Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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noch mehr die eigenen Hunde als uns; so müssen wir schon auf

dieser und jener Welt leiden.

Schlimmere Wunden als die Apathie der Massen und die

Energie der Jesuiten schlug dem Protestantismus in Polen der

Protestantismus selbst , durch die Zersplitterung der ganzen Bewegung

und gegenseitige Anfeindung; durch die Bedeutungslosigkeit

seiner Diener, denen der protestantische Adel jene

Achtung grundsätzlich verweigerte, die dem katholischen Geistlichen

schon durch seine Stellung im Staate unbedingt zukam;

durch die Schlaffheit seines Auftretens, den Mangel an Opferwilligkeit,

den Eigennutz seiner Bekennen Jetzt rächte es sich,

dafs man, aus Respekt vor dem alten König,

aus eigener Indolenz,

aus humanistischer Gleichgültigkeit gegen Glaubenssachen so lange

mit der Kirchenreform gewartet hatte; jetzt war sie nämlich

längst nicht mehr eine einheitliche: Lutheraner, Zwinglianer,

Kalviner, böhmische Brüder (aas Böhmen in Polen Zuflucht

findend), warben Anhänger um die Wette, und bald lockte die

Sicherheit in Polen auch diejenigen Sektierer an, welche in Genf

oder Wittenberg den Scheiterhaufen hätten fürchten müssen, die

italienischen Zweifler an den wichtigsten Dogmen der Kirche,

die Luther und Kalvin selbst noch unangetastet gelassen hatten.

So zersplitterte sich die Bewegung völlig; triumphierend

fragte der Katholik, wo denn der richtige »neue Glaube« wäre;

das Argument, mit dem Hosius stets kämpfte (qu'une heresie

attire l'autre et que la fin de toutes n'est qu'un pure atheisme

heilst es auf dem Titel der französischen Übersetzung seiner

Censura 1573), blieb zu Rechte bestehen; mit dem Hinweis auf

Wiedertäufer bewies dann Hosius, dafs wer aufhöre »Papist« zu

sein, auch aufhöre, »Regalist« zu bleiben imd nach der geistlichen

Autorität und Obrigkeit jede andere, auch die weltliche,

abweisen werde. So mufste denn über alle die ungeeinten,

einander befehdenden oder mindestens mifstrauisch

betrachtenden

Neuerer der uralte, stets einige Katholizismus schliefslich triumphieren;

es fehlte an einer Autorität in Polen, die dieser Bewegung

ihre Schranken und Wege hätte weisen können. Jan

Laski, der einzige Berufene dazu, kam nach Polen nur noch als

todkranker Greis zurück, und die Zügel, die seiner müden Hand

entfielen, nahm niemand wieder auf.

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