Geschichte der polnischen Litteratur

scans.library.utoronto.ca

Geschichte der polnischen Litteratur

DRITTES KAPITEL.

Humanismus.

Die Oberflächen des polnischen Lebens hatte der religiöse

Sturm gekräuselt und gepeitscht, ohne in die Tiefen, zu Bürger

und Bauer zu dringen. Für das geistige Leben des 16. Jahrhunderts

waren jedoch neben der Reformation noch andere Elemente

charakteristisch, mochte auch keines an Bedeutung das

religiöse

erreichen.

Unscheinbar und lückenhaft waren die Anfänge des polnischen

Humanismus; sie reichten ja in das 15. Jahrhundert zurück und

gruppierten sich mitunter um die Hochschule, ohne sich je in ihr

zu vereinigen. Diese Hochschule betrachtete sich und war ebenbürtig

den deutschen; ihre Vertreter sprachen oft von »unserer

Universität unter den deutschen«, und mit den deutschen sank

sie jetzt langsam von ihrer einstigen Höhe herab. Sie hielt ja

noch immer an dem mittelalterlichen Schulbetriebe fest; ihr

philologisches Wissen lag darnieder, und nicht hier wurden die

glänzenden Latinisten ausgebildet, mit dem Sinn für die Form,

mit der Verehrung des Altertums, mit dem Widerwillen gegen

scholastische Barbarei.

Die neue Bewegung konnte desto leichter

über sie hinweggehen , als der Exodus der polnischen Jugend

nach dem Süden nicht nur andauerte, sondern sich erheblich

steigerte ; der Adel liefs sich in seiner Hochschätzung der Fremde

nicht beirren; er vernachlässigte die Landesschule zu Gunsten

der italienischen; die Universität blieb zudem im 16. Jahrhundert

an dieselben Mittel gewiesen, welche im 15. knapp Gereicht

hatten und jetzt bei der Entwertung des Geldes, beim V^erfall

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine