Geschichte der polnischen Litteratur

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Geschichte der polnischen Litteratur

in ihrer Jugend auch die ermländischen Bischöfe, der Lemberger

Erzbischof Solicovius und viele andere gewesen; Dichter von

Beruf und Talent waren die

wenigsten.

Einer von ihnen, der Sohn eines grofspolnischen Bauern,

Klemens Janicius, verdankte diesem seinen Talente Förderung

durch geistliche und weltliche Grofse, durch »Cricius« und Kraita

in Italien mit dem Dichterlorbeer gekrönt, kehrte er nach seinem

Norden zurück, wo ihn schwere. Krankheit befiel und rascher

Tod wegraffte, ihm vielleicht künftige herbe Enttäuschung ersparte.

Kein Wunder, dafs schwermütige Stimmung auf den

Erzeugnissen seiner Muse lastete, die nicht nur ihrer Form nach

Elegien waren, von denen die anziehendsten seine eigenen Eindrücke

und Erlebnisse schilderten- aber auch bei ihm fehlte nicht

der patriotische und politische Zug. Die einseitige Pflege des

Latein war ein Mangel, den er schwerlich je abgestreift hätte;

auf der Höhe seines klassischen Parnasses übersah der »sarmatische

Tibull« völlig die eigene Sprache, die bäuerische, in der

sich doch nichts »zierlich«, nichts »weise« ausdrücken liefs, die

ihn über seine niedrige Umgebung kaum hätte emporheben können.

Anmut des Ausdruckes und Innigkeit des Tones stempelten ihn

zuerst, im Gegensatz zu den Verseschmieden, zu einem wahren

Dichter, und noch Dezennien lang nach seinem Tode sprach

man von einem künftigen oder neuen Janicius, wenn sich ein

>Dichter« hervorthat. Aus seiner knappen poetischen Hinterlassenschaft

überdauerte nur das unpoetischste , die noch später

nachgeahmten oder übersetzten »Aufschriften« auf polnische

Könige und Gnesener Erzbischöfe.

Was er nicht gewagt, woran er gar nicht gedacht hatte, vollbrachte

ein Gröfserer. Durch Rey liefsen Zeitgenossen polnische

Sprache nicht nur zum erstenmal in Schrift und Druck, sondern

sogar für immer am besten vertreten sein-, mit ungleich mehr

Recht war aber an die Spitze der polnischen Poesie Jan Kochanowski

zu stellen. In Italien war er zum Dichter geworden,

nicht, wie die Zeitgenossen, um Gönnern zu schmeicheln, sondern

weil es ihm Herzensbedürfnis war, auszulösen die Eindrücke

flüchtiger Liebschaften, angenehmer Geselligkeit, merkwürdiger

Ereignisse in zuerst lateinischen, dann — nicht umsonst bewunderte

er Petrarca in Padua und lernte Ronsard in Paris

kennen — auch in polnischen Versen, und was in der Fremde er-

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