Magazin 196110

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Magazin 196110

ZIVILER BEVölKERUNGSSCHUTZ

Das Ist Florlan. 15 Jahr. alt und lehrling In einer DruckereI. FIorion spielt die Hauptrolle 'n dem

Goitanl-Fllm .. ludi In liner kleinen Stodt . . .... Im Mittelpunkt - der Film . 011 spannend sein

wie eine Krlmlnal.tory - steht das SelbstsdlutlProblem. (Mehr darObe r lesen SI, auf S,lte 23.'

• Der Selbstschutz auf dem Lande

• Schutz vor radioaktivem Staub

• Gute Ratschläge aus Norwegen

• Luftschutzhelfer vor der Kamera

Herausgegebe n Im Auftrag des

Bundesministeriums des Innern

vom Bundesluftschutzverband

Nr.10 • Okt. 1961 • 6. Jahrgang

Preis des Einze lheftes DM 1,50


~"';-'--­ -

Auf die Erste Hilfe kommt es an!

W er den Kauf eines Krankenwagens verantwortet

oder mitbestimmt, muß sich vorher fragen: W elche Situationen

hat dieser Wagen zu meistern? Di e täglichen Unfälle

bestätigen es nämlich: Der gelegentliche Kranken-Transport

kann niemals allein Maßstab sein. Entscheidend sind vielmehr

zwei Dinge: Erstens - wieviel Verletzte kann das Fahrzeug

tatsächlich aufnehmen? Zweitens - ist sei n Innenraum so groß,

daß man die Patienten betreuen und versorgen kann?

Diese Fragen müssen zufriedenstellend beantwortet sein,

denn im Ernstfall kann die Erste Hilfe von lebenserhaltender

Bedeutung sei n.

Der VW- Kranke nwagen ist mehr als ein Transport-Fahrzeug.

Er ist fahrende Rettungsstation für drei Verletzte.

Und Arzt oder Helfer haben noch genügend Platz,

um sofort alles Nötige zu tun - noch während der Fahrt!

Zwei Krankentragen und ein gepolsterter Kranken-Tragesessel

stehen bereit: falls eine Trage hochgeklappt bleiben kann,

ein weiterer Polstersessel. Ferner: gepolsterter Klappsitz

für Begleiter, Betreuungsschrank, Platz und Ablagefächer

für Verbandsmaterial, Arm- und Bei nschienen

und Erste- Hilfe-Au srüstung!

Kranken-Hilfsorganisationen und Feuerwehr se tz en den

VW- Krankenwagen seit Jahr und Tag bevorzugt ein , wei l er

so zuverlässig und durchdacht ist, weil er so niedrig in der

An sc haffung liegt. Darum: Entscheiden Sie sich für die

umfassende Erste Hilfe! Entscheiden Sie sich

für den VW- Krankenwagen!



10

1961

Der

Selbsl'schul'z

in ländlichen

Gebiel'en

INHALT:

Der Selbstschutz in ländlichen Gebieten

Schutz gegen radioaktive Niederschläge

Brandschutz

Aus Norwegen: Ratschläge für die Landbevölkerung

.......................... .

Jeder Zehnte lieB sich beraten. Praktische

Aufklärung In Schleswig-Holstein • Ausstellung

des BLSV auf der Landwirtschaftsschau

1961 In Rendsbur, ................ .

Auch In einer kleinen Stadt •..• SpielBlm

mit Luftschutzszenen • Dreharbeiten in Tühingen.

BLSV-Helfer vor der Kamera •

Und dazu: eine Joumalistentagung

Gutes und anhaltendes Echo der Kieler

Vontandssiizung des Bundesluftschutzverbandes

............................... .

Luftschutz Ist echte Daseinsfürsorge • Präsident

Dr. Lotz sprach im Friedenssaal des

Osuahrücker Rathauses • Goldene Ehrennadel

des BLSV für vier verdiente Männer

Anslandsbesucher In Waldbröl ...... . ... .

LandessteHen des BLSV berichten ....... .

Völkerrechtlicher Schutz für BLSV-Helfer

"Erst wenn'. weh tut, denkt man an den

Doktor . • . " • Und wann denkt man an den

Luftschutz? ........................... .

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Herausgeber: Bundesluftacbutzverband, Köln

Chefredakteur: Frled. Walter Dinger, Redakteure: Helnrldl

Deurer, H8IU Sdloenenber,. alle in Köln, Merlostr. 10-14, Tel.

,. 01'1. Druclt und Verlag: MÜnchner Buchgewerbehaus GmbH,

München 13, SdlelUngstr. D-41, Tel. 22 13 6l. AnzeIgenverwaltung:

Münchner Buchgewerbehaus GmbH, München 13, Schelltn,str

. ........ 1. Tel. 22 1311. Für den Anzeigenteil verantwortlich:

O. Lederer. Z. Z. gUt Anzelgenprelsllste 2/D. Manuskripte und

BUder nur an die Redaktion. Bel Einsendungen Rückporto beltügen.

Für unverlangte Beltrlge keine Gewähr. - Photomechanische

vervlelflltlgungen für den innerbetrieblichen GebrauCh

nach Maßgabe des Rahmenabkommens zwisdlen dem Börsenverein

des Deutschen Buchhandels und dem Bundesverband der

Deutschen Industrie gestattet. Als Gebühr ist für jedes Blatt

eine Wertmarke von DM-.IO zu verwenden. - Diese Zeitschrift

erscheint monatlich. Einzelpreis je Heft DM 1.50 zuzügliCh Porto

(Osterreich: OS 10.-, Schweiz: Fr 1.70, Italien: L 250).

; Abonnement: vlerteljährllch DM •. 50 zuzüglich DM 0.09

V zustellgebühr. Bestellungen bel Jedem Postamt oder

"W belm Verlag.

&

BekanntmaChung gemlß I S, ZUI. 3 des Gesetzes über die Presse

vom 3. Oktober IIMI: Inhaber- und BetelUgungsverhältntsse der

Münchner Buchgewerbehaus GmbH: OUo Georg Königer, Verleger,

München, 50'/., Else Peitz, Kaulmannsgattin, München,

',375"., Elisabeth MeUler, Ehefrau, St. Quirin, 9,375'/., Charlolte

Cloppenburg, Kaufmannsgattin, Ennepetal-Milspe, 6,25"" ChrlsUne

Müller, München, 6,25'/1, Helmut Müller , Pilot, München,

1,25'1. , Oskar Müller, Prokurist, München, 6,25'1., Adol! Müller,

Ingenieur, München, 1,25'1 •.

Bisher hatte der Aufbau des Selbstschutzes der Bevölkerung in

den Städten auf Grund der Erfahrungen des Krieges Vorrang.

Das ländliche Gebiet war im zweiten Weltkriege verhältnismäßig

wenig gefährdet und erforderte nur geringe Schutz maßnahmen.

Diese Situation hat sich jedoch grundlegend geändert. Vor ollem

die Kernwaffen erfassen unter bestimmten Voraussetzungen

weite Gebiete außerhalb ihres direkten Wirkungsbereiches. Es

erscheint daher unerläBlich, zu prüfen, ob die Methoden und

Maßnahmen, wie sie bisher für den dichtbesiedelten Raum entwickelt

wurden, auf die Verhältnisse des ländlichen Gebietes

übertragen werden können,

Genauso wie die Kenntnisse über die Technik und ihre Gefahren

heute schon Allgemeingut der zivilisierten Menschheit geworden

sind, zwingt uns die Entwicklung der Atomkernenergie, uns mit

ihr zu befassen, ihre Gefahren kennenzulernen und jede mögliche

Maßnahme zu treffen, um sie zu verringern. Bei Anwendung

der Atomenergie zu friedlichen Zwecken ist der Schutz der Menschen

und ihrer Umwelt durch geset:r.lich vorgeschriebene Maßnahmen

gesichert. Anders ist es bei Katastrophen, die durch Anwendung

von Kernwaffen hervorgerufen werden. Der Schutz ist

dann weitgehend Sache jedes einzelnen; von öffentlichen Einrichtungen

können wir nur eine allgemeine Hilfe erwarten. Dies

gilt in ländlichen Gebieten vor ollem für die Gefahr, die durch

radioaktive Niederschläge entstehen könnte.

Darüber hinaus kommt in ländlichen Gebieten in einem möglichen

Verteidigungsfalle der Brandgefahr eine besondere Bedeutung

zu. Der Brand ist dynamisch und breitet sich je nach der

Brandempfindlichkeit des betroffenen Objektes und je nach der

Schlagkraft der Abwehr aus. Er fordert von ollen Schäden die

meisten Verluste on Menschenleben, Hab und Gut. Im zweiten

Weltkriege fielen dem Feuer 80% oller Luftkriegstoten zum

Opfer, und 75% der Gesamtschäden waren Brandschäden.

Weder die Druckwelle der Kernwaffen noch deren radioaktiver

Niederschlag noch die Kampfstoffwolke können wir bekämpfen.

Wir können uns zwar schützen, wir können retten, helfen und

heilen. Bekämpfen können wir nur den Brand, vorbeugend wie

abwehrend.

Und da jede für den Verteidigun~sfall sachgemäß vorbereitete

Brandschutzmaßnahme auch im Frieden nützen kann, sich gegebenenfalls

also doppelt auszahlt, kommt ihr eine erhöhte Bedeutung

zu. Besonders, weil die Brandschadenskurve in den beiden

letzten Jahren erschreckend anstie9, und weil die Landwirtschaft

mit teilweise über 50% -in Bayern Im Jahre 1959 sogar mit 61 %­

am Gesamtschaden beteiligt und damit schwer betroffen ist.

Alle diese Erwägungen haben den Bundesluftschutzverband veranlaßt,

erste praktische Erprobungen von Selbstschutzmaßnahmen

in ländlichen Gebieten durchzuführen. Die jahreszeitlich bedingten

Verhältnisse machen es erforderlich, solche Erprobungen

im Winter und im Sommer vorzunehmen. Dabei sind die la ndschaftlichen

Gegebenheiten und die unterschiedliche Struktur

landwirtschaftlicher Betriebe zu berücksichtigen.

Zunächst fand im norddeutschen Raum eine Erprobung im Rahmen

eines Außenlehrganges der Bundesschule des BLSV in der

Gemeinde Rastede (Kreis Ammerland) statt, zu der das Bundesministerium

für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Bundesamt

für zivilen Bevölkerungsschut:r., die Landesregierung Niedersachsen,

die landwirtschaftskammer Weser-Em5 und die

Landesbrandkasse Oldenburg Beobachter entsandt hatten. Die

Kreisverwaltung Ammerland und die Gemeinde Rastede waren

durch leitende Herren vertreten. Weitere Erprobungen sind s:leplant.

Uber die Ergebnisse werden wir zu einem späteren Zeitpunkt

berichten.

Die beiden hier (auf den Seiten 2-16) vorliegenden, ganz auf

den Selbstschutz in ländlichen Gebieten bezogenen privaten

Studien "Schut:r. geaen radioaktive Niederschläge" und "Brandschutz"

sollen der Einführung in den Fragenkomplex dienen.


Rudolf Häusler

Schutz

gegen radioaktiv~

Wal sind radioaktive Niederschläge

und wie kommt es dazu?

KernwaUenexplosionen haben drei verschiedene

WiTkungen:

Die Druckwelle, die Wärmestrahlung

und die Kernstrahlung (Radioaktivität).

Bei der Kernstrahlung müssen

wir außerdem die AnCangsstrahlung

(innerhalb 1 Min.) und die länger anhaltende

Rückstandsstrahlung unterscheiden.

Die Ursache der Kernstrahlung

liegt darin, daß bei der Explosion

künslJich Atomkerne erzeugt werden,

die alle energiereiche Strahlen aussenden.

Man nennt die künstlich erzeugten

Atomkerne Spaltprodukte. Daneben

gibt es auch andere "Strahler", die aber

eine untergeordnete Rolle spielen. Explodiert

eine Kernwaffe in der Luft,

dann gelangen die Spaltprodukte in große

Höhen, in denen sie unter Umständen

Jahre verbleiben können.

Bei Explosionen in der Nähe des Bodens

oder der Wasseroberfläche werden

große Mengen von Erdc oder Wasser

in die Höhe geschleudert. Dort verdichten

sich Erdstaub oder WasserLröpfchen

zu einer großen Wolke. An den durch

Neutroneneinfang radioaktiv gewordenen

Staubteilchen oder Wassertröpfchen

lagern sich außerdem die radioaktiven

Spaltprodukte an. Während

cin Teil der Erd- oder Wasserbestandteile,

an denen die Spaltprodukte haften,

in der Nähe des Explosionsortes

herunterkommt, wird die Wolke in

Windrichtung abgetrieben. Dabei fällt

der Staub je nach Sdlwere allmählich

aus der Wolke aus oder gelangt mit

atmosphärischen Niederschlägen (Regen,

Schnee) auf die Erde und kann in

einem Gebiet bis zu 200-300 km Längenausdehnung

zum Niederschlag kommen.

2

Wie lange Ist der radioaktive

Niederschlag gefährlich?

RadIoaktive Spaltprodukte einer KernwaITenexplosion

sind eine Misdlung

vieler Atomkernarten, die sich dadurch

unterscheiden, daß einige sehr kurze

Zeit, andere hingegen sehr lange Zeit

strahlen. Kurzzeitig strahlende Stoffe

strahlen stark. während StoITe, die längere

Zeit strahlen. immer schwädler

strahlen. Die einmal vorhandene Strahlungsstärke

in einem radioaktiven Niedcrsdllagsgebiet

bleibt nicht bestehen.

sondern klingt nach einer bestimmten

Regel ab. Diese Regel lautet: Versieben(acht

man das Alter des radioaktiven

Spaltprodukt-Gemisches, beginnend

vom Explosionszeitpunkt, dann geht

seine Strahlungsfähigkeit auf den zehnten

Teil zurück. Die Kenntnis dieser

Rcgel ist für das Verhalten der im NiedCl'schlagsgebiet

betroffenen Menschen

von außerordentlicher Bedeutung.

Warum Iit der radioaktive

Niederschlag gefährlich?

Die Strahlen, die durch die Spaltprodukte

ausgesandt werden, sind verschiedener

Art. Einige vermögen die

Haut gar nicht oder nur sehr geringfügig

zu durchdringen. Andere dagegen

durchdringen den ganzen Körper

und können zu schweren inneren Schäden

führen. Gelangen jedoch strahlende

StotTe, z. B. Spaltprodukte, in den

Körper, dann sind alle Strahlen, die

sie aussenden, von gleich schädlicher

Wirkung. Einige Spaltprodukte werden

zum Teil im Organismus festgehalten

und in bestimmten Organen, z. B. den

Knochen, abgelagert. Sie können sehr

lange im Körper verweilen und durch

eine Dauerbestrahlung schwere Krankheiten

hervorrufen. Radioaktive Strahler

können aut verschiedene Art und

Weise in den Körper gelangen l

und

zwar:

durch Einatmen,

durch Wasser- oder Nahrungsaufnahme,

durch offene Wunden.

Das richtige Verhalten im radioaktiven

Niederschlagsgebiet erfordert daher

zwei grundsätzliche Maßnahmen:

1. Schutz vor Strahlung, die Menschen

und Tiere von außen bedroht.

2. Verhinderung der Aufnahme radioaktiver

Stoffe (z. B. Spaltprodukte)

in unseren Körper oder in

den Körper der Tiere.

Kann man radioaktiven Niederschlag

erkennen und leine Strahlen

wahrnehmen?

Die Spaltprodukte selbst sind so winzig

klein, daß man sie auch mit dem

besten Mikroskop nicht sichtbar machen

kann. Nach einer Kernwaffenexplosion

ist aber jeder sichtbare Staub,

jeder Regen oder Schneefall verdächtig,

weil an diesen Niederschlägen die

Strahler haften können. Kernstrahlen

sind ebenfalls durch menschliche Sinnesorgane

nicht wahrzunehmen. Man

kann sie weder sehen noch riechen,

schmecken oder fühlen. Der Nachweis

der Strahlen bzw. das Messen der

StrahJenstärke ist nur mit besonderen

Geräten möglich.

Ist eine rechtzeitige Warnung vor

radioaktiven Niederschlägen

möglich?

Da die Frage, ob es sich bel einer Kernwaffenexplosion

um eine Luft- oder

Bodenexplosion handelt, für das Erwarten

radioaktiver Niederschläge von


-

iederschl age

••

Bedeutung ist, sei auf folgendes hingewiesen:

Der durch die Luftexplosion hervorgerufene

typische Wolkenpilz sieht bei

frontaler Beleuchtung durch die Sonne

weiß aus, während er bei einer Bodenexplosion

intolge des Staubes, der hochgeschleudert

wurde, dunkel erscheint.

Die Warnung vor radioaktiven Niederschlägen

erfolgt durch die örtlichen

Alarmeinrichtungen. Darüber hinaus

werden durch die Rundfunksender

ständig Mitteilungen über die Ausbreitung

der Gefahr für das wahrsdleinlieh

betroffene Gebiet gegeben werden.

Je weiter ein Ort vom eigentlichen

Explosionszentrum entfernt liegt,

desto mehr Zeit verbleibt den Bewohnern,

um die letzten Schutzvorkehrungen

zu treffen.

Kann man dIe Kernstrahlung

abschIrmen?

Die stärkste Kernstrahlung ähnelt der

uns allen bekannten Röntgenstrahlung.

Von ihr wissen wir, daß sie jede Materie

zu durchdringen vermag. Wir wissen

aber auch, daß sich die "Röntgenschwester"

oder der "Röntgenarzt"

durch Bleischürzen bzw. Bleihandschuhe

gegen die Strahlung schützen. Das gleiche

müssen wir tun. Der Grundsatz für

jede Strahlungsabschirmung lautet:

Jede Materie schirmt die Strahlung

mehr oder weniger ab. Je dichter, also

je schwerer der Stoff ist, den wir zur

Abschirmung gebrauchen, desto größer

ist der Schutz. Im Niederschlagsgebiet

wird die Kernstrahlung bei oberirdischen

Räumen durch etwa 25 cm Beton

oder 25 cm gestampfte Erde auf

Ilto ihrer ursprünglichen Stärke abgeschirmt.

Entsprechend der Abschirmungsfähigkeit

von bestimmten Stoffen

spricht man von ihrem "Schutzfak-

tor". 40 cm Ziegelmauer oder die genannten

Werte von Beton oder Erde

ergeben bei oberirdischen Räumen den

Schutzfaktor 10, die doppelten Dicken

der Stoffe den Schutzfaktor 100. In

Kellerräumen ist wegen ihrer teilweise

unterirdischen Lage der Schutzfaktor

im allgemeinen höher. Daher kann im

normalen Keller ein Schutzfaktor 100

auch dann schon erreicht werden, wenn

die Umfassungsbauteile weit weniger

als 80 cm (Ziegelmauer) oder 50 cm

(Beton) dick sind.

Welche vorbereItenden Maßnahmen

sInd für den Schutz gegen dIe Kernstrahlung

Im radIoaktIven NIederschlagsgeblet

notwendIg?

a) Schutz des Menschen

Aufenthaltsraum (Schutzraum)

Frühzeitig den Raum feststellen, der

den größten Schutzfaktor hat. Dafür

kommen in erster Linie voll unterirdische

Räume in Frage. Wenn kein

geeigneter Keller vorhanden ist, kann

im Notfall ein Innenraum des Hauses

im Erdgeschaß als Aufenthaltsraum bestimmt

werden. Sind die Außen mauern

des Hauses nicht dick g~nug, dann können

Sandsäcke oder eine 50 cm dicke

Wand aus Rasenziegeln, die mindestens

1,50 m hoch sein soll, den Schutzfaktor

erheblich erhöhen. Der Schutzfaktor

des Aufenthaltsraumes (Schutzraumes)

kann außerdem verbessert werden,

wenn auf der Decke des Aufenthaltsraumes

- soweit ihre Tragfähigkeit

das gestattet - Sandsackpackungen,

Sandschüttungen oder Mauerziegellagen

aufgebracht werden. Fenster und

Türen müssen soweit wie möglich

staubdicht gemacht werden. Sind die

Fenster niedriger als 1,50 m unterkant

Nach Kernexplosionen in Badenn Cihe wird

eine mit radioa ktiven Partikeln geladene

Wolke in der Windrichtung abgetrieben.

über dem Erdboden, dann müssen sie

mit Sandsäcken geschützt werden. Das

gleiche gilt für Türen, die nach außen

führen. Gänge, die zu den Ställen führen,

sollten auf dieselbe Art und Weise

geschützt werden.

über Belüftungsmöglichkeiten wird an

anderer Stelle mehr gesagt werden.

Eine Filterung der Atemluft ist unbedingt

erforderlich. Ein Grobsandfilter

ist dabei zweckmäßig und wirtschaftlich.

Eineinhalb (li/tl Kubikmeter umbauter

Raum, der mit Grobsand in

einer Körnung von 1-3 mrn gefüllt ist

und durch den mittels eines Saugbalges

gefilterte Außenluft in den Aufenthaltsraum

gepumpt wird, gewährleistet

eine ausreichende Belüftung.

EinTichtung des Aufenthalts- bzw.

Schutzraumes

Den so geschaffenen "Schutzraum" für

einen Daueraufenthalt von 2-3 Wochen

einrichten. Dazu gehören: Liegemöglichkeiten

für die Hälfte der voraussichtlichen

Insassen. Sanitäre Einrichtungen,

die soweit wie möglich

strahlengeschützt sein müssen, wenn sie

außerhalb des Raumes liegen. Ein Vorrat

von Lebensmittelkonserven für 2

bis 3 Wochen entsprechend der Belegungsstärke

des Raumes. Staubdichte

Verpackungsmöglichkeiten für andere

notwendige Lebensmittel. Ein genügend

großer, staubdichter Behälter für

Trink- und das notwendigste Waschwasser.

Eine Hausapotheke. Zweckmäßiges

Notgepäck wie: Ersatzbekleidung

einschließlich Unterwäsche, Schuhe, Re-

3


I,. ein kurueitig .. Verlos,en des geschützten Roumn magUch. 10

muB yenuch •• erden, den radioaktiven Staub sowei. wie möglich

yon Wohnhaus, Ställen und der nähe ..... Umgebung KU .ntfemen.

genumhang (möglichst mit Kapuze),

Wolldecken und Handtücher. Staubdicht

verpackte Lebensmittel für mindestens

2 Tage. Leichtes, unzerbrechliches Eßgeschirr

(Kunststoff). Wichtige persönliche

Papiere, Verbandszeug, Taschenlampe,

Seife und notwendige Utensilien

für Körperpflege.

Arbeitsbekteidung, Atemschutz:

Arbeitsbekleidung sicherstellen, die eine

glatte Außenfläche hat. Am besten eignen

sich. dafür gummierte Regenmäntel

mit Kapuzen. Dazu gehören auch

Gummistiefel und Handschuhe. Einen

Raum mit einem festen staubdichten

Behälter bestimmen, in dem die Arbeitsbekleidung

nach der Arbeit aufbewahrt

werden muß. Der für die Menschen

bestimmte "Sdlutzraum" darf

nur in völlig sauberer Bekleidung betreten

werden. Der Wechsel der Außenbekleidung

ist nach jeder Arbeit außerhalb

dieses Raumes notwendig. Sind

keine Schutzmasken vorhanden, dann

muß ein behelfsmäßiger Atemschutz

aus mehrfachen Schichten von Leinen

vorher gefertigt werden (muß vor Gebraudl

feucht gemadlt werden). Bänder

zum Befestigen über den Ohren

sind daran anzubringen, damit man

die Hände zur Arbeit frei hat.

Nachrichtenempfang

Um jederzeit Rundfunknachrichten

empfangen zu können, muß der Empfang

im "Schutzraum U

vorher sichergestellt

werden. Am besten eignet sich dazu

ein Gerät, das vom Netzstrom unabhängig

ist (Batterieempfänger).

b) Schutz der Tiere

Ställe

Ställe, in denen sich die Tiere aufhalten

sollen, müssen im Prinzip genauso

geschützt werden wie der Aufenthaltsraum

der Menschen. Deshalb gilt das

oben Gesagte sinngemäß. Natürlidl

braucht man die etwa notwendige

Sdlutzwand, z. B. bei Schweinen, nicht

so hoch zu bauen. Man denke aber daran,

daß die Tiere auch gefüttert werden

müssen und daß dann der Schutz des

Menschen wieder notwendig wird. Auf

jeden Fall muß äußerste Sorgfalt darauf

gelegt werden, daß Stäl1e weitgehend

staubdicht gemacht werden. Auch

Melkräume müssen einen guten Schutzfaktor

haben.

Wasserbevorratung

Brunnen müssen staubdicht abgedeckt

sein. Außerdem ist darauf zu achten,

daß kein verschmutztes Wasser von

außen hineinfließen kann. Sind keine

Brunnen vorhanden, dann müssen in

den Ställen Wasserbehälter aufgestellt

werden, die abzudecken sind. Sie sollten

den Wasserverbrauch für wenigstens

einige Tage decken. Das Leitungswasser

wird im Falle eines Notstandes nicht

immer brauchbar sein, weil es radioaktive

Spaltprodukte enthalten kann.

Nach Möglichkeit sind in den Ställen

Wasserpumpcn anzulegen.

Weidevieh

Für den Fall, daß ein Notstand während

der Sommermonate eintritt und

sich mehr Rindvieh auf den Weiden befindet

als normalerweise in den vorhandenen

Ställen untergebracht werden

kann, sollten vorher alle verfügbaren

Unterstellräume der Gemeinde

4


für diesen Fall vorgesehen und hinsichtlich

der Futter- und Wasservorräte

dafür eingerichtet werden. Sind

längere Zeiten zum Eintreiben des Viehes

notwendig, dann können Feldscheunen

als Unterstellraum vorgesehen

werden, die mit zusätzlich aufgestellten

Strohballenwänden einen einigermaßen

guten Staubschutz abgeben.

Im Notfall ist der Blätterschutz eines

Laubwaldes geeignet, die Tiere vor der

schlimmsten Verschmutzung durch radioaktiven

Staub zu bewahren. Entsprechende

vorbereitende Maßnahmen

wie eine einfache Einzäunung und überdachte

Futter- bzw. Wasserstellen sind

auch hier erforderlich. Alle derartigen

Möglichkeiten müssen durch Absprache

aller beteiligten Landwirte der Gemeinde

vorher festgelegt werden.

Saatgut, Dünger und Futtermittel

Vorratsräume für Saatgut, Dünge- und

Futtermittel müssen rechtzeitig staubdicht

gemacht werden. Ein anderweitiger

Schutz ist nicht notwendig. Um

Futtermittel, die nicht in Silos, Scheunen

und anderen geschlossenen Räumen

gelagert sind, gegen die Verschmutzung

durch radioaktiven Staub

zu schützen, sollten Abdeckplanen aus

glattwandigem, abwaschbarem Kunststoff

bereitgehalten werden.

Maschinen und Geräte

Maschinen und Geräte müssen weitgehend

so untergebracht werden, daß sie

vor radioaktivem Staub geschützt sind.

Hier genügen ebenfalls Abdeckplanen,

wenn nicht genügend abgeschlossener

Raum vorhanden ist. Entsprechende

Vorbereitungen werden auch hier notwendig

sein.

Was Ist bel Uberraschung durch

radioaktiven Staub zu tun?

Unter Umständen kann der radioaktive

Niederschlag die Landbevölkerung bei

der Feldarbeit überraschen. In einem

solchen Falle ist es notwendig, auf dem

schnellsten Wege ins eigene Haus zurückzukehren.

Man denke daran, daß

dort jede Kraft gebraucht wird und

daß andere Familien bei einem längeren

Aufenthalt zusätzlicher Personen

aus Raummangel in eine schwierige

Lage kommen können. Auf dem Heimwege

muß versucht werden, sich soweit

wie möglich vor direkter Berührung

durch radioaktiven Staub oder Regen

zu schützen. Eine übergeworfene Decke,

Zeltplane, ja ein Sack helfen schon.

Die Atemorgane können durch ein vorgehaltenes

feuchtes Taschentuch geschützt

werden. Offene Wunden müssen

dicht verbunden sein. Im Haus angekommen,

ist es notwendig, sofort den

ganzen Körper gründlich zu reinigen.

Am besten baden. Auch eine Haarwäsche

gehört dazu. An das Säubern

der Fingernägel denken! Abgelegte Bekleidung

in den dafür vorgesehenen

Behälter tun. Am besten außer halb des

Hauses unterbringen, um sie, wenn notwendig,

später zu vergraben bzw. zu

vernichten.

Merke: Radioaktivität läßt sich nicht

durch Kochen oder andere Mittel vernichten.

Es ist nur möglich, sie mechanisch

zu beseitigen, d. h. von einer

Stelle zur anderen zu verlagern, also

dorthin, wo die Strahlen den Menschen

oder das Vieh nicht mehr erreichen.

Was Ist bel Warnung und während

der ersten Zelt des radioaktiven

Niederschlages zu beachten?

Gewöhnlich wird zwischen der ersten

Warnung und der eigentlichen Alarmierung

noch Zeit sein, die letzten Vorbereitungen

zu treffen. Die Bewohner

des Hauses sollten vorher nach einem

einfachen Plan so eingeteilt werden,

daß jeder einen bestimmten Auftrag

zur überprüfung und Vervollständigung

der letzten Maßnahmen hat.

Die Sicherheit des Menschen steht dabei

immer an erster Stelle. Folgende

Fragen sollte man sich noch einmal

stellen: Ist für genügend Lebensmittel

gesorgt? Sind diese staubdicht verpackt

und untergebracht? Sind frisches Wasser

und andere Erfrischungsgetränke

im Aufenthaltsraum, sind di~ Behälter

gut verschlossen? Ist ausreichend Bekleidung

im Aufenthaltsraum? Auch

die Arbeitsbekleidung gehört dazu. Regenmäntel,

Handschuhe, evtl. Hüte

nicht vergessen. Sind offene Wunden

dicht verbunden? Ist Selbstschutzgerät

für Rettung und Brandschutz im Aufenthaltsraum?

Sind Fenster und Türen

staubdicht verschlossen? Ist ein Rundfunkgerät

vorhanden? Ist das Notgepäck

sofort zur Hand?

Ist alles für die Unterbringung und

Versorgung der Tiere getan? Sind alle

Tiere im Stall?

Auch alles Federvieh? Sind die Milchkühe

gemolken? Man bringt sie am besten

mit den Kälbern zusammen unter.

Sollten die Kühe zwei Tage nicht

gemolken werden können, dann lindern

die saugenden Kälber ihre Schmerzen.

Allen Tieren nicht zuviel und nicht zu

kräftiges Futter geben, Milchkühen am

besten nur Stroh. Die Tränkmöglichkeiten

sollen vor allem bei Milchkühen

eingeschränkt werden. Zusammenfassend

soll alles getan werden, um die

Not der Tiere zu lindern. In erster Linie

gilt es, sie am Leben zu erhalten.

Ist die spätere Wasser- und Futterversorgung

sichergestellt? Sind die Brunnen

abgedeckt? Sind Scheunen, Futterund

sonstige Vorratskammern abgeschlossen

und soweit wie möglich staubdicht?

Sind Maschinen und Geräte unter

Dach bzw. abgedeckt?

Mit der Alannierung beginnt für Menschen

und Tiere die Zeit der größten

Gefahr. Jetzt sollte in den nächsten

Stunden nicht gegessen, getrunken und

nicht geraucht werden, um die Aufnahme

radioaktiver Strahler weitgehend

zu venneiden. Man denke daran:

Schon nach einigen Stunden ist die Gefahr

wesentlich geringer. 28 Stunden

nach der Explosion ist die Strahlungsfähigkeit

der Strahler zehnmal geringer

als vier Stunden nach der Explosion der

Bombe. Durch den Rundfunk werden

wahrscheinlich laufend Verhaltungsmaßnahmen

gegeben werden. Sie müssen

alle strengstens befolgt werden.

Sind Merkblätter über das Verhalten

im radioaktiven Niederschlagsgebiet

vorhanden, so sollten sie von jetzt ab

grundsätzlich zu Rate gezogen werden.

Eine Filte rung der Atemluft ist unbedingt erforderlich.

Besonders zweckmäßig und wirtschaftlich

ist dabei immer ein GrobsandflIter.

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Jede Materie schi rmt die Strahlung ab. Je

dichter, also sch we re r, de r zur Abschirmung

benutzte Stoff ist, um so gröBer ist der SchUh:.

Frühzeitig gilt es festzustellen, welcher Raum

den größten Schunfaktor hat. In erster linie

kommen dafür wohl die Kellerröume in Frage.


In vielen landwirtschaftlichen Betrieben sind zur Säuberung des Viehes Staubsauger

vorhanden, die auch zur Beseitigung radioaktiven Staubes verwendet

werden können. Tiere, die mit radiooktivem Staub in Berührung gekommen

sind, müssen in jedem Falle so schnell wie möglich davon befreit werden.

Wann kann der geschützte

Aufenthaltsraum yerlassen werden?

Der Aufenthalt in einem geschützten

Raum kann bis zu mehreren Tagen

notwendig werden. Das bedeutet jedoch

nicht, daß ein kurzzeitiges Verlassen

des Raumes überhaupt nicht möglich

ist. 24 Stunden nach der Explosion

können die notwendigsten Arbeiten wie

Füttern und Tränken der Tiere sdlOn

vorgenommen werden. Es muß aber

alles so schnell wie möglich geschehen.

Je später man einen strahJengefährdeten

Raum betritt, desto länger kann

man sich darin aufhalten. Die eigentliche

Entwarnung kann, wie gesagt,

sehr lange auf sich warten lassen. Man

werde aber nicht ungeduldig, sondern

denke daran, daß erst Sicherheit für

Menschen und Tiere gegeben sein muß,

bevor entwarnt werden kann. Die

äußerliche Ruhe ist ein Trugbild, durch

das man sich nicht täuschen lassen

dart.

Wann und wie soll ein geschUtzter

Aufenthaltsraum gelUftet werden?

Die beste und sicherste SdlUtzbelüftung

gewährleistet ein vorsdlriftsmä­

Cig eingebautes Grobsandfilter, das in

seinen wesentlichen Merkmalen bereits

oben beschrieben worden ist. Wenn

keine Schutzbelüftung vorhanden ist,

muß mit dem Lüften von Aufenthaltsräumen

für Menschen und Tiere

so lange gewartet werden. bis sich

der größte Teil der radioaktiven Staubteilchen,

etwa sechs Stunden nach Beginn

des Niederschlages, am Boden abgesetzt

hat. Wenn gelüftet wird, dann

keine Zugluft entstehen lassen I Nur

immer ein Fenster oder eine Tür öffnen,

die auf der dem Wind abgekehrten

Seite liegen müssen. Grundsatz:

Bei jeder Lüftung darauf achten, daß

so wenig Staub wie möglich in den

Schutzraum kommt. Dabei daran denken,

daß es sich nicht immer um sichtbare

Staubmengen zu handeln braucht.

Nach dem Lüften den Aufenthaltsraum

reinigen. Staubsauger gebrauchen.

Schmutz nicht im Raum aufbewahren,

sondern ins Freie bringen.

Wie kann man die Gefahr der radioaktlyen

Bestrahlung von Mensch und

Tier yermlndern?

Frühestens nach 24 Stunden wird es

möglich sein, den Aufenthaltsraum

kurzfristig zu verlassen. Die Luttschutzführungsstellen

werden diese Lage über

die Rundfunksender bekanntgeben.

Neben der Versorgung der Tiere muß

jetzt versucht werden, den radioaktiven

Staub soweit wiemögHch von Wohnhaus,

Ställen und der näheren Umgebung

zu entfernen. Dort, wo die Wasserleitung

intakt ist, geschieht das

durch gründliches Abspritzen der Dächer,

Wände, Fenster, Türen, Hofplätze

und Wege. Es muß aber für eine gute

Ableitung des Schmutzwassers gesorgt

werden, denn in ihm sammeln sich die

radioaktiven Strahler und bedeuten

eine intensive Strahlenquelle. Die

Durchführung der Arbeiten muß mit

äußerster Sorgfalt und Vorsicht geschehen.

Auf keinen Fall darf das

Schmutzwasser mit der Haut in Berührung

kommen. Nur die schon erwähnte

6


abwaschbare Schulzbekleidung kann

dabei getragen werden. Auch der Atemsdtutz

ist notwendig. Hinterher wieder

gründlich waschen bzw. baden. An

Säuberung und sidtere Unterbringung

der Arbeitsbekleidung denken!

WIe sollen Haustiere, dIe mIt radIoaktIvem

NIederschlag In Berührung

gekommen sInd, behandelt werden?

Tiere, die mit radioaktivem Staub in

Berührung gekommen sind, müssen

unter Beadttung aller Schutzmaßnahmen

für den Menschen gründlich gewaschen

werden. Man stellt sie dazu

am besten auf Sandboden, damit das

Schmutzwasser versickern kann. Langhaarige

Tiere müssen vorher geschoren

und das geschorene Haar vergraben

werden. Wolle kann so lange sicher

gelagert werden, bis die Radioaktivität

abgeklungen ist. Sind die Tiere

von außen stark bestrahlt worden oder

haben sie radioaktiven Staub in ihren

Körper aufgenommen, dann können

sie erkranken. Die Strahlenkrankheit

äußert sich in einer ersten Krankheitsphase

in Störungen des Allgemeinbefindens,

wie Teilnahmslosigkeit und

Freßunlust. Nach einer Zeit von wenigen

Tagen bis zu drei Wochen, in der

sich diese Symptome weniger deutlich

zeigen, treten in der zweiten Krankheitsphase

Fieber, Magen- und Darmstörungen,

Neigung zu Blutungen und

infektiöse Komplikationen auf. Je nachdem

kann jedoch auch schon in der ersten

Krankheitsphase der Tod eintreten.

Ein Mittel zur Behandlung dieser

Tiere gibt es nidlt. Vor jeder Schlachtung

ist entsprechend den gesetzlichen

Bestimmungen nach Möglichkeit ein

Tierarzt zur Lebenduntersuchung hinzuzuziehen.

Wird ein solches Tier geschlachtet,

so muß das Fleisch gründlich

untersucht werden, weil durch die Strahlenschäden

u. U. krankheitserregende

Bakterien vom Darm her in das Fleisch

der Tiere gelangen können. Tiere, die an

einer Strahlenkrankheit eingehen, müssen

an abgelegener Stelle vergraben werden.

Bei Großvieh ist in jedem Falle die

Entscheidung der zuständigen Behörde

einzuholen.

Was Ist bel der MIlchverwertung

zu beachten?

Milch von Kühen, die in einem gut geschützten

Stall untergebracht waren

und bei denen anzunehmen ist, daß

sie keinen oder nur geringfügigen Niederschlag

in ihrem Körper aufgenommen

haben, ist höchstwahrscheinlich

für die menschliche Ernährung bald

verwertbar. Eine vorherige Untersuchung

ist in jedem Falle notwendig.

Bei Kühen, die dem Niederschlag stärker

ausgesetzt waren bzw. die durch

Niederschlag verschmutztes Futter oder

Wasser aufgenommen haben, ist die

Milch zunächst nicht zu gebrauchen.

Das ändert sich mit der Zeit, wenn

die Tiere reines Futter bzw. Wasser erhalten.

Eine ständige Untersudlung der

Milch ist also erforderlidl, vor allem

auch, weil ein Teil der aufgenommenen

radioaktiven Substanzen mit der

Milch ausgesdlieden werden kann. Werden

Kühe gemolken, so ist äußerste

Sauberkeit geboten. Das Euter muß

vorher gewaschen werden, ebenso alle

Geräte, die zum Melkvorgang gehören.

Auch dabei an den eigenen Schutz denken:

Handsdluhe benutzen und die

vorgeschriebene Kleidung tragen. Hinterher

auch die Kleidung säubern.

Weist die Milch nadl der Untersuchung

radioaktive Bestandteile auf oder ist

eine sofortige Untersuchung nicht möglich,

dann darf sie nicht vernichtet werden.

Es ist bereits darauf hingewiesen

worden, daß die Radioaktivität mit der

Zeit abklingt. Deshalb ist die Verarbeitung

solcher Milch zu Butter und

Käse möglich. Derartige Milcherzeugnisse

müssen so lange gelagert werden,

bis sie nach Abklingen der Radioaktivität

der menschlichen Ernährung zugeführt

werden können. Voll- oder Magermilch

kann erst dann zum Füttern

von Jungtieren und Schweinen verbraucht

werden, wenn die Radioaktivität

abgeklungen ist.

Was Ist bel der Verwertung von

EIern zu beachten?

Eiez:, die von Geflügel stammen, das

sich während des Niederschlages in

einem staubdichten Raum aufgehalten

hat und das mit "sauberem" Futter

gefüttert wurde, sind sofort genießbar.

Alle anderen Eier sollten in Wasserglas

gelegt und erst nach einer Untersuchung

gegessen werden. Im allgemeinen

werden Eiweiß und Eidotter

kaum radioaktive Bestandteile aufweisen.

Dagegen werden bestimmte radioaktive

Stoffe (Strontium 90) fast immer

in den Eierschaien vorhanden sein.

Sie müssen gut vergraben werden. Eier

vor Gebrauch gründlich abwaschen.

Können Pflanzen und pflanzliche Produkte

nach dem radIoaktIven NIederschlag

zur Ernährung von Mensch

und Tier verwertet werden?

a) Geerntete und erntereife Produkte

Pflanzen nehmen über die Blätter und

in geringem Maße über die Wurzeln

radioaktives Material auf. Pflanzen, die

während ihrer Wachstumsperiode in

einem radioaktiven Niederschlagsgebiet

waren, sollten daher erst nach Untersuchung

verwendet werden. Pflanzliche

Produkte sind unbedenklich verwendbar,

wenn sie vor Regen geschützt und

staubdicht aufbewahrt werden.

Kartoffeln und Wurzelgemüse

Grundsätzlich können derartige Produkte,

auch bei äußerer radioaktiver

Verschrnutzung, wenn sie geerntet waren,

für die Ernährung von Mensch

und Tier verwertet werden. Gründliches

Waschen, am besten Schälen, ist

aber erforderlich. Sind Kartoffeln und

Wurzelgemüse erntereif, d. h. war ihr

Wachstum im Zeitpunkt des Niederschlags

weitgehend beendet, dann besteht

nur geringfügig die Möglichkeit,

daß sie radioaktive Stoffe enthalten.

Eine Untersuchung ist notwendig. Durch

Lagerung vermindert sich die Gefahr,

so daß diese Produkte später verwertbar

sind.

Maschinen und Geräte müssen so unterge·

bracht sein, daß sie vor radioaktivem Staub

geschützt sind. Zur Not durch Abdeckplanen.

Ställe, in denen sich Tiere aufhalten, müs.

sen im Prinzip genauso geschützt werden

wi e di e Aufenthaltsröume von Menschen.

Sind längere Zeiten zum Eintreiben des

Vi ehes notwendig, können Feldscheunen

als Unterstell rä ume dienen, di e mit zu·

sötzlich aufgestellten Strohballenwönden

einen recht guten Staubschutz abgeben.

7


'flUNKEN!

In den ersten Stunden nach der Alannierung

besteht die gröBt. Gefahr. Es sollt8 weder

gegessen, getrunken noch geraucht werden.

Wenn die Wasserleitung intakt ist, sollt.

man den radioaktiven Staub so bald wie möglich

von Dächern, Wönden usw. abspritzen.

Gemüse

Jedes Gemücc, das z. Zt. des Niederschlages

geerntet und staubdicht untergebracht

war, ist verwertbar.

Äußerste Vorsicht ist bei Gemüse geboten,

das durch radioaktiven Staub

verschmutzt wurde. Wenn es notwendig

werden sollte, solches Gemüse oder

Obst zu essen, ist folgendes zu beamten:

Bei Kohl, Rosenkohl oder Salat sind

nur die feslen Kerne verwertbar. Alle

äußeren Blätter sind radioaktiv verschmutzt.

Sie müssen entfernt, sorgfältig

gesammelt und vergraben werden.

Erbsen und Bohnen sind außer ihren

Schoten genießbar. Die Schoten sind

ebenfalls sorgfältig zu sammeln und

zu vergraben. Dickschaliges Obst kann

auch bei radioaktiver Verschmutzung

nam sorgfältigem Waschen und Schälen

gegessen werden, wenn die Smale

vor der Ernte unverletzt gewesen ist.

Dünnschaliges Obst wie Kirsmen. Beeren

und dergl. wird man meistens

nicht reinigen können, ohne die Schale

zu verletzen. Auf seine Verwertung

muß daher verzichtet werden.

Getreide

Staubdicht gelagertes Getreide ist zu

jedem Zweck zu verwerten. Stand Getreide

während des radioaktiven Niedersmlages

auf dem Halm, so muß mit

seiner Ernte so lange wie möglich gewartet

werden. Auch nach Ernte und

Drusch ist eine längere Lagerung nowendig.

In jedem Falle muß soldles Getreide

nach der Ernte und vor einer

Venvertung für Mensch und Tier untersucht

werden. Ist Getreide nach dem

Schnitt in Schobern oder offenen Feldscheunen

durdl. radioaktiven Staub

oder Regen verschmutzt worden, so

müssen die äußeren Schichten entfernt

und vernichtet werden. Nach dem Drusdl

des verbliebenen Getreides ist wie vorher

angegeben zu verfahren.

Heu

War Heu während des radioaktiven

Niederschlages nimt staubdicht untergebracht

oder abgedeckt, so kann im

Notfall die äußere am stärksten verschmutzte

Schicht entfernt und vernichtet

werden. Das verbleibende Heu wird

geringere Bestandteile radioaktiver

Stoffe aufweisen und kann bei ausgesprochenem

Futtermangel verfüttert

werden. Milchkühe sollen aber, wenn

irgend möglich, nur mit gesmützt gewesenem

Futter versorgt werden. Bei

Schlachtvieh bestehen dann keine Bedenken,

wenn die betreffenden Tipre

innerhalb weniger Tage geschladltet

werden. Man denke aber auch hier daran:

Je länger das Heu nach der radio-

Oben links : Haustiere, di e radioaktiven Staub

abbekam mon haben, müssen unter Beachtung

oller Schuh:maßnahmen für den Menschen

gründlich gewaschen werden. Unten: Milch

von Kühen, die keinen oder nur gering ~

fügigen Niederschlag in ihren Körper ouf~

genommen haben, ist höchstwahrscheinlich

für die menschliche Ernährung bald wieder

verwertbar. Eine vorherige Untersuchung ist

jedoch in jedem Falle dringend erforderlich.

B

aktiven Verschmutzung liegenbleibt,

desto ungeCährlicher wird seine Verfütterung.

b) Pflanzen während d er Zeit ihres

\ Vachstums

AUoemeine Merkmale

Pflanzen, die nach einem radioaktiven

Niederschlag längere Zeit weiterwachsen,

können hinsichtlich ihrer Verwertung

aus zweierlei Gründen unbrauchbar

sein:

1. Ihre äußere Verschrnutzung durch

radioaktive Stoffe läßt sich aum durch

saubere Niederschläge wie Regen nimt

ganz beseitigen, weil die Blätter die

radioaktiven Bestandteile zum Teil aufsaugen.

2. Radioaktiver Staub, der in die Erde

eindringt, wird z. T. durm das Wurzelsystem

der Pflanze selbst aufgenommen.

Die Menge der durch die Pflanzen

aufgenommenen radioaktiven Stoffe

ist stark abhängig von der Bodenbeschaffenheit.

Bei leichtem, sandigem

Boden muß mit starker radioaktiver

Verunreinigung der Pflanzen gerechnet

werden, während sie bei schwerem, kalkreimern

Boden geringer sein wird.

Weiden

Weideland ist ohne besondere Bearbeitung

nicht mehr brauchbar, wenn es

einem schweren radioaktiven Niederschlag

ausgesetzt war. Schlachtvieh

kann jedoch bei FuUennangel bald geweidet

werden, wenn die betreffenden

Tiere innerhalb weniger Tage geschlachtet

und wenn nach dem Schlachten

die bereits erwähnten Vorsichtsmaßnahmen

beachtet werden.

Schutz des Menschen bei der Ernte

Acker und Weide sollen durdl Mensdlen

für längere Zeit erst dann betreten

werden, wenn die Radioaktivität

weitgehend abgeklungen ist. Das kann

unter Umständen 14 Tage und länger

dauern. Eine Feststellung der Strahlungsstärke

durch die behördliche Einrichtung

des Strahlennachweis- und

-meßdienstes sollte abgewartet werden.

Auf jeden Fall wird die Beachtung der

Schutzmaßnahmen, vor allem der Atemschutz,

noch tur längere Zeit notwendig

sein. Auch bei der Bearbeitung von

Ernteerträgen sind alle Schutzmaßnahmen

zu treffen.

Wann Ist Wasser offener Gewässer

nach einem radioaktiven Nlederschlaq

als Trlnk- und Tränkwasser

wieder brauchbar?

Brunnenwasser ist wahrsmeinlich ungefährlich,

wenn der Brunnen abgedeckt

war und der Wasserspiegel mindestens

1 munter Erdgleiche liegt.

Ebenso wird Quellwasser am Berghang

bald zu genießen sein, wenn es an Ort

und Stelle geschöpft wird. Regenwasser

soll grundsätzlich in den ersten

Wochen nach dem Niederschlag weder

für Mensdlen noch für Tiere aufgefangen

und verbraucht werden. Jedes Oberflächen

wasser aus Flüssen, Bächen und

Teimen ist längere Zeit nach einem

radioaktiven NiedersdJ.lag unbraudlbar.

Vor allem bei fließenden Gewäs-


sern ist eine großräumige überprüfung

notwendig, ehe das Wasser für irgendeine

Verwendung freigegeben werden

kann. Im Notfall kann Vieh, das einem

starken Niederschlag ausgesetzt war,

mit solchem Wasser gewaschen werden.

Die radioaktive Verschmutzung des

Wassers wird geringer, wenn man es

vorher über einen Sand filter laufen

läßt.

Hat die radioaktive Strahlung eine

Wirkung auf die Aufzucht von Tieren?

Auf diese Frage gibt es keine sichere

Antwort. Es ist nur möglich, allgemeine

Hinweise und Empfehlungen zu geben.

Gewöhnlich werden männliche

Tiere, die einen Strahlungsschaden

haben, der nicht immer sichtbar sein

muß, einige Wochen nach der Bestrahlung

wieder fortpflanzungsfähig sein.

Allgemein sollte bei der Verwendung

solcher Tiere zur Aufzucht bis einige

Wochen nach der Bestrahlung gewartet

werden. Wird das Tier nicht ernstlich

krank, ist anzunehmen, daß es zur

Aufzucht weiter geeignet ist. Es ist

aber auch möglich, daß solche Tiere ein

ganzes Jahr steril bleiben. Im Hinblick

auf strahleninduzierte Erbschäden sollten

strahlengeschädigte Zuchttiere zu

Zuchtzwecken nicht mehr benutzt werden.

Weibliche Tiere, die einer starken

Strahlung ausgesetzt waren, können

unfruchtbar sein und bleiben. Zusammenfassend

kann nur gesagt werden,

daß eine Aufzucht mit strahlengeschädigten

Tieren weitgehend vermieden

werden solL Im übrigen werden in dieser

Hinsicht die Behörden klare Weisungen

geben, so daß sich eine weitere

Erörterung dieser Frage erübrigt.

Die Aufzucht von Federvieh durch

Eier, die von strahlengeschädigten Tieren

stammen, ist durchaus möglich.

Andererseits sollten auch hier Eier von

einwandfrei gesunden Tieren vorzuziehen

sein.

Alle Gegenstände, die man während der Zeit des radioaktiven Niederschlages nicht unterstell

en oder aber abdecken konnte, gilt es später mit der allergrößten Sorgfalt zu reinigen.

Kartoffeln und Wurzelgemüse können auch bei äußerer radioaktive r Verschmutzung für die

Ernährung ve rwertet werden. Sorgsames Waschen, am beslen Schälen, ist aber erforderlich.

Staubdicht gelagertes Getreide ist zu jedem Zweck zu gebrauchen. Weitere Einzelheiten

über die Verwertbarkeit von landwirtschaftlichen Produkten schildert unser Berichl.

Wie sollen durch radioaktiven Staub

verschmutzte Maschinen und Geräte

gereinigt werden?

Waren Maschinen und Geräte während

des Niederschlags nicht unter Dach oder

nicht gut abgedeckt, müssen sie sorgfältig

gereinigt werden. Durch Abspritzen mit

einem scharfen Wasserstrahl wird der

meiste Staub entfernt werden können,

wenn es sich um glatte Flächen handelt.

Besondere Sorgfalt muß bei rauhen

porösen Flächen angewandt werden.

Schmutzlösende Waschmittel bzw.

der Gebrauch einer Stahlbürste werden

von Fall zu Fall notwendig sein.

Die Beachtung aller Schutzmaßnahmen

für den Menschen ist auch bei dieser

Arbeit erforderlich. Kann die Arbeit

nicht auf sandigem Boden durchgeführt

werden, dann muß der Abfluß des

Schmutzwassers an eine abgelegene

Stelle sichergestellt sein. Man denke

immer daran, daß sich im Schmutzwasser

die radioaktiven Stoffe konzentrieren

und dadurch zu einer gesteigerten

Gefahr werden. Reinigungsgerät und

Arbeitsbekleidung sind nach Gebrauch

ebenfalls sorgfältig zu säubern.

9


~r

~ ( (

,

Weideland ist ohne besondere Bearbeitung

nicht mehr brauchbar, wenn es einem schweren

radioaktiven Niederschlag ausgesetzt war.

Warnzeichen für energie reiche Strahlung:

a ) unkontrollierte Strahlung (schwarz-weiB):

b) kontrollierte Strahlung (purpur auf gelb).

Brunnenwasser ist wahrscheinlich ungefährlich,

wenn der Brunnen abgededet war und

der Wasserspiege11m unter Erdgleiche liegt.

Wie sollen Acker und Weide nach

einem radioaktiven Niederschlag

behandelt werden?

Die meisten radioaktiven Stoffe sind

kurzlebig, d. h. sie haben bald ihre

Strahlungsfähigkeit verloren. Um aber

die verbleibenden langlebigen Stoffe

soweit wie möglich unschädlich zu machen,

ist es erforderlich, Acker- und

Weideland entsprechend zu bearbeiten.

Voraussetzung dafür 1st das Untersuchungsergebnis

über das allgemeine

Abklingen der Radioaktivität. Erst

wenn unter Beachtung aller Schutzmaßnahmen

für den Menschen, wie staubsichere

Arbeitsbekleidung und Atemschutz,

der Acker bzw. die Weide betreten

werden kann, darf mit der Bearbeitung

des Bodens begonnen werden.

Bei sauren Böden mit niedrigem Kalkgehalt

muß Kalk zugeführt werden. Der

Boden soll tief gepflügt werden, wenn

man ihn mit Pflanzen bestellt, die mit

ihren Wurzeln nirnt zu tief in den Boden

eindringen. Das ist z. B. bei Weiden

der Fall. Das Gras nimmt einen großen

Teil seiner Nährstoffe aus der

Erdschicht bis zu 5 cm Tiefe. Umgekehrt

ist es bei Pflanzen, die ihr Wurzelsystem

sehr tief in den Boden senken.

Die genaue Kenntnis der Bodenbeschaffenheit

ist heute schon weitgehend

eine Selbstverständlichkeit. Für

den Fall eines Notstandes können vorher

festgelegte Bestellungspläne mit

allen Eintragungen über Bodenbearbeitung

und zweckmäßiger Bepflanzung

die Arbeit des Landwirts erleichtern

und die Ernährung der Bevölkerung

zu einem Mindestmaß sicherstellen helfen.

Schlußwort:

Die Forschung über Möglichkeiten, die

geeignet sind, die radioaktiven Niederschläge

hinsichtlich ihrer Gefahr für

Menschen und Tiere weitgehend zu

vermindern, sind heute noch nicht abgeschlossen.

Das Problem wird sicher

immer mehr gelöst und damit eine Verringerung

der Gefahr erreicht werden.

Die Gegenwart gebietet jedoch, alles zu

tun, um für eine mögliche Katastrophe

vorbereitet zu sein. Menschliche Unzulänglichkeit

hat zu allen Zeiten Gefahren

gebracht. Im atomaren Zeitalter

sind sie weiter gesteigert worden. Daher

trägt jeder einzelne die Verantwortung,

seinen Teil zum Schutz des Menschen

und seiner Umwelt beizutragen.

Scl1rifUum : Defense against Radioactive

Fallout on the Farm. Farmer's Bulletin

No. 2107 - US Department of Agriculture.­

AuIklärungsschrift des Chefs des norwegischen

Zivilschutzes Reidar Holtermann

und des norwegischen LandwirtschaItsministers

Lidtveit.

Die meisten radioaktiven Stoffe verlieren

ihre Strahlungsfähigkeit bald. Um die ver­

.IIIIIIII bleibenden langlebigen Stoffe unschädlich zu

..... machen, müssen Adeer- und Weideland besonders

bearbeitet werden. Voraussetzung

dafür ist das Untersuchungsergebnis über

dos allgemeine Abklingen der Radioaktivität.

Bei sauren Böden mit niedrigem Kalkgehalt

müßte dann kräftig Kalk zugeführt werden.

10

Brandingenieur Wilhelm Frankl

Brandgefahr Im ländlichen Gebiet

Im Verteidigungsfall ist im ländlichen

Raum mit einer erheblich vergrößerten

Brandgefahr zu rechnen. Dies ist

einerseits bedingt durch die große Reichweite

der Wännestrahlen beim K ernwaffeneinsatz,

durch die Verbesserung

herkömmlicher brandstiftender Angriffsmittel

und andererseits auf die

größere Brandempfindlichkeit des ländlichen

Gebietes mit seinen Gehöften,

Ställen, Scheunen, Erntevorräten und

Waldungen.

Hierzu kommt noch die Taktik des

Einsatzes aller brandstiftenden Mittel,

so viel Einzelbrände hervorzurufen, daß

selbst die schlagkräftigste und beste

Feuerwehr durch die Vielzahl der Entstehungsbrände

überfordert ist. In der

Stadt - erst recht aber auf dem Land,

wo ja zunächst kein LS-Hilfsdienst eingerichtet

wird, wird sich die Feuerwehr

mit ihrer ganzen Löschkraft möglichst

unzersplittert auf Großbrandstellen in

geschlossenem Einsatz konzentrieren

müssen.

Selbstschutz

Da aber jeder noch so kleine Brand,

sich selbst überlassen und nicht rechtzeitig

bekämpft, zur großen Gefahr

wird, kommt dem Selbstschutz auf dem

Lande eine entscheidende Bedeutung

zu. Die Bewohner des Gehöftes oder

des Hauses müssen, als Selbstschutzgemeinschaft,

Brände, die in ihrem Anwesen

entstehen, zunächst selbst löschen.

Uberlagernde LöschhIlfe durch

den Nachbarn

Sind die Kräfte, Geräte und Löschmittel

überfordert, vielleicht, weil die Rettung

der Tiere zu lange Zeit in Anspruch

nahm, müssen die Nachbarn

mit ihrem Löschgerät zu Hilfe kommen,

es ist ja eine Hilfe auf Gegenseitigkeit!

Reicht auch deren Hilfe nicht aus, oder

kann sie wegen eigener Bedrohung

nicht geleistet werden, steht innerhalb

eines Selbstschutzbezirkes noch der

Selbstschutzzug zur Verfügung. Er besteht

aus der Kraftspritzenstaffel, der


Bran

sc utz

Rettungsstaffel und der LaienhelIerstaffel.

Im Fall einer Brandausweitung

ist also die Kraftspritzenstaffcl mit ihrer

zwar kleinen, aber sehr leistungsfähigen

Tragkraftspritze TS 2/5 anzufordern.

Damit ist das Löschvermögen

des Selbstschutzes begrenzt. Jetzt muß

- bei größeren Bränden - die bewährte

Hilfe der Feuerwehr angerufen

werden. Wenn es aber den Kräften des

Selbstschutzes gelang, die in ihrer - im

Vergleich mit dem großen Bruder

"Feuerwehr" schwachen Löschkraft liegenden

Entstehungs-, Klein- und Mittclbrände

auf ihren Herd zu beschränken,

hat sich der Einsatz gelohnt. Der

Selbstschutz hat damit zwar der Feuerwehr

die Kleinarbeit abgenommen, sie

aber zum Großeinsalz entlastet und

die Zeit bis zu ihrem Eintreffen bei größeren

Ereignissen überbrückt.

Das Zeitproblem

"Wer den Wettlauf mit dem Feuer gewinnen

will, muß den Wettlauf mit der

Zeit gewinnen", den großen Zeitvorteil,

bereits an der Schadensstelle anwesend

zu sein und sie genau zu kennen,

hat der Selbstschutz. Jedoch trotz seiner

bestimmt vorhandenen Einsatzbereitschaft

wird sich durch den Menschenmangel

- besonders zur Erntezeit -

selten zu gleicher Zeit die Menschenund

Tierrettung und die wirksame

Brandbekämpfung durchführen lassen.

Menschen- und TJerrettung

Vorrang bei jedem Brandfall hat selbstverständlich

die Rettung von Menschen,

besonders hilfsbedürftiger Personen

und Kleinkindern. Wegen der Schnelligkeit,

mit der sich der Brand ausweiten

und vor allem die Verqualmung die

Rettung erschweren und gefährden

kann, ist höchste Eile geboten. Bei starker

Rauchentwicklung ist das Zurechtfinden

selbst im eigenen Haus meistens

erschwert. Es ist ratsam, stets bei

der Menschenrettung auch an eine zweite

Rück:zugsmöglichkeit für den Notfall

zu denken, etwa durch Bereitstellen

einer Leiter, oder durch Mitnahme einer

starken Leine.

Das Vieh ist erheblich rauch empfindlicher

als der Mensch. Es wird zwar bei

Qualm und Rauch unruhig, fühlt sich

aber oft, in Unkenntnis der Gefahr, im

Stall am sichersten. Zur raschen Leerung

des gefährdeten Stalles ist eine

SchneUentkoppelung anzuraten, jedom

darf die Zahl der gleichzeitig freizumachenden

Tiere nicht zu groß sein,

damit bei Groß tieren keine Stauungen

an den Ausgängen entstehen, die verhängnisvoll

werden können, wenn die

aus dem Stall getriebenen Tiere beim

Anblick der Flammen in diesen zurückrennen

wollen oder, wenn die Stalltüren

nach innen aufschlagen. Es ist vorzusehen,

aus dem Stall getriebenes

Großvieh sofort in einiger Entfernung

an Bäumen oder Pfählen fest anzubinden.

Al1e Stalllüren und Notausgänge müssen

grundsätzlich nach außen aufschlagen.

Als Notausgang brauchbare Türen

dürten niemals zugesteH t oder verschlossen

sein. Durch örterc Benutzung

sind die Großtiere auch an das Verlassen

des Stalles durch die Notausgänge

zu gewöhnen.

Es wird oft empfohlen, den Großtieren,

besonders Pferden, vor Verlassen

des Stalles als Schutz gegen Rauch,

Hitze und Scheuwerden nasse Säcke

über den Kopf zu ziehen. Hiergegen

spricht jedoch der zum Herbeiholen,

Anfeuchten und überziehen der Säcke

nötige Zeitaufwand. Außerdem werden

viele Tiere, die schon unruhig sind,

durch die ungewohnte Maßnahme erst

recht scheu. Ob es ratsam ist, ängstliche

Pferde mit der Hinterhand voraus aus

dem Stall zu bringen, wird der Bauer

selbst am besten wissen.

Die Rettung von Schweinen, die sich

weder von Menschen führen noch von

Leittieren leiten lassen, sondern ausgetrieben

werden müssen, wird stets mit

besonderen Schwierigkeiten verbunden

sein. rn folge ihrer geringen Größe werden

sie die Rauch- und Hitzebelästigung

weniger spüren, als etwa die Pferde.

Ferkel wird man bei Bedrohung des

Stalles wohl am besten in Säcke stekken

und heraustragen.

AufgestaUte oder eingepferchte Schafe

sind am schnellsten in Sicherheit zu

bringen, wenn man das Leittier zuerst

austreibt. Da die Herde vielfach am

Leittier klebt, besteht sonst die Gefahr,

daß die Schafe, befindet sich das Leittier

noch im Stall, in diesen zurückrenneo.

Ob es ratsam ist, das Federvieh - wie

oft empfohlen - in Säcke zu stecken

und so zu retten, wird vom Brandverlauf

und der Zahl der Tiere (Hühnerfarmen!)

abhängen.

Zeitverlust durch TIerrettung

Zusammenfassend muß herausgestellt

werden, daß durch die vordringliche

Tierrettung ein erheblicher Zeitverlust

bis zur Aufnahme der eigentlichen

Brandbekämpfung entstehen wird. Als

weitere Erschwerung muß noch die

Brandempfindlichkeit bäuerlicher Anwesen

berücksichtigt werden. Aus diesen

überlegungen heraus muß, ganz

besonders für den Verteidigungsfall,

dem

vorbeugenden Brandschutz.

der Brandverhütung im ländlichen

Raum eine entscheidende Bedeutung

beigemessen werden.

Durch si nnvolle, finanziell und praktisch

tatsächlich durchführbare Maßnahmen

des vorbeugenden Brandschutzes

soll

das Entstehen von Bränden verhindert,

ihre Ausbreitung erschwert oder

zeitlich verzögert werden.

Ein gezieltel' Einsatz großkalibriger

Kernwaffen auf den ländlichen Raum

selbst ist kaum zu erwarten. Deren

Wärmestrahlung kann jedoch das Dorf

selbst dann noch gefährden, wenn die

Explosion in erheblicher Entfernung

stattfindet. Und der radioaktive Niederschlag

kann - je nach Kaliber und

Einsatzart der Kernwaffe und je nach

den Wind- und Wetterverhältnissen -

noch in sehr viel größeren Entfernungen

schädigen. Die Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen

gegen beide Schadensfolgen

: gegen die brandstiftende

Wirkung der starken, wenn auch nur

Sekunden anhaltenden Wärmestrahlung

11


Im ländlichen Raum ist in einem Ernstfalle angesichts der großen Reichweite der

Wörmestrahlen von Kernwaffen sowie der "Verbesserung" herkömmlich er brand·

stiftend er AngriRsmittel mit einer erheblich vergrößerten Brandgefahr zu rechnen.

und gegen die Mensch und Tier gleichermaßen

schädigende Wirkung des

radioaktiven Niederschlages müssen

vernünftig aufeinander abgestimmt

werden. In der vorliegenden Ausführung

soll('n jedoch nur die Maßnahmt'n

zur Brondverhütung abgehandelt

wl'rdcn.

Die großen Erfahrungen der Brandverhütungsingenieure,

der Feuerwehren,

der Bczirkssdlornsteinfcgermeister

und vor allem der Brandversidlcrungen

kommen uns hierbei zugute. Sie

müssen jedoch auf den Verteidigungsfall

abgestimmt werden und die brandstiftende

Wirkung herkömmlidler und

neuer AngriITsmiUcl sowie die noch

auf große Entfernung wirksamen KernwatTen

berücksichtigen.

Zu elen allgemeinen vorbeugenden

Maßnahmen ist nadl wie vor auch die

Vrrdunkclung, selbst abseits liegender

Gehöftr, zu rechnen. Diese sehr einschneidenden

unel unbeliebten Maßnahmen

sind unbedingt erforderlidt. Mag

auch der Eins:ltz von Kernwaffen umstritten

sein, über die Anwendung bckonnter

und sicherlich verbesserter An-

12

griflsmittel im Verteidigungsfall dürfte

es keine Zweifel geben!

Bauliche Maßnahmen

sind bei den Betrachtungen des Komplexes

der Brandverhütung an erste

Stelle zu setzen. Da aber im Bundesgebiet

in Dörfern und Einzelgehöften

Baudidlle, Bebauungsweise, Bauart

und somit Brandempfindlichkeit grundverschieden

sind, ebenso buntscheckig

aber auch die Bauordnungen der Bundesländer

und deren Feuerschutzgesetze,

ist l'S unmöglich, an dieser Stelle

sich in Einzelheiten zu verlieren. Der

Brandverhlitungsingenieur in Ammerland,

das teilweise eine geringe Baudichte

und fast nur isoliert stehende

Einzelgehöfte aufweist, wird au[ Grund

seiner Erfahrungen im vorbeugenden

BrandschuL~ andere Maßnahmen fordern

als sein Kollege, der ein oberhessisches,

eng verschachteltes Haufendorf

mit großer Baudichte zu betreuen hat.

Hierbei sei erwähnt, doß in dem Weidldach

- dem Reetdach im norddeutschen

Raum, dem stroh gedeckten Dadl -

eine erhöhte Brandgefahr beim Auftreffen

von Würmestrahlen, Langflammen

oder Funkenflug zu erblicken ist.

So, wie nlle an der BrandverhClung

interessierten Kreise im städtisch('n

Raum bestrebt sind, den brem,bnn'n

Baustoll 110lz möglichst einzuspart'Il,

sollte man auch im 1ändlichen Gebiet

das zwar sehr schöne, abrr brandemp­

Cindliche Weichdach durch das Hartdach

nach und nach ersetzen und die

Schönheit mit einer wesenllich erhöhten

Brandsicherheit vertauschen! Mag

es audl bei Friedensbründen hier und

dort gelingen, das Weichdach gegen

Funkenflug durch überdecken von Planen,

die naßzuspritlCn sind, teilweise

zu schützen, beim immerhin möglichen

Kernwaffeneinsatz wäre diese Einzeimaßnahme

verfehlt.

Als unbedingte Notwendigkeit sei die

Errichtung und Erhaltung von Br::mdabschnitten

innerhalb des Gehöftes wie

innerhalb des Dorfes, im Gebäude selbst

wie im Freien erwähnt. Ein Brandabschnitt

ist ein Gebäude- oder Geländeabschnitt,

der einerseits das übergreifen

eines darin ausgebrochenen Brandl!s


auf den Nachbarabschnitt verhindert,

andererseits den Brandübersprung von

dem Nehenabschnitt unmöglich macht.

Einfach gesagt: ein Abschnitt, in den

der Brand weder hinein - noch heraus

kann! Der Brandabschnitt wird durch

senkrechte Brandwände und waagerechte

Massivdecken - feuerbeständig

- im Hausinnern gebildet. 1m

Freien (Ernte-, BrennstofI- und Holz­

Jagerung) können Brandabschnitte

durch Abstand, natürliche oder künstliche

Hindernisse geschaffen werden.

Hierbei ist auch die Erntelagerung

auf dem Dreschplatz, in der Nähe

von Gebäuden, Hochspannungsanlagen,

Bahnanlagen und Waldungen zu erwähnen.

Ein Brandabschnitt soll nicht nur als

strukturelles Hindernis innerhalb des

Gebäudes den Feuerübersprung verhindern,

sondern auch schwachen Löschkräften

die Verteidigung durch den

hinhaltenden Widerstand erleichtern

und der Feuerwehr eine sichere Ausgangsposition

zum Löschangriff schaffen.

Die Brandmauer oder Brandwand dient

im bäuerlichen Anwesen meist zur

feuerbeständigen Unterteilung zwischen

Wohn- und Wirtschaftsgebäude, zwischen

Haus und Stall oder Scheune. Sie

soll über Dach geführt werden und

darf keine ungesicherten Öffnungen

- etwa zum Durchwerfen von Futter

oder zum direkten Durchgang -

haben, sonst ist sie als Brandmauer

wertlos.

Wegen der Wichtigkeit der Brandmauer

im ländlichen Anwesen gibt die

Brandversicherungskammer Darmstadt

beim EinbIlu einen Zuschuß von 250/0

der Baukosten. Eine Ergänzung der

hessischen Bauordnung vom 6.7. 1957

schreibt vor, daß

Brandwände zu erstellen sind, wenn

der Wirtschaftsteil größer als 100 m\!

ist. Es wird weiter gefordert, daß

ein Brandabschnitt als umbauter

Raum nicht größer sein darf

als 5000 m 3 • Enthält er Wohnräume

oder Stallungen, darf der

umbaute Raum 3000 m 3 nicht überschreiten.

Zwar sind diese und ähnliche erfreulichen

Maßnahmen - wie etwa die Bezuschussung

bei der Beschaffung von

Handlöschern durch die nassauische

Brandversicherungskammer - auf die

Belange des Friedens abgestimmt. Sie

haben aber in einem Verteidigungsfall

erhöhte Bedeutung.

Neuere Ställe sind meistens mit einer

Massivdecke gegen den darüber liegenden

Heu- oder Futterboden abgesichert.

Zur Sicherung noch vorhandener

Holzbalkendecken wird vielfach empfohlen,

einen Lehmestrich aufzubringen.

Dieser soll feuerhemmend wirken,

eine vorzeitige Verqualmung des Stalles

verhindern und Zeit zur ungefährdeten

Vieh rettung schaffen. Es muß jedoch

überprüft werden, ob die Tragfähigkeit

der Holzbalkendecke des Stalles

ausreicht, um das Gewicht des Lehmestriches

auch dann aufzunehmen, wenn

er durch Löschwasseraufnahme erheblich

schwerer geworden ist. Auch lose

oder eingesackte, auf dieser Holzbalkendecke

gelagerte Körnerfrüchte nehmen

durch Löschwasseraufnahme an Gewicht

zu und quellen. Diese Behelfsmaßnahme

dürfte, unter der Voraussetzung

einer genügenden Deckentragfähigkeit,

an manchen Stellen durchführbar

und sinnvoll sein.

Dagegen ist ein ausländischer Vorschlag,

Torf oder Sandsäcke als Schutz

gegen Gammastrahlen auf der Stalldecke

zu stapeln, als völliJ undiskutabel

ubzulehnen. Jedes Kind weiß, daß Torf

brennt, dem Fachmann sollte bekannt

sein, daß sogar ohne Zuführung von

Wärme Torf zur Selbstentzündung neigen

kann. Und über dem Stall ist mit

einer Wärmezuführung und Wärmestauung

zu rechnen! Von allen festen Brennstoffen

hat Torf mit 230 0 C den niedrigsten

Zündpunkt. Zahlreiche Großbrände

und Explosionen sind im Inund

Ausland bekannt. Der Schutz gegen

Gammastrahlen ist infolge des geringen

spezifischen Gewichtes nicht hoch

einzuschätzen, dagegen würde die

Brandgefahr erheblich erhöht, wenn

der auch in deutschen Schriften zu findende

Vorschlag befolgt würde.

Als weitere bauliche Maßnahme wäre

noch an das Umschlagen sämtlicher

Stalltüren, die zur Zeit nach innen aufschlagen,

zu denken.

Sämtliche Fenster müssen durch weißen

Anstrich m it Schlemmkreide auf

der Innenseite gegen das Eindringen

von Wärmestrahlung geschützt, alle

Dachluken und sonstigen Öffnungen geschlossen

sein.

Beseitigung von Gefahrenquellen

Schäden an Feuerstellen, Rauchabzugrohren,

Kaminen und Räucherkammern

müssen, selbst wenn sie von dem

Brandverhütungsingenieur oder dem

Bezirksschornsteinfegermeister noch

nicht festgestellt wurden, beseitigt werden.

Transportable Dämpfkessel und

Futterküchen müssen in ausreichendem

Abstand von Gebäuden und Erntevorräten

aufgestellt werden.

Staubansammlungen gleich welcher Art,

besonders auf dem Heuboden, ebenso

Spinnweben, sind zu entfernen. Bei

Mehh Holz- und Tabakstaubablagerung

besteht sogar eine akute Explosionsgefahr!

Besonderer überwachung bedürfen elektrische

Heizanlagen wie Infrarotstrahler

in Schweineställen und Heizöfen in

der Hühnerlucht.

Selbstverlegte elektrische Leitungen

sind stets eine große Gefahrenquelle,

sie müssen entweder entfernt oder

sachgemäß durch den Elektriker ausgeführt

sein.

Unter der Vielzahl der selbstentzündlichen

Erntegüter ist Wiesenheu, Kleeheu

und Hafer mit Unterwuchs als

stark gefährdet anzusehen. Die Gegenmaßnahmen,

besonders bei Heu, sind,

dank der Aufklärungsarbeit der Brandkassen,

der Landbevölkerung bekannt:

wenn die kritische Temperatur von

70 0 C mit den AnzeichenderBrandgefahr

auftritt, ist die Feuerwehr herbeizuru-

Jeder noch so kleine Brand, sich selbst überlassen und nkht rechtz:eitig bekämpft, wird

zur Gefahr. Deshalb kommt dem Selbstschutz: auf dem lande so große Bedeutung zu.

13


Wenn es den Kräften des Selbstschutzes gelingt, Entstehungs-, Klein- und

Mittelbrönde auf ihren He rd zu beschränken, hat sich ihr Einsatz gelohnt.

fen. Sollte diese in der Spannungszeit

nicht verfügbar sein, muß die überlagernde

Löschhilte durch den Nachbarn

und durch die Krartspritzenstaffel des

Selbstschutzzuges - als echte Selbstschutzarbeit

- die Sicherung übernehmen.

Die Lagerung des abgetragenen

Heues muß wegen der spontanen Entzündungsgefahr

in ausreichendem Abstand

vom Gehöft und anderen brennbaren

Objekten erfolgen.

Die Reihe der selbstentzündlichen Erntcgüter

und Futtermittel ist hiermit

nicht erschöpft: Lupinen, Hafer, Weizen,

Roggen, Stroh, Treber, Zuckerrübenschnitzel

u. a. m. können unter gewissen

Voraussetzungen zur Selbsterwärmung,

zur Wärmeanstauung bis zur

Entzündung führen. Eine derart spontane

Erwärmung, dje zur akuten Gefahr

werden könnte, wie beim Heu, ist

jedoch nicht zu erwarten und läßt sich

bei einiger Vorsicht und durch sachgemäße,

saubere Lagerung vermeiden.

Dasselbe ist bei einigen Kunstdüngersorten,

in erster Linie bei gebranntem

Kalk, der, wenn er feucht eingelagert

oder durch Lösmwasser bei der BekUmp!ung

von Entstehungsbränden

oder durch einen Wasserrohrbruch, vielleicht

aum durm Regenwasser, das

durch ein schadhaftes Dem eindringt,

naß geworden ist, mit einer Erwärmung

bis zu 430 0 C erreichen kann, der Fall.

Ferner bei Kalkstickstoff, der sich bis

zu 150 0 C bei feucht werden erwärmen

und durch Wärmeanstauung zur

Entzündung führen kann. Düngemittel

sollen daher möglichst außerhalb der

Wohn- und Wirtschaftsgebäude unbedingt

trocken und nicht in Verbindung

mit brennbaren Gegenständen gelagert

werden.

Auch feste, flüssige und gasförmige

BrennstofTe wie Torf, Braunkohlen,

14

Benzin, Diesel- und Heizöl sowie Propangasflaschen

müssen an sicherer

SteUe außerhalb des Hauses gelagert

werden.

Eine sehr große Gefahr ist in unsachgemäßer

Erntelagerung zu erblicken.

Die von den Brandversicherungen angegebenen

Sicherheitsabstände und Lagermengen

müssen beamtet werden.

Gleiches gilt für die AufsteUung von

Kraftfahrzeugen, Treckern und landwirtschaftlichen

Maschinen, die besonders

im Verteidigungsfall unersetzliche

Werte darstellen. Bei Treckern und

Dieselkrafttahrzeugen ist zu beamten,

daß der Olkohleansatz aus dem Auspuft

rechtzeitig entfernt wird; durch

glühende Olkohle sind in letzter Zeit

zahlreiche Brände aul Dreschplätzen,

an todreifen Getreidefeldern und im

Wald entstanden. Sind Funkenfänger

vorgesehen, müssen dieselben unbedingt

angebracht und in einwandfreiem

Zustand erhalten werden.

Werden bewegliche Motoren, z. B. Trekker,

ortsfest z. B. aut dem Dreschplatz,

betrieben, ist für peinliche Freihaltung

des Platzes von Strohresten unter und

um den Motor zu sorgen. Auch ist es

zu empfehlen, die Auspuffgase durch

einen Abgasschlauch oder ein Verlängerungsrohr

etwa 10 cm über einen gefüllten

Wassereimer austreten zu lassen.

Das Ein- und Ausfahren von Treckern

In Räume und Scheunen, die leicht

brennbares Material enthalten, darf

nur geschehen, wenn die Auspuffgase

in einer Entfernung von 2,5 m nicht auf

brennbares Gut treffen und die Fahrbahn

von brennbaren Stoffen, wie

Strohresten, gesäubert ist.

Landwirtschaftliche Maschinen sind im

Notfall, mit PIonen abgedeckt, außerhalb

gefährdeter Gebäude und Scheunen

unt rzubringen. Erscheint deren

Abstellung - evtl . sogar hintereinander

- in Scheunen notwendig, sollte

die wertvollste Maschine zuletzt eingefahren

werden, um sie als erste bergen

zu können. Es ist anzuraten, stets

eine lange Kette mit Haken für den

Fall bereit zu halten, daß die Maschine

in!olge der Brandausweitung nicht

mehr herausgeschoben, vielleicht aber

durch schnelles Einhängen der Kette,

bei gebüdtter Annäherung, noch herausgezogen

werden kann.

Anwendung von Flammschutzmitteln

Für den vorbeugenden Brandsdlutz im

ländlidlen Raum wird vieltach die Anwendung

eines Flammschutzmittels

empfohlen. Mit ihm saUen vor allem

brennbare Holzteile, wie Dachkonstruktionen,

Tore usw. feuerhemmend gemacht

werden. Gewiß ließe sidl durch

sachgemäßes Anstreichen oder Aufspritzen

eines neuzeitlichen Flammschutzmittels

eine Verbesserung des

vorbeugenden Brandschutzes erzielen.

Der Feuertibersprung könnte zeitlich -

günstigenfalls vielleicht bis zu 30 Minuten

- verzögert werden und wertvollen

Zeitgewinn zur Tierrettung schatfen.

Aufhalten läßt sich der Brand aber

nicht, denn es gibt kein Mittel, um

brennbare Baustoffe wie Holz unbrennbar

zu machen. Für besonders schutzbedürftige

Gebäude und Gebäudeteile

kann unbedingt schon heute eine Behandlung

mit einem geprüften und zugelassenen

Flammschutzmittel empfohlen

werden. Darüber hinaus aber dürften

einer allgemeinen Verwendung, etwa

zum Imprägnieren jedes Dachstuhls

und jeder Scheune, finanzielle und

pl'aktische Hindernisse im Wege stehen.

Es ist zu bedenken, daß die Flamm-


Nicht nur wenn Haus, Hof und Feld in Gefahr sind, auch wenn Wälde r in

Brand ge raten, kann entschlossenes Handeln des Selbstschutzes wichtig sein.

schutzmittel den Feuerübersprung nur

einige Minuten aufhallen, nach einigen

Jahren erneut aufgetragen werden müssen

und daß die schützende Schaumschicht

mit dem Vollstrahl beim Löschen

oder durch Aufsplitterung des

Holzes zerstört wird und die Schutzwirkung

wegfällt.

Abwehrender Brand.chutl

Der abwehrende Brandschutz hat größere

Erfolgsaussicht, wenn er sich auf

eine gute vorbeugende Brandverhütung

stützen kann, wenn er über geeignete

Löschgeräte verfügt, die möglichst einfach

und - auch zu Friedenszwecken

vielseitig verwendbar sein sollen und

wenn genügend Löschwasser vorhanden

ist.

Löschgeräte

Kleinlöschgeräte sollen für den Gebrauch

durch den Selbstschutz unabhängig

von der Wasserleitung sein.

Während für Friedenszwecke der an

die Wasserleitung leicht anzuschließende,

griffbereite Gartenschlauch ein vorzügliches

Löschgerät darstellt, ist tür

den Brandschutz im Verteidigungsfall

doch der Einstell- oder Kübelspritze

der Vorzug zu geben.

Die neue Einstellspritze "ES DIN 14407"

ha t dazu noch den Vorzug, mi t einem

zweiten Schlauch das Löschwasser aus

5 m Tiefe fördern zu können. Die Löschkraft

- 10 1 Wasser in der Minute bei

55 Pumpenhüben mit einer Wurfweite

von 10 m und einer Wurfhöhe von

7 rn-reicht aus, um einen Entstehungsbrand

bekämpfen zu können. Sie

bleibt voll wirksam, solange Wasser

vorhanden ist.

Ihre friedensmäßige Nutzung kann zum

Wagenwaschen, Obstbaumspritzen,

Stal1ausspritzen usw. erfolgen. Sie muß

jedoch nach Gebrauch immer gereinigt

werden, um beim Ausbruch eines

Brandes einsatzbereit zu sein.

Bei den Handlöschern entfällt zwar das

Pumpen, sie wirken automatisch. Die

Löschzeit beträgt bei den Naßlöschern

60-90 sec., bei den neuesten Trockenlöschern

mit 6 kg Trockenpulver etwa

10 sec. und bei 12 kg Pulver etwa 20 sec.,

sie ist also, im Vergleich zu der uneingeschränkten

Einsatzzeit der Einstellspritze

sehr kurz, ein Nachfüllen

während des Brandes nimmt einige

Zeit in Anspruch, wenn es überhaupt

durchführbar isL

Die Frage sollte nun nicht lauten: Einstellspritze

oder Handlöscher für den

Hof, sondern die Entscheidung: Einstellspritze

und , Handlöscher wäre

brandschutztechnisch gesehen auch für

die Zwecke des Selbstschutzes zu empfehlen.

Handelt es sich um ein größeres Anwesen

und will der Besitzer - evtl. unter

Beteiligung der Hofnachbarn - etwas

mehr für den Brandschutz tun, ist

ein von der deutschen Industrie entwickeltes,

kleines Motorlöschgerät, die

"TS 0,5" zu nennen. Mit ihr können

gleichzeitig zwei D-Strahlrohre mit 50

bis 80 Umin Löschwasser gespeist werden.

Zur Bedienung sind 2-3 Personen

erforderlich, die jeden Kleinbrand wirksam

bekämpfen können. Das Gewicht

der kleinen Tragkraftspritze beträgt

nur 12 kg.

Außer zur friedensmäßigen Brandbekämpfung

kann sie zum Wagenwaschen,

zum Obstbaumspritzen, zur Bewässerung,

zum Ausspritzen von Ställen,

zum Kalken großer Wandflächen

u. a. m. benutzt werden.

Mit ihr kann auch durch Zusatzgeräte

Luftschaum bei Spezialbränden erzeugt

werden, wenn die beiden Voll- und

Sprühstrahlrohre keine Löschwirkung

haben sollten.

Soll im Rahmen des erweiterten Selbstschutzes

ein größerer Gutsbetrieb, ein

abseits liegendes, großes Hotel oder

eine Heilstätte, oder ein großes Lagerhaus

wirksam geschützt werden, käme

die TS 2/5 mit der erforderlichen

Ausrüstung an Strahlrohren, Schläudlen

und Armaturen in Frage. Das

ganze Gerät wird zweckmäßig auf

einem Löschkarren, wie er für die

Krattspritzenstaftel des Selbstschulzzuges

entwickelt wurde, untergebracht.

Mit einer Bedienung von insgesamt 6

Mann können gleichzeitig 3 Strahlrohre

mit Voll- oder Sprühstrahl (1 C und

2 D-Rohre) vorgenommen und mit 200 I

Wasser je Minute gespeist werden. Die

Förderhöhe beträgt 50 m WS.

Mit der TS 2/5 können - außer der

bereits genannten friedensmäßigen

Nutzung - auch einfache Berieselungsanlagen

gespeist werden.

Auch die TS 2/5 kann in Sonderfällen

durch Beschaffung eines Zumischers

und eines Lurtschaumrohres zur Luftschaumerzeugung

benutzt werden.

Als Schlauchausstattung werden die erheblich

frostsicheren und wenig pflegebedürftigen

Kunstfaserschläuche

empfohlen.

Es werden für den Selbstschutz noch

Hilfsgeräte, die auf jedem Anwesen

vorhanden sind, wie: Leitern, Dunggabeln,

Dunghaken, Heugabeln, Äxte,

Spaten, Einreißhaken, Säcke, Decken

und Plane, benötigt. Sie müssen, genau

wie die eigentlichen Löschgeräte,

zum jederzeiligen Einsatz griffbereit

aufbewahrt werden. Für den Gebrauch

beim Waldbrand werden noch Feuerpatschen,

Rodhacken und Sägen erforderlich.

18


Niederschlag durch Abdeckung geschützt,

bevorratet werden. Alle auf

dem Gehöft irgend wie verfügbaren, geeigneten

Behälter, wie leere Silos, gut

gespülte Jaumefässer - fahrbar! -

Fässer aBer Art, leere Milchkannen,

wasserdicht gemamle Reparaturgruben,

Wasdltrögc, WasdlZuber müssen bei Beginn

einer Spannungszeit sofort gefüllt

werden. Ist eine Entnahme aus dem

Grundwasser möglich, ist diese voll

auszunutzen. Auch im radioaktiven Niederschlagsgebiet

kann aus Tiefen über

I m Grundwasser unbedenklich entnommen

werden, Dagegen ist im Falle eines

Kernwaffeneinsatzes bei der Wassercntnahme

aus offenem Gewässer größte

Vorsicht geboten.

Sand

hat als Löschmittel lange nicht die Bcdeutung

wie Wasser: ihm fehlt die abkühlende

Wirkung, es kann nicht in

gezieltem Strahl auf höher liegende

Brandherde gelenkt und nicht in

Schläuchen weitergeleitet werden. Bei

der Weiterentwicklung der brandstiftenden

AngrifTsmittel ist der Wert des

Sandes als Löschmittel fraglich.

Lultschaum

wird zur allgemeinen Anwendung im

bäuerlichen Betrieb kaum in Frage

kommen, da die Nachspeisung des

Schaumextraktes im Verteidigungsfall

kaum gesichert sein dürfte. Für

Sonderfälle, etwa größere LOlger b"cnnbarer

Flüssigkeiten, müßten erhebliche

Mengen des Luftschaumextraktes bevorratet

werden.

Di. Beherrschung eines jeden HandgriRes ist die Voraussett:ung

für eine wirksame Brandbekämpfung. Die Selbstschutzhelfer werden

darum auch auf diesem Gebiet mit größter Sorgfalt ausgebildet.

LöschmIttel

Es muß zunächst herausgestellt werden,

daß nicht das Löschgerät, sondern

das Löschmittel von primärer Bedeutung

ist. Das beste Löschgerät ist wertlos,

wenn das Löschmittel fehlt! Infolge

der leichten Verwundbarkeit der Hydrantenleitung

und der Oberlandleitungen

sowie einer möglichen über beanspruchung

der Wasserversorgung

muß im Verteidigungsfall mit deren

Ausfall gerechnet werden.

Wasser

Das Wichtigste und durch nichts zu ersetzende

Lösmmittel ist das Wasser. Es

ist nicht nur zur Brandbekämpfung,

für den menschlichen Genuß, zum Wasdlen,

sondern auch zum Tränken der

Tiere und gegebenenfalls auch zum Abspritzen

und Wegspülen von radioaktivem

Staub unbedingt entscheidend. Es

muß in einer Menge, die gar nicht

groß genug sein kann, soweit als möglich

gegen Befall durch radioaktiven

Netlmlttel

Ein geringer Zusatz von Netzmitteln

(Erkaien, Ondranon), auch von Pril,

Spüli, Rei oder einem ähnlichen Entspannungsmittel

- etwa 20 g in einem

Eimer Wasser - nimmt dem Wasser

die Oberflächenspannung. Das mit dcr

Einstellspritze verspritzte WasseI'

dringt dann tiefer in das Brandgut ein.

Diese Methode bringt bei Bränden von

gepreßten Faserstoffen, Torfmull,

Braunkohlen und Futterkuchen gewissc

Vorteile. Jedoch Netzmittel zur al1-

gemeinen Einführung zu empfehlen,

würde das Gesetz der Einfachheit, dic

im Selbstschutz gewahrt bleiben muß,

wcnn Cl' Erfolg haben soll, durchbrechen,

Schlußwort

Es wird abschließend noch betont, daß

selbstverständlich das Wohnhaus durch

Entrümpelung, durch den Schutz der

Fenster und sämtlicher Lichteintrittsöffnungen,

durch Verschluß offenstchender

Dachluken usw, smutzbereit gemamt

werden muß.

Die zahlreimen vorbeugenden Maßnahmen

laufen mit der Brandverhütung

des Friedens parallel. Werden sie verantwortungsbewußt

durchgeführt und

ständig auf dem laufenden gehalten,

wird dcr Selbstschutz im Verteidigungsfall

dcn Nutzen haben.

Es ist jcdoch zu hoffen, daß illle Maßnahmen

nur dcm Brandschutz im Frieden

zugute kommen!

16


Aus Nor_egen

Ral'schliige

'für die L a n dbevölkerung

Auch in anderen Ländern, vor allem in

den USA, Kanada, in Großbritannien und

den skandinavisd\cn Staaten werden die

MögIidlkcitcn eines Selbstschutzes in landlichen

Gebielen mil wissenschaCtlidlcr Präzision

erforscht. Im großen ganzen ist

man dabei zu fast denselben Ergebnissen

gekommen wie bei uns in der Bundesrepublik.

Besonderes Interesse dürfte in diesem

Zusammenhang eine Broschüre finden,

die das norwegische Zentralamt für Zivilverteidigung

in Osio im Einvernehmen

mit dem norwegiscbcn Landwirtschaftsministerium

ausgearbeitet hat. Diesen

Stellen ging es hierbei hauptsädllich um

wirksame bauliche Schutzmaßnahmen im

ländlichen Raum.

Ihre Schrift enthält gcnnue Angaben und

Illustrationen, mit deren Hilfe sich die

norwegische Landbevölkerung im Notfall

mit verhältnismäßig wenig Mühe selber

helfen und Schutzvorkehrungen tre!!en

soll.

Es wird darin u. 3. empCohlen, die Schutz·

räume in jedem Falle so einzurichten, daß

sie die Strahlungsstä,·ke der Radioaktiv!·

tät auC '11" reduzieren.

Ein Raum in einem Belonkeller, so heißt

es beispielsweise, der gut in den Boden

eingelassen ist, reduziert die Strahlung

auf I/I". wenn die Betonwände 20 cm dick

sind, vorausgesetzt, daß das Haus, in dem

siro der Keller beCindet, eine wesentliro

größere Grundnüche hat. als der Schutz·

raum und daß dessen Fensteröffnungen

von einer Erdmauer oder einer Mauer aus

Grassoden von ca. 0,5 m Dicke geschützt

werden.

Platz für alle Hausbewohner

Das norwegische Zentralamt für Zivil·

verteidigung fordert im Schutzraum aus·

reichend Platz für alle Hausbewohner,

der 1 m t für die Person betragen soll. Es

wird geraten, den Schutzraum in der

Ecke des Kellers anzulegen, die nm tief·

sten im Boden liegt.

Beim Neubau eines Wohnhauses muß auf

alle Fäl1e ein Kellerraum so hergerichtet

werden, daß er die Schutz:mforderungen

erfüllt.

Alle Bauten - auch die einfachsten - be·

sitzen sd10n von sid'l nus die Fähigkeit,

die Strahlung abzuschwächen, die von

außerhalb in das Gebäude eindringt.

Selbstverständlich bietet ein solide gebau·

tes Haus einen weit besseren Schutz, als

ein leicht gebautes Haus.

Die Strahlung des radioaktiven Nieder~

schlags wird beim Durchdringen beson·

ders schwerer Stoffe, wie Blei, Eisen, Beton,

Erde und Sand stark geschwädlt. Die

durch.tretende Strahlenmenge hfingt von

der Dichte (spez. Gewicht) des Materials

ab.

Fenster bieten keinen Schutz gegen radioaktive

Strahlung. Die Fensteröffnungen

müssen deshalb mit Grassoden, Sand

oder Erde, die in Säcke oder Kisten ein·

gefüllt sind, dichtgemacht werden. Diese

Deckung muß l'/tmal so dick sein wie die

übrigen Wände. Feste, grobe Grassoden

sind beinahe ebenso nützlich wie Erde.

Sie müssen jedoch. gut zusammengestampft

wel·den, so daß keine Spalten ent~

stehen.

Verstärkte Außenwände

Überlege, so heißt es weiter, welche Verstärkungen

erCorderlich sind, damit der

Schutzraum die Strahlung auf '11" redu ~

zieren kann, Prüfe, welche Materialien am

leidlleslen zu beschaffen sind.

Verstärkungswände aus Steinen zu mau~

ern, ist eine smwicrigc Arbeit, die fam~

liche Hilfe erfordert. Die Mauer wird an ~

dernfalls undich.t und läßt leicht die gefähr ~

lichen radioaktiven Strahlen durch.

Sand und Erde, in starke Versch.alungen

oder in Säcke gefüllt, können ebenfalls

eine solide Wand mit großem Abschwä ~

chungsvermögen ergeben. Besser ist es

jedoch, abgestodlCne Grassoden zu ver ~

wcndcn, wenn das Gras vorher so kurz

wie möglich gemäht wurde. Bei der Ver·

wendung von Grassoden muß die Wand

0,5 m dick sein.

Die Verklcidung aus Grassoden wird so

durchgeführt


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Anlage von Kellern als Schutr.raum

im Wohnhaus

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Diese Planskinen sind der Braschüre entnammen, die

das norwegische Zentralamt für Zivilverteidigung !Jemeinsam

mit dem narwegischen Landwirtschaltsmonisterium

ausgearbeitet hat. Sie sollen der Landbevölkerung

die Errichtung wirksamer Schutzräume erleichtern.

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18


RURAL CIVIL DEFENSE MATERIAL

Obergang zwischen der Kellermauer und

dem Fußboden über dem Keller.

In Norwegen sind folgende Kellertypen

auf dem Lande am üblichsten:

- Erdkeller, nur ausgegraben unter Teilen

des Wohnhauses - ohne Verwendung

von Mauerwerk.

- Keller in Feldsteinmauerung ohne Zwischenfüllung

von kleinen Steinen.

- Keller in Bruchsteinmauerwerk mit

oder ohne Verfugung der Spalten.

- Keller mit Betonwänden - geringste

Dicke 30 cm - und Holzdecke.

- Keller mit Betonwänden und Betondecken.

In den Skizzen Il-IV (Seite 18) wird gezeigt,

wie man in solchen Kellern Schutzräume

gegen die Strahlung von radioaktiven

Niederschlägen einrichten kann.

Schutzraum im Erdkeller

Gute Erdkeller reduzieren von sich aus

die Strahlung auf I/ It. Um eine Verringerung

auf IhM zu e rzielen, kann man den

Keller in folgender Weise verstärken:

Rund um alle Außenwände wird eine

0,5 m dicke Mauer aus Grassoden so hoch

gelegt, daß sie bis 0,5 m über den Fußboden

des Erdgeschosses reicht.

Möglimerweise vorhandene Öffnungen

zwisdlen den Deckenbalken sowie die inneren

Erdwände werden mit Soden oder

Erde abgedichtet.

Die Deckenbalken werden durch 1 oder

2 Balkenjome verstärkt, jedes aus einer

Fußschwelle, einer Koptschwelle und 2

oder mehreren Stützen bestehend.

Der Fußboden über dem Schutzraum wird

mit Pappe verkleidet, die so auf Latten

gelegt wird, daß eine gute Lüftung vorhanden

ist.

