Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Sierakow der Werber um die Braut des Königs und zahlte

zehnfach dem Johann Kasimir heim, was Wladyslaw IV. an ihm

»verschuldet« hatte, indem er den einen, den bereits geschlagenen,

Feind nicht verfolgen liefs und dem andern, neu einfallenden das

Land öffnete und preisgab; er rächte sich auch an dem Lande,

das ihn nicht zu würdigen wufste: als Jüngling haschte er nach

Popularität, hofierte und schmeichelte den Instinkten der Nation,

als Mann hielt er ihr einen Spiegel vor, in dem jedes Fehl an

ihr scharf und deutlich zu sehen war.

Man hat ihn galliger Übertreibung beschuldigt, man hat

dieses in den schwärzesten Farben gehaltene Bild ein Zerrbild

genannt, aber erst im 19, Jahrhundert; im 17. wufsten alle, dafs

der Wojewode die Wahrheit gesagt hatte, und wer ihn damals

doch angriff, wies nicht etwa Übertreibungen nach, sondern begnügte

sich mit der Einrede, dafs dem Wojewoden, der, vollgesogen

ausländischen Dunstes, in der Haut eines Ausländers

stecke, nichts in Polen gefallen könne. Es gefiel ihm hier in

der That nichts, am wenigsten die mangelhafte Erziehung, —

und sie wurde durch ein volles Jahrhundert immer nur noch mangelhafter

;

die polnischen Frauen, — und deren Zucht lockerte sich zusehends

durch das Einreifsen französischer Frivolität; der polnische

Aufwand — und dieser sollte noch immer gesteigert

werden : Hauptpunkte, auf die er immer wieder zurückkam. Ein

neuer Diogenes , suchte er in Polen vergebens nach einem

Menschen: Unwissenheit und Bosheit sitzen im Senate, am Hofe

Eigennutz und Verstellung, beim Adel Unredlichkeit und Gewaltthätigkeit;

eine heilige Scheu erfüllte alle — vor jeder vernünftigen

Neuerung; diese V-^erpasser jeglicher günstigen Gelegenheit,

die vom Feinde nichts ahnen, der alle ihre Schwächen

kennt, machen Polen aus und sind Virtuosen nur in einer

Kunst, alle Lasten und Pflichten von sich auf den Bauer abzuwälzen,

— dieser nährt und verteidigt den Adligen, wenn er

ihm auch noch den Himmel verdienen könnte, fügte ein anderer

Satiriker hinzu.

Von den Menschen in Polen wandte er sich zu den Nichtmenschen,

zum Bürger und Bauer; das Kapitel, wie Städte zu

heben wären, was sie bedeuten, ist wie jedes andere Kapitel:

über die Kolonisierung der »Wilden Felder« , über die Überwinterung

des Heeres ohne Bedrückung der Bevölkerung u. s. w.,

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