Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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juristische, theologische Werke, mehrere Predigtbände polnisch

u. a.j sonst alles lateinisch, um dem Auslande polnisches Wesen

näherzurücken ; Werke über polnische Kriegsführer, über Polen;

er sammelte die »Monumente« der Sarmaten, aus Grabdenkmälern

u. s. w. Wie die Predigten, so schrieb er auch politische

Aufsätze polnisch, leider auch in Versen und meist kurz, besonders

eifrig verteidigte er die Geistlichkeit gegen Bedrückungen

durch das Heer und seine »Stationen« ; am schmerzlichsten

empfand er jedoch die Niederlagen von 1648 und 1649 und liefs

seinen »Auferweckten Lech« die erschlafften Nachkommen, die

zudem immer nur an die privata, nie an die res publica dächten,

scharf haranguieren ; diese politischen Schriften erschienen meist

anonym; ihre Synthese und moralisierende Erweiterung zugleich

war die »Reformation polnischer Sitten«. Er fand lange keinen

ebenbürtigen Nachfolger; interessierte man sich doch höchstens

für Genealogie und Wappengeschichten, oder man las eifrig im

»Statut« oder begnügte sich mit dem Kalender und seinen nie

eintreffenden »Prognostiken« ; man empfand nicht einmal Bedürfnis

irgend welcher Neuigkeiten; es wurde zwar die Herausgabe

eines wöchentlichen polnischen »Merkurius« unternommen,

aber sie gedieh nicht über einen Jahrgang (1661) hinaus, später

erschienen wieder in Krakau Avisen«, doch man begnügte sich

mit Relationen , Flugblättern oder Broschüren von einem Erdbeben

in Italien, der Befreiung von Christen aus einer türkischen

Galeere oder der Hinrichtung Karls von England; Magnaten

hatten Korrespondenten am Hofe, die sie mit Neuigkeiten,

Skandalgeschichten und in Ermangelung von anderem wohl auch

mit

eigenen Erfindungen versahen.

Bei dem lebhaften Sinn für das öffentliche Leben, an das

man doch mit tausenderlei Fäden geknüpft war, entstand das

Bestreben, Interessanteres sich aufzuzeichnen, und schliefslich

flüchtete die Litteratur vor den Panegyrika und Asketika in

diese Vademecum, Penus rerum, Silva variarum curiositatum oder

wie man sonst diese Sammelbände nannte. Hier vereinigte man

alles mögliche, das neueste Pasquill auf den König oder auf die

Konkurrenten um ein eben erledigtes Kronamt, den lügenhaften

»Rokosz (Empörung) von Gliniany« und die »Ratschläge des

Kallimach-Machiavell«, Hochzeit- und Grabreden, »Diarien« einer

frommen Pilgerfahrt oder einer diplomatischen Mission oder des

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