Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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dieser oder jener Ritus, sondern der ganze Planet und alle Verhältnisse,

sowohl der Individuen wie der Nationen, ausmachen.

In silberheller Mondnacht, auf einem der Seen am Fufse der

Alpen erheben der Dichter und seine Beatrice, die ihn aus der

hoffnungslosen Öde verzweifelnden Unglaubens herausgeführt,

ihre Gedanken zu Gott; in der weihevollen Harmonie der Welt

vermissen sie einen Ton, Polen, doch ist sein Stern nur entschlummert,

nicht erloschen: »wir haben ja unsern Geist in

keiner Prüfung verloren, und die Auferstehung ist unser Recht.«

Nun schildert er seiner »Schwester« die Ursache alles Vorausgegangenen

;

im Traum hat er die Geister abgeschiedener Väter

befragt, und für sie antwortete Held Czarniezki: »Gottes Gnade

trieb uns auf solche Abwege, und gepriesen sei sie, denn sie

liefs mein Vaterland heraustreten aus der Erdenhölle Schlund,

nicht leben nach anderer Völker Weise, eher sterben als elend

leben, — suche nicht nach Schuld bei den Vätern, lafs dich nicht

auf Höhnen ein.« Da tauchen im Dunkel der Nacht, schwebend

über dem See, die Gestalten dieser Vorfahren, geführt von der

Königin ihres Landes, entgegen dem endlichen Sieg über des

Bösen Macht; dann wird auf dieser Welt des Lebens dritte Gestalt

erstehen. Vorübergerauscht ist die Erscheinung, doch blieb

uns der feste Glaube an die Zukunft, und da eben die Morgenröte

sich ankündigte, ersahen wir dem Schofse der Zukunft

entsteigen Polen selbst in weifser Gestalt eines Erzengels des

Planeten, als Chorführer der Völker, nach ihm die übrigen, Erscheinungen

einer zukünftigen, besseren Welt. Mutig erhebt

sich der Dichter; wohl harren noch viele Mühen und harte

Schmerzen auf dem Wege zum Endziel, aber anbrechen wird

die Morgenröte des Sieges ; er versteht jetzt die heilige Vergangenheit,

die Qualen des Fegefeuers, dieses Unrecht, diese

Fesseln, diesen bösen Geist, welcher das tapfere Herz zu

Niedrigkeit verführen möchte : für des Körpers Schmerz, für der

Seele Schmerz, für der Martern hundert Jahre Dank sei dir, o

Herr! sind wir auch schwach, elend, nichtig, ist doch aus unsern

Qualen deine Herrschaft auf Erden angebrochen. So träumten,

in der Vordämmerung eines besseren Morgens, die beiden Verbannten,

und was sie im Herzen gefühlt, legten sie in diese

Worte.

Eine Vision nur, wie es die Schlufsworte wiesen, war auch

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