Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Bedingungen wahrte sich damals Posen — Westpreufsen schied

ganz aus — durch einzelne erleuchtete Patrioten, im Hochadel

wie in der Bürgerschaft, einen bedeutsamen Anteil an der nationalen

Kulturleistung, Zu den verdientesten gehörten die Grafen

Dzialynski und Raczynski. Ersterer begnügte sich nicht mit dem

Ansammeln aufserordentlicher litterarischer Schätze in seinem

Kurnik, sondern machte grofse Mittel flüssig für historische,

philologische, mathematische Publikationen: der Urkundensammlungen

in dem jahrhundertelangen Streit zwischen Polen und

dem Kreuzorden ; der diplomatischen und Kanzleikorrespondenz

König Sigismunds, der sogenannten Acta Tomiciana; der wichtigsten

Reichstagsverhandlungen des 16. Jahrhunderts; Übersetzungen

antiker Schriftsteller u. s. w. Allerdings zersplitterten

sich die Sammlungen der Raczynski, die Gemäldesammlung des

Grafen Athanasius kam nach Berlin, wo jetzt das Reichstagsgebäude

sich erhebt — die Sammlung selbst kam in die Nationalgalerie

;

dafür wurde die reiche Bibliothek des Grafen Eduard im

eigenen, schönen Heim zum städtischen Eigentum (dreibändiger

Katalog derselben in deutscher Sprache, 1881 ff.), und unermüdlich

war Graf Eduard im Publizieren historischen Stoffes: ihm

dankte man Passeks Memoiren ; eine lange Reihe von Memoiren

des 18. Jahrhunderts und Aktenstücke aus dem Portefeuille des

Primas Podoski ; die Beschreibung der Bauten und Denkmäler

Grofspolens in zwei stattlichen Bänden, das Kabinett polnischer

Medaillen, »Les medailles dePologne«, drei Bände, Berlin 1845;

Urkundensammlungen, eigene Reisebeschreibungen (einer türkischen

Reise) u. s. w. ; und dies alles war nur ein Teil planmäfsig

angelegter, auch grofser ökonomischer Arbeiten, zur

Hebung der Stadt wie der Provinz Posen, Arbeiten, welche

durch politische Komplikationen gehindert oder vereitelt wurden;

der Bruder wie der Sohn schrieben nur in

französischer Sprache,

ersterer über Kunstgeschichte, letzterer über nationalökonomische

Fragen.

An Josef Lukaschewicz fanden die Arbeiten des Grafen

Eduard einen tüchtigen Fortsetzer, der namentlich die Schulimd

konfessionelle Geschichte des alten Polens behandelte, der

erste und unermüdlichste Arbeiter auf diesem Felde im grofsen

die englisch und deutsch erschienenen Arbeiten des Grafen Valerian

Krasinski, »Historical sketch of the reformation in Poland«,

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