Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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sieben oder acht, das Aufsehen und die Verbreitung bezeugen

können.

Diese MagnatenfamiHe war litterarisch gleichzeitig durch

Christoph und Lukas Opalinski vertreten, doch waren beide

Persönlichkeiten trotz ihrer Blutsverwandtschaft, trotz derselben

Bildung und Lebensstellung grundverschieden ; Lukas hing standhaft

am Könige, Christoph verriet ihn immer ; Lukas verteidigte

Polen gegen einen vorübergehenden, unschuldigen Ausfall von

Barklay in einem grofsen lateinischen Werke, Christoph hat

Polen angegriffen wie niemand vor und nach ihm, und mit mehr

Grund hätte Lukas den Christoph statt des Barklay widerlegen

sollen; Lukas war Dichter, hatte Sinn für Formen, behandelte

allgemeine, ethische u. a. Probleme, Christoph, von dem würdevollsten

Anstand im Leben, glaubte durch seine Herablassung

zur Poesie aller weiteren Pflichten gegen Stil und Form bereits

enthoben zu sein, war ausschliefslich politisches Ingenium und

hat in der Wahl der Form ganz merkwürdig geirrt. Zum

Dichter fehlte ihm alles, aufser der Juvenalschen Entrüstung,

und als er seine Verse auch noch des Reimes beraubte und gegen

die Gewohnheit der Zeit auch noch mit lateinischen Phrasen sie

flickte, hatte er den Rekord der Poesielosigkeit erreicht.

Während schon im 16. Jahrhundert die Satire bei Bielski

und Klonowiz an Geistlichkeit und Adel respektvoll vorbeiging,

brauchte der Palatin von Posen niemanden zu scheuen; griff er

doch scharf sogar die Jesuiten an, ohne sie ausdrücklich zu

nennen; aber mit den Fingern wies er auf diese » Kletten '

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