Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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haben, wird Iridion durch die Stätten greulichen Verfalles des

kaiserlichen

und grölster Erniedrigung des päpstlichen Roms zum

Kolosseum geführt; doch hier, statt des gehofften Triumphgefühles,

überkommt den Iridion beim Anblick des vereinsamten

Kreuzes der Liebe, unter den sanften Strahlen des Mondes, ein

anderes Gefühl, die Erinnerung an Metella, die Trauer über

dieses Kreuz, das ihm müde und beklagenswert erscheint wie

sein Hellas und doch heilig für immer. Von dieser gefährlichen

Stätte will ihn nun Satan fortreifsen; eine Engelsstimme ruft sie

vors Gericht; vergebens behauptet der Böse: er ist mein, er

lebte ja in Rache und hafste Rom; der Engel erwidert: er liebte

Griechenland; Metella bezeugt es, und der freie Iridion wird zur

Sühne seines Hasses neuer Prüfung ausgesetzt: im Namen

Christi ziehe gen Norden, ins Land der Gräber und Kreuze,

weile unter deinen neuen Brüdern ; zum zweitenmal wirst du das

Ziel deiner Liebe sterben sehen, ohne selbst sterben zu können,

werden die Qualen Tausender in dein Herz eindringen; bleibe

ruhig, und nach langem Martyrium werdet ihr mit Glück und

Freiheit beschenkt; geh hin und wirke, sollte dir auch dein Herz

in der Brust eintrocknen, solltest du auch an deinen Brüdern

irre werden, solltest du auch an mir (Gott) selbst verzweifeln, —

wirke fortwährend und ohne Rast, und du wirst auferstehen aus

der Arbeit der Jahrhunderte und wirst ein freier Sohn des Himmels.

Und es ging auf die Sonne über den Trümmern von Rom, und

nichts sagte, wohin verweht war die Spur meines Gedankens,

aber ich weifs, dafs er dauert und lebt.

Wie Graf Heinrich, der Verteidiger der Aristokratie, so war

auch Iridion, der Apostel friedlicher Liebesarbeit, der einstige

fanatische Hasser, Krasinski selbst. Er äufserte sich 1830 in

der »Bibliotheque universelle« über »Wallenrod« : »La hauteur

des pensees et des vues place son auteur au rang des hommes

qui cessent d'appartenir ä leur patrie pour devenir une partie de

leur siecle« etc. Jetzt behauptete er und blieb dabei trotz aller

Lockungen: »Die Richtung der Gesellschaft auf dem Wege der

Freiheit erkennt heute nicht mehr an Konvulsionen and Gemetzel,

erkennt nur an die Notwendigkeit von Vernunft und

Tugend« ; daher bekämpfte er standhaft alle Revolutionen und

Revolutionäre. Die »Ungöttliche« und der »Iridion« hatten

ihn beide fast gleichzeitig beschäftigt, wie sie beide in ihm

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