Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der Milkowski selbst und ihrer humanen Bestrebungen,

ihrer Verehrung für den »Naczelnik« Kosziuschko, an der der

Jude teilnimmt, mit seiner Familie das Gedächtnis des grofsen

Toten beweinend, als wäre es ein Patriarch aus Judas Geschlecht;

dazu das Pendant »Die Geschichte vom Ur-Urahnen«,

von dem tapferen Bauern, der bei seinem Bauerntum verbleiben

will und sich dadurch den Adel abspenstig macht. Auch in

seinen Romanen verblieb »Jeschc der Agitator, Propagandist:

das Satirische überwog bei weitem ; er zeichnete die Unbeholfenheit,

Verweichlichung, Apathie, Trägheit, Heuchelei in scharfen

Zügen und erzielte die komischesten Effekte, z. B. mit seiner

Fürstenfamilie in den »Opfern«

oder mit der politisch-militärischen

Diskussion des litauischen Adels 1831 im. »Zweiten Gebot«; er

eignete sich die russische Schreibweise an, der Saltj^kow und

Genossen, mit ihren Allegorien, um dem Cerberus-Censor ein

Schnippchen zu schlagen und die Konterbande anständiger Gedanken

durchzuschmuggeln; er wollte kein Künstler sein, trotzdem

der epische Zug, die Lust am Fabulieren schon das Kind

ausgezeichnet hatte; die Komposition liefs viel zu wünschen

übrig, alles Gefühlvolle und Sentimentale lag dem Manne der

That fern ;

jede seiner Schriften sollte eine politische oder sociale

Aktion werden, gegen Unwissenheit, Egoismus, Vorurteile, Verstellung

jeglicher Art zu Felde ziehen; aus jeder Zeile sprach

der überzeugte Demokrat, der die Selbstaufopferung für das

Wohl der Allgemeinheit nicht nur mit der Feder, sondern auch

mit seinem ganzen Leben predigte; der durchgeistigte Typus

eines polnischen Bauern enthüllt sich aus seinen physischen und

psychischen Zügen, wie aus Tolstoj der Mushik. Die lebhafte,

flotte Darstellung, mit den aufgeklärten, demokratischen Prinzipien,

mit dem stark pulsierenden Nationalgefühl, entschädigte

den dankbaren Leser für die Schärfe des Ausdruckes, der, ganz

wie bei den Russen, um Salonfähigkeit sich nie bekümmerte,

für die lose Führvmg der Erzählung mit ihren überwuchernden

Episoden und Digressionen, für den Mangel rein ästhetischer

Effekte; »Jesch« blieb Tendenzschriftsteller in ungleich höherem

Grade als etwa Kraschewski. Er veröffentlicht jetzt den Roman

seines Lebens, »Von der Wiege durchs Leben«, in äulserst umständlicher

Weise bei den Jugenderinnerungen verweilend.

Die Bedeutung von Ehse Orzeschko (Orzeschkowa) wurzelt zum

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