Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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schufen ; er wagte sich an ein philosophisch-patriotisches Drama,

dessen ersten Teil nur, »Wazluws Jugend«, ihm zu vollenden

beschieden war (1832), da ihn bald Schwindsucht wegraffte.

Das Drama war aus den Dresdner Ahnen«, aus »Manfred« und

»Faust«, geboren, ergänzte und erweiterte den »Konrad«, zeigte

in dem durch philosophische Reflexion entnüchterten und durch

eine verbrecherische Neigung ausgehöhlten, auf Selbstmord

sinnenden Wazlaw die

durch patriotische Reminiscenzen bewirkte

Umkehr, neuen Wagemut und Enthusiasmus, der, ohne auf die

Gebote des kühl abwägenden Verstandes - Dämons zu achten, in

Verschwörungen sich und sein Volk stürzen möchte; bei aller

Gesuchtheit und Unreife einzelner Scenen, Bilder imd Gefühle

war das allegorisch-philosophische Element neu und bedeutsam,

und wie wenig Mizkiewicz irrte, als er es ganz dem Geiste der

Zeit entsprechen liefs, zeigten die folgenden Versuche anderer.

Neben Garczynski wirkten um Mizkiewicz in Paris andere.

Freunde und Bekannte, deren Dichtung die Katastrophe von

1831 mächtig beeinflufste. Da war Goszczynski, der Konspirator

und Soldat von 1830 und 1831, Konspirator in Galizien, bis er

nach Strafsburg und dann in sein »Fegefeuer«, Paris, übersiedelte.

Er hatte seine Haidamaken und die Ukraine längst

verabschiedet, trotzdem blieb seine revolutionäre Lyrik mit ihren

rauhen Tönen die alte, und neue Bilder gewährten ihm die

galizischen Karpaten und das Vorland ; auch hier fand er seine

grellen Effekte, die phantastischen Gestalten schildernd, mit

welchen das V^olk seine Wälder und Schluchten belebte ; der

Held seines Gedichtes, ein Räuber, erinnerte schon im Namen

an den bekanntesten der Zunft. Charakteristisch für den Emissär

war die Prosaerzählung: »Der König der Schlofsruine.« In den

Ruinen in Odrzykonj, den imposantesten im ganzen Vorlande,

hauste nämlich in den dreifsiger Jahren Machnizki, ein gewesener

Kalkulator, der seinen Verstand verloren hatte; er wurde Held

der Erzählung als der einzige Bewahrer patriotischer Glut in der

kühlen, gleichgültigen, spottenden Umgebung ; drastisch herausgearbeitet

war der Gegensatz zwischen dem heifsen Herzen und

wirren Kopf des Narren,

dessen Narrheit förmlich Maske schien,

so urvernünftig besprach Machnizki, auch in kühnen Allegorien,

die verrottete oligarchische Vergangenheit und die hoffnungsvolle

demokratische Zukunft Polens, und der egoistischen

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