Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

jedes

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für erbauliche Lektüre, indem er seine »Heiligenleben« verfafste

und mit »geistlichem Futter

-!;

versah, — trotz seines Umfanges

ist das Buch zu einem wahren Familien- und \^olksbuch

geworden, in starken Auflagen immer wieder erneuert; die vierundzwanzigste

erschien 1882. Aber das alles waren nur Abfälle

seiner eigentlichen Arbeit ; war er doch nur Prediger. Wie war

er nun auf der Kanzel? der schlichte Bürger, der in dreifsigjahrigem

Hofdienst nur einmal den König um eine Gnade gebeten

hatte, um eine Pension für seinen alten Fuhrmann, der ihn,

auf polnischen Wegen , nie umgeworfen hatte. Vielleicht

schmeichelte er da den ruhmbedeckten Kriegern und den ehrwürdigen

Senatoren ?

Glänzende, ungeahnte Siege waren erfochten,

aber seine Dankespredigt warf bittere Wahrheiten dem König und

dem Adel ins Gesicht; versammelt w^ar der Reichstag, aber eine

zusammenhängende Reihe von Predigten für denselben beleuchtete

grell den Abgrund, dem Polen zusteuerte, und es war bezeichnend

für Menschen und Zeiten, dafs diese Reichstagspredigten in den

folgenden Auflagen gekürzt werden mufsten : so offen und rückhaltlos

warf der Jesuit dem Adel sein egoistisches Treiben, sein

Mifstrauen gegen den König, seine Lieblosigkeit gegen das

Vaterland, seine Bedrückung der Bauern vor und drohte ihm mit

dem Zerreilsen des Landes, wie Hunde Eingeweide zerreifsen,

mit der Verfolgung seiner Sprache sogar; auch als Jesuit verblieb

ja Skarga der glühende Patriot, und den polnischen Prediger

zeichnete wiederum die politische Einsicht aus, welche

seinen Berufsgenossen draufsen fehlen mufste. So sprach er von

verschiedenen Drohungen, welche Gottes Propheten künden, von

bedingten, von späten und von unabänderlichen. »Mit was für

Drohungen schickt mich nun Gott zu euch, meine hochverehrten

Herren? . . . Ich weifs es nicht; das eine weifs ich nur, dafs

eine von diesen euch treffen mufs. Aber ich, euer unterthänigster

Diener, würde euch Liebsten, meinen Brüdern und meinem Volke

und meinem teuren V^aterlande, die ersten wünschen« . . . Und

was birgt diesen glänzenden Herren die Zukunft? »Alle werden

sie, mit ihren Familien und Leibern, in Feindeshand ächzen,

denen unterthan, von welchen sie gehafst werden. Die Provinzen

und Grofsfürstentümer, die mit der Krone (Polen) sich einten und

zu einem Körper zusammenwuchsen, sie müssen abfallen und abgerissen

werden. Verlassen wird man euch, wie man die Obst-

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