Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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reichen Vergangenheit ; wie die Sehnsucht nach Gott Bürgschaft

zukünftigen Lebens wäre, so sei die Sehnsucht nach dem Erringen

des Vaterlandes heiHge Weissagung seines Lebens; das

wiederhergestellte Polen werde der Menschheit den Frieden, den

Völkern und Konfessionen die Union verschaffen ;

edel seien dazu

ihre Waffen, denn an List und Trug sind die Feinde stets überlegen

gewesen.

Dieselben Gedanken variierte Mizkiewicz. Gläubigen Menschen

warf sich ja die Frage nach dem Grunde unverdienter Leiden

und Strafen auf; wozu habe die Vorsehung Polens Teilung bestimmen

können? ihre Antwort lautete anders als diejenige des

Woronicz. Sie gingen nicht mit sich und anderen ins Gericht;

sie wufsten nur, dafs sie und die Ihrigen ganz unverdient litten,

und gehörte nun dieses Leiden in den Plan der Vorsehung, so

drängte sich ihnen ein anderes unverdientes Leiden vorbildlich

auf : Polen wurde Märtyrer unter den Nationen, trug das Kreuz,

brachte sich zum Opfer, damit das Unrecht aus den öffentlichen

Beziehungen ebenso gebannt würde, wie es durch Verchristlichung

der Gesellschaft aus den Privatbeziehungen ausgeschieden

sei. So wurde Polen zu einer Art Messias der Völker, und diese

Rolle fiel ihm gerade zu, weil seine Geschichte von Ländergier

und Länderraub stets frei gewesen, weil es andere Völker mit

sich nicht durch List und Trug und Gewalt, sondern in christlichstem

Bunde, in dem grofsen Unionswerk von Lublin, vereint

habe, weil es das Christentum aufopfernd jahrhundertelang geschützt,

weil es entsagungsvoll für andere, bei Warna 1444 für

die Südslaven und Ungarn, 1683 für Österreich sein Blut verspritzt

hat. Aus diesen Vorstellungen ergab sich der Inhalt des

»Buches des polnischen Volkes« : im Stile der Genesis wurden

die Phasen der weltgeschichtlichen Entwicklung dargelegt, wie

auf den heidnischen Götzendienst, der die Sklaverei gebracht

habe, jetzt der politische gefolgt sei , mit seinen Idolen der merkantilen

Interessen, der Abrundung der Territorien, des europäischen

Gleichgewichtes,

in deren Namen auch Polen geteilt wurde,

das ihnen nicht hatte huldigen wollen; wie nach dem Kreuzestode

des Heilands die Blutopfer aufgehört hätten,

so würden nach

Polens Auferstehung die Kriege in der Christenheit aufhören.

Wirkungsvoller war der zweite, an die Emigration selbst gerichtete

Teil mit seinen Lehren und unvergleichlich schönen

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