Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Alle Bekenntnisse und Nationalitäten fand man hier vereinigt,

es fehlen nicht Arianer, z. B. Karmanowski , Kalviner, z. B.

Naborowski, freilich überwogen Katholiken; nur Schismatiker

sind nicht vertreten, ihre langen Barte pafsten nicht zu froher

Laune; die Kette reicht von dem lustigen Herrn »Balzer aus

dem Kalischer Lande« bis zu dem tüchtigen Jagodynski und

dem schwächeren Bratkowski aus litauischen und russischen

Gauen. An dieser Litteratur hat aber das ganze adlige, bürgerliche

und bäuerische Polen mitgeschaffen; die Zaglobas des

Romans oder die leibhaften Woroniezki und Smolik noch aus den

Zeiten König Stephans und Sigismunds III., die Stawski,

Zaporski, Skarschewski und wie sie alle hiefsen, bis zu den

privilegierten Narren herab, zu einem Slowikowski des alten

Lubomirski und zu Weselowski des Königs Jan Sobieski, sind

oft die eigenthchen Verfasser der Bonmots und die Verüber der

lustigen Streiche, welche die Poesie verewigte; einzelnes, leicht

oder gar nicht variiert, wiederholte sich fortwährend ; bei anderem

fragt man: ist es aus dem Volke zu den xDichtern« gekommen

oder umgekehrt ? Und unerschöpflich wie die Einfälle waren

auch die Formen; auch die »maccaronische« spielte hier eine

wesentliche Rolle.

Zu »Maccaronen«, zu lateinischer Sprache, untermischt mit

Wörtern der Landessprache, ist keine Sprache der Welt so geeignet

wie die polnische. Italienische und französische Maccaronen

wirken nämlich nicht drastisch genug, weil die Sprachen

sich allzu nahe stehen, ob es clamat oder chiamat heilst, maladus oder

malato u. s. w., verschlägt wenig ; deutsche und englische Maccaronen

machen immer nur einen sehr gezwungenen Eindruck,

weil das formenvolle Latein und diese Wurzelsprachen zu sehr

auseinanderklaffen: das Polnische hat nun dieselbe Formenfülle

wie das Latein, so wird sein Nomen ebenso flektiert, und der

natürliche Kontrast beider Sprachen wirkt in ihrer Amalgamierung

ganz wesentlich komisch; die Liebhaber, welche die

»Ana« heute noch zählt, wissen nicht, dafs gerade die polnische

Litteratur die gelungensten »Maccaroneana« der Welt aufweist.

Die ältesten Maccaronen eines gewandten, jugendlichen

Dichters aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts sind verloren;

erhalten sind des Kochanowski »Gedicht von der Berufswahl«,

das neben wundervoller Temperierung von Latein und Polnisch

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