Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

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in seiner Stegreifmanier, so dafs man ihre Werke später ihm zuschreiben

konnte. Am längsten lebte seine, wenn auch aus

fremden Quellen zusammengestoppelte, aber wunderbar fliefsend

und schön geschriebene Postille, die nach seiner ganzen Art nicht

die dogmatische, sondern die moralische Seite betonte und daher

noch im 19. Jahrhundert von schlesischen Protestanten neu

herausgegeben werden konnte, mit Ausmerzung natürlich der

nicht mehr zeitgemäfsen, oft scharfen Ausfälle gegen den Katholizismus.

Neben solchen Dilettanten in Theologie und Polemik, wie

Rey und Orzechowski und viele andere es waren, zählten alle

Konfessionen berufsmäfsige Arbeiter: Übersetzer — jede Konfession

verfügte über eine besondere Bibelübersetzung; Disputatoren

— öffentliche Colloquia und Disputationen regten zuerst

Protestanten, auch untereinander, an, um schliefslich den Katholiken

gegenüber den Kürzeren zu ziehen; man disputierte sogar

mit Juden, und das ward ihr erstes eigenes Auftreten in der

polnischen Litteratur, fand jedoch keine Fortsetzung mehr; dann

Prediger und Postiliatoren, natürlich wieder für jede Konfession

besonders ; und wurde Luthers oder Korvins Postille ins Polnische

übersetzt, so übersetzte man des Gregor von Zarnowiez polnische

(kalvinische) Postille ins Deutsche. Über alle Prediger ragte

der Jesuit Piotr Skarga weit hervor: eine Persönlichkeit von

idealer Lauterkeit, ein Seelenbezwinger, wie ihn die durch seine

Bekehrungserfolge aufgeschreckten Protestanten nannten, ein

grofser Patriot, ein unerschrockener Künder der Wahrheit vor

Thron und Adel. Gelehrtes Latein und theologische Traktate

lagen ihm nicht recht, aber das Polnische beherrschte er wie

kein anderer und feierte als Redner, obwohl er jeglicher

Künstelei, jeglichem Schmucke absichtlich aus dem Wege ging,

die gröfsten Erfolge. Er war es, der da den litterarischen

Kampf um die Union der Schismatiker eröffnete, und diese

parierten seine beredten Worte mit dem Aufkaufen und Vernichten

seines Werkes; er bekämpfte Kalviner wie A rianer,

die Konföderation von 1573 wie den protestantischen Fälscher

seiner »blutdürstigen« Predigt; er erzählte den Hergang der

Unionsverhandlungen und erklärte den Soldaten ihre Pflichten,

was noch später in fremde Sprachen, z. B. ins Böhmische, übersetzt

wurde; er sorgte für Kenntnis der Kirchengeschichte wie

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