Geschichte der polnischen Litteratur

scans.library.utoronto.ca

Geschichte der polnischen Litteratur

— 452 —

ohne Schlesien, Grofspolen, Preufsen zu berühren. Allerdings

war die Zeichnung von Land und Leuten eine kursorische und

summarische, gar rasch lösten sich diese geo- und ethnographischen

Schildereien ab, wie die historischen der »Schajne Katarynka«,

aber in wenigen Zügen stellte die sichere Hand des Zeichners

ein deutliches, lebenswahres Bild hin. Trefflich gelang dem

Dichter dieses Naherücken der räumlich so entfernten und politisch

so entfremdeten Gegenden, die liebevolle Verherrlichung

dieses »Landes, das berühmt durch sein Getreide, Gastfreundschaft,

Mut und Glauben, seine Unordnung und Freiheit, grofs

durch sein Leiden und das Unrecht, heilig durch des Blutes

Opfer« ; die begeisterte Schilderung polnischer Mädchen und

Frauen, ihrer geistigen Vorzüge-, die poetische Verklärung des

gastfreien polnischen Hauses, das selbst zu wachsen scheint, je

mehr es der Gäste beherbergt. Später schuf der Dichter noch

ein Gegenstück dazu im »Liede von unserem Heim«, in demselben

Kurzvers, den er meisterhaft handhabte, mit einigen

Bildern häuslicher und Jahresfeste, doch ohne die frische Anschaulichkeit

des älteren, überladen mit moralisierenden, erbaulichen

Wendungen. »Das Lied von unserem Lande« ging scharf

mit den Herren zu Gerichte, sie waren der obenauf schwimmende

Abschaum der Nation, dahin gelangt durch Betrug und Unterdrückung,

durch die Targowiza •, sie verantworteten Polens Fall

5

es sprach mit liebevoller Teilnahme vom Bauern und seinem

traurigen Los, keinen Segen bringe das Vermögen, wenn zum

Halse die Arbeit herauskriecht; es gestand ohne weiteres, dafs

manches Liebgewohnte wird zerstört und anders aufgebaut

werden müssen-, von einer blinden Verherrlichung der Vergangenheit

war hier keine Rede. Und doch sollte es dazu noch

kommen. Später wurden diese offenen Bekenntnisse gestrichen

oder gemildert;

es fehlten die Verse von der durch Eigensinn verderbten

Schlachta, von den podolischen Halbherrchen, die noch

schlimmer als die Herren von Wolynj, von dem Bauernelend; da

wurde »freiheitlich« durch »ruhig« und »bieder« durch »ritterlich«

ersetzt. Den demokratischen Wein hatten die Erfahrungen von

1846 und das allmähliche Aufgehen in altadligen Traditionen ganz

bedenklich verdünnt ; der Demokrate Pol bekehrte sich zum konservativen

Standpunkt, wie Siemienski, Kaiinka, Schujski u. a.

Es war dies allmählich gekommen. Der durch Jugend-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine