Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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drei Mächte, ein in der Weltgeschichte beispielloser Vorgang,

gestraft

werden sollte.

Die geistigen Interessen des Landes fanden werkthätige

Förderung und Anregung durch den König in erster Linie;

durch die Männer, welche aus den Piaristenkonvikten oder aus

der Kadettenschule (unter Czartor}'-ski) hervorgegangen und auf

Auslandsreisen weiter gebildet waren-, durch Talente jeglicher Art,

die sich jetzt zusammenfanden und organisierten. Bisher hatte

ja geistige Thätigkeit ohne Centren und Organe, ohne welche

Regelmäfsigkeit und Kontinuierlichkeit, immer nur zufällig, zerstreut

angesetzt; in den weiten Gebieten hatte sich bald hier,

bald dort, in Lida oder in Krosno, bei Danzig oder bei Kiew,

in Poesie oder Prosa, nach modernem französischen oder nach

lateinischem, mittelalterlichem Muster, dieser Magnat und Mönch

oder jene Dame versucht, eines vom anderen nichts wissend oder

ahnend, nicht einander belehrend, fördernd. Statt dieser völligen

Zersplitterung jeglicher geistiger Thätigkeit, die höchstens in den

Orden und ihren Schulen einheitlicher geleitet war, erstand jetzt

der nötige Zusammenhang , damit diese Thätigkeit nicht wieder

spurlos sich verlor ; erwuchsen die neuen Centren , die Gesellschaften,

Vereinigungen, Kommissionen, in Warschau um den

König und seine litterarischen Donnerstags - Diners um Zeitschriften,

wie der »Monitor« und die »Unterhaltungen«; um

;

staatliche Institutionen, wie die Edukationskommission.

Der Geist, welcher jetzt herrschte, war der französische, aufgeklärte,

encyklopädistische ; die Formen, die man nachahmte,

waren die »klassischen« ; die Sprache geläutert, geschmackvoller,

von Bombast und Roheit frei gehalten. Man geizte nicht nach

Originalität und ging doch nicht in blinder Nachahmung unter;

man trug Rechnung den eigenartigen Verhältnissen der Heimat

und suchte in fremde Formen nationalen Inhalt zu bringen;

man verwarf nicht, zerstörte nicht mit einem Male das Alte.

Materialismus und Atheismus konnten wohl in einzelne Köpfe,

nicht in die Öffentlichkeit dringen; zu tief war eingewurzelt der

religiöse Sinn, der Respekt vor der Kirchenautorität, die Anhänglichkeit

an die alten Kultformen, als dafs Angriffe auf

Geistlichkeit, Kirche, Glauben heftiger oder zahlreicher hätten

werden können; die Aufhebung des Jesuitenordens, der sich ja

in Polen den Polen accommodiert hatte, beklagte man aufrichtig

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