Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Deutsche übersetzt (1876, durch Mchlis), und zahlreiche Funde

in Galizien, der Goldfund z. B. von Michalkowize am Dniestr,

führten zu wichtigen Publikationen; das archäologische Kabinett

der Akademie mit der 1849 aus dem Zbrucz aufgefischten Bild-

Scäule des sog. Swantowit und das Museum des Grafen Dzieduschyzki

in Lemberg zeichnen sich durch Reichhaltigkeit aus

und bildeten den Ausgangspunkt der Studien eines Osowski oder

Demetrykiewicz.

Mit besonderer Liebe pflegt man die Volkskunde, nicht nur

des polnischen Volkstumes, sondern in Ausführung des Unionprogrammes

von Lublin 1569, das drei Völkern galt, auch der

Russen und Litauer: noch zuletzt, 1900, gab die Akademie eine

Sammlung von über 1700 litauischen Volksw^eisen heraus, einen

wahren Schatz für Volksmelodien überhaupt, bearbeitet vom

Musiker Noskowski. Die systematischesten Arbeiten gehörten

dem Ethnographen Oskar Kolberg an. Er hatte noch in den

fünfziger und sechziger Jahren, wandelnd in den Spuren der

alten Volksliedersammler, was W^azlaw Zaleski und Shegota

Pauli für Galizien gethan, für Kongrefspolcn und Masuren unternommen;

der Sammler von Liedern und Melodien erweiterte

bald sein Programm, von Bauten, Werkzeugen und Trachten bis

zu Sprache, Sage und Sprichwort, aus Vergangenheit und

Gegenwart, alles Erreichbare notierend; so entstand sein grolses

Sammelwerk »Lud« (das Volk), das in über dreifsig Bänden

die einzelnen Provinzen oder Landschaften (Kujavien, Sendomirer

Land, Masovien, Pokuzien aufserhalb des polnischen Volksgebietes,

Grofspolen u. s. w.; dagegen fehlen Schlesien und

Preufsen) durchforschte und darstellte.

Kolbergs rastlose Initiative

weckte das alte, schon erlöschende Interesse für das Volkstum;

es bildeten sich ethnographische Gesellschaften, in Lemberg, mit

Filialen über ganz Galizien, mit einer Zeitschrift ;vLud« und dgl.;

besondere Gesellschaften für volkstümliche Schriften, die Maziersch

Polska, entsprechend den Matizavereinen bei anderen Slavcn.

Die Arbeiten beschränken sich übrigens nicht auf polnisches

Wissen allein : die Nationalökonomen, Joseph Supinski, mit eigenartigen

Gedanken, Julian Dunajewski, der Krakauer Professor,

langjähriger Finanzminister im Kabinett Taaffen und Ordner

österreichischen Finanzen, sowie Bilinski, der Kanonist Rittner,

der Statistiker T. Pilat u. s. w., vertraten in gediegener Weise

der

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