Eine 0,45 m dicke Schicht aus Erde, Sand

oder Grassoden wird nun auf den Fußboden

gelegt.

Im Fußboden muß eine Falltür zum Keller

mit zugehöriger Treppe zum Schutzraum

angebracht sein.

Die Entlüftung des Schutzraums e rfolgt

durch einen Spalt der geöffneten Kellerfalltür.

Neue frische Luft kann durch

die poröse Erdmasse und durch die porösen

Soden in den Schutzraum eindringen.

Keller aus Feldsteinmauerwerk •• •

Gute, mit Feldsteinen gemauerte Keller

reduzieren die Strahlung au.f I / N (siehe

auch Planskizze 111). Um eine Reduktion

auf I/ IM zu erhalten, müssen solche Keller

folgendermaßen verstärkt werden:

Rund um alle Außenwände eine 0,5 m

dicke Mauer aus Grassoden In die Höhe

führen, so daß sie 40 cm über den Fußboden

des Erdgeschosses reicht.

Möglicherweise zwischen den Fu.ßbodenbalken

und der Kellermauer vorhandene

Öffnungen mit Soden abdichten.

Die Deckenbalken durch Balkenjoche mit

Fußsdtwellen, Kopf schwellen und Stützen

verstärken. Der Abstand zwischen den

Balkenjochen soll nicht mehr als 3 m betragen.

An Stelle eines Balkenjochs kann

man auch mehrere Querbalken mit einem

inneren Abstand von ca. 1 m verwenden.

Der Fußboden über dem Schutzraum wird

mit Dachpappe belegt, die so auI Leisten

liegt, daß eine gute Lüftung gewährleistet

ist.

Auf den Fußboden wird dann eine 35 cm

dicke Schicht aus Erde, Sand oder Grassoden

gelegt.

Eine Kellerfalltür mit Treppe zum Schutzraum

muß vorhanden sein.

Die Entlüftung des Schutz ra ums erfolgt

durdt einen Spalt der geöffneten Falltür.

Wenn der Sdtutzraum mit inneren Trennwänden

aus Holz abgeteilt werden muß,

so ist die Holzwand mit einer 0,5 m dikken

Wand aus Grassoden zu verstärken.

• •• und aus Bruchsteinen

Keller aus gutem Bruchsteinmauerwerk

reduzieren von sich aus die Strahlung

mindestens auf I/n. Bei besonders solidem

Mauerwerk kann man mit einer Reduktion

bis zu 1/" rechnen.

Um eine Reduktion bis auf I/IM zu bekommen,

muß der Keller aus Bruchsteinmauerwerk

last genau so verstärkt werden,

wie es vorstehend bei dem Keller aus

Feldsteinmauerwerk geschildert wurde.

(Einzelheiten sind aus Planskizze IV zu

ersehen.)

Ganz ähnlich verhält es sich auch bei dem

(in Planskizze V) dargestellten Schutzräumen

in Kellern mit Betonwänden und

Betondecken. Gute Betonkeller reduzieren

von sich aus die Strahlung auf 1/".

Um eine Reduktion auf I h M zu erhalten,

werden Keller folgendermaßen verstärkt:

Alle äußeren Keller-Fensteröffnungen

werden mit einer 0,5 m dicken und hohen

Mauer aus Grassoden so verdeckt, daß

diese 25 cm über die obere Kante der

Fensteröffnungen reicht.

Von innen wird die eigentliche Fensteröffnung

mit gut aufgesdtichteten Grassoden

zugesetzt, nachdem die Fensterflügel

entfernt worden sind.

Die Fenster der anstoßenden Kellerräume

werden auI die gleiche Art gesichert. Der

Fußboden über dem Schutzraum wird mit

Dachpappe belegt, die auI Leisten liegt,

so daß eine gute Lüftung gewährleistet

ist. Nun kommt auf den Fußboden eine

25 cm dicke Sdticht aus Erde, Sand oder

Grassoden.

Die Entlüftung des Schutzraums erfolgt

durdl einen Spalt der geöffneten Tür zum

Schutzraum. Die Zufuhr von Luft wird

am besten so geregelt, daß 2 Rohre durch

das Fenster ins Freie geleitet werden, den

Rohrstutzen 2 m über dem Erdboden.

Der Schutzraum muß so angelegt werden,

daß die Treppe an einer anderen Stelle

in den Keller herunterführt, als dort

wo der Sdtutzraum liegt. Eine genügende

Sidterung des Kellereingangs könnte sonst

sdlwierig werden ...

Alle diese in der norwegischen Schrift enthaltenen

Ratschläge sind mit handfesten,

bis in die Einzelheiten sorgsam ausgearbeiteten

Planskizzen versehen (die wir

Z. T. hier übernommen haben), so daß

der Interessierte auch etwas damit anfangen

kann. Bei der Lektüre ist natürlidl

zu berücksichtigen, daß hier weitgehend

den norwegischen Verhältnissen Rechnung

getragen wird.

So sieht die Vorderseite einer Mappe

aus, die das amerikanische Landwirtschaftsministerium

und die US-'Zivilverteidigungsbehörde

gemeinsam zusammengestellt

haben. Sie enthält

Aufklärungsschriften über empfehlenswerte

Schutz- und Varsargemaßnahmen

in der Landwirtschaft gegen

Angriffe mit Kernwaffen. Diese Mappen

liegen seit einiger Zeit im Rahmen

einer graB angelegten Aufklärungsaktion

in besanderen DrahtgesteIlen

an den Eingängen sämtlicher

Amtsgebäude zur kostenlosen

Entnahme aus. Sie werden auf allen

landwirtschaftlichen Ausstellungen

und Messen verteilt. Die Verteilung

ist dort im allgemeinen gleichzeitig

mit einer Wanderschau ve rschiedener

Modelle von Luftschutzräumen

für Menschen und Vieh sowie für die

planvolle Unterbringung von Le bensund

FuHermiHelvorräten verbunden.

19

- - -


ließ sich beraten

Von Hans Peter Kaulne,

Die Ausstel1ung des Bundesluflschutzverbandes

auf der Schleswig-llolsteinisehen

LandwirtsehaUssdlau 1961 war

ein vol1er Erfolg! Unter dem Thema

"Selbstschutz in landwirtschaftlichen

Betrieben" gab die Landcsstel1c Sehleswig-Holstein

aeht Tage lang auf inem

200 qm großen Ausstel1ungsstand im

Freigelände der Landbevölkerung einen

umfassenden überblick über heute

schon realisierbi:ll'e Sclbstschulzmaßnahmen

in landwirtscha!tliehen Anwesen.

Fast 200000 Besucher kamen in diesem

Jahr aus allen Teilen Schlcswig-Holsteins,

aus Hamburg und Niedersachsen

sowie aus den nordischen Nachbarstaaten

zur Landwirtschartsschau!

19980 Besucher wurden auf dem Stand

des BLSV gründlich beraten. 65 000

Broschüren, Merkblätter une Zeitschriften

wurden im Verlaufe der Ausstellung

an die Besucher ausgegeben. 118

neue Helfer wurden für den Selbstschutz

bzw. den BLSV und für die

stationären Meßtrupps geworben.

Die Ausstellung war ständig belagert;

die Fotos sprechen für sich. Auch der

Nachbarstand des Au!stellungsstabes

für den überörUichen LSHD war mit

seinen Fahrzeugen und Geräten ständig

gut besucht.

Den Besuchern bot sich der Anblick

einer 80 Meter langen Ausstellungsfront

des BLSV und des LSHD, über der die

Flaggen mit den Emblemen "BLSV"

und "ZB" flatterten.

Die fachliche Grundlage fand diese

Schau in dem Bericht über den ersLen

Erprobungslehrgang des BLSV "Selbstschut?

in ländlichen Gcbieten". Die an

praktischen Beispielen und Modellen erläuterten

Vorschläge, Hinweise und

Empfehlungen randen die ungeteilte

Aufmerksamkeit der Besudler.

Ob Landjugend oder Landfrauen, ob

Bürgermeister kleiner Gemeinden oder

Vertreter der Bauernverbände und

Kammern, Lehret' von Landwirtschaftsschulen,

Handwerker oder Händler -

alle wünschten gen aue Auskunft über

die Möglichkeiten des Selbstschutzes

auf dem Lande.

Die Sonderschau war in folgende Fachgebiete

(Gruppen) aufgeteilt:

I n einem ZeH: Vorbeugender Brandschutz

in landwirtschaftlichen Anwesen;

Lebensmittelbcvorratung und

Schutz von Lebensmitteln und Trinkwasser

vor radioaktiven Niederschlägen;

Erste-Hilfc-Vorbereitungen für

Menschen und Tiere; Schutz von Fultermitteln

und Erntevorrälen vor radioaktiven

Niederschlägen und Strahlenmeßdienst.

1m Freien: Bauliche Behelfsschutzmaßnahmen

gegen radioaktive Niederschlägc;

Wasserbevorratung für Tränk- und

Löschzwecke; abwehrender Brandschutl.

in landwirtscha!Wchen Anwesen;

Selbstschutzausbildung in ländlichen

Gebieten durch die Fahrbare Schule

der BLSV-Landesstelle Schleswlg-llolstein.

Jeder Gruppe sland ein fachkundiger

Heller zur Beratung und Information

zur Verfügung, der Gruppe .. Lebensmittelbevorratung"

eine erfahrene Helferin.

Diese Maßnahme hat sich voll bewährt.

So legt man einen lebensm itlo lvorrat an

lebensmittelvo,räte und Ha usapotheke können lebenswichtig sein ...


aktische Aufklärung

Schieswig-Hoistein •

usstellung des BLSV

uf der Landwirtschaftsschau

961 in Rendsburg

Ein Blick a uf das äußere Bild der gelungenen Ausstell ung des BlSV

Das Beachtenswerte an dieser Schau

war die Tatsache, daß die Besucher Geräte

vorfanden und sahen, die sie zum

Teil auf ihren eigenen Höfen für

landwirtschaftliche Betriebszwecke verwenden.

So zum Beispiel die fahrbare

Obstbaumspritze oder Zapfwellenpurnpen

für Schlepper. Daß man solche Geräte

auch für Selbstschutzz\Vccke verwenden

kann, war ihnen neu. Diese Anregungen

wurden mit sichtlichem Interesse

entgegengenommen und im Ausslellungskatalog

notiert.

Die vorgeführten Strahlennachwcisund

Meßgeräte waren ein besonderer

Anziehungspunkt. Hier überzeugten

sich die Besucher selbst davon, daß noch

kleinste Vorkommen von Radioaktivität

exakt festgestellt werden können

und somit die Möglichkeit einer rechtzeitigen

Warnung besteht. An diesem

Stand wurde auch für die freiwillige

Mitwirkung in den stationären

Meßtrupps des überörtlichen LSHD geworben.

Die Besucher konnten an Ort

und Stelle ihre schriftliche Bereitschaftserklärung

abgeben.

"'JP".Jlfs"I'i/~1 TI II

fiirlN/llilltltg 5D " " /"";,,

Di e l eistung der TS 05 fand den ungeteilten Beifall de r Besucher

Strahlensicherer Behelfsschutzbau aus Betonfertigteilen

Solche Beispiele aus der Praxis erweckten immer wieder Interesse


Der vorbeugende Brandschutz in landwirtschoftlichen Anwesen

Beim ,.Strahlenmeßdienst" drängen sich die Ausstellun9sbesuc:her

Ober die Löschkraft unserer TS 215

staunte man bei den praktischen Vor~

führungen des Ausbildungstrupps

Rendsburg. Besonders verwundert und

überrascht waren die Besucher aber

über die Leistung der TS 05, die trotz

ihrer Kleinheit ein ganz vorzügliches

Löschgerät, besonders für Bauernhöfe,

darstellt. Die Tatsache, daß derartige

Motorspritzen auch für l andwirtsdlaft~

liche Betriebszwecke zu verwenden

sind, brachte manchen Besucher zu dem

Entschluß, ihre Anschaffung zu erwägen.

Die Landfrauen ließen sich an der

Gruppe .. Lebensmittel bevorratung"

über alle Möglichkeiten eines Schutzes

vor radioaktiver Verstaubung beraten.

Es würde den Rahmen dieses Berichtes

sprengen, wenn man alle Einzelheiten

der Schau erläutern wollte.

Die bei der Ausstellung angewandte

Methode hat sich bewährt: Erprobte,

anschauliche Beispiele aus der Praxis,

Hinweise und Empfehlungen an Hand

von Modellen, Geräten und Maschinen.

verbunden mit einer ständigen fachkundigen

Beratung und Information

waren Aufklärung und praktische

Selbslschutzunterweisung zugleich!

Die große Nachfrage nach Beratungsschriften

und Merkblättern und das anhaltende

Interesse der Ausstellungs be~

sucher erbrachten den Beweis für die

Richtigkeit der Beteiligung des BLSV an

dieser Landwirtschaftsschau.

Auch 1962 dürfen wir hier nicht fehlen

Man würde uns sehr vermissen!

So ging 8S volle acht Tage zu: Der BlSV­

Stand war Treffpunkt zahlreicher Menschen

22


Auch

• •

In einer

kleinen Stodt • • •

Der Herr tritt hart auf die Bremse. Mit einem Ruck hält der Wagen,

obgleich die Ampel Grün zeigt.

Er traut seinen Augen nicht.

300---400 Menschen auf dem schönen. alten Marktplatz in Tübingen

- Menscllen jeden Alters. Männer, Frauen, Kinder. Sie schleppen

schwere Taschen, Rucksäcke, Decken. Sie sehen aus, wie wir

alle ausgesehen haben, als uns im Kriege die Sirenen immer wieder

in die Keller und Bunker jagten ...

Ein Polizist kommt eilig über die Kreuzung, klopft ans Wagenfenster

.

.. Ha no, Sie könne hier nU halte .. ."

.. Ja, aber ..... Der Autolahrer sucht offensichtlich nach Worten.

Aber der Hüter des Gesetzes und der Verkehrsordnung Iamt und

versteht ihn auch so. Er ist sdlon fast daran gewöhnt, erstaunte

Autofahrer aufzuklären.

"Die Leut' .., erklärt er geduldig und im breitesten, gemütlichsten

Sdtwäbisch, "die Leut', das seind Statisdlte. Sie wolle halt mitspiele

- in unserm Film."

Film - das erklärt alles. Und läßt doch viele Fragen offen. Was

tür ein Film wird hier gedreht?

Der Film hat den gleichen Titel wie dieser Bericht. Er heißt: "Auch

in einer kleinen Stadt ..." Er spielt, ja, wann spielt er? Hier und

heute. Die Uraufführung jedentalls soll am 20. November dieses

Jahres sein, dem Tage, an dem der Bundesluftschutzverband zehn

Jahre besteht. Denn: es handelt sich um einen Luftschutzfilm.

Die Welturaufführung wird in dieser kleinen Stadt, in Tübingen,

geschehen. Schon, damit die "Statisdlte" sich zuallererst selbst

einmal auf der Leinwand bewundern können. Und weil die weltberühmte

Universitätsstadt, und nicht nur der Polizist am Marktplatz,

den Film mit Fug und Recht und beinahe zärtlich als "unsern

Film" bezeichnet. Die Behörden, ja fast alle Einwohner zeigten

sich dem Vorhaben von Herzen aufgeschlossen. Niemand hatte erwartet,

daß eine ganze Stadt so begeistert mitmachen würde.

Obgleich Luftschutz immer noch im allgemeinen, sagen wir es

ehrlich, als unbeliebtes und unbequemes Thema verschrien ist.

Unser Film spielt in einer kleinen, romantischen

Stadt. Auf dem Foto der schöne alte

Marktplatz. Es spiegelt sich hier der Alltag

friedlicher Bürger wieder. Ahnen sie, dClB sie

schon bald mit bangem Henen einer Bedrohung

ihres Lebens gegenüberstehen? Wissen

sie, wie sie der Gefahr begegnen können?

Florion, der Hauptdarsteller des Films, ist l ehrling in einer Drudcerei. Sein

Meister, der zugleich Ortsstenenleiter des Bundesluftschutzverbandes ist und

eine Aufklärungsaktion plant, gibt ihm Zettel zum Verteilen in die Hand.

23


Doch in Tübingen ist es anders. Ist es vielleicht über der

Arbeit an dem Film anders geworden.

Ein Journalist, der sich in der Morgenfrühe mitten in eine

!:oldle Filmaufnahme hinein verfahren hatte, veranstaltete

gleich eine private Umfrage. Eine Anzahl der Befragten begründete

ihre Mitwirkung Cln dem Unternehmen so: "Ha

no, vielleicht gehen den Leuten jetzt endlidl die Augen auf!"

Das echte Interesse, die lebendige Anteilnahme an dem, was

der Film lehrt, an dem Anliegen des Bundesluftschutzvcrband~s.

war für ihn glatt erstaunlich.

Dcr Film - er soll auf privalwirtschaftlicher Basis ausgewertet

und in den Kinos als Beiprogramm laufen - ist eine

Ko-Produktion zwisdlcn der Gllclani-Film und dem BLSV.

Und zwar eine Ko-Produktion bis ins kleinste Detail. Der

BLSV zum Beispiel stell t für den luHschutztechnischen Teil

Berater und seine Helfer zur Vcrfügung, di in der BLSV­

Landesschule in Kreßbach - Kreßbach liegt in Tübingens

nädl::;ter Nachbarschaft - eig('ns zu einem Lehrgang zusammengezogen

wurden. 45 geschulte und in allen Selbstschutzübungen

erfahrene Männer und Frauen, von denen

jeder Lullschutzlaie lernen kann.

Da Luftschutzprobleme in einer so gekonnten und ansprechenden

Form selten dargestellt werden können, wird der

Film gleich in mehreren Sprachen synchronisiert, zum Beispiel

in Schwedisch, Französisch und Englisch. Baron Gaetani,

der Produzent, rechnet für seine Arbeit stark mit Prädikaten

und den damit verbundenen steuerlichen Vergünstigungen.

Er sagte: "Ich habe auch schon vom Fernsehen eine feste

Zusage. Der Film wird auch dort gebracht." Man sieht, die

breiteste Öffentlichkeit wird von ihm Kenntnis nehmen ...

*

"Gar nicht so einfach, eine so sdlwierige Sache darzubi('­

ten . .. " Dieser Stoßseutzer stammt von Protessor Karl HarU.

dem Regisseur und Verlasser des Drehbuches. Protessor Hartl

Oben links: Florion hat vor sich hingeträumt, und schon liegen die

Handzettel für die Aufklärungsaktion auf der Erde. An Zuschauern

fehlt es bei solchen Gelegenheiten bekanntlich nie. Mitte : Gleich

jagen die Kradmelder der Polizei los. Minuten noch, und der loutsprecher

des Funkstreifenwogens wird ertönen : "Achtung, Achtung!

Die Einwohner werden gebeten ..." Unten: Dos friedliche leben der

kleinen Stadt wurde durch schrilles Sirenengeheul unterbrochen. Gefahr!

Die Menschen eilen in Dedcung. Unten links: Ein Anblick, wie

er sich manchem überroschten Besucher der Universitätsstadt in der

ersten Septemberhälfte auf dem Marktplatz. oder vor dem Schloß bot:

Menschen mit Taschen, Decken und Koffern - mit flüchtlingsgepäck.


ist der Schwarm aller Tübinger Mädchen:

ein kleiner, rundlicher Sechziger.

Klug, gelassen, überlegen. Er spricht

ein äußerst kultiviertes Bayerisch und

gilt als Altmeister der Filmkunst. Er

ist einer der Regisseure, denen die alte

UFA ihre Weltgeltung verdankt. Hartl

drehte "Der Mann, der Sherlock Holmes

war", "Gold", "FP 1 antwortet

nicht", "Wilhelm Tell", den weltberühmten

Mozart-Film ...

"Natürlich ist der Film ein echter Spielfilm",

sagt er. "Er ist in keiner Weise

ein Werbe- oder Propagandafilm. In

eine Handlung, die spannend ist wie ein

Kriminalreißer, haben wir das, was gezeigt

werden mußte, gezeigt werden

sollte, das richtige selbstschutzmäßige

Verhalten, eingebaut. Wir haben auch

alles Notwendige über Sinn und Zweck

des Luftschutz-Selbstschutzes gesagt.

Aber den belehrend erhobenen Zeigefinger,

den haben wir .. gestrichen". Jeder

mag sich selbst seine Lehre aus der

Sache ziehen .. ."

.. Vorspann? Nein, den gibt's nicht. Warum

soll man gleich sagen, um was es

geht? Das mindert die Spannung. Wir

sind gleidl mittendrin. Die Kamera

zeigt aus der Vogelperspektive Tübingen,

den Marktplatz, das Sdlloß, ja, es

ist wirklich so, daß man sagen kann: eine

ganze Stadt spielt mit!"

*

Und was für eine Stadt! Prachtvoll gelegen

auf einem Hügel am Neckar, Sitz

einer von Herzog Eberhard mit dem

Barte 1477 gegründeten Universität.

Melanchthon lehrte hier, bis er nach

Wittenberg berufen wurde, als Privatdozent.

Der Dichter Uhland hat hier

gelebt und ist audl hier gestorben. Das

Haus, in dem er gewohnt hat, schaut

heute noch auf die Ned


Auf dem Berg über der stadt das

Schloß. 1535 unter Herzog Ulrich im

Renaissancestil erbaut, mit einem

prächtigen Portal von 1603 und einer

weltberühmten, treffiich geordneten

Bibliothek. Die Keller, riesige, hochgewölbte

Säle, spielen in unserem Film

als Luftschutzräume mit. Das berühmte

große Faß und der noch berühmtere

tiefe Brunnen, der früher bis zum

Neckarspicgel hinab reichte, sind, wie

die Tübinger Bürger, in der Rolle der

"Statischlc" erfolgreich.

*

Aber auch der Held und Star des Films

stammt aus der kleinen Stadt am

Neck.r. 15 Jahre alt, begabt - so

begabt, daß der Produzent ihn Anfang

Dezember voraussichtlich mit nach

Äthiopien nehmen will. Aum dort soll

er filmen. Er ist ein schmächtiger Bub

mit einem sehr lebendigen Gesicht und

klugen Augen. Im Film heiOt er

Florian und ist Buchdruckerlehrling.

Pfiffig und zerstreut, weil er statt der

Schwarzen Kunst die Weltraumlahrt

und das Atom im Kopf hat.

*

"Das Atom im Kopf lf haben auch die

30 Journalisten, die der BLSV zu einer

Informationstagung über den neuen

Luftschutzfilm und alte und neue Luftschutzsargen

in die Nachbarstadt Tübingens,

nach Reutlingen, gebeten hat.

Sie sind gekommen, um mitten in einer

gespannten Weltlage zu sehen und zu

hören, was heute im Zeitalter der

großen Bomben, der gefährlichsten atomaren

Drohung, der Selbstschutz und

der Luftschutz wollen und tun können.

Sie sammeln Erfahrungen und Informationen.

Das tun sie sozusagen stellvertretend

für alle Leser ihrer Zeitungen,

die diesen Themen bisher selbst

noch aus dem Wege gegangen sind - so,

als wären harte Wirklichkeiten aus der

Welt zu schaffen, indem man sie nimt

zur Kenntnis nimmt.

Der Bundesluftschulzverband hat datür

gesorgt, daß die Informationen so

aktuell und vollständig wie nur möglich

gegeben wurden. Dipl.-Ing. Erwin

Oehme, Leiter des Referates Bau und

Technik im BLSV, sprach über "Baulichen

Mindestschutz", ein Thema, das

unseren Lesern aus seinen Publikationen

in der "ZB" geläufig und vertraut

ist.

Gerd Schipke von der BundeshauptsteIle

wußte durch einen logisch öulgebauten,

temperamentvollen Vortrag

das Interesse der Pressevertreter tür

"Die Selbstschutzzüge des Bundesluftschutzverbandes

u zu wecken, wirkungsvoll

ergänzt durch einen Film

überhaupt vertieften gute Filme die

Einsicht in Wesen, Zweck und Ziel der

Selbstschutzarbeit. Man erlebt immer

wieder, wie das bewegte Bild zu einem

instruktiven Aufklärungsmittel wird.

Selbst Menschen, die dem Luftschutz

gegenüber in irgendwelcbco Ressentiments

befangen sind, sind merkwürdigerweise

durch Dinge. die sie vor

Augen haben, leichter zu überzeugen

und anzusprechen als allein durch

Worte.

Naturgemäß galt dem Referat des

Karlsruher Kernphysikers Professor Dr.

Altons Bühl, "Chruschtschows Drohung

und die Neutronenbombe", angesichts

der politischen Gegebenheiten unserer

Tage besondere Aufmerksamkeit.

"Ein Atomkrieg wäre der helle Wahnsinnle,

erklärte er. "Die Wissenschaftler

aller Länder bemühen sich, das den

Politikern klarzumachen. Sie wissen

nur zu gut, was der Menschheit drohen

würde, wenn es zu einem Weltkrieg

und dem vollen Einsatz der Atomwaffen

käme. Aber trotz aller Warnungen

der Sachverständigen werden". so sagte

der Professor, "Atomwaffen hergestellt,

erprobt und in die politischen und militärischen

Pläne einbezogen. Es gibt

heute nidll einmal mehr ein Manöver,

in dem nicht die Atombombe ihre makabre

Rolle spielt."

Im Nervenkrieg zwischen Ost und West

wird die atomare Drohung immer gelährlicher.

Chruschtschow hat sie mit

der Ankündigung einer lOO-Megatonnen-Bombe

noch gesteigert. Eine solche

Bombe würde. wenn es sie bereits

gäbe - und gerade das, so ~agte der

Wissenschaftler, habe man allen Grund

zu bezweiteln -, ein Gebiet von etwa

25 km Durchmesser zerstören. Ja, bis

zur sechs fachen Entfernung könnte und

müßte man noch Sdläden annehmen:

Fensterscheiben und Ziegeldächer würden

noch 150 km vom Explosionsort

zerstört werden. Hautverbrennungen

dritten Grades entstünden bel dieser

Bombe in einem Umkreis von 100 km,

sofern man sich von dieser künstlichen

Sonne beleuchten ließe, ohne in Deckung

zu gehen.

Aber: gerade diese großen Bomben geben

denen, die in selbstschutzmäßigem

Verhalten geübt sind, eine gewisse

Chance. Man hat, wenn man rasdl und

entschlossen handelt, einen Augenblick

Zeit, genügend, um sich hinter eine

Mauer, eine Bodenvertietung oder in

einen Graben zu werfen oder irgendeine

andere Deckung gegen den nHitzesturm"

zu benutzen. (Bei kleinen Bomben

wäre das Bemühen, der Hitze zu

entfliehen, wegen der kurzen Zeit,

die der Feuerball braudtt, um voll

autzuleuchten. sdlwieriger.) Allerdings,

selbst wenn man den Bombenabwurf

überstanden hat, dürfte das Uberleben

zwischen brennenden Häusern, stürzenden

Giebeln, Gasleitungen, die in Flammen

stehen, nicht leicht sein.

Die radioaktive Strahlung würde dabei

nach Professor Bühls Meinung keine so

wichtige Rolle spielen, wie der Laie

allgemein glaubt.

All diese Dinge lassen sidl exakt berechnen

und mit Zahlen belegen.

Aber die Bombe selber, in der diese

schreckl1chen Möglichkeiten stecken, sie

dürfte - zum Glück: für die Menschheit

- zunächst nur auf dem Papier

vorhanden sein. Bis jetzt zumindest

haben die Sowjets bei ihren Atombom-

Eine schwere, massive Treppo führt in die

Keller des Tübinger Schlosses hinab. Daneben

haben sich die Kameraleute postiert.

Dieso SchloßkeIler, riesige, hochgewölbte

Säle, "spielen" in dem Film als luftschutz.

räume mit. Vorne : Journalisten als Zuschauer.


entests noch keine erprobt. Auch dürfte

sie sicher nicht "auf Anhieb" so

funktionieren, daß sie als "frontreif"

gelten könnte. Allein die Schwierigkeit,

eine solche Riesenbombe zuverlässig ins

Ziel zu befördern und zu zünden, berechtigt

zu dieser Annahme.

In Amerika spricht man von einer Neutronenbombe.

In der Fachliteratur ist

bis jetzt noch kein Wort darüber geschrieben

worden. Alles, was man darüber

weiß, stammt aus halbwissenschaftlichen

Quellen. Was die Neutronenbombe

in ihrer Wirkung von den

bisher bekannten Bombentypen unterscheidet,

ist dies: Sie wirkt vor allem

durch die lebenzerstörende Strahlung.

Die Sprengwirkung tritt demgegenüber

in der Wirkung zurück. Sie soll auch

keine vernichtenden Feuerstürme auslösen

und auch keine anhaltende radioaktive

Verseuchung des Abwurfgebieles

bewirken. Mit anderen Worten, sie

soll Truppen kampfunfähig machen,

aber Städte, Industrieanlagen usw. nicht

in dem Maße zerstören, daß die Eroberer

nur vor Toten und Trümmern

stünden, die zu nichts mehr zu gebrauchen

sind.

"Hat das nun militärisch einen Sinn?

Ist die Neutronenwaffe eine reine Terrorwaffe

oder ein politisches Druckmittel?"

fragt Professor Bühl.

Er glaubt nicht, daß dieser neue Bomben

typ militärisch eine allzu große Bedeutung

habe. Die Strahlenkrankheit

tötet nicht sofort. Erst nach 1-2 Tagen

wird ihre Wirkung spürbar. Die Betroffenen

werden krank, viele sterben,

aber durchaus nicht sofo:t. Die Truppen

würden also erst viel später in ihrer

Aktionsfähigkeit behindert. Und darum

scheint die Neutronenbombe, nach

Professor Bühl, als Kampfmittel ungeeignet.

Sie könnte aber der Zivilbevölkerung

gegenüber zu einer schrecklichen

Terrorwaffe werden.

Soweit Professor Bühl. Seine Ausführungen

können hier begreiflicherweise

nur in einem kurzen Ausschnitt und

ohne Anspruch auf Vollständigkeit behandelt

werden.

*

Wie alle Vorträge, wurde auch dieser

von den Gästen stark diskutiert, und

Diskussion ist das beste Mittel, um Gedanken

in Fluß zu bringen, Themen

von vielen Seiten anzugehen, Begriffe

zu klären.

Ein Journalist: "Wir haben in der

Redaktion sehr lange darüber beraten,

ob wir einen Vertreter zu

dieser Tagung delegieren. Wir

sind zu dem Ergebnis gekommen,

und zwar ganz allgemein: Es liegt

ein echtes Informationsbedürfnis

des Lesers vor. ,Tetzt können wir

ihm entsprechen .....

Ein anderer: "Was uns hier gegeben

wird, sind Dinge, die man

wirklich wissen muß .....

Mit anderen Worten: Die Tagung

ist das gewesen, was sie sein

sollte: interessant, informativ, ansprechend

und aufklärend. Ein

Erfolg für den Gastgeber, die

Landesstelle Baden-Württemberg

des BLSV, und ihren Leiter,

Walter Mackle.

*

Die neue Gepflogenheit, die Vorstandssitzungen

des Bundesluftschutzverbandes

in den verschiedenen Bundesländern

abzuhalten, hat allgemein Verständnis

und Anerkennung gefunden.

Der Vorstand kann sich so leichter und

besser in den jeweiligen Landesstellenbereichen

an Ort und Stelle über den

Stand und die Entwicklung der Selbstschutzarbeit

überzeugen. Außerdem lassen

sich auf diese Weise die Beziehungen

zu den Länderregierungen und den

kommunalen Stellen - Städten, Kreisen

und Gemeinden - noch fester

knüpfen und vertiefen.

Es sollen aber bei diesen Sitzungen

künftig nicht nur der Bericht des zuständigen

Landesstellenleiters entgegengenommen

und Gespräche mit den

Landesregierungen und kommunalen

Behörden geführt werden. Es sollen

auch Ortsstellen aufgesucht, Schutzräume

besichtigt und vor allem ein unmittelbarer

Kontakt zu den ehren- und

hauptamtlichen Helfern des BLSV gewonnen

werden - zum Nutzen und zur

Förderung der gemeinsamen Arbeit.

Die beiden ersten Versuche in Salzgitter

und in Kiel können als gelungen

bezeichnet werden. Viele Zuschriften

und Gespräche bestätigen diesen Eindruck.

Auch die Tageszeitungen und

der Rundfunk haben sachlich und infor-

. mativ darüber berichtet und die Aufgaben

des BLSV herausgestellt.

In Kiel wurden vor allem die Reden

stark beachtet, die Präsident Dr. Latz

gehalten hat.

Auf einem Empfang, den die Stadt dem

BLSV-Präsidium im Magistratssaal des

Rathauses gab, in einer Ansprache vor

der Marine und vor Vertretern von

Presse und Rundfunk legte Präsident

Dr. Latz den Sinn und den Zweck der

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Gutes und anhaltendes Echo

der Kieler Vorstandssitzung

des Bundesluftschutzverbandes

BLSV-Arbeit überzeugend dar. Er bezeichnete

den Luftschutz/Selbstschutz

als echte Daseinsfürsorge und Vorsorge.

.. Niemand darf sich der Verantwortung

entziehen", sagte er.

Dr. Latz dankte dem Bundestag, den

Länderparlamenten, den zuständigen

Ministern, den kommunalen Spitzenverbänden

und ihren Mitgliedern, den

Städten, Gemeinden und Kreisen für

ihre Mitwirkung an der großen und

lebenswichtigen Aufgabe des Selbstschutzes

der Bevölkerung. Er forderte

zu verstärkter Aufklärung und Werbung

auf, um weitere Helfer und unter

ihnen vor allem die Jugend für eine

Ausbildung im selbstSchutzmäßigen

Verhalten zu gewinnen.

In der LandessdlUle Ascheberg sprach

Dr. Latz zu den Landesstellenleitern

des BLSV, die sich dort zu einer Tagung

zusammengefunden hatten. über

Maßnahmen zur Überwindung von

Mißtrauen und Zweifel und über die

neuen Wege, die der Luftschutz auf

Grund modernster wissenschaftlicher

Erkenntnisse zu beschreiten habe. Er

zeigte Möglichkeiten der Zusammenarbeit

mit Parlamenten, der Bundesregierung,

den Länderregierungen und

den kommunalen Spitzenverbänden auf

und bat, die Kraft des ehrenamtlichen

Elementes in der BLSV-Helferschaft

nicht zu unterschätzen. "Nur wo hauptund

ehrenamtliche Kräfte auf Grund

ihrer Ideale und ihrer inneren Bereitschaft

eng zusammenarbeiten", so führte

Dr. Lotz aus, "wird es möglich sein,

die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen

für die Bevölkerung aUen Bürgern

nahezu bringen. "

Die nächste Vorstandssitzung des Bundesluftschutzverbandes

wird am 17.

Oktober in Karlsruhe stattfinden und

wichtige Grundsatzfragen des Luftschutz/Selbstschutzes

behandeln.

Bei der Bezirksregierung Aachen isl ab sofort dio SIeiie des

Leiters

für den regionalen Aufstellungsstab

der LuftschutzhIlfsdienste

neu zu beselzen. Die SIelie ist mit Vergütungsgruppe 111 BAT ausgewle.

sen. Bewerber müssen über Erfahrungen im Aufbau und In der Leitung des

Lultschutzhilhdienstes verfUgen oder eine mehrjährige hauptberufliche

oder eh renami liehe Tätigkeit in einer der Ba sisorgllnisationen (BLSV, THW,

ORK, ASB, MHO, JUH) oder gleichwertige Tätigkeiten nachweisen können.

Bewerbungen mit handgoschriebenem Lebenslauf, Lichtbild, beglaubigten

Zeugnlsabschriften und sonstigen Befähigungsnachweisen sind

spätestens zum 31 .10.1961 an den Regierungspräsidenten in Aachen, Theaterptalz104,

zu richten.

Persönliche Vorstellung nur nach Aufforderung.

27


Der Präsident des Bundesluftschutzverbandes, Dr. Erich Walter Lotz (auf unse.­

rem Bilde zweiter von rechts), verlieh im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses

die Goldene Ehrennadel des BlSV an (v. I. n. r.): BLSV-Bezirksstellenleiter

Franz Lücke, Polizei me ister i. R. Georg Schremser, Oberbürgermeister

Willi Kelch und Oberstadtdirektor Joachim Fischer. Ganz rechts das

geschäftsführende Vorstandsmitglied des BLSV, Ltd. Regi erungsdirektor Fritze.

Präsident Dr. Lotz sprach im Friedenssaal des OsnabrUcker Rathauses I Goldene

Ehrennadel des BLSY fUr vier verdiente Männer.

In einer Feierstunde im Friedenssaal

des Osnabrücker Rathauses richtete der

Präsident des Bundesluftschutzverbandes,

Dr. Erich Walter Lou, einen eindringlichen

Appell an die Öffentlichkeit,

auch in unserer spannungsgeladenen

Zeit Gedanken der Ausweglosigkeit

und Hoffnungslosigkeit niemals Platz

greifen zu lassen.

,.Den Frieden zu bewahren", erklärte

Dr. Lotz in seiner Ansprache, "ist unser

aller Aufgabe. Aber nur wer stark

ist, wer sich auf jeden Ernstfall vorbereitet

und entsprechende Schutzmaßnahmen

getroffen hat, wird diesen Frieden

erhal ten können."

Präsident Dr. Lotz wies besonders nachdrücklich

darauf hin, daß es nach den

neucsten Erkenntnissen der exakten

Wissenschaft durchaus möglich ist, sich

auch gegen die Einwirkungen nuklearer

Waffen zu schützen. "Luftschutz ist

nötig und Luftschutz ist möglich", sagte

Dr. Lotz, "aber Luftschutz ist keine

Aufrüstung und Kriegsvorbereitung,

sondern echte Daseinsfürsorge für die

Schwachen. Wir alle hoffen, daß die

vorbereitenden Maßnahmen niemals

praktiziert werden müssen!"

Als eine der wichtigsten Aufgaben des

BundesluCtschutzverbandes kündigte

Präsident Dr. Lotz die Aufstellung der

Selbstschutzzüge an. Ihnen werden

Männer und Frauen angehören, die

hervorragende Kenntnisse im Bergungs-

wesen, in der Brandbekämpfung und

in der Ersten Hilfe besitzen, Kenntnisse,

die jedem Interessierten der Bundesluftschutzverband

kostenlos vermittelt.

In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit

1 822000 Männer und Frauen, die im

selbstschutzmäßigen Verhalten unterrichtet

worden sind. Etwa 160000 Helfer

und Helferinnen sind im BLSV

und im Selbstschutz tätig. Insgesamt

stehen im Bundesgebiet 461 Schulen

und Ausbildungsstätten des Bundesluftschutzverbandes

zur Verfügung. Mit

Hilfe der ständigen Konferenz der Kultusminister

soll darüber hinaus die

Einführung eines ständigen Selbstschutzunterrichts

für die oberen Schulklassen

erreicht werden.

Präsident Dr. Lotz wies auf die großzügige

Schutzraumplanung in anderen

Ländern hin. Vom nächsten Bundestag

erwarte man ein Gesetz, das den Einbau

von Schutzräumen für Neubauten

zur Pflicht mache. Dr. Lotz machte

auch auf das große Schutzpotential aufmerksam,

das in den Anlagen für den

ruhenden und fließenden Verkehr

stecke, die in immer größerem Maße

unterirdisch errichtet werden. Sie sollten

in jedem Falle so projektiert werden,

daß sie in Zeiten der Gefahr auch

als Sehutzräume verwendet werden

könnten.

Im Anschluß an seinen eindrucksvollen

und temperamentvollen Appell, der die

Gäste der l


Auslandsbesucher

In Waldbröl

Der kanadische MilitöraHach:e in Bonn, Co·

Ion el Edward W. Henselwood, auf dem

Ubungsgelände der Bundesschule des BLSV.

Immer öfter zeigen die Flaggen über dem

Eingangsportal der Bundesschule des

BLSV in Waldbröl Gäste aus der Schweiz,

aus England, Holland, Luxemburg, Dänemark,

Norwegen, Schweden, Finnland,

aus Spanien, Israel und Ägypten an. Sie

wollen Gedanken austauschen und sich

Anregungen holen für die gemeinsame

Aufgabe, die sie alle verbindet.

Kürzlich kam der kanadische Militärattaehe

in Bonn, Colonel Edward W. HensClwood,

nach Waldbröl, um sich über die

Aufgaben u nd die Arbeit des Bundesluftschulzverbandes

zu informieren. Sein besonderes

Interesse galt der Frage, ob und

wieweit H unde in der Lage seien, unter

Trümmern verschüttete Menschen aufzuspüren

und zu verweisen.

Im Obungsgelände konnten dem Gast

alle Einrichtungen für Ausbildung und Einsatz

von Rettungshunden gezeigt wer­

(Ien. An ~ chlieRp'ld vorgeführte Filme rundeten

die Berichte ab.

Die Anregungen, die Oberst Henselwood

in Waldbröl mit dem Ausdruck des herzlichsten

Dankes aufnah m, werden dazu

beitragen, daß die bisherigen wertvollen

Erfahrungcn auf dem Gebiet der "Menschenrettung

durch Hunde" auch dem kanadischen

Zivilschutz zugute kommen.

Als weitere r bemerkenswerter Gast besuchte

Direktor Josep h Hans, Mitglied

des Präsidiums des österreichischen Zivii

schutz ver bandes und enger Mitarbeiter

des früheren österreichischen Bundeskanzlers

Julius Raab, die Bundesschule, um

sich über Organisation, Aufbau und Ausbildungsmethoden

des Selbstschutzes in

der Bundesrepublik zu informieren. Der

Gast aus Österreich befindet sich zur Zeit

auf einer ausgedehnten Europareise, um

den Aufbau des Luftschu tzes in den einzelnen

europäisch en Ländern zu studieren.

Vor seinem Besuch der Bundesschule in

Waldbröl hatte Direktor Joseph Hans in

Braunsd1weig dem Präsidenten des Bundesluftschutzverbandes.

Dr. Erich Walter

Lotz, seine Aufwartung gemacht und mit

ihm zum Nutzen der eigenen Organisation

Probleme des zivilen Bevölkerungsschutzes

und vor allem des Selbstschutzes

erörtert.

Auf einer Pressekonferenz, die Dr. Latz

aus Anlaß dieses Besuches in Braunschweig

abhielt, und auf der er eine Reihe

wichtiger Selbstschutzmaßnahmen des

Bundesluftschutzverbandes ankündigte, erklärte

Direktor Hans freimütig: "Wir

stccken da noch in den Kinderschuhen.

Die Bundesrepublik ist den öster reiehern

um einige Schritte voraus."

5 T RA ..... L.1I_ . . ....

Mit der zunehmenden Anwendung von radioaktiven Stoffen in Industrie und

F-orschung muß den Strahlenschutzmaßnahmen erhöhte Beachtung beigemessen

werden.

Wir liefern tragbare, batteri ebetriebene Präzisions-Dosisleistungsmesser

zur Messu ng von y-Strahlung und zum Nachweis von Cl- und ß-Strahlung.

Durch ihr geringes Gewich t und die kl einen Abmessungen eignen sie sich

besonders für den indivi duellen Strahlenschutz, für Spür-, Kontroll- und

Oberwachungszwecke sowie für den Katastropheneinsatz. Die Geräte sind

mit Tran sistoren bestückt und universel l verwendbar. Der Anschluß an

äußere Stromquellen ist möglich. Ein umfangreiches Lieferprogramm

an Spezialsonden, die an das Grundgerät an geschlossen werden können,

erlaubt die Durchfü hrung vielfältiger Meßaufgaben ; z. 8.: Untersuchung

kontaminierter Flüssigkeiten. Ober einen Spezial·Kabelverteiier ist es möglich,

bis zu 10 Sonden - be·i Kabellängen bis zu 70 m - ohne Verstärker

anzu schließen. Die hohe Meß-Empfindlichkeit der G eräte gestattet die Messung

bzw. den Nachweis von Strahlungsintensi täten in 8 Bereichen zwischen 10 ~ tr / h und 50 r/ h. Die übersichtliche

Anordnung der wenigen Bedienungselemente ermöglicht einfache -H andhabung und zuverl ässiges Ablesen der

Meßergebnisse.

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29


Landessl'ellen

berichl'en

NORDRIIEI N-WESTFALEN

WlrklidtkeHsnahe Elnsahfibungen von

BLS V -Selbstschutzeinheiten

Auf dem ObungsgeJände der Kreisstelle

Dinslaken des Bundesluftsmutzverbandes

aue dem Stadtschirrhol Dinslaken ist

durch die freiwillige Mithilfe aller Helfer

eine im Lande NRW einmalige Obungsanlage

für Rettungsaulgaben entstanden.

Unter einem naturgetreuen Trümmerkegel

wurde ein Röhrenfuchsbau angelegt,

der das übungsmäßige Orten und Bergen

von versdlUtteten Menschen ermöglidlt.

Schon bald konnte die Kreisstelle aul diesem

Gelände einen Wettbewerb durchführen,

an dem die Selbstschutzeinheiten aus

Dinslaken, Wals um, Voerdc und Hünxe

teilnahmen. Die übung gliederte sich in

zwei Teilaufgaben, die von allen beteiligten

StaUein unter völlig gleichen Voraussetzungen

und Bedingungen absolviert

werden mußten: einmal Ausbildungsübungen,

zum anderen Einsatzilbungen. Jede

Aufgabe beanspruchte ca. 2 Stunden, so

daß jede StaCCel in einem vicrstündigen

Einsatz war.

Die Einsatzilbung wurde in Fortführung

des bereits im Herbst vergangenen Jahres

veranstalteten Wettbewerbes der Kraftspritzenstattein

durchgeführt. Es war die

erste Veranstaltung dieser Art im Bundesgebiet

überhaupt. Sie war sorgfältig

geplant und in Ihrer Ausführung dem

Zweck des Wettbewerbes entsprechend

eine sehr gründliche Arbeit. Der Eifer

und der Ernst, mit dem sich die HeUer

dieser übung freiwillig unterzogen, verdient

Lob und Anerkennung. Die örtliche

Presse brachte auch diesmal wieder ausrührliche

Bildberichte.

Strahlenschut.kurse für Betriebe

Wie der Bonner General-Anzeiger mitteilt,

veranstaltet das auch mit Strahlenforschung

beauftragte Staubforschungsinstitut

des Hauptverbandes der gewerblichen Berulgenossenschaften

Strahlenschutzkurs-e

für die Sicherheitsbeauftragten der Betriebe.

Das Institut überwacht ständig die

Strahlenintensivität an Arbeitsplätzen, an

denen mit radioaktiven Stoften umgegangen

wird.

30

HESSEN

I n sechs Luftscbutz-Tellabsdmltte aufgegliedert

Der .. Offenbacher Post" entnehmen wir

den nachstehenden Beridlt, der die gegenwärtige

Selbstschutzsituation in Offenbach

aufs beste wiedergibt: Das Offenbacher

Stadtgebiet Ist Im Laute dor letzten

Zeit in Zusammenarbeit zwischen

dem Oberbürgermeister als örtlichem Luttschutzleiter

und dem Bundesluttsmutzverband

in sems Luftschutz-Teilabsdmitte

neu gegliedert worden. Die Neueinteilung

erfolgte so, daß in jedem Teilabschnitt

bei Katastrophenfällen eine Ausfallstraße

oder ein anderer günstiger Weg vorhanden

ist, auf dem die Einwohner Ihren

Stadtteil verlassen können.

Teilabschnilt 1 umfaßt das Gebiet zwischen

Stadtgrenze. Bahndamm und Kaiserstraße,

Abschnitt 2 das Gelände zwischen

Kaiserstraße, Bahnlinie und Gerberstra­

Be. Hinsichtlich seiner Grundfläche 1st er

verhältnismäßig klein, dafür aber dicht

besiedelt. Zum Abschnitt 3 gehören Bürgel,

Rumpenheim und Waldheim. Südlich

der Bahnlinie reicht Abschnitt 4 von der

Stadtgrenze bis zur Senefelderstraße, Abschnitt

5 von der Senefelderstraße bis zur

Grenzstraße, und Bieber bildet den Abschnitt

6. Dieser Abschnitt reimt von der

Stadt hinein bis zum Güterbahnhof.

Die sedls Teilabschnitte umfassen insgesamt

23 Selbstschutzbezirke, und in diesen

Bezirken beginnt der Bundesluftschutzverband

jetzt mit der Aufstellung von

Selbstschutzzügen für jeden Bezirk. Bisher

existieren 2 Züge In der vorgesehenen

Stärke von 19 Mann: ein Zugführer

und je eine sechsköpCige Kraftspritzenstaffel,

BergungsstaCJel und Laienhelferstaffel.

Die Bezeimnung "Mann" sei nicht ganz

ridltig, meint Orts- und Kreisstellenleiter

Anselm dazu: .,Es haben sich auch Frauen

zur Verfügung gestellt. Vorerst setzen

wir sie In den LaienhelIerstaffeln ein,

dom werden sie In and ren Städten auch

für den Brandsdlulz- und Bergungsdienst

ausgebildet." Er erinnert dabei

daran, daß sich vor einiger Zeit auch in

OUenbadl katholisdle Ordenssdlwestern

einer kompletten Luftschutz-Grundausbildung

unterzogen, weil sie von der Flucht

in den letzten Kriegsmonaten her den

Wert der Selbsthilfe bejahten. Die Selbstschutzbezirke

sind so angelegt, daß in jedem

Bezirk ungefähr 5000 Menschen leben.

Jeder Bezirk bekommt einen solchen Zug,

dessen Ausrüstung von der Spritze bis zur

Arbeitshose vom Bund erstellt wird. Er

soll als "Erste Hilfe" dienen, bis die Hilfskräfte

des öffentlichen Dienstes herbeigeeilt

sind, wie Polizei und Feuerwehr,

Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz und

ähnliche Organisationen.

Die Aufstellung der noch fehlenden 21

Züge werde nimt auf allzu große Sdlwierigkeiten

stoßen, hofft Herr Anse1m. Er

sieht ein pOSitives Zeimen für die Arbeit

des Selbstschutzes darin, daß sich gerade

in letzter Zeit die Fälle häufen, In denen

sich Offen bacher

erkundigen.

RHEINLAND-PFALZ

nadl LuftschutzCragen

Erkenntnis der Schutznotwendigkeit

wächst

Die Landesstelle führte In den vergangenen

Wochen eine Anzahl Veranstaltungen

durch, die vor allem auch durch ihre Unterschiedlichkeit

bemerkenswert erscheinen.

Eine Mitarbeiterehrung auf der Landesschule

in Bingen, bei der sieben bewährten

Dienststellenleitern im Beisein der regionalen

Führungskräfte des Verbandes

die Ehrennadel verliehen wurde, bot im

Rahmen einer Würdigung ein Spiegelbild

getreuer und vorbildlicher Alltagsarbeit

durdl Jahre des Aufbaus hindurch.

Landesstellenleiter von Leoprechtine

spannte in seiner Ansprame den Bogen

einer verdienten Würdigung von den 50

unpopulären Anfangsbemühungen bis zur

derzeitigen Aufklärungs-, Organisationsund

Ausbildungsarbeit im Schatten einer

weltweiten Krise.

Aum die Feierstunde anläßlich des Wechsels

1m Kreisstellenbereich von Alzey zeigte

in der Anwesenheit und persönlichen

Anteilnahme der behördlichen Spitzen und

Fortsetzung Seite 32

Veranstaltungen des Bundesamtes

fUr zivilen Bevölkerung •• chut.

Das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz

führt in der Zeit vom 19. September

bis 15. Dezember 1961 folgende Ausbildungsveranstaltungen

durch:

a) Planungsseminare "Baulidler Luftschutz"

vom 24.-27. Oktober 1961,

7.-10. November 1961,

5.- 8. Dezember 1961;

b) Ausbildungslehrgänge für örtliche Luft~

schutzleiter und deren Vertreter aus

Orten über 5000 Einwohner

vom 24.- 27. Oktober 1961,

7.-10. November 1961,

14.-17. November 1961,

28. Nov.- 1. Dezember 1961,

5.- 8. Dezember 1961,

12.-15. Dezember 1961.

Die Einladungen zu den Veranstaltungen

sind durch das Bundesamt für zj .. Uen Bevölkerungsschutz

an die jeweil~ zuständigen

Behörden und Verbände ergangen.

Die Zeitschrift .. Zlvll.chut .... Koblen ••

brachte In Ihrem September-Helt:

30 Jahre im Dienste des Luftschutzes.

Uebe: Verwaltung und Leitung - oder

Führung des zivilen Bevölkerungsschutzes?

Haase: Vorläufige, taktische Zeichen im

zivilen Luftschutz.

R udlotr: Strahlenschutzprobleme 1m "fa1lout"-Gebiet

einer Atomexplosion.

Rampe: Der Helfer der Luft - Ergebnisse

der Hubsd1rauber-Tagung auch für den

Lultschutz beadltenswert.

Baulicher Luftschutz: Kern, Bauliche Instandsetzung

von Schutz bunkern I Lultkrieg

und Landesverteidigung I Aktueller

Rundblick I Patentberichte I Schrifttum

Z e i tsdl. r iltensdla u.

Empfang ausländl.cher Gä.te

In unserem Bildberidlt in ZB 8 muß es

aut der Seite III in der Unterschrift zum

Photo oben rechts in der dritten Zeile

richtig heißen: '. Herr Oberst 1. Gst.

E. Fischer, Beauftragter für Zivilschutz des

Eidg. Justiz- und Polizei departements

(nicht Herr Dettwiler).



~

i§~%}

Im Einsatz bewiesen :

Er schafft alles • • •

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Völkerrechtlicher Schutz fUr BLSV·

Helfer

Seil langem bemüht sich der Präsident des

Bundeslu!tschutzverbandes, Dr. Erich Waller

Latz, um Anerkennung des völkerrcchtlidlen

Schutzes nach Artikel 63 der

IV. Gcnfer Konvention auch für die

Helfer des Bundesluftschutzvcrbandes.

Auf der Juristentagung des Deutschen

Roten Kreuzes in überlingen hat cr diesen

Wunsch erneut zum Ausdruck gebracht

und den Antrag gestellt. sofort gemeinsam

mit dem BLSV zu prüfen, ob

und wie die Schutzbestimmungen der

Genrer Konvention auf die HeUer des

BLSV Anwendung finden können, sei es

durch neues Recht oder durch Erweiterung

der bestehenden Konvention.

Dr. Latz begründete seinen Antrag damit,

daß der Bundesluftschutzverband eine humanitäre

Organisation Ist, die in Katastrophenzeiten

im Dienste der Hilfsbedürftigen

stehe.

Der Generalsekretär des DRK, Dr. Schlögel,

bezeichnete diesen Antr


_

"Erst wenn's weh tut, denkt man an den Doktor ... "

3. Folge

Und wann denkt man

an den Luftschutz?

Man sollte annehmen, daß sich jeder dem Leben

und den besonderen Problemen unserer Zeit gegenüber

aufgeschlossene Mensch für den zivilen

Bevölkerungsschutz, und hier vor allem für den

. Selbstschutz und seine Aufgaben, interessiert.

Schließlich geht es dabe,i um seine ureigensten und

persönlichsten Interessen. Wie notwendig der

Luftschutz/Selbstschutz einmal werden könnte,

zeigen die politischen Spannungen in unserer Welt .

....

Roswitha Gerig, 21 Jahre, Säuglingsschwester, Horrem,

Bahnhofstraße 2: Wenn ich diese Frage negativ

beantwortete, hätte ich meinen Beruf verfehlt. Ich

weiß zwa r nicht viel von Krieg und Luftschutz, doch

meine ich, daß jeder Mensch im Ernstfalle Anspruch

auf ausreichende Sicherung haben müßte.

....

Henri Hofman, 68 Jahre, patron d'Auto-Ecole, 11 ,

Place Philippe de Gerard, Lilie (Nord), Frankreich:

Defense passive - mais oui, Monsieur, natürlich

kenne ich den Luftschutz. Ich war doch im vergangenen

Krieg aktiv dabei und bin heute noch freiwilliger

Helfer bei dieser Organisation. In meinem

Beruf m ache ich die. Erfahrung, daß die hier erworbenen

Kenntnisse oft dazu geeignet si nd, Mitmenschen

zu helfen. Gerade wo es täglich so viele durch

Verkehrsunfälle verletzte Personen gibt, wäre es

über den Luftschu tz hinaus gut, wenn w enigsten

s für jeden Kra ftfahrer die Pflicht bestände,

d ie Grundbegriffe der Ersten H ilfe zu beherrschen .

....

Gertrude Daub, 70 J ahre, Pianistin, Sigmaringenl

Hohenzollern, Gorheimer Straße 3: Man kann sich

vor dem Zeitgeschehen nicht verstecken ... Ethik

und christliche Nächstenliebe verpflichten, vorsorgend

im Luftschutz eine helfende Zuflucht zu schaffen.

Den Aufbau dieser Organisation bejahe ich

deshalb aus vollstem Herzen.

Franz Vi ts, 37 Jahre, Gärtner, Watern, Krs. Erkelenz:

Jeden Tag kann ich die übungen der Düsen- ..

flugzeuge beobachten. In einem Kriege verfügt auch

der Gegner über solche Maschinen. Es ist sicher sehr

gut, wenn man uns Zivilisten vor den Gefahren

w arnt und auch etwas für unseren Schutz tut. Sollte

man Verwendung für mich haben, so bin ich gerne

bereit, als freiwilliger Helfer mitzumachen.

Fortsetzung Seite IV


Fortsenung von Sei te 111

fiErst wenn's weh tut, denkt man an den Doktor • • 11

Und

wann denkt man

an den Luftschutz?

~ Ilse Goesmann, 32 Jahre, Sekretärin, Bonn-Dottendorf,

Rochusweg 32: Es ist sehr erschreckend, sidl

mit diesem Problem auseinandersetzen zu müssen.

Ich finde jedoch, daß es notwendig ist, sich mit Luftschutz

zu befassen. Auch von KriegsCällen abgesehen,

kann es sehr nützlich sein, wenn man etwas

von Erster Hilfe und Brandschutz versteht.

Frau Dorothea Schubert, 63 Jahre, Hausfrau, Köln, ~

Hansaring 62: Was soll diese Frage, wir wollen

doch keinen Krieg mehr. Ich habe im letzten Krieg

Totalschaden erlitten und mußte mit meiner Familie

über ein Jahr in einem Luftschutzbunker leben.

Daß ich mich darin nicht wohl fühlte, brauche ich

wohl nicht zu sagen, muß aber zugeben, daß ich bei

Luftangriffen im Bunker doch ein sicheres Gefühl

halte.

~ Paul Dussussois, 56 Jahre, moniteur d'Auto-EcoJe,

39, Rue St. Jean Baptiste de la Salle, Lille (Nord).

Frankreich: Luftschutz? - d'accord - dcfense

passive sagen wir in Frankreich dazu. Im Kriege

wurde ich als Sanitäter ausgebildet. Beim defense

passive bin ich heute noch als freiwilliger Helfer.

Ich hatte schon oft Gelegenheit, 'reine Kenntnisse

einzusetzen und anderen Menschen bei Not- und

Unglücksfällen zu helfen. Der Gedanke des zivilen

Schutzes ist international. Eine Zusammenarbeit

zwischen den Nationen könnte für alle Beteiligten

nur von Vorteil sein.

Irmgard WinkIer, 21 Jahre. Hausfrau, Stein bei ~

Henne!: In meiner Kindheit habe ich davon gehört

und noch eine schwache Erinnerung an das Wort

Luftschutz. Zwar lese ich fast jeden Tag von Soraya

und Farah Dibah in der Zeitung, ich wußte aber

nicht, daß es wieder einen Luftschutz gibt.

Text und Fotos: Heinz Sütterlin

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