Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Maskiewicz, den Gleichmut und gute Laune, ihn und seinesgleichen,

nicht verliefsen, auch wenn sie alle Ratten und Handschriften

des Kreml aufgezehrt hatten und mm vor dem Richter

stritten, wer zum Verspeisen eines toten Kameraden besseres

Recht hätte, der eigene Bruder oder die Compagnie? doch der

Richter liefs die Sache unentschieden, um nicht selbst von der

unterliegenden Partei verschlungen zu werden. Ganz treuherzig

erzählte Maskiewicz alles, was ihm in Moskau aufgefallen ist,

von den Taxametern an, deren Wanka seine Groschenstrecke

abfuhr und dann von dem Fahrgast einen neuen Groschen

forderte, bis zu der Lebensgefahr, unter welcher der wifsbegierige

Bojare Lateinisch lernte, der Verachtung, mit welcher

der Russe auf Tanz und Tänzer herabsah, die sich in der Stube

herumdrehen, als ob sie etwas verloren hätten, und bis zu den

Teufelserscheinungen, welche alkoholische Dämpfe in den Augen

der Bacchusanbeter produzierten. Memoiren anderer sind wieder

äulserst knapp gehalten : so notierte Jan Sapieha, der Schildhalter

des zweiten Demetrius, nur kurz die Wechselfälle des Feldzugs,

und noch heute sieht man an der Originalhandschrift alle Unbill

der Witterung und des Lagerlebens, denen sie einst ausgesetzt

war ; ebenso knapp ist Borscha vor ihm gewesen und waren es

andere, Marchozki u. s. w., nach ihm. Die Öffentlichkeit allerdings

erfuhr von alledem meist nichts; da erschienen miserable

Gedichte höchstens, die diese Bluthochzeit und ihre Folgen schilderten,

eines Liftel, Zabczyz u. a., und dabei verblieb es das

ganze Jahrhundert ; die Memoiren wurden zu Nutz oder Ergötzung

der nächsten Angehörigen geschrieben, gedruckt wurden sie erst

im 19. oder 20. Jahrhundert. Sie schwanken denn auch in

ihrem Ton imd Wert ganz aufserordentlich ; manche sind nur

eine schlecht maskierte Zeitgeschichte, das Individuum selbst trat

ganz zurück; andere sanken zu meteorologischen Aufzeichnungen

herab, da sie gewissenhaft jeden Wetterwechsel am

Tage angaben, nur wenige entschädigten durch Inhalt und Darstellung.

Es gab darunter Aufzeichnungen des Hetman Stanislaw

Zolkiewski über den »Progrefs« der Moskauer Campagne, ein

Werk, das nicht nur äufserlich an Cäsars Kommentarien erinnert.

Der Hetman, eine der Hauptpersönlichkeiten der Ereignisse

von 1609—1612, erzählte von sich in dritter Person und

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