Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

jewski der eigene Bruder Jakob,

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dessen polnischer Foliant gegen

Jesuiten (Kerbest) auch ins Deutsche (1583) übersetzt worden ist,

was Niemojewski mit eigenen deutschen Versen begleitete, den

ersten die von einem Polen bekannt sind. Nichts ist jedoch

interessanter als die Verhandlungen innerhalb der arianischen

Gemeinden selbst : ob es dem Christen erlaubt sei, Sklaven-Hörige

zu besitzen, ob er richten, ein Amt bekleiden oder gar töten

dürfe und im 16. Jahrhundert überwogen zur Ehre der Polen

die gegenteihgen Ansichten: erst im 17. drang das gemäfsigter,

egoistischer, weltlicher gesinnte Element auch unter den Arianern

durch. Freilich haben auch die älteren Arianer das neue sociale

Banner aus Furcht vor der Wiedertäuferei nicht offen aufgepflanzt

und begnügten sich oft statt einer rührigen Propaganda mit

theologischen Zänkereien. Jedenfalls belebte ihr Auftreten das

konfessionelle Leben, und dieses blieb für die zweite Hälfte des

16. Jahrhunderts charakteristisches Merkmal der polnischen Gesellschaft,

wie niemals zuvor oder nachher wieder. Und doch,

trotz aller Lebhaftigkeit konfessionellen Streitens, die oft den

Frieden der Familie bedrohte, da sich Mann und Frau, Eltern

und Kinder, die Geschwister scharf entgegenstanden und sogar

die stets geheiligten Pflichten der Gastfreundschaft verletzt

werden konnten, kam es in Polen zu keinen Glaubensverfolgungen

oder Religionskämpfen, die die Geschichte des übrigen Europa

so häfslich entstellten.

Vieles milderte von vornherein in Polen die Schärfe des

Kampfes, schon das Nebeneinanderbestehen verschiedener Konfessionen

im Lande seit Jahrhunderten, dann die Gutartigkeit

des nationalen Charakters, die echt christliche Humanität seiner

Könige, die Achtung vor der Freiheit und den Rechten des Mitbürgers.

Wie konnte in Polen eine Politik der Verfolgung nach

spanischen oder englischen Mustern eingeleitet werden, wo der

alte König dem ihn scharf machen wollenden Doktor Eck antworten

liefs,

und der junge König feierlich erklärte : »niemand möge von mir

annehmen, dafs ich durch Grausamkeit und Strenge jemanden

zum Glauben anhalten oder sein Gewissen bedrücken möchte;

den Glauben zu bauen, ist nicht meine, sondern des heiligen

er wolle über Böcke und Schafe zugleich herrschen,

Geistes Sache« ! Diese Toleranz fiel den Fremden oft peinlich

auf ; so konnten sich italienische Geistliche nicht genug wundern.

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