Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Gröfse viel zu einfach; sie hassen, wie die Slaven überhaupt, in

ihrem scheuen Empfinden die Posen , verachten die grotsen,

theatralischen Gesten; was giebt z. B. Kosziuschko? Eine einzige

Phrase, die er noch dazu nicht gesagt hat! Lieben und bewundern

mufs man seine sublime Pflichterfüllung, aber pathetisch,

dramatisch wird er nicht einmal bei seinem Todesritt auf dem

Bauerngaul, nach Maziejowize zu, und noch weniger, da er

allen Versuchungen und Lockungen ruhig, schweigend widersteht.

Und so sind sie alle, sogar Zolkiewski, der doch wenigstens

Leonidas mit Wort, Geste und That kopiert.

In hartem, dreifsigjährigem Mühen rang der Krakauer Josef

Schujski, der Historiker und Politiker von Beruf — während er

sich zum Dichter geboren glaubte — , mit dem Engel des historischen

Dramas; man achtet die Redlichkeit seines Mühens, einen

offenbaren Fortschritt, das Versuchen aller möglichen Wege, das

Erzielen einzelner Effekte , das Hören auf die Forderungen der

Kritik oder eigener Einsicht, das ganze Akte oder Stücke von

Grund aus umbauen läfst. Schliefslich tötete den Dichter der Historiker,

der zu umständlich, alles Mögliche berücksichtigend, schuf;

der Politiker, der, Kunst um Kunst willen verachtend, aus jedem

Stoff eine Moral und Warnung herausdestillierte, der in den

späteren Dramen namentlich das politisch-didaktische Element einseitig

bevorzugte; endlich wollte auch die Sprache kein gefügiges

Werkzeug werden. Der Jüngling begann als Verehrer

Shakespeares, der Menschen, nicht Zustände schildert, die dem

Historiker und Politiker besonders am Herzen lagen; er versuchte

es dann mit Racineschen Formen, einer dürftigeren Aktion

und einem wort- und sentenzreicheren Dialog ; er verschmähte

nicht Calderons Form und V. Hugos Einfälle, nur seine eigene

Form fand er nicht.

Natürlich schuf er eine »Halschka von Ostrog« , deren

romantische Geschichte Caro Deutsch erzählt hat, und »Samuel

Zborowski«, vermehrte natürlich auch die Zahl der Demetriusdramen;

besonders zogen ihn an 1646 und 1648, die Jahre des

entscheidenden Wendepunktes. Das Gewissen des Historikers

verdarb dem Dichter das Konzept, nötigte ihn z. B., an die

Zborowski einen Epilog anzuhängen, der den Sieg der Ordnung

wieder zweifelhaft erscheinen liels, und hielt ihn doch nicht

von sehr fragwürdigen P'iktionen und Sentimentalitäten ab; nur

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