Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Dienern und verschuldeten Herren, das komische Element durch

Aufnahme französischer Stücke, Moliere und Regnier, erweiterten;

freilich mulsten die Stücke vorher eine gründliche Adaptation

durchmachen, denn Frauenrollen und Liebesintriguen waren von

der Jesuitenbühne ausgeschlossen; die Adaptation besorgte der

joviale P. Bohomolez. Der Jesuitenpater Bielski, Verfasser einer

tüchtigen Landeskunde Polens in vier Büchern (1763) für die

Schuljugend, der mehrere mit Beifall aufgenommene Tragödien

in reimlosen Versen verfafste (Zeyfaden, König von Ormuz 1747,

Titus von Japan 1748, Alexius u. a.), verteidigte ausdrücklich

die Nichtzulassung von Frauen auf die Bühne gegen Konarski,

der in seiner Bearbeitung des Otho von Corneille (1744) Frauenrollen

behalten und dies damit motiviert hatte, dafs Komödien

und Tragödien noch nie ohne Intervenienz von Frauenzimmern

von Vernünftigen und Kennern ihres Handwerks geschrieben

wären. Konarski brachte auch den PoU-eukt auf die Bühne und

schrieb selbst einen Epaminondas, wie denn Corneille auch sonst

tüchtige

Übersetzer (Czosnowski) oder auch unfähige Umarbeiter

(z. B. Aleksandrowicz, der den Heraklius verballhornte) gefunden

hat. Trotz der Federn, welche die Faschingsaufführungen in

den Kollegien der Piaristen und Jesuiten in Arbeit setzten —

noch ein Naruschewicz verbrach ähnliche blut- und frömmigkeitstriefende

Schaustücke — , führte kein Weg von der Ordensbühne

zu einem öffentlichen, ständigen Theater.

Die Verweltlichung des Repertoires kam eher schon von den

Magnatenbühnen, von den Bühnen der Radziwil und anderer, die

natürlich an Frauenrollen und Liebesintriguen sich nicht stolsen

konnten. Freilich gelang auch hier nicht die Bildung besonderer

Truppen und eines reicheren Repertoires, denn gespielt wurde nur

bei Namenstagen, feierlichen Einzügen u. dgl. von den Personen

des eigenen »Hofes?.

Anstatt das ärmliche Repertoire des 17. Jahrhunderts

zu brandschatzen, griff die Fürstin Radziwil, die schon

in den ersten Ehejahren die Sehnsucht nach dem abwesenden

Mann in Elegieen und poetischen Briefen ausgesungen hatte, zur

eigenen Feder, ja Invention, denn sie verarbeitete nicht nur

Moliere, sondern alles mögliche für ihre Bühne in Nieswiesch.

Es war freilich ziemlich überflüssig, dafs der Regisseur und erste

Liebhaber dieser Bühne , Fr5^czynski , die litterarisch wertlosen

Sachen nach dem Tode der Fürstin herausgab (1754); wertvoll

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