Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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dies nur amüsante Episoden, Abenteuer, Kample, die über Stofföde

und Gedankenleere nicht hinwegtäuschten, das Zurücksinken

in den schablonenhaften, handwerksmäfsigen

,

pseudohistorischen

Roman eines Bronikowski , Skarbek und Bernatowicz. Diese

Reihe unterbrach nur ein phantastisch-erotisch-satirischer Roman

»Der goldhaarige Page«, angeblich im Oriente vor sich gehend,

wirklich die lieben Nachbarn in Wolynj, dem >Ochsenlan(le«,

den Kiewer Generalgouverneur Bibikow und die Satrapenwirtschaft

parodierend , und schlofs ab wieder eine Mystifikation,

ähnlich derjenigen, mit der er seine litterarische Laufbahn begonnen

hatte, denn seine »Denkwürdigkeiten des Michalowski«

waren nur langweiliger, uninteressanter, schleppender als die des

Sopliza ; dafür kühlte er hier sein Mütchen an dem Reformwerk

und dem »Pöbel«.

Mit diesem hatte es der Graf längst und gründlichst verdorben

; w^as Seweryn Sopliza errungen , verdarb Jarosch Bejla

in seinem »Socialen Gemengsei«, in seinem »Polnischen Theophrast«,

in seiner »Civihsation und Religion«, wo er, neben

excessivster Lo3'alität, schonungslos die Errungenschaften moderner

Menschheit verketzerte und verhöhnte und anstandslos Rückkehr

zur Barbarei als Losung aufstellte. Den scharfen Witz, den

Cynismus, welche ihn im persönlichen Verkehr gefürchtet

machten (seine Kalembours, z. B. der vom Pariser Frieden, den

die Russen »ausgeschlagen«, Europa »gemalt« bekommen hätten

— das polnische Wort bedeutet nämlich Frieden und Gemach

und ist schon von St. H. Lubomirski so doppelsinnig verwendet

worden — , seine Reflexionen, z. B. über Niederträchtigkeit, die

wie ein heifses Bad für den Augenblick brühe, doch bald fühle

man sich in ihr aufs wohligste ; über Geschwister: er würde alle

Brüder opfern, um alle Schwestern los zu werden), übertrug der

Graf in diese Angriffe auf moderne Litteratur, die er nicht gelten

liefs, auf modernen Adel mit seinem geistlosen Treiben, auf

modernes Denken und Wissen, das er

mit den Neochristianisten

ä la Bonnald verlästerte, auf Patriotismus und Polentum, dem er

Aufgehen in der grofsen slavisch - russischen Welt voraussagte

und als das einzig Richtige und Vernünftige empfahl. Damit

ruinierte er das »Warschauer Tageblatt«, das er mit staatlicher

Subvention herausgab und welches sonst eine neue Ära in der

polnischen Publizistik durch die Fülle von Informationen und ein

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