Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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in die konventionellen Lobhudeleien der Zeit fiel sein Spott

schneidend hinein; er nahm einige persönliche Freunde aus, die

er schätzen gelernt hatte, dann einen Krasizki u. a. ,

pries etwa

noch den bekannten j\.ompositor , den Hetman Oginski wegen

>einer Engelsmusik, billigte den »Satyr« des Piotrowski , aber

sonst liels er keinen der Grolsen, von König und Czartoryski

angefangen, ungehechelt durch, spottete über die gelehrten

Donnerstagsdiners, deren alle Ausgaben, auch des Witzes und

Wissens, der König allein zu bestreiten hätte, verlachte den Exjesuiten

und Zeitungsredakteur Luskina wegen seiner Jesuitenliebe

und Kriecherei und verdarb es schliefslich mit allen.

Neben Nachdichtungen von Voltaires Briefen und Übersetzungen

machte ihn seine >.Orgel« weiteren Kreisen bekannt, die sich

einer Gönnerschaft des Krasizki erfreuen durfte, weil sie die

Misere des geistlichen Standes mit angriff: ein komisches Poem,

vom Lutrin« des Boileau ausgegangen, aber selbständiger entwickelt,

mit den satirischen Eingängen zu jedem Gesänge, zu

denen auch die Pucelle Ideen lieh; ein Kampf zwischen Pfarrer

und Organisten, wobei nicht nur die Orgel in Stücke ging,

sondern auch in der alten Litteratur trockener Askese und

langweiliger Romane Verwüstungen angerichtet wurden: so

rächte der Verfasser das Leid, das ihm in der Jugend durch sie

widerfahren war.

Zu den nächsten Kulturaufgaben des Königs gehörte auch

die Schaffung einer ersten, ständigen, polnischen Bühne: sie

wurde bereits 1765 eröffnet, doch mufste sie in den ersten

Dezennien mit allerlei Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten

kämpfen; eine Truppe war leichter geschaffen als ein Repertoir;

der König interessierte sich im Grunde doch nur für die französische

Komödie und die italienische Oper und überliefs gern

anderen, einem Czartoryski z. B., die Initiative. Zu denjenigen,

welche in den schwierigsten Anfängen mithalfen, gehörte der

vielseitige, um das Reformwerk auf mancherlei Gebieten hochverdiente

Jesuit, nachher königliche Rat Franz Bohomolez, der

trotz der harten lateinischen Schule, die er noch durchgemacht

hatte, schon als Lehrer der Beredsamkeit die Pflege eines

reineren Polnisch, die Verspottung der Herren »Maccaronski«,

das Aneifern der Jugend mit Erfolg betrieben hatte ; der joviale

imd gemütliche Herr, der sich im Kreise Warschauer Bürger

Brückner, Geschichte der polnischen Litteratur. 16

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