Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Rufsland Alexanders I.; er erwartete den Sieg der Wahrheit,

Freiheit und Gerechtigkeit. Besonders grimmig war der Voltairianer

auf die Geistlichkeit zu sprechen und bekämpfte

schonungslos in seinem »Lamismus« den Papismus, in seinen

»Aberglaubenspendem« die ganze Klerisei. Einzelne Aufstellungen

bewiesen zwar die unhistorische, doktrinäre Art des 18. Jahrhimderts,

den Mangel geschichtlichen Sinnes, das Apodiktische

des Raisonneurs, der über Zeit und Ort und andere Differenzen

hinwegsieht, aber sein stupendes Wissen, die Kühnheit des Angriffes,

die Verurteilung aller Konfessionen (es verblieb nur die

Religion der Moral), aller Volksbedrückung durch Adel oder

Tyrannen, aller Ungerechtigkeiten, deren gröfste auf der Welt

die Teilung Polens war, hätten die ungeniefsbare Form bei dem

denkenden Leser aufwiegen können. Was keinen Wiederhall

finden konnte, w^ar die unbedingte Verehrung Rufslands, das

eben Europa befreit hatte und dessen, wie aller Slaven, des

jüngsten Geschlechtes, Aufgabe die Sicherung des Triumphes der

Gerechtigkeit und Freiheit in Europa blieb, aus welchem der

Egoismus der Engländer und Juden verbannt werden sollte.

Ein anderer letzter Mohikaner der Stanislaischen Epoche,

Graf Stanislaw Potozki, hat, wie Staschiz, nicht auf litterarischem

Boden die Verdienste errungen, wie eigentlich diese ganze

Generation von 1800—1830, deren Bedeutung ja nicht auf

ästhetischem Gebiete, wo sie eher nur hemmend wirkte, gesucht

werden darf. Wo sie zu suchen ist, zeigte der Graf, der 1807,

als er in dem ehemaligen Preufsischpolen das Amt eines Direktors

der Edukationskammer antrat, 137 Volksschulen antraf, und

1814, trotz der Kriegszeiten, die Zahl derselben mehr als verzehnfacht

hatte (1491), der als Voltairianer seine »Reise nach

Dimkelsheim« zur Verspottung des Obskurantismus und der

Reaktion schrieb, die ihm heftige Angriffe von seinem Altersgenossen

eintrug, Karol Surowiezki, der freilich den Mut hatte,

Krasizki die Autorschaft der Monachomachie abzusprechen.

Derselbe

Unterrichtsminister, der der Sache der Aufklärung so

wesentliche Dienste leistete, schädigte geradezu die Litteratur

durch das Ausposaunen z. B. einer versifizierten Bagatelle des

Schymanowski (»Tempel der Venus« , aus der Prosa des

Montesquieu) als eines Meister- und Musterwerkes, durch autoritative

Verbreitung eines so schiefen Urteiles, — denn der Graf

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