Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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gläubige Verehrer, als würdiges Pendant zu jenem anderen Panslavismus,

welchem schon die »lateinische« Schrift, geschweige

denn der »lateinische« Glaube verhafst sind und der die

Weigerung, alles Heil nur beim cyrillischen Alphabet, bei

Schisma und Autokratie zu suchen, gar nicht fassen kann.

Neben diesem patriotischen und katholischen Fühlen war es die

exaltierte Vorstellung von der Bedeutung des Seher - Dichters,

die er schon aus dem Verkehr mit Mizkiewicz davontrug, als

das poetische Organ zum einzigen nationalen Organ überhaupt

werden zu sollen schien, als nur der Dichter dem. Volke seine

Wege, Zukunft, Bestimmung wies : die romantische Überschätzung

des begeisterten »Sehers« — kein polnischer Dichter wandte

diesen Ausdruck für Poet so beharrlich an wie Zaleski — , des

auserwählten, kostbaren Gefäfses, etwas von Gottes Allmacht in

mürbem Lehm, des wunderbaren Spiegels, der nur durch

Menschendunst trübe angelaufen ist. Alle Einseitigkeiten und

Überschwenglichkeiten , sowie die Eintönigkeit seiner ukrainischkosakischen

Begeisterung machte wett der wunderbar melodische

musikalische Vers, mit seiner aufserordentlichen, einschmeichelnden

Sangbarkeit, worin Zaleski unübertroffen geblieben ist;

nicht mit Unrecht behauptete von ihm Mizkiewicz im

»Litteraturkursus«

: zur Beendigung des poetischen Festspieles der Slaven

hat Zaleski eine Blumenfülle ausgeschüttet, und immer wird er

zur Verzweiflung bringen, wer die Kunst nur um der Kunst

willen lieben möchte. Daher die Popularität des Zaleski, seiner

Themen und Weisen, die vielen, talentlosen Nachahmungen, die

sich an Aufserlichkeiten , an Häufung von Interjektionen, Koseformen,

Neubildungen hefteten und Mizkiewicz um Geduld und

Nachsicht brachten. Das Wertvollste in seinem poetischen Nachlals

machten kleinere Dichtungen aus, die meist melancholischen

Dumki und die weniger zahlreichen, heiter-frohen Schumki, durch

den unnachahmlichen Wohllaut ihrer Sprache, den Rythmus ihrer

Verse, die Zartheit ihrer Bilder ; der Dichter verstummte übrigens

bald und druckte von seinen Schätzen nur das wenigste. Einen

nach den anderen seiner Jugendgenossen sah er ja fallen; immer

einsamer und leerer wurde es um ihn, immer tiefer seine Wehmut.

Ab und zu griff er in die Laute, 1863, als nach dem kurzen

Hoffnungsrausch unsägliches Elend über sein Polen heraufzog;

1867, als er den panslavistischen Festkuchen aus Moskau mit

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