Geschichte der polnischen Litteratur

scans.library.utoronto.ca

Geschichte der polnischen Litteratur

NEUNTES KAPITEL.

Die Romantik der Emigrationslitteratur.

Adam Mizkiewicz.

In dem ganz ungleichen Kampfe von 1831 zog die Nation

den kürzeren, und bald wieder »herrschte die Ordnung in

Warschau« — trotzdem gab es keine Besiegte. Der Landtag,

das Heer, die geistige Elite, mit dem gealterten Fürsten Czartoryski,

mit dem greisen Niemzewicz, mit Historikern, Dichtem,

Kritikern, zogen in einer neuen, unerhörten Art Völkerwanderung

über die Grenze, in die Emigration, nach dem gastlichen Frankreich,

das die Dankesschuld erstattete, die es einst auf italienischen,

spanischen und überseeischen Schlachtfeldern auf sich

geladen. Wohl glaubten die Bedauernswerten, dafs diese freiwillige

Verbannung von kurzer Dauer sein würde , dafs die

Völker selbst die polnische Sache zu der ihrigen machen würden

— klangen doch die Stimmen deutscher und anderer Dichter so

ermutigend und sympathisch — , dafs es sich eigentlich nicht

•lohnte, auf dauernde Niederlassung irgendwo, auf das morgen zu

rechnen, dafs die Fahnen »für unsere und euere Freiheit« wieder

wehen und der Marsch der Legionen bald ertönen würde. Indes

vergingen Wochen, Monate, Jahre, und immer düsterer, aussichtsloser

wurde die Zukunft, immer gröfser die Verzweiflung dieser

aus ihren Lebensbahnen herausgeschleuderten, gezwimgen

müfsigen, oft darbenden, unter den Fremden sich höchst unglücklich

fühlenden, nach der Heimat vergebens sich abhärmenden

Jünglingen und Männern. Und immer höher stieg die Zahl der

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine