Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Alban (Halban), auch ein Litauer, über seine Herkunft unterrichtete,

im grimmen Hafs gegen den Orden aufzog, mit ihm

nach Litauen floh und , als sie die Unmöglichkeit weiteren

Widerstandes gegen den von Europa unterstützten Orden erkannten,

wieder aus Litauen floh, um nach Jahren als Konrad

Wallenrod und Halban im Orden selbst aufzutauchen, wo Konrad

wegen seiner Tüchtigkeit schliefslich Grofsmeister wurde und

als solcher dem Orden die Falle grub, im verräterisch geführten

Unternehmen gegen Litauen sein Gut und Blut verdarb. Der

Dichter nahm sich somit Freiheiten, welche dem Romancier

nicht verübelt würden ; er wählte diesen Stoff nicht nur, weil er

als Litauer sich fühlte und ihm schon aus der »Grashyna« der

Stoff nahelag, sondern auch der Sicherheit halber: betonte er

doch im Vorworte, dafs Litauen ganz der Vergangenheit angehöre,

also dem Dichter die grofse Gunst gewähre, seine Vergangenheit

ganz objektiv, vom rein künstlerischen und historischen

Standpunkte darzustellen, ohne dafs er an Leidenschaften

oder Neigungen der Leser zu appellieren brauchte ; solche Stoffe

liefse Schiller aufsuchen: Was unsterblich im Gesang soll leben,

mufs im Leben untergehn. Wem auch diese Versicherung nicht

genügte, für diesen betonte der Dichter, dafs er der Liebenden,

Konrads und Aldonens, Schicksal besinge; darum verweilte er

ausführlich bei den Liebesgesprächen des gealterten Paares und

seinen romantischen Einfällen, darum liefs er das grandioseste

Gedicht politischen Hasses ausklingen in den gleichgültigsten

Worten : so ist mein Sang von Aldonas Geschick , mag ihn im

Himmel der Engel der Harmonie und der gefühlvolle Hörer in

seiner Seele zu Ende singen ; darum betonte er immer wieder das

Motiv epischer Vergangenheit : ich singe euch, der letzte Sänger

in Litauen, das letzte litauische Liedchen.

In der Wirklichkeit zielte der Dichter nicht auf den Orden,

sondern auf Rufsland, und das aus Macchiavell zusammengestoppelte

Epigraph strafte Lügen das Gedicht von Aldonas Schicksal, und

manche Wendung im Gedicht selbst geriet so deutlich, dafs sie

dem Stift des Censors geopfert werden mufste, z. ß. der Vers:

ein Sklave bist du, des Sklaven einzige Waffe ist der Verrat,

obwohl der Censor aus dem Epigraph die Worte bisogna essere

volpe e leone nicht gestrichen hatte.

Welche Rolle fiel nun dem Dichter selbst im »Konrad« zu?

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