichte der polnischen Litteratur

scans.library.utoronto.ca

Geschichte der polnischen Litteratur

— 134 -

Polen z. B. russische Zustände unfafsbar machte, liefs ihn vor

allem den guten Ruf, die Ehre des Wappens und des »Geschlechtes«

unbefleckt erhalten. Der Adel verpflichtete, wehrte

gewisse Beschäftigungen (Handel, Gewerbe) als

unstandesgemäfs

ab, die ständige Niederlassung in der Stadt würde Verlust der

Adelsprivilegien nach sich ziehen; er war eine Art heiligen

Bundes, mit gewisser mystischer Kraft, ein Sakrament. Und

mit Eifersucht wachte der Pole über seinem Adel, seiner Gleichheit;

er murrte über freigebiges Schalten mit dem Indigenat und

Nobilitierungen ; er verfolgte den Bürgerlichen, der, auf Reichtum,

Verbindungen oder die Vergefslichkeit der Menge trauend,

aus einem genere sus zu einem generosus werden, seine Namensendung

-wicz in ein -ski verwandeln wollte: der Liber Plebeanorum,

in welchem der alte Trepka unerbittlich alle Eindringlinge

im kleinpolnischen Adel entlarvte und blofsstellte, ist

ein interessantes (natürlich ungedrucktes) Denkmal dieser Richtung;

jedes Blatt dieser Handschrift enthält dankbaren Stoff für

eine Novelle oder für den Pitaval. Daher kannte denn jeder

Adlige seine »Antenaten« und alle seine »Kolligationen« und

pochte auf die Verdienste seiner Ahnen, auf das mit ihrem Blute

erworbene »Kleinod«; daher sein Interesse für Heraldik; das

17. Jahrhundert war reich an erschöpfenden Darstellungen derselben:

des Dominikaners Okolski für die »Krone«, des Jesuiten

Kojalowicz für Litauen, daneben viele kleinere Arbeiten eines

Jagodynski, Giermanski, Grodzienski, Gorczyn u. a.

;

grofse

poetische Werke wurden den Wappen ganz (Potozki) oder zum

Teil (Kuligowski in seinem Demokrit) gewidmet, und jede

Leichenpredigt, jede Dedikation begann mit einer Anpreisung

der Wappen, Erklärung ihrer Symbolik, Aufzählung der Vorfahren,

ihrer Würden und Thaten ; die Hochzeitskarmina wie die

Predigten gingen dann unter den Wappentiteln in die Welt,

daher alle die Ungeheuerlichkeiten, an denen sich die Zeit so

gefiel, der Scharfsinn und die Geschmacklosigkeiten, die sie

dabei entwickelte in diesen ungezählten »die auf der Sreniawa

(Wappenname) schwimmende Argo«, »der in den Himmel eingeführte

Familien-Pfeil« ,

»der für seine anmutige und Gott genehme

Stimme mit dem Ringe goldenglücklicher Ewigkeit gesättigte

Korvin in der Person des Herrn Jan Krasinski« (das

Wappen war Rabe mit Ring im Schnabel), »die Oborskische

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